Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Obbach (Gemeinde Euerbach, Kreis Schweinfurt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer)  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Obbach bestand eine relativ große jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Erste Hinweis für eine jüdische Ansiedlung in Obbach liegen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hervor. Juden werden in Rechtsgeschäften erwähnt und in Gerichtsakten namentlich genannt. Es gab - wie auch andernorts - zahlreiche einschränkende Bestimmungen für die jüdischen Familien am Ort. So war es ab 1680 jüdischen Frauen in Obbach verboten, sich an Sonn- und christlichen Feiertagen mit einem Strickstrumpf auf der Straße blicken zu lassen. 1732 werden zwei Obbacher Juden unter den Besuchern der Leipziger Messe genannt. Die jüdischen Familien standen damals unter dem Schutz der Herren von Seckendorf. Um 1800 lebten in Obbach 30 jüdische Familien "großteils in 2 großen abgesonderten herrschaftlichen Gebäuden" (aus "Geographisches-Statistisch-Topopgraphisches Lexikon von Franken", 1801). 
 
Die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1816 168 jüdische Einwohner (28 % von insgesamt 599), 1837 210 (29,0 % von 725), 1867 192 (28,7 % von 668), 1900 174 (28,7 % von 606), 1910 146 (22,3 % von 654). Die jüdischen Familien wohnten zumeist in eigenen Häusern im Bereich der Synagoge und des jüdischen Gemeindehauses. Die meisten von ihnen hatten Grundbesitz. Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Vieh- und Pferdehandel. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere im Besitz jüdischer Familien befindliche Warengeschäfte und Handlungen vor Ort, darunter auch jüdische Metzgereien (s.u.). Die meisten Familien hatten auch landwirtschaftlichen Besitz.  
    
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Obbach die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Seligmann Isaac Straus (Warenhändler), Isaac Hirsch Hirschmann (Viehhändler), David Wolf Nelkenstein (Warenhändler), Samuel Joseph Rheinfelder (Waren- und Viehhändler), Isaac Joseph Rheinfelder (Warenhändler), Nihm Isaac Strauss (Warenhändler), Löb Isaac Steuermann (Viehhändler), Seligmann Itzig Strauß (Warenhandel), Seligmann Nihm Königsberger (Viehhändler, Vorsteher), Michael Nathan Schloss (Warenhändler), Elias Samuel Ramsfelder (Lehrer, Warenhändler), Madel Seligmann Ramsfelder (Schlächterei), Gelle Josua Königsberger (Schmuserei), Schir Nihm Königsberger (Schlächter), David Isaac Hochspringer (Viehhändler), Abraham Löb Bildstein (Viehhändler), Isaac Samuel Siegel (Warenhändler), Hona Benjamin Frankenburger (Warenhändler, Viehhändler, ehem. Hof- und Geschäftsjude bei Freiherr Friedrich Wilhelm von Bobenhausen), David Maier Fleischmann (Schlächter), Lazarus Isaac Strauss (Warenhändler), Wolf Isaac Kleemann (Viehhändler), Niem Samuel Ramsfeld (Schlächter in Geldersheim), Jakob Samuel Ramsfeld(er) (Schlächter in Geldersheim), Jakob Wolf Wölfner (Warenhändler), Jakob Joseph Amburger (Viehhändler), Götz Nathan Schloss (Warenhändler), Seligmann Samuel Ramsfeld(er), (Schmuster), Oscher Michael Blank (Warenhändler), Löb Salomon Kronenthal (Viehhändler), Isaac Hohne Friedenheit (Viehhändler), Wolf Jacob Fränkel (Handelsmann), Hirsch Jonas Harzfelder (Warenhändler), Samuel Isaac Siegel (), Jeidel Jacob Rosmann (Vieh- und Pferdehändler), Abraham Hona Bergmann (Handelsmann), Abraham Bär (), Samson Isaac Strauss (Warenhändler), Fradel, Witwe von Jonas Wippert (Warenhandel), Isaac Benjamin Goldstein (Viehhandel), Jette Aron Schlorch (Schmuserei), Benedict Michel Goldberg (Uhrmacher), Haium Hohna Frankenburger (Viehhändler), Wolf Feist Dessauer (Warenhändler). Ohne Matrikelstelle wird Vorsinger Mendel Simon genannt.       
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein 1836 erbautes jüdisches Gemeindehaus mit der Israelitischen Volksschule und der Lehrerwohnung (Sulzthaler Straße 8; bis zur Gegenwart erhalten) sowie ein rituelles Bad (letzteres am Ende der Kleinstraße, doch erst seit 1913 dort nachweisbar). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein jüdischer Volksschullehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schächter tätig war. Die Gemeinde Obbach war 1840/41 kurzzeitig Sitz eines Distriktsrabbinates. Nachdem die Gemeinde Niederwerrn jedoch bereit war, zur Finanzierung des Distriktsrabbinatsfonds 30 Jahre lang pro Jahr von jedem Familienhaupt 1/2 Gulden abzuführen, wenn der Rabbinatssitz nach Niederwerrn verlegt würde, gab die Königliche Regierung dem zugleich günstiger gelegenen Niederwerrn den Vorzug. Seitdem gehörte Obbach zum Distriktsrabbinat Niederwerrn, nach dessen erneuter Verlegung 1864 zum Distriktsrabbinat in Schweinfurt. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Euerbach beigesetzt. 
   
