Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)

In der altwürttembergischen Stadt Göppingen lebten Juden zunächst im Mittelalter. Ob es zur Bildung einer Gemeinde mit eigenen Einrichtungen kam, ist nicht bekannt. Während der Judenverfolgung in der Pestzeit 1349 wurden die Juden Göppingens ermordet. 1462 lebte wieder - mit Erlaubnis von Graf Eberhard dem Jüngeren - eine jüdische Familie in der Stadt, die jedoch einige Zeit später wieder ausgewiesen wurde. Wie im ganzen Herzogtum Württemberg konnten sich bis zum 19. Jahrhundert keine Juden mehr in der Stadt niederlassen.    
        
Erst um 1850 konnten wieder Juden in der Stadt zuziehen, unter ihnen mehrere Fabrikanten aus Jebenhausen, die in Göppingen bedeutende Industrieunternehmen (vor allem in der Textilbranche) aufbauten. Eine jüdische Gemeinde wurde 1867 begründet. Die Zahl jüdischer Einwohner in der Stadt war gestiegen von zwei jüdischen Familien (1849; Familien der Jebenhäuser Fabrikanten Josef Raff und Salomon Einstein) auf zehn Familien (1857) im Jahr der Gemeindegründung 174 jüdische Einwohner. Die meisten der jüdischen Familien/Personen waren aus Jebenhausen zugezogen, einige auch aus Ludwigsburg, Laupheim, Lauchheim, Mühlbach in Baden, Neckarsulm, Nordstetten und anderen Orten.    
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (Schulraum bis 1881 im Gebäude der alten Synagoge) und (seit 1904) einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Seit 1874, der Verlegung des Rabbinates durch Rabbiner Max Herz von Jebenhausen nach Göppingen, war Göppingen Sitz eines der württembergischen Bezirksrabbinate (zu den Rabbinern siehe unten).  
   
Die Gemeinde nahm einen weiter schnellen Aufschwung: 1880 wurden 242 jüdische Einwohner gezählt (2,2 % von insgesamt 10.851 Einwohnern), 1890 271, 1900 325 und 1910 311 (1,4 % von insgesamt 22.373 Einwohnern). Zur jüdischen Gemeinde in Göppingen gehörten auch die in der Umgebung lebenden jüdischen Personen: in Jebenhausen (nach Schließung der dortigen Gemeinde, 1924 4 jüdische Einwohner), Süßen (1924 8) und Kirchheim unter Teck (Filialgemeinde, 1924 25 jüdische Einwohner). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Salo Brauer (geb. 1.3.1876 in Peiskretscham, gef. 2.12.1914), Milton Hirsch (geb. 14.1.1889 in Göppingen, gef. 30.11.1914), Unteroffizier Albert Netter (geb. 23.2.1891 in Göppingen, gef. 26.11.1918), Max Netter (geb. 6.5.1879 in Göppingen, gef. 16.4.1916), Eugen Rothschild (geb. 5.10.1896 in Göppingen, gef. 3.7.1916), Leutnant Arthur Simon (geb. 28.2.1894 in Göppingen, gef. 31.10.1918), Moritz Fuchs und Arthur Fuchs. Insgesamt nahmen 92 jüdische Gemeindemitglieder am Krieg teil, neun davon als Kriegsfreiwillige (unter ihnen Rabbiner Dr. Tänzer und sein Sohn Paul).      
       
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1925 mit 351 Personen erreicht (1,6 % von insgesamt 22.017 Einwohnern). 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde: Rabbiner Dr. Arnold Tänzer, Salomon Ottenheimer, Religionslehrer Carl Bodenheimer, David Fleischer, Sigmund Frankfurter und Theodor Rosenthal. In der Gemeinde gab es 54 schulpflichtige Kinder, denen der Religionsunterricht durch Rabbiner Tänzer und Religionslehrer Bodenheimer erteilt wurde. Bodenheimer war auch als Kantor und Schochet in der Gemeinde tätig. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere: die Israelitische Wohlfahrtszentrale (gegründet 1922, 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 90/60 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Wirtschafts-, Gesundheits- und Jugendfürsorge), der Israelitische Wohltätigkeitsverein (gegründet 1876; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 86/98 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege), der Israelitische Unterstützungsverein (gegründet 1901; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 70 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Darlehensgewährung), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1881, 1924 unter Leitung von Emilie Fleischer mit 84 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Mathilde Steiner mit 95 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenfürsorge, Unterstützung Hilfsbedürftiger), der Jüdische Jugendverein (1924 unter Leitung von Heinrich Frankfurter mit 40 Mitgliedern), der Israelitische Jungfrauenverein, der Verein Merkuria (gegründet 1868, 1924 unter Leitung von Siegmund Frankfurter mit 90 Mitgliedern; Ziel: Pflege der Geselligkeit), eine Ortsgruppe des Centralvereins (1924 unter Leitung von Max Ottenheimer), eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1924 unter Leitung von Dr. med. Sallinger). 1932 war 1. Gemeindevorsteher Julius Guggenheimer. Als Religionsoberlehrer war inzwischen Lehrer Levi in der Gemeinde tätig.         
    
Den jüdischen Einwohnern kommt ein wichtiger Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung Göppingens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu. Außer den Industrieunternehmen gehörten ihnen bis nach 1933 zahlreiche andere Handels- und Gewerbebetriebe. Um 1930 gab es auch zwei jüdische Ärzte, ein Zahnarzt, ein Rechtsanwalt und ein Apotheker.  
  
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels-, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien/Einzelpersonen sind bekannt (Auswahl): Borato Destillerie, Brennerei und Likörfabrik sowie Tabakfabrikate, Inh. Jakob Bernheimer (Geislinger Straße ), Korsettfabrik Bergmann & Sohn, Inh. Alfred Stern und Wilhelm Eckhoff (Ulrichstraße 16), Schürzen- und Wäschefabrik Brüder Block (Schillerstraße 48), Bahnhotel Göppingen Inh. Geschw. Dettelbacher mit Metzgerei Dettelbach, Inh. Max Krämer (Bahnhofstraße 4, abgebrochen), Viehhandlung Julius Dörzbacher (Bahnhofstraße 28), Baumwollwaren Theodor Dörzbacher (Pfleghofstraße 1), Fell- und Darmgroßhandlung Josef Einstein & Söhne, Inh. Stefan Banemann und Josef Einstein (Burgstraße 12), Kurzwaren Fa. Einstein & Guggenheim, Inh. Julius Guggenheim (Langestraße 11), Textilwaren Einstein & Guggenheim (Langestraße 11), Textilwaren Einstein & Guggenheim (Rabenstraße 20), Mech. Buntweberei Gebr. Frankfurter, Teilh. Heinrich, Jakob und Sigmund Frankfurter (Bahnhofstraße 34), Fa. Süßkinds Kleidermagazin, Inh. J. Fränkel (Marktstraße 5), Kurz- und Modewaren Fa. Freudenberger & Co., Inh. Willi Böhm (Langestraße 11), Württembergische Filztuchfabrik, Inh. David Geschmay (Metzgerstraße 16), Schuhhaus Peter Gold, Inh. Heinrich Schiffmann (Hauptstraße 11; wurde 1952 wieder eröffnet); Spinnereien und Webereien A. Gutmann & Co. GmbH (Poststraße 2), Textilwaren Julius Gutmann (Marktstraße 72), Baumwollspinnerei an der Fils, Inh. R. & S. Gutmann (Fabrikstraße 12), Gelatinefabrik Paul Hausmeister & Cie., Inh. Paul Hausmeister und Arthur Mändle (Gartenstraße 40), Textilwaren Julius Heimann (Bahnhofstraße 26), Modewaren und Damenkonfektion Fa. Adolf Heimann (Hauptstraße 2), Baumwollwaren Hugo Heumann (Ziegelstraße 2), Textilwaren Emil Hilb (Poststraße 11), Textilwaren Eugen Hilb (Poststraße 6), Futterstoffe Karl Hirsch (Spitalstraße 17), Dr. med. Salo Krämer (Marktplatz 3), Dr .med. Max Landauer (Hauptstraße 31), Tee- und Kaffeevertretung Klara Lang (Christophstraße 59), Kaufhaus Georg Lendt (Untere Marktstraße 8), Kolonialwaren Gisela Löwenstein (Geislinger Straße 6), Getreidegeschäft Fa. Heinrich Löwenstein, Inh. Julius Löwenstein (Poststraße 18), Büchereinbandstoffe Fa. Netter & Eisig, Inh. Heinrich Netter und Ludwig Eisig (Bahnhofstraße 25-27), Herrenkleiderfabrik Isidor Ostertag, Inh. Sigmund Meinfelder (Langestraße 20), Metzgerei Simon Oppenheimer (Grabenstraße 18), Mech. Weberei Gebr. Ottenheimer, Inh. Max Ottenheimer (Marstallstraße 40), Chemische Produkte Milton Rohrbacher (Gartenstraße 31), Chemische Fabrik Fa. Kinessa, Inh. Siegfried Rohrbacher (Filsstraße 52), Kurzwaren Leopold Rosenthal (Poststraße 12), Korsettenfabrik Rosenthal (Poststraße 12), Korsettenfabrik Rosenthal, Fleischer & Cie., Karela GmbH, Münchner Strickwarenfabrik (Obere Freihofstraße 33), Dr. med. Hans Rothschild (Rosenstraße 8), Zahnarzt Dr. Albert Sallinger (Poststraße 25), Öl- und Leimgroßhandlung, Chemisch-technische Produkte, Wagen- und Pferdedecken, Inh. Max und Viktor Schwab (Karlstraße 38), Rechtsanwalt Dr. Albert Steiner (Bahnhofstraße 6), Dr. med. Erich Steinthal (Uhlandstraße 9), Filztuchfabrik Karl Veit (Ulmer Straße 41), Viehhandlung Berthold Wertheimer (Bleichstraße 10), Staufia-Verkaufsgesellschaft, Fa. Wohlwerth, Inh. Leo Guggenheim (Hauptstraße 40).   
    
