|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Göppingen (Kreisstadt)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In der altwürttembergischen Stadt Göppingen lebten Juden
zunächst im Mittelalter. Ob es zur Bildung einer Gemeinde mit eigenen
Einrichtungen kam, ist nicht bekannt. Während der Judenverfolgung in der
Pestzeit 1349 wurden die Juden Göppingens ermordet. 1462 lebte wieder -
mit Erlaubnis von Graf Eberhard dem Jüngeren - eine jüdische Familie in der Stadt, die jedoch einige Zeit später wieder
ausgewiesen wurde. Wie im ganzen Herzogtum Württemberg konnten sich bis zum 19.
Jahrhundert keine Juden mehr in der Stadt niederlassen.
Erst um 1850 konnten wieder Juden in der Stadt zuziehen, unter ihnen
mehrere Fabrikanten aus Jebenhausen,
die in Göppingen bedeutende Industrieunternehmen (vor allem in der
Textilbranche) aufbauten. Eine jüdische Gemeinde wurde 1867 begründet. Die
Zahl jüdischer Einwohner in der Stadt war gestiegen von zwei jüdischen
Familien (1849; Familien der Jebenhäuser Fabrikanten Josef Raff und Salomon
Einstein) auf zehn Familien (1857) im Jahr der Gemeindegründung 174 jüdische
Einwohner. Die meisten der jüdischen Familien/Personen waren aus Jebenhausen
zugezogen, einige auch aus Ludwigsburg, Laupheim,
Lauchheim, Mühlbach
in Baden, Neckarsulm, Nordstetten
und anderen Orten.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts
eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (Schulraum bis 1881 im Gebäude der
alten Synagoge) und (seit 1904) einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Seit 1874,
der Verlegung des Rabbinates durch Rabbiner Max Herz von Jebenhausen nach
Göppingen, war Göppingen Sitz eines der württembergischen Bezirksrabbinate
(zu den Rabbinern siehe unten).
Die Gemeinde nahm einen weiter schnellen Aufschwung: 1880 wurden 242 jüdische
Einwohner gezählt (2,2 % von insgesamt 10.851 Einwohnern), 1890 271, 1900 325
und 1910 311 (1,4 % von insgesamt 22.373 Einwohnern). Zur jüdischen Gemeinde in
Göppingen gehörten auch die in der Umgebung lebenden jüdischen Personen: in Jebenhausen
(nach Schließung der dortigen Gemeinde, 1924 4 jüdische Einwohner), Süßen
(1924 8) und Kirchheim unter Teck
(Filialgemeinde, 1924 25 jüdische Einwohner).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Salo Brauer (geb.
1.3.1876 in Peiskretscham, gef. 2.12.1914), Milton Hirsch (geb. 14.1.1889 in
Göppingen, gef. 30.11.1914), Unteroffizier Albert Netter (geb. 23.2.1891 in
Göppingen, gef. 26.11.1918), Max Netter (geb. 6.5.1879 in Göppingen, gef.
16.4.1916), Eugen Rothschild (geb. 5.10.1896 in Göppingen, gef. 3.7.1916),
Leutnant Arthur Simon (geb. 28.2.1894 in Göppingen, gef. 31.10.1918), Moritz
Fuchs und Arthur Fuchs. Insgesamt nahmen 92 jüdische Gemeindemitglieder am
Krieg teil, neun davon als Kriegsfreiwillige (unter ihnen Rabbiner Dr. Tänzer
und sein Sohn Paul).
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1925 mit 351 Personen
erreicht (1,6 % von insgesamt 22.017 Einwohnern). 1925 waren die Vorsteher
der jüdischen Gemeinde: Rabbiner Dr. Arnold Tänzer, Salomon Ottenheimer,
Religionslehrer Carl Bodenheimer, David Fleischer, Sigmund Frankfurter und
Theodor Rosenthal. In der Gemeinde gab es 54 schulpflichtige Kinder, denen der
Religionsunterricht durch Rabbiner Tänzer und Religionslehrer Bodenheimer
erteilt wurde. Bodenheimer war auch als Kantor und Schochet in der Gemeinde
tätig. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere: die Israelitische Wohlfahrtszentrale
(gegründet 1922, 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 90/60
Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Wirtschafts-, Gesundheits- und
Jugendfürsorge), der Israelitische Wohltätigkeitsverein (gegründet
1876; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 86/98 Mitgliedern;
Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege), der Israelitische
Unterstützungsverein (gegründet 1901; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner
Dr. Tänzer mit 70 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Darlehensgewährung),
der Israelitische Frauenverein (gegründet 1881, 1924 unter Leitung von
Emilie Fleischer mit 84 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Mathilde Steiner mit
95 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenfürsorge, Unterstützung
Hilfsbedürftiger), der Jüdische Jugendverein (1924 unter Leitung von
Heinrich Frankfurter mit 40 Mitgliedern), der Israelitische Jungfrauenverein,
der Verein Merkuria (gegründet 1868, 1924 unter Leitung von Siegmund
Frankfurter mit 90 Mitgliedern; Ziel: Pflege der Geselligkeit), eine Ortsgruppe
des Centralvereins (1924 unter Leitung von Max Ottenheimer), eine Ortsgruppe
des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1924 unter Leitung von Dr. med.
Sallinger). 1932 war 1. Gemeindevorsteher Julius Guggenheimer. Als
Religionsoberlehrer war inzwischen Lehrer Levi in der Gemeinde
tätig.