Die jüdische Schule (Israelitische Volksschule) wurde auf behördliche Anweisung 1820 eingerichtet. Folgende jüdischen Lehrer unterrichteten an der Schule: Liebmann Kaiser (1820-1822), Ludwig Marschütz (1822-1825), Hermann Schwed (1825), Lucas Treu (1825-1835), Meier Frank (1835-1848), Elias Eldod (1848-1851, danach in Kleinerdlingen), Juda Löw Lissauer (1853-1859), Joseph Grünbaum (1859-1872), ... Nathan Blatt (1893-1930), Alfred Grünebaum (1930-1935). 1929 wurde die israelitische Volksschule aufgelöst, seitdem besuchten die jüdischen Kinder die evangelische Schule und erhielten separaten Religionsunterricht. 
  
*Anmerkung: nach Strätz Biograph. Handbuch Würzburger Juden Bd. 1 S. 210 war Alfred Grünebaum (geb. 1909 in Sulzbürg) nach seinem Examen 1929 Religionslehrer in Obbach. Nach Angaben von Elisabeth Böhrer (mit Quellenangabe: Meldeeinträge in Obbach) ist er am 3. Juni 1930 in Obbach zugezogen und war bis zu seinem Wegzug am 20. Mai 1935 (nach Prichsenstadt) Religionslehrer am Ort. Grünebaum konnte 1939 nach Palästina emigrieren.
    

Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Isidor Fleischmann (geb. 10.1.1886 in Obbach, gef. 9.9.1914) und Gefreiter Max Sommer (geb. 17.3.1896 in Obbach, gef. 25.3.1918). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal vor der evangelischen Kirche in der Dr.-Georg-Schäfer-Straße (auf dem mittleren der drei Gedenksteine).
 
In den 1920er-Jahren gab es an jüdischen Gewerbetreibenden: Adolf Rund (Viehhändler mit landwirtschaftlichem Besitz), Abraham Schloss (Kolonialwaren- und Stoffhändler), Zadock Strauß (Viehhändler), Wolf Fränkel (Viehhändler mit landwirtschaftlichem Besitz), Lehmann Ramsfelder (Metzgerei, Viehhandel, mit landwirtschaftlichem Besitz), Hirsch Kammermacher (Kleinwaren, Hausierhandel), Hieronymus Blank (Kolonialwaren- und Samenhandlung, mit landwirtschaftlichem Besitz), Michael Schloss (Schuhwaren und Stoffe), David Blumenthal (Hauswaren, Öfen, Herde, landwirtschaftliche Geräte und Maschinen), Gerson Wolf (Viehhändler mit landwirtschaftlichem Besitz), Abraham Fleischmann (Metzger), Bernhard Fleischmann (Bauer), Lehmann Bildstein (Kolonialwaren und Schule, Pferdehandel), Nathan Bravmann (Kolonialwaren und Schuhe, mit landwirtschaftlichem Besitz), Moses Schloss (Stoffe), Willi Fränkel (Kolonialwaren), Adolf Sommer (Makler), Adolf Rosenstock (Schafe-, Kälber- und Ziegenhändler, mit landwirtschaftlichem Besitz), Adolf und Arnold Schlorch (Bäckerei, Getreide- und Mehlhandel, mit landwirtschaftlichem Besitz), Abraham und David Fränkel (Metzger und Viehhandel), Mendelssohn Fränkel (Viehhändler), Lyon Kronenthal (Pferdehändler, Polsterei, mit landwirtschaftlichem Besitz), David Julius Fleischmann (Metzger, mit landwirtschaftlichem Besitz), Willi Ramsfelder (Pferde- und Viehhändler, mit landwirtschaftlichem Besitz), Dr. Theodor Einstein (Arzt).  
  
Um 1924, als 120 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (18,5 % von etwa 650), waren die Vorsteher der Gemeinde Adolf Rosenstock, Arnold Schlorch, David Blumenthal und Abraham Fleischmann. Als Lehrer an der Israelitischen Volksschule und Kantor der Gemeinde war der bereits genannte Nathan Blatt tätig (vgl. Bericht unten). Weiterhin (bereits seit Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts) gehörten, nachdem im benachbarten Euerbach die Zahl der jüdischen Einwohner bereits stark zurückgegangen war, die hier noch lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Obbach. 1932/33 erhielten durch den gleichfalls bereits genannten Lehrer Alfred Grünebaum acht jüdische Kinder Religionsunterricht. Gemeindevorsteher waren 1932 weiterhin Arnold Schlorch (1. Vors.) und Emil Rosenbusch (2. Vorsteher). An jüdischen Vereinen bestanden die Wohltätigkeitsvereine Gemilus Chassodim (1932 Vorsitzender D. Blumenthal, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Bedürftiger) und Zedokoh (1932 unter Leitung von H. Blank, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Bedürftiger), der Israelitische Frauenverein (1932 unter Leitung von Frau J. Blumenthal, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Bedürftiger), Ortsgruppen beziehungsweise Zweigstellen der Zionistischen Vereinigung und der beiden zionistischen Fonds. 
  
