Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)   
   
In der altwürttembergischen Stadt Göppingen lebten Juden zunächst im Mittelalter. Ob es zur Bildung einer Gemeinde mit eigenen Einrichtungen kam, ist nicht bekannt. Während der Judenverfolgung in der Pestzeit 1349 wurden die Juden Göppingens ermordet. 1462 lebte wieder - mit Erlaubnis von Graf Eberhard dem Jüngeren - eine jüdische Familie in der Stadt, die jedoch einige Zeit später wieder ausgewiesen wurde. Wie im ganzen Herzogtum Württemberg konnten sich bis zum 19. Jahrhundert keine Juden mehr in der Stadt niederlassen.   
        
Erst um 1850 konnten wieder Juden in der Stadt zuziehen, unter ihnen mehrere Fabrikanten aus Jebenhausen, die in Göppingen bedeutende Industrieunternehmen (vor allem in der Textilbranche) aufbauten. Eine jüdische Gemeinde wurde 1867 begründet. Die Zahl jüdischer Einwohner in der Stadt war gestiegen von zwei jüdischen Familien (1849; Familien der Jebenhäuser Fabrikanten Josef Raff und Salomon Einstein) auf zehn Familien (1857) im Jahr der Gemeindegründung 174 jüdische Einwohner. Die meisten der jüdischen Familien/Personen waren aus Jebenhausen zugezogen, einige auch aus Ludwigsburg, Laupheim, Lauchheim, Mühlbach in Baden, Neckarsulm, Nordstetten und anderen Orten.    
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (Schulraum bis 1881 im Gebäude der alten Synagoge) und (seit 1904) einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Seit 1874, der Verlegung des Rabbinates durch Rabbiner Max Herz von Jebenhausen nach Göppingen, war Göppingen Sitz eines der württembergischen Bezirksrabbinate (zu den Rabbinern siehe unten).  
   
Die Gemeinde nahm einen weiter schnellen Aufschwung: 1880 wurden 242 jüdische Einwohner gezählt (2,2 % von insgesamt 10.851 Einwohnern), 1890 271, 1900 325 und 1910 311 (1,4 % von insgesamt 22.373 Einwohnern). Zur jüdischen Gemeinde in Göppingen gehörten auch die in der Umgebung lebenden jüdischen Personen: in Jebenhausen (nach Schließung der dortigen Gemeinde, 1924 4 jüdische Einwohner), Süßen (1924 8) und Kirchheim unter Teck (Filialgemeinde, 1924 25 jüdische Einwohner). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Salo Brauer (geb. 1.3.1876 in Peiskretscham, gef. 2.12.1914), Milton Hirsch (geb. 14.1.1889 in Göppingen, gef. 30.11.1914), Unteroffizier Albert Netter (geb. 23.2.1891 in Göppingen, gef. 26.11.1918), Max Netter (geb. 6.5.1879 in Göppingen, gef. 11.4.1916), Eugen Rothschild (geb. 5.10.1896 in Göppingen, gef. 5.7.1916), Leutnant Arthur Simon (geb. 28.2.1894 in Göppingen, gef. 31.10.1918). Insgesamt nahmen 92 jüdische Gemeindemitglieder am Krieg teil, neun davon als Kriegsfreiwillige (unter ihnen Rabbiner Dr. Tänzer und sein Sohn Paul).      
       
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1925 mit 351 Personen erreicht (1,6 % von insgesamt 22.017 Einwohnern). 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde: Rabbiner Dr. Arnold Tänzer, Salomon Ottenheimer, Religionslehrer Carl Bodenheimer, David Fleischer, Sigmund Frankfurter und Theodor Rosenthal. In der Gemeinde gab es 54 schulpflichtige Kinder, denen der Religionsunterricht durch Rabbiner Tänzer und Religionslehrer Bodenheimer erteilt wurde. Bodenheimer war auch als Kantor und Schochet in der Gemeinde tätig. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere: die Israelitische Wohlfahrtszentrale (gegründet 1922, 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 90/60 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Wirtschafts-, Gesundheits- und Jugendfürsorge), der Israelitische Wohltätigkeitsverein (gegründet 1876; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 86/98 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege), der Israelitische Unterstützungsverein (gegründet 1901; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 70 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Darlehensgewährung), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1881, 1924 unter Leitung von Emilie Fleischer mit 84 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Mathilde Steiner mit 95 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenfürsorge, Unterstützung Hilfsbedürftiger), der Jüdische Jugendverein (1924 unter Leitung von Heinrich Frankfurter mit 40 Mitgliedern), der Israelitische Jungfrauenverein, der Verein Merkuria (gegründet 1868, 1924 unter Leitung von Siegmund Frankfurter mit 90 Mitgliedern; Ziel: Pflege der Geselligkeit), eine Ortsgruppe des Centralvereins (1924 unter Leitung von Max Ottenheimer), eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1924 unter Leitung von Dr. med. Salinger). 1932 war 1. Gemeindevorsteher Julius Guggenheim. Als Religionsoberlehrer war inzwischen Lehrer Levi in der Gemeinde tätig.         
    
Den jüdischen Einwohnern kommt ein wichtiger Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung Göppingens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu. Außer den Industrieunternehmen gehörten ihnen bis nach 1933 zahlreiche andere Handels- und Gewerbebetriebe. Um 1930 gab es auch zwei jüdische Ärzte, einen Zahnarzt, einen Rechtsanwalt und einen Apotheker.  
  
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels-, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien/Einzelpersonen sind bekannt (Auswahl; die Liste wurde am 21.12.2014 auf Grund der Recherchen von Klaus Maier-Rubner korrgiert): Borato Destillerie, Brennerei und Likörfabrik sowie Tabakfabrikate, Inh. Eugen Bernheimer (Geislinger Straße 3), Korsettfabrik Bergmann & Sohn, Inh. Alfred Stern und Wilhelm Eckhoff (Ulrichstraße 16), Schürzen- und Wäschefabrik Brüder Block (Schillerstraße 48), Bahnhotel Göppingen Inh. Geschw. Dettelbacher mit Metzgerei Dettelbacher, Inh. Max Krämer (Bahnhofstraße 4), Viehhandlung Julius Dörzbacher (Bahnhofstraße 28), Fell- und Darmgroßhandlung Josef Einstein & Söhne, Inh. Stefan Banemann und Josef Einstein (Burgstraße 14), Textilwaren Einstein & Guggenheim (Grabenstraße 20), Mech. Buntweberei Gebr. Frankfurter, Teilh. Heinrich, Jakob und Sigmund Frankfurter (Bahnhofstraße 34), Fa. Süßkinds Kleidermagazin, Inh. I. Fränkl (Marktstraße 5), Kurz- und Modewaren Fa. Freudenberger & Co., Inh. Wilhelm Böhm (Langestraße 11), Württembergische Filztuchfabrik, Inh. David Geschmay (Metzgerstraße 16), Schuhhaus Peter Gold, Inh. Heinrich Schiffmann (Hauptstraße 11; wurde 1952 wieder eröffnet); Spinnereien und Webereien A. Gutmann & Co. GmbH (Poststraße 2), Textilwaren Julius Gutmann (Marktstraße 72), Baumwollspinnerei an der Fils, Inh. R. & S. Gutmann (Fabrikstraße 12), Gelatinefabrik Paul Hausmeister & Cie., Inh. Paul Hausmeister und Arthur Mändle (Gartenstraße 40), Textilwaren Julius Heimann (Bahnhofstraße 26), Modewaren und Damenkonfektion Fa. Adolf Heimann (Hauptstraße 2), Baumwollwaren Hugo Heumann (Ziegelstraße 2), Textilwaren Emil Hilb (Poststraße 11), Textilwaren Eugen Hilb (Poststraße 6), Futterstoffe Karl Hirsch (Spitalstraße 17), Dr. med. Salo Krämer (Marktplatz 3), Dr .med. Max Landauer (Hauptstraße 31), Tee- und Kaffeevertretung Klara Lang (Christophstraße 59), Kaufhaus Georg Lendt (Untere Marktstraße 8), Kolonialwaren Gisela Löwenstein (Geislinger Straße 6), Getreidegeschäft Fa. Heinrich Löwenstein, Inh. Julius Löwenstein (Poststraße 18), Büchereinbandstoffe Fa. Netter & Eisig, Inh. Heinrich Netter und Ludwig Eisig (Bahnhofstraße 25-27), Herrenkleiderfabrik Josef Ostertag, Inh. Paul Ostertag (Langestraße 20), Metzgerei Simon Oppenheimer (Grabenstraße 18), Mech. Weberei Gebr. Ottenheimer, Inh. Max Ottenheimer (Marstallstraße 40), Chemische Produkte Milton Rohrbacher (Gartenstraße 31), Chemische Fabrik Fa. Kinessa, Inh. Siegfried Rohrbacher (Filsstraße 52), Kurzwaren Leopold Rosenthal (Poststraße 12), Korsettenfabrik Rosenthal (Poststraße 12), Korsettenfabrik Rosenthal, Fleischer & Cie., Zahnarzt Dr. Albert Sallinger (Poststraße 25), Öl- und Leimgroßhandlung, Chemisch-technische Produkte, Wagen- und Pferdedecken, Inh. Viktor Schwab (Karlstraße 38), Rechtsanwalt Dr. Albert Steiner (Bahnhofstraße 6), Dr. med. Erich Steinthal (Uhlandstraße 9), Filztuchfabrik Karl Veit (Ulmer Straße 41), Viehhandlung Berthold Wertheimer (Bleichstraße 10), Staufia-Verkaufsgesellschaft, Fa. Wohlwerth, Inh. Julius Guggenheim (Hauptstraße 40).   
    
1933 wurden 314 jüdische Einwohner in Göppingen gezählt (1,4 % von insgesamt 23.007 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien aufgewandert oder in andere Orte verzogen. Da sich der nationalsozialistische Rassenhass in Göppingen jedoch nicht ganz so stark wie in anderen Städten hervortat, sind andererseits nach Göppingen zwischen 1933 und 1940 noch 189 jüdische Personen zugezogen. Dennoch wurden auch hier die jüdischen Einwohner immer mehr isoliert und zur Aufgabe ihrer Betriebe und Geschäfte gezwungen. Die letzten jüdischen Betriebe wurden im November und Dezember 1938 zwangsenteignet. 1936 musste eine eigene jüdische Schule eingerichtet werden, da die jüdischen Kinder die öffentlichen Schulen nicht mehr besuchen durften. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). Zahlreiche jüdische Männer wurden verhaftet und einige von ihnen monatelang im KZ Dachau festgehalten. Am 1. Dezember 1941 wurden 40 jüdische Göppinger ins KZ Riga/Jungfernhof deportiert, am 26. April 1942 weitere sieben Personen nach Izbica bei Lublin (Polen). 26 Personen wurden am 22. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt verbracht. Nur sechs Göppinger Juden kehrten, abgesehen von den Dachau-Häftlingen, aus den Konzentrationslagern zurück, unter ihnen die 1934 geborene Inge Auerbacher und ihre Eltern (siehe Hinweis unten bei der Literaturliste).      
   
