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Obbach (Gemeinde
Euerbach, Kreis Schweinfurt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth
Böhrer)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Obbach bestand eine relativ große jüdische Gemeinde
bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts
zurück. Erste Hinweis für eine jüdische Ansiedlung in Obbach liegen aus der zweiten
Hälfte des 17. Jahrhunderts hervor. Juden werden in Rechtsgeschäften
erwähnt und in Gerichtsakten namentlich genannt (erstmals 1657 im "Euerbacher
Gült- und Zins- und Schatzungsbuch"). Es gab - wie auch andernorts -
zahlreiche einschränkende Bestimmungen für die jüdischen Familien am Ort. So
war es ab 1680 jüdischen Frauen in Obbach verboten, sich an Sonn- und
christlichen Feiertagen mit einem Strickstrumpf auf der Straße blicken zu
lassen. 1708 wurde jeglicher Handel, vor allem mit Vieh und Wein, an Sonn- und
Feiertagen verboten.1732
werden zwei Obbacher Juden unter den Besuchern der Leipziger Messe
genannt. Die jüdischen Familien standen damals unter dem Schutz der Herren von
Seckendorf. Um 1800 lebten in Obbach 30 jüdische Familien
"großteils in 2 großen abgesonderten herrschaftlichen Gebäuden"
(aus "Geographisches-Statistisch-Topographisches Lexikon von
Franken", 1801).
Die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder entwickelte sich im 19.
Jahrhundert wie folgt: 1816 168 jüdische Einwohner (28 % von insgesamt 599),
1837 210 (29,0 % von 725), 1867 192 (28,7 % von 668), 1900 174 (28,7 % von 606),
1910 146 (22,3 % von 654). Die jüdischen Familien wohnten zumeist in eigenen
Häusern im Bereich der Synagoge und des jüdischen Gemeindehauses. Die meisten
von ihnen hatten Grundbesitz. Die jüdischen Familien lebten insbesondere
vom Vieh- und Pferdehandel. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es
mehrere im Besitz jüdischer Familien befindliche Warengeschäfte und Handlungen
vor Ort, darunter auch jüdische Metzgereien (s.u.). Die meisten Familien hatten
auch landwirtschaftlichen Besitz.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Obbach die folgenden
jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und
Erwerbszweig): Seligmann Isaac Straus (Warenhändler), Isaac Hirsch Hirschmann
(Viehhändler), David Wolf Nelkenstein (Warenhändler), Samuel Joseph
Rheinfelder (Waren- und Viehhändler), Isaac Joseph Rheinfelder (Warenhändler),
Nihm Isaac Strauss (Warenhändler), Löb Isaac Steuermann (Viehhändler),
Seligmann Itzig Strauß (Warenhandel), Seligmann Nihm Königsberger (Viehhändler,
Vorsteher), Michael Nathan Schloss (Warenhändler), Elias Samuel Ramsfelder
(Lehrer, Warenhändler), Madel Seligmann Ramsfelder (Schlächterei), Gelle Josua
Königsberger (Schmuserei), Schir Nihm Königsberger (Schlächter), David Isaac
Hochspringer (Viehhändler), Abraham Löb Bildstein (Viehhändler), Isaac Samuel
Siegel (Warenhändler), Hona Benjamin Frankenburger (Warenhändler,
Viehhändler, ehem. Hof- und Geschäftsjude bei Freiherr Friedrich Wilhelm von
Bobenhausen), David Maier Fleischmann (Schlächter), Lazarus Isaac Strauss
(Warenhändler), Wolf Isaac Kleemann (Viehhändler), Niem Samuel Ramsfeld
(Schlächter in Geldersheim), Jakob Samuel Ramsfeld(er) (Schlächter in
Geldersheim), Jakob Wolf Wölfner (Warenhändler), Jakob Joseph Amburger
(Viehhändler), Götz Nathan Schloss (Warenhändler), Seligmann Samuel
Ramsfeld(er), (Schmuster), Oscher Michael Blank (Warenhändler), Löb Salomon
Kronenthal (Viehhändler), Isaac Hohne Friedenheit (Viehhändler), Wolf Jacob
Fränkel (Handelsmann), Hirsch Jonas Harzfelder (Warenhändler), Samuel Isaac
Siegel (), Jeidel Jacob Rosmann (Vieh- und Pferdehändler), Abraham Hona
Bergmann (Handelsmann), Abraham Bär (), Samson Isaac Strauss (Warenhändler),
Fradel, Witwe von Jonas Wippert (Warenhandel), Isaac Benjamin Goldstein
(Viehhandel), Jette Aron Schlorch (Schmuserei), Benedict Michel Goldberg
(Uhrmacher), Haium Hohna Frankenburger (Viehhändler), Wolf Feist Dessauer
(Warenhändler). Ohne Matrikelstelle wird Vorsinger Mendel Simon
genannt.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein
1836 erbautes jüdisches Gemeindehaus mit der Israelitischen Volksschule und der Lehrerwohnung
(Sulzthaler Straße 8; bis zur Gegenwart erhalten) sowie ein rituelles Bad
(letzteres am Ende der Kleinstraße, doch erst seit 1913 dort nachweisbar). Eine
israelitische Volksschule in Obbach wurde nach dem Beitrag "Das jüdische
Schulwesen Bayerns im 19. Jahrhundert" von Simon Dingfelder (in: Blätter für
Erziehung und Unterricht" - "Israelitisches Familienblatt" vom 31. Januar 1907)
bereits 1805 eröffnet, im selben Jahr wie in
Mainstockheim.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war
ein jüdischer Volksschullehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor)
und Schächter tätig war. Die Gemeinde Obbach war 1840 kurzzeitig Sitz
eines Distriktsrabbinates. Nachdem die Gemeinde Niederwerrn
jedoch bereit war, zur Finanzierung des Distriktsrabbinatsfonds 30 Jahre lang
pro Jahr von jedem Familienhaupt 1/2 Gulden abzuführen, wenn der Rabbinatssitz
nach Niederwerrn verlegt würde, gab die Königliche Regierung dem zugleich
günstiger gelegenen Niederwerrn den Vorzug.
Seitdem gehörte Obbach zum Distriktsrabbinat Niederwerrn,
nach dessen erneuter Verlegung 1864 zum Distriktsrabbinat in Schweinfurt. Die
Toten der Gemeinde wurden im jüdischen
Friedhof Euerbach beigesetzt.
Die jüdische Schule (Israelitische Volksschule) wurde auf behördliche Anweisung 1820 eingerichtet
(vgl. aber ab die Angabe von Simon Dingfelder für 1805), ein jüdisches Schulhaus
mit Lehrerwohnung wurde 1836 erbaut.
Folgende jüdischen Lehrer unterrichteten an der Schule: Liebmann Kaiser
(1820-1822), Ludwig Marschütz (1822-1825), Hermann Schwed (1825), Lucas Treu
(1825-1835), Meier Frank (1835-1848), Elias Eldod (1848-1851, danach in Kleinerdlingen), Juda Löw
Lissauer (1853-1859), Joseph Grünebaum (1859-1892, vgl. für 1892 Anzeige
unten), Nathan Blatt (1893-1929,
ab 1925 mit dem Titel "Oberlehrer", "Das jüdische Echo" 19.6.1925 S. 57), Alfred Grünebaum
(1930-1935, siehe unten). 1929 wurde die israelitische
Volksschule aufgelöst, seitdem besuchten die jüdischen Kinder die evangelische
Schule und erhielten separaten Religionsunterricht (1932 noch acht Kinder).
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1866/1884 D. Blank, um
1894/1897 Michael (Michel) Schloß, um 1898/1901 H. Blank, H. Sonneberg, M.
Schloß.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Isidor
Fleischmann (geb. 10.1.1886 in Obbach, gef. 9.9.1914) und Gefreiter Max Sommer (geb.
17.3.1896 in Obbach, gef. 25.3.1918). Ihre Namen stehen auf
dem Kriegerdenkmal vor der evangelischen Kirche in der
Dr.-Georg-Schäfer-Straße (auf dem mittleren der drei Gedenksteine). Für ihren
Kriegseinsatz ausgezeichnet wurden: Semi Schlorch, Gefreiter im
Feldartillerieregiment Nr. 14 mit der Großen Badischen Silbernen
Verdienstmedaille (Israelit. Familienblatt vom 17.6.1915 S. 3); Siegfried
Sommer, Gefreiter im bayerischen Infanterieregiment Nr. 19 mit dem Eisernen
Kreuz (Dr. Blochs österreichische Wochenschrift vom 9.7.1915 S. 516);
Julius Ramsfelder, Musketier im lothrinigschen Infanterieregiment Nr. 174, Sohn
des Lehmann Ramsfelder, mit dem Eisernen Kreuz II (Israelit. Familienblatt
vom 26.8.1915 S. 2); Pionier Julius Kronthal, Sohn von Samuel Kronthal, mit
dem Eisernen Kreuz II (Israelit. Familienblatt vom 20. Juli 1916 S. 4);
Felix Kronthal, Sohn von Samuel Kronthal mit dem Eisernen Kreuz II sowie
Unteroffizier Semi Schlorch, Sohn der Witwe Frau Schlorch zusätzlich mit dem
Eisernen Kreuz II (vgl. oben) (Israelit. Familienblatt vom 22. Februar 1917);
Isi Ramsfelder und Alfred Ramsfelder, Sohne von Willi Ramsfelder, beide mit dem
Eisernen Kreuz II (Israelit. Familienblatt vom 15.11.1917).