1933 lebten noch 106 jüdische Personen in Obbach. Nur langsam ging in den folgen Jahren ihre Zahl zurück: am 15. Dezember 1935 wurden 101 jüdische Gemeindeglieder gezählt (von denen nach den Recherchen von Elisabeth Böhrer 99 in Obbach und zwei in Euerbach lebten). Gemeindevorsteher war inzwischen Isaak Bravmann. Von November 1937 bis Oktober 1938 wanderten zwölf der Gemeindemitglieder aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde ein Teil der jüdischen Männer durch den Gendarmeriepostenführer von Geldersheim auf Anordnung des Landrates verhaftet und in das Gefängnis nach Schweinfurt gebracht. Acht Juden wurde durch SA-Leute aus Obbach in einer Wäscherei festgesetzt. Die Synagoge wurde geschändet und zerstört (s.u.), jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert, die Wohnungseinrichtungen zerstört, die Warenvorräte vernichtet. Juden wurden aus ihren Häusern gezerrt, misshandelt und zum Bürgermeisteramt getrieben. Gegen Abend kam es zu neuen Ausschreitungen, wobei das Haus eines Juden bis auf den Grund zerstört wurde. Bis 1941 konnten noch 39 jüdische Obbacher auswandern (30 in die USA, fünf nach Südamerika, zwei nach Südafrika, je einer nach Frankreich und Palästina). Am 7. Februar 1942 lebten noch 36 jüdische Personen in Obbach (in dieser Zahl ist vermutlich eine Frau enthalten, die in Euerbach lebte). Von ihnen wurden 30 am 22. April 1942 über Würzburg nach Izbica bei Lublin deportiert (dazu die Frau aus Euerbach). Im Sommer 1942 sind die letzten fünf jüdischen Einwohner in das Ghetto Theresienstadt verschleppt worden: nach Forschungen von Elisabeth Böhrer kamen sie an zwei unterschiedlichen Tagen im August 1942 zuerst nach Schweinfurt und wurden dann im September über Würzburg nach Theresienstadt verschleppt.   
   
Von den in Obbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; verschiedene Angaben sind korrigiert auf Grund der Recherchen von Elisabeth Böhrer, Stand 20.5.2013):  Else Adler geb. Blatt (1893, Tochter von Lehrer Nathan Blatt), Beate Bildstein (1927), Else Bildstein geb. Bloch (1891), Gerhard Bildstein (1899), Hermann Bildstein (1870), Julius Bildstein (1932), Ludwig Bildstein (1876), Manfred Bildstein (1924), Cäcilie Blank (1903), Jette Blank (1860), Regina Blank (1865), Sabine Blank (1868), Jeanette Blumenthal geb. Sonnenberger (1873), Isaak Bravmann (1882), Nelka Bravmann geb. Schloss (1879), Rita Bravmann (1923), Siegbert Bravmann (1927), Bernhard Fleischmann (1882), Berta Fleischmann geb. Silbermann (1884), Isidor Fleischmann (1922), Julius Fleischmann (1880), Lore Fleischmann (1931), Luise Fleischmann geb. Schlorch (1892), Max Fleischmann (1887), Recha Fleischmann (1891), Adele Fränkel geb. Hüchberger (1878), Fanny Fränkel geb. Grünebaum (geb. 1867), Hermann Fränkel (1880), Jacob Fränkel (1874), Jette Fränkel geb. Bacharach (1876), Julie Fränkel geb. Lippmann (1884), Paula Fränkel (1920), Rosa Fränkel geb. Schloss (1884), Willy Fränkel (1872), Wolf Fränkel (1869), Ida Frank geb. Schlorch (1883), Berta Friedmann geb. Frankenburger (1868), Joseph Goldstein (1922), Leopold Markus Goldstein (1910), Regina Goldstein (1881), Malchen Hirsch geb. Fränkel (1881), Kerry Jacobsohn geb. Kronthal (1897), Cärry Judas geb. Ramsfelder (1896), Mathilde Königsberger (1889; anlässlich der "Stolperstein"-Verlegung für sie in Würzburg im Juni 2013 erschien ein Artikel in der Main-Post), Ferdinand Kronthal (1893), Jenny Kronthal (1884), Leo Kronthal (1892), Sally Kronthal (1905), Amalie (Malchen) Kuhn geb. Schloss (1878), Jeanette Mayer geb. Bildstein (1893), Arthur Ramsfelder (1898), Edith Ramsfelder (1937), Emma Ramsfelder geb. Gottlob (1908), Julius Ramsfelder (1891), Tilly Ramsfelder (1898), Erna Richter geb. Goldstein (1872), Emil Rosenbusch (1888), Gustav Rosenbusch (1926), Herbert Rosenbusch (1929), Paula Rosenbusch geb. Schloss (1896), Ernestine Rund geb. Bernet (1859), Josef Rund (1890), Siegbert Rund (1888), Regina Schafheimer geb. Schloss (1875), Arnold Schlorch (1880), Emil Schlorch (1877), Lilly Schlorch (1912), Max Schlorch (1886), Rosa Schlorch geb. Fleischmann (1877), Samuel (Semi) Schlorch (1889), Selma/Susi Schlorch (1894), Sofie Schlorch geb. Silbermann (1883), Meta Schloss geb. Adler (1887), Michael Schloss (1885), Moses Schloss (1883), Elise Seemann geb. Schloss (1880), Bella Stern geb. Kronthal (1887), Heinrich Steuermann (1881), Klara Strauss geb. Ramsfelder (1869), Zadok Strauss (1873).      
  
