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Berkach (Kreis
Schmalkalden-Meiningen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Berkach bestand eine jüdische Gemeinde bis in die 1930er-Jahre. Ihre
Entstehung geht in die Zeit um 1700 (möglicherweise bis um 1600)
zurück. Um 1700 waren die im benachbarten Nordheim unter dem Patronat der
Reichsritter von Stein lebenden Juden ausgewiesen und auf den Stein'schen
Lehnhöfen in Berkach angesiedelt worden. 1762 werden erstmals jüdische
Händler aus Berkach bei der Leipziger Messe genannt.
Nach einer von Elisabeth Böhrer in einem Akt im Staatsarchiv Würzburg
gefundenen Aufstellung von "im Hochstift wohnenden, zur Hochfürstl.
Hofkammer zahlbaren Schutz Juden" wird für das Jahr 1763 namentlich ein
jüdischer Familienvater (Meyer) in Berkach genannt.
Die jüdischen Familien
lebten zunächst gemeinsam in einem jüdischen Ortsteil (im Bereich des
Zehnhofes und des Hinterdorfes). Sie konnten jedoch die Ortseinrichtungen wie
Brunnen, Wege, Backhaus gemeinsam mit den Christen benutzen. 1808 wurden
19 jüdische Familien am Ort gezählt. Sie standen unter dem Schutz von drei
verschiedenen Ortsherrschaften (14 Familien bei den Reichsrittern von Stein,
drei unter Altwürzburgischer Herrschaft und eine Familie unter der Adelsfamilie
von Kalb). Ein eigener Friedhof konnte
nach 1820 angelegt werden.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule (im 1853 neu erbauten Schulhaus mit Lehrerwohnung neben der Synagoge), ein rituelles Bad
(im Hinterdorf) und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bekanntester Lehrer war Hermann
Ehrlich (1815-1879), der ab 1845 in Berkach als Kantor, Lehrer und
Zeitungsherausgeber wirkte (siehe Bericht unten).
Die jüdischen Familien lebten zunächst
ausschließlich vom Handel mit Vieh und Waren (insbesondere Schnittwaren,
Textilwaren, Wolle). 1833 wurden 152 jüdische Gemeindeglieder (ein Drittel von
460 Einwohnern) gezählt, 1851 waren es 170 in 36 Familien. Seit den
1870er-Jahren ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück.
Um 1900
gehörten jüdischen Gewerbetreibenden mehrere Handlungen im Dorf (neben Viehhandlungen
auch eine Schnitt- und Kurzwarenhandlung), auch gab es inzwischen jüdische
Handwerker. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ging die Zahl der
jüdischen Einwohner weiter zurück.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Hermann Adler
(geb. 9.12.1876 in Berkach, vor 1914 in Meiningen wohnhaft, gef.
18.9.1916), Alfred Levi (geb. 21.7.1888 in Berkach, vor 1914 in
Aschersleben wohnhaft. gef. 12.2.1917), Sigmund Rosenbaum (geb. 5.12.1889 in
Berkach, vor 1914 in Schöppenstedt wohnhaft, gef. 21.1.1915).
Mitte der 1920er-Jahre (1924/25) gehörten
dem Synagogenvorstand S. Heßberg, S. Gutmann und G. Friedmann an. Damals wurden
noch 28 jüdische Einwohner gezählt (von insgesamt etwa 500 Einwohnern). Anfang
der 1930er-Jahre war erster Synagogenvorsitzender Rudolf Goldschmidt, 2.
Vorsitzender Selig Gutmann (für 1932 noch 20 jüdische Gemeindeglieder).
Nach
1933 trafen die Berkacher Juden wie auch sonst im Deutschen Reich die
zunehmenden Restriktionen und die Verluste der bürgerlichen Rechte. Im
Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurden neun Berkacher Juden in
das KZ Buchenwald verschleppt. Guthmann (Götz) Friedmann hat den
Lageraufenthalt nicht überlebt.
1942 wurden die letzten Berkacher Juden deportiert: Moritz Buxbaum, Ida
Buxbaum geb. Sachs (1894), Dina Buxbaum (1927), Hans Kaufmann (1903), Helene
(Lene) Kaufmann, Salomon Stein, Else Stein. Auf der 1995 im
Eingangsbereich der Synagoge angebrachten Gedenktafel wird außerdem an die
Schicksale von Rosalie Friedmann, Rudolf und Rosa Goldschmidt mit Sohn Hermann,
Klara Gutmann, Hulda Hoffmann, Guthmann Friedmann und Tochter Resie Friedmann
erinnert.