In den 1920er-Jahren gab es an jüdischen Gewerbetreibenden: Adolf Rund
(Viehhändler mit landwirtschaftlichem Besitz), Abraham Schloss (Kolonialwaren-
und Stoffhändler), Zadock Strauß (Viehhändler), Wolf Fränkel (Viehhändler
mit landwirtschaftlichem Besitz), Lehmann Ramsfelder (Metzgerei, Viehhandel, mit
landwirtschaftlichem Besitz), Hirsch Kammermacher (Kleinwaren, Hausierhandel), Hieronymus
Blank (Kolonialwaren- und Samenhandlung, mit landwirtschaftlichem Besitz),
Michael Schloss (Schuhwaren und Stoffe), David Blumenthal (Hauswaren, Öfen,
Herde, landwirtschaftliche Geräte und Maschinen), Gerson Wolf (Viehhändler mit
landwirtschaftlichem Besitz), Abraham Fleischmann (Metzger), Bernhard
Fleischmann (Bauer), Lehmann Bildstein (Kolonialwaren und Schule, Pferdehandel),
Nathan Bravmann (Kolonialwaren und Schuhe, mit landwirtschaftlichem Besitz),
Moses Schloss (Stoffe), Willi Fränkel (Kolonialwaren), Adolf Sommer (Makler),
Adolf Rosenstock (Schafe-, Kälber- und Ziegenhändler, mit landwirtschaftlichem
Besitz), Adolf und Arnold Schlorch (Bäckerei, Getreide- und Mehlhandel, mit
landwirtschaftlichem Besitz), Abraham und David Fränkel (Metzger und
Viehhandel), Mendelssohn Fränkel (Viehhändler), Lyon Kronenthal
(Pferdehändler, Polsterei, mit landwirtschaftlichem Besitz), David Julius
Fleischmann (Metzger, mit landwirtschaftlichem Besitz), Willi Ramsfelder
(Pferde- und Viehhändler, mit landwirtschaftlichem Besitz), Dr. Theodor
Einstein (Arzt).
Um 1924, als 120 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (18,5 % von
etwa 650; 1925 115), waren die Vorsteher der Gemeinde Adolf Rosenstock, Arnold Schlorch,
David Blumenthal und Abraham Fleischmann. Als Lehrer an der Israelitischen
Volksschule und Kantor der Gemeinde war der bereits genannte Nathan Blatt tätig (vgl. Bericht
unten). Weiterhin (bereits seit Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts) gehörten,
nachdem im benachbarten Euerbach
die Zahl der jüdischen Einwohner bereits stark zurückgegangen war, die hier
noch lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Obbach. 1932/33 erhielten
durch den gleichfalls bereits genannten Lehrer Alfred Grünebaum acht jüdische Kinder Religionsunterricht.
Gemeindevorsteher waren 1932 weiterhin Arnold Schlorch (1. Vors.) und Emil
Rosenbusch (2. Vorsteher). An jüdischen Vereinen bestanden die
Wohltätigkeitsvereine Gemilus Chassodim (1905 unter Leitung von M. Schloß, 1932 Vorsitzender D.
Blumenthal, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Bedürftiger) und Zedokoh
(1932 unter Leitung von H. Blank, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung
Bedürftiger), der Israelitische Frauenverein (1932 unter Leitung von Frau J.
Blumenthal, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Bedürftiger), Ortsgruppen beziehungsweise Zweigstellen der Zionistischen
Vereinigung und der beiden zionistischen Fonds.
1933 lebten noch 106 jüdische Personen in Obbach. Nur langsam ging in den
folgen Jahren ihre Zahl zurück: am 15. Dezember 1935 wurden 101 jüdische
Gemeindeglieder gezählt (von denen nach den Recherchen von Elisabeth Böhrer 99
in Obbach und zwei in Euerbach lebten). Gemeindevorsteher war inzwischen Isaak
Bravmann. Als Lehrer wird 1936/38 noch Leo Steinhäußer genannt (u.a.
"Mitteilungen des Jüd. Lehrervereins Bayern" vom 15.7.1936). Von November 1937 bis Oktober 1938 wanderten zwölf der
Gemeindemitglieder aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde ein Teil der
jüdischen Männer durch den Gendarmeriepostenführer von Geldersheim auf
Anordnung des Landrates verhaftet und in das Gefängnis nach Schweinfurt
gebracht. Acht Juden wurde durch SA-Leute aus Obbach in einer Wäscherei
festgesetzt. Die Synagoge wurde geschändet und zerstört (s.u.), jüdische
Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert, die Wohnungseinrichtungen
zerstört, die Warenvorräte vernichtet. Juden wurden aus ihren Häusern
gezerrt, misshandelt und zum Bürgermeisteramt getrieben. Gegen Abend kam es zu
neuen Ausschreitungen, wobei das Haus eines Juden bis auf den Grund zerstört
wurde. Bis 1941 konnten noch 39 jüdische Obbacher auswandern (30 in die USA,
fünf nach Südamerika, zwei nach Südafrika, je einer nach Frankreich und
Palästina). Am 7. Februar 1942 lebten noch 36 jüdische Personen in Obbach (in
dieser Zahl ist vermutlich eine Frau enthalten, die in Euerbach lebte). Von
ihnen wurden 30 am 22. April 1942 über Würzburg nach Izbica bei Lublin
deportiert (dazu die Frau aus Euerbach). Im Sommer 1942 sind die letzten fünf jüdischen Einwohner
in das Ghetto Theresienstadt verschleppt worden: nach Forschungen von Elisabeth
Böhrer kamen sie an zwei unterschiedlichen Tagen im August 1942 zuerst nach
Schweinfurt und wurden dann im September über Würzburg nach Theresienstadt
verschleppt.
Von den in Obbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; verschiedene Angaben sind
korrigiert auf Grund der Recherchen von Elisabeth Böhrer, Stand 20.5.2013): Else Adler geb. Blatt
(1893, Tochter von Lehrer Nathan Blatt), Ricka Banda geb. Kappenmacher (1906), Beate Bildstein (1927), Else Bildstein geb. Bloch
(1891), Gerhard Bildstein (1899), Hermann Bildstein (1870), Julius Bildstein (1932), Ludwig Bildstein (1876),
Manfred Bildstein (1924), Cäcilie Blank (1903), Jette Blank (1860), Regina Blank (1865), Sabine Blank
(1868), Jeanette Blumenthal geb. Sonnenberger (1873), Isaak Bravmann (1882), Nelka
Bravmann geb. Schloss (1879), Rita Bravmann (1923), Siegbert Bravmann (1927), Bernhard Fleischmann (1882), Berta
Fleischmann geb. Silbermann (1884), Isidor Fleischmann (1922), Julius
Fleischmann (1880), Lore Fleischmann (1931),
Luise Fleischmann geb. Schlorch (1892), Max Fleischmann (1887), Recha
Fleischmann (1891), Adele Fränkel geb. Hüchberger (1878), Fanny Fränkel geb. Grünebaum (geb. 1867), Hermann Fränkel (1880), Jacob
Fränkel (1874), Jette Fränkel
geb. Bacharach (1876), Julie Fränkel geb. Lippmann (1884), Paula Fränkel
(1920), Rosa Fränkel geb.
Schloss (1884), Willy Fränkel (1872), Wolf Fränkel (1869), Ida Frank geb.
Schlorch (1883), Berta Friedmann geb. Frankenburger (1868), Joseph Goldstein (1922), Leopold
Markus Goldstein (1910), Regina
Goldstein (1881), Malchen Hirsch geb. Fränkel (1881), Kerry Jacobsohn geb. Kronthal (1897),
Cärry Judas geb. Ramsfelder (1896), Mathilde Königsberger (1889; anlässlich
der "Stolperstein"-Verlegung für sie in Würzburg im Juni 2013
erschien ein Artikel
in der Main-Post), Ferdinand Kronthal (1893), Jenny
Kronthal (1884), Leo
Kronthal (1892), Sally Kronthal (1905), Amalie (Malchen) Kuhn geb. Schloss (1878),
Jeanette Mayer geb. Bildstein (1893), Arthur Ramsfelder (1898),
Edith Ramsfelder (1937), Emma Ramsfelder geb. Gottlob (1908), Julius Ramsfelder
(1891), Tilly Ramsfelder (1898), Erna Richter geb.
Goldstein (1872), Emil Rosenbusch (1888), Gustav Rosenbusch (1926), Herbert
Rosenbusch (1929), Paula Rosenbusch geb. Schloss (1896), Ernestine Rund geb.
Bernet (1859), Josef Rund (1890), Siegbert Rund (1888), Regina Schafheimer geb.
Schloss (1875), Arnold Schlorch
(1880), Emil Schlorch (1877), Lilly Schlorch (1912), Max Schlorch (1886), Rosa Schlorch geb.
Fleischmann (1877), Samuel (Semi) Schlorch (1889), Selma/Susi Schlorch (1894), Sofie
Schlorch geb. Silbermann (1883), Meta Schloss geb. Adler (1887), Michael Schloss
(1885), Moses Schloss (1883), Elise Seemann geb. Schloss (1880), Bella Stern geb.
Kronthal (1887), Heinrich Steuermann (1881), Klara Strauss geb.
Ramsfelder (1869), Zadok Strauss (1873).
Nach 1945 kamen nur zwei der aus Obbach stammenden jüdischen
Personen aus den Konzentrationslagern zurück, unter ihnen Siegfried Ramsfelder (geb. 1904 in
Obbach als Sohn von Lehmann Ramsfelder und Philippine geb. Grünbaum), der am
27. November 1941 von Würzburg nach Riga deportiert worden war. Er überlebte den
Holocaust und war von 1956 bis 1958 Vorsitzender der
Israelitischen Kultusgemeinde in Würzburg (Link: Liste
der Leiter der jüdischen Gemeinde in Würzburg). Er starb (nach
Angaben von Elisabeth Böhrer) 1964 in San Francisco/USA. Über sein Schicksal wurde von
Peter von Zahn der Film "Die enthemmte
Bürokratie" gedreht. Dieser Film ist nach Recherchen von Elisabeth Böhrer 1981 entstanden und kann über den Mitschnittservice des ZDF zum Preis
von 35 € (Stand: Dezember 2016) bestellt werden (Kontakt).