Den jüdischen Einwohnern kommt ein wichtiger Anteil am wirtschaftlichen
Aufschwung Göppingens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu. Außer
den Industrieunternehmen gehörten ihnen bis nach 1933 zahlreiche andere
Handels- und Gewerbebetriebe. Um 1930 gab es auch zwei jüdische Ärzte, ein
Zahnarzt, ein Rechtsanwalt und ein Apotheker.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels-, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Familien/Einzelpersonen sind bekannt (Auswahl): Borato
Destillerie, Brennerei und Likörfabrik sowie Tabakfabrikate, Inh. Jakob Bernheimer (Geislinger
Straße ), Korsettfabrik Bergmann & Sohn, Inh. Alfred Stern und Wilhelm Eckhoff
(Ulrichstraße 16), Schürzen- und Wäschefabrik Brüder Block (Schillerstraße
48), Bahnhotel Göppingen Inh. Geschw. Dettelbacher mit Metzgerei Dettelbach, Inh. Max Krämer
(Bahnhofstraße 4, abgebrochen), Viehhandlung Julius Dörzbacher (Bahnhofstraße
28), Baumwollwaren Theodor Dörzbacher (Pfleghofstraße 1), Fell- und Darmgroßhandlung Josef Einstein & Söhne, Inh. Stefan Banemann und Josef Einstein
(Burgstraße 12), Kurzwaren Fa. Einstein & Guggenheim, Inh. Julius Guggenheim
(Langestraße 11), Textilwaren Einstein & Guggenheim (Langestraße 11), Textilwaren Einstein & Guggenheim
(Rabenstraße 20), Mech. Buntweberei Gebr. Frankfurter, Teilh. Heinrich, Jakob und Sigmund Frankfurter
(Bahnhofstraße 34), Fa. Süßkinds Kleidermagazin, Inh. J. Fränkel (Marktstraße
5), Kurz- und Modewaren Fa. Freudenberger & Co., Inh. Willi Böhm (Langestraße
11), Württembergische Filztuchfabrik, Inh. David Geschmay (Metzgerstraße 16), Schuhhaus Peter Gold, Inh. Heinrich Schiffmann
(Hauptstraße 11; wurde 1952 wieder eröffnet); Spinnereien und Webereien A. Gutmann & Co. GmbH
(Poststraße 2), Textilwaren Julius Gutmann (Marktstraße 72), Baumwollspinnerei an der Fils, Inh. R. & S. Gutmann
(Fabrikstraße 12), Gelatinefabrik Paul Hausmeister & Cie., Inh. Paul Hausmeister und Arthur Mändle
(Gartenstraße 40), Textilwaren Julius Heimann (Bahnhofstraße 26), Modewaren und Damenkonfektion Fa. Adolf Heimann
(Hauptstraße 2), Baumwollwaren Hugo Heumann (Ziegelstraße 2), Textilwaren Emil Hilb
(Poststraße 11), Textilwaren Eugen Hilb (Poststraße 6), Futterstoffe Karl Hirsch
(Spitalstraße 17), Dr. med. Salo Krämer (Marktplatz 3), Dr .med. Max Landauer
(Hauptstraße 31), Tee- und Kaffeevertretung Klara Lang (Christophstraße 59), Kaufhaus Georg Lendt (Untere
Marktstraße 8), Kolonialwaren Gisela Löwenstein (Geislinger Straße 6), Getreidegeschäft Fa. Heinrich Löwenstein, Inh. Julius Löwenstein
(Poststraße 18), Büchereinbandstoffe Fa. Netter & Eisig, Inh. Heinrich Netter und Ludwig Eisig
(Bahnhofstraße 25-27), Herrenkleiderfabrik Isidor Ostertag, Inh. Sigmund Meinfelder
(Langestraße 20), Metzgerei Simon Oppenheimer (Grabenstraße 18), Mech. Weberei Gebr. Ottenheimer, Inh. Max Ottenheimer
(Marstallstraße 40), Chemische Produkte Milton Rohrbacher (Gartenstraße 31), Chemische Fabrik Fa.
Kinessa, Inh. Siegfried Rohrbacher (Filsstraße 52), Kurzwaren Leopold Rosenthal
(Poststraße 12), Korsettenfabrik Rosenthal (Poststraße 12), Korsettenfabrik Rosenthal, Fleischer & Cie., Karela GmbH, Münchner Strickwarenfabrik (Obere
Freihofstraße 33), Dr. med. Hans Rothschild (Rosenstraße 8), Zahnarzt Dr. Albert Sallinger
(Poststraße 25), Öl- und Leimgroßhandlung, Chemisch-technische Produkte, Wagen- und Pferdedecken, Inh. Max und Viktor Schwab
(Karlstraße 38), Rechtsanwalt Dr. Albert Steiner (Bahnhofstraße 6), Dr. med. Erich Steinthal
(Uhlandstraße 9), Filztuchfabrik Karl Veit (Ulmer Straße 41), Viehhandlung Berthold Wertheimer
(Bleichstraße 10), Staufia-Verkaufsgesellschaft, Fa. Wohlwerth, Inh. Leo Guggenheim
(Hauptstraße 40).
1933 wurden 314 jüdische Einwohner in Göppingen gezählt (1,4 % von
insgesamt 23.007 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf
Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und
der Repressalien aufgewandert oder in andere Orte verzogen. Da sich der
nationalsozialistische Rassenhass in Göppingen jedoch nicht ganz so stark wie
in anderen Städten hervortat, sind andererseits nach Göppingen zwischen 1933
und 1940 noch 189 jüdische Personen zugezogen. Dennoch wurden auch hier die
jüdischen Einwohner immer mehr isoliert und zur Aufgabe ihrer Betriebe und
Geschäfte gezwungen. Die letzten jüdischen Betriebe wurden im November und
Dezember 1938 zwangsenteignet. 1936 musste eine eigene jüdische Schule
eingerichtet werden, da die jüdischen Kinder die öffentlichen Schulen nicht
mehr besuchen durften. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
zerstört (s.u.). Zahlreiche jüdische Männer wurden verhaftet und einige von
ihnen monatelang im KZ Dachau festgehalten. Am 1. Dezember 1941 wurden 41
jüdische Göppinger nach Riga deportiert, am 26. April 1942 weitere sieben
Personen nach Izbica bei Lublin (Polen). 23 Personen wurden am 22. August 1942
in das Ghetto Theresienstadt verbracht. Nur fünf Göppinger Juden kehrten aus
den Konzentrationslagern zurück, unter ihnen die 1934 geborene Inge Auerbacher
und ihre Eltern (siehe Hinweis unten bei der Literaturliste).
Von den in Göppingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Adelsheimer (1914),
Martha Bär geb. Rohrbacher (1901), Erich Banemann (1922), Hedwig Banemann geb.
Wortsmann (1890), Inge Banemann (1930), Stefan Banemann (1891), Elise Bensinger
geb. Wertheimer (1877), Hermine Bernheimer (1870), Sofie Bodenheimer geb.
Dettelbacher (1863), Erna Brandt (1902), Gretchen Babette Brauer (1900), Rosa
Bühler geb. Heumann (1870), Julian Cohn (1911), Robert Leopold Einstein (1902),
Albert Erlanger (1879), Fritz Erlanger (1913), Theodor Fellheimer (1886),
Rosalie Felsenthal (1891), Arthur Fleischer (1888), Bernhard Fleischer (1879),
Irma Fleischer geb. May (1894), Julius Fleischer (1882), Rosa Fleischer geb.
Goldstein (1874), Wilhelm Fleissig (1906), Isidor Fränkl (1885), Minna Fränkl
geb. Reilinger (1881), Marianne Frank geb. Rosenthal (1921), Rosa Frank (1920),
Hedwig Frankfurter geb. Epstein (1877), Sigmund Frankfurter (1866), David
Geschmay (1865), Pauline Geschmay geb. Schlossberger (1865), Emilie Goldstein
(1875), Betty Heimann geb. Bergmann (1888), Felicia Heimann (1906), Jenny
Heimann geb. Sicher (1873), Ludwig Heimann (1877), Rosa Herzberger geb.
Mannheimer (1870), Emil Hilb (1864), Elsa Hirsch (1898), Hedwig Hirsch geb.
Löwenstein (1871), Max Hirsch (1859), Jenny Hirschhahn (1882), Ernst Hofmann
(1872), Pauline Israel geb. Gutmann (1852), Rosa Jacobsohn (1886), Heinrich
Jochsberger (1909), Thekla Kahn geb. Rohrbacher (1868), Johanna Katz geb. Frank
(1874), Else Kooperberg geb. Sinn (1904), Esther Kutner geb. Zitter
(1882), Else Ledermann (1898), Friederike Lehmann geb. Raff (1857), Georg
Lendt (1873), Wilhelm Löwenstein (1874), Bodo Löwenthal (1911), Edith
Löwenthal (1922), Elsa (Else) Maier geb. Weinstock (1883), Rosa Maier geb.