1933 wurden 314 jüdische Einwohner in Göppingen gezählt (1,4 % von insgesamt 23.007 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien aufgewandert oder in andere Orte verzogen. Da sich der nationalsozialistische Rassenhass in Göppingen jedoch nicht ganz so stark wie in anderen Städten hervortat, sind andererseits nach Göppingen zwischen 1933 und 1940 noch 189 jüdische Personen zugezogen. Dennoch wurden auch hier die jüdischen Einwohner immer mehr isoliert und zur Aufgabe ihrer Betriebe und Geschäfte gezwungen. Die letzten jüdischen Betriebe wurden im November und Dezember 1938 zwangsenteignet. 1936 musste eine eigene jüdische Schule eingerichtet werden, da die jüdischen Kinder die öffentlichen Schulen nicht mehr besuchen durften. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). Zahlreiche jüdische Männer wurden verhaftet und einige von ihnen monatelang im KZ Dachau festgehalten. Am 1. Dezember 1941 wurden 41 jüdische Göppinger nach Riga deportiert, am 26. April 1942 weitere sieben Personen nach Izbica bei Lublin (Polen). 23 Personen wurden am 22. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt verbracht. Nur fünf Göppinger Juden kehrten aus den Konzentrationslagern zurück, unter ihnen die 1934 geborene Inge Auerbacher und ihre Eltern (siehe Hinweis unten bei der Literaturliste).      
   
Von den in Göppingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Adelsheimer (1914), Martha Bär geb. Rohrbacher (1901), Erich Banemann (1922), Hedwig Banemann geb. Wortsmann (1890), Inge Banemann (1930), Stefan Banemann (1891), Elise Bensinger geb. Wertheimer (1877), Hermine Bernheimer (1870), Sofie Bodenheimer geb. Dettelbacher (1863), Erna Brandt (1902), Gretchen Babette Brauer (1900), Rosa Bühler geb. Heumann (1870), Julian Cohn (1911), Robert Leopold Einstein (1902), Albert Erlanger (1879), Fritz Erlanger (1913), Theodor Fellheimer (1886), Rosalie Felsenthal (1891), Arthur Fleischer (1888), Bernhard Fleischer (1879), Irma Fleischer geb. May (1894), Julius Fleischer (1882), Rosa Fleischer geb. Goldstein (1874), Wilhelm Fleissig (1906), Isidor Fränkl (1885), Minna Fränkl geb. Reilinger (1881), Marianne Frank geb. Rosenthal (1921), Rosa Frank (1920), Hedwig Frankfurter geb. Epstein (1877), Sigmund Frankfurter (1866), David Geschmay (1865), Pauline Geschmay geb. Schlossberger (1865), Emilie Goldstein (1875), Betty Heimann geb. Bergmann (1888), Felicia Heimann (1906), Jenny Heimann geb. Sicher (1873), Ludwig Heimann (1877), Rosa Herzberger geb. Mannheimer (1870), Emil Hilb (1864), Elsa Hirsch (1898), Hedwig Hirsch geb. Löwenstein (1871), Max Hirsch (1859), Jenny Hirschhahn (1882), Ernst Hofmann (1872), Pauline Israel geb. Gutmann (1852), Rosa Jacobsohn (1886), Heinrich Jochsberger (1909), Thekla Kahn geb. Rohrbacher (1868), Johanna Katz geb. Frank (1874), Else Kooperberg geb. Sinn (1904), Esther Kutner geb. Zitter (1882),  Else Ledermann (1898), Friederike Lehmann geb. Raff (1857), Georg Lendt (1873), Wilhelm Löwenstein (1874), Bodo Löwenthal (1911), Edith Löwenthal (1922), Elsa (Else) Maier geb. Weinstock (1883), Rosa Maier geb. Weinstock (1880), Friederike Mayer geb. Freudenberger (1888), Paula Mendle geb. Hirsch (1892), Felix Morgenroth (1891), Elsbeth Oberdorfer geb. Hilb (1900), Franz Sepp Oberdorfer (1938), Ludwig Oberdorfer (1893), Frida Oppenheimer geb. Ullmann (1888), Simon Oppenheimer (1877), Isaak Piotrkowska (1881), Rebekka Piotrkowska geb. Goldmann (1885), Siegmund Piotrkowska (1912), Dina Plawner (1934), Pnina Plawner (1926), Julius Raff (1868), Jacob Regensburger (1890), Julius Regensburger (1881), Doris Rödelsheimer (1930), Liese Rödelsheimer (1928), Hedwig Rosenbusch geb. Rohrbacher (1877), Arnold Rosinberg (1936), Fritz Rosinberg (1901), Heinz Rosinberg (1933), Irma Rosinberg geb. Hirschhahn (1906), Selma Schottländer (1885), Hannacha Schwab (1941), Max Schwab (1909), Helene Simon geb. Hirsch (1863), Sofie Simon (1891), Lotte Sinn geb. Dreifuss (1880), Gretchen Steiner geb. Kirchhausen (1903), Erna Stern geb. Strauss (1893), Hilde Berta Stern (1929), Leo Stern (1892), Therese Wassermann (1884), Alice Weil (1906), Hedwig Weil geb. Rosental (1881), Lina Weil (1887), Paula Zitter (1881), Rosa Zitter geb. Rotmann (1907), Sara Zitter (1910).                     
    
Im Göppinger Schlossgarten steht seit 1995 ein Gedenkstein für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. – Ende November 1941 wurden die zur Deportation bestimmten Göppinger Juden in der Turnhalle der Schiller-Realschule gesammelt; seit Januar 2003 erinnert am Eingang dieser Schule eine Gedenktafel an dieses Geschehen.
    
        
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
       
Aus der Geschichte des Rabbinates in Göppingen  
   
Rabbiner in Göppingen waren:  

Max (Manasse) Herz (geb. 1815 in Kochendorf, gest. 1904 in Göppingen): studierte in Tübingen, 1844 Rabbiner in Jebenhausen, dann Verlegung der Rabbinates nach Göppingen, 1868 bis 1894 Rabbiner in Göppingen.         
Dr. Hermann Kroner (geb. 1870 in Münster/Westfalen, gest. 1930 in Oberdorf): Sohn des Kirchenrats Dr. Theodor Kroner in Stuttgart; 1895 bis 1897 Rabbinatsverweser n Göppingen, 1897 bis 1930 Rabbiner in Oberdorf am Ipf (bedeutender Maimonides-Forscher).      
Jesajas Straßburger (geb. 1871 in Buttenhausen, gest. 1915): studierte in Tübingen, 1895-1897 Rabbinatsverweser in Oberdorf, 1897-1906 Rabbiner in Göppingen, 1906-1915 Rabbiner in Ulm
Dr. Arnold (Aron) Tänzer: (geb. 1871 in Pressburg, gest. 1937 in Göppingen): studierte in Pressburg, Berlin und Bern; 1896 bis 1905 Rabbiner in Hohenems, 1905 bis 1907 Rabbiner in Meran, 1907 bis 1937 Rabbiner in Göppingen (1915 bis 1918 Feldrabbiner). An seinen Wirkungsorten hinterließ er viele Spuren seines unermüdlichen Engagements für soziale und kulturelle Belange. Verfasser zahlreicher lokalhistorischer Werke. In Göppingen legte Rabbiner Tänzer seit 1909 den Grundstock für eine Volksbibliothek, der späteren Städtischen Leihbücherei. Seit 1921 war er Ehrenmitglied des Göppinger Veteranen- und Miliutärvereins "Kampfgemeinschaft". An ihn erinnert in Göppingen das "Rabbiner-Tänzer-Haus" (siehe Fotos unten, früheres Rabbinatsgebäude).  
   

