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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Kochendorf (Stadt Bad Friedrichshall,
Landkreis Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
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bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Kochendorf, wo bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts
mehrere weltliche und geistliche Herrschaften Besitzrechte hatten, bestand eine
jüdische Gemeinde bis 1925. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18.
Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1535 Juden am Ort genannt.
1807 lebten 78
Juden am Ort, die bis dahin unter der Schutzherrschaft der Herren von Gemmingen
stand. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1846 mit 155 Personen
erreicht. Danach ging die Zahl durch Abwanderung schnell zurück, sodass 1900
nur noch 40 Juden am Ort lebten.
Die Gemeinde wurde 1832 dem Bezirksrabbinat
Lehrensteinsfeld zugeteilt.
Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom
Handel mit Vieh und Landesprodukten. 1933 gehörte jüdischen Familien noch eine
Viehhandlung, ein Weiß- und Wollwarengeschäft und eine Mehlhandlung.
1933 lebten noch 7 jüdische Personen in Kochendorf.
In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Von den in Kochendorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; im "Gedenkbuch"
teilweise Eintragungen nicht unter "Kochendorf", sondern unter
"Bad Friedrichshall"): Karoline Grünstein geb. Herz (1857),
Hannchen Herz (1872), Julie Herz (1870), Julius Jakob Herz (1871), Nathan
Seligmann Herz (1856), Hans Jaffé (1885), Jakob Jaffé (1884), Elise Kahn geb.
Weissburger (1892), Mina Maier (1869), Lina Salomon (1859), Hedwig Stern geb.
Herz (1869), Hedwig Weissburger (1880), Ludwig Weissburger
(1905).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1872 /
1876 / 1887 / 1891
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1872:
"Religionslehrer- und Vorsänger-Gesuch. Die Gemeinde
Kochendorf sucht per 1. Januar 1873 einen Religionslehrer und Vorsänger,
welcher auch den Religionsunterricht in Oedheim und Neckarsulm
wöchentlich 2 Mal mit je 2 Stunden zu erteilen hat. Gehalt 475 Gulden pro
Jahr nebst freier Wohnung und Emolumenten. Qualifizierte, unverheiratete
Bewerber wollen ihre Zeugnisse franko dem Unterzeichneten einsenden.
Heilbronn am Neckar, 19. November 1872. Das Königlich Württembergisch
Bezirks-Rabbiner: Dr. M. Engelbert." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1876:
"Die Religionslehrer- und Vorsängerstelle in Kochendorf, welche
Mitte Juli dieses Jahres vakant wird, soll alsbald wieder besetzt werden.
Der Gehalt für diese Stelle, mit welcher der Religionsunterricht in
Oedheim und Neckarsulm verbunden ist, beträgt 8.0 (?) Mark pro Jahr
nebst freier Wohnung und Emolumenten. Qualifizierte Bewerber wollen ihre
Meldungen und Zeugnisse innerhalb 3 Wochen dem Unterzeichneten
einsehen.
Heilbronn am Neckar, 12. Juni 1876. Das Königliche Bezirksrabbiner. Dr.
M. Engelbert." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Oktober 1887:
"Die Religionslehrer- und Vorbeterstelle in Kochendorf
(Bezirksrabbinat Heilbronn am Neckar) soll am 1. Januar 1888 anderweitig
von einem ledigen Mann besetzt werden. Gehalt pro anno bei freier
Wohnung Mark 560 und Mark 18 Holzentschädigung, sowie einen für den
Religionsunterricht in Neckarsulm, 2 Kinder, wöchentlich 2 Stunden, aus
der israelitischen Zentralkirchenkasse zu beziehenden Gehalte von Mark 85
jährlich, nebst Emolumenten. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Meldungen
nebst Zeugnissen dem Unterzeichneten bis zum 1. November dieses Jahres
einsenden.
Heilbronn. Dr. M. Engelbert, Bezirksrabbiner." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1891:
"Kochendorf. Die Stelle als Religionslehrer und Vorbeter
in hiesiger Gemeinde ist per sofort oder längstens innerhalb drei Monaten
zu besetzen.
Jährliches Einkommen, bei freier Wohnung, Mark 560,
Holzgeldentschädigung Mark 18, für die Filiale Neckarsulm Mark 85 und
nicht unbedeutende Nebenverdienste.
Ledige, seminaristisch gebildete Lehrer wollen sich melden und Zeugnisse beifügen.