Von den in Göppingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", korrigiert und ergänzt am 21.12.2014 auf Grund der Recherchen von Klaus Maier-Rubner): Paula Adelsheimer (1914), Martha Bär geb. Rohrbacher (1901), Erich Banemann (1922), Hedwig Banemann geb. Wortsmann (1890), Inge Banemann (1930), Stefan Banemann (1891), Elise Bensinger geb. Wertheimer (1877), Erna Bechhöfer (1901), Elise Bensinger (1877), Hermine Bernheimer (1870), Sofie Bodenheimer geb. Dettelbacher (1863), Erna Brandt (1902), Gretchen Babette Brauer (1900), Rosa Bühler geb. Heumann (1870), Julian Cohn (1911), Robert Leopold Einstein (1902), Albert Erlanger (1879), Fritz Erlanger (1913), Elsa Falkenstein geb. Bergmann (1881), Josef Fellheimer (1889), Theodor Fellheimer (1886), Rosalie Felsenthal (1891), Arthur Fleischer (1888), Bernhard Fleischer (1879), Irma Fleischer geb. May (1894), Julius Fleischer (1882), Rosa Fleischer geb. Goldstein (1874), Wilhelm Fleissig (1906), Isidor Fränkl (1885), Minna Fränkl geb. Reilinger (1881), Marianne Frank geb. Rosenthal (1921), Rosa Frank (1920), Hedwig Frankfurter geb. Epstein (1877), Jakob Frankfurter (1868), Sigmund Frankfurter (1866), Johanna Frey (1872), David Geschmay (1859), Pauline Geschmay geb. Schlossberger (1865), Emilie Goldstein (1875), Pauline Guggenheim geb. Hammel (1887), Elsa Hammer geb. Fellheimer (1884), Betty Heimann geb. Bergmann (1888), Felicia Heimann (1906), Jenny Heimann geb. Sicher (1873), Ludwig Heimann (1877), Rosa Herzberger geb. Mannheimer (1870), Emil Hilb (1864), Elsa Hirsch (1898), Hedwig Hirsch geb. Löwenstein (1871), Max Hirsch (1859), Jenny Hirschhahn (1882), Ernst Hofmann (1872), Pauline Israel geb. Gutmann (1852), Rosa Jacobsohn (1886), Heinrich Jochsberger (1909), Thekla Kahn geb. Rohrbacher (1868), Emil Katz (1904), Friedrich Katz (1906), Gerhard Katz (1933), Herbert Katz (1909), Ilse Katz geb. May (1913), Johanna Katz geb. Frank (1874), Rosa Katz (1905), Else Kooperberg geb. Sinn (1904), Esther Kutner geb. Zitter (1882),  Else Ledermann (1898), Friederike Lehmann geb. Raff (1857), Georg Lendt (1873), Martha Liebermann (1890), Ida Löwenstein geb. Gunz (1875), Wilhelm Löwenstein (1874), Bodo Löwenthal (1911), Edith Löwenthal (1922), Elsa (Else) Maier geb. Weinstock (1883), Rosa Maier geb. Weinstock (1880), Friederike Mayer geb. Freudenberger (1888), Paula Mendle geb. Hirsch (1892), Felix Morgenroth (1891), Elsbeth Oberdorfer geb. Hilb (1900), Franz Sepp Oberdorfer (1938), Ludwig Oberdorfer (1893), Frida Oppenheimer geb. Ullmann (1888), Simon Oppenheimer (1877), Isaak Piotrkowski (1881), Rebekka Piotrkowska geb. Goldmann (1885), Siegmund Piotrkowska (1912), Julius Raff (1868), Jacob Regensburger (1890), Julius Regensburger (1881), Doris Rödelsheimer (1930), Liese Rödelsheimer (1928), Hedwig Rosenbusch geb. Rohrbacher (1877), Arnold Rosinberg (1936), Fritz Rosinberg (1901), Heinz Rosinberg (1933), Irma Rosinberg geb. Hirschhahn (1906), Selma Schottländer (1885), Hannacha Schwab (1941), Marianne Schwab geb. Frank (1921), Max Schwab (1909), Marianne Schwenzer (1879), Helene Simon geb. Hirsch (1863), Sofie Simon (1891), Lotte Sinn geb. Dreifuss (1880), Gretchen Steiner geb. Kirchhausen (1903), Erna Stern geb. Strauss (1893), Hilde Berta Stern (1929), Leo Stern (1892), Isaak Wassermann (1888), Therese Wassermann (1884), Alice Weil (1906), Hedwig Weil geb. Rosental (1881), Lina Weil (1887), Paula Zitter (1881), Rosa Zitter geb. Rottmann (1907), Sara Zitter (1910).                     
    
Im Göppinger Schlossgarten steht seit 1995 ein Gedenkstein für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. – Ende November 1941 wurden die zur Deportation bestimmten Göppinger Juden in der Turnhalle der Schiller-Realschule gesammelt; seit Januar 2003 erinnert am Eingang dieser Schule eine Gedenktafel an dieses Geschehen.
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
       
Aus der Geschichte des Rabbinates in Göppingen  
   
Rabbiner in Göppingen waren:  

Max (Manasse) Herz (geb. 1815 in Kochendorf, gest. 1904 in Göppingen): studierte seit 1836 in Tübingen, wo er 1841 die Erste Dienstprüfung ablegte; danach Vikar des Stadtrabbiners Joseph Maier in Stuttgart; seit 1844 Rabbinatsverweser, seit 1846 Bezirksrabbiner in Jebenhausen. 1868 verlegte er seinen Wohnsitz nach Göppingen; seit 1874 war auch der Rabbinatssitz in Göppingen. Er trat 1895 in den Ruhestand.         
Dr. Hermann Kroner (geb. 1870 in Münster/Westfalen, gest. 1930 in Oberdorf): Sohn des Kirchenrats Dr. Theodor Kroner in Stuttgart; 1895 bis 1897 Rabbinatsverweser in Göppingen, 1897 bis 1930 Rabbiner in Oberdorf am Ipf (bedeutender Maimonides-Forscher).      
Jesajas Straßburger (geb. 1871 in Buttenhausen, gest. 1915): studierte in Tübingen, 1895-1897 Rabbinatsverweser in Oberdorf, 1897-1906 Rabbiner in Göppingen, 1906-1915 Rabbiner in Ulm
Dr. Arnold (Aron) Tänzer: (geb. 1871 in Pressburg, gest. 1937 in Göppingen): studierte in Pressburg, Berlin und Bern; 1896 bis 1905 Rabbiner in Hohenems, 1905 bis 1907 Rabbiner in Meran, 1907 bis 1937 Rabbiner in Göppingen (1915 bis 1918 Feldrabbiner). An seinen Wirkungsorten hinterließ er viele Spuren seines unermüdlichen Engagements für soziale und kulturelle Belange. Verfasser zahlreicher lokalhistorischer Werke. In Göppingen legte Rabbiner Tänzer seit 1909 den Grundstock für eine Volksbibliothek, der späteren Städtischen Leihbücherei. Seit 1921 war er Ehrenmitglied des Göppinger Veteranen- und Militärvereins "Kampfgemeinschaft". An ihn erinnert in Göppingen das "Rabbiner-Tänzer-Haus" (siehe Fotos unten, früheres Rabbinatsgebäude). 

 
Einzelne Texte aus jüdischen Periodika zum Rabbinat  
Verlegung des Rabbinatssitzes von Jebenhausen nach Göppingen (1874)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Dezember 1874: "Der Sitz des Rabbinats Jebenhausen ist nun definitiv nach Göppingen verlegt worden, woselbst der Rabbiner, Herr Herz, schon seit mehreren Jahren unter Genehmigung des Königlichen Kultusministeriums seinen Wohnsitz genommen hatte."   

     
 70. Geburtstag von Rabbiner Herz (1885)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Dezember 1885: "Aus Göppingen schreibt man: Am 24. November feierte Herr Rabbiner Herz hier seinen 70. Geburtstag. Am Vorabend wurde er durch ein Ständchen des Liederkranzes erfreut und dankte er den Mitgliedern dieses Vereins für die ihm erwiesene Ehrenbezeigung in sehr warmen Worten. Gestern Vormittag wurde dem Jubilar von den Vertretern der israelitischen Gemeinden Göppingen und Jebenhausen eine kalligraphisch ausgeführte Adresse überreicht, in welcher die großen Verdienste um seine Gemeinden hervorgehoben wurden. Zugleich wurde eine Ehrengabe übergeben, welche von Seiten des Herrn Rabbiner zur Gründer einer 'Rabbiner Herz-Stiftung' bestimmt worden ist. Herr Oberamtmann Mosthaf überbrachte ihm ein Gratulations- und Anerkennungs-Schreiben der israelitischen Oberkirchenbehörde. Abends fand im Gasthaus Dettelbacher ein Bankett statt, an welchem sich beinahe sämtliche Gemeindemitglieder beteiligten".       

 
Auszeichnung für Rabbiner Max Herz zum 40-jährigen Amtsjubiläum (1886) 
   

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Mai 1886: "Bonn, 25. April (Notizen). Seine Königliche Majestät haben dem Rabbiner Herz in Göppingen aus Anlass seines vierzigjährigen Amtsjubiläums das Ritterkreuz zweiter Klasse des Friedrichsordens verliehen."   

   
Rabbiner Max Herz wird zum Kirchenrat ernannt (1894)  

Goeppingen Israelit 28121894.jpg (126325 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1894: "Göppingen, 24. November (1894). Dem hiesigen Herrn Rabbiner Herz ist aus Anlass seines heute (Samstag) stattfindenden fünfzigjährigen Amtsjubiläums der Titel eines Kirchenrats mit dem Rang der 7. Stufe verliehen worden. In Folge dessen fand sich gestern Vormittag das theologische Mitglied der Königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde, Herr Kirchenrat Dr. Kroner von Stuttgart mit Herrn Oberamtmann Dr. Schönmann und den Mitgliedern des Kirchenvorsteheramtes, bei dem Jubilar ein, um persönlich die Urkunde über die seltene Auszeichnung nebst den Glückwünschen Seiner Exzellenz, des Herrn Staatsministers Dr. von Sarwey der Oberkirchenbehörde und des Vereins der Rabbiner Württembergs in herzlichen und beredten Worten zu überreichen. Der greise Jubilar dankte bewegt für die ihm gewordene Auszeichnung. Gestern Abend wurde dem allbeliebten, von Pflichttreue erfüllten Herrn Kirchenrat Herz von Seiten des hiesigen Liederkranzes ein Ständchen gebracht, heute früh hat derselbe einen Festgottesdienst abgehalten und abends findet ein Festessen zu Ehren des Jubilars statt. Die Gemeinde wird eine Stiftung für junge Leute zum Lehrzweck errichten, die den Namen des Jubilars tragen wird. Möge es ihm, der seit nunmehr 50 Jahren in einem und demselben Bezirk als Geistlicher gewirkt hat, vergönnt sein, noch lange seines Amtes als treuer und gewissenhafter Seelsorger seiner Gemeinde zu walten! (Israelitische Wochenschrift)."   

   
Rabbiner Max Herz wird in den Ruhestand versetzt (1895) 
 

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juni 1895: "Rabbiner Kirchenrat Herz in Göppingen, der im verflossenen Jahre seinen 80. Geburtstag und damit sein 50-jähriges Dienstjubiläum als Rabbiner in Jebenhausen - Göppingen feierte, wurde in den Ruhestand versetzt."    

 
Zum Tod von Rabbiner Max Herz (1904)  

Goeppingen Israelit 11081904.jpg (78119 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1904: "Aus Württemberg. 4. August (1904). Heute wurde in Göppingen der älteste württembergische Rabbiner, der im Jahre 1916 in Kochendorf geborene Kirchenrat a.D. M. Herz unter größerem Geleite zu Grabe getragen. Nach vollendetem Studium übernahm Herz 1840 die Stelle eines Hauslehrers im Hofrat Pfeifferschen Hause und erhielt 1845 das Rabbinat Jebenhausen, das später nach Göppingen verlegt wurde. Diese Stelle verwaltete er bis zu seiner 1895 erfolgten Pensionierung. Anlässlich seines 70. Geburtstages erhielt er den Friedrichsorden und 1895 den Titel eines Kirchenrats. Mehrere Jahrzehnte lang war Herz Mitglied der Königlichen Prüfungskommission für die württembergischen Rabbinen. In der Synagoge gab Rabbiner Straßburger den Gefühlen der Teilnahme beredten Ausdruck; am Grabe widmeten Rabbiner Katz – Heilbronn und Kirchenvorsteher Fleischer dem Verstorbenen einen warmen Nachruf."    

  
Rabbiner Straßburger wird als Rabbiner in Ulm gewählt (1906) 
  

Ulm FrfIsrFambl 03081906.jpg (16534 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1906: "Ulm. Rabbinerwahl. Das hiesige Rabbinat wurde Herrn Rabbiner Straßburger - Göppingen übertragen."          

 
Rabbiner Dr. Tänzer wird von orthodox-jüdischer Seite kritisiert (1911)   

Goeppingen FrfIsrFambl 15091911.jpg (68147 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1911: "Stuttgart. Die Generalversammlung des ‚Württembergischen Landesverbands für die Interessen des gesetzestreuen Judentums’ fasste folgende Resolution: ‚Der Landesverband protestiert energisch gegen die von Rabbiner Dr. Tänzer in Göppingen in verschiedenen Blättern gebrachten Artikel, da diese die selbst an höchsten Stellen anerkannte Verschiedenheit der gesetztreuen und neologen Richtung im Judentum in Abrede zu stellen versuchten, um das orthodoxe Judentum und insbesondere einzelne Personen, die sich um dasselbe verdient gemacht, zu diskreditieren. Es handelt sich bei diesen Differenzen nicht um ‚Ritualformen, die Privatsache sind’, sondern um grundlegende Glaubenssätze des für das Judentum für alle Zeiten verbindlichen Torahgesetzes.’


Zum Tod der Frau von Rabbiner Dr. Tänzer (1912)  

Goeppingen FrfIsrFambl 25091912.jpg (29405 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. September 1912: "Göppingen. Im Alter von 37 Jahren verschied die Gattin Rabbiners Dr. Tänzer, eine Frau von vornehmer Gesinnung. Sie war eine Tochter des Oberrabbiners Markus Handler seligen Andenkens in Totis (Ungarn) und Schwester Rabbiners Dr. Simon Hevesi – Budapest".