Einzelne Texte aus jüdischen Periodika zum Rabbinat:  
Rabbiner Max Herz wird zum Kirchenrat ernannt (1894)  

Goeppingen Israelit 28121894.jpg (126325 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1894: "Göppingen, 24. November (1894). Dem hiesigen Herrn Rabbiner Herz ist aus Anlass seines heute (Samstag) stattfindenden fünfzigjährigen Amtsjubiläums der Titel eines Kirchenrats mit dem Rang der 7. Stufe verliehen worden. In Folge dessen fand sich gestern Vormittag das theologische Mitglied der Königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde, Herr Kirchenrat Dr. Kroner von Stuttgart mit Herrn Oberamtmann Dr. Schönmann und den Mitgliedern des Kirchenvorsteheramtes, bei dem Jubilar ein, um persönlich die Urkunde über die seltene Auszeichnung nebst den Glückwünschen Seiner Exzellenz, des Herrn Staatsministers Dr. von Sarwey der Oberkirchenbehörde und des Vereins der Rabbiner Württembergs in herzlichen und beredten Worten zu überreichen. Der greise Jubilar dankte bewegt für die ihm gewordene Auszeichnung. Gestern Abend wurde dem allbeliebten, von Pflichttreue erfüllten Herrn Kirchenrat Herz von Seiten des hiesigen Liederkranzes ein Ständchen gebracht, heute früh hat derselbe einen Festgottesdienst abgehalten und abends findet ein Festessen zu Ehren des Jubilars statt. Die Gemeinde wird eine Stiftung für junge Leute zum Lehrzweck errichten, die den Namen des Jubilars tragen wird. Möge es ihm, der seit nunmehr 50 Jahren in einem und demselben Bezirk als Geistlicher gewirkt hat, vergönnt sein, noch lange seines Amtes als treuer und gewissenhafter Seelsorger seiner Gemeinde zu walten! (Israelitische Wochenschrift)."   

   
Zum Tod von Rabbiner Max Herz (1904)  

Goeppingen Israelit 11081904.jpg (78119 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1904: "Aus Württemberg. 4. August (1904). Heute wurde in Göppingen der älteste württembergische Rabbiner, der im Jahre 1916 in Kochendorf geborene Kirchenrat a.D. M. Herz unter größerem Geleite zu Grabe getragen. Nach vollendetem Studium übernahm Herz 1840 die Stelle eines Hauslehrers im Hofrat Pfeifferschen Hause und erhielt 1845 das Rabbinat Jebenhausen, das später nach Göppingen verlegt wurde. Diese Stelle verwaltete er bis zu seiner 1895 erfolgten Pensionierung. Anlässlich seines 70. Geburtstages erhielt er den Friedrichsorden und 1895 den Titel eines Kirchenrats. Mehrere Jahrzehnte lang war Herz Mitglied der Königlichen Prüfungskommission für die württembergischen Rabbinen. In der Synagoge gab Rabbiner Straßburger den Gefühlen der Teilnahme beredten Ausdruck; am Grabe widmeten Rabbiner Katz – Heilbronn und Kirchenvorsteher Fleischer dem Verstorbenen einen warmen Nachruf."    

  
Rabbiner Straßburger wird als Rabbiner in Ulm gewählt (1906) 
  

Ulm FrfIsrFambl 03081906.jpg (16534 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1906: "Ulm. Rabbinerwahl. Das hiesige Rabbinat wurde Herrn Rabbiner Straßburger - Göppingen übertragen."          

 
Rabbiner Dr. Tänzer wird von orthodox-jüdischer Seite kritisiert (1911)   

Goeppingen FrfIsrFambl 15091911.jpg (68147 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1911: "Stuttgart. Die Generalversammlung des ‚Württembergischen Landesverbands für die Interessen des gesetzestreuen Judentums’ fasste folgende Resolution: ‚Der Landesverband protestiert energisch gegen die von Rabbiner Dr. Tänzer in Göppingen in verschiedenen Blättern gebrachten Artikel, da diese die selbst an höchsten Stellen anerkannte Verschiedenheit der gesetztreuen und neologen Richtung im Judentum in Abrede zu stellen versuchten, um das orthodoxe Judentum und insbesondere einzelne Personen, die sich um dasselbe verdient gemacht, zu diskreditieren. Es handelt sich bei diesen Differenzen nicht um ‚Ritualformen, die Privatsache sind’, sondern um grundlegende Glaubenssätze des für das Judentum für alle Zeiten verbindlichen Torahgesetzes.’


Zum Tod der Frau von Rabbiner Dr. Tänzer (1912)  

Goeppingen FrfIsrFambl 25091912.jpg (29405 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. September 1912: "Göppingen. Im Alter von 37 Jahren verschied die Gattin Rabbiners Dr. Tänzer, eine Frau von vornehmer Gesinnung. Sie war eine Tochter des Oberrabbiners Markus Handler seligen Andenkens in Totis (Ungarn) und Schwester Rabbiners Dr. Simon Hevesi – Budapest".

   
Auszeichnung für Rabbiner Tänzer (1916)
      

Hohenems FrfIsrFambl 29121916.jpg (54809 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Dezember 1916: "Dem Armeerabbiner der kaiserlich deutschen Bugarmee Dr. Tänzer ist von Seiner Majestät dem Kaiser von Österreich das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen worden. Armeerabbiner Dr. Tänzer stammt aus Preßburg und ist bereits früher durch Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und des Ritterkreuzes des königlichen württembergischen Friedrichsordens 1. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet worden. Er war früher Landesrabbiner von Tirol und Vorarlberg."   

   
Rabbiner Dr. Tänzer widmet eines seiner Bücher Prinz Leopold von Bayern (1917)  

Goeppingen AZJ 02031917.jpg (36259 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. März 1917: "Aus Ludwigsburg wird uns geschrieben: Seine Königliche Hoheit der Herr Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern hat die Widmung des vom Armeerabbiner der Bugarmee, Dr. Tänzer, verfassten und derzeit im Erscheinen begriffenen Buches ‚Die Geschichte der Juden in Brest-Litowsk’ angenommen."  

 


Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle zunächst eines privaten Lehrers 1852 / 1860 , dann der Stelle eines  Religionslehrers / Vorbeters / Schochet

Goeppingen AZJ 12011852.jpg (62743 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1852: "Göppingen, im Königreich Württemberg. Offene Stelle für einen Hauslehrer. Wir suchen bis zum Frühling dieses Jahres für 5 Kinder, im Alter von 5-7 Jahren, einen Hauslehrer, der in der Religion und im Hebräischen gründlichen Unterricht zu geben, und sich hierüber, wie über seine Moralität, mit genügenden Zeugnissen auszuweisen im Stande ist. Humane Behandlung, angemessenes Salär, nach Umständen auch Reisekostenentschädigung werden zugesichert.  Hierauf Reflektierende wollen sich über die weiteren Bedingungen in frankierten Zuschriften wenden an  Kaufmann & Gebrüder Gutmann, Fabrikanten. Den 5. Januar 1852."  
  
Goeppingen AZJ 09101860.jpg (38472 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Oktober 1860: "Offene Lehrerstelle. Göppingen (Württemberg), 30. September 1860. Mehrere Familien hier suchen einen ledigen Lehrer, der tägliche einige Stunden hebräischen Unterricht zu erteilen hat. Frankierte Anträge nimmt entgegen und nähere Auskunft erteilt Jos. Raff."
 
Goeppingen AZJ 10031874.jpg (46614 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. März 1874: "Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher die Funktionen eines Schächters verbunden sind, und die mit den Nebeneinkünften ein jährliches Einkommen von circa 800 Gulden neben freier Wohnung gewährt, soll sofort besetzt werden. Portofreie Meldungen nebst Zeugnissen sind in tunlicher Bälde an das Unterzeichnete zu richten. Göppingen, den 12. Februar 1874. Das israelitische Kirchenvorsteheramt."
 
Goeppingen AZJ 21031876.jpg (59987 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. März 1876: "Göppingen (Württemberg), im Februar 1876. Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich der Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll bis April dieses Jahres mit einem seminaristisch gebildeten Manne, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor und in Begleitung eines Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt."
   