Nach 1945 kamen nur zwei der aus Obbach stammenden jüdischen Personen aus den Konzentrationslagern zurück, unter ihnen Siegfried Ramsfelder (geb. 1904 in Obbach als Sohn von Lehmann Ramsfelder und Philippine geb. Grünbaum), der am 27. November 1941 von Würzburg nach Riga deportiert worden war. Er überlebte den Holocaust und war von 1956 bis 1958 Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Würzburg (Link: Liste der Leiter der jüdischen Gemeinde in Würzburg). Er starb (nach Angaben von Elisabeth Böhrer) 1964 in den USA. Über sein Schicksal wurde der Film "Die enthemmte Bürokratie" (1983) gedreht (vgl. Link). 
    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Anmerkung: Trotz der Größe der jüdischen Gemeinde Obbach finden sich überraschenderweise kaum Berichte zum Gemeindeleben in jüdischen Periodika wie "Der Israelit", "Allgemeine Zeitung des Judentums" und "Bayerische Israelitische Gemeindezeitung". Bislang konnten nur die folgenden Artikel mit einem Bezug zu Obbach gefunden werden: 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
"Konfessionelle Vielfalt" in einer Familie - ein Artikel aus dem Jahr 1869 

Obbach Israelit 09061869.jpg (24380 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1869: "Aus Bayern. Der in diesen Blätter wegen seiner heftigen Äußerungen gegen die Juden bei Gelegenheit der Landtagswahlen erwähnte katholische Kaplan Frank aus Löhrieth ist der Sohn des verstorbenen jüdischen Lehrers F. aus Obbach; ein Bruder dieses judenfeindlichen Juden ... ist ein evangelischer Geistlicher!!"  

  
Lehrer Nathan Blatt gibt Anregungen für ein besseres Verhältnis zwischen jüdischem Lehrer und der Landwirtschaft (1900)  