   
Auszeichnung für Rabbiner Tänzer (1916)
      

Hohenems FrfIsrFambl 29121916.jpg (54809 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Dezember 1916: "Dem Armeerabbiner der kaiserlich deutschen Bugarmee Dr. Tänzer ist von Seiner Majestät dem Kaiser von Österreich das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen worden. Armeerabbiner Dr. Tänzer stammt aus Preßburg und ist bereits früher durch Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und des Ritterkreuzes des königlichen württembergischen Friedrichsordens 1. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet worden. Er war früher Landesrabbiner von Tirol und Vorarlberg."   

   
Rabbiner Dr. Tänzer widmet eines seiner Bücher Prinz Leopold von Bayern (1917)  

Goeppingen AZJ 02031917.jpg (36259 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. März 1917: "Aus Ludwigsburg wird uns geschrieben: Seine Königliche Hoheit der Herr Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern hat die Widmung des vom Armeerabbiner der Bugarmee, Dr. Tänzer, verfassten und derzeit im Erscheinen begriffenen Buches ‚Die Geschichte der Juden in Brest-Litowsk’ angenommen."      

   
Zum Tod der Frau von Rabbiner Dr. Tänzer (Eleonore Rose geb. Handler, geb. 1875, gest. 1912)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September 1912: "Göppingen, 17. September (1912). Die Familie unseres verehrten Herrn Rabbiners Dr. Tänzer ist in tiefe Trauer versetzt worden. Am 8. September schied Frau Rabbiner Dr. Tänzer, geb. Handler, eine Tochter des ehemaligen Totiser (sc. Totis = Tata, Ungarn) Rabbiners Mark Handler und Schwester des Budapester Rabbiners Dr. Simon Hevesi im Alter von 37 Jahren nach kurzem schweren Leiden aus dem Leben. Ein überaus glückliches Eheleben hat hier der Tod zerstört, und vier unmündige Kinder beklagen den Tod der besten aller Mütter. Unter überaus zahlreicher Teilnahme aller Bevölkerungskreise, Vertreter der Stuttgart-Loge, mehrerer benachbarter Rabbiner, der evangelischen Stadtpfarrer usw. fand am 10. September die Beerdigung auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe statt. Nachdem Herr Lehrer Bodenheimer die kantoralen Funktionen versehen hatte, hielt Herr Kirchenrat Dr. Kroner aus Stuttgart auf Einladung des Kirchenvorsteheramts die Leichenrede, in welcher er in ergreifender Weise die hervorragenden Tugenden, den Edelsinn und das glückliche Eheleben der so früh Verewigten schilderte. Es war ein tieferschütternder Moment, als hierauf der gramgebeugte Gatte an den Sarg trat, um unter heißen Tränen seiner edlen Frau für alle ihre Liebe und Güte zu danken. - Das Andenken der so beliebten, einfachen, herzensguten Frau wird allezeit ein gesegnetes sein. Sie ruhe in Frieden!"     

     
60. Geburtstag von Rabbiner Dr. Tänzer (1931)        

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 28. Januar 1931: "Göppingen (Rabbiner Dr. Tänzer 60 Jahre alt). Rabbiner Dr. Tänzer darf am 30. Januar seinen 60. Geburtstag feiern. Seit 23 Jahren steht er im Dienst der württembergischen Religionsgemeinschaft und übt als Rabbiner der Gemeinde Göppingen eine überaus segensreiche Tätigkeit aus. Nicht nur als vorzüglicher und geistvoller Kanzelredner ist Dr. Tänzer geschätzt, sondern als ein tüchtiger Lehrer und gewissenhafter, feinfühliger Seelsorger. Darüber hinaus ist er in den weiteren Kreisen seiner Heimatstadt als Gelehrter, besonders auf literarischem und philosophischem Gebiet, bekannt und seine Vorträge über solche Wissenskreise werden gern gehört. Vor seinem Eintritt in den Dienst der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs war Dr. Tänzer als Rabbiner der Gemeinde Hohenems und später in Meran tätig. Aus jener Zeit stammt eine Arbeit über die Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg, wie sein 1928 erschienenes Buch über die Gemeinden Jebenhausen und Göppingen dem Gebiet seines heutigen Wirkungskreises entnommen ist. Während des Krieges war Dr. Tänzer Armeerabbiner im Osten; er hatte sich der Heeresverwaltung freiwillig zur Verfügung gestellt. Trotz seiner 60 Jahre ist Dr. Tänzer heute noch voll sprudelnder Frisch und geistig überaus rege."            

  
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle zunächst eines privaten Lehrers 1852 / 1860 , dann der Stelle eines  Religionslehrers / Vorbeters / Schochet

Goeppingen AZJ 12011852.jpg (62743 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1852: "Göppingen, im Königreich Württemberg. Offene Stelle für einen Hauslehrer. Wir suchen bis zum Frühling dieses Jahres für 5 Kinder, im Alter von 5-7 Jahren, einen Hauslehrer, der in der Religion und im Hebräischen gründlichen Unterricht zu geben, und sich hierüber, wie über seine Moralität, mit genügenden Zeugnissen auszuweisen im Stande ist. Humane Behandlung, angemessenes Salär, nach Umständen auch Reisekostenentschädigung werden zugesichert.  Hierauf Reflektierende wollen sich über die weiteren Bedingungen in frankierten Zuschriften wenden an  Kaufmann & Gebrüder Gutmann, Fabrikanten. Den 5. Januar 1852."  
  
Goeppingen AZJ 09101860.jpg (38472 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Oktober 1860: "Offene Lehrerstelle. Göppingen (Württemberg), 30. September 1860. Mehrere Familien hier suchen einen ledigen Lehrer, der tägliche einige Stunden hebräischen Unterricht zu erteilen hat. Frankierte Anträge nimmt entgegen und nähere Auskunft erteilt Jos. Raff."
 
Goeppingen AZJ 10031874.jpg (46614 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. März 1874: "Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher die Funktionen eines Schächters verbunden sind, und die mit den Nebeneinkünften ein jährliches Einkommen von circa 800 Gulden neben freier Wohnung gewährt, soll sofort besetzt werden. Portofreie Meldungen nebst Zeugnissen sind in tunlicher Bälde an das Unterzeichnete zu richten. Göppingen, den 12. Februar 1874. Das israelitische Kirchenvorsteheramt."
 
Goeppingen AZJ 21031876.jpg (59987 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. März 1876: "Göppingen (Württemberg), im Februar 1876. Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich der Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll bis April dieses Jahres mit einem seminaristisch gebildeten Manne, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor und in Begleitung eines Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt."
   
Anmerkung: In der nachfolgenden Anzeige in der orthodox-konservativ geprägten Zeitschrift "Der Israelit" bleibt in der Ausschreibung vermutlich bewusst das Harmonium in der Synagoge unerwähnt. 
Goeppingen Israelit 09021876.jpg (60761 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1876: "Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich der Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll anfangs April dieses Jahres mit einem seminaristisch gebildeten Mann, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen, mit Zeugnissen belegt, sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt. Göppingen (Württemberg), Januar 1876."
 
Goeppingen AZJ 12031878.jpg (47180 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. März 1878: "Göppingen (Württemberg), im März 1878. Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich der Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll sofort mit einem seminaristisch gebildeten Manne, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor und in Begleitung eines Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt." 
 
Goeppingen Israelit 13031878.jpg (67669 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1878: "Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich die Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll sofort mit einem seminaristisch gebildeten Manne, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor und in Begleitung eines Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in tunlicher Bälde zu richten an das Israelitische Kirchenvorsteheramt. Göppingen (Württemberg), im März 1878."   

   
      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben             
Im Museumsverein werden jüdische Personen von der Mitgliedschaft noch ausgeschlossen (1860)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Juni 1860: "Bricht sich in erfreulicher Weise das Verdienst tüchtiger Israeliten auch in nichtjüdischen Kreisen Bahn, so muss es bedauert werden, dass der Aufschwung in der industriellen Tätigkeit der Juden dem konfessionellen Hass von christlicher Seite neue Nahrung gibt. In Göppingen wohnen 'elf' jüdische Familien, Besitzer großartiger Fabriken, die Tausende von Arbeitern beschäftigen. Die Chefs dieser bedeutenden Firmen sind meistens gebildete Männer, die mit den merkantilen Fachkenntnissen auch Interesse für allgemeine Kulturfragen sich bewahrt haben. Nun fordert der Vorstand des Museums in öffentlichen Blättern auf, dass ehrbare Männer sich zum Beitritt ins Museum melden möchten, ja sogar einige Israeliten werden persönlich eingeladen, der Museumsgesellschaft beizutreten; aber was geschieht? - Bei der Abstimmung werden sämtliche angemeldete Israeliten abgewiesen, während alle anderen christlichen Angemeldeten aufgenommen werden. Bei der Aufnahmedebatte spricht sich ein Advokat aus Prinzip gegen die gesellige Amalgamation zwischen Christen und Juden aus, während derselbe bei einer anderweitigen Gelegenheit das Wahlrecht der Juden für sich auszubeuten suchte und ihre Stimmen sich erbat. Zur Steuer der Wahrheit aber muss erklärt werden, dass die geistlichen und weltlichen Beamten diesen Akt der Unduldsamkeit öffentlich missbilligten und dass dien Aristokratie des Geistes an diesem gehässigen Plebiszit nicht Schuld trägt. Bei einer Stadt wie Göppingen, die sich sonst ihrer demokratischen Gesinnungen rühmt und bei der jetzigen Leitung des Museums, die diese Anstalt zu einer wahrhaft volkstümlichen umzugestalten bestrebt ist, muss ein solcher Akt der Unduldsamkeit gegen achtbare Mitbürger dem Urteil der Öffentlichkeit übergeben werden, um ihn gehörig zu kennzeichnen."           

     
Göppingen als Station auf dem Weg zur politischen Gleichstellung der württembergischen Juden (1861)  

Goeppingen AZJ 19031861.jpg (244344 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. März 1861: "Göppingen, den 4. März (1861). Der Vorstand des Kultusministeriums, Staatsrat von Rümelin hat soeben einen Gesetzesentwurf in der Kammer eingebracht, wonach ausgesprochen werden soll, dass die staatsbürgerlichen Rechte unabhängig seien von dem religiösem Bekenntnis, Der Entwurf geht an die staatsrechtliche Kommission. Diese freudige Botschaft wurde von Stuttgart aus an das 15er-Komitee, das aus der Esslinger Versammlung hervorgegangen, hier tagte, telegraphiert. Die zur Unterzeichnung schon unterbreiteten Adressen an die Königliche Staatsregierung und an die Stände erlitten dadurch einige Redaktionsabänderungen und wurden eingereicht. Das 15-er-Komitee wurde von den Israeliten Göppingens festlich bewirtet und die eingelaufene frohe Kunde fand jubelnden Widerhall in der Versammlung. Das Komitee besteht aus folgenden Herren: Oberjustizprokurator Heß, die Rechtskonsulenten Heiden, Kaulla, Lebrecht, Nördlinger; Dr. med. Einstein, Dr. Adolph Levi, Rabbiner Dr. Wassermann, Buchhändler Heß, Uhrmacher S. Levi, die Kaufleute E. Gutmann, Henle, Isac, Rothschild und Steiner. Wir registrieren diese verehrlichen Namen zur Geschichte des Kampfes um die politische Gleichstellung der Israeliten in Württemberg. Wir hoffen, dass mit dem frohen Tage in Göppingen das Kämpfen um die Gleichberechtigung sein Ende erreicht hat. – Wir glauben es aber der Wahrheit schuldig zu sein, kundzutun, dass besonders einige hervorragende Männer in Stuttgart in der Stille zur Erreichung des glücklichen Erfolgs durch ihr unermüdliches Wirken beigetragen haben und erlauben uns die Namen der Herren: Dr. Leopold Kaulla, Kollegialassessor Isidor Jordan, Hofrat von Kaulla, der schon durch seine hervorragende Stellung dem Judentume zur Ehre gereicht, zu nennen. – Wenn auch möglicherweise dieser von der Königlichen Regierung eingebrachte Gesetzesentwurf noch nicht Gesetzeskraft erhält, so hat doch die Königliche Regierung das Prinzip der Gleichberechtigung aller Konfessionen anerkannt und muss es zur vollständigen Geltung gelangen."

     
Gründung eines jüdischen Lesevereins in Göppingen (1861)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. November 1861: "In Göppingen haben die Israeliten einen jüdischen Leseverein gegründet, der neben geselliger Unterhaltung sich auch die Verbreitung guter Schriften aus der modernen jüdischen Literatur zur Aufgabe gestellt hat."      