Anmerkung: In der nachfolgenden Anzeige in der orthodox-konvervativ geprägten Zeitschrift "Der Israelit" bleibt in der Ausschreibung vermutlich bewusst das Harmonium in der Synagoge unerwähnt. 
Goeppingen Israelit 09021876.jpg (60761 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1876: "Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich der Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll anfangs April dieses Jahres mit einem seminaristisch gebildeten Mann, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen, mit Zeugnissen belegt, sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt. Göppingen (Württemberg), Januar 1876."
 
Goeppingen AZJ 12031878.jpg (47180 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. März 1878: "Göppingen (Württemberg), im März 1878. Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich der Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll sofort mit einem seminaristisch gebildeten Manne, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor und in Begleitung eines Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt." 
 
Goeppingen Israelit 13031878.jpg (67669 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1878: "Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich die Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll sofort mit einem seminaristisch gebildeten Manne, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor und in Begleitung eines Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in tunlicher Bälde zu richten an das Israelitische Kirchenvorsteheramt. Göppingen (Württemberg), im März 1878."   

   
      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Göppingen als Station auf dem Weg zur politischen Gleichstellung der württembergischen Juden (1861)  

Goeppingen AZJ 19031861.jpg (244344 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. März 1861: "Göppingen, den 4. März (1861). Der Vorstand des Kultusministeriums, Staatsrat von Rümelin hat soeben einen Gesetzesentwurf in der Kammer eingebracht, wonach ausgesprochen werden soll, dass die staatsbürgerlichen Rechte unabhängig seien von dem religiösem Bekenntnis, Der Entwurf geht an die staatsrechtliche Kommission. Diese freudige Botschaft wurde von Stuttgart aus an das 15er-Komitee, das aus der Esslinger Versammlung hervorgegangen, hier tagte, telegraphiert. Die zur Unterzeichnung schon unterbreiteten Adressen an die Königliche Staatsregierung und an die Stände erlitten dadurch einige Redaktionsabänderungen und wurden eingereicht. Das 15-er-Komitee wurde von den Israeliten Göppingens festlich bewirtet und die eingelaufene frohe Kunde fand jubelnden Widerhall in der Versammlung. Das Komitee besteht aus folgenden Herren: Oberjustizprokurator Heß, die Rechtskonsulenten Heiden, Kaulla, Lebrecht, Nördlinger; Dr. med. Einstein, Dr. Adolph Levi, Rabbiner Dr. Wassermann, Buchhändler Heß, Uhrmacher S. Levi, die Kaufleute E. Gutmann, Henle, Isac, Rothschild und Steiner. Wir registrieren diese verehrlichen Namen zur Geschichte des Kampfes um die politische Gleichstellung der Israeliten in Württemberg. Wir hoffen, dass mit dem frohen Tage in Göppingen das Kämpfen um die Gleichberechtigung sein Ende erreicht hat. – Wir glauben es aber der Wahrheit schuldig zu sein, kundzutun, dass besonders einige hervorragende Männer in Stuttgart in der Stille zur Erreichung des glücklichen Erfolgs durch ihr unermüdliches Wirken beigetragen haben und erlauben uns die Namen der Herren: Dr. Leopold Kaulla, Kollegialassessor Isidor Jordan, Hofrat von Kaulla, der schon durch seine hervorragende Stellung dem Judentume zur Ehre gereicht, zu nennen. – Wenn auch möglicherweise dieser von der Königlichen Regierung eingebrachte Gesetzesentwurf noch nicht Gesetzeskraft erhält, so hat doch die Königliche Regierung das Prinzip der Gleichberechtigung aller Konfessionen anerkannt und muss es zur vollständigen Geltung gelangen."


Die Feiern zum Friedensschluss nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit Dankgottesdienst in der Synagoge 

Goeppingen AZJ 11041871.jpg (167744 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871: "Aus Württemberg, im März (1871).   Durch Erlass  der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde vom 28. Februar dieses Jahres wurde für alle Synagogen des Landes aus Anlass des Friedensschlusses die Abhaltung eines Dankgottesdienstes in der Weise angeordnet, dass nach Rezitierung der Psalmen 9, 33 und 96 und nach dem Gesangchore vorgetragenen Liede Nr. 105 der Maier’schen Gebetordnung vom Rabbinen, beziehungsweise Vorsänger die Festpredigt über den Text Psalm 89,16-18 gehalten wurde. In mehreren israelitischen Gemeinden des Landes, wie in Buchau und Göppingen, fanden feierliche Züge zum Gotteshause statt, welchen sich, um sich an dem Gottesdienste zu beteiligen, auch Christen anschlossen. Die von dem Herrn Kirchenrat Dr. von Maier in Stuttgart und von dem Rabbiner Herz in Göppingen bei dieser Feier gehaltenen Predigten wurden auf vielseitiges Verlangen durch den Druck veröffentlicht und finden dieselben um so reicheren Absatz, als deren Ertrag für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Württemberger und für die deutsche Invalidenstiftung bestimmt ist.    
In wahrhaft humaner Weise und im echt israelitischen Geiste wurde von mehreren unserer Glaubensgenossen im lande die Friedensfeier durch Akte der Wohltätigkeit verherrlicht. So ließ Herr Dr. Rosenthal, Fabrikant und Kirchenvorsteher in Göppingen, 58 Kinder der dortigen Waisenanstalt ‚Wilhelmshilfe’, 35 Soldatenfrauen und 140 weitere Stadtarme am Tage vor der Friedensfeier, am Sonntag, den 5. März, auf seine Kosten speisen, nachdem er bereits früher 500 Gulden dem Invalidenfond zugewiesen hatte. Denselben Fonds soll, wie wir hören, Herr Konsul Dreifuß in Stuttgart mit 10.000 Gulden am genannten Tage bedacht haben. Möge in Anerkennung des edlen Patriotismus, welchen zahlreiche Israeliten in reichen Spenden zur Linderung des durch den Krieg herbeigeführten Elends in hervorragender Weise bekundeten, endlich der letzte Rest kränkender Zurücksetzung und Ausschließung schwinden und im geeinigten Deutschland ein Recht und ein Gesetz für Alle ohne Unterschied in Wahrheit und in Wirklichkeit zur Geltung kommen." 

   

Beginnende antijüdische Maßnahmen (1933) 

Goeppingen Israelit 28091933.jpg (21063 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1933: "Göppingen. Hier hat der Gemeinderat die Einsetzung einer Marktkommission beschlossen, um Ostjuden vom Markt fernzuhalten."      

    
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 

Zum Tod von Fabrikant Isac Raff (1867)   
 

Goeppingen Israelit 30011867.jpg (121532 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1867: "Göppingen (Württemberg). Eine schwere Wunde, die noch lange schmerzen wird, ist der Filial-Gemeinde Göppingen geschlagen wurden, eine Wunde, die gewiss nicht nur in unserem engeren Vaterlande, sondern weit über die Grenzen hinaus empfunden und in ihrer ganzen Bedeutung gewürdigt werden wird.    
Seit dem 28. Kislev weilt der Fabrikant Isac Raff nicht mehr unter den Lebenden.  
Wenn je die Worte unserer Weisen, das das Wichtigste in der Geschichte die guten Taten der Gerechten sind (frei übs.) auf einen Mann Anwendung finden können, wenn je Anspruchslosigkeit, Berufstreue und Hingebung für die Interessen einem Mann den Namen Zadik Tamim (vollkommener Gerechter) geben können, so ist es der Hingeschiedene. 
Nicht nur seine Stellung sowohl als Kirchenvorsteher und Gemeinderat bot ihm häufig Gelegenheit, für die Interessen der Gesamtheit Gutes zu wirken, mehr noch war es sein warmes Herz, sein schönes Gemüt.  Sein Wahlspruch war Säet für Gerechtigkeit, erntet für Liebe (Hosea 10,12). Jeder, der seine Hilfe in Anspruch nahm, war derselben gewiss. Von seinem Edelmute zeugen nicht nur die reichen Legate, die er noch kurze Zeit vor seinem Tode bestimmte, sondern das viele Gute, das er an seinen, an den Verwandten seiner Frau, an seinen Glaubensgenossen und an seinen christlichen Mitbürgern fortwährend getan hat. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
25-jähriges Jubiläum von Fabrikant Salomon Ottenheimer als Kirchenvorsteher (1892)  

Goeppingen Israelit 11021892.jpg (78069 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1892: "Göppingen. Dieser Tage feierte Fabrikant Salomon Ottenheimer hier sein 25-jähriges Jubiläum als Kirchenvorsteher. Als Zeichen der Anerkennung für seine ersprießlichen Dienste, die er als solcher während des Vierteljahrhunderts der hiesigen israelitischen Gemeine erwiesen, wurde dem Jubilar in dessen Wohnung ein silberner Pokal und eine kalligraphische, trefflich ausgefertigte Dankadresse unter Ansprache des Verfassers derselben  - Rabbiner Herz und im Beisein der Mitglieder des Kirchenvorsteheramts – übergeben. Unter Worten des Dankes sprach der Jubilar die Hoffnung aus, auch in Zukunft für das Interesse der Gemeinde seine Kraft einsetzen zu können."  
     