Zur Erinnerung an den in Obbach geborenen Heinrich Steuermann (1881) wurde in
Berlin-Wilmersdorf am 11. September 2009 ein "Stolperstein"
verlegt. Link mit weiteren Informationen zu Heinrich Steuermann und seiner Familie: https://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/3203.
(Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf)
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Die Bildung der
unterfränkischen Distriktsrabbinate
Obbach wird - zumindest kurzzeitig
- Sitz eines Distriktrabbinates (1840)
Artikel
in "Israelitische Annalen" vom 31. Januar 1840: "Königreich Baiern. -
Verordnung über Bildung und Besetzung der Rabbinate in Unterfranken und
Aschaffenburg. - Würzburg, den 31. Dez. 1839.
Im Namen Sr. Majestät des Königs.
Im Vollzuge der §§ 24 mit 27 des Ediktes vom 10. Juni 1813 über die
Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Königreiche, sodann des
Ausschreibens vom 28. November 1828 (Intell. Less. S. 2349 et seq.) und in
Berücksichtigung der von dem im Jahre 1836 dahier versammelt gewesenen
israelitischen Kreis-Comité gestellten Anträge, sieht sich die
Unterzeichnete Stelle zu verfügen veranlasst, und verfügt was folgt:
1) Der Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg ist von 1840
anfangend in sechs Distrikts-Rabbinate eingetheilt.
2) Die Distrikts-Rabbinate bilden
I. a. die Stadt Aschaffenburg;
b. die k. Landgerichte Alzenau, Aschaffenburg, Klingenberg, Lohr, Oberburg,
Orb und Rottenburg;
c. die Herrschaftsgerichte Amorbach, Kleinheubach, Kreuzwertheim,
Miltenberg, endlich der mainseitige Teil des Herrschaftsgerichts Rothenfels.
— Der Sitz dieses Distrikts-Rabbinats ist zu
Aschaffenburg. Dasselbe zählt 1915
Seelen in 408 Familien.
II. Die königlichen Landgerichte: Ebern, Gleusdorf, Hofheim, Königshofen,
und vom königlichen Landgerichte Haßfurt die israelitische Kultusgemeinde
Kleinsteinach, mit 2458 Seelen in 562 Familien. Der Sitz dieses Rabbinats
ist zu Burgpreppach, königliches
Landgericht Hofheim.
III. Die königlichen Landgerichte: Neustadt, Münnerstadt, Kissingen,
Euerdorf, Gemünden, Hammelburg; 2467 Seelen in 537 Familien. Der
Rabbinatssitz ist zu Kissingen,
königlichen Landgerichts gleichen Namens.
IV. a. Die königlichen Landgerichte Röttingen, Ochsenfurt, Marktsteft,
Kitzingen, Volkach;
b. die Herrschaftsgerichte: Marktbreit, Rüdenhausen, Sommerhausen,
Wiesenfeld; mit 2136 Seelen in 511 Familien. Der Rabbinatssitz ist zu
Marktsteft, königlichen
Landgerichts gleichen Namens.
V. a. Die königlichen Landgerichte: Arnstein, Werneck, Schweinfurt,
Gerolzhofen, Haßfurt (mit Ausnahme von Kleinsteinach) Eltmann;
b. das Herrschaftsgericht: Sulzheim.
c. die Stadt Schweinfurt; mit 2767 S. in 584 Familien; mit dem
Rabbinatssitz zu Obbach, königliches Landgericht Werneck.
VI. a. Die k. Landgerichte: Würzburg rechts des Mains, Würzburg links des
Mains, Dettelbach, Homburg, Karlstadt;
b. die Herrschaftsgerichte: Remlingen, und |
von
Rothenfels der linksmainseitige Teil ehemaliges Amt Steinfeld,
c. die Stadt Würzburg; mit 3193 Seelen in 692 Familien und mit dem
Rabbinatssitz zu Würzburg.
3) Das Oberrabbinat Würzburg ist aufgelöst, und dem bisherigen Oberrabbiner
Bing der Rücktritt von seinen Funktionen hiermit gestattet. Bis zur
vollendeten Wahl und Bestätigung der neuen Distrikts-Rabbiner ist zur
Besorgung der vorkommenden Rabbinats-Angelegenheiten in den bisherigen
Oberrabbinat-Sprengel der Rabbinats-Candidat Gabriel Hirsch Friedmann
dahier gegen herkömmliche Gebühren aufgestellt.
4) Der von der ehemaligen altwürzburgischen Landjudenschaft und von der
ehemals ritterschaftlichen Judenschaft an den Oberrabbiner Bing entrichtete
Gehalt von 163 fl. jährlich fällt vom 13. Januar 1849 an hinweg. Dagegen ist
dem Oberrabbiner Bing auf Lebensdauer eine Alimentation von jährlich 300 fl.
in vierteljährigen Raten zugesichert, und durch Abzug an dem Gehalte der
Rabbiner von den aus dem Oberrabbinatssprengel neugebildeten vier Distrikten
(oben III. IV. V. VI.) aufzubringen.
5) Der Gehalt der aufzustellenden Distrikts-Rabbiner zu
Kissingen,
Marktsteft und Obbach hat
in Minimo fünfhundert, jener des Distrikts-Rabbiners zu Würzburg
siebenhundert Gulden zu betragen. Nebstdem hat die Kultusgemeinde
Würzburg dem Rabbiner auf ihre Kosten
freie Wohnung zu stellen. — Bezüglich der bereits bestätigten Distrikts-
Rabbiner zu Aschaffenburg und
Burgpreppach hat es bei den bisherigen Gehaltsverhältnissen vor der Hand
zu verbleiben.
6) Zu obiger Alimentation des Oberrabbiners Bing ist also von den Gehalten
der Distrikts-Rabbiner zu Kissingen,
Marktsteft und Obbach von
jedem 68 fl. — von jenen des Distrikts-Rabbiners zu Würzburg aber 96 fl. —
jährlich beizutragen.
Die königlichen Distrikts-Polizei-Behörden, in deren Amtsbezirk der Sitz
eines der sogenannten Distrikts-Rabbinate sich befinden, haben die
Aufstellung eines Einnehmers zu veranstalten, die obigen Beiträge pünktlich
von viertel zu viertel Jahr portofrei an den dahier aufgestellten, und von
dem Stadtmagistrate obiger Behörden benennenden Einnehmer einzuliefern hat.
7) Binnen acht Wochen haben die Mitglieder der Kirchengemeinde des
betreffenden Sprengels ein vorschriftsmäßiges qualifiziertes Individuum als
Rabbiner in Vorschlag zu bringen, widrigenfalls das Weitere von Amtswegen
verfügt werden wird.
8) Mit der vorzunehmenden Wahl wird für das Distrikts-Rabbinat zu
Kissingen, das königliche
Landgericht Kissingen, für das Distrikts-Rabbinat
Marktsteft, das k. Landgericht
Marktsteft, für das Distrikts-Rabbinat zu Obbach, das k. Landgericht
Werneck, für das Distrikts-Rabbinat zu
Würzburg der Stadtmagistrat zu Würzburg beauftragt; und werden hiezu
folgende Vorschriften erteilt:
a) Zur Eröffnung freier Konkurrenz ist die Wahl unter Festsetzung eines
angemessenen Termins zur Überreichung der Gesuche auszuschreiben.
d) Die einkommenden Gesuche sind zu sammeln, und einige Tage vor und sodann
während der Wahl zu jedermanns Einsicht offen zu legen. Auch ist das
Verzeichnis der Bewerber wenigstens zwei Tage vor, und dann während der Wahl
zu affigiren.
c) Den Gesuchen müssen die entsprechenden Zeugnisse über die Erfüllung der
gesetzlichen Vorbedingungen beiliegen. In dieser Beziehung wird bemerkt:
dass nach Entschließung königlichen Ministeriums des Innern vom 23. Okt.
vorigen Jahres Seine Majestät der König nur gründlich gebildete und zugleich
den echten mosaischen Glaubenslehren und Zeremonial-Satzungen treu
anhängende, nicht verderblicher Neologie huldigende Kandidaten als Rabbiner
fortan bestellt und resp. bestätigt wissen wollen.
Auf diese allerhöchste Willensmeinung ist daher in dem Ausschreiben der Wahl
ausdrücklich aufmerksam zu machen, damit sich die Bewerber mit genügenden
Ausweisen versehen können.
Auch sind vor der Wahl die versammelten Wähler von obiger Bestimmung zur
Nachachtung in Kenntnis zu setzen.
4) Zur Wahl sind sämtliche Stimmberechtigte unter dem Rechtsnachtheile des
Ausschlusses zum persönlichen Erscheinen vorzuladen. Stimmberechtigt
aber sind alle einmatrikulierte Kirchengenossen (§. 26 des Ediktes, und
Ministerial-Entschließung vom 16. Sept. 1835 in Dollingers
Verordnung-Sammlung. Band VI. S. 159.)
e) Die relative Stimmenmehrheit der Erscheiner entscheidet für die Wahl des
vorzuschlagenden Kandidaten, was in der Vorladung zu bemerken ist.
k) Die Befugnis der Kirchengenossen im Ver- |
hinderungsfalle
persönlichen Erscheinens durch Bevollmächtigung ihre Stimmen abzugeben, ist
gesetzlich nicht beschränkt; — (Dollingers Veordnung-Sammlung Band VI. S.
189) daher besonders in sehr ausgedehnten Distrikten das Erforderliche bei
Anordnung der Wahl sogleich zur Nachachtung der Beteiligten zu bemerken ist.
g) Zur Wahlhandlung sind drei Beisitzer aus den Stimmberechtigten
beizuziehen, die Stimmen sind nach Formular VI. und VII. zur
Gemeinde-Wahlordnung zu registrieren, über die ganze Handlung ist ein
Protokoll zu führen und dieses so wie die Verzeichnisse von den Beisitzern
unterzeichnen zu lassen.
h) Das Resultat ist mit dem Insinuat aus Nachweisen zu den Ladungen
vorzulegen.