 
Die Feiern zum Friedensschluss nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit Dankgottesdienst in der Synagoge 

Goeppingen AZJ 11041871.jpg (167744 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871: "Aus Württemberg, im März (1871).   Durch Erlass  der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde vom 28. Februar dieses Jahres wurde für alle Synagogen des Landes aus Anlass des Friedensschlusses die Abhaltung eines Dankgottesdienstes in der Weise angeordnet, dass nach Rezitierung der Psalmen 9, 33 und 96 und nach dem Gesangchore vorgetragenen Liede Nr. 105 der Maier’schen Gebetordnung vom Rabbinen, beziehungsweise Vorsänger die Festpredigt über den Text Psalm 89,16-18 gehalten wurde. In mehreren israelitischen Gemeinden des Landes, wie in Buchau und Göppingen, fanden feierliche Züge zum Gotteshause statt, welchen sich, um sich an dem Gottesdienste zu beteiligen, auch Christen anschlossen. Die von dem Herrn Kirchenrat Dr. von Maier in Stuttgart und von dem Rabbiner Herz in Göppingen bei dieser Feier gehaltenen Predigten wurden auf vielseitiges Verlangen durch den Druck veröffentlicht und finden dieselben um so reicheren Absatz, als deren Ertrag für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Württemberger und für die deutsche Invalidenstiftung bestimmt ist.    
In wahrhaft humaner Weise und im echt israelitischen Geiste wurde von mehreren unserer Glaubensgenossen im Lande die Friedensfeier durch Akte der Wohltätigkeit verherrlicht. So ließ Herr Dr. Rosenthal, Fabrikant und Kirchenvorsteher in Göppingen, 58 Kinder der dortigen Waisenanstalt ‚Wilhelmshilfe’, 35 Soldatenfrauen und 140 weitere Stadtarme am Tage vor der Friedensfeier, am Sonntag, den 5. März, auf seine Kosten speisen, nachdem er bereits früher 500 Gulden dem Invalidenfond zugewiesen hatte. Denselben Fonds soll, wie wir hören, Herr Konsul Dreifuß in Stuttgart mit 10.000 Gulden am genannten Tage bedacht haben. Möge in Anerkennung des edlen Patriotismus, welchen zahlreiche Israeliten in reichen Spenden zur Linderung des durch den Krieg herbeigeführten Elends in hervorragender Weise bekundeten, endlich der letzte Rest kränkender Zurücksetzung und Ausschließung schwinden und im geeinigten Deutschland ein Recht und ein Gesetz für Alle ohne Unterschied in Wahrheit und in Wirklichkeit zur Geltung kommen." 

   
Beginnende antijüdische Maßnahmen (1933) 

Goeppingen Israelit 28091933.jpg (21063 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1933: "Göppingen. Hier hat der Gemeinderat die Einsetzung einer Marktkommission beschlossen, um Ostjuden vom Markt fernzuhalten."      

    
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 

Zum Tod von Fabrikant Isac Raff (1867)  
 
 

Goeppingen Israelit 30011867.jpg (121532 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1867: "Göppingen (Württemberg). Eine schwere Wunde, die noch lange schmerzen wird, ist der Filial-Gemeinde Göppingen geschlagen wurden, eine Wunde, die gewiss nicht nur in unserem engeren Vaterlande, sondern weit über die Grenzen hinaus empfunden und in ihrer ganzen Bedeutung gewürdigt werden wird.    
Seit dem 28. Kislev weilt der Fabrikant Isac Raff nicht mehr unter den Lebenden.  
Wenn je die Worte unserer Weisen, das das Wichtigste in der Geschichte die guten Taten der Gerechten sind (frei übs.) auf einen Mann Anwendung finden können, wenn je Anspruchslosigkeit, Berufstreue und Hingebung für die Interessen einem Mann den Namen Zadik Tamim (vollkommener Gerechter) geben können, so ist es der Hingeschiedene. 
Nicht nur seine Stellung sowohl als Kirchenvorsteher und Gemeinderat bot ihm häufig Gelegenheit, für die Interessen der Gesamtheit Gutes zu wirken, mehr noch war es sein warmes Herz, sein schönes Gemüt.  Sein Wahlspruch war Säet für Gerechtigkeit, erntet für Liebe (Hosea 10,12). Jeder, der seine Hilfe in Anspruch nahm, war derselben gewiss. Von seinem Edelmute zeugen nicht nur die reichen Legate, die er noch kurze Zeit vor seinem Tode bestimmte, sondern das viele Gute, das er an seinen, an den Verwandten seiner Frau, an seinen Glaubensgenossen und an seinen christlichen Mitbürgern fortwährend getan hat. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
25-jähriges Jubiläum von Fabrikant Salomon Ottenheimer als Kirchenvorsteher (1892)  

Goeppingen Israelit 11021892.jpg (78069 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1892: "Göppingen. Dieser Tage feierte Fabrikant Salomon Ottenheimer hier sein 25-jähriges Jubiläum als Kirchenvorsteher. Als Zeichen der Anerkennung für seine ersprießlichen Dienste, die er als solcher während des Vierteljahrhunderts der hiesigen israelitischen Gemeine erwiesen, wurde dem Jubilar in dessen Wohnung ein silberner Pokal und eine kalligraphische, trefflich ausgefertigte Dankadresse unter Ansprache des Verfassers derselben  - Rabbiner Herz und im Beisein der Mitglieder des Kirchenvorsteheramts – übergeben. Unter Worten des Dankes sprach der Jubilar die Hoffnung aus, auch in Zukunft für das Interesse der Gemeinde seine Kraft einsetzen zu können."  
     
Goeppingen AZJ 12021892.jpg (75617 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Februar 1892: "Göppingen, 1. Februar. Gestern feierte Herr Fabrikant Salomon Ottenheimer hier sein 25-jähriges Jubiläum als Kirchenvorsteher. Als Zeichen der Anerkennung für seine ersprießlichen Dienste, die er als solcher während des Vierteiljahrhunderts seine Tätigkeit der hiesigen israelitischen Gemeinde erwiesen, wurde dem Jubilar in dessen Wohnung ein silberner Pokal und eine kalligraphisch ausgefertigte Dankadresse unter Ansprache des Verfassers derselben, Herrn Rabbiner Herz, im Beisein der Mitglieder des Kirchenvorsteheramts übergeben. Unter Worten des Dankes sprach der Jubilar die Hoffnung aus, in Zukunft für das Interesse der Gemeinde seine Kraft einsetzen zu können."   

  
25-jähriges Amtsjubiläum von Julius Reinganum als Mitglied des Kirchenvorsteheramts (1910)  

Goeppingen AZJ 21011910.jpg (74518 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" 21. Januar 1910: "Göppingen, 14. Januar (1910). Am 9. dieses Monats feierte das israelitische Kirchenvorsteheramt in einer Festsitzung das 25-jährige Amtsjubiläum seines Mitgliedes, des Herrn Julius Reinganum. Zu dieser Sitzung war als Vertreter der Königlich Israelitischen Oberkirchenbehörde auch Herr Regierungsrat Dr. Schönmann erschienen, der in einer Ansprache die Verdienste des Jubilars auf dem Gebiete der Humanität und Gemeinnützigkeit würdigte und demselben ein Gratulationsschreiben der Königlichen Oberkirchenbehörde überreichte. Rabbiner Dr. Tänzer feierte die Verdienste des Jubilars um die Kirchengemeinde zu deren Mitbegründern derselbe gehört, und überreichte ihm eine vornehm ausgestattete Dankadresse. Herr Samuel Fleischer brachte die Glückwünsche der Kirchenvorsteher zum Ausdruck, worauf der Jubilar in tiefster Rührung allen seinen Dank aussprach."    

  
Julius Reinganum erhält die "Königin Karl Olga Medaille in Silber" (1910)  

Goeppingen AZJ 25031910.jpg (19032 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. März 1910: "Herrn Julius Reinganum in Göppingen ist vom König von Württemberg die ‚König Karl Olga Medaille in Silber’ verliehen worden."

   
25-jähriges Amtsjubiläum von Samuel Fleischer als Kirchenvorsteher (1910)  

Goeppingen AZJ 31031910.jpg (19590 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1910: "Das 25-jährige Jubiläum als Kirchenvorsteher der israelitischen Gemeinde in Göppingen beging Fabrikant und Gemeinderat Samuel Fleischer."

 
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  

Anzeige der Konditorei Hermann Rieser (1902)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1902: "Ein Fräulein von hübschem Äußern, aus guter Familie, wird zu sofortigem Eintritt gesucht in eine Konditorei mit Café. Photographie erwünscht. 
Hermann Rieser,
Konditorei und Kaffee, Göppingen."   

   
Anzeige der Viehhandlung Julius Regensburger (1903)   

Goeppingen Israelit 10121903.jpg (47392 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1903: "Suche in mein Geschäft einen ordentlichen 
jungen Mann

von 15-18 Jahren, welchem Gelegenheit geboten ist, den Viehhandel gründlich zu erlernen, zu sofortigem Eintritt. 
Julius Regensburger
, Viehhändler, Göppingen (Württemberg)." 

    
Anzeigen des Bahnhof-Hotels Dettelbach (1910 - 1937 !)  

Goeppingen FrfIsrFambl 24031910.jpg (33866 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. März 1910: "Junges, tüchtiges israelitisches Fräulein für Restaurant gesucht: gute Bezahlung. Familienabschluss. 
S. Dettelbacher z. Bahnhof  Göppingen, Württemberg".
 
Goeppingen CV-Ztg 01101936.jpg (65752 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 1. Oktober 1936: "Zwischen Ulm und Stuttgart erwartet Sie das Bahnhof-Hotel Dettelbacher Göppingen. Fernruf 2127 
mit gemütlichen Räumen, gepflegter Küche, Fremdenzimmer mit fließend warmem Wasser, Garagen, Nebenzimmern und Saal für Konferenzen und Veranstaltungen." 
 
Goeppingen CV-Ztg 08071937.jpg (44952 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 8. Juli 1937: "Zwischen Ulm und Stuttgart erwartet Sie das Bahnhof-Hotel Dettelbacher Göppingen. Fernruf 2127 
mit gemütlichen Räumen, gepflegter Küche, Fremdenzimmer mit fließend warmem Wasser, Garagen, Nebenzimmern und Saal für Konferenzen und Veranstaltungen." 

      
Nach der Emigration: Anzeige der Bar Mizwa-Feier von Michael Rohrbach (1949)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 22. April 1949: 
"Our Michael 
will be Barmitzwah on April 30, 1949. 
F. S. Rohrbach and Trude née Lendt. 
East Landis Avenue Vineland, N.J. (formerly Göppingen, Tel Aviv)"       

  
  
Weitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries; die erläuternden Texte wurden erstellt auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller)  

Brief an die 
Württembergische Vereinsbank 
von Adolph Heimann (1878)
  
Goeppingen Dok 634.jpg (103696 Byte) Goeppingen Dok 634a.jpg (108821 Byte)Goeppingen Dok 634b.jpg (133352 Byte)

 Der Brief an die Württembergische Vereinsbank in Stuttgart wurde von Adolph Heimann in Göppingen am 17. Oktober 1878 verschickt (rechts der Geschäftsstempel). An der Württembergischen Vereinsbank war auch Alexander Pflaum von Pflaumloch beteiligt. Mehr zu Adolph Heimann siehe unten Dokument von 1907.  

     
Postkarte aus Luxemburg an 
Hermann Mayer in Göppingen 
(1882) 
Goeppingen Dok 1205a.jpg (164930 Byte) Goeppingen Dok 1205.jpg (179386 Byte)

  Es handelt sich dabei um eine Postkarte (Warenbestellung) aus Luxemburg, datiert auf den 7.8.1882 mit Ankunftsstempel Göppingen 8.8.1882. Zu Hermann Mayer vgl. bei A. Tänzer: Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen S. 452-453 im Zusammenhang mit der Trikot-Weberei - Mechanische Trikot-Weberei Göppingen Einstein & Mayer: diese Firma wurde im Jahre 1891durch die beiden Gesellschafter Joseph Einstein und Hermann Mayer errichtet. Beide stammten aus Buchau a. F. Einstein starb im Jahre 1898, Mayer 1913. Im Jahre 1900 bezog die Firma ihr neu erbautes Fabrikgebäude. Sie beschäftigte im Jahre 1910 185 Arbeiter und Angestellte. Im Jahre 1913 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt. Die obige Karte wurde drei Jahre vor der Firmengründung geschrieben und darum wahrscheinlich auch nur an Hermann Mayer adressiert. 

     
Postkarte der Firma Nathan
 Wassermann in Göppingen (1886)
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  Die Karte der Fa. Nathan Wassermann wurde am 4. März 1886 nach Murrhardt verschickt (kleinere Abbildung links: Firmen-Stempel). die Firma Nathan Wassermann wurde 1873 in Göppingen gegründet; es handelte sich um eine Manufakturwarenhandlung, die bis 1899 bestand, zuletzt unter dem Schwiegersohn Wilhelm, genannt Adolph Simon.