Goeppingen AZJ 12021892.jpg (75617 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Februar 1892: "Göppingen, 1. Februar. Gestern feierte Herr Fabrikant Salomon Ottenheimer hier sein 25-jähriges Jubiläum als Kirchenvorsteher. Als Zeichen der Anerkennung für seine ersprießlichen Dienste, die er als solcher während des Vierteiljahrhunderts seine Tätigkeit der hiesigen israelitischen Gemeinde erwiesen, wurde dem Jubilar in dessen Wohnung ein silberner Pokal und eine kalligraphisch ausgefertigte Dankadresse unter Ansprache des Verfassers derselben, Herrn Rabbiner Herz, im Beisein der Mitglieder des Kirchenvorsteheramts übergeben. Unter Worten des Dankes sprach der Jubilar die Hoffnung aus, in Zukunft für das Interesse der Gemeinde seine Kraft einsetzen zu können."   

  
25-jähriges Amtsjubiläum von Julius Reinganum als Mitglied des Kirchenvorsteheramts (1910)  

Goeppingen AZJ 21011910.jpg (74518 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" 21. Januar 1910: "Göppingen, 14. Januar (1910). Am 9. dieses Monats feierte das israelitische Kirchenvorsteheramt in einer Festsitzung das 25-jährige Amtsjubiläum seines Mitgliedes, des Herrn Julius Reinganum. Zu dieser Sitzung war als Vertreter der Königlich Israelitischen Oberkirchenbehörde auch Herr Regierungsrat Dr. Schönmann erschienen, der in einer Ansprache die Verdienste des Jubilars auf dem Gebiete der Humanität und Gemeinnützigkeit würdigte und demselben ein Gratulationsschreiben der Königlichen Oberkirchenbehörde überreichte. Rabbiner Dr. Tänzer feierte die Verdienste des Jubilars um die Kirchengemeinde zu deren Mitbegründern derselbe gehört, und überreichte ihm eine vornehm ausgestattete Dankadresse. Herr Samuel Fleischer brachte die Glückwünsche der Kirchenvorsteher zum Ausdruck, worauf der Jubilar in tiefster Rührung allen seinen Dank aussprach."    

  
Julius Reinganum erhält die "Königin Karl Olga Medaille in Silber" (1910)  

Goeppingen AZJ 25031910.jpg (19032 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. März 1910: "Herrn Julius Reinganum in Göppingen ist vom König von Württemberg die ‚König Karl Olga Medaille in Silber’ verliehen worden."

   
25-jähriges Amtsjubiläum von Samuel Fleischer als Kirchenvorsteher (1910)  

Goeppingen AZJ 31031910.jpg (19590 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1910: "Das 25-jährige Jubiläum als Kirchenvorsteher der israelitischen Gemeinde in Göppingen beging Fabrikant und Gemeinderat Samuel Fleischer."

 
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige der Viehhandlung Julius Regensburger (1903)   

Goeppingen Israelit 10121903.jpg (47392 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1903: "Suche in mein Geschäft einen ordentlichen 
jungen Mann

von 15-18 Jahren, welchem Gelegenheit geboten ist, den Viehhandel gründlich zu erlernen, zu sofortigem Eintritt. 
Julius Regensburger
, Viehhändler, Göppingen (Württemberg)." 

    
Anzeigen des Bahnhof-Hotels Dettelbach (1910 - 1937 !)

Goeppingen FrfIsrFambl 24031910.jpg (33866 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. März 1910: "Junges, tüchtiges israelitisches Fräulein für Restaurant gesucht: gute Bezahlung. Familienabschluss. 
S. Dettelbacher z. Bahnhof  Göppingen, Württemberg".
 
Goeppingen CV-Ztg 01101936.jpg (65752 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 1. Oktober 1936: "Zwischen Ulm und Stuttgart erwartet Sie das Bahnhof-Hotel Dettelbacher Göppingen. Fernruf 2127 
mit gemütlichen Räumen, gepflegter Küche, Fremdenzimmer mit fließend warmem Wasser, Garagen, Nebenzimmern und Saal für Konferenzen und Veranstaltungen." 
 
Goeppingen CV-Ztg 08071937.jpg (44952 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 8. Juli 1937: "Zwischen Ulm und Stuttgart erwartet Sie das Bahnhof-Hotel Dettelbacher Göppingen. Fernruf 2127 
mit gemütlichen Räumen, gepflegter Küche, Fremdenzimmer mit fließend warmem Wasser, Garagen, Nebenzimmern und Saal für Konferenzen und Veranstaltungen." 

  
Weitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)  

Postkarte der Firma Nathan Wassermann in Göppingen (1886) Goeppingen Dok 510.jpg (102134 Byte) Goeppingen Dok 510b.jpg (50173 Byte) Goeppingen Dok 510a.jpg (137164 Byte)
   Die Karte der Fa. Nathan Wassermann wurde am 4. März 1886 nach Murrhardt verschickt (kleinere Abbildung links: Firmen-Stempel). die Firma Nathan Wassermann wurde 1873 in Göppingen gegründet; es handelte sich um eine Manufakturwarenhandlung, die bis 1899 bestand, zuletzt unter dem Schwiegersohn Wilhelm, genannt Adolph Simon.
    
Karte an die Firma Gebr. Levy & Rothschild in Göppingen (1886) Goeppingen Dok 435.jpg (100474 Byte)
Die Karte wurde von der Firma Carl Schmidt (Möbelmagazin, Schweinfurt) am 1. Oktober 1886 an die Firma Gebr. Levy & Rothschild in Göppingen verschickt. Bei der Firma handelt es sich um eine von Moritz Rothschild einige Jahre geführte Fabrik zur Herstellung von baumwollenen und leinenen Waren (ehem. E. Dettelbach & Co., dann "Gebrüder Levy & Rothschild") (Tänzer S. 447-448)
     
Geschäftskarte der Firma Rosenthal, Fleischer & Cie. (1888)    Goeppingen Dok 437a.jpg (109106 Byte) Goeppingen Dok 437.jpg (126096 Byte)
  Die Karte - eine vorgedruckte Mitteilung der Fa. Rosenthal, Fleischer & Cie. wurde am 31. März 1888 von Göppingen nach Greifswald geschickt. Bei Fa. Rosenthal, Fleischer &  Co. handelte es sich um eine Korsettfabrik, die 1887 aus der Vorgängerfirma D. Rosenthal & Co. hervorgegangen ist. 1894 bezog die Firma in Göppingen eines neu erbautes Fabrikgebäude, das 1901 noch bedeutend vergrößert wurde. Die Firma, die zahlreiche Filialen hatte, erlangte auf Weltausstellungen höchste Auszeichnungen und bestand bis nach 1933 (Tänzer S. 457-458)
     
 Firmenkarte der Fa. Gebr. Gutmann (1890) Goeppingen Dok 558a.jpg (92196 Byte) Goeppingen Dok 558.jpg (113497 Byte)
     Die Karte der Fa. Gebr. Gutmann wurde am 25. Februar 1890 nach Ludwigsburg verschickt; bei der Firma handelt es sich ursprünglich um die Fa. J.B. Gutmann, Fabrikation von leinenen und baumwollenen Waren, die 1860 von Jebenhausen nach Göppingen übersiedelte; 1877 wurde sie zur Firma "Gebr. Gutmann" mit den Gesellschaftern Brüder Bernhard, Leopold H. und Max H. Gutmann; die Firma bestand (seit 1900 als "Mechanische Buntweberei am Stadtbach" bis 1908 (Tänzer S. 447-448)  
     
Firmenpostkarte der Gebr. Ottenheimer, Baumwollen- & Leinenweberei in Göppingen (1899) Goeppingen Dok 436.jpg (89890 Byte) Goeppingen Dok 436a.jpg (107451 Byte)
  Die Karte wurde am 18. August 1899 an den Direktor des Figaro (Tageszeitung) in Paris geschrieben. Die Fa. Gebr. Ottenheimer wurde 1854 in Jebenhausen von den Brüdern Salomon und Joseph Ottenheimer gegründet und beschäftigte 1863 bereits 500 Handweber. 1865 war die Firma nach Göppingen übersiedelt. Seit 1905 war die Hauptniederlassung der Firma in Süßen ("Mechanische Weberei Süßen Gebrüder Ottenheimer, Göppingen und Süßen" (Tänzer S. 442-443)    
        
Ansichtskarte der Hauptstraße in Göppingen mit dem Geschäft von Adolph Heimann (1907)  Goeppingen Dok 559.jpg (120063 Byte) Goeppingen Dok 559a.jpg (115227 Byte)
   Adolph Heimann stammt aus Oberdorf; er begründete 1867 in Göppingen ein Geschäft für Damenkonfektion, Kleiderstoff und Aussteuer-Artikel. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Julius und Ludwig das Geschäft (nach 1913 Ludwig Heimann Alleininhaber). 
     