Von den in Berkach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jenny Selma Appel
geb. Schwab (1888), Herschine Bachrach geb. Sachs (1862), Dina (Lina) Buxbaum
(1927), Ida Buxbaum geb. Sachs (1894), Bertha Einstein geb. Mayer (1870),
Selma (Elma) Falkenstein geb. Popper (1874), Albert Friedmann (1874), Frieda
(Friederike) Friedmann geb. Wormser (1855), Götz Friedmann (1855), Max
Friedmann (1887), Rosalie Friedmann geb. Freudental (1862), Selma Gassenheimer
geb. Schwab (1880), Rosalie Goldschmidt geb. Hessberg (1884), Klara Gutmann geb.
Stern (1863), Martha Harf geb. Hecht (1889), Bernhard Hofmann (1895), Hulda
Hofmann geb. Lichtenstein (1870), Arno Holländer (1883), Käthe Katz geb.
Friedmann (1908), Hans Kaufmann (1903), Helene Kaufmann geb. Friedmann (1899),
Klara Klebe geb. Friedmann (1890), Paula Lebenstein geb. Friedmann (1894), Max
Levi (1882), Berta May geb. Friedmann (1875), Meta Moses geb. Friedmann (1901),
Max Oppenheimer (1886), Rika Popper geb. Mey (1849), Siegfried Popper (1884),
Hermann Sachs (1890), Rosa Sachs (1892), Hulda Schickler geb. Levi (1869),
Julius Schwab (1890), Else Stein geb. Hecht (1882), Salomon Stein (1885), Rosa
Tannenbaum geb. Sachs (1870), Franz Wolff (1922), Ida Wolfromm
(1875).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Beiträge von Lehrer Hermann Ehrlich über
Synagogengesang und Chorbildung (1849)
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 21. Mai 1849 |
Artikel in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 30. Juli 1849: |
| Die Beiträge werden nicht
abgeschrieben - bei Interesse zum Lesen bitte die Textabbildungen
anklicken. |
Werbung für die Synagogen- und Chorgesänge von Hermann
Ehrlich, Kantor und Lehrer in Berkach (1850 / 1861 / 1873 / 1876)
Anmerkung: die hebräisch abgekürzten Bezeichnungen sind
möglicherweise nicht präzise wiedergegeben; Korrekturen bitte an den
Webmaster, Adresse siehe Eingangsseite.
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Oktober 1850:
"Literarische Anzeige.
Im Verlage von W. Blum, Keißnersche Hofbuchhandlung in Meiningen
erscheint und ist in allen Buchhandlungen und Postämtern zu
bestellen:
Liturgische Zeitschrift zur Veredelung des Synagogengesanges mit
Berücksichtigung des ganzen Synagogenwesens herausgegeben in Gemeinschaft
mit vielen israelitischen Gelehrten, Kantoren und Schullehrern von H.
Ehrlich in Berkach bei Meiningen. Diese Zeitschrift, die sowohl den
logischen als praktischen Teil der jüdischen Liturgie enthalten soll,
erscheint in fortgesetzten Heften, wovon das Heft nur 7 1/2 Ngr. für
baldige Subskriptionen kostet.
Durch dieses Organ soll sowohl eine Gleichzeit und Einförmigkeit des
überall so sehr verschiedenen Gottesdienstes durch Gesang und Gebet
erstrebt, als zugleich der Mangel an zeitgemäßen passenden und billigen
Synagogengesängen abgeholfen werden. An allgemeinem Interesse dafür wird
es gewiss nicht fehlen, besonders da alle dahin einschlagenden Artikel und
Gesänge ganz kostenfrei aufgenommen, und ein solcher Preis für
Notendruck nur billig zu nennen ist." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. April 1861:
"Den Verlag der weit verbreiteten Liturgischen Zeitschrift von H.