Weinstock (1880), Friederike Mayer geb. Freudenberger (1888), Paula Mendle geb.
Hirsch (1892), Felix Morgenroth (1891), Elsbeth Oberdorfer geb. Hilb (1900),
Franz Sepp Oberdorfer (1938), Ludwig Oberdorfer (1893), Frida Oppenheimer geb.
Ullmann (1888), Simon Oppenheimer (1877), Isaak Piotrkowska (1881), Rebekka
Piotrkowska geb. Goldmann (1885), Siegmund Piotrkowska (1912), Dina Plawner
(1934), Pnina Plawner (1926), Julius Raff (1868), Jacob Regensburger (1890),
Julius Regensburger (1881), Doris Rödelsheimer (1930), Liese Rödelsheimer
(1928), Hedwig Rosenbusch geb. Rohrbacher (1877), Arnold Rosinberg (1936), Fritz
Rosinberg (1901), Heinz Rosinberg (1933), Irma Rosinberg geb. Hirschhahn (1906),
Selma Schottländer (1885), Hannacha Schwab (1941), Max Schwab (1909), Helene
Simon geb. Hirsch (1863), Sofie Simon (1891), Lotte Sinn geb. Dreifuss (1880),
Gretchen Steiner geb. Kirchhausen (1903), Erna Stern geb. Strauss (1893), Hilde
Berta Stern (1929), Leo Stern (1892), Therese Wassermann (1884), Alice Weil
(1906), Hedwig Weil geb. Rosental (1881), Lina Weil (1887), Paula Zitter (1881),
Rosa Zitter geb. Rotmann (1907), Sara Zitter
(1910).
Im Göppinger Schlossgarten steht seit 1995 ein Gedenkstein für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft.
– Ende November 1941 wurden die zur Deportation bestimmten Göppinger Juden in der Turnhalle der Schiller-Realschule gesammelt; seit Januar 2003 erinnert am Eingang dieser Schule eine
Gedenktafel an dieses Geschehen.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates in Göppingen
Rabbiner in Göppingen waren:
 | Max (Manasse) Herz (geb. 1815 in Kochendorf,
gest. 1904 in Göppingen): studierte in Tübingen, 1844 Rabbiner in
Jebenhausen, dann Verlegung der Rabbinates nach Göppingen, 1868 bis 1894
Rabbiner in
Göppingen. |
 | Dr. Hermann Kroner (geb. 1870 in Münster/Westfalen,
gest. 1930 in Oberdorf): Sohn des
Kirchenrats Dr. Theodor Kroner in Stuttgart; 1895 bis 1897 Rabbinatsverweser
n Göppingen, 1897 bis 1930 Rabbiner in Oberdorf am Ipf (bedeutender
Maimonides-Forscher). |
 | Jesajas Straßburger (geb. 1871 in Buttenhausen, gest.
1915): studierte in Tübingen, 1895-1897 Rabbinatsverweser in Oberdorf,
1897-1906 Rabbiner in Göppingen, 1906-1915 Rabbiner in Ulm. |
 | Dr. Arnold (Aron) Tänzer: (geb. 1871 in Pressburg,
gest. 1937 in Göppingen): studierte in Pressburg, Berlin und Bern; 1896 bis
1905 Rabbiner in Hohenems, 1905 bis 1907
Rabbiner in Meran, 1907 bis 1937 Rabbiner in Göppingen (1915 bis 1918
Feldrabbiner). An seinen Wirkungsorten hinterließ er viele Spuren seines
unermüdlichen Engagements für soziale und kulturelle Belange. Verfasser
zahlreicher lokalhistorischer Werke. In Göppingen legte Rabbiner Tänzer
seit 1909 den Grundstock für eine Volksbibliothek, der späteren
Städtischen Leihbücherei. Seit 1921 war er Ehrenmitglied des Göppinger
Veteranen- und Miliutärvereins "Kampfgemeinschaft". An ihn
erinnert in Göppingen das "Rabbiner-Tänzer-Haus" (siehe Fotos
unten, früheres Rabbinatsgebäude).
|
Einzelne Texte aus jüdischen Periodika zum
Rabbinat:
Rabbiner Max Herz wird zum Kirchenrat ernannt
(1894)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1894: "Göppingen,
24. November (1894). Dem hiesigen Herrn Rabbiner Herz ist aus Anlass
seines heute (Samstag) stattfindenden fünfzigjährigen Amtsjubiläums der
Titel eines Kirchenrats mit dem Rang der 7. Stufe verliehen worden. In
Folge dessen fand sich gestern Vormittag das theologische Mitglied der Königlichen
israelitischen Oberkirchenbehörde, Herr Kirchenrat Dr. Kroner von
Stuttgart mit Herrn Oberamtmann Dr. Schönmann und den Mitgliedern des
Kirchenvorsteheramtes, bei dem Jubilar ein, um persönlich die Urkunde über
die seltene Auszeichnung nebst den Glückwünschen Seiner Exzellenz, des
Herrn Staatsministers Dr. von Sarwey der Oberkirchenbehörde und des
Vereins der Rabbiner Württembergs in herzlichen und beredten Worten zu überreichen.
Der greise Jubilar dankte bewegt für die ihm gewordene Auszeichnung.
Gestern Abend wurde dem allbeliebten, von Pflichttreue erfüllten Herrn
Kirchenrat Herz von Seiten des hiesigen Liederkranzes ein Ständchen
gebracht, heute früh hat derselbe einen Festgottesdienst abgehalten und
abends findet ein Festessen zu Ehren des Jubilars statt. Die Gemeinde wird
eine Stiftung für junge Leute zum Lehrzweck errichten, die den Namen des
Jubilars tragen wird. Möge es ihm, der seit nunmehr 50 Jahren in einem
und demselben Bezirk als Geistlicher gewirkt hat, vergönnt sein, noch
lange seines Amtes als treuer und gewissenhafter Seelsorger seiner
Gemeinde zu walten! (Israelitische Wochenschrift)." |
Zum Tod von Rabbiner Max Herz (1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1904: "Aus Württemberg.
4. August (1904). Heute wurde in Göppingen der älteste württembergische
Rabbiner, der im Jahre 1916 in Kochendorf
geborene Kirchenrat a.D. M. Herz unter größerem Geleite zu Grabe
getragen. Nach vollendetem Studium übernahm Herz 1840 die Stelle eines
Hauslehrers im Hofrat Pfeifferschen Hause und erhielt 1845 das Rabbinat Jebenhausen,
das später nach Göppingen verlegt wurde. Diese Stelle verwaltete er bis
zu seiner 1895 erfolgten Pensionierung. Anlässlich seines 70.
Geburtstages erhielt er den Friedrichsorden und 1895 den Titel eines
Kirchenrats. Mehrere Jahrzehnte lang war Herz Mitglied der Königlichen Prüfungskommission
für die württembergischen Rabbinen. In der Synagoge gab Rabbiner Straßburger
den Gefühlen der Teilnahme beredten Ausdruck; am Grabe widmeten Rabbiner
Katz – Heilbronn und
Kirchenvorsteher Fleischer dem Verstorbenen einen warmen Nachruf."
|
Rabbiner Straßburger wird als Rabbiner in Ulm
gewählt (1906)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 3. August 1906: "Ulm.