Kochendorf bei Heilbronn, 9. August 1891. Vorsteheramt: Levi." |
25jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Isac Weil (1860)
Lehrer Isac Weil verkauft zwei Torarollen
(1862)
Lehrer Jakob Rosenthal eröffnet ein Israelitischen
Knaben-Pensionat in Wimpfen (1887)
Zum Tod von Adolf Mayer (in den
1890er-Jahren Lehrer in Kochendorf) (1930)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli
1930: "Adolf Mayer, Niederhochstadt. Am 4. Juni machte ein Herzschlag
seinem arbeitsfreudigen leben ein Ende. Die Munterkeit und Frische, die
wir 8 Tage zuvor auf der Jahresversammlung in Landau an dem seit längerer
Zeit leidenden Kollegen feststellen durften, war nur das Aufblühen
gewesen vor dem Verwelken. Adolf Mayer hat zuerst in Kochendorf
(Württemberg) und Rockenhausen
einige Jahre gewirkt, aber fast die ganze Kraft - 34 Jahre - seine Lebens
gehörte der Gemeinde Niederhochstadt. Die Trauerrede des Bezirksrabbiners
Herrn Dr. Einstein, die Abschiedsworte des Gemeindevorstandes Herrn M.
Dreifuß, des Pfälzer Verbandsvorsitzenden Herrn Kommerzienrat Joseph,
eines christlichen Ortskollegen und des Schreibers dieser Zeilen
zeichneten noch einmal voll Dankbarkeit und Verehrung das Bild dieses
Lehrerlebens, in seiner Lauterkeit, Berufshingebung, in seiner Treue und
Gewissenhaftigkeit im Kleinen wie im Großen, - das Bild einer
Persönlichkeit, die alle Kraft des Herzens und Geistes in den Dienst
ihres heiligen Amtes gestellt. Die Gemeinde Niederhochstadt verliert - o
Schicksal der Landgemeinden! - ihren geistigen Mittelpunkt, wir aber
verlieren einen braven Freund und Kollegen. Wir werden ihm ein ehrendes
Gedenken bewahren. Schottland." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des Gemeindevorstehers Daniel Levi
(1879)
Zum Tod von Rabbiner Kallmann aus Kochendorf (1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1900: "Neckarsulm.
Am 6. Tage der Selichot-Tage, dem 24. Elul war es ein Jahr, dass
der selige, fromme Rabbiner Kallmann aus Kochendorf in die ewige
Ruhe eingegangen ist. Auf Anordnung seiner Witwe wurde am
Jahrgedächtnistage beim Setzen der sehr schönen Mazebah (Grabstein)
Minjan (gottesdienstliche Versammlung) auf seinem Grabe
gemacht und vom Rabbiner Dr. Engelbert ein deutsches und ein hebräisches
Gebet verrichtet, und dann Kaddisch gesagt. Es fanden sie viele auf dem
Friedhofe ein, um dem würdigen Seelensorger die letzte Ehre zu erweisen.
In der Synagoge zu Kochendorf wurde am darauf folgenden Sonntag ein
Hesped (Trauerrede) für den selig Verblichenen gleichfalls von
Rabbiner Engelbert abgehalten; den Anfang, sowie den Schluss des
Trauervortrags, in welchem er die vielen guten Eigenschaften des
Dahingeschiedenen hervorhob, bildeten die schönen Worte, (hebräisch und
deutsch:) das Andenken des wahrhaft Frommen gereicht zum Segen." |
Zum Tod des aus Kochendorf gebürtigen Rabbiner D.M. Herz (gestorben in
Göppingen 1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1904: "Aus Württemberg.
4. August (1904). Heute wurde in Göppingen der älteste württembergische
Rabbiner, der im Jahre 1916 in Kochendorf geborene Kirchenrat a.D.
M. Herz unter größerem Geleite zu Grabe getragen. Nach vollendetem
Studium übernahm Herz 1840 die Stelle eines Hauslehrers im Hofrat
Pfeifferschen Hause und erhielt 1845 das Rabbinat Jebenhausen,
das später nach Göppingen verlegt
wurde. Diese Stelle verwaltete er bis zu seiner 1895 erfolgten
Pensionierung. Anlässlich seines 70. Geburtstages erhielt er den
Friedrichsorden und 1895 den Titel eines Kirchenrats. Mehrere Jahrzehnte
lang war Herz Mitglied der Königlichen Prüfungskommission für die württembergischen
Rabbinen. In der Synagoge gab Rabbiner Straßburger den Gefühlen der
Teilnahme beredten Ausdruck; am Grabe widmeten Rabbiner Katz – Heilbronn
und Kirchenvorsteher Fleischer dem Verstorbenen einen warmen Nachruf."
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Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
K. Weißburger sucht für sein Eisen- und
Baumaterialiengeschäft einen Lehrjungen (1900/1903)
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge
Ende des 17. Jahrhundert besuchten
die Kochendorfer Juden die Synagoge in Oedheim.