9) Mit den Wahlakten ist zugleich die Erklärung des Gewählten über die
Annahme der Wahl einzusenden, und
10) zugleich anzuzeigen, was zum Vollzüge des Abschnittes VI. geschehen ist.
11) Von vorstehender Entschließung sind die beteiligten jüdischen
Kultusgemeinden ungesäumt in Kenntnis zu setzen.
Königliche Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg. Kammer des
Innern.
Gr. Lerchenfeld, Präsident.
coll. Hübner." |
Rabbiner Lebrecht wird
Distriktsrabbiner in Obbach (1840)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. März 1840: "Aus
Bayern, 8. März. (Privatmitteilung.) Über die Würzburger Rabbinenwahl
liegen der Redaktion drei verschiedene Berichte vor, aus denen, unserm
Grundsätze gemäß, dass eine geschehene Wahl weder mehr zu bekämpfen,
noch vor wirklichen, tatsächlichen Schritten zu beloben steht, wir
nur Faktisches ziehen. Für die fünf Rabbinatsdistrikte sind gewählt: in
Würzburg Herr Seligman Bamberger,
gegen welche Wahl noch einige Reklamationen stattfinden sollen; H. Dr.
Lazarus Adler in Kissingen, H.
J. Thalheimer in Marktsteft,
H. M. Lebrecht in Obbach, Herr S. Wormser in
Gersfeld (statt Hersfeld). Außer
Herrn Bamberger trafen alle Wahlen Männer, welche Studien auf den
Universitäten gemacht." |
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Über den Wechsel von
Lucas Treu (1825-1835) und
Meier Frank (1835-1848) im Jahr 1835
Auf staatliche Anordnung tauschen Lukas Treu und
Meier Frank 1835 die Stelle in Memmelsdorf
(Artikel von 1904)
Anmerkung: Lehrer Mayer (Meier) Frank stammt aus
Sulzdorf und war zunächst Lehrer in
Memmelsdorf. Da es dort Schwierigkeiten zwischen ihm und der Gemeinde gab, wurde
er auf die Stelle in Obbach versetzt. Der Lehrer in Obbach - Lukas Treu (geb.
1804 in Segnitz, 1825-1835 in Obbach, danach bis 1853 in Memmelsdorf) wurde im
Gegenzug nach Memmelsdorf versetzt.
Artikel
in "Blätter für jüdische Geschichte und Literatur" 1904 Heft 1 S. 4 im
Beitrag von L. Anfänger "Die Juden in Memmelsdorf": "Ein eigner Abschnitt
der Chronik spricht von der israelitischen Elementarschule. Im Anfang hatten
die Juden in Memmelsdorf nur
Privatlehrer, welche die Kinder im Hebräischen und in der jüdischen Religion
unterrichteten. Als aber 1818/19 die Regierung von Würzburg befahl, dass der
hiesige, jüdische Schulunterricht geregelt werde, kam als israelitischer
Elementarlehrer hierher am 1. November 1849 (1849 kann nicht stimmen,
evtl. 1819) Mayer Frank aus
Sulzdorf, der jährlich von der Judenschaft 300 fl. bar Geld nebst Holz
und Quartier erhielt. Da aber dieser Lehrer in beständiger Feindschaft mit
den hiesigen Juden stand, wurde er von der Regierung auf die geringere
jüdische Elementar- und Religionslehrerstelle zu Obbach, Landgerichts
Werneck (heute Bezirksamt Schweinfurt), dagegen der dortige Lehrer Lucas
Treu, geboren zu Segnitz 1804,
hierher versetzt. Es scheint besagter Lehrer Frank nirgends lange gut getan
zu haben, denn wie ein späteres, sehr umfangreiches Aktenfaszikel der
hiesigen Kultusgemeinde ausweist, kam er auf dem sog. 'Schub' als Ortsarmer
hierher zurück und lebte von der Armenpflege der jüdischen Gemeinde. Treu
wirkte hier bis 1853." |
"Konfessionelle Vielfalt" in einer Familie - ein
Artikel aus dem Jahr 1869
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1869: "Aus
Bayern. Der in diesen Blätter wegen seiner heftigen Äußerungen gegen
die Juden bei Gelegenheit der Landtagswahlen erwähnte katholische Kaplan
Frank aus Löhrieth ist der Sohn des verstorbenen jüdischen Lehrers F.
aus Obbach; ein Bruder dieses judenfeindlichen Juden ... ist ein
evangelischer Geistlicher!!" |
Aus der Zeit von
Lehrer Joseph Grünebaum (1859-1892)
Anzeige von Lehrer Grünebaum - Stellensuche für seinen Sohn (1892)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1892: "Suche für meinen Sohn,
einem kräftigen Bäckergesellen, Stellung in einer jüdischen Bäckerei.
Lehrer Grünebaum in Obbach." |
Aus der Zeit von
Lehrer Nathan Blatt (Lehrer in Obbach von 1893 bis 1929)
Lehrer Nathan Blatt gibt Anregungen für ein besseres Verhältnis zwischen
jüdischem Lehrer und der Landwirtschaft (1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1900:
"Obbach (Bayern). (Der israelitische Lehrer und die Landwirtschaft).
Während unsere christlichen Kollegen in den schönen Sommertagen sich in
Flur und Garten mit Hacke, Karst und Spaten zu schaffen machen, sich durch
ihre Wanderungen über Berg und Tal, in Wald und Feld, gegen die
Einflüsse der Witterung stählen, durch die Bewegung in freier Luft die
aufgebrauchten Säfte des ganzen Organismus erneuern und dadurch die für
uns Lehrer so nötige Ausspannung der Nerven herbeiführen, sitzen wir,
die israelitischen Lehrer, in dumpfer Stube, geben im Schweiße unseres
Angesichts Privatstunden, die oft nicht viel einbringen und suchen durch
Unterrichtserteilung in Buchführung, Wechsellehre und dergleichen den
jungen Nachwuchs immer wieder solchen Berufen zuzuführen, von denen
wegzuführen unter den obwaltenden Verhältnissen viel mehr unsere Pflicht
wäre. Ich glaube aber, der israelitische Lehrer, der nicht bloß Lehrer,
sondern auch Erzieher sein will, der gestaltend, bildend, ja oft umbildend
auf die spätere Lebensführung seiner Schüler wirken soll, hat in der
Gegenwart ganz andere Aufgaben zu erfüllen, an der Erreichung ganz
anderer Ziele mitzuarbeiten; gebieterisch drängen die Umstände dahin,
auf - ich möchte sagen - ganz entgegengesetztem Gebiete seine Kräfte in
edlem Wettstreite zu entfalten. Er soll den durch die Stürme der Zeiten
fast erstorbenen Natursinn wiederbeleben helfen, Liebe zur Landwirtschaft,
Obstbaumzucht usw. zu erwecken suchen, er soll mitwirken, dass die alten,
goldenen Zeiten (als Israel noch auf eigenem Grund und Boden wandelte)
nicht mehr als Märchen von weitem erscheinen, sondern wieder Blut und
Farben gewinnen.
Unsere Urväter waren Hirten, Ackerbauer oder Handwerker und überließen
den Handel den Phöniziern, Griechen und Arabern, und der israelitische
Lehrer soll sich als Hochziel stecken das, was der Kunst- und Handelsgärtner
Siegfried Minden vor einigen Jahren in einer Zeitschrift betonte, in die
Tat umsetzen zu helfen: 'Eltern und Vormünder, wenn Eure Verhältnisse
kaum eine andere Berufswahl ermöglichen, als Eure Kinder, resp. Mündel
dem Klein- oder Hausierhandel in die Arme zu werfen, führt sie der
Bodenkultur zu! Lasst sie dadurch zu einer geachteten Lebensstellung
gelangen und überlasst das Hausiergewerbe den Euch darum beneidenden -
Antisemiten.'
Lasst Euch nicht durch den Gedanken abschrecken, das bestehende Vorurteil
der Landleute gegen ihre neuen Konkurrenten sei ein Hindernis zur
Verwirklichung dieser Ziele. Trotz dieser Vorurteile werden gewiss gute
und billige Erzeugnisse jüdischer Gärtner und Landwirte willige Abnahme
finden. Man pflegt auf den Märkten gewiss nicht nach der Religion
derjenigen zu fragen, welche Bodenprodukte liefern; bei dem Verkaufe von
Früchten, Blumen und dergleichen kommt es nur darauf an, ob die
Produzenten leistungsfähig sind.
Durch diese beherzigenswerten Worte ist uns Lehrern eine schwere Aufgabe
zugewiesen. Aber - diese Frage wird jetzt aufsteigen - wie und was können
wir zur Lösung derselben beitragen? Da gibt es meiner Meinung nach nur
Eines: Fangen wir bei uns selbst an! Wir kennen ja die pädagogischen
Grundsätze: 'Wer erziehen will, muss selbst erzogen sein und nur Liebe
erzeugt Gegenliebe.'
'Die Natur steht vor dir in ihrer großen Ruhe, in ihrer naiven
Schönheit, in ihrer kindlichen Unschuld und Einfalt, verweile gern bei
diesem Bilde.' (Schiller).
Die Natur erfüllt unser Herz mit Begeisterung für unseren schweren Beruf
und diese Sonne der Begeisterung wird dann ihre Strahlen auch in die
weichen Kinderherzen senken. Haben wir uns nur erst selbst gewonnen, dann
haben wir auch unsere Kinder gewonnen, und haben wir die Kinder, dann
'glüht die Morgenröte besserer Tage schon hinterm Berg der Gegenwart.'