Ehrlich zu Berkach hat gegenwärtig der Herausgeber selbst zu Gunsten der
geehrten Abonnenten übernommen, um von jetzt ab alle Chorgesänge für
die Tage von Hoschana Rabba (?), und die Schalosch Regalim
Schabbat (Preis auf je 8-10 Hefte bloß 1 Taler, pr.) franko und
prompt besorgen zu könne. Desgleichen wird auch die erst kürzlich die
Presse verlassende Chorgesangschule von demselben gegen den
geringen Pränumerations-Preis von 15 Sgr. franko besorgt." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1873:
"In diesem Winter werden zu leichten Einübungen von schönen Synagogengesängen
verbunden mit allen Rezitativen die in 3 vollständigen Bänden
erschienenen Gesänge von H. Ehrlich in Berkach noch zu dem
äußerst billigen Preis von 2 Thalern abgelassen und 10 leichte Lecha
Dodi zu 10 Sgr." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1876: "Die
sehr reichhaltigen Synagogen- und Chorgesänge von H. Ehrlich in Berkach
bei Meiningen sind in 3 starken Bänden für Schalosch Regalim Schabbat
und Jom Noraim zusammen zu dem äußerst billigen Preise von 6 Mark
bis jetzt noch zu beziehen. Zehn leichte Lecha Dodi und eine
praktische Chorgesangschule, jedes von diesen beiden nur 1 Mark.
Diejenigen, welche sich dem Vorsängerberuf widmen und darin unterrichtet
sein wollen, mögen sich melden bei Theodor Singer, Kantor, Mainz,
Ballplatz 5." |
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Grabstein von Hermann Ehrlich auf dem jüdischen Friedhof in Plaue |
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Grabstein von Hermann Ehrlich auf dem jüdischen
Friedhof in Plaue mit Symbolik: Hand mit aufgeschlagenem Notenbuch
(Fotos und Hinweis von Jörg Kaps,
Arnstadt;
Foto Mitte in hoher Auflösung) |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
50jähriges Bestehen des Vereins Chewra Chasuk Emuna
(1892)
Artikel
aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1892: "Berkach
bei Meiningen. Am Schabbat Bereschit (Schabbat mit der Toralesung Bereschit
= 1. Mose 1,1 - 6,8, dies war am 15. Oktober 1892) waren es fünfzig
Jahre, seitdem sich hier der Verein Chewra Chasuk Emuna gebildet.
Zehn bis zwölf hiesige Gemeindemitglieder riefen denselben ins Dasein;
jetzt zählt derselbe zwar nur noch 7 Mitglieder, darunter 2, die ihn
begründen halfen. So gering die Beiträge auch sind, so hat derselbe doch
im Laufe der Jahre an Vermögen zugenommen, denn trotz beträchtlicher
Unterstützungen, die er an Bedürftige hier und auswärts geleistet,
besitzt der Verein ca. 1.200 Mark an zinstragenden Geldern. Der Würde des
Tages wurde durch eine diesbezügliche Ansprache des Lehrers G. Holländer
in der Synagoge Rechnung getragen. H." |
Berichte zu einzelnen Gemeindemitgliedern
Mord an Louis Heßberg (1877)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1877: "Berkach
bei Meiningen. Am 10. dieses Monats hat sich folgender traurige Fall
ereignet. Der Sohn des hiesigen Schuhmachers Jakob Heßberg, Louis
Heßberg, ein braver, intelligenter, junger Mann, 20 Jahre alt, der 6
Jahre in einem Hause in Suhl konditioniert und sich nicht nur das volle
ertrauen seines Prinzipals, sondern auch die Achtung und Liebe der
Umgegend erworben hatte, wurde am genannten Tage, abends gegen 8 Uhr,
zwischen Zella und Suhl, 1/4 Stunde von letzterem Orte, ermordet und
seiner Barschaft, etwa 600 Mark, beraubt; die Mörder, die ihn mit seinem
eigenen Sacktuche erdrosselten, sind noch nicht entdeckt. Die
tiefbetrübten Angehörigen finden allgemeine Teilnahme." |
Zum Tod des langjährigen ehrenamtlichen Vorbeters Löw Friedmann (1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1893: "Berkach,
17. Oktober (1893). Heute bestattete man dahier unter zahlreicher
Beteiligung einen Ehrenmann, dessen guter Name als dauerndes Erbteil
seinen Hinterbliebenen zur Zierde und zum schönsten Andenken verbleiben
wird. Herr Löw Friedmann segnete das Zeitliche am Dienstag, dem 7.
