Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Römhild lebten Juden bereits im Mittelalter. Sie
waren von der Judenverfolgung durch die Banden des "Ritter Rintfleisch"
im Jahr 1298 betroffen. 1363 wurde ein Jude namens "Bischof
von Romhilt" in Frankfurt aufgenommen. Weitere Juden mit dem Zunamen
Römhild (beziehungsweise Variationen des Namens) sind 1376 in Würzburg, 1414
in Hessen (Salomon von Romehilt) und 1459 (Joseph Rumold in
Nördlingen) bezeugt. 1510 sollen die Juden von Römhild 10 Gulden zur
Venedighilfe des Reiches beitragen. 1525 erhielt ein in der Stadt lebender Jude
Geleit durch die aufständischen Bauern. Nach dem Übergang der Stadt an die
Wettiner Markgrafen 1555 wurden die Juden vermutlich
ausgewiesen.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es keine Juden in der
Stadt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen einige jüdische
Familien aus benachbarten Gemeinden nach Römhild. Doch blieb die Zahl der
jüdischen Einwohner klein (20 bis 30 Personen in vier bis fünf Familien). Es
handelte sich insbesondere um die Familien Ehrlich (die erste der zugezogenen
jüdischen Familien in Römhild: 1861 ist Emil Ehrlich in Römhild geboren,
gest. 1933 in Römhild), Friedmann (Löw Friedmann zog aus Berkach zu), Kahn und
Naumann. Die jüdischen Familien eröffneten einige Geschäfte: Adolf Kahn hatte
ein Manufakturwarengeschäft (s.u. Anzeige und unter Betsaal), Meier Friedmann
ein 1906 eröffnetes Eisenwaren- und Haushaltswarengeschäft (später von seinem
Sohn Max Friedmann übernommen). Die jüdischen Familien waren in der Stadt
integriert: Max Friedmann war bis nach 1933 Angehöriger der Freiwilligen
Feuerwehr.
An Einrichtungen bestand ein Betraum (s.u.).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Julius Ehrlich (geb.
10. November 1883 in Römhild, vor 1914 in Coburg wohnhaft, gef.
8.12.1914).
Um 1924 gehörten die in Römhild lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde
in Gleicherwiesen (nach Angaben des
Handbuches der jüdischen Gemeindeverwaltung) oder zur jüdischen Gemeinde in Bibra
(Angaben von Heinz Friedman, s.Lit.).
1933 lebten 33 jüdische Personen in Römhild. In
den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (Heinz und Gert Friedmann
gelang die Auswanderung 1938 nach Palästina; seine Schwester Käthe ist in die
USA emigriert). Beim Novemberpogrom 1938 wurde Max Friedmann verhaftet
und in das KZ Buchenwald verschleppt. 1939 wurde das Haus der Familie
Kahn in der Heurichstraße 8 zum "Judenhaus". Die noch in
Römhild lebenden jüdischen Personen mussten hier einziehen, bis sie im Jahr
1942 in Vernichtungslager deportiert wurden.
Als einzige jüdische Einwohnerin überlebte in der Stadt Frieda Kahn geb.
Linke, die nach ihrer Heirat mit Adolf Kahn zwar zum Judentum konvertiert war,
doch nach den NS-Gesetzen eine "Arierin" war. Sie musste viele
Anfeindungen und Demütigungen mitmachen und starb am 5. Juli
1946.
Von den in Römhild geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Ehrlich geb.
Schulherr (1867), Max Ehrlich (1888), Sally Ehrlich (1878), Anna Friedmann geb.
Kahn (1892), Max Friedmann (1887), Klara Hammerstein geb. Heß (1877), Adolf
Kahn (1889), Nanny Kahn geb. Seligmann (1867), Jenny Katz geb. Ehrlich (1874),
Margarete Lefor geb. Kahn (1893), Hanna Naumann (1937), Hugo Naumann (1898),
Martha Naumann geb. Ehrlich (1898), Mathel Naumann (1938), Ruth Naumann
(1935).
Hinweis: auf dem Römhilder Friedhof am Mühlendamm findet sich eine
Gedenkstätte für 169 Opfer des von der SS auf Wunsch des Bürgermeisters von
Römhild eingerichteten "Arbeitserziehungslagers 'Großer Gleichberg'; in
der Liste der Namen steht auch der Name von Israel Schönthal. Die im
"Arbeitserziehungslager" zur Zwangsarbeit verpflichteten Personen
starben an den katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen (u.a. beim Abbau
von Basaltbrocken). Ein Teil der 169 Opfer wurde in zwei Massengräbern am
Osthang des Großen Gleichberges beigesetzt.
Im 4 km von Römhild entfernten Stadtteil Waldhaus - rechts der Straße von
Römhild nach Hildburghausen - findet sich ein "Weg des Gedenkens"
für den Massenmord an 70 KZ-Häftlinge verschiedener Nationen (darunter mit
Sicherheit auch Juden) im März 1945. Hier wurden durch den damaligen
Bürgermeister von Römhild, SS-Obersturmführer Alfred Schmitt, in einen
ehemaligen Stollen 70 erschöpfte und kranke KZ-Häftlinge getrieben; dann wurde
der Eingang gesprengt. Die Toten wurden 1947 in einem Ehrenhain des Friedhofs in
Hildburghausen
beigesetzt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und
Privatpersonen
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes A. (Adolf) Kahn & Sohn (1904)