    
Karte an die Firma Gebr. Levy &
 Rothschild in Göppingen (1886)
Goeppingen Dok 435.jpg (100474 Byte)

Die Karte wurde von der Firma Carl Schmidt (Möbelmagazin, Schweinfurt) am 1. Oktober 1886 an die Firma Gebr. Levy & Rothschild in Göppingen verschickt. Bei der Firma handelt es sich um eine von Moritz Rothschild einige Jahre geführte Fabrik zur Herstellung von baumwollenen und leinenen Waren (ehem. E. Dettelbach & Co., dann "Gebrüder Levy & Rothschild") (Tänzer S. 447-448)

     
Geschäftskarte der Firma Rosenthal,
 Fleischer & Cie. (1888) 
  
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Die Karte - eine vorgedruckte Mitteilung der Fa. Rosenthal, Fleischer & Cie. wurde am 31. März 1888 von Göppingen nach Greifswald geschickt. Bei Fa. Rosenthal, Fleischer &  Co. handelte es sich um eine Korsettfabrik, die 1887 aus der Vorgängerfirma D. Rosenthal & Co. hervorgegangen ist. 1894 bezog die Firma in Göppingen eines neu erbautes Fabrikgebäude, das 1901 noch bedeutend vergrößert wurde. Die Firma, die zahlreiche Filialen hatte, erlangte auf Weltausstellungen höchste Auszeichnungen und bestand bis nach 1933 (Tänzer S. 457-458)

     
 Firmenkarte der 
Fa. Gebr. Gutmann (1890)
Goeppingen Dok 558a.jpg (92196 Byte) Goeppingen Dok 558.jpg (113497 Byte)

Die Karte der Fa. Gebr. Gutmann wurde am 25. Februar 1890 nach Ludwigsburg verschickt; bei der Firma handelt es sich ursprünglich um die Fa. J.B. Gutmann, Fabrikation von leinenen und baumwollenen Waren, die 1860 von Jebenhausen nach Göppingen übersiedelte; 1877 wurde sie zur Firma "Gebr. Gutmann" mit den Gesellschaftern Brüder Bernhard, Leopold H. und Max H. Gutmann; die Firma bestand (seit 1900 als "Mechanische Buntweberei am Stadtbach" bis 1908 (Tänzer S. 447-448)  

        
Geschäftskarte der 
Firma Heumann & Sohn (1898)
Goeppingen Dok 430.jpg (101704 Byte) Goeppingen Dok 430a.jpg (105885 Byte)

Die Geschäftskarte der Firma Heimann & Sohn wurde von Göppingen nach Altona am 26. Januar 1898 verschickt. Die Firma betrieb eine "Fabrikation von leinenen und baumwollenen Waren". Zunächst bestand in Jebenhausen bis 1869 eine Firma "Heumann, Hildenbrand & Fleischer". Nach deren Auflösung übersiedelte Kaufmann Heumann nach Göppingen und errichtete mit seinem Sohn Julius die Firma "Heumann & Sohn"; seit 1876 war auch Sohn Leopold Heumann Gesellschafter. 1877 starb Kaufmann Heumann, 1899 sein Sohn Julius. Leopold Heumann übersiedelte 1902 nach Straßburg und verlegte das Geschäft unter der Firma "Mechanische Weberei Heumann & Sohn, Schirmeck" nach Schirmeck im Elsass (Tänzer S. 447).

     
Grußkarte an Hatty Rothschild
(1899)
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Künstlerkarte, die eine Ausflugsgruppe an Frau Hatty Rothschild in Göppingen geschickt hat. Aufgabeort der Karte war Todtmoos, das Datum der 27. Juli 1899. Hatty Rothschild war verheiratet mit Julius Rothschild. Sie hatten 2 Kinder. Der Sohn Eugen (geb. 1896) ist im Ersten Weltkrieg gefallen (s.o.). Die Tochter Johanna heiratete Karl Krämer in Göppingen. Hatty Rothschild war Leiterin des Nähkranzes und Vereinskassiererin des "Israelitischen Jungfrauenvereins" (Tänzer, S. 529).

      
Firmenpostkarte der 
Gebr. Ottenheimer, Baumwollen- &
 Leinenweberei in Göppingen (1899)
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Die Karte wurde am 18. August 1899 an den Direktor des Figaro (Tageszeitung) in Paris geschrieben. Die Fa. Gebr. Ottenheimer wurde 1854 in Jebenhausen von den Brüdern Salomon und Joseph Ottenheimer gegründet und beschäftigte 1863 bereits 500 Handweber. 1865 war die Firma nach Göppingen übersiedelt. Seit 1905 war die Hauptniederlassung der Firma in Süßen ("Mechanische Weberei Süßen Gebrüder Ottenheimer, Göppingen und Süßen" (Tänzer S. 442-443)    

        
Ansichtskarte der Hauptstraße 
in Göppingen mit dem Geschäft 
von Adolph Heimann (1907) 
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Adolph Heimann stammt aus Oberdorf; er begründete 1867 in Göppingen ein Geschäft für Damenkonfektion, Kleiderstoff und Aussteuer-Artikel. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Julius und Ludwig das Geschäft (nach 1913 Ludwig Heimann Alleininhaber). 

     
Gedenkkarte zum 25-jährigen
 Regentschafts-Jubiläum von
 Prinzregent Luitpold von Bayern
 (1911)
Goeppingen Dok 560.jpg (109782 Byte) Goeppingen Dok 560a.jpg (82181 Byte)

Die Karte wurde aus München verschickt an Julius Mannheimer,  einem Sohn von Salomon Löb Mannheimer und der Pauline geb. Marx (die Familie war 1893 von Jebenhausen nach Göppingen gezogen)  (Tänzer S. 348). 

     
Geschäftliche Karte an die Firma 
Netter & Eisig in Göppingen (1920)
Goeppingen Dok 266.jpg (102947 Byte)

Die Karte wurde aus Schweinfurt am 2. August 1920 an die Firma Netter & Eisig geschickt. Diese Firma wurde 1870 von den Kaufleuten Nathan Netter (aus Schmieheim) und Joseph Hoffmann gegründet ("Hoffmann & Netter). 1873 übernahm N. Netter den Betrieb allein. Seit 1885 waren die Gesellschafter Nathan Netter und Sigmund Eisig ("Netter & Eisig"), die Firma befasste sich mit der Fabrikation von Bucheinbandstoffen und von Lederimitation für Schuhfutter. Die Firma beschäftigte in Göppingen bis zu 130 Personen. Nathan Netter (1846-1918) war seit 1906 Mitglied des Vorsteheramtes der jüdischen Gemeinde, zwei seiner Söhne fielen im Ersten Weltkrieg.  

     
Karte der Fa. Milton Rohrbacher an 
die Lederleimfabrik Straub 
in Bopfingen (1925)
Goeppingen Dok 557.jpg (105202 Byte) Goeppingen Dok 557a.jpg (101289 Byte)

Die Karte der Fa. Milton Rohrbacher wurde am 9. März 1925 verschickt; die Firma wurde 1893 von Milton Rohrbacher in Göppingen gegründet; seit 1922 war sein Sohn Siegfried Teilhaber; die auf chemisch-technische Produkte spezialisierte Firma produzierte u.a. die Artikel Kinessa-Bohnerwachs und Kinessa-Holzbalsam (Tänzer S. 465).  

     

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge         
   
Nach dem Zuzug mehrere jüdischer Personen/Familien von Jebenhausen nach Göppingen baten diese im Mai 1857 bei der Israelitischen Oberkirchenbehörde um die Erlaubnis, in Göppingen einen Filialgottesdienst einzurichten. Damals wurde das Gesuch noch abschlägig beschieden. Im Mai 1860 erneuerten die Göppinger Israeliten ihr Gesuch. Die Kosten wollten sie selbst tragen. Wenig später erhielten sie die Genehmigung, doch verzögerte sich die Einrichtung eines Betsaales, da man sich nicht über den Erwerb eines Gebäudes für Gottesdienst und Schule einigen konnte. Nachdem am 1. Juli 1867 eine selbständige israelitische Gemeinde in Göppingen gegründet werden konnte, wurden noch im selben Monat in einem Gebäude (heutige Anschrift des Nachfolgegebäudes: Schützenstraße 2) zwei Wohnungen gemietet und mit einem Kostenaufwand von 1.074 Gulden zu einem Betraum umgewandelt. Torarolle und andere Kultgegenstände sowie ein Harmonium wurden angeschafft beziehungsweise gespendet. Auch die Wohnung des Vorsängers, das Sitzungszimmer des Synagogenvorstandes und ein Schulraum befanden sich in diesem Gebäude (es wurde 1897 abgebrochen).  
     
Nachdem dieser erste Betsaal sich innerhalb von wenigen Jahren als zu klein für die wachsende Gemeinde erwies, wurde 1872 eine erste Synagoge in dem 1871 erbauten Haus Pfarrstraße 33 eingerichtet. Am Neujahrstag im Herbst 1872 wurde die Synagoge eingeweiht, die 55 Sitzplätze für Männer und 45 für Frauen bot. Beide saßen - getrennt voneinander – auf derselben Höhe im Betsaal. Die Empore war für jüngere Leute sowie den Chor und das Harmonium bestimmt. Auch diese erste Synagoge war nach 10 Jahren zu klein. 1881 wurde sie verkauft. In ihr konnte dann für einige Jahre ein Betsaal der methodistischen Kirche eingerichtet werden. Nach 1885 wurde sie zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut.  
     
Eine neue Synagoge wurde 1880/81 erbaut, nachdem bereits seit 1878 ein Grundstück in der Freihofstraße hierfür vorgesehen war. Der Spatenstich erfolgt am 1. März 1880, die Grundsteinlegung war am 23. April. Die Synagoge wurde nach den Plänen von Christian Friedrich von Leins erbaut, Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Die Bauleitung hatte Ingenieur Elsässer. Der Bau erhob sich (nach der Baubeschreibung von Harold Hammer-Schenke, Synagogen in Deutschland Teil 1, S. 353f) über einem "quadratischen Grundriss. Diesem Quadrat, das den Kultraum mit dreiseitig umlaufenden Emporen enthielt, wurde ein querrechteckiger Westbau vorgelegt, der im Untergeschoss die Eingangshalle, ein Sitzungszimmer mit Garderoben und im Obergeschoss die Orgelempore beherbergte. Im Äußeren war der Kultbau durch Lisenen und Gesimse, sowie durch Maßwerkfenster gegliedert; ein Quergiebel deutete eine kreuzförmige Raumgestalt an. Über der ‚Vierung’ erhob sich, auf achtseitigem Tambour, eine hohe Kuppel. Der im Äußeren basilikal wirkende Westvorbau öffnete sich in einer hohen, rundbogig geschlossenen, von einem dreieckigen Giebel überfangenen Eingangshalle. Der Emporenraum darüber wiederholte das Motiv, wobei ein Rundfenster mit Sechspass für die Beleuchtung sorgte. Den Giebel krönten die Gesetzestafeln". Die Baukosten der Synagoge betrugen etwa 60.000 Mark. Sie verfügte über insgesamt 278 Sitzplätze. Im Hauptraum waren es 136 Plätze für Erwachsene, dazu 40 für die schulpflichtige Jugend. Auf den Emporen gab es 102 Plätze (je 51 auf der Männer-Galerie und der Frauen-Galerie).
   
Am 16. und 17. September 1881 fand die Einweihung der Synagoge statt. Am Nachmittag des 16. September bewegte sich ein festlicher Zug vom bisherigen Betsaal in der Pfarrstraße zur neuen Synagoge. Voran ging die Schuljugend, der Sängerchor, die Träger mit den Torarollen, Rabbiner Max Herz und die Kirchenvorsteher. Es folgten die Ehrengäste, das Baukomitee und Baupersonal sowie viele Gemeindeglieder und Interessierte aus der ganzen Bevölkerung. Der Einzug in die Synagoge geschah unter Psalmgesang, worauf die Torarollen in den Toraschrein gestellt wurden. Rabbiner Herz hielt die Festpredigt. Von der israelitischen Oberkirchenbehörde waren unter anderem der Stuttgarter Bezirksrabbiner und Kirchenrat Dr. Moses von Wassermann sowie Hofrat Adolf Levi anwesend. Am Nachmittag und Abend des 17. September fanden im Gasthaus Dettelbacher ein großes Fest-Bankett mit Grußworten, ein Vortrag über die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Jebenhausen und Göppingen und weitere Darbietungen statt. 
       