Marcheschwan (= 17. Oktober 1893) in einem Alter von 75 Jahren,
nachdem es ihm im Juni dieses Jahres noch beschieden war, die goldene
Hochzeit mit seiner jetzt so tief betrübten Gattin noch ziemlich rüstig
zu begehen. Behabt mit edlem Herzen und mit frommem Sinn, streng redlich
in Handel und Wandel, für das Wohl der Gemeinde in uneigennützigster
Weise wirkend, als gewissenhafter Hausvater auf die geistige und leibliche
Wohlfahrt seiner Kinder stets bedacht, hat er viele, viele gute Freunde,
schwerlich einen Feind hinterlassen.
Nahezu 30 Jahre fungierte er als Hilfsvorbeter an den hohen Feiertagen und
als Vertreter des Vorbeters in selbstlosester Weise und erfüllt von
wahrer Andacht. Nicht nur die Angehörigen, sondern auch die hiesigen
Gemeindemitglieder haben an ihm viel verloren.
Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Möge auch hier das
Wort der Schrift sich bewähren, dass das Gedenken des Frommen schon zum
Segen gereicht! Möge die Erinnerung an den Seligen Andere anspornen, es
ihm gleich zu tun, ihm gleich zu leben und zu streben. (hebräisch und
deutsch:) Und das werde unser Trost!" |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1852 werden eine
"alte Synagoge" und eine Schule erwähnt. Sie befanden sich im
unmittelbaren Umfeld des alten jüdischen Wohngebietes (beim Zehnthof). 1854
wurde eine neue Synagoge mit einem daneben stehenden Schulhaus erbaut und
noch im selben Jahr feierlich eingeweiht. Die jüdische Gemeinde musste für den
repräsentativen Bau etwa 7.000 Gulden aufbringen. In der jüdischen Schule
wurden um 1860 45 Kinder unterrichtet. In der Synagoge stand ein Toraschrein mit
sechs Torarollen.
Beim Novemberpogrom 1938 blieb die Synagoge unzerstört. Sie wurde von
der jüdischen Gemeinde 1939 unter dem Druck der Verhältnisse an die politische
Gemeinde verkauft. Eine Torarolle konnte von dem jüdischen Gemeindeglied
Goldschmidt gerettet werden und steht heute im Toraschrein einer jüdischen
Gemeinde in New Jersey/USA. 1942 verkaufte die politische Gemeinde die
ehemalige Synagoge an den Sparkassen- und Darlehensverein.
1949 wurde die
ehemalige Synagoge zunächst von der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB),
später von der LPG als Lagerraum und Schmiede genutzt.
1989/90 begannen auf
Initiative der Denkmalbehörde und in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Landesgemeinde
Thüringens die Überlegungen zur Restaurierung der jüdischen Kulturstätten in
Berkach. Unter Leitung der Denkmalpflege Meiningen wurde die Synagoge von Grund
auf erneuert. Am 3. November 1991 wurde das Gebäude von Landesrabbiner Chaim
Litschitz (Hessen) wieder als Synagoge eingeweiht. Geplant war, dass mehrmals
jährlich wieder Gottesdienste stattfinden, etwa bei Treffen jüdischer
Jugendlicher. Anwesend waren bei der Einweihung der Vorsitzende der jüdischen
Landesgemeinde Thüringens, Raphael Scharf-Katz aus Erfurt, der Berliner Kantor
Estrongo Nachama, der evangelische Landesbischof von Thüringen Dr. Werner
Leich, Bischof Dr. Wanke, Bundespräsidentin Prof. Rita Süßmuth,
Landtagspräsident Dr. Gottfried Müller, der israelische Vizekonsul Tibor
Schlosser, Vertreter der israelitischen Kultusgemeinden Kassel, Nürnberg,
Frankfurt am Main, Bad Naumann sowie ehemalige jüdische Bewohner Berkachs.
Bei der Restaurierung 1999 wurde im Bereich des Toraschreines ein Fenster
eingebaut, das nicht historisch war. Es wurde bei einer weiteren Restaurierung
2005 zugemauert.
Adresse/Standort der Synagoge:
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 14.8.2005)
Die ehemalige Synagoge nach
der ersten
Restaurierung (1999) |
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An Stelle des
Toraschreines wurde ein Fenster eingebracht, das nicht historisch ist.
Dieses Fenster wurde bei der zweiten Restaurierung (2004/05) zugemauert.