Obbach Israelit 19111900a.jpg (260248 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1900: "Obbach (Bayern). (Der israelitische Lehrer und die Landwirtschaft). Während unsere christlichen Kollegen in den schönen Sommertagen sich in Flur und Garten mit Hacke, Karst und Spaten zu schaffen machen, sich durch ihre Wanderungen über Berg und Tal, in Wald und Feld, gegen die Einflüsse der Witterung stählen, durch die Bewegung in freier Luft die aufgebrauchten Säfte des ganzen Organismus erneuern und dadurch die für uns Lehrer so nötige Ausspannung der Nerven herbeiführen, sitzen wir, die israelitischen Lehrer, in dumpfer Stube, geben im Schweiße unseres Angesichts Privatstunden, die oft nicht viel einbringen und suchen durch Unterrichtserteilung in Buchführung, Wechsellehre und dergleichen den jungen Nachwuchs immer wieder solchen Berufen zuzuführen, von denen wegzuführen unter den obwaltenden Verhältnissen viel mehr unsere Pflicht wäre. Ich glaube aber, der israelitische Lehrer, der nicht bloß Lehrer, sondern auch Erzieher sein will, der gestaltend, bildend, ja oft umbildend auf die spätere Lebensführung seiner Schüler wirken soll, hat in der Gegenwart ganz andere Aufgaben zu erfüllen, an der Erreichung ganz anderer Ziele mitzuarbeiten; gebieterisch drängen die Umstände dahin, auf - ich möchte sagen - ganz entgegengesetztem Gebiete seine Kräfte in edlem Wettstreite zu entfalten. Er soll den durch die Stürme der Zeiten fast erstorbenen Natursinn wiederbeleben helfen, Liebe zur Landwirtschaft, Obstbaumzucht usw. zu erwecken suchen, er soll mitwirken, dass die alten, goldenen Zeiten (als Israel noch auf eigenem Grund und Boden wandelte) nicht mehr als Märchen von weitem erscheinen, sondern wieder Blut und Farben gewinnen. 
Unsere Urväter waren Hirten, Ackerbauer oder Handwerker und überließen den Handel den Phöniziern, Griechen und Arabern, und der israelitische Lehrer soll sich als Hochziel stecken das, was der Kunst- und Handelsgärtner Siegfried Minden vor einigen Jahren in einer Zeitschrift betonte, in die Tat umsetzen zu helfen: 'Eltern und Vormünder, wenn Eure Verhältnisse kaum eine andere Berufswahl ermöglichen, als Eure Kinder, resp. Mündel dem Klein- oder Hausierhandel in die Arme zu werfen, führt sie der Bodenkultur zu! Lasst sie dadurch zu einer geachteten Lebensstellung gelangen und überlasst das Hausiergewerbe den Euch darum beneidenden - Antisemiten.' 
Lasst Euch nicht durch den Gedanken abschrecken, das bestehende Vorurteil der Landleute gegen ihre neuen Konkurrenten sei ein Hindernis zur Verwirklichung dieser Ziele. Trotz dieser Vorurteile werden gewiss gute und billige Erzeugnisse jüdischer Gärtner und Landwirte willige Abnahme finden. Man pflegt auf den Märkten gewiss nicht nach der Religion derjenigen zu fragen, welche Bodenprodukte liefern; bei dem Verkaufe von Früchten, Blumen und dergleichen kommt es nur darauf an, ob die Produzenten leistungsfähig sind.   
Durch diese beherzigenswerten Worte ist uns Lehrern eine schwere Aufgabe zugewiesen. Aber - diese Frage wird jetzt aufsteigen - wie und was können wir zur Lösung derselben beitragen? Da gibt es meiner Meinung nach nur Eines: Fangen wir bei uns selbst an! Wir kennen ja die pädagogischen Grundsätze: 'Wer erziehen will, muss selbst erzogen sein und nur Liebe erzeugt Gegenliebe.' 
'Die Natur steht vor dir in ihrer großen Ruhe, in ihrer naiven Schönheit, in ihrer kindlichen Unschuld und Einfalt, verweile gern bei diesem Bilde.' (Schiller). 
Die Natur erfüllt unser Herz mit Begeisterung für unseren schweren Beruf und diese Sonne der Begeisterung wird dann ihre Strahlen auch in die weichen Kinderherzen senken. Haben wir uns nur erst selbst gewonnen, dann haben wir auch unsere Kinder gewonnen, und haben wir die Kinder, dann 'glüht die Morgenröte besserer Tage schon hinterm Berg der Gegenwart.' Denn: 'die Welt besteht durch den Hauch der Kinder in der Schule.' Wenn erst einmal die Freunde 
Obbach Israelit 19111900b.jpg (139125 Byte)am Werden, Entfalten und Gedeihen in der Natur so recht in uns erwacht ist, dann wird das Interesse am Landleben und an der Landwirtschaft von selbst kommen und - last not least  - neben dem ideellen Nutzen wird auch der reale sich einstellen.  
Zahlreiche unserer christlichen Kollegen erwerben alljährlich auf diese Weise Preise und Ehrungen und erhöhen dadurch beträchtlich ihre Einnahmen; wem von uns aber - Hand aufs Herz - ist es schon einmal eingefallen, zur Erhöhung seines gewiss nicht besseren Einkommen dieselben Wege zu wandeln? 
Und doch ist die Zeit, die man auf diese Beschäftigung verwendet, keine vergeudete. So schreibt z.B. der Schulanzeiger von Unterfranken: 'Kann der Lehrer auf dem Lande über einen Schulgarten verfügen, oder sich in den Besitz eines Gartens setzen, so gibt es nicht leicht eine angenehmere und zugleich einträglichere Nebenbeschäftigung, als die Kulturpflanzen, insbesondere des Obstes.' 
Darum weg mit den nervenaufregenden, gesundheitsschädlichen Nebenbeschäftigungen herkömmlicher Art, frisch zu dieser neuen gegriffen und der Segen wird nicht aufbleiben.  Zum Schlusse noch noch eine Bemerkung. Edeldenkende und für allen gesunden Fortschritt in Israel begeisterte Männer wollen die Hand reichen, dass diese Ausführungen kein bloßer Traum bleiben, sondern sich wenigstens zum kleinen Teile verwirklichen. Sie wollen Mittel bereitstellen und Gelegenheit geben, dass solche von uns, die Interesse an der Sache haben und die Mühe nicht scheuen, einen mehrwöchentlichen Kursus in Obstbaumzucht und Blumenpflege mitmachen können und ich habe den Auftrag erhalten, über alle diesbezüglichen Fragen näheren Aufschluss zu erteilen. Also Kollegen! Machen wir einen Versuch! Er ist des Schweißes der Edelsten wert. Es ist auch ein Kiddusch Haschem (Heiligung des Gottesnamens), was wir beginnen wollen, und wahrlich nicht der kleinste. Bedenket: 'Der Menschheit Hoffnung ist in Eure Hand gegeben, bewahret sie. Mit Euch sinkt sie, mit Euch wird sie sich heben!' Nathan Blatt, Obbach."   

   
Stellengesuch des Lehrers Nathan Blatt (1901)   

Obbach Israelit 28021901.jpg (39265 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1901: "Stellen-Gesuch
Junges, sehr talentiertes Mädchen, im Putzfach äußerst gewandt, sucht Stelle als Putzarbeiterin für 1. April. Es wird mehr auf dauernde Stelle und Familienanschluss als auf hohen Lohn gesehen. Offerten an Lehrer Blatt, Obbach, Bayern."

  
Oberlehrer Nathan Blatt geht in den Ruhestand (1930)
Anmerkung: Oberlehrer Nathan Blatt war der erste Ehrenbürger Obbachs    

Obbach BayrGZ 15041930.jpg (38224 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1930: "Oberlehrer Blatt (Obbach) verließ am 1. April seine Gemeinde, in der er 37 Jahre in Treue und Hingebung seines Amtes gewaltet, und übersiedelte nach Würzburg, um dort seinen Ruhestand zu verbringen. Vielfache Ehrungen der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung, so insbesondere die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes, zeugen von der großen Liebe und Verehrung, die man ihm an seinem Wirkungsorte und darüber hinaus entgegengebracht."