Rabbinerwahl. Das hiesige Rabbinat wurde Herrn Rabbiner Straßburger -
Göppingen übertragen." |
Rabbiner Dr. Tänzer wird von orthodox-jüdischer Seite kritisiert
(1911)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1911: "Stuttgart.
Die Generalversammlung des ‚Württembergischen Landesverbands für
die Interessen des gesetzestreuen Judentums’ fasste folgende Resolution:
‚Der Landesverband protestiert energisch gegen die von Rabbiner Dr. Tänzer
in Göppingen in verschiedenen Blättern gebrachten Artikel, da diese die
selbst an höchsten Stellen anerkannte Verschiedenheit der gesetztreuen
und neologen Richtung im Judentum in Abrede zu stellen versuchten, um das
orthodoxe Judentum und insbesondere einzelne Personen, die sich um
dasselbe verdient gemacht, zu diskreditieren. Es handelt sich bei diesen
Differenzen nicht um ‚Ritualformen, die Privatsache sind’, sondern um
grundlegende Glaubenssätze des für das Judentum für alle Zeiten
verbindlichen Torahgesetzes.’ |
Zum Tod der Frau von Rabbiner Dr. Tänzer (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. September 1912: "Göppingen.
Im Alter von 37 Jahren verschied die Gattin Rabbiners Dr. Tänzer, eine
Frau von vornehmer Gesinnung. Sie war eine Tochter des Oberrabbiners
Markus Handler seligen Andenkens in Totis (Ungarn) und Schwester Rabbiners
Dr. Simon Hevesi – Budapest". |
Auszeichnung für Rabbiner Tänzer (1916)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Dezember
1916: "Dem Armeerabbiner der kaiserlich deutschen Bugarmee Dr.
Tänzer ist von Seiner Majestät dem Kaiser von Österreich das
Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen worden. Armeerabbiner Dr.
Tänzer stammt aus Preßburg und ist bereits früher durch Verleihung des
Eisernen Kreuzes 2. Klasse und des Ritterkreuzes des königlichen
württembergischen Friedrichsordens 1. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet
worden. Er war früher Landesrabbiner von Tirol und
Vorarlberg." |
Rabbiner Dr. Tänzer widmet eines seiner Bücher Prinz Leopold von Bayern
(1917)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. März 1917: "Aus
Ludwigsburg wird uns geschrieben: Seine Königliche Hoheit der Herr
Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern hat
die Widmung des vom Armeerabbiner der Bugarmee, Dr. Tänzer,
verfassten und derzeit im Erscheinen begriffenen Buches ‚Die Geschichte
der Juden in Brest-Litowsk’ angenommen." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle zunächst eines privaten Lehrers 1852 / 1860 , dann der Stelle
eines Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1852: "Göppingen,
im Königreich Württemberg. Offene Stelle für einen Hauslehrer. Wir
suchen bis zum Frühling dieses Jahres für 5 Kinder, im Alter von 5-7
Jahren, einen Hauslehrer, der in der Religion und im Hebräischen gründlichen
Unterricht zu geben, und sich hierüber, wie über seine Moralität, mit
genügenden Zeugnissen auszuweisen im Stande ist. Humane Behandlung,
angemessenes Salär, nach Umständen auch Reisekostenentschädigung werden
zugesichert. Hierauf
Reflektierende wollen sich über die weiteren Bedingungen in frankierten
Zuschriften wenden an Kaufmann
& Gebrüder Gutmann, Fabrikanten. Den 5. Januar 1852." |
| |
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Oktober 1860: "Offene
Lehrerstelle. Göppingen (Württemberg), 30. September 1860. Mehrere
Familien hier suchen einen ledigen Lehrer, der tägliche einige Stunden
hebräischen Unterricht zu erteilen hat. Frankierte Anträge nimmt
entgegen und nähere Auskunft erteilt Jos. Raff." |
| |
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. März 1874: "Die
hiesige Vorsängerstelle, mit welcher die Funktionen eines Schächters
verbunden sind, und die mit den Nebeneinkünften ein jährliches Einkommen
von circa 800 Gulden neben freier Wohnung gewährt, soll sofort besetzt
werden. Portofreie Meldungen nebst Zeugnissen sind in tunlicher Bälde an
das Unterzeichnete zu richten. Göppingen, den 12. Februar 1874. Das
israelitische Kirchenvorsteheramt." |
| |
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. März 1876: "Göppingen
(Württemberg), im Februar 1876. Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher
einschließlich der Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden
ist, soll bis April dieses Jahres mit einem seminaristisch gebildeten
Manne, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem
Chor und in Begleitung eines Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst
zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt,
sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt." |
| |
| Anmerkung: In der nachfolgenden Anzeige
in der orthodox-konvervativ geprägten Zeitschrift "Der
Israelit" bleibt in der Ausschreibung vermutlich bewusst das
Harmonium in der Synagoge unerwähnt. |
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1876: "Die hiesige
Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich der Nebeneinkünfte ein
Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll anfangs April dieses Jahres
mit einem seminaristisch gebildeten Mann, welcher befähigt ist,
Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor vorzubeten und den Schächterdienst
zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen, mit Zeugnissen belegt,
sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt. Göppingen
(Württemberg), Januar 1876." |
| |
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. März 1878: "Göppingen
(Württemberg), im März 1878. Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher
einschließlich der Nebeneinkünfte ein Einkommen von 1.800 Mark verbunden
ist, soll sofort mit einem seminaristisch gebildeten Manne, welcher befähigt
ist, Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor und in Begleitung
eines Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt
werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in Bälde zu
richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt." |
| |
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1878: "Die hiesige
Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich die Nebeneinkünfte ein
Einkommen von 1.800 Mark verbunden ist, soll sofort mit einem
seminaristisch gebildeten Manne, welcher befähigt ist,
Religionsunterricht zu erteilen, mit einem Chor und in Begleitung eines
Harmoniums vorzubeten und den Schächterdienst zu versehen, besetzt
werden. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in tunlicher Bälde
zu richten an das Israelitische Kirchenvorsteheramt. Göppingen (Württemberg),
im März 1878." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Göppingen als Station auf dem Weg zur politischen Gleichstellung
der württembergischen Juden (1861)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. März 1861: "Göppingen,
den 4. März (1861). Der Vorstand des Kultusministeriums, Staatsrat von Rümelin
hat soeben einen Gesetzesentwurf in der Kammer eingebracht, wonach
ausgesprochen werden soll, dass die staatsbürgerlichen Rechte unabhängig
seien von dem religiösem Bekenntnis, Der Entwurf geht an die
staatsrechtliche Kommission. Diese freudige Botschaft wurde von Stuttgart
aus an das 15er-Komitee, das aus der Esslinger Versammlung hervorgegangen,
hier tagte, telegraphiert. Die zur Unterzeichnung schon unterbreiteten
Adressen an die Königliche Staatsregierung und an die Stände erlitten
dadurch einige Redaktionsabänderungen und wurden eingereicht. Das
15-er-Komitee wurde von den Israeliten Göppingens festlich bewirtet und
die eingelaufene frohe Kunde fand jubelnden Widerhall in der Versammlung.