Als gleichfalls unhistorisch erwies sich das Sichtfachwerk, das bei der
zweiten Restaurierung wieder verdeckt wurde. |
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Die ehemalige Synagoge
im Sommer 2005 |
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Die ehemalige Synagoge |
Links neben der Synagoge:
das 1853
erbaute Gebäude der jüdischen Schule
mit Lehrerwohnung |
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| Der Eingang zum Betsaal |
Mesusa am Eingang zum Betsaal |
Gedenktafel |
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| Blicke von der
Frauenempore zum Bereich des früheren Toraschreines - frisch vermauert
ist das Fenster im Bereich des ehemaligen Toraschreines, das 1999
hergestellt wurde. |
Blick zur Decke
des Betsaales |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Oktober 2009:
Eine Gedenktafel für den Lehrer und Chasan
Hermann Ehrlich wurde angebracht |
Foto
und Bericht - erhalten von Israel Schwierz:
"GEDENKTAFEL FÜR LEHRER UND CHASAN HERMANN EHRLICH s.A. AN DER EHEMALIGEN JÜDISCHEN SCHULE IN BERKACH/THÜRINGEN.
Zum Abschluss der jüdisch-christlichen Begegnungstage am 9.Oktober 2009 traf sich nochmals eine stattliche Anzahl von Besuchern in der Synagoge
BERKACH, wo ein festliches Konzert unter dem Motto "Christliche Chormusik und jüdische Liturgie in der Begegnung" stattfand.
Vor Beginn der Veranstaltung jedoch versammelten sich die Festgäste vor dem ehemaligen jüdischen Schulgebäude direkt neben der Synagoge, wo der Vorsitzende der HERMANN-EHRLICH-STIFTUNG der Grabfelder Bildungs- und Begegnungsstätte Berkach, GURSANGAT SINGH KHALSA, unter Beifall der Anwesenden eine Gedenktafel zu Ehren von HERMANN EHRLICH, einem bedeutenden jüdischen Kantor und Lehrer sowie einem der wenigen Pioniere der Begegnung zwischen Juden und Christen, mit der folgenden Inschrift enthüllte: "Hier wohnte und unterrichtete Hermann Ehrlich (1815-1879) Kantor, Komponist, Lehrer und Herausgeber der europaweit bedeutenden "Liturgischen Zeitschrift" von November 1853 bis Mai 1876" (darunter befinden sich Noten und in Deutsch und Hebräisch
"Schma Israel").
Ihn würdigte dann auch während des Konzerts der Archivdirektor des Staatsarchivs Meiningen, Dr. JOHANNES MOTSCH, in einem Vortrag mit dem Titel "Der Berkacher Kantor Hermann Ehrlich als Brückenbauer zwischen Juden und Christen".
HERMANN EHRLICH wurde 1815 in GLEICHERWIESEN geboren. Da er "ein ganz schwaches und krankes Kind" war kam er zu seinen Großeltern in das benachbarte SIMMERSHAUSEN, wo er bis zu seiner Bar Mizwa blieb. Er besuchte die jüdische Schule am Ort, daneben wurde er vom christlichen Dorfschulmeister in Musik unterrichtet: hier wurde der Grundstock für seine lebenslange Liebe zur Musik gelegt. Im Alter von 13 Jahren beschlossen die Eltern und Großeltern, dass der Junge Lehrer werden sollte; auf Anraten seines letzten Lehrers in SIMMERSHAUSEN wurde er nach
OBERWALDBEHRUNGEN zum dortigen Lehrer JACOB EPSTEIN , einem hervorragenden Pädagogen "in die Lehre" geschickt. Nach bestandener Prüfung trat er am 1. Mai 1832 in das vom Superintendenten CARL LUDWIG NONNE geleitete Lehrerseminar in
HILDBURGHAUSEN ein – als einer der beiden ersten Juden, die diese damals nach modernsten Maßstäben arbeitende Institution besuchten.
Nach seiner erfolgreichen Abschlussprüfung blieb EHRLICH zunächst in HILDBURGHAUSEN, bis er im April 1836 vor einer besonderen Kommission eine Zusatzprüfung für jüdische Lehrer bestand. Am 1. Mai 1836 konnte er dann seine erste Stelle in der jüdischen Schule von BIBRA antreten. 1844 heiratete er in GLEICHERWIESEN KAROLINE ROMBERG aus
POPPENLAUER in Unterfranken. Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor, von denen leider einige bereits im Kindesalter starben.