   
Zum 70. Geburtstag des früheren Lehrers Nathan Blatt (1935)  

Oberwaldbehrungen BayrGZ 15081935.jpg (63087 Byte)Artikel in der Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung vom 15. August 1935: "Würzburg. Am 15. August (1935) vollendet der Oberlehrer i.R. Herr Nathan Blatt sein 70. Lebensjahr. Nach einer fast 45jährigen Lehrtätigkeit in Oberwaldbehrungen und an der Israelitischen Volksschule Obbach, wo er in Treue und Hingebung seines Amtes waltete und sich die Achtung und Liebe nicht nur seiner Glaubensgenossen, sondern der gesamten Bevölkerung erwarb, siedelte er nach Würzburg über, wo er in Ruhe und Zurückgezogenheit seinen Lebensabend verbringt. Der jüdischen Öffentlichkeit ist der Name Blatt bekannt geworden durch seine eifrige Mitarbeit im 'Hamburger Israelitischen Familienblatt' und durch sein unentwegtes Eintreten für die Berufsumschichtung der Juden zu einer Zeit, als diese Frage noch nicht aktuell zu sein schien. Die jüdische Lehrerschaft berief Blatt im Jahre 1912 in die Verwaltung des Jüdischen Lehrervereins für Bayern, wo er über ein Jahrzehnt lang eine sehr rührige Tätigkeit entfaltete. Wir beglückwünschen den Jubilar und wünschen ihm noch viele Jahre der wohlverdienten Ruhe."
   
Anmerkung: nach Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden Bd. I S. 96 ist Nathan Blatt 1865 in Maßbach geboren, Ausbildung an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, Examen 1884. Strätz erwähnt, dass er an der Schule in Obbach unterrichtete. Nach Angaben von Elisabeth Böhrer ist Lehrer Blatt am 1. November 1892 von Oberwaldbehrungen nach Obbach zugezogen. Im Dezember 1893 ist in Obbach seine erste Tochter geboren, die zweite Tochter im Juli 1896 ebd.. Nathan Blatt verzog nach seiner Zurruhesetzung 1930 nach Würzburg, von dort 1938 nach München, wo er am 30. Dezember 1940 verstarb. 
Die älteste Tochter war Else Adler geb. Blatt, geb. 24.12.1893 in Obbach, war seit 1921 verheiratet mit dem Lehrer Max Adler (Gochsheim, Altenmuhr, München) später zuletzt wohnhaft in München, im November 1941 in das Ghetto Kowno deportiert und dort am 25.11.1941 ermordet. 

   
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
100-jähriges Bestehen des "Wohltätigkeitsvereins" (1901)
       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1901: "Obbach (Bayern). Eine Feier seltener Art beging am 2. Oktober der hiesige 'Wohltätigkeitsverein', und zwar die Feier seines hundertjährigen Bestehens. Dieselbe wurde am Vorabend durch wohlgelungene theatralische Aufführungen seitens Schulkinder und Erwachsene unter der vortrefflichen Leitung unseres Herrn Lehrer Blatt eingeleitet. Herr Lehrer Blatt reihte noch an diese Vorstellungen eine geistvolle Rede ein, in der er einen Rückblick auf die verflossenen hundert Jahre gab, dabei die Lage der Juden unter den verschiedenen bayerischen Herrschern dieses Zeitraumes gedenkend. Seine Rede klang in einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unseren geliebten Prinzregenten aus,. -   Morgens 9 Uhr begann der Festgottesdienst. Die Synagoge war zu diesem Zwecke durch die Munifizenz des hiesigen Frauenvereins reich dekoriert und fast in einen Blumengarten verwandelt. Der von Herrn Lehrer Blatt eigens hierzu eingeübte Chor intonierte herzerhebende Gesänge. Der Gottesdienst erhielt durch eine schwungvolle, der Feier und Zeit angemessene Predigt des Herrn Distriktsrabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt das Gepräge seiner Weihe. Die sich daran anschließende Festmahlzeit verlief sehr animiert und auch der eigentliche Zweck des Vereins: 'Wohltätigkeit gegen Arme', wurde dabei nicht außer Acht gelassen. Die Versteigerung des Tischgebetes erzielte eine ansehnliche Summe, die wohltätigen Zwecken zugeführt wurde. 
Hieran reihte sich noch ein gemütliches Zusammensein mit Musik, das die Festteilnehmer bis in die frühe Morgenstunde in fröhlichster Stimmung beisammenhielt. Das an unseren Landesfürsten abgesandte Huldigungstelegramm wurde dankend entgegengenommen und erwidert. Möge der Verein ferner blühen und gedeihen! Das gebe Gott!"   

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Hinweis auf Wolf (Wolfgang) Frankenburger (1836-1889) 

Wolf (Wolfgang) Frankenburger (geb. 8. Juni 1826 in Obbach, gest. 1889 in Nürnberg): studierte in Würzburg Jura, danach als Strafverteidiger tätig, ab 1861 Rechtsanwalt in Nürnberg; genoss hohe Achtung als Gerichtsredner; von 1869 bis 1889 Mitglied des Bayerischen Landtages, von 1874 bis 1878 Vertreter Nürnbergs im Deutschen Reichstag Berlin. Vielfach ausgezeichnet und dekoriert; trug den Titel eines Justizrates.    
Weiteres siehe Wikipedia-Artikel "Wolf Frankenburger"    

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetreibe und Privatpersonen
   
Commis- und Lehrlingssuche des Manufakturwarengeschäftes der Gebrüder Bildstein (1900)  

Obbach Israelit 26071900.jpg (37193 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1900: 
"Wir suchen für unsere Samstags und Feiertage streng geschlossenes Manufakturwarengeschäft einen 
Lehrling
 
mit guter Schulbildung. Kost und Logis im Hause. 
Gebrüder Bildstein, Obbach, Unterfranken." 
   