Gedenkkarte zum 25-jährigen Regentschafts-Jubiläum von Prinzregent Luitpold von Bayern (1911) Goeppingen Dok 560.jpg (109782 Byte) Goeppingen Dok 560a.jpg (82181 Byte)
   Die Karte wurde aus München verschickt an Julius Mannheimer,  einem Sohn von Salomon Löb Mannheimer und der Pauline geb. Marx (die Familie war 1893 von Jebenhausen nach Göppingen gezogen)  (Tänzer S. 348). 
     
Karte der Fa. Milton Rohrbacher an die Lederleimfabrik Straub in Bopfingen (1925) Goeppingen Dok 557.jpg (105202 Byte) Goeppingen Dok 557a.jpg (101289 Byte)
   Die Karte der Fa. Milton Rohrbacher wurde am 9. März 1925 verschickt; die Firma wurde 1893 von Milton Rohrbacher in Göppingen gegründet; seit 1922 war sein Sohn Siegfried Teilhaber; die auf chemisch-technische Produkte spezialisierte Firma produzierte u.a. die Artikel Kinessa-Bohnerwachs und Kinessa-Holzbalsam (Tänzer S. 465).  
     

     
     
  

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Nach dem Zuzug mehrere jüdischer Personen/Familien von Jebenhausen nach Göppingen baten diese im Mai 1857 bei der Israelitischen Oberkirchenbehörde um die Erlaubnis, in Göppingen einen Filialgottesdienst einzurichten. Damals wurde das Gesuch noch abschlägig beschieden. Im Mai 1860 erneuerten die Göppinger Israeliten ihr Gesuch. Die Kosten wollten sie selbst tragen. Wenig später erhielten sie die Genehmigung, doch verzögerte sich die Einrichtung eines Betsaales, da man sich nicht über den Erwerb eines Gebäudes für Gottesdienst und Schule einigen konnte. Nachdem am 1. Juli 1867 eine selbständige israelitische Gemeinde in Göppingen gegründet werden konnte, wurden noch im selben Monat in einem Gebäude (heutige Anschrift des Nachfolgegebäudes: Schützenstraße 2) zwei Wohnungen gemietet und mit einem Kostenaufwand von 1.074 Gulden zu einem Betraum umgewandelt. Torarolle und andere Kultgegenstände sowie ein Harmonium wurden angeschafft beziehungsweise gespendet. Auch die Wohnung des Vorsängers, das Sitzungszimmer des Synagogenvorstandes und ein Schulraum befanden sich in diesem Gebäude (es wurde 1897 abgebrochen).   
     
Nachdem dieser erste Betsaal sich innerhalb von wenigen Jahren als zu klein für die wachsende Gemeinde erwies, wurde 1872 eine erste Synagoge in dem 1871 erbauten Haus Pfarrstraße 33 eingerichtet. Am Neujahrstag im Herbst 1872 wurde die Synagoge eingeweiht, die 55 Sitzplätze für Männer und 45 für Frauen bot. Beide saßen - getrennt voneinander – auf derselben Höhe im Betsaal. Die Empore war für jüngere Leute sowie den Chor und das Harmonium bestimmt. Auch diese erste Synagoge war nach 10 Jahren zu klein. 1881 wurde sie verkauft. In ihr konnte dann für einige Jahre ein Betsaal der methodistischen Kirche eingerichtet werden. Nach 1885 wurde sie zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut.   
     
Eine neue Synagoge wurde 1880/81 erbaut, nachdem bereits seit 1878 ein Grundstück in der Freihofstraße hierfür vorgesehen war. Der Spatenstich erfolgt am 1. März 1880, die Grundsteinlegung war am 23. April. Die Synagoge wurde nach den Plänen von Christian Friedrich von Leins erbaut, Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Die Bauleitung hatte Ingenieur Elsässer. Der Bau erhob sich (nach der Baubeschreibung von Harold Hammer-Schenke, Synagogen in Deutschland Teil 1, S. 353f) über einem "quadratischen Grundriss. Diesem Quadrat, das den Kultraum mit dreiseitig umlaufenden Emporen enthielt, wurde ein querrechteckiger Westbau vorgelegt, der im Untergeschoss die Eingangshalle, ein Sitzungszimmer mit Garderoben und im Obergeschoss die Orgelempore beherbergte. Im Äußeren war der Kultbau durch Lisenen und Gesimse, sowie durch Maßwerkfenster gegliedert; ein Quergiebel deutete eine kreuzförmige Raumgestalt an. Über der ‚Vierung’ erhob sich, auf achtseitigem Tambour, eine hohe Kuppel. Der im Äußeren basilikal wirkende Westvorbau öffnete sich in einer hohen, rundbogig geschlossenen, von einem dreieckigen Giebel überfangenen Eingangshalle. Der Emporenraum darüber wiederholte das Motiv, wobei ein Rundfenster mit Sechspass für die Beleuchtung sorgte. Den Giebel krönten die Gesetzestafeln". Die Baukosten der Synagoge betrugen etwa 60.000 Mark. Sie verfügte über insgesamt 278 Sitzplätze. Im Hauptraum waren es 136 Plätze für Erwachsene, dazu 40 für die schulpflichtige Jugend. Auf den Emporen gab es 102 Plätze (je 51 auf der Männer-Galerie und der Frauen-Galerie).
   
Am 16. und 17. September 1881 fand die Einweihung der Synagoge statt. Am Nachmittag des 16. September bewegte sich ein festlicher Zug vom bisherigen Betsaal in der Pfarrstraße zur neuen Synagoge. Voran ging die Schuljugend, der Sängerchor, die Träger mit den Torarollen, Rabbiner Max Herz und die Kirchenvorsteher. Es folgten die Ehrengäste, das Baukomitee und Baupersonal sowie viele Gemeindeglieder und Interessierte aus der ganzen Bevölkerung. Der Einzug in die Synagoge geschah unter Psalmgesang, worauf die Torarollen in den Toraschrein gestellt wurden. Rabbiner Herz hielt die Festpredigt. Von der israelitischen Oberkirchenbehörde waren unter anderem der Stuttgarter Bezirksrabbiner und Kirchenrat Dr. Moses von Wassermann sowie Hofrat Adolf Levi anwesend. Am Nachmittag und Abend des 17. September fanden im Gasthaus Dettelbacher ein großes Fest-Bankett mit Grußworten, ein Vortrag über die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Jebenhausen und Göppingen und weitere Darbietungen statt. 
       
Die Einweihung der Synagoge (1881)

Goeppingen AZJ 11101881.jpg (33302 Byte)Aus einem Bericht über die Einweihung mehrerer Synagogen in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Oktober 1881: "…Indem wir daher heute über die Einweihung von vier Synagogen zu berichten haben, nämlich zu St. Gallen in der Schweiz, zu Göppingen in Württemberg, zu Altona und zu Schwetz, werden wir der ersteren eine größere Aufmerksamkeit zuwenden, weil dieselbe in der Ostschweiz die erste Synagoge ist und die Einweihung die Teilnahme der christlichen Bevölkerung ungewöhnlich in Anspruch nahm…"  
Goeppingen AZJ 11101881a.jpg (105446 Byte)Auch in Göppingen (Württemberg), das jüdischerseits erst in neuerer Zeit durch Zuzug aus der älteren Gemeinde Jebenhausen bevölkerter geworden, hatte man sich bisher mit einem Mietlokal begnügt, welches jetzt durch eine neu erbaute Synagoge ersetzt worden ist. Sie steht in der neuen Straße mitten zwischen den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen und ist mit ihrer hoch anstrebenden Kuppel stilvoll gebaut. Eine hübsche Terrasse führt zu dem reich geschmückten Eingang hinauf, über welchem wie an anderen passenden Stellen hebräische Inschriften angebracht sind. Das Innere ist durchaus harmonisch gehalten. Die Teilnahme der christlichen Bevölkerung war eine allgemeine. An dem Wege, den der Zug vom alten Betsaale her nahm, war Alles reich beflaggt. An dem Zuge selbst nahmen auch die Geistlichen der christlichen Konfessionen und die Mitglieder der bürgerlichen Kollegien teil. Über die Festpredigt des Rabbiners Herz sagt der Berichterstatter:   ‚Die jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht wiedergeben, da der Raum nicht hinreichen würde. Anknüpfend an das Schicksal der noch jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Herz in edler gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Nächstenliebe ohne Ansehen der Person, des Standes oder Glaubens betätigen müsse, auf eindringliche Weise aus, die jedem seiner Zuhörer zu Herzen ging.’"
     