Denn: 'die Welt besteht durch den Hauch der Kinder in der Schule.' Wenn
erst einmal die Freunde |
am
Werden, Entfalten und Gedeihen in der Natur so recht in uns erwacht ist,
dann wird das Interesse am Landleben und an der Landwirtschaft von selbst
kommen und - last not least - neben dem ideellen Nutzen wird auch
der reale sich einstellen.
Zahlreiche unserer christlichen Kollegen erwerben alljährlich auf diese
Weise Preise und Ehrungen und erhöhen dadurch beträchtlich ihre
Einnahmen; wem von uns aber - Hand aufs Herz - ist es schon einmal
eingefallen, zur Erhöhung seines gewiss nicht besseren Einkommen
dieselben Wege zu wandeln?
Und doch ist die Zeit, die man auf diese Beschäftigung verwendet, keine
vergeudete. So schreibt z.B. der Schulanzeiger von Unterfranken: 'Kann der
Lehrer auf dem Lande über einen Schulgarten verfügen, oder sich in den
Besitz eines Gartens setzen, so gibt es nicht leicht eine angenehmere und
zugleich einträglichere Nebenbeschäftigung, als die Kulturpflanzen,
insbesondere des Obstes.'
Darum weg mit den nervenaufregenden, gesundheitsschädlichen
Nebenbeschäftigungen herkömmlicher Art, frisch zu dieser neuen gegriffen
und der Segen wird nicht aufbleiben. Zum Schlusse noch noch eine
Bemerkung. Edeldenkende und für allen gesunden Fortschritt in Israel
begeisterte Männer wollen die Hand reichen, dass diese Ausführungen kein
bloßer Traum bleiben, sondern sich wenigstens zum kleinen Teile
verwirklichen. Sie wollen Mittel bereitstellen und Gelegenheit geben, dass
solche von uns, die Interesse an der Sache haben und die Mühe nicht
scheuen, einen mehrwöchentlichen Kursus in Obstbaumzucht und Blumenpflege
mitmachen können und ich habe den Auftrag erhalten, über alle diesbezüglichen
Fragen näheren Aufschluss zu erteilen. Also Kollegen! Machen wir einen
Versuch! Er ist des Schweißes der Edelsten wert. Es ist auch ein Kiddusch
Haschem (Heiligung des Gottesnamens), was wir beginnen wollen, und wahrlich
nicht der kleinste. Bedenket: 'Der Menschheit Hoffnung ist in Eure Hand
gegeben, bewahret sie. Mit Euch sinkt sie, mit Euch wird sie sich heben!' Nathan
Blatt, Obbach." |
Stellengesuch des Lehrers Nathan Blatt (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1901:
"Stellen-Gesuch.
Junges, sehr talentiertes Mädchen, im Putzfach
äußerst gewandt, sucht Stelle als Putzarbeiterin für 1. April. Es wird
mehr auf dauernde Stelle und Familienanschluss als auf hohen Lohn gesehen.
Offerten an Lehrer Blatt, Obbach, Bayern." |
Gedicht von Lehrer Nathan Blatt (1905)
Abdruck im
"Israelitischen Familienblatt" (Beilage "Blätter für Erziehung und
Unterricht") vom 10. August 1905:
"Ermutigung!
Dem jüdischen Lehrer ins Stammbuch.
Verzage nicht in dieses Lebens Stürmen!
Dring mutig vor auf dornenvollem Pfad.
Wenn über Deinem Haupt sich auch die Wetter türmen
Es wird Dir doch noch Stimme in der Menschheit Rat
Du ringst ja nach der Wahrheit hehrem Licht.
Drum zage nicht!
Verzage nicht, wenn Menschen Dich verkennen,
wenn Ungerechtigkeit Dich rings bedroht;
Ein edles Herz muss für das Rechte brennen,
Gestählet gehts hervor aus Kampf und Not.
Wenn Dir im Lebenssturm das Herz auch bricht.
Verzage nicht! |
Verzage nicht! Das Höchste kannst Du hoffen,
Bist Du doch Streiter für das höchste Gut.
Des Glückes Pforten stehn dem Manne offen,
Der immer vorwärts strebt mit rüst'gem Mut.
Sieh' den Gefahren keck ins Angesicht
Und zage nicht!
Verzage nicht! Glaub' an der Bibel Worte:
'Die Lehrer leuchten wie des Himmels Glanz.'
Zeigst Du Dich stets als Mann am rechten Orte,
Umgibt Dich sicher bald des Siegers Kranz.
Drum guten Muts! Treu halte an der Pflicht!
Und zage nicht!
N. Blatt, Obbach."
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Beiträge von Lehrer Nathan Blatt
Anmerkung: diese Artikel werden nicht abgeschrieben; sie können jedoch durch
Anklicken der Textabbildung gelesen werden.
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"Die Lüge -
eine kleine, aber wahre Geschichte aus
der Schule" - erschien im "Israelitischen Familienblatt"
vom 24. November 1905 |
Diskussion
"Zur Lesebuchfrage" mit Beiträgen von
Theodor Rothschild in Esslingen
und Nathan Blatt in Obbach.
In: "Israelitisches Familienblatt" vom 10. Januar 1907 |
"Feriengedanken
eines Landlehrers",
erschienen im "Israelitischen Familienblatt"
vom 4. Juli 1907 |
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| Nathan
Blatt (Obbach): Übereifer schadet nur. Pädagogische Betrachtungen. Im
"Israelitischen Familienblatt" vom 8. / 15. / 22. und 29. März 1905 |
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"Naturwissenschaft
und Idealismus" - Beitrag im "Israelitischen Familienblatt" -
"Blätter für Erziehung und Unterricht" vom 5. und 12. September 1907
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"Ein paar
Gedanken über 'Mens sana in corpore sano'" - Beitrag im "Israelitischen
Familienblatt"
- vom 29. Dezember 1911. |
Oberlehrer Nathan Blatt verzieht im Ruhestand nach Würzburg (1930)
Anmerkung: Oberlehrer Nathan Blatt war der erste Ehrenbürger
Obbachs. Er trat am 1. Mai 1929 in den Ruhestand und verzog ein Jahr später nach
Würzburg.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1930:
"Oberlehrer Blatt (Obbach) verließ am 1. April seine Gemeinde, in
der er 37 Jahre in Treue und Hingebung seines Amtes gewaltet, und
übersiedelte nach Würzburg, um dort seinen Ruhestand zu verbringen.
Vielfache Ehrungen der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung, so
insbesondere die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes, zeugen von der
großen Liebe und Verehrung, die man ihm an seinem Wirkungsorte und
darüber hinaus entgegengebracht." |
Zum 70. Geburtstag des früheren Lehrers Nathan Blatt (1935)
Artikel
in der Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung vom 15. August 1935:
"Würzburg. Am 15. August (1935) vollendet der Oberlehrer i.R. Herr
Nathan Blatt sein 70. Lebensjahr. Nach einer fast 45jährigen
Lehrtätigkeit in Oberwaldbehrungen und an der Israelitischen Volksschule
Obbach, wo er in Treue und Hingebung seines Amtes waltete und sich die
Achtung und Liebe nicht nur seiner Glaubensgenossen, sondern der gesamten
Bevölkerung erwarb, siedelte er nach Würzburg über, wo er in Ruhe und
Zurückgezogenheit seinen Lebensabend verbringt. Der jüdischen
Öffentlichkeit ist der Name Blatt bekannt geworden durch seine eifrige
Mitarbeit im 'Hamburger Israelitischen Familienblatt' und durch sein
unentwegtes Eintreten für die Berufsumschichtung der Juden zu einer Zeit,
als diese Frage noch nicht aktuell zu sein schien. Die jüdische
Lehrerschaft berief Blatt im Jahre 1912 in die Verwaltung des Jüdischen
Lehrervereins für Bayern, wo er über ein Jahrzehnt lang eine sehr
rührige Tätigkeit entfaltete. Wir beglückwünschen den Jubilar und
wünschen ihm noch viele Jahre der wohlverdienten Ruhe."
Anmerkung: nach Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger
Juden Bd. I S. 96 ist Nathan Blatt 1865 in Maßbach
geboren, Ausbildung an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in
Würzburg, Examen 1884. Strätz erwähnt, dass er an der Schule in
Obbach unterrichtete. Nach Angaben von Elisabeth Böhrer ist Lehrer Blatt
am 1. November 1892 von Oberwaldbehrungen
nach Obbach zugezogen. Im Dezember 1893 ist in Obbach seine erste Tochter
geboren, die zweite Tochter im Juli 1896 ebd.. Nathan Blatt verzog ein Jahr
nach Eintritt in den Ruhestand (am 1. Mai 1929, "Mitteilungen des
Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom 15.5.1929 S.11) 1930 nach Würzburg, von dort 1938 nach München, wo
er am 30. Dezember 1940 verstarb.
Die älteste Tochter war Else Adler geb. Blatt, geb. 24.12.1893 in Obbach,
war seit 1921 verheiratet mit dem Lehrer Max Adler (Gochsheim,
Altenmuhr, München) später zuletzt
wohnhaft in München, im November 1941 in das Ghetto Kowno
deportiert und dort am 25.11.1941 ermordet. |
Lehrer Alfred Grünebaum (Lehrer in
Obbach von 1929/30 bis 1935)
Anmerkung: Alfred David Grünebaum (geb.
22. Juni 1909 in Sulzbürg als Sohn von
Wolf[gang] Grünebaum und seiner Frau Amalie geb. Sahm) war nach seinem Examen
an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (ILBA) 1929
Religionslehrer in Obbach. Nach dem Examen blieb er noch ein freiwilliges Jahr
an der ILBA. Nach Angaben von Elisabeth Böhrer (mit
Quellenangabe: Meldeeinträge in Obbach) ist er am 3. Juni 1930 in Obbach
zugezogen. Hier hat er im Mai 1935 Irma geb. Schlorch aus Obbach geheiratet (geb. 25. Januar 1913 in Obbach).