Obbach Israelit 15111900.jpg (55909 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1900: 
"Wir suchen für unser Samstags und Feiertage streng geschlossenes Manufakturwarengeschäft einen 
Commis
 
per 1. Januar. Diejenigen, welche im Versandgeschäft tätig waren, erhalten den Vorzug. Ferner findet ein Lehrling mit guter Schulbildung Engagement. 
Gebrüder Bildstein
Obbach, Unterfranken."    

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge         
  
Zunächst war eine ältere Synagoge aus dem Jahr 1764 vorhanden. Sie stand auf einem Grundstück, das im Urkataster von 1834 mit der Haus Nr. 28 bezeichnet wird. Nach dem Bau der neuen Synagoge wurde das Gebäude 1866 an den Gutsherrn Ernst Albert Eisfeld verkauft und 1899 abgebrochen. 
  
1862
oder in den Jahren danach wurde eine neue Synagoge erstellt. Sie wurde aus unverputzten Sandsteinquadern errichtet und zeigte maurische Architekturelemente. Das Grundstück für die Synagoge war der Jüdischen Gemeinde 1862 von der gebürtigen Obbacherin Jette Goldstein geb. Kleemann geschenkt worden. Nur selten wird etwas aus der Synagogengeschichte in überregionalen jüdischen Periodika erwähnt. Immerhin wird in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. September 1934 ihr Architekturstil kurz beschrieben:  

Gerolzhofen BayrIsrGZ 01091934.jpg (40438 Byte)Aus einem Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. September 1934: "Alte und neue Synagogen. Es ist merkwürdig, dass verhältnismäßig viele Synagogen in früheren Jahren einem Brande zum Opfer gefallen sind. Nur selten verdankt ein Neubau dem Anwachsen der Gemeinde seine Entstehung. Man mag die neueren Synagogen schön finden. Die in Theilheim etwa, wo die Anlage der Frauenempore und deren Ausstattung mit farbigen Vorhängen an stille Theaterlogen erinnern; die in maurischem Stil gehaltenen Synagogen in Marktbreit und Obbach oder die in kirchenhaftes Düster getauchte in Gerolzhofen."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch vier SS-Leute aus Schweinfurt überfallen. Sie vertrieben die noch vom Morgengebet anwesenden Gemeindemitglieder aus dem Gotteshaus, zerstörten Dach und Fenster, Möbel, Geräte und Ritualien und zündeten die Synagoge an. Am Abend kamen unter anderem der Kreisleiter der NSDAP und der örtliche Lehrer zur Synagoge, die inzwischen völlig ausgebrannt war.
 
Die Synagogenruine wurde nach 1945 abgebrochen. Ein Teil des Umfassungsmauer blieb erhalten; etliche Steine wurden als Baumaterial unter anderem für die Mauer des Gutshofes und des Schlossparks verwendet. An der erhaltenen Umfassungsmauer wurde 1986 eine Gedenkstätte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Synagoge eingerichtet.   
   
   
Adresse/Standort der SynagogeGegenüber Greßtaler Straße 5 (Wendeplatz) 
   
Hinweis: Erhalten ist das jüdische Schlachthaus auf dem Gelände des Schlosshofes, erhalten ist gleichfalls das Gebäude der jüdischen Schule am Ort (neben dem Kindergarten).


Fotos   

Historische Darstellungen /
die Synagoge 
Obbach Synagoge 001.jpg (98155 Byte) Obbach Synagoge 200.jpg (35451 Byte)
  Darstellungen der ehemaligen Synagoge in Obbach: links auf einer 1901 versandten 
historischen Ansichtskarte (beide Abbildungen leider in schlechter Bildqualität; der 
Webmaster bemüht sich um bessere Vorlagen). Das untere Bild auf der Karte ist vermutlich 
mit "Sulzthaler Str. J(üdische) Schule" überschrieben; nach Angaben von Elisabeth Böhrer 
befand sich die Schule im heutigen Gebäude Sulzthaler Str. 8. 
       
 Das ehemalige jüdische Schulhaus
(Fotos: Elisabeth Böhrer, 
Aufnahmedatum 16.4.2010) 
 Obbach Ort 120.jpg (131518 Byte)  Obbach Ort 121.jpg (87494 Byte)
Foto links: das ehemalige jüdische Schulhaus in derselben Perspektive wie auf der
 Postkartenansicht oben (Foto links unten); Foto rechts: das ehemalige jüdische Schulhaus
     
Das ehemalige jüdische Schlachthaus
(Fotos: Elisabeth Böhrer, 
Aufnahmedatum 16.4.2010) 
Obbach Schlachthaus 120.jpg (113565 Byte) Obbach Schlachthaus 121.jpg (109689 Byte)
  Blick auf das Gebäude  
vom Schlosshof 
 Blick auf das Gebäude 
von der Straße 
      