Bericht im "Göppinger Wochenblatt" vom 17. September 1881 (Quelle: aus Tänzer s.u. S. 493ff):  "In der Neuen Straße, dem schönsten Teile der Stadt, und mitten zwischen den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen gelegen, ergebt sich seit einiger Zeit ein Bau, dessen Stil und himmelanstrebende Kuppel dem Beschauer schon von ferne anzeigen, dass er zu einem Gotteshause bestimmt sei: es ist die neue Synagoge der israelitischen Gemeinde. Eine hübsche Terrasse führt von der neuen Strasse zu dem reichgeschmückten Eingang hinauf, durch den man in ein geschmackvoll ausgestattetes Vestibül tritt, zu dessen beiden Seiten Treppen zu den Emporen führen. Gegen Süden ist ein Lehr-Zimmer zum Religionsunterricht, gegen Norden das Sitzungszimmer der Kirchenvorsteher eingerichtet. Über dem Haupteingang und an anderen passenden Stellen sind hebräische Inschriften angebracht. Die eigentliche Synagoge zeigt im untern Raume mit ihren Sitzplätzen, den Emporen, der Orgel, große Ähnlichkeit mit einer christlichen Kirche, während der Altar, das Allerheiligste, die Sitze des Rabbiners, des Vorsängers, diejenigen der Kirchenvorsteher, die Leuchter usw., alles auf der Ostseite angebracht, den mosaischen Ritus andeuten. Die Malerei stimmt zu der ganzen Einrichtung und so bildet das Innere ein harmonisches Ganzes. Dieses neue Gotteshaus wurde gestern unter großer Beteiligung auch der christlichen Einwohnerschaft feierlich eingeweiht. Um 4 Uhr nachmittags versammelten sich die israelitischen Gemeindeglieder und die übrigen Festgenossen in und vor dem seitherigen, gemieteten Betsaal. Um 4 1/2 Uhr bewegte sich der festliche Zug über den Schlossplatz, einen Teil der Pfarrstraße, um beim neuen Schulhause in die reichbeflaggte Neue Straße einzulenken, in der sich eine Menge von Zuschauern jeden Alters und Geschlechts drängte. Voraus zog die festlich geschmückte israelitische Schuljugend, dann folgten der Synagogenchor, die Toraträger, Rabbiner und Kirchenvorsteher, die Ehrengäste, darunter die Geistlichen der christlichen Konfessionen, die Mitglieder der bürgerlichen Kollegien usw., dann das Baukomitee und Baupersonal, die Männer der israelitischen Gemeinde und die übrigen Teilnehmer. An dem Portal der neuen Synagoge überhab Herr Architekt Elsässer namens seines Prinzipals, der Herrn Oberbaurats Dr. von Leins, des Erbauers der Synagoge, den Schlüssel derselben mit den besten Wünschen für die Gemeinde dem ältesten Mitgliede des Kirchenvorsteheramts; Herr Ottenheimer erwiderte ihm dankend im Namen der Kirchenvorsteher. Dann füllten sich rasch die Räume des neuen Gotteshauses.
Der Synagogechor begann die kirchliche Feier mit einem Begrüßungsgesang in hebräischer Sprache, während dessen Vorsänger, Toraträger, Rabbiner und Kirchenvorsteher eintraten und sich aufstellten. nach einem Vortrage des Vorsängers wurden die Torarollen durch den Rabbiner in das Allerheiligste gebracht, worauf der Chor die Hymne "Hoch tut euch auf, ihre Tore der Welt" sang. Die jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht wiedergeben, da der Raum nicht hinreichend würde. Anknüpfend an das Schicksal der noch jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Hertz in edler gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Nächstenliebe ohne Ansehen der Person, des Standes oder Glaubens betätigen müsse, auf eindringliche Weise aus, die jedem seiner Hörer zu Herzen ging. Der Psalm 118: "Danket dem Herrn", vom Chor gesungen, machte den Beschluss der eigentlichen Einweihungsfeier, an welche sich noch ein Abendgottesdienst mit Chorbegleitung anschloss.
Diese erhebliche Feier wird wohl bei den meisten Teilnehmern in gutem Gedächtnis bleiben. - Unter den Festgenossen bemerkten wir gestern unter anderen den Herrn Kirchenrat Dr. Wassermann und den früheren langjährigen Lehrer der israelitischen Gemeinde in Jebenhausen, Herrn Elsässer."  

1925 wurde die Synagoge umfassend modernisiert. An Stelle der bisherigen Gasbeleuchtung trat elektrische Beleuchtung. Zusätzliche Bänke für die Schulkinder der Gemeinde wurde aufgestellt. Zur Innenausstattung der Synagoge gehörten damals elf Torarollen, von denen sich eine in der Filialgemeinde in Kirchheim unter Teck befand, neun Toravorhänge, 24 Toramäntelchen, zwei Chanukka-Leuchter, verschiedene Garnituren für den Toraschmuck, Kidduschbecher und anderes mehr.   
       
  

   
   
Fotos / Darstellungen    
  

Die erste Synagoge 1871-1881  
Historische Fotos/Pläne:
(Quelle: Stadtarchiv Göppingen)

Plan für die Herstellung eines neuen Wohngebäudes mit Betsaaleinrichtung für den Göppinger Schreinermeister W. F. Boger (heutiges Gebäude Pfarrstraße 33, um 1870) Goeppingen Synagoge a04.jpg (35110 Byte)   
     Ansicht des Gebäudes von der Pfarrstraße  
     
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Erdgeschoss mit Betsaal 1. Stock mit Frauenempore 2. Stock mit Wohnung und Schulzimmer

Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985
(Fotos: Hahn)
Goeppingen Synagoge a01.jpg (61672 Byte) Goeppingen Synagoge 006.jpg (46966 Byte)
  Ansicht des ehemaligen Synagogengebäudes
   
Foto 2003:
(Foto: A. Winkler)
Goeppingen Synagoge a140.jpg (49321 Byte)  
     

 

Die neue Synagoge 1881-1938  
Historische Fotos / Abbildungen  
(Quelle: Stadtarchiv Göppingen, nähere Nachweise in den Veröffentlichungen des Stadtarchivs, s. Lit.: Reprint von A. Tänzer 1988 und Jüdisches Museum... 1992; farbige Postkarten: Sammlung Hahn) 

Goeppingen Synagoge 008.jpg (89720 Byte) Goeppingen Synagoge 014.jpg (18274 Byte)  Goeppingen Synagoge Detaill.jpg (21179 Byte)
  Die Synagoge im Jahr der Fertigstellung  
        
Goeppingen Synagoge102.jpg (134809 Byte)    Goeppingen Karte02.jpg (93306 Byte)   Goeppingen Karte01.jpg (95356 Byte)    Goeppingen Synagoge101.jpg (52030 Byte) Goeppingen Synagoge 710.jpg (72045 Byte)   Goeppingen Synagoge 711.jpg (68476 Byte)
Die Synagoge als Postkartenmotiv (Karte rechts aus Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
  
Goeppingen Synagoge 341.jpg (51044 Byte)    Goeppingen Synagoge 340.jpg (53414 Byte)  Goeppingen_Synagoge_012.jpg (12333 Byte)  Goeppingen Synagoge 001.jpg (90562 Byte)  
Weitere Karten  Die Synagoge um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932 S. 78)  
    
 Goeppingen Synagoge 013.jpg (26328 Byte)  Goeppingen Synagoge 009.jpg (87251 Byte)    
Innenaufnahme der Synagoge nach der Einweihung 1881   "Musikalische Morgenfeier" 1929, übertragen vom Rundfunk aus der Synagoge Göppingen   
     