Die Einweihung der Synagoge (1881)

Goeppingen AZJ 11101881.jpg (33302 Byte)Aus einem Bericht über die Einweihung mehrerer Synagogen in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Oktober 1881: "…Indem wir daher heute über die Einweihung von vier Synagogen zu berichten haben, nämlich zu St. Gallen in der Schweiz, zu Göppingen in Württemberg, zu Altona und zu Schwetz, werden wir der ersteren eine größere Aufmerksamkeit zuwenden, weil dieselbe in der Ostschweiz die erste Synagoge ist und die Einweihung die Teilnahme der christlichen Bevölkerung ungewöhnlich in Anspruch nahm…"  
Goeppingen AZJ 11101881a.jpg (105446 Byte)Auch in Göppingen (Württemberg), das jüdischerseits erst in neuerer Zeit durch Zuzug aus der älteren Gemeinde Jebenhausen bevölkerter geworden, hatte man sich bisher mit einem Mietlokal begnügt, welches jetzt durch eine neu erbaute Synagoge ersetzt worden ist. Sie steht in der neuen Straße mitten zwischen den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen und ist mit ihrer hoch anstrebenden Kuppel stilvoll gebaut. Eine hübsche Terrasse führt zu dem reich geschmückten Eingang hinauf, über welchem wie an anderen passenden Stellen hebräische Inschriften angebracht sind. Das Innere ist durchaus harmonisch gehalten. Die Teilnahme der christlichen Bevölkerung war eine allgemeine. An dem Wege, den der Zug vom alten Betsaale her nahm, war Alles reich beflaggt. An dem Zuge selbst nahmen auch die Geistlichen der christlichen Konfessionen und die Mitglieder der bürgerlichen Kollegien teil. Über die Festpredigt des Rabbiners Herz sagt der Berichterstatter:   ‚Die jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht wiedergeben, da der Raum nicht hinreichen würde. Anknüpfend an das Schicksal der noch jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Herz in edler gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Nächstenliebe ohne Ansehen der Person, des Standes oder Glaubens betätigen müsse, auf eindringliche Weise aus, die jedem seiner Zuhörer zu Herzen ging.’"      
     

Bericht im "Göppinger Wochenblatt" vom 17. September 1881 (Quelle: aus Tänzer s.u. S. 493ff):  "In der Neuen Straße, dem schönsten Teile der Stadt, und mitten zwischen den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen gelegen, ergebt sich seit einiger Zeit ein Bau, dessen Stil und himmelanstrebende Kuppel dem Beschauer schon von ferne anzeigen, dass er zu einem Gotteshause bestimmt sei: es ist die neue Synagoge der israelitischen Gemeinde. Eine hübsche Terrasse führt von der neuen Strasse zu dem reichgeschmückten Eingang hinauf, durch den man in ein geschmackvoll ausgestattetes Vestibül tritt, zu dessen beiden Seiten Treppen zu den Emporen führen. Gegen Süden ist ein Lehr-Zimmer zum Religionsunterricht, gegen Norden das Sitzungszimmer der Kirchenvorsteher eingerichtet. Über dem Haupteingang und an anderen passenden Stellen sind hebräische Inschriften angebracht. Die eigentliche Synagoge zeigt im untern Raume mit ihren Sitzplätzen, den Emporen, der Orgel, große Ähnlichkeit mit einer christlichen Kirche, während der Altar, das Allerheiligste, die Sitze des Rabbiners, des Vorsängers, diejenigen der Kirchenvorsteher, die Leuchter usw., alles auf der Ostseite angebracht, den mosaischen Ritus andeuten. Die Malerei stimmt zu der ganzen Einrichtung und so bildet das Innere ein harmonisches Ganzes. Dieses neue Gotteshaus wurde gestern unter großer Beteiligung auch der christlichen Einwohnerschaft feierlich eingeweiht. Um 4 Uhr nachmittags versammelten sich die israelitischen Gemeindeglieder und die übrigen Festgenossen in und vor dem seitherigen, gemieteten Betsaal. Um 4 1/2 Uhr bewegte sich der festliche Zug über den Schlossplatz, einen Teil der Pfarrstraße, um beim neuen Schulhause in die reichbeflaggte Neue Straße einzulenken, in der sich eine Menge von Zuschauern jeden Alters und Geschlechts drängte. Voraus zog die festlich geschmückte israelitische Schuljugend, dann folgten der Synagogenchor, die Toraträger, Rabbiner und Kirchenvorsteher, die Ehrengäste, darunter die Geistlichen der christlichen Konfessionen, die Mitglieder der bürgerlichen Kollegien usw., dann das Baukomitee und Baupersonal, die Männer der israelitischen Gemeinde und die übrigen Teilnehmer. An dem Portal der neuen Synagoge überhab Herr Architekt Elsässer namens seines Prinzipals, der Herrn Oberbaurats Dr. von Leins, des Erbauers der Synagoge, den Schlüssel derselben mit den besten Wünschen für die Gemeinde dem ältesten Mitgliede des Kirchenvorsteheramts; Herr Ottenheimer erwiderte ihm dankend im Namen der Kirchenvorsteher. Dann füllten sich rasch die Räume des neuen Gotteshauses.
Der Synagogechor begann die kirchliche Feier mit einem Begrüßungsgesang in hebräischer Sprache, während dessen Vorsänger, Toraträger, Rabbiner und Kirchenvorsteher eintraten und sich aufstellten. nach einem Vortrage des Vorsängers wurden die Torarollen durch den Rabbiner in das Allerheiligste gebracht, worauf der Chor die Hymne "Hoch tut euch auf, ihre Tore der Welt" sang. Die jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht wiedergeben, da der Raum nicht hinreichend würde. Anknüpfend an das Schicksal der noch jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Hertz in edler gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Nächstenliebe ohne Ansehen der Person, des Standes oder Glaubens betätigen müsse, auf eindringliche Weise aus, die jedem seiner Hörer zu Herzen ging. Der Psalm 118: "Danket dem Herrn", vom Chor gesungen, machte den Beschluss der eigentlichen Einweihungsfeier, an welche sich noch ein Abendgottesdienst mit Chorbegleitung anschloss.
Diese erhebliche Feier wird wohl bei den meisten Teilnehmern in gutem Gedächtnis bleiben. - Unter den Festgenossen bemerkten wir gestern unter anderen den Herrn Kirchenrat Dr. Wassermann und den früheren langjährigen Lehrer der israelitischen Gemeinde in Jebenhausen, Herrn Elsässer."  

1925 wurde die Synagoge umfassend modernisiert. An Stelle der bisherigen Gasbeleuchtung trat elektrische Beleuchtung. Zusätzliche Bänke für die Schulkinder der Gemeinde wurde aufgestellt. Zur Innenausstattung der Synagoge gehörten damals elf Torarollen, von denen sich eine in der Filialgemeinde in Kirchheim unter Teck befand, neun Toravorhänge, 24 Toramäntelchen, zwei Chanukka-Leuchter, verschiedene Garnituren für den Toraschmuck, Kidduschbecher und anderes mehr.  
    
In der Geschichte der Synagoge war ein besonderes Ereignis eine am 22. September 1929 vom Synagogenchor gemeinsam mit Oberkantor Hermann J. Fleischmann aus Köln gestaltete Morgenfeier. Fleischmann war einer der prominentesten Kantoren Europas. Diese Morgenfeier in der Göppinger Synagoge wurde damals vom Süddeutschen Rundfunk übertragen und war die erste Rundfunkübertragung aus einer Synagoge. Der Synagogenchor unter der Leitung von Siegfried Löwenstein war erst 1926 gegründet worden. 
        
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung völlig zerstört. Die Aktion wurde durchgeführt durch SA-Männer der SA-Standarte Geislingen und einige Personen aus Göppingen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November hatten sie sich gegen 2 Uhr gewaltsam in den Synagogenraum Zutritt verschafft. Um die Synagoge wurden einige Straßen abgesperrt und die Anwohner aufgefordert, ihre Fenster zu schließen. In der Synagoge wurde das mitgebrachte Stroh deponiert und darüber sowie über zusammengerollte Teppiche Benzin geschüttet. Um 3.30 Uhr wurde Feuer gelegt. Die Synagoge brannte völlig aus, die kupferverkleidete Kuppel stürzte in den Innenraum, die rußgeschwärzten Backsteinwände blieben stehen. Erst während des Brandes wurde dem diensthabenden Feuerwehrführer angerufen. Ihm wurde verboten, den Brand zu löschen. Nur die umliegenden Gebäude durften durch einen Feuerwehrzug geschützt werden. Nachdem die Synagoge völlig ausgebrannt war, konnte die Feuerwehr die Brandreste ablöschen. In den folgenden Tagen wurde die Brandruine gesprengt und der Schutt durch Göppinger Fuhrunternehmer beseitigt. Das Grundstück wurde von der Stadt erworben. Nach der Zerstörung ihrer Synagoge konnte die jüdische Gemeinde bis 1939 noch im Haus Frühlingsstraße 29 zu Gottesdiensten und Gebet zusammenkommen. 
  
Nach 1945 kam das Grundstück der Synagoge zunächst an die jüdische Vermögensverwaltung JRSO. In einem Vergleich zwischen der Stadt und der JRSO wurde geregelt, dass die Stadt zur Abfindung sämtlicher Rückerstattungsansprüche für den Synagogenplatz, das benachbarte Rabbinat und einen Teil des Grundstückes des jüdischen Friedhofes 53.000 Mark bezahlte.   
        
1948/49 fand vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm ein Prozess gegen 15 Personen wegen des Brandes der Göppinger Synagoge statt. von den Angeklagten wurden zwei frei gesprochen, die anderen mit ein bis zwei Jahren Gefängnis, der ehemalige Kreisleiter Immanuel Baptist mit zwei Jahren Zuchthaus bestraft. 
      
Der Synagogenplatz an der Ecke Freihof-/Burgstraße wurde in den Nachkriegsjahren teilweise als Schrebergarten genutzt. Er blieb unbebaut. Am 31. Januar 1971 ließ die Stadt zum 100. Geburtstag des letzten Göppinger Rabbiners Dr. Aron Tänzer (1871-1937) eine Gedenktafel aufstellen und den Platz zu einer Parkanlage herstellen. Seit 1999 heißt das Grundstück "Synagogenplatz".         
   
Adresse des Synagogengrundstückes: Ecke Freihof-/Burgstraße / Synagogenplatz      
   
   
   
Fotos / Darstellungen    
  

Die erste Synagoge 1871-1881  
Historische Fotos/Pläne:
(Quelle: Stadtarchiv Göppingen)

Plan für die Herstellung eines neuen
 Wohngebäudes mit Betsaaleinrichtung für
 den Göppinger Schreinermeister W. F. Boger
 (heutiges Gebäude Pfarrstraße 33, um 1870)
Goeppingen Synagoge a04.jpg (35110 Byte)   
     Ansicht des Gebäudes von der Pfarrstraße  
     
Goeppingen Synagoge a02.jpg (33123 Byte) Goeppingen Synagoge a10.jpg (25125 Byte) Goeppingen Synagoge a03.jpg (22467 Byte)
Erdgeschoss mit Betsaal  1. Stock mit Frauenempore  2. Stock mit Wohnung und Schulzimmer 

Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985
(Fotos: Hahn) 
Goeppingen Synagoge a01.jpg (61672 Byte) Goeppingen Synagoge 006.jpg (46966 Byte)
  Ansicht des ehemaligen Synagogengebäudes
   
Foto 2003:
(Foto: A. Winkler)
Goeppingen Synagoge a140.jpg (49321 Byte)  
     

   
   
Die neue Synagoge 1881-1938 
(Quelle: wenn nicht anders angegeben: Stadtarchiv Göppingen und Sammlung Hahn)    

Goeppingen Dok 140202.jpg (252786 Byte) Goeppingen Dok 140202a.jpg (13675 Byte) Goeppingen Synagoge 014.jpg (18274 Byte)  Goeppingen Synagoge 341.jpg (51044 Byte) Goeppingen Synagoge 340.jpg (53414 Byte)
 Karte von Göppingen (verschickt nach Furtwangen
 am 5. Januar 1906) mit Abbildung der Synagoge 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim /Ries) 
Die Synagoge im Jahr 
der Fertigstellung 
 
    
         
Goeppingen Synagoge102.jpg (134809 Byte)    Goeppingen Karte02.jpg (93306 Byte)   Goeppingen Karte01.jpg (95356 Byte)    Goeppingen Synagoge101.jpg (52030 Byte) Goeppingen Synagoge 710.jpg (72045 Byte)   Goeppingen Synagoge 711.jpg (68476 Byte)
Die Synagoge als Postkartenmotiv (Karte rechts aus Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
  
      Goeppingen Synagoge 001.jpg (90562 Byte)   
Die Synagoge um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser und 
Friedhöfe in Württemberg. 1932 S. 78)  
 
    
  Goeppingen Synagoge 008.jpg (89720 Byte)  Goeppingen Synagoge 013.jpg (26328 Byte)    Goeppingen Synagoge 009.jpg (87251 Byte)
Grundrissplan 
(Quelle: Stadtarchiv Göppingen) 
Innenaufnahme der Synagoge 
nach der Einweihung 1881  
"Musikalische Morgenfeier" 1929, übertragen
 vom Rundfunk aus der Synagoge Göppingen  
     
Die Zerstörung der Synagoge in 
der Pogromnacht 1938
Goeppingen Synagoge 011.jpg (47441 Byte)  Goeppingen Synagoge 018.jpg (16779 Byte) 
    Die ausgebrannte Ruine der Synagoge,
 vermutlich am 10. November 1938 
Verkohlte und rauchende Trümmer 
in der Synagoge 

