Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

   
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Thüringen"
      

Bad Liebenstein (Wartburgkreis)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

Zur jüdischen Geschichte in Bad Liebenstein 
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Bad LIebenstein   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Bad Liebenstein             
    
In Bad Liebenstein sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einige jüdische Familien / Personen zugezogen, ohne dass es zur Bildung einer jüdischen Gemeinde am Ort gekommen ist. 1871 wurden 22 jüdische Einwohner gezählt, die zur jüdischen Gemeinde in Barchfeld gehörten. 1891 eröffnete J. Weil's Witwe ein streng koscheres Restaurant in Bad Liebenstein, das sie jedoch nach einigen Wochen nach Friedrichroda verlegte (siehe Anzeigen unten).  1895 wurden zehn jüdische Einwohner gezählt. Um 1900 betrieb die Familie Sanders eine streng koschere Restauration und Pension am Ort (siehe Anzeigen unten); die Familie Liebenstein (Eltern von Max und Bernhard Liebenstein) führten unter der Geschäftsbezeichnung "J.R. Liebenstein, Bad Liebenstein" ein Manufaktur-, Kurz- und Wollwarengeschäft in der Aschenbergstraße 2.       
  
Um 1924 wurden noch acht jüdische Einwohner gezählt. Unter ihnen waren vor allem die Angehörigen der Familie(n) Liebenstein (Max Liebenstein führte das Geschäft der Eltern weiter in der Aschenbergstraße 2; Bernhard Liebenstein hatte ein Textilgeschäft in der Hauptstraße 21). Familie Liebenstein hatte 1910 die Erlaubnis zur Anlegung eines privaten jüdischen Friedhofes am Ort (unterhalb Steinbachs) bekommen (dieser Friedhof wurde nach 1962 eingeebnet). 
  
Nach 1933
sind mehrere der jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (darunter Hans und Horst Liebenstein, zwei Sohne von Max Liebenstein, die nach Südafrika emigrierten sowie die Töchter von Bernhard Liebenstein, die in die USA emigrierten)). Am 1. November 1937 gab es noch fünf jüdische Einwohner in Bad Liebenstein: das Ehepaar Max und Antonie Liebenstein mit dem Sohn Berthold (Aschenbergstraße 2; Textilgeschäft) sowie die Geschwister von Max Liebenstein: Therese und Bernhard Liebenstein (wohnte in der Hauptstraße 31). Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Geschäfte und Wohnungen der Familien Liebenstein durch SA-Leute überfallen; die beiden Männer wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach ihrer Rückkehr konnten sie ihre Geschäfte nicht mehr weiter betreiben. Noch 1938 wurde Therese Liebenstein in die Landesheilanstalt Hildburghausen eingewiesen und 1940 im Zusammenhang mit den "Euthanasie"-Aktionen ermordet. 1939 wurde Max Liebenstein zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, weil er "gehässig und bösartig über Wirtschaftsangelegenheiten des Deutschen Reiches" gesprochen habe. Nach seiner Rückkehr zog er mit seiner Frau nach Frankfurt. 1942 erfolgten die Deportationen von Johanna Krimmer (Grumbachstraße 27) sowie Werner Eisner und Bernhard Liebenstein. Siegfried Fröhlich, der nichtjüdisch verheiratet waren, wurde gegen Ende des Krieges deportiert, überlebte jedoch de Zwangsarbeit in einem Lager an der Saaletalsperre.
  
Von den in Bad Liebenstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Frieda Israel geb. LIebenstein (1878), Johanna Krimmer (1882), Rosalie Lewin (1882), Max Liebenstein (1877), Meta Liebenstein (1885), Therese Liebenstein geb. Mayer (1890), Eli (Elli) Mark (1878).    
   
   
  
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Bad Liebenstein      
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   

J. Weil's Witwe ais Barchfeld führt ein streng koscheres Restaurant in Bad Liebenstein, dann in Friedrichroda (1889 / 1891) 

Anzeige in der Zeitschrift 23. Mai 1889: 
"Am 10. Juni Eröffnung meines streng koscheren Restaurants in Bad Liebenstein. 
J. Weil Witwe
, Barchfeld."  
 
Barchfeld Israelit 11051891.jpg (29427 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Bad Liebenstein. Eröffnung meines streng koscheren Restaurants, den 15. Juni dieses Jahres. J. Weil's Witwe, Barchfeld a.d. Werra." 
   
Barchfeld Israelit 28051891.jpg (40259 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1891: "Bad Friedrichroda (Thüringen). Mein streng koscheres Restaurant befindet sich nicht mehr in Bad Liebenstein, sondern in Bad Friedrichroda, Villa Merkur, Marktstraße neben der Hofapotheke, Eröffnung 15. Juni dieses Jahres. J. Weil's Witwe, Barchfeld a.d. Werra." 

   
Werbung für Sanders koschere Restauration und Pension (1903 / 1904)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1903: "Koscher Koscher. Bad Liebenstein in Thüringen. Sanders Restauration und Pension
Streng rituell unter Aufsicht. Referenz: Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Hildesheimer, Berlin, sowie der Hamburger Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser. Prospecte gratis."     
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1904: "Bad Liebenstein in Thüringen. Koscher. Sanders Restauration und Pension. Streng rituell unter Aufsicht orthodoxer Rabbiner. - Referenz der Hamburger 'Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser. Prospect gratis".    

       
Über das rituelle Speise-Restaurant von Restaurateur Sander - ab Mai 1905 in einer am Walde gelegenen Villa (1905)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1905: "Geschäftliche Notizen. Viele nach Bad Liebenstein kommende Kurgäste dürfte sicherlich interessieren, dass Herr Restaurateur Sander dortselbst eine prächtige, am Walde gelegene Villa erworben, um darin sein rituelles Speise-Restaurant und Pensionat zu führen. Nachdem sich das seitherige Lokal als vollständig ungenügend erwiesen hat, wird diese Änderung wohl von allen Gästen auf das angenehmste empfunden werden. Die Eröffnung erfolgt Mitte Mai."         

      
      
      
Fotos   

Fotos zur jüdischen Geschichte in Bad Liebenstein liegen nicht vor.   
     

    
    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Bad Liebenstein  

Website der Natur- und Heimatfreunde e.V. Bad Liebenstein mit Seite "Jüdische Mitbürger" (in Bad Liebenstein)   

Literatur:  

Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link).  Zu Bad Liebenstein S. 59. 
Hans Nothnagel: Die Vertreibung der Liebensteins aus Bad Liebenstein - eine Dokumentation. In: Hans Nothnagel (Hg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Bd. 6. Suhl 1999 S. 125-156.
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S. 315-316.  

   
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

        

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 19. Juli 2014