Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Massenbachhausen (Landkreis Heilbronn) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von Neipperg (Herrschaft Schwaigern) gehörenden Massenbachhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1865, zu der seit 1832 eine Zeitlang die Juden aus Massenbach und Bonfeld gehörten. Die Entstehung der Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1684/85 Juden am Ort genannt (Jud Berlein, 1686/87 Berlein und David, 1687/88 Berlein, Löw und Moses). 1737 waren sieben, 1796/1800 sechs jüdische Familien am Ort. 
 
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1806 42 jüdische Einwohner, 1822 34, 1826 46, 1838 Höchstzahl von 58 Personen, 1846 54, 1858 46, 1864 18, 1871 8, 1880 8, 1890 9, 1900 8. Demnach ging in der zweiten Hälfte ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung schnell zurück.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden in den jüdischen Friedhöfen in Heinsheim und Waibstadt, nach 1819 auch in Eppingen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungiert. 1709 wird als Vorsänger und Schulmeister eine "Rebe" (Rabbi) Marum genannt, 1769 Rabbi Abraham. Die Gemeinde gehörte seit 1832 zum Bezirksrabbinat Lehrensteinsfeld. 

Bei der Annahme erblicher Familiennamen 1828 wurden folgende Namen gewählt: Dreifuß, Ettlinger, Meckesheimer, Meinhold, Wertheimer und Wollenberger. Die jüdischen Familien lebten damals (1828) überwiegend vom Vieh- und Fruchthandel, dazu gab es zwei jüdische Metzger, zwei hatten neben dem Handel eine Branntweinbrennerei. Ende des 19. Jahrhundert richtete der aus Berwangen stammende Kaufmann Bernhard Hochherr eine Zigarrenfabrikation in Maschenbachhausen ein. Hochherr selbst wohnte seit 1908 in Heilbronn.

Nach Auflösung der Gemeinde wurden die hier noch lebenden Juden der Synagogengemeinde in Massenbach zugeteilt. 1926 verstarb die letzte jüdische Einwohnerin in Massenbachhausen (Karoline Dreyfuß geb. Wollenberger).
 
Von den in Massenbachhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Leopold Dreifuss (1884), Bernhard Hochherr (der oben genannte Zigarrenfabrikant, 1870).

  

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Eine Synagoge - vermutlich ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus - wird erstmals 1736 genannt. Für das "synagogische exercitium" hatte die jüdische Gemeinde der Ortsherrschaft sechs Gulden jährlich zu bezahlen. Auch in einem Bericht vom März 1807 ist von einer Synagoge in Massenbachhausen die Rede.   
  
1826/27 wurde von der israelitischen Gemeinde eine neue Synagoge mit Betsaal, Schule und Lehrer-/Vorsängerwohnung erbaut. Als 1828 die jüdischen Gemeinden in Württemberg neu eingeteilt werden sollten, wurde Massenbachhausen auf Grund dieser neu erstellten Synagoge zum Sitz einer vereinigten Gemeinde der Judenschaften von Massenbachhausen, Massenbach und Bonfeld. Den Behörden war das Argument wichtig, dass die neue Synagoge in Massenbachhausen „in mehreren Jahren keine Reparatur nötig habe“. In Massenbach und Bonfeld konnten jedoch weiter Filialgottesdienste abgehalten werden. Auf Grund der Abwanderung der Juden aus Massenbachhausen wurde seit den 1860er-Jahren jedoch Massenbach zum Sitz der Hauptgemeinde. Die Synagoge in Massenbachhausen wurde bis 1865 als solche genutzt, dann geschlossen, 1872 verkauft und zu einem Wohnhaus mit Scheune umgebaut.   
 
Für die kirchliche Gemeinde Massenbachhausen hat das Synagogengebäude dadurch besonderen Erinnerungswert, da in ihm 1876 Josef Wickenhäuser zur Welt kam, später Franziskaner in Düsseldorf (genannt das "Herrgottsbrüderle von Düsseldorf", gest. 1939). Wickenhäuser wurde 1998 vom Papst zum verehrungswürdigen Bruder Firminus ernannt.   
 
Das Synagogengebäude, das seit den 1990er-Jahren im Besitz der Gemeinde Massenbachhausen ist, soll in den kommenden Jahren baulich gesichert werden; die Einrichtung eines kleinen Heimatmuseums ist geplant (Standort: Gartenstraße 3).


Fotos 
Historische Fotos/Pläne:  
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932).

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Die ehemalige Synagoge um 1930, als sie bereits fast 60 Jahre als Wohnhaus gedient hatte. Über der Eingangstür ist als hebräische Inschrift zu lesen (aus 5. Mose 28,6): "Gesegnet bist du bei deinem Eingang und bei deinem Ausgang".

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 15.9.2003)
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  Zustand des ehemaligen Synagogengebäudes Blick von Südwesten
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  Blick von Nordwesten Eingangstüre des schon lange unbewohnten Gebäudes

 

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Massenbachhausen     

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 126.
Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 160-163.
Gabi und Rolf Muth: Chronik der Gemeinde Massenbachhausen. Hg. Gemeinde Massenbachhausen. Weinsberg 1999, hierin Abschnitt von Eberhard Schnotz: "Juden in Massenbachhausen" S. 53-58.
    

  Massenbachhausen BrFirminius.jpg (27679 Byte)                           

 

Zu dem in der Synagoge geborenen Bruder Firminius Wackenhäuser: hier anklicken  

 

 

   

                   
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Stand: 23. November 2007