Am 27.Dezember 1845 trat HERMANN EHRLICH die Lehrerstelle an der jüdischen Schule in BERKACH an. Eingeführt wurde er von dem evangelischen Pfarrer MICHAEL RÖHRIG, zu dem er ein freundschaftliches Verhältnis entwickelte.
Im Mai 1851 begann EHRLICH mit der Herausgabe der "Liturgischen Zeitschrift" mit dem Ziel, zur Verbesserung des Gesanges während der Gottesdienste in der Synagoge beizutragen. Ein Schwerpunkt war die Chorausbildung. Dazu erhielt er Manuskripte u.a. aus MÜNCHEN, FRANKFURT und POSEN. Nach schlechten Erfahrungen mit einer Buchhandlung übernahm er die Zeitschrift, die über 100 Abonnenten hatte, im Selbstverlag; dazu mietete er Räume in RÖMHILD an. Von RÖMHILD und BERKACH sind demnach sehr wichtige Impulse für die Reformen bei der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste ausgegangen.
Im Frühjahr 1850 plante die jüdische Gemeinde einen Neubau von Synagoge und Schule, im November 1853 konnte EHRLICH die Wohnung im neuen Schulhaus beziehen. Am 1. Juni 1854 wurde die neue, heute noch existierende Synagoge eingeweiht. Für die musikalische Umrahmung der Feierlichkeiten zeichnete CHASAN EHRLICH verantwortlich.
Da ihn im Alter zunehmend Krankheiten plagten wurde er 1864 vom Dienst als Kantor suspendiert. Im Mai 1876 wurde er bei vollem Gehalt pensioniert: so würdigte der Staat damals seine Leistungen. Am 24. Dezember 1879 starb er in ARNSTADT. Er wurde auf dem
Friedhof von PLAUE, wo eine seiner Töchter verheiratet war, begraben.
EHRLICH liebte sein ganzes Leben lang nicht nur die Musik und den Chorgesang, er war auch seit dem Beginn seiner Lehrtätigkeit mit dem evangelischen Pfarrer von BERKACH MICHAEL RÖHRIG eng befreundet. Beide waren immer auf der Suche nach dem Gemeinsamen zwischen den beiden Religionen und nicht auf Betonung des Trennenden bedacht. So kam es hier bereits im 19. Jahrhundert zum Beginn einer, wenn auch sehr zarten christlich-jüdischen Zusammenarbeit zum Wohle aller Bewohner des Ortes.
Vor und nach dem Vortrag trugen über einhundert Sängerinnen und Sänger aus mehreren Chören der Region GRABFELD ihr eindrucksvolles Konzert vor. Sie taten das anlässlich der Schlussfeier der Woche der jüdisch-christlichen Begegnung, aber auch im Gedenken an HERMANN
EHRLICH s.A., jenem jüdischen Kantor aus BERKACH, der als Brückenbauer zwischen Juden und Christen gilt." |
| Programm der "Christlich-jüdischen
Begegnungstage" in Berkach im Oktober 2009
(pdf-Datei) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Hans Nothnagel / Otto Neubert /Gundela Bach
/ Simone Ziegler: Berkach - ein einmaliger Hort jüdischen
Kulturerbes im Freistaat Thüringen. In: Hans Nothnagel (Hg.): Juden
in Südthüringen - geschützt und gejagt. Bd. 3: Juden in der ehemaligen
Residenzstadt Meiningen und deren Umfeld. Suhl 1999 S. 93-133. |
 | Gundela Bach: Ein Ensemble jüdischer
Geschichte in Berkach. Broschüre 1996. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Berkach Thuringia. Jews first
settled there in the 18th century and by 1833 the community grew to 152 (33 % of
the total). The community had a synagogue (1854), its own cemetery (1846), and a
school. The Jewish population was 98 in 1895 and 38 in 1920. The 20 to 30 Jews
who still lived in Berkach at the time of the Nazi takeover in 1933 were
persecuted and harassed. In spring 1938, the Jewish community was forced to hand
over the synagogue for domilition to the local authorities. The demolition was
never carried out and the synagogue, now owned by the municipality, was spared
on Kristallnacht (9-10 November 1938). In the night of the pogrom, nine
Jews were arrested and deported to the Buchenwald concentration camp, where one
died. Ten community members made ot to safe havens (U.S., Australia, Palestine)
before the outbreak of the war. At least 14 Jews from Berkach perished in
concentration camps to which they were deported in 1942.
After 1989 the old synagogue was restored.

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