Die Zerstörung der Synagoge in der Pogromnacht 1938 Goeppingen Synagoge 011.jpg (47441 Byte)  Goeppingen Synagoge 018.jpg (16779 Byte) 
   Die ausgebrannte Ruine der Synagoge, vermutlich am 10. November 1938 Verkohlte und rauchende Trümmer in der Synagoge

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
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  Gedenktafel für die ehemalige Synagoge
   
Fotos 2003:
(Fotos: A. Winkler)
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Aufgang zum ehemaligen Synagogengrundstück Gedenktafel
      
Fotos 2009: 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.10.2009)
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  Das Grundstück der ehemaligen Synagoge
     
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  Gedenktafel mit Kerzen
        
Das Rabbiner-Tänzer-Haus  Goeppingen Synagoge 570.jpg (106877 Byte) Goeppingen Synagoge 571.jpg (62680 Byte)
  Neben dem Platz der Synagoge: Gebäude des ehemaligen Rabbinates, heute: "Rabbiner-Tänzer-Haus" mit Gedenkinschrift
 
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  Eingangstür mit Spuren der Mesusa

        
        

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Seit 2005: Erinnerung an ermordete jüdische Göppinger durch die Aktion "Stolpersteine"   
Goeppingen Sto 010.jpg (26116 Byte)Links: Foto von Margit Haas: Das Interesse an der NS-Vergangenheit ist groß, wie eine besondere Stadtführung zeigt.     
Bericht von Margit Haas in den "Göppinger Kreisnachrichten" vom 9. Februar 2009:    Stolpersteine wider das Vergessen - Großes Interesse an besonderer Stadtführung in Göppingen 
Sie sind Mahner gegen das Vergessen, die Stolpersteine, die an die während der NS-Diktatur ermordeten Menschen erinnern. Das Interesse an ihrem Schicksal ist ungebrochen, wie eine Stadtführung zeigte. Das Interesse an der NS-Vergangenheit ist groß, wie eine besondere Stadtführung zeigte.
Göppingen Die dunkelste Zeit der Stadtgeschichte ist auch in Göppingen die Zeit der NS-Diktatur. Allerdings hat sich die Stadt dem Thema immer gestellt, nichts vom Unrecht, das an ihren Menschen verübt wurde, geleugnet. Denn auch Göppinger sind ihrer Religion, ihrer Überzeugung wegen oder einfach nur, weil sie krank waren, ermordet worden. Seit 2005 erinnern an 13 von ihnen 13 Stolpersteine. Die Aktion war vom Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen worden, der damit den Opfern ihren Namen wieder gibt. Über 6000 Steine gibt es in Deutschland an den letzten bekannten Wohnorten der Opfer. Sie enthalten ihren Namen und, soweit bekannt, ihre Lebensdaten. Die Steine in Göppingen sind über das ganze Stadtgebiet verteilt, und so brauchten die Teilnehmer der Führung von Thilo Keierleber gutes Schuhwerk und warme Kleidung für ihren rund zweistündigen Gang durch die Stadt. Vor dem Christophsbad sind zwar keine Steine verlegt, doch auch hier waren Opfer zu beklagen. Waren doch die psychisch Kranken bei der "Aktion T 4" ermordet worden. Außer dem Stolperstein erinnert in der Metzgerstraße nichts mehr an das Ehepaar Pauline und David Geschmay, die Gründer der Filztuchfabrik. Pauline war eine mutige Frau, sammelte Unterschriften gegen Hitlers Rassegesetze. David widersetzte sich der Arisierung. David "geht in Theresienstadt elend zugrunde, von Pauline, die ins Vernichtungslager Treblinka deportiert wurde, wissen wir nicht einmal das Todesdatum". In der Karlstraße lebte Theodor Kynast. Als Patient des Christophsbades wurde er nach Winnenden abtransportiert und wusste ganz genau, was mit ihm geschehen würde. In den Dingen, die seinen Eltern nach der Ermordung geschickt worden waren, war auch ein Keks, auf den er schrieb "Abteilung Mörder". Ein Bild dieses Kekses ist heute im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen. Albert Schuler, ab 1939 technischer Leitung des Schulerkonzerns, war erklärter Gegner des Regimes. Er wartete "auf den Tag, an dem der Führer ums Leben gebracht wird", so die Anklageschrift des Volksgerichtshofes, der ihn zum Tode verurteilte. Besonders zu Herzen gehen die vier Steine vor dem "Reben" in der Marktstraße. Die ganze Familie Rosinberg war ausgelöscht worden, auch die 1933 und 1936 geboren Kinder Heinz und Arnold. Nichts ist bekannt über ihr Schicksal, "verschollen in Riga", mehr wissen die Steine nicht zu berichten. Vor dem Rabbinerhaus erinnert ein Stein an Bertha Tänzer, vor dem "Marstall" an Johann Gahr. Der Kommunist starb auf nicht geklärte Weise im Gefängnis. Die meisten Passanten "stolpern" wohl über die Steine, die an Betty und Louis Heimann im Herzen der Stadt erinnern. 
 
 

       
 

Links und Literatur

Links:

Informationsseiten des Stadtarchivs Göppingen zur jüdischen Geschichte von Göppingen und Jebenhausen (deutsch) oder (englisch)
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Göppingen (interner Link)

Literatur (Auswahl):

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 84ff.
Goeppingen Buch 001.jpg (56164 Byte)Aaron Tänzer: Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen. Berlin/Stuttgart/Leipzig 1927. Reprint und zusätzliche Beiträge von Karl-Heinz Rueß über "Die Israelitische Gemeinde Göppingen 1927-1945" und "Dr. Aron Tänzer - Leben und Werk des Rabbiners" Weißenhorn 1988.
Germania Judaica II,1 S. 281; III,1 S. 444.
Dieter Kauß: Juden in Jebenhausen und Göppingen 1777 bis 1945. (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen Band 16). Göppingen 1981.
Walter Keller: Pfarrstraße 33 – Das Haus der ersten Göppinger Synagoge, in: Schwäbische Heimat (1982) S. 190-193.
Doris Kühner: Der Rabbiner Dr. Aron Tänzer und die jüdische Gemeinde in Göppingen. Zulassungsarbeit zur Ersten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen an der PH Schwäbisch Gmünd. Schwäbisch Gmünd 1981.
Karl Heinz Burmeister (Hg.): Rabbiner Dr. Aron Tänzer. Gelehrter und Menschenfreund 1871-1937. (=Schriften des Vorarlberger Landesarchivs Nr. 3) 1987.
Naftali Bar-Giora Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe Jebenhausen und Göppingen. 1990.
Jüdisches Museum Göppingen in der Alten Kirche Jebenhausen. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen Band 29). Weißenhorn 1992.
Karl-Heinz Rueß: "Was in Paris geschah, das habt ihr zu büßen!". Die Reichspogromnacht in Göppingen. Göppingen 1999.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 71-74.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

  

Hinweis auf die Publikationen von Inge Auerbacher           

Kippenheim IAuerbacher 010.jpg (61713 Byte) Inge Auerbacher (geb. 1934 Kippenheim), erste Lebensjahre in Kippenheim (Poststraße 20) sowie Jebenhausen und Göppingen; 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert; nach der Befreiung durch die Rote Armee zunächst im DP-Flüchtlingslager in Stuttgart, kurze Zeit in Göppingen; im Mai 1946 in die USA ausgewandert (New York"), von Beruf Chemikerin.   
Autorin verschiedener Bücher, u.a. autobiographisches Kinderbuch: "Ich bin ein Stern"; lebt in New York. 
Wikipedia-Artkel zu Inge Auerbacher.  

   
 


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Goeppingen  Wuerttemberg. The early Jewish community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. The few Jews there in 1462 were expelled soon after and only two families were present in 1849. Another two, arriving from Jebenhausen in the following year, established the local textile industry and in a short while there were about a dozen Jewish-owned corset factories in the town, the two largest of which each employed nearly 1,000 people. By 1880 there were 242 Jews in Goeppingen (total 22,383). A synagogue seated 278 was opened in 1881. The textile industry recovered after the war and included seven Jewish-owned spinning mills. In the Nazi era, Jewish public life was maintained in the face of growing anti-Jewish agitation. The first Zionist meeting was held in 1933, attracting most of the town's Jews, and a Jewish elementary school was opened in 1936. The influx of Jews from other settlements balanced those leaving, so that a population of over 300 was maintained for most of the 1930s. The synagogue was burned in Kristallnacht (9-10 November 1938) and Jewish stores were looted. A total of 259 Jews emigrated. The 84 who remained were expelled in 1941 and 1942, most to the Riga and Theresienstadt ghettoes, where they met their end.

  

                   
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Stand: 11. März 2010