Das Komitee besteht aus folgenden Herren: Oberjustizprokurator Heß, die
Rechtskonsulenten Heiden, Kaulla, Lebrecht, Nördlinger; Dr. med.
Einstein, Dr. Adolph Levi, Rabbiner Dr. Wassermann, Buchhändler Heß,
Uhrmacher S. Levi, die Kaufleute E. Gutmann, Henle, Isac, Rothschild und
Steiner. Wir registrieren diese verehrlichen Namen zur Geschichte des
Kampfes um die politische Gleichstellung der Israeliten in Württemberg.
Wir hoffen, dass mit dem frohen Tage in Göppingen das Kämpfen um die
Gleichberechtigung sein Ende erreicht hat. – Wir glauben es aber der
Wahrheit schuldig zu sein, kundzutun, dass besonders einige hervorragende
Männer in Stuttgart in der Stille zur Erreichung des glücklichen Erfolgs
durch ihr unermüdliches Wirken beigetragen haben und erlauben uns die
Namen der Herren: Dr. Leopold Kaulla, Kollegialassessor Isidor Jordan,
Hofrat von Kaulla, der schon durch seine hervorragende Stellung dem
Judentume zur Ehre gereicht, zu nennen. – Wenn auch möglicherweise
dieser von der Königlichen Regierung eingebrachte Gesetzesentwurf noch
nicht Gesetzeskraft erhält, so hat doch die Königliche Regierung das
Prinzip der Gleichberechtigung aller Konfessionen anerkannt und muss es
zur vollständigen Geltung gelangen." |
Die Feiern zum Friedensschluss nach dem
deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit Dankgottesdienst in der Synagoge
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871: "Aus
Württemberg,
im März (1871). Durch
Erlass der königlichen
israelitischen Oberkirchenbehörde vom 28. Februar dieses Jahres wurde für
alle Synagogen des Landes aus Anlass des Friedensschlusses die Abhaltung
eines Dankgottesdienstes in der Weise angeordnet, dass nach Rezitierung
der Psalmen 9, 33 und 96 und nach dem Gesangchore vorgetragenen Liede Nr.
105 der Maier’schen Gebetordnung vom Rabbinen, beziehungsweise Vorsänger
die Festpredigt über den Text Psalm 89,16-18 gehalten wurde. In mehreren
israelitischen Gemeinden des Landes, wie in Buchau und Göppingen, fanden
feierliche Züge zum Gotteshause statt, welchen sich, um sich an dem
Gottesdienste zu beteiligen, auch Christen anschlossen. Die von dem Herrn
Kirchenrat Dr. von Maier in Stuttgart und von dem Rabbiner Herz in Göppingen
bei dieser Feier gehaltenen Predigten wurden auf vielseitiges Verlangen
durch den Druck veröffentlicht und finden dieselben um so reicheren
Absatz, als deren Ertrag für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen
Württemberger und für die deutsche Invalidenstiftung bestimmt ist.
In wahrhaft humaner Weise und im echt israelitischen Geiste wurde
von mehreren unserer Glaubensgenossen im lande die Friedensfeier durch
Akte der Wohltätigkeit verherrlicht. So ließ Herr Dr. Rosenthal,
Fabrikant und Kirchenvorsteher in Göppingen, 58 Kinder der dortigen
Waisenanstalt ‚Wilhelmshilfe’, 35 Soldatenfrauen und 140 weitere
Stadtarme am Tage vor der Friedensfeier, am Sonntag, den 5. März, auf
seine Kosten speisen, nachdem er bereits früher 500 Gulden dem
Invalidenfond zugewiesen hatte. Denselben Fonds soll, wie wir hören, Herr
Konsul Dreifuß in Stuttgart mit 10.000 Gulden am genannten Tage bedacht
haben. Möge in Anerkennung des edlen Patriotismus, welchen zahlreiche
Israeliten in reichen Spenden zur Linderung des durch den Krieg herbeigeführten
Elends in hervorragender Weise bekundeten, endlich der letzte Rest kränkender
Zurücksetzung und Ausschließung schwinden und im geeinigten Deutschland
ein Recht und ein Gesetz für Alle ohne Unterschied in Wahrheit und in
Wirklichkeit zur Geltung kommen."
|
Beginnende antijüdische Maßnahmen
(1933)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1933: "Göppingen. Hier
hat der Gemeinderat die Einsetzung einer Marktkommission beschlossen, um
Ostjuden vom Markt fernzuhalten."
|
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Fabrikant Isac Raff (1867)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1867: "Göppingen (Württemberg).
Eine schwere Wunde, die noch lange schmerzen wird, ist der Filial-Gemeinde
Göppingen geschlagen wurden, eine Wunde, die gewiss nicht nur in unserem
engeren Vaterlande, sondern weit über die Grenzen hinaus empfunden und in
ihrer ganzen Bedeutung gewürdigt werden wird.
Seit dem 28. Kislev weilt der Fabrikant Isac Raff nicht mehr unter
den Lebenden.
Wenn je die
Worte unserer Weisen, das das Wichtigste in der Geschichte die guten
Taten der Gerechten sind (frei übs.) auf einen Mann Anwendung finden können, wenn je
Anspruchslosigkeit, Berufstreue und Hingebung für die Interessen einem
Mann den Namen Zadik Tamim (vollkommener Gerechter) geben können, so ist es der Hingeschiedene.
Nicht nur
seine Stellung sowohl als Kirchenvorsteher und Gemeinderat bot ihm häufig
Gelegenheit, für die Interessen der Gesamtheit Gutes zu wirken, mehr noch
war es sein warmes Herz, sein schönes Gemüt.
Sein Wahlspruch war Säet für Gerechtigkeit, erntet für Liebe
(Hosea 10,12). Jeder, der seine Hilfe in Anspruch nahm, war derselben gewiss. Von
seinem Edelmute zeugen nicht nur die reichen Legate, die er noch kurze
Zeit vor seinem Tode bestimmte, sondern das viele Gute, das er an seinen,
an den Verwandten seiner Frau, an seinen Glaubensgenossen und an seinen
christlichen Mitbürgern fortwährend getan hat.
Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
25-jähriges Jubiläum von Fabrikant Salomon Ottenheimer als Kirchenvorsteher
(1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1892: "Göppingen.