     
Führung "Auf den Spuren der 
jüdischen Geschichte" in Obbach 
am 18. Juni 2005
Obbach Synagoge 205.jpg (43238 Byte) Obbach Synagoge 243.jpg (89889 Byte)
  Hinter der Mauer stand die Synagoge; Pfarrer Wolfgang Brändlein gab die 
historischen Erläuterungen; Quelle: Evangelische Kirchengemeinde Obbach
     
   
Die Gedenkstätte für die Synagoge
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach; aus www.synagogen.info
 
Obbach Synagoge 240.jpg (33386 Byte) Obbach Synagoge 241.jpg (30048 Byte) Obbach Synagoge 242.jpg (29487 Byte)
Eine erste Gedenktafel für die Synagoge aus den 1980er-Jahren hatte den Text: "An diesem Platz stand die Synagoge der 
Jüdischen Gemeinde Obbach"; eine neue Gedenkstätte mit mehreren Tafeln und Darstellungen der Synagoge wurde - nachdem 
die alte Tafel 1999 mit Farbe beschmiert wurde - am 16. März 2001 durch den 1. Bürgermeister der Gemeinde Euerbach 
Arthur Arnold eingeweiht. Um die Gedenkstätte bemühte sich der Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Obbach"
  
Die Gedenkstätte für die Synagoge
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2007)
Obbach Synagoge 200.jpg (80976 Byte) Obbach Synagoge 201.jpg (106750 Byte)
     
  Obbach Synagoge 202.jpg (59248 Byte) Obbach Synagoge 203.jpg (94321 Byte)
Hinweis: links im Hintergrund ist das frühere
 jüdische Schlachthaus zu erkennen.
     
     
Andernorts entdeckt  Pfaffenhausen Friedhof 373.jpg (89765 Byte)
Grabstein für Musikprofessor Herrmann (Hirsch) Steuermann (geb. 1848 in Obbach als Sohn von Joseph Steuermann, gest. 1909 in
 Würzburg) im jüdischen Friedhof Pfaffenhausen; in Würzburg lebten auch der Bäckermeister Jakob Steuermann (geb. 1859 in Obbach als 
Sohn des Obbacher Viehhändlers Isaak Steuermann  und Julie geb. Kleemann, gest. 1928 in Würzburg) und der Kaufmann und Teilhaber 
einer Tuch- und Manufakturwarengroßhandlung Wilhelm (Wolf) Steuermann (geb. 1851 in Obbach als Sohn von Isaak Steuermann, gest. 
1917 in Würzburg). Angaben nach Strätz Biograph. Handbuch Würzburger Juden II, 603, die verwandtschaftlichen Beziehungen konnten 
präzisiert werden durch Angaben auf Grund der Recherchen von Elisabeth Böhrer: demnach waren also Jakob und Wilhelm Steuermann 
Brüder; durch ihren gemeinsamen Großvater Löb Steuermann waren Jakob und Wilhelm Cousins zu Hermann Steuermann).  
     

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Euerbach 
Seiten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Obbach auf privater Website von Dieter Heckner, Obbach 
Die Namen der jüdischen Gefallenen in den Listen des Hauses der Bayerischen Geschichte 
Seite der Evangelischen Kirchengemeinde Obbach mit Bildern von einer Führung "Auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Obbach" und Führung über den jüdischen Friedhof in Euerbach

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 373-375.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 98.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 384-385.
Angaben zu dem Film zu Siegfried Ramsfelder (aus der Liste der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung - Medienlisten - Filme zum Verwaltungsrecht -  Link):   
Die enthemmte Bürokratie. - 1983. - 30 Minuten
Die dritte Folge der Bürokratie-Serie nimmt einen Fall unter die Lupe, der sich zur Zeit des "Dritten Reichs" abgespielt hat : Der Jude Siegfried Ramsfelder wird mit zweihundert anderen Juden aus Würzburg nach Osten abtransportiert, wo fast alle Insassen des Zuges umkommen. Peter von Zahn zeichnet aufgrund der Akten im Staatsarchiv in Würzburg den gespenstischen Eifer nach, mit dem die Gestapo-Bürokratie diesen Gewaltakt vollzog.  
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 250-252.  
Neu in 2013Oppahu - Obbach 813 bis 2013. Beiträge zur Geschichte Obbachs. Hrsg. von der Gemeinde Euerbach aus Anlass des 1200. Jubiläums des Gemeindeteils Obbach 2013. 204 S. mit 197 Abb. 
Darin u.a.: Elisabeth Böhrer / Andreas Schäfer: Zur jüdischen Geschichte Obbachs. S. 109-128. 
Das Buch ist über die Gemeindeverwaltung Euerbach zu beziehen www.euerbach.de Tel. 09726/91550.  

  
           


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Obbach  Lower Franconia. A Jewish community is known from the 18th century. A synagogue was built in 1840 and a Jewish Public school had 41 students in 1850. The Jewish population was 192 in 1867 (total 668) and 106 in 1933, with most owning homes and fields in the area of the synagogue and community center. On Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue was burned down and Jewish homes and stores were destroyed. In the 1937-41 period, 39 Jews emigrated, including 30 to the United States. Of the 36 remaining in 1942, 30 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg in April and the last six, all aged, were sent to the Theresienstadt ghetto on 10 September 1942.  
   
                 

                   
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Stand: 12. Dezember 2013