Grünebaum war bis zu seinem Wegzug am 20. Mai 1935 nach Prichsenstadt
Religionslehrer in Obbach. Hier ist am 22. Januar 1937 der Sohn Joachim Stefan
Grünebaum (später Joe Gruen) geboren. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Lehrerwohnung in Prichsenstadt demoliert; Alfred Grünebaum wurde festgenommen
und im KZ Dachau inhaftiert. Vermutlich Ende 1938 ist er nach Palästina
emigriert, kehrte dann aber im Februar 1939 nach Würzburg zurück (Bibrastraße
17). Grünebaum
konnte - nach Angaben seiner Tochter Sylvia Gruen Salomon (Nashville/TN),
erhalten über Wolf-Dieter Gutsch am 25.1.2019 - im September 1940 mit Frau und
Sohn über Lissabon in die USA emigrieren. Er nannte sich in den USA Alfred Gruen
und war zunächst in Indianapolis IN, seit 1953 als Kaufmann in Memphis TN tätig.
Neben dem Sohn Joachim/Joe sind noch die Kinder Gordon (https://www.vitals.com/dentists/Dr_Gordon_Gruen)
und Sylvia geboren. Alfred Gruen starb am 28. Mai 1907 in Memphis
Tennesse USA, seine Frau am 10. Mai 2011 ebd..
Quellen: Strätz Biograph. Handbuch Würzburger Juden Bd. 1 S. 210;
Elisabeth Böhrer (mit Hinweis auf Meldeeinträge in Obbach);
https://lostlift.dsm.museum/de/detail/person/14377dcc-4f91-4490-8b31-377ea68f2198
;
https://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/detailsinclude.php?global=;search;23499;
Wolf-Dieter Gutsch.
Die Eltern von Alfred Grünebaum wurden 1942 von München nach Piaski deportiert
und ermordet.Vgl.
https://kulturgutverluste.de/meldungen/bibliothek-der-katholischen-universitaet-eichstaett-ingolstadt-restituiert-gebetbuch-von
Genealogische Informationen siehe
https://www.geni.com/people/Alfred-Gruen/5353709227170033678
https://www.geni.com/people/Irma-Gruen/5353709270950033684 mit Links zu
Angehörigen und Fotos.
Lehrer Grünebaum sucht
eine Lehrstelle für einen Jungen der Gemeinde (1932)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1932:
"Suche Stelle für 15jährigen kräftigen Jungen als
Metzgerlehrling.
Auskunft bei: Lehrer Grünebaum, Obbach bei Schweinfurt,
Unterfranken." |
Verlobungs- und Hochzeitsanzeigen
für Alfred Grünebaum und Irma geb. Schlorch (1935)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 24. Januar 1935: "Baruch haSchem
(Gepriesen sei G'tt)
Irma Schlorch Alfred Grünebaum, Lehrer
Obbach/Ufr. Verlobte Obbach /
Sulzbürg (Opf.)
Januar 1935 / Schewat 5695 |
| |
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Mai 1935: "Statt Karten.
Alfred Grünebaum - Irma Grünebaum geb. Schlorch
Vermählte
Obbach, Sulzbürg -
Obbach
21. Mai 1935 Lag beomer 5695" |
| |
| Grab
von Alfred Grünebaum und seiner Frau Irma in den USA |
Grab
von Alfred David Gruen (gest. 28. Mai 2007) und seiner Frau Irma Karin
(gest. 10. Mai 2011) im Anshei Sphard Cemetery in Memphis, Shelby County,
Tennessee, USA.
Foto aus
https://de.findagrave.com/memorial/19673119/alfred-david-gruen
|
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Die jüdische Gemeinde erstellt nach dem Beispiel von Niederwerrn eine neue
Gemeindeverfassung (1846)
Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Januar 1846: "Schon im
vorigen Jahre haben wir in diesem Blatte gelesen, dass die Kultusgemeinde
Niederwerrn durch die Verwendung des
dortigen Herrn Landrichters Jhl und des Herrn Rabbiners Lebrechts eine neue
zeitgemäße und zweckliche Gemeindeverfassung statuiert hat; nunmehr aber
folgt diesem Beispiele die nachbarliche Gemeinde zu Obbach und bald
werden noch mehre aufgeklärte Gemeinden diese Ordnung fördernden
Einrichtungen annehmen. Fr." |
100-jähriges Bestehen des "Wohltätigkeitsvereins" (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1901: "Obbach
(Bayern). Eine Feier seltener Art beging am 2. Oktober der hiesige
'Wohltätigkeitsverein', und zwar die Feier seines hundertjährigen
Bestehens. Dieselbe wurde am Vorabend durch wohlgelungene theatralische
Aufführungen seitens Schulkinder und Erwachsene unter der vortrefflichen Leitung
unseres Herrn Lehrer Blatt eingeleitet. Herr Lehrer Blatt reihte
noch an diese Vorstellungen eine geistvolle Rede ein, in der er einen
Rückblick auf die verflossenen hundert Jahre gab, dabei die Lage der
Juden unter den verschiedenen bayerischen Herrschern dieses Zeitraumes
gedenkend. Seine Rede klang in einem begeistert aufgenommenen Hoch auf
unseren geliebten Prinzregenten aus,. - Morgens 9 Uhr begann
der Festgottesdienst. Die Synagoge war zu diesem Zwecke durch die
Munifizenz des hiesigen Frauenvereins reich dekoriert und fast in einen
Blumengarten verwandelt. Der von Herrn Lehrer Blatt eigens hierzu
eingeübte Chor intonierte herzerhebende Gesänge. Der Gottesdienst
erhielt durch eine schwungvolle, der Feier und Zeit angemessene Predigt
des Herrn Distriktsrabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt das Gepräge seiner
Weihe. Die sich daran anschließende Festmahlzeit verlief sehr animiert
und auch der eigentliche Zweck des Vereins: 'Wohltätigkeit gegen Arme',
wurde dabei nicht außer Acht gelassen. Die Versteigerung des Tischgebetes
erzielte eine ansehnliche Summe, die wohltätigen Zwecken zugeführt
wurde.
Hieran reihte sich noch ein gemütliches Zusammensein mit Musik, das die
Festteilnehmer bis in die frühe Morgenstunde in fröhlichster Stimmung
beisammenhielt. Das an unseren Landesfürsten abgesandte
Huldigungstelegramm wurde dankend entgegengenommen und erwidert. Möge der
Verein ferner blühen und gedeihen! Das gebe Gott!" |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Hinweis auf Wolf (Wolfgang) Frankenburger (1826-1889)
| Wolf (Wolfgang) Frankenburger (geb.
8. Juni 1826 in Obbach, gest. 1889 in Nürnberg): studierte in Würzburg
Jura, danach als Strafverteidiger tätig, ab 1861 Rechtsanwalt in
Nürnberg; genoss hohe Achtung als Gerichtsredner; von 1869 bis 1889
Mitglied des Bayerischen Landtages, von 1874 bis 1878 Vertreter Nürnbergs
im Deutschen Reichstag Berlin. Vielfach ausgezeichnet und dekoriert; trug
den Titel eines Justizrates. |
| Weiteres siehe Wikipedia-Artikel
"Wolf Frankenburger" (Hinweis: der
Wikipedia-Artikel enthält - nach Stand vom 28.6.2015 - einen Fehler im
Blick auf das Geburtsdatum, 27.3.1827 ist falsch, korrekt ist - auch nach
den Recherchen von Elisabeth Böhrer - der 8.6.1826) |
| |
Abschnitt
aus dem Beitrag von Wilhelm Stern: Die Juden in Unterfranken während
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in: Zeitschrift für die Geschichte
der Juden in Deutschland Jg. 6 1935 Heft 4 S. 237: "... 1848 glaubten sich
die Juden der Verwirklichung ihrer Ziele, der vollen Emanzipation, nahe.
Unter den damals in Würzburg führenden Demokraten und Volksrednern war auch
ein Jude, der spätere Landtagsabgeordnete und damalige Student der Rechte
Wolf Frankenburger, der aus Obbach in Unterfranken stammte.
Frankenburger stellte unter Beweis, dass ihn zu allen seinen Handlungen
heiße Vaterlandsliebe und nicht selbstsüchtige Motive trieben. Die Adresse
der Stadt Würzburg an König Ludwig I. vom 7. März 1848 enthielt auch die
Forderung auf Gleichberechtigung jeden Glaubensbekenntnisses.
Die Enttäuschungen, welche das Jahr 1848 brachte, betrafen auch die Wünsche
der Juden; allerdings erwarben sie das aktive und passive Wahlrecht zum
Landtag. In den auf 1848 folgenden Jahren der Reaktion drohte die
judenfreundliche Stimmung umzuschlagen; 1850 beteiligte sich die Stadt
Würzburg an dem Adressensturm an den Landtag gegen die Judenemanzipation..."
Anmerkung 55 zum Abschnitt: Über ihn (sc. Frankenburger):
Eckstein: Beiträge zur Geschichte der Juden in Bayern. Bd. I Bamberg 1902 S.
23f. |
| |
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1932: "Frankenburger.
In den weitesten Kreisen ist von allen bayerischen jüdischen Abgeordneten
bekannt geworden, wenngleich heute natürlich nahezu vergessen, Justizrat
Wolf Frankenburger (1827—89) in Nürnberg, gebürtig aus dem
Marktflecken Obbach in Unterfranken. Ein glänzender Jurist,
namentlich als Verteidiger berühmt, gehörte er von 1870 bis zu seinem
Lebensende dem Bayerischen Landtag, von 1874 bis 1878 auch dem Reichstag an.