Dieser Tage feierte Fabrikant Salomon Ottenheimer hier sein 25-jähriges
Jubiläum als Kirchenvorsteher. Als Zeichen der Anerkennung für seine
ersprießlichen Dienste, die er als solcher während des
Vierteljahrhunderts der hiesigen israelitischen Gemeine erwiesen, wurde
dem Jubilar in dessen Wohnung ein silberner Pokal und eine
kalligraphische, trefflich ausgefertigte Dankadresse unter Ansprache des
Verfassers derselben -
Rabbiner Herz und im Beisein der Mitglieder des Kirchenvorsteheramts –
übergeben. Unter Worten des Dankes sprach der Jubilar die Hoffnung aus,
auch in Zukunft für das Interesse der Gemeinde seine Kraft einsetzen zu können."
|
| |
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Februar 1892: "Göppingen,
1. Februar. Gestern feierte Herr Fabrikant Salomon Ottenheimer hier sein
25-jähriges Jubiläum als Kirchenvorsteher. Als Zeichen der Anerkennung für
seine ersprießlichen Dienste, die er als solcher während des
Vierteiljahrhunderts seine Tätigkeit der hiesigen israelitischen Gemeinde
erwiesen, wurde dem Jubilar in dessen Wohnung ein silberner Pokal und eine
kalligraphisch ausgefertigte Dankadresse unter Ansprache des Verfassers
derselben, Herrn Rabbiner Herz, im Beisein der Mitglieder des
Kirchenvorsteheramts übergeben. Unter Worten des Dankes sprach der
Jubilar die Hoffnung aus, in Zukunft für das Interesse der Gemeinde seine
Kraft einsetzen zu können." |
25-jähriges Amtsjubiläum von Julius
Reinganum als Mitglied des Kirchenvorsteheramts (1910)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" 21. Januar 1910: "Göppingen, 14.
Januar (1910). Am 9. dieses Monats feierte das israelitische
Kirchenvorsteheramt in einer Festsitzung das 25-jährige Amtsjubiläum
seines Mitgliedes, des Herrn Julius Reinganum. Zu dieser Sitzung war als
Vertreter der Königlich Israelitischen Oberkirchenbehörde auch Herr
Regierungsrat Dr. Schönmann erschienen, der in einer Ansprache die
Verdienste des Jubilars auf dem Gebiete der Humanität und Gemeinnützigkeit
würdigte und demselben ein Gratulationsschreiben der Königlichen
Oberkirchenbehörde überreichte. Rabbiner Dr. Tänzer feierte die
Verdienste des Jubilars um die Kirchengemeinde zu deren Mitbegründern
derselbe gehört, und überreichte ihm eine vornehm ausgestattete
Dankadresse. Herr Samuel Fleischer brachte die Glückwünsche der
Kirchenvorsteher zum Ausdruck, worauf der Jubilar in tiefster Rührung
allen seinen Dank aussprach."
|
Julius Reinganum erhält die "Königin Karl Olga
Medaille in Silber" (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. März 1910: "Herrn
Julius Reinganum in Göppingen ist vom König von Württemberg die ‚König
Karl Olga Medaille in Silber’ verliehen worden." |
25-jähriges Amtsjubiläum von Samuel Fleischer als
Kirchenvorsteher (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1910: "Das 25-jährige
Jubiläum als Kirchenvorsteher der israelitischen Gemeinde in Göppingen
beging Fabrikant und Gemeinderat Samuel Fleischer." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Viehhandlung Julius
Regensburger (1903)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1903: "Suche in mein Geschäft
einen ordentlichen
jungen Mann,
von 15-18 Jahren, welchem Gelegenheit
geboten ist, den Viehhandel gründlich zu erlernen, zu sofortigem
Eintritt.
Julius Regensburger, Viehhändler, Göppingen (Württemberg)." |
Anzeigen des Bahnhof-Hotels Dettelbach (1910 - 1937 !)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. März 1910: "Junges,
tüchtiges israelitisches Fräulein für Restaurant gesucht: gute
Bezahlung. Familienabschluss.
S. Dettelbacher z. Bahnhof
Göppingen, Württemberg". |
| |
Anzeige in
der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 1. Oktober 1936: "Zwischen
Ulm und Stuttgart erwartet Sie das Bahnhof-Hotel Dettelbacher
Göppingen.
Fernruf 2127
mit gemütlichen Räumen, gepflegter Küche, Fremdenzimmer
mit fließend warmem Wasser, Garagen, Nebenzimmern und Saal für
Konferenzen und Veranstaltungen." |
| |
Anzeige in
der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 8. Juli 1937: "Zwischen
Ulm und Stuttgart erwartet Sie das Bahnhof-Hotel Dettelbacher
Göppingen.
Fernruf 2127
mit gemütlichen Räumen, gepflegter Küche, Fremdenzimmer
mit fließend warmem Wasser, Garagen, Nebenzimmern und Saal für
Konferenzen und Veranstaltungen." |
Weitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
| Postkarte
der Firma Nathan Wassermann in Göppingen (1886) |
 |
 |
| |
Die
Karte der Fa. Nathan Wassermann wurde am 4. März 1886 nach Murrhardt
verschickt (kleinere Abbildung links: Firmen-Stempel). die Firma Nathan
Wassermann wurde 1873 in Göppingen gegründet; es handelte sich um eine
Manufakturwarenhandlung, die bis 1899 bestand, zuletzt unter dem
Schwiegersohn Wilhelm, genannt Adolph Simon. |
| |
|
| Karte
an die Firma Gebr. Levy & Rothschild in Göppingen (1886) |
 |
|
Die Karte wurde
von der Firma Carl Schmidt (Möbelmagazin, Schweinfurt) am 1. Oktober 1886
an die Firma Gebr. Levy & Rothschild in Göppingen verschickt. Bei der
Firma handelt es sich um eine von Moritz Rothschild einige Jahre geführte
Fabrik zur Herstellung von baumwollenen und leinenen Waren (ehem. E.
Dettelbach & Co., dann "Gebrüder Levy & Rothschild")
(Tänzer S. 447-448) |
| |
|
|
| Geschäftskarte
der Firma Rosenthal, Fleischer & Cie. (1888) |
 |
 |
| |
Die Karte - eine
vorgedruckte Mitteilung der Fa. Rosenthal, Fleischer & Cie. wurde am
31. März 1888 von Göppingen nach Greifswald geschickt. Bei Fa.
Rosenthal, Fleischer & Co. handelte es sich um eine
Korsettfabrik, die 1887 aus der Vorgängerfirma D. Rosenthal & Co.
hervorgegangen ist. 1894 bezog die Firma in Göppingen eines neu erbautes
Fabrikgebäude, das 1901 noch bedeutend vergrößert wurde. Die Firma, die
zahlreiche Filialen hatte, erlangte auf Weltausstellungen höchste
Auszeichnungen und bestand bis nach 1933 (Tänzer S. 457-458) |
| |
|
|
| Firmenkarte
der Fa. Gebr. Gutmann (1890) |
 |
 |
| |
Die
Karte der Fa. Gebr. Gutmann wurde am 25. Februar 1890 nach Ludwigsburg
verschickt; bei der Firma handelt es sich ursprünglich um die Fa. J.B.
Gutmann, Fabrikation von leinenen und baumwollenen Waren, die 1860 von
Jebenhausen nach Göppingen übersiedelte; 1877 wurde sie zur Firma
"Gebr. Gutmann" mit den Gesellschaftern Brüder Bernhard,
Leopold H. und Max H. Gutmann; die Firma bestand (seit 1900 als
"Mechanische Buntweberei am Stadtbach" bis 1908 (Tänzer S.