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Goeppingen Synagoge 007.jpg (76074 Byte) Goeppingen Synagoge 010.jpg (81815 Byte)
  Gedenktafel für die ehemalige Synagoge
   
Fotos 2003:
(Fotos: A. Winkler)
Goeppingen Synagogenplatz 141.jpg (79660 Byte) Goeppingen Synagogenplatz 140.jpg (67799 Byte)
Aufgang zum ehemaligen
 Synagogengrundstück
Gedenktafel
  
      
Fotos 2009: 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.10.2009)
Goeppingen Synagoge 577.jpg (114892 Byte) Goeppingen Synagoge 576.jpg (119426 Byte)
  Das Grundstück der ehemaligen Synagoge
     
  Goeppingen Synagoge 574.jpg (118709 Byte) Goeppingen Synagoge 575.jpg (92504 Byte)
  Gedenktafel mit Kerzen
        
Das Rabbiner-Tänzer-Haus  Goeppingen Synagoge 570.jpg (106877 Byte) Goeppingen Synagoge 571.jpg (62680 Byte)
  Neben dem Platz der Synagoge: Gebäude des ehemaligen Rabbinates, 
heute: "Rabbiner-Tänzer-Haus" mit Gedenkinschrift
 
  Goeppingen Synagoge 572.jpg (89363 Byte) Goeppingen Synagoge 573.jpg (41085 Byte)
  Eingangstür mit Spuren der Mesusa

        
       
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Seit 2005: Erinnerung an ermordete jüdische Göppinger durch die Aktion "Stolpersteine"   
Goeppingen Sto 010.jpg (26116 Byte)Links: Foto von Margit Haas: Das Interesse an der NS-Vergangenheit ist groß, wie eine besondere Stadtführung zeigt.     
Bericht von Margit Haas in den "Göppinger Kreisnachrichten" vom 9. Februar 2009:    Stolpersteine wider das Vergessen - Großes Interesse an besonderer Stadtführung in Göppingen 
Sie sind Mahner gegen das Vergessen, die Stolpersteine, die an die während der NS-Diktatur ermordeten Menschen erinnern. Das Interesse an ihrem Schicksal ist ungebrochen, wie eine Stadtführung zeigte. Das Interesse an der NS-Vergangenheit ist groß, wie eine besondere Stadtführung zeigte.
Göppingen Die dunkelste Zeit der Stadtgeschichte ist auch in Göppingen die Zeit der NS-Diktatur. Allerdings hat sich die Stadt dem Thema immer gestellt, nichts vom Unrecht, das an ihren Menschen verübt wurde, geleugnet. Denn auch Göppinger sind ihrer Religion, ihrer Überzeugung wegen oder einfach nur, weil sie krank waren, ermordet worden. Seit 2005 erinnern an 13 von ihnen 13 Stolpersteine. Die Aktion war vom Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen worden, der damit den Opfern ihren Namen wieder gibt. Über 6000 Steine gibt es in Deutschland an den letzten bekannten Wohnorten der Opfer. Sie enthalten ihren Namen und, soweit bekannt, ihre Lebensdaten. Die Steine in Göppingen sind über das ganze Stadtgebiet verteilt, und so brauchten die Teilnehmer der Führung von Thilo Keierleber gutes Schuhwerk und warme Kleidung für ihren rund zweistündigen Gang durch die Stadt. Vor dem Christophsbad sind zwar keine Steine verlegt, doch auch hier waren Opfer zu beklagen. Waren doch die psychisch Kranken bei der "Aktion T 4" ermordet worden. Außer dem Stolperstein erinnert in der Metzgerstraße nichts mehr an das Ehepaar Pauline und David Geschmay, die Gründer der Filztuchfabrik. Pauline war eine mutige Frau, sammelte Unterschriften gegen Hitlers Rassegesetze. David widersetzte sich der Arisierung. David "geht in Theresienstadt elend zugrunde, von Pauline, die ins Vernichtungslager Treblinka deportiert wurde, wissen wir nicht einmal das Todesdatum". In der Karlstraße lebte Theodor Kynast. Als Patient des Christophsbades wurde er nach Winnenden abtransportiert und wusste ganz genau, was mit ihm geschehen würde. In den Dingen, die seinen Eltern nach der Ermordung geschickt worden waren, war auch ein Keks, auf den er schrieb "Abteilung Mörder". Ein Bild dieses Kekses ist heute im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen. Albert Schuler, ab 1939 technischer Leitung des Schulerkonzerns, war erklärter Gegner des Regimes. Er wartete "auf den Tag, an dem der Führer ums Leben gebracht wird", so die Anklageschrift des Volksgerichtshofes, der ihn zum Tode verurteilte. Besonders zu Herzen gehen die vier Steine vor dem "Reben" in der Marktstraße. Die ganze Familie Rosinberg war ausgelöscht worden, auch die 1933 und 1936 geboren Kinder Heinz und Arnold. Nichts ist bekannt über ihr Schicksal, "verschollen in Riga", mehr wissen die Steine nicht zu berichten. Vor dem Rabbinerhaus erinnert ein Stein an Bertha Tänzer, vor dem "Marstall" an Johann Gahr. Der Kommunist starb auf nicht geklärte Weise im Gefängnis. Die meisten Passanten "stolpern" wohl über die Steine, die an Betty und Louis Heimann im Herzen der Stadt erinnern. 
  
Mai 2010: In Göppingen werden weitere "Stolpersteine" verlegt    
Goeppingen PA 2010012.jpg (69128 Byte)Foto von Margit Haas: Die Erinnerung wachhalten: Angehörige von Nazi-Opfern aus Göppingen waren zur Verlegung von Stolpersteinen gekommen. Von links vordere Reihe: Klaus Maier-Rubner (Initiative Stolpersteine), Erwin Fleischer, Erela Tamri (4.v.l.), Sylvia Hurst und ihr Bruder Richard Fleischer.  
Artikel in der "Südwestpresse" vom 3. Mai 2010 (Artikel): "Göppingen. Stolpersteine erinnern an Menschen, die von den Nazis ermordet wurden - auch in Göppingen. Zur Verlegung weiterer Gedenksteine waren überlebende Angehörige in ihre alte Heimat gekommen. Über die Shoah zu lesen, um das Schicksal Millionen ermordeter Juden zu wissen, ist eine Sache. Den Lebens- und Leidensweg Einzelner zu erfahren, die Überlebenden des Holocaust in ihrer Erinnerung und der Trauer um den Tod ihrer Angehörigen zu erleben, eine andere. Noch nach Jahrzehnten wirkt der Schmerz über den Verlust der Eltern in ihnen nach und so war die Verlegung weiterer Stolpersteine gegen das Vergessen am Samstagnachmittag ein bewegender Moment der Trauer und Erinnerung - auch an das eigene Schicksal, das gerade im Falle der Familien Fleischer besonders tragisch war. Erwin Fleischer war eigens aus Israel angereist, um dabei zu sein, wenn Gunter Demnig zwei Stolpersteine vor dem Haus seiner Eltern in der Nördlichen Ringstraße verlegt. Anfangs sei er der Idee der Stolpersteine "distanziert gegenüber gestanden'. Jetzt sei 'gerührt, dass hier an meine Eltern erinnert wird'. Denn 'mein Vater hat kein Grab auf dieser Welt'. Jetzt werden sich Menschen seiner erinnern. 
Und erinnern ist wichtig - wie die Aufzüge von Neonazis am Wochenende in Berlin einmal mehr deutlich machten. Denn "Vergessen wäre kein Stolperstein, sondern der Grundstein für die Wiederholung des Unrechtes', hatte Rebecca Ahrun betont. Die Schülerin des Freihof-Gymnasiums hatte mit weiteren Klassenkameradinnen die Lebenswege von Julius und Irma Fleischer nachgezeichnet. Sie wohnten in der Hauptstraße 11. 'Zwei unter vielen', angesichts deren Schicksal 'sich für uns bis heute die Frage stellt, wie es so weit gekommen war'. 
Die Kinder des Ehepaares haben das Terrorregime überlebt, waren ebenfalls mit ihren Familien nach Göppingen gekommen. Sylvia Hurst hatte mit einem Kindertransport 1939 Deutschland verlassen können und lebt bis heute in England. 'Sehr dankbar' sei sie für das Erinnerungsmal für ihre Eltern, bedankte sich bei den Initiatoren dafür auch im Namen ihres Bruders Richard. Er hat die deutsche Sprache bewusst vergessen, hasst gleichwohl die Deutschen nicht, 'nur das, wofür sie gestanden haben'. Den millionenfachen Tod, den sie planmäßig in die Welt gebracht hatten, besang die Esslinger Sängerin Marla in ergreifenden Texten, deren Traurigkeit sich niemand entziehen konnte.
Am Rande der Verlegung der Stolpersteine für 14 weitere ermordete Göppinger Juden kam es auch zu Begegnungen alter Freundinnen. Margarete Duisberg und Erela Tamri waren Nachbarskinder, haben gemeinsam ihre Kindheit in der Nordstadt verbracht. "Schön, dass ich dich noch einmal sehe", freute sich die 90-Jährige, als "Erika" geborene Frau, die in Israel lebt und deren 'schönstes Geburtstagsgeschenk dieses Familientreffen hier in meiner Heimatstadt Göppingen ist'."    
  
September 2010: Rundgang am "Europäischen Tag der jüdischer Kultur" mit Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß  
Goeppingen PA 201009.jpg (27953 Byte)Foto links von Margit Haas: Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß erinnerte bei dem Rundgang an die Zeugnisse jüdischer Geschichte.    
Artikel von Margit Haas in der "Südwestpresse" (Göppingen) am 5. September 2010 (Artikel):   "Zeugnisse jüdischer Geschichte gezeigt 
Göppingen. Jahrzehntelang lebten Christen und Juden in Göppingen gleichberechtigt nebeneinander. Anlässlich des "Europäischen Tages der Jüdischen Kultur" begab sich Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß auf Spurensuche. 

In über 30 Ländern wird jedes Jahr am "Europäischen Tag der Jüdischen Kultur" an das jüdische Kulturerbe erinnert. In Göppingen hatte Archivar Dr. Karl-Heinz Ruess gestern zu einem Rundgang zu Orten jüdischer Geschichte eingeladen, ließ dabei längst vergangene Begebenheiten lebendig werden, nahm die rund 50 Besucher auf ganz unterschiedliche Lebenswege mit. Einmal mehr wurde dabei deutlich, wie umfassend das Zerstörungswerk der Nationalsozialisten war. Denn auf den ersten Blick verraten die Örtlichkeiten nichts mehr über ihre ursprüngliche Bestimmung. Bauten werden heute völlig anders genutzt, wie ein Ärztehaus in der Kellereistraße deutlich macht. Hier lagen die Anfänge der Schuhfabrik von Max Levi, der späteren Firma "Salamander". Das Wohn- und Fabrikgebäude von Abraham Gutmann an der Bahnhofstraße mit dem 1903 eingebauten Aufzug wird heute als Bürogebäude genutzt. Auch ein Betsaal in der Pfarrstraße ist nicht mehr erkennbar. Andere Gebäude sind ganz verschwunden.
An die Synagoge erinnert nur noch der gleichnamige Platz. Sie war 1881 eingeweiht worden und belegt, wie nahe sich die Religionen gekommen waren: zur Weihe waren die beiden Stadtpfarrer gekommen. Überhaupt hat die Synagoge sich zu einem kulturellen Zentrum entwickelt, wofür nicht zuletzt Rabbiner Dr. Aaron Tänzer verantwortlich war. Er lebte in einer Epoche, die keine Unterschiede zwischen den Religionen machte. Denn ab 1864 waren die Juden völlig gleichberechtigt, unterlagen keinen Beschränkungen. Schnell integrierten sie sich, gaben ihre Kultur zum Teil völlig auf. Begriffe wie "Israelitische Kirchenpflege" sind ein Beleg für die Assimilation. Gleichwohl waren sie keine homogene Gruppe. Es gab Kommunisten wie August Thalheimer und Zionisten wie die Rohrbachers. In der Reichspogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge, wurden Geschäfte zerstört, die Männer nach Dachau deportiert. Es sollte ihnen deutlich gemacht werden: Ihr habt keine Zukunft mehr in Deutschland.
Auch Georg Lendt war mit seinem Kaufhaus in der Marktstraße betroffen. Und wurde zu der Sühneleistung herangezogen, mit der die Juden den angerichteten Schaden, den sie zunächst von den Versicherungen ersetzt bekamen, dem Reich bezahlen mussten. Lendt hatte das Land nicht verlassen. "Wer will mir etwas tun", hatte er gefragt und sich getäuscht. Er wurde nach Mauthausen deportiert und dort angeblich "auf der Flucht erschossen". Deportiert wurde noch im Februar 1945, als Auschwitz bereits befreit war. Die beiden Juden, die in Mischehen lebten, überlebten. Nicht so Berta Tänzer. An die Ehefrau des Rabbiners erinnert einer der gut 40 Stolpersteine der Stadt, der auf die Menschen und ihr Schicksale aufmerksam macht - wie auch das Mahnmal im Schlosswäldle oder eine Tafel an der Schiller-Realschule. Dort mussten sich alle Juden einfinden, wurden ihnen ihre Wertgegenstände abgenommen, bevor sie in die Lager des Osten deportiert wurden.
Info Weitere Infos in der stadt-geschichtlichen Veröffentlichung "Göppingen unterm Hakenkreuz"."
    