Ein bewusster, aufrechter Jude, wandte er sich in flammender Entrüstung
gegen alle Verunglimpfungen des Judentums, sodass er sogar den bayerischen
Kultusminister v. Lutz wiederholt in die Enge trieb. Sogar Bismarck
erkannte in einer persönlichen Unterredung in
Kissingen die Uneigennützigkeit
seines Wirkens an, obwohl er der Partei, der Frankenburger angehörte, der
Fortschrittspartei, keineswegs besonderes Wohlwollen entgegenbrachte. Aber
es war dem Reichskanzler bekannt, dass Frankenburger ungeachtet aller
Geldgier, die man ja gerade uns Juden nachsagt, in dem Prozess gegen den
Grafen Arnim einem persönlichen Gegner Bismarcks gegenüber ein geradezu
fürstliches Honorar als Verteidiger zurückgewiesen hatte, um nicht gerade
als Jude in falschem Lichte zu erscheinen. Bismarck bezeichnete in dieser
Unterredung, die er selbst herbeigeführt hatte, Frankenburgers Verhalten als
'patriotisch und lobenswert'. In der Tat war Frankenburger ein echter
Deutscher, aber zugleich, wie bereits betont, ein echter Jude, der sich
seines Glaubens nie schämte. Er trat im Landtag für die rechtliche
Besserstellung der bayerischen Rabbiner ein, ferner für die Zulassung der
Juden als Zahlmeister und Reserveoffiziere usw.; er betätigte sich vor allem
auch, so weit ihm sein parlamentarisches Doppelmandat und sein Ehrenamt als
Stadtrat es gestattete, auch in der Verwaltung der jüdischen Gemeinde
Nürnberg. Prinzregent Luitpold ließ einen Kranz an seinem Sarge
niederlegen, seine Nürnberger Mitbürger, an ihrer Spitze Pfarrer
Kraußhold, stifteten sein Bildnis für das Rathaus 'zum bleibenden
Andenken an den hochverdienten Mitbürger'." |
Zum Tod von Hermann Sonnenberger
(1904)
Anmerkung: Hermann Sonnenberger war verheiratet mit Bertha geb. Bärmann. Die
beiden hatten eine Tochter Sabine (geb. 3. November 1871 in Obbach)
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. Juli 1904: "Obbach
(Bayern). Der um das Wohl unserer Gemeinde hochverdiente und allgemein
beliebte Herr Hermann Sonnenberger, der in unserer Gemeinde eine
ganze Anzahl von Ehrenämtern bekleidete, ist dieser Tage hier gestorben." |
Zum Tod von David Fränkel (1926)
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 9. Juli 1926: "In
Obbach bei Schweinfurt starb im Alter von 50 Jahren Herr David
Fränkel an den Folgen eines Leidens, das er sich im Kriege als
Landsturmmann zugezogen hatte. Der Vorsitzende des Veteranen- und
Kriegervereins betonte in der Grabrede, dass, wie es draußen keinen
Unterschied der Religion gegeben habe, es auch in der Heimat Pflicht jedes
einstigen Soldaten sei, dem gestorbenen, treuen Kameraden die Soldatentreue,
die er im Felde so vorbildlich gehalten habe, zu bewahren, und besonders die
Witwe und Kinder nicht zu verlassen." |
| |
| Zu Familie Fränkel vgl. Seite zu
Justin Fränkel (1896-1984)
https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/lehrerbiografien/justin-fraenkel
|
87. Geburtstag von
Babette Schloss geb. Ehrlich (1930)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Februar 1930: "Schweinfurt a.
M., 17. Febr. Am 23. Februar feiert Frau Babette Schloß geb. Ehrlich
in Obbach ihren 87. Geburtstag. Sie erfreut sich seltener geistiger und
körperliche Frische, verfolgt mit besonderem Interesse alle jüdischen Fragen
und lässt es sich nicht nehmen, in Haushalt und Küche mit tätig zu sein." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Commis- und Lehrlingssuche des Manufakturwarengeschäftes
der Gebrüder Bildstein (1900)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1900:
"Wir suchen für unsere Samstags und Feiertage streng geschlossenes
Manufakturwarengeschäft einen
Lehrling
mit guter Schulbildung.
Kost und Logis im Hause.
Gebrüder Bildstein, Obbach, Unterfranken." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1900:
"Wir suchen für unser Samstags und Feiertage streng geschlossenes
Manufakturwarengeschäft einen
Commis
per 1. Januar. Diejenigen,
welche im Versandgeschäft tätig waren, erhalten den Vorzug. Ferner
findet ein Lehrling mit guter Schulbildung Engagement.
Gebrüder Bildstein,
Obbach,
Unterfranken." |
Anzeige der Metzgerei David Fleischmann (1909)
Anmerkung: Informationen zur Familie Fleischmann - zusammengestellt von
Elisabeth Böhrer -
eingestellte pdf-Datei.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1909: "Empfehle gut
geräucherte
Kochwurst à Pfd. 1 Mark 10 Pfennig.
David Fleischmann,
Metzgermeister Obbach, Kreis Unterfranken." |
Verlobungsanzeige von Ricka Kannenmacher mit dem Lehrer David Banda in Niederwerrn (1926)
Anmerkung
(Angaben auf Grund der Recherchen von Elisabeth Böhrer): Lehrer
David Michael Banda ist am 21. August 1902 geboren. Er war bis 1927
(vermutlich seit 1924) jüdischer Lehrer in Niederwerrn, danach bis 1934 Lehrer in
Demmelsdorf. David Banda war verheiratet mit Ricka geb.
Kannenmacher (geb. 9. Oktober 1906 in Obbach). Die beiden hatten drei Kinder (alle
drei in der Entbindungsanstalt in Bamberg geboren): Liddi (1928), Paul
(1929), Helmut (1929). Familie Banda lebte bis 1934 in
Demmelsdorf. Die
ganze Familie ist nach der Deportation ermordet worden.
Nachweisbar ist die Familie nach 1934 durch Schriftwechsel der Mutter Ricka
geb. Kannenmacher, die am 4. August 1937 in Brünn eine Vollmacht erteilte. Aus
einem weiteren Schriftstück ist ersichtlich, dass die Kantorsehegattin am 19.
Juni 1939 in Prostejow, damaliges Projektorat Böhmen-Mähren, wohnhaft ist.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember 1926: "Statt Karten!
Ricka Kannenmacher - David Banda
Verlobte
Obbach Unterfranken -
Niederwerrn Unterfranken /
Budapest". |
Stellensuche von Arnold Schlorch
für seinen Sohn Erich (1930)
Anmerkung: Arnold Schlorch ist am 26. November 1877 in Obbach geboren. Er
war verheiratet mit Sofie geb. Silbermann, die am 24. März 1883 in
Walsdorf geboren ist. Die beiden hatten zwei
Kinder: Irma (geb. Januar 1913 in Obbach, später verheiratet mit Alfred
Gruen [Grünebaum]) und Erich (Eric, geb. 12. November 1915 in Obbach, später
verheiratet mit Edith geb. Shore, gest. 30. Januar 1996 in Chicago, Ill./USA).
Informationen nach
https://www.geni.com/people/Emil-Schlorch/5370267563010114327 mit Links zu
Familienangehörigen und Fotos. Arnold und Sofie Schlorch wurden nach der
Deportation im April 1942 nach Krasnystaw ermordet. Weitere Informationen zur
Familie Schlorch - zusammenstellt von Elisabeth Böhrer:
eingestellte
pdf-Datei.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. März 1930: "Suche für meinen Sohn,
der dis 1. Mai 1930 seine Lehrzeit als Bäcker beendet hat,
Volontärstelle
wo ihm Gelegenheit geboten ist, sich als Feinbäcker und Konditor
auszubilden, ohne Vergütung. Gefällige Zuschriften an Arnold Schlorch,
Obbach (Unterfranken) erbeten." |
Verlobungsanzeige für Rosel Schloss
und Arthur Manasse (1936)
Weitere Informationen zu Arthur Manasse (1906-1983):
https://www.geni.com/people/Arthur-Manasse/6000000034018001000
Grab von Arthur und Rose Manasse
https://de.findagrave.com/memorial/90823804/arthur-manasse
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Oktober 1936:
"Rosl Schloss - Arthur Manasse
Verlobte Oktober 1936 Obbach / Bayreuth
- Talheim / Heilbronn. |
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Grab von Arthur Manasse (7. Juni 1906 - 2. März 1983) und Rose
geb. Schloss (14. April 1915 - 19. Dezember 2003) im Beth David Cemetery
in Conklin, Broome County, New York, USA. (Foto aus:
https://de.findagrave.com/memorial/90823804/arthur-manasse)
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Todesanzeige für Philippine
Ramsfelder geb. Grünbaum (1937)
Anmerkung: nach
https://de.findagrave.com/memorial/109411881/arthur-ramsfelder und
Informationen zur Familie (zusammengestellt von Elisabeth Böhrer -
eingestellte
pdf-Datei) war Philippine Ramsfelder (1865
Oberaltertheim - 1937) verheiratet mit
dem Metzger und Viehhändler Lehmann Ramsfelder (1864-1918). Die beiden
hatten folgende Kinder: Julius Ramsfelder (geb. 1891, umgekommen nach
Deportation 1942 Krasnystaw), Zwillinge Betty und Ida Ramsfelder (geb./gest.
1892), Ludwig Ramsfelder (geb. 1893, 1938 nach Montevideo/Uruguay emigriert),
Thekla Ramsfelder verh. Neumann (1894-1972), Ignatz Ramsfelder (geb. 1896,
emigrierte von Bruchsal aus), Arthur Ramsfelder (1898, umgekommen nach
Deportation 1942 Krasnystaw), Siegfried Ramsfelder (1904-1964, 1956-58
Vorsitzender der IKG Würzburg) und Zwillingsschwester Flora Schloss geb.