447-448) |
| |
|
|
| Firmenpostkarte
der Gebr. Ottenheimer, Baumwollen- & Leinenweberei in Göppingen
(1899) |
 |
 |
| |
Die Karte wurde am
18. August 1899 an den Direktor des Figaro (Tageszeitung) in Paris
geschrieben. Die Fa. Gebr. Ottenheimer wurde 1854 in Jebenhausen von den
Brüdern Salomon und Joseph Ottenheimer gegründet und beschäftigte 1863
bereits 500 Handweber. 1865 war die Firma nach Göppingen übersiedelt.
Seit 1905 war die Hauptniederlassung der Firma in Süßen
("Mechanische Weberei Süßen Gebrüder Ottenheimer, Göppingen und
Süßen" (Tänzer S. 442-443) |
| |
|
|
| Ansichtskarte
der Hauptstraße in Göppingen mit dem Geschäft von Adolph Heimann
(1907) |
 |
 |
| |
Adolph
Heimann stammt aus Oberdorf; er begründete 1867 in Göppingen ein
Geschäft für Damenkonfektion, Kleiderstoff und Aussteuer-Artikel. Nach
seinem Tod übernahmen seine Söhne Julius und Ludwig das Geschäft (nach
1913 Ludwig Heimann Alleininhaber). |
| |
|
|
| Gedenkkarte
zum 25-jährigen Regentschafts-Jubiläum von Prinzregent Luitpold von
Bayern (1911) |
 |
 |
| |
Die
Karte wurde aus München verschickt an Julius Mannheimer, einem Sohn
von Salomon Löb Mannheimer und der Pauline geb. Marx (die Familie war
1893 von Jebenhausen nach Göppingen gezogen) (Tänzer S.
348). |
| |
|
|
| Karte
der Fa. Milton Rohrbacher an die Lederleimfabrik Straub in Bopfingen
(1925) |
 |
 |
| |
Die
Karte der Fa. Milton Rohrbacher wurde am 9. März 1925 verschickt; die
Firma wurde 1893 von Milton Rohrbacher in Göppingen gegründet; seit 1922
war sein Sohn Siegfried Teilhaber; die auf chemisch-technische Produkte
spezialisierte Firma produzierte u.a. die Artikel Kinessa-Bohnerwachs und
Kinessa-Holzbalsam (Tänzer S. 465). |
| |
|
|
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Nach dem Zuzug mehrere jüdischer
Personen/Familien von Jebenhausen nach Göppingen baten diese im Mai 1857
bei der Israelitischen Oberkirchenbehörde um die Erlaubnis, in Göppingen einen
Filialgottesdienst einzurichten. Damals wurde das Gesuch noch abschlägig
beschieden. Im Mai 1860 erneuerten die Göppinger Israeliten ihr Gesuch. Die
Kosten wollten sie selbst tragen. Wenig später erhielten sie die Genehmigung,
doch verzögerte sich die Einrichtung eines Betsaales, da man sich nicht über
den Erwerb eines Gebäudes für Gottesdienst und Schule einigen konnte. Nachdem
am 1. Juli 1867 eine selbständige israelitische Gemeinde in Göppingen
gegründet werden konnte, wurden noch im selben Monat in einem Gebäude (heutige
Anschrift des Nachfolgegebäudes: Schützenstraße 2) zwei Wohnungen gemietet
und mit einem Kostenaufwand von 1.074 Gulden zu einem Betraum
umgewandelt. Torarolle und andere Kultgegenstände sowie ein Harmonium wurden
angeschafft beziehungsweise gespendet. Auch die Wohnung des Vorsängers, das
Sitzungszimmer des Synagogenvorstandes und ein Schulraum befanden sich in diesem
Gebäude (es wurde 1897 abgebrochen).
Nachdem dieser erste Betsaal sich innerhalb von wenigen
Jahren als zu klein für die wachsende Gemeinde erwies, wurde 1872 eine erste
Synagoge in dem 1871 erbauten Haus Pfarrstraße 33 eingerichtet. Am
Neujahrstag im Herbst 1872 wurde die Synagoge eingeweiht, die 55 Sitzplätze für
Männer und 45 für Frauen bot. Beide saßen - getrennt voneinander – auf
derselben Höhe im Betsaal. Die Empore war für jüngere Leute sowie den Chor
und das Harmonium bestimmt. Auch diese erste Synagoge war nach 10 Jahren zu
klein. 1881 wurde sie verkauft. In ihr konnte dann für einige Jahre ein Betsaal
der methodistischen Kirche eingerichtet werden. Nach 1885 wurde sie zu einem bis
heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut.
Eine neue Synagoge wurde 1880/81 erbaut,
nachdem bereits seit 1878 ein Grundstück in der Freihofstraße hierfür
vorgesehen war. Der Spatenstich erfolgt am 1. März 1880, die Grundsteinlegung
war am 23. April. Die Synagoge wurde nach den Plänen von Christian Friedrich
von Leins erbaut, Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Die
Bauleitung hatte Ingenieur Elsässer. Der Bau erhob sich (nach der
Baubeschreibung von Harold Hammer-Schenke, Synagogen in Deutschland Teil 1, S.
353f) über einem "quadratischen Grundriss. Diesem Quadrat, das den Kultraum mit
dreiseitig umlaufenden Emporen enthielt, wurde ein querrechteckiger Westbau
vorgelegt, der im Untergeschoss die Eingangshalle, ein Sitzungszimmer mit
Garderoben und im Obergeschoss die Orgelempore beherbergte. Im Äußeren war der
Kultbau durch Lisenen und Gesimse, sowie durch Maßwerkfenster gegliedert; ein
Quergiebel deutete eine kreuzförmige Raumgestalt an. Über der ‚Vierung’
erhob sich, auf achtseitigem Tambour, eine hohe Kuppel. Der im Äußeren
basilikal wirkende Westvorbau öffnete sich in einer hohen, rundbogig
geschlossenen, von einem dreieckigen Giebel überfangenen Eingangshalle. Der
Emporenraum darüber wiederholte das Motiv, wobei ein Rundfenster mit Sechspass
für die Beleuchtung sorgte. Den Giebel krönten die Gesetzestafeln". Die
Baukosten der Synagoge betrugen etwa 60.000 Mark. Sie verfügte über insgesamt
278 Sitzplätze. Im Hauptraum waren es 136 Plätze für Erwachsene, dazu 40 für
die schulpflichtige Jugend. Auf den Emporen gab es 102 Plätze (je 51 auf der Männer-Galerie
und der Frauen-Galerie).
Am 16. und 17. September 1881 fand die Einweihung
der Synagoge statt. Am Nachmittag des 16. September bewegte sich ein festlicher
Zug vom bisherigen Betsaal in der Pfarrstraße zur neuen Synagoge. Voran ging
die Schuljugend, der Sängerchor, die Träger mit den Torarollen, Rabbiner Max
Herz und die Kirchenvorsteher. Es folgten die Ehrengäste, das Baukomitee und
Baupersonal sowie viele Gemeindeglieder und Interessierte aus der ganzen Bevölkerung.