Diese Beziehung kam daher, dass der Deutsche Orden 1697 mit dem "wohlbemittelten"
Moses aus Kochendorf einen Juden in Oedheim ansiedelte, dem sogleich die
Einrichtung einer Synagoge in seinem Oedheimer Haus gestattet wurde. Diese wurde
einige Jahre lang auch von Juden aus Kochendorf besucht. Solange er in
Kochendorf lebte, hatte Moses noch nicht die Erlaubnis zur Einrichtung eines
Betsaales erhalten. Enge Beziehungen gab es auch zwischen den Kochendorfer und
den Neckarsulmer Juden. Zu einen war dort
lange Zeit der zentrale Friedhof der
Region, zum anderen gab es dort einen Rabbiner, den man im Falle von
Streitigkeiten und zur Regelung anderer Fragen konsultieren konnte.
Nachdem einige Zeit die Synagoge in Oedheim besucht wurde,
liegen spätestens um 1740 Hinweise vor, dass auch in Kochendorf ein Betsaal
vorhanden war. Das schon Ende des 17. Jahrhunderts bezeugte "Judenhaus" nannte
man 1738 Synagoge, und nach einem Vertrag aus dem Jahre 1744 gestattete Mayer
Jacob der Kochendorfer Judengemeinde, in seinem Haus "Schule" zu halten. Das
Abkommen wurde jedoch 1745 gekündigt, was zu einem Streitfall führte, in den
auch die Grundherrschaften des Ortes einbezogen waren. 1766 wird als
Judenschulmeister Mordachay Abraham genannt. Der Standort dieser ersten Synagoge
ist nicht bekannt. Vielleicht befand sie sich (das "Judenhaus") am Platz der späteren
Synagoge.
Die neue Synagoge ist 1806 erbaut worden, als es
fast 80 jüdische Einwohner in Kochendorf gab. Das Haus befand sich im Eigentum
der Gemeinde. Damals hatte man sogar in Callman Löw einen eigenen Rabbiner. Im
Keller der Synagoge befand sich wahrscheinlich auch das rituelle Bad (Nähe zum
Mühlkanal); der Betsaal selbst lag im 1. Stock mit dem Toraschrein zwischen den
beiden Fenster des östlichen Giebels.
Von einem feierlichen Gottesdienst in der festlich geschmückten
Kochendorfer Synagoge am 28. Januar 1860 berichtet einmal die "Allgemeine
Zeitung des Judentums". Damals konnte der Vorsänger Isac Weil sein 25jähriges
Dienstjubiläum feiern. Sämtliche israelitischen Gemeindeglieder als auch viele
christliche Einwohner fanden sich zum Gottesdienst ein. Nach der von Weil
gehaltenen Predigt begaben sich die Gemeindeältesten und Schüler der
israelitischen Schule vor den Toraschrein und sprachen dem Jubilar ihre
Anerkennung über seine Wirksamkeit in Synagoge und Schule der Gemeinde aus.
Weil erhielt einen kostbaren silbernen Pokal mit entsprechenden Inschriften.
1872 wurde das Synagogengebäude renoviert. Nachdem die
Zahl jüdischer Einwohner 1925 auf sieben zurückgegangen und die jüdische
Gemeinde aufgelöst worden war, wurde das Gebäude an die evangelische
Kirchengemeinde verkauft. Diese hat das Gebäude später veräußert. Es wurde
zu einem Wohnhaus umgebaut und dabei um einen weiteren Stock erhöht (Gebäude Mühlstrasse
12).
Fotos
Historische Fotos:
(Quellen: obere Fotos Stadtarchiv Bad Friedrichshall; untere Fotos aus
Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932 S. 90-91)
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| Hochwasser 1919 mit der Synagoge in Kochendorf |
Das Synagogengebäude um 1928: die Fenster an der Südseite waren nur
aufgemalt |
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Eingang in die Synagoge |
Der Hochzeitsstein |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
| Foto nach 1945: |
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Die ehemalige Synagoge wird umgebaut |
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Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Das ehemalige Synagogengebäude in ungefähr derselben Perspektive wie die
historischen Ansichten oben |
Das Gebäude aus südöstlicher Richtung |
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.9.2003) |
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| Das ehemalige
Synagogengebäude wie oben |
Das Gebäude aus
südöstlicher Richtung |
Hinweistafel |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 36-37. |
 | Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinde in
Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 126-133. |
 | Egon Fieß: Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in
Kochendorf, und Lothar Hantsch: Juden in Kochendorf, in: Stadtbuch
Bad Friedrichshall. 1983. S. 405-436. |
 | Lothar Hantsch: Von den Kochendorfer Juden, Heimatgeschichtliche
Beilage zum Friedrichshaller Rundblick Nr. 48. September 1982. |

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