Ramsfelder (1904-1992)
Zu Siegfried Ramsfelder:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Siegfried_Ramsfelder
Anzeige
in der "Jüdischen Rundschau" vom 6. August 1937: "Am 1. August verschied
nach langem, schwerem Leiden unsere innigstgeliebte Mutter, Frau
Philippine Ramsfelder geb. Grünbaum
im 72. Lebensjahr.
In tiefster Trauer Julius Ramsfelder
Ludwig Ramsfelder
Thekla Neumann geb. Ramsfelder
Ignaz Ramsfelder
Arthur Ramsfelder
Flora Schloss geb. Ramsfelder
Siegfried Ramsfelder
Obbach, Cottbus, Würzburg. Bruchsal, Hamburg" |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war eine ältere Synagoge aus dem Jahr 1764 vorhanden.
Sie stand auf einem Grundstück, das im Urkataster von 1834 mit der Haus Nr. 28
bezeichnet wird. Nach dem Bau der neuen Synagoge wurde das Gebäude 1866 an den
Gutsherrn Ernst Albert Eisfeld verkauft und 1899 abgebrochen.
1862 oder in den Jahren danach wurde eine
neue Synagoge erstellt. Sie wurde aus unverputzten Sandsteinquadern errichtet und
zeigte maurische Architekturelemente. Das Grundstück für die Synagoge war der
Jüdischen Gemeinde 1862 von der gebürtigen Obbacherin Jette Goldstein geb. Kleemann
geschenkt worden. Nur selten wird etwas aus der
Synagogengeschichte in überregionalen jüdischen Periodika erwähnt. Immerhin
wird in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
September 1934 ihr Architekturstil kurz beschrieben:
Aus
einem Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. September
1934: "Alte und neue Synagogen. Es ist merkwürdig, dass verhältnismäßig
viele Synagogen in früheren Jahren einem Brande zum Opfer gefallen sind. Nur
selten verdankt ein Neubau dem Anwachsen der Gemeinde seine Entstehung. Man mag
die neueren Synagogen schön finden. Die in Theilheim etwa, wo die Anlage der
Frauenempore und deren Ausstattung mit farbigen Vorhängen an stille
Theaterlogen erinnern; die in maurischem Stil gehaltenen Synagogen in
Marktbreit und Obbach oder die in kirchenhaftes Düster getauchte in Gerolzhofen." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
durch vier SS-Leute aus Schweinfurt überfallen. Sie vertrieben die noch vom Morgengebet
anwesenden Gemeindemitglieder aus dem Gotteshaus,
zerstörten Dach und Fenster, Möbel, Geräte und Ritualien und zündeten die
Synagoge an. Am Abend kamen unter anderem der Kreisleiter der NSDAP und der örtliche Lehrer
zur Synagoge, die inzwischen völlig ausgebrannt war.
Die Synagogenruine wurde nach 1945 abgebrochen. Ein Teil des
Umfassungsmauer blieb erhalten; etliche Steine wurden als Baumaterial unter
anderem für die Mauer des Gutshofes und des Schlossparks verwendet. An der erhaltenen
Umfassungsmauer wurde 1986 eine Gedenkstätte zur Geschichte
der jüdischen Gemeinde und der Synagoge eingerichtet.
Adresse/Standort der Synagoge: Gegenüber
Greßtaler Straße 5 (Wendeplatz)
Hinweis: Erhalten ist das jüdische Schlachthaus
auf dem Gelände des Schlosshofes, erhalten ist gleichfalls das Gebäude der
jüdischen Schule am Ort (neben dem Kindergarten).
Fotos
Historische Darstellungen /
die Synagoge |
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Darstellungen der
ehemaligen Synagoge in Obbach: links auf einer 1901 versandten
historischen Ansichtskarte (beide Abbildungen leider in schlechter
Bildqualität; der
Webmaster bemüht sich um bessere Vorlagen). Das untere
Bild auf der Karte ist vermutlich
mit "Sulzthaler Str.
J(üdische) Schule" überschrieben; nach Angaben von Elisabeth
Böhrer
befand sich die Schule im heutigen Gebäude Sulzthaler Str. 8. |
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Das ehemalige
jüdische Schulhaus
(Fotos: Elisabeth Böhrer,
Aufnahmedatum 16.4.2010) |
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Foto links: das
ehemalige jüdische Schulhaus in derselben Perspektive wie auf der
Postkartenansicht oben (Foto links unten); Foto rechts: das ehemalige
jüdische Schulhaus |
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Das ehemalige jüdische
Schlachthaus
(Fotos: Elisabeth Böhrer,
Aufnahmedatum 16.4.2010) |
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Blick auf das Gebäude
vom Schlosshof |
Blick auf das
Gebäude
von der Straße |
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Führung "Auf den
Spuren der
jüdischen Geschichte" in Obbach
am 18. Juni 2005 |
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Hinter der Mauer
stand die Synagoge; Pfarrer Wolfgang Brändlein gab die
historischen
Erläuterungen; Quelle: Evangelische
Kirchengemeinde Obbach |
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Die Gedenkstätte für die
Synagoge
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach; aus www.synagogen.info) |
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Eine erste
Gedenktafel für die Synagoge aus den 1980er-Jahren hatte den Text:
"An diesem Platz stand die Synagoge der
Jüdischen Gemeinde
Obbach"; eine neue Gedenkstätte mit mehreren Tafeln und
Darstellungen der Synagoge wurde - nachdem
die alte Tafel 1999 mit Farbe
beschmiert wurde - am 16. März 2001 durch den 1. Bürgermeister der
Gemeinde Euerbach
Arthur Arnold eingeweiht. Um die Gedenkstätte bemühte
sich der Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Obbach". |
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Die Gedenkstätte für die
Synagoge
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2007) |
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Hinweis: links im Hintergrund
ist das frühere
jüdische Schlachthaus zu erkennen. |
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Andernorts entdeckt: |
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Entdeckt
im jüdischen Friedhof Pfaffenhausen bei
Hammelburg: Grabstein für Musikprofessor
Herrmann (Hirsch) Steuermann (geb. 1848 in Obbach als Sohn von Joseph
Steuermann, gest. 1909 in Würzburg) im jüdischen
Friedhof Pfaffenhausen; in Würzburg lebten auch der Bäckermeister Jakob Steuermann (geb. 1859 in Obbach als Sohn des Obbacher
Viehhändlers Isaak Steuermann
und Julie geb. Kleemann, gest. 1928 in Würzburg) und der Kaufmann
und Teilhaber einer Tuch- und Manufakturwarengroßhandlung Wilhelm (Wolf) Steuermann (geb.
1851 in Obbach als Sohn von Isaak Steuermann, gest. 1917 in Würzburg). Angaben nach Strätz Biograph. Handbuch Würzburger
Juden II, 603, die verwandtschaftlichen Beziehungen konnten präzisiert werden durch Angaben auf Grund der Recherchen von Elisabeth
Böhrer: demnach waren also Jakob und Wilhelm Steuermann Brüder; durch ihren gemeinsamen Großvater Löb Steuermann waren Jakob
und Wilhelm Cousins zu Hermann Steuermann). |
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Entdeckt
in einem der
jüdischen Friedhöfe in Ingelheim am Rhein:
In der Mitte Grabstein für die Schwestern Fanny Fränkel aus
Obbach (geb. 21.4.1861, gest. 11.3.1929) und
Hannchen Mayer geb. Fränkel (geb. 13.11.1864 nach Geburtsurkunde,
Grabstein liest 1863, gest. 26.2.1929) (Foto von Stefan Haas);
die beiden waren Töchter von Jakob Fränkel, Metzgermeister, Obbach, Hs.
Nr. 30 1/2 und seiner zweiten Frau Bertha Blümlein, Metzgerstochter von
Schonungen (Informationen von Elisabeth Böhrer).
vgl. Dokumentation des Friedhofes Ingelheim: http://www.steinheim-institut.de:50580/ihl_all.html
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 373-375. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 98. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 384-385.
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 | Angaben zu dem Film zu Siegfried Ramsfelder (aus der Liste
der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung - Medienlisten -
Filme zum Verwaltungsrecht - Link):
Die enthemmte Bürokratie. - 1983. - 30 Minuten
Die dritte Folge der Bürokratie-Serie nimmt einen Fall unter die Lupe, der sich zur Zeit des
"Dritten Reichs" abgespielt hat : Der Jude Siegfried Ramsfelder wird mit zweihundert anderen Juden aus Würzburg nach Osten abtransportiert, wo fast alle Insassen des Zuges umkommen. Peter von Zahn zeichnet aufgrund der Akten im Staatsarchiv in Würzburg den gespenstischen Eifer nach, mit dem die Gestapo-Bürokratie diesen Gewaltakt vollzog. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 250-252. |
 | Oppahu
- Obbach 813 bis 2013. Beiträge zur Geschichte Obbachs. Hrsg. von der
Gemeinde Euerbach aus Anlass des 1200. Jubiläums des Gemeindeteils Obbach
2013. 204 S. mit 197 Abb.
Darin u.a.: Elisabeth Böhrer / Andreas Schäfer: Zur
jüdischen Geschichte Obbachs. S. 109-128.
Das Buch ist über die Gemeindeverwaltung Euerbach zu beziehen www.euerbach.de
Tel. 09726/91550. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Obbach Lower Franconia. A
Jewish community is known from the 18th century. A synagogue was built in 1840
and a Jewish Public school had 41 students in 1850. The Jewish population was
192 in 1867 (total 668) and 106 in 1933, with most owning homes and fields in
the area of the synagogue and community center. On Kristallnacht (9-10
November 1938) the synagogue was burned down and Jewish homes and stores were
destroyed. In the 1937-41 period, 39 Jews emigrated, including 30 to the United
States. Of the 36 remaining in 1942, 30 were deported to Izbica in the Lublin
district (Poland) via Wuerzburg in April and the last six, all aged, were sent
to the Theresienstadt ghetto on 10 September 1942.

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