Der Einzug in die Synagoge geschah unter Psalmgesang, worauf die Torarollen in
den Toraschrein gestellt wurden. Rabbiner Herz hielt die Festpredigt. Von der
israelitischen Oberkirchenbehörde waren unter anderem der Stuttgarter
Bezirksrabbiner und Kirchenrat Dr. Moses von Wassermann sowie Hofrat Adolf Levi
anwesend. Am Nachmittag und Abend des 17. September fanden im Gasthaus
Dettelbacher ein großes Fest-Bankett mit Grußworten, ein Vortrag über die
Geschichte der jüdischen Gemeinden in Jebenhausen und Göppingen und weitere
Darbietungen statt.
Die Einweihung der Synagoge (1881)
Aus
einem Bericht über die Einweihung mehrerer Synagogen in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom
11. Oktober 1881: "…Indem wir daher heute über die Einweihung von vier
Synagogen zu berichten haben, nämlich zu St. Gallen in der Schweiz, zu Göppingen
in Württemberg, zu Altona und zu Schwetz, werden wir der ersteren eine größere
Aufmerksamkeit zuwenden, weil dieselbe in der Ostschweiz die erste
Synagoge ist und die Einweihung die Teilnahme der christlichen Bevölkerung
ungewöhnlich in Anspruch nahm…" |
Auch
in Göppingen (Württemberg), das jüdischerseits erst in neuerer Zeit
durch Zuzug aus der älteren Gemeinde Jebenhausen bevölkerter geworden,
hatte man sich bisher mit einem Mietlokal begnügt, welches jetzt durch
eine neu erbaute Synagoge ersetzt worden ist. Sie steht in der neuen Straße
mitten zwischen den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen und ist
mit ihrer hoch anstrebenden Kuppel stilvoll gebaut. Eine hübsche Terrasse
führt zu dem reich geschmückten Eingang hinauf, über welchem wie an
anderen passenden Stellen hebräische Inschriften angebracht sind. Das
Innere ist durchaus harmonisch gehalten. Die Teilnahme der christlichen
Bevölkerung war eine allgemeine. An dem Wege, den der Zug vom alten
Betsaale her nahm, war Alles reich beflaggt. An dem Zuge selbst nahmen
auch die Geistlichen der christlichen Konfessionen und die Mitglieder der
bürgerlichen Kollegien teil. Über die Festpredigt des Rabbiners Herz
sagt der Berichterstatter: ‚Die
jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht wiedergeben,
da der Raum nicht hinreichen würde. Anknüpfend an das Schicksal der noch
jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Herz in edler
gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen
ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Nächstenliebe ohne
Ansehen der Person, des Standes oder Glaubens betätigen müsse, auf
eindringliche Weise aus, die jedem seiner Zuhörer zu Herzen ging.’"
|
| |
|
Bericht im "Göppinger Wochenblatt" vom 17. September 1881 (Quelle: aus Tänzer s.u. S. 493ff):
"In der Neuen Straße, dem schönsten Teile der Stadt, und mitten
zwischen den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen gelegen, ergebt sich
seit einiger Zeit ein Bau, dessen Stil und himmelanstrebende Kuppel dem
Beschauer schon von ferne anzeigen, dass er zu einem Gotteshause bestimmt sei:
es ist die neue Synagoge der israelitischen Gemeinde. Eine hübsche Terrasse
führt von der neuen Strasse zu dem reichgeschmückten Eingang hinauf, durch den
man in ein geschmackvoll ausgestattetes Vestibül tritt, zu dessen beiden Seiten
Treppen zu den Emporen führen. Gegen Süden ist ein Lehr-Zimmer zum
Religionsunterricht, gegen Norden das Sitzungszimmer der Kirchenvorsteher
eingerichtet. Über dem Haupteingang und an anderen passenden Stellen sind
hebräische Inschriften angebracht. Die eigentliche Synagoge zeigt im untern
Raume mit ihren Sitzplätzen, den Emporen, der Orgel, große Ähnlichkeit mit einer
christlichen Kirche, während der Altar, das Allerheiligste, die Sitze des
Rabbiners, des Vorsängers, diejenigen der Kirchenvorsteher, die Leuchter usw.,
alles auf der Ostseite angebracht, den mosaischen Ritus andeuten. Die Malerei
stimmt zu der ganzen Einrichtung und so bildet das Innere ein harmonisches
Ganzes. Dieses neue Gotteshaus wurde gestern unter großer Beteiligung auch der
christlichen Einwohnerschaft feierlich eingeweiht. Um 4 Uhr nachmittags
versammelten sich die israelitischen Gemeindeglieder und die übrigen
Festgenossen in und vor dem seitherigen, gemieteten Betsaal. Um 4 1/2 Uhr
bewegte sich der festliche Zug über den Schlossplatz, einen Teil der
Pfarrstraße, um beim neuen Schulhause in die reichbeflaggte Neue Straße einzulenken,
in der sich eine Menge von Zuschauern jeden Alters und Geschlechts drängte.
Voraus zog die festlich geschmückte israelitische Schuljugend, dann folgten der
Synagogenchor, die Toraträger, Rabbiner und Kirchenvorsteher, die Ehrengäste,
darunter die Geistlichen der christlichen Konfessionen, die Mitglieder der bürgerlichen
Kollegien usw., dann das Baukomitee und Baupersonal, die Männer der israelitischen
Gemeinde und die übrigen Teilnehmer. An dem Portal der neuen Synagoge überhab
Herr Architekt Elsässer namens seines Prinzipals, der Herrn Oberbaurats Dr. von
Leins, des Erbauers der Synagoge, den Schlüssel derselben mit den besten
Wünschen für die Gemeinde dem ältesten Mitgliede des Kirchenvorsteheramts;
Herr Ottenheimer erwiderte ihm dankend im Namen der Kirchenvorsteher. Dann
füllten sich rasch die Räume des neuen Gotteshauses.
Der Synagogechor begann die kirchliche Feier mit einem Begrüßungsgesang in
hebräischer Sprache, während dessen Vorsänger, Toraträger, Rabbiner und
Kirchenvorsteher eintraten und sich aufstellten. nach einem Vortrage des
Vorsängers wurden die Torarollen durch den Rabbiner in das Allerheiligste
gebracht, worauf der Chor die Hymne "Hoch tut euch auf, ihre Tore der
Welt" sang. Die jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht
wiedergeben, da der Raum nicht hinreichend würde. Anknüpfend an das Schicksal
der noch jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Hertz in
edler gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen
ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Nächstenliebe ohne Ansehen
der Person, des Standes oder Glaubens betätigen müsse, auf eindringliche Weise
aus, die jedem seiner Hörer zu Herzen ging. Der Psalm 118: "Danket dem
Herrn", vom Chor gesungen, machte den Beschluss der eigentlichen
Einweihungsfeier, an welche sich noch ein Abendgottesdienst mit Chorbegleitung
anschloss.
Diese erhebliche Feier wird wohl bei den meisten Teilnehmern in gutem
Gedächtnis bleiben. - Unter den Festgenossen bemerkten wir gestern unter
anderen den Herrn Kirchenrat Dr. Wassermann und den früheren langjährigen
Lehrer der israelitischen Gemeinde in Jebenhausen, Herrn Elsässer."
|
1925 wurde die Synagoge umfassend modernisiert. An
Stelle der bisherigen Gasbeleuchtung trat elektrische Beleuchtung. Zusätzliche
Bänke für die