Juli / November 2011: Im November werden weitere "Stolpersteine" in Göppingen verlegt   
Artikel im "Südkurier" vom 27. Juli 2011 (Artikel): "Stolpersteine - eine Erinnerung an Opfer der NS-Zeit
Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er Gedenktafeln aus Messing verlegt. Das geschah in zwischenzeitlich über 500 Orten in Deutschland und mehreren europäischen Ländern. 
Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf ihnen stehen der Name und der Geburts- und - soweit bekannt - der Todestag. Die Patenschaft für einen Stolperstein kostet 95 Euro. Gunter Demnig wird bei der Verlegung von weiteren Stolpersteinen im November in der Göppinger Innenstadt mit dabei sein.
Spenden können auf das Konto der Initiative - Nr. 51044 beim Bankhaus Gebrüder Martin Göppingen BLZ 610 300 00 - überwiesen werden.
Auf der Homepage www.stolpersteine-gp.de  sind die Lebensläufe der Menschen, für die bereits Stolpersteine in Göppingen verlegt sind, aufgeführt."
    
   
Artikel von Margit Haas in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 27. Juli 2011 (Artikel): "Göppingen. Seit vier Jahren werden in Göppingen Steine gegen das Vergessen verlegt. Die geschichtsbewussten Bürger der "Initiative Stolperstein" haben sich jüngst zu einem Verein zusammen geschlossen. 
Viel Aufwand bedeutet es für Klaus Maier-Rubner und seine Mitstreiter, die Schicksale der Menschen zu recherchieren, für die Stolpersteine vor den Gebäuden verlegt werden, in denen sie zuletzt selbst bestimmt gewohnt hatten. 2005 war der erste für den ermordeten Albert Schuler in der Wolfstraße verlegt worden. Diese private Initiative aus der Familie heraus war für Maier-Rubner, "der Auslöser, mich zu engagieren".
Zunächst gilt es natürlich, das Schicksal der während der NS-Zeit ermordeten Göppinger zu recherchieren und Familienangehörige und Nachkommen zu finden. Die werden nämlich in Göppingen zur Verlegung der kleinen Messingtafeln eingeladen. Viele reisen selbst noch im hohen Alter an - wie im vergangenen Jahr die Kinder der Familien Fleischer, an die Stolpersteine am Nordring und der Hauptstraße erinnern. Ist für sie doch nicht selten "der Stolperstein Ersatz für das Grab, das es nicht gibt", sagt Maier-Rubner. Das erlebt er immer wieder.
In diesem November werden zur Verlegung weiterer 15 Stolpersteine an sechs verschiedenen Orten innerhalb des Stadtgebietes Familienangehörige aus Brasilien, Peru, Frankreich, den USA und Israel erwartet. Einen Teil der Reise- und Unterbringungskosten trägt die Stolpersteininitiative. Sie will auch am Ende der Aktion, wenn alle rund 100 Steine verlegt sind, die Recherchen zu den Schicksalen der NS-Opfer in einem Buch veröffentlichen. Das alles kostet viel Geld.
Und weil Klaus Maier-Rubner und seine Mitstreiter Claudia Liebenau-Meyer, Dr. Witgar Weber, Dr. Karl Heinz Rueß, Wolfram Hosch, Friedemann Messer oder Thomas Roos dabei zwischenzeitlich ausschließlich auf Spendengelder angewiesen sind, gründeten sie im Frühjahr den Verein "Initiative Stolperstein", der jetzt auch Spendenbescheinigungen ausstellen kann. So hoffen die Vereinsgründer, die Beteiligung an den Reisekosten für die Angehörigen, die diese alleine nicht aufbringen können, finanzieren zu können.
Am 25. November sollen weitere 15 Stolpersteine verlegt werden. Zum 70. Jahrestag der ersten Deportation von Göppinger Juden am 28. November 1941 laden das Stadtarchiv und die "Initiative Stolpersteine" am 6. November zu einer Veranstaltung ins Jüdische Museum ein. Dann wird an das Schicksal aller damals 41 Deportierten, von denen nur Richard Fleischer überlebte, erinnert werden."   
   
-  Weiterer Artikel von Margit Haas in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 23. August  2011: "Wer kennt die 'Nana'? 
Göppingen. Wenn am 25. November in Göppingen weitere Stolpersteine verlegt werden, sind Nachkommen der Familie Frankfurter dabei. Diese würden gerne die Angehörigen von Emilie Eisele treffen....  Artikel ist zu lesen über Link oder als pdf-Datei.      
-  Weiterer Artikel von Margit Haas in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 13. September 2011: "Rätsel um Nana ist gelüftet. 
Göppingen. Im November treffen sich Nachkommen der Familie Frankfurter mit Angehörigen ihrer 'Nana'. Die hatten sich bei der 'Initiative Stolpersteine' nach einem Zeitungsaufruf gemeldet." Artikel ist zu lesen über Link oder als pdf-Datei.       
  
April 2012:  Presseartikel zur Erinnerung an Gebhard Müller  
Artikel in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe) vom 25. April 2012: "Sein Mut bleibt in Erinnerung
Göppingen. Gebhard Müller spielte Anfang der 50er eine zentrale Rolle in der Südwest-CDU, doch bei der Geburt des neuen Bundeslandes wurde er übergangen. Den Göppingern bleibt er wegen seines Mutes in Erinnerung..."   
Link zum Artikel  
 
August 2012: Im September 2012 werden weitere "Stolpersteine" verlegt   
Artikel in der "Südwest Presse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 28. August 2012: "15 Stolpersteine in Göppingen verlegt
Neue Stolpersteine werden am Mittwoch, 19. September, in Göppingen verlegt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig erinnert mit ihnen an weitere Opfer der NS-Zeit, indem er Gedenktafeln aus Messing in den Boden einarbeitet. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier selbst bestimmt lebten. Auf ihnen stehen der Name, der Geburts- und, soweit bekannt, der Todestag.
In Göppingen sind bereits knapp 70 Steine verlegt worden. In diesem Jahr werden weitere 15 folgen. Im Jahr 2013 dann soll für jeden ermordeten Göppinger Juden, Patienten des Christophsbades oder aus politischen Gründen Ermordeten ein Stolperstein verlegt sein.
In diesem Jahr werden in der Frühlingsstraße 29 acht Steine verlegt für Sofie Bodenheimer, Frida Dettelbacher, Elsbeth, Ludwig und Franz Sepp Oberdorfer, Doris und Lise Rödelsheimer und Emil Hilb. In der Geislinger Straße 6/8 werden künftig Stolpersteine erinnern an Wilhelm Fleissig, Jenny Hirschhahn, Hannacha, Marianne und Max Schwab. Dritter Verlegeort wird die Querstraße 16 sein, womit an Julius Regensburger erinnert wird. In der Spitalstraße 17 wird ein Stolperstein für Elise Bensinger verlegt werden.
Die Aktion finanziert sich weitgehend aus Spenden. Die Patenschaft für einen Stolperstein kostet 120 Euro. Spenden für die Steine oder die Reisekosten der Angehörigen, die eingeladen werden, können auf das Konto mit der Nummer 51 044 beim Bankhaus Gebrüder Martin Göppingen (BLZ 610 300 00) überwiesen werden. Die Spenden sind steuerlich absetzbar.
Weitere Informationen zu dem Projekt als solchem sowie der Stolperstein-Verlegung gibt es bei Klaus Maier-Rubner, Telefon: (07161) 7 39 46. Die Lebensläufe aller Ermordeten, für die bislang Stolpersteine verlegt wurden, sind im Internet unter nachzulesen - auch in englischer Sprache." 
Link zum Artikel      
 
Oktober 2013: Weitere "Stolpersteine" werden am 2. Oktober 2013 verlegt 
Siehe Informationen auf der Website der Stolperstein-Initiative Göppingen: www.stolpersteine-gp.de  
 
2014: Für Mai 2014 ist die vermutlich letzte Verlegung von "Stolpersteinen" geplant  
Artikel in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 10. Januar 2014: "Geschenkte Eier wurden Georg Lendt zum Verhängnis..."  
Link zum Artikel    

       
 

Links und Literatur

Links:  

Informationsseiten des Stadtarchivs Göppingen zur jüdischen Geschichte von Göppingen und Jebenhausen (deutsch) oder (englisch)  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Göppingen (interner Link)  
"Stolpersteine" in Göppingen auf der Website der Stolperstein Initiative Göppingen: www.stolpersteine-gp.de   

Literatur (Auswahl):

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 84ff.
Goeppingen Buch 001.jpg (56164 Byte)Aaron Tänzer: Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen. Berlin/Stuttgart/Leipzig 1927. Reprint und zusätzliche Beiträge von Karl-Heinz Rueß über "Die Israelitische Gemeinde Göppingen 1927-1945" und "Dr. Aron Tänzer - Leben und Werk des Rabbiners" Weißenhorn 1988.
Germania Judaica II,1 S. 281; III,1 S. 444.
Dieter Kauß: Juden in Jebenhausen und Göppingen 1777 bis 1945. (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen Band 16). Göppingen 1981.
Walter Keller: Pfarrstraße 33 – Das Haus der ersten Göppinger Synagoge, in: Schwäbische Heimat (1982) S. 190-193.
Doris Kühner: Der Rabbiner Dr. Aron Tänzer und die jüdische Gemeinde in Göppingen. Zulassungsarbeit zur Ersten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen an der PH Schwäbisch Gmünd. Schwäbisch Gmünd 1981.
Karl Heinz Burmeister (Hg.): Rabbiner Dr. Aron Tänzer. Gelehrter und Menschenfreund 1871-1937. (=Schriften des Vorarlberger Landesarchivs Nr. 3) 1987.
Naftali Bar-Giora Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe Jebenhausen und Göppingen. 1990.
Jüdisches Museum Göppingen in der Alten Kirche Jebenhausen. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen Band 29). Weißenhorn 1992.
Karl-Heinz Rueß: "Was in Paris geschah, das habt ihr zu büßen!". Die Reichspogromnacht in Göppingen. Göppingen 1999.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 71-74.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
GP PA Lit 082011.jpg (130830 Byte)Zur Geschichte der Familie Geschmay: Anna Laura Geschmay Mevorach: Von der Schwäbischen Alb zur Venezianischen Lagune. Göppingen 2011. 176 S. mit zahlr. Abb. 10 €. Erhältlich über Archiv und Museen der Stadt Tel. 07161-650-190 E-Mail (museen[et]goeppingen.de).
Links: Buchbesprechung vom 24. Mai 2011 in der "Südwestpresse" (NWZ Göppingen, Link zum Artikel)    
  
   

Hinweis auf die Publikationen von Inge Auerbacher           

Kippenheim IAuerbacher 010.jpg (61713 Byte) Inge Auerbacher (geb. 1934 Kippenheim), erste Lebensjahre in Kippenheim (Poststraße 20) sowie Jebenhausen und Göppingen; 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert; nach der Befreiung durch die Rote Armee zunächst im DP-Flüchtlingslager in Stuttgart, kurze Zeit in Göppingen; im Mai 1946 in die USA ausgewandert (New York"), von Beruf Chemikerin.   
Autorin verschiedener Bücher, u.a. autobiographisches Kinderbuch: "Ich bin ein Stern"; lebt in New York. 
Wikipedia-Artkel zu Inge Auerbacher.  

    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 
          
Goeppingen  Wuerttemberg. The early Jewish community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. The few Jews there in 1462 were expelled soon after and only two families were present in 1849. Another two, arriving from Jebenhausen in the following year, established the local textile industry and in a short while there were about a dozen Jewish-owned corset factories in the town, the two largest of which each employed nearly 1,000 people. By 1880 there were 242 Jews in Goeppingen (total 22,383). A synagogue seated 278 was opened in 1881. The textile industry recovered after the war and included seven Jewish-owned spinning mills. In the Nazi era, Jewish public life was maintained in the face of growing anti-Jewish agitation. The first Zionist meeting was held in 1933, attracting most of the town's Jews, and a Jewish elementary school was opened in 1936. The influx of Jews from other settlements balanced those leaving, so that a population of over 300 was maintained for most of the 1930s. The synagogue was burned in Kristallnacht (9-10 November 1938) and Jewish stores were looted. A total of 259 Jews emigrated. The 84 who remained were expelled in 1941 and 1942, most to the Riga and Theresienstadt ghettoes, where they met their end.  
       
    

                   
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Stand: 21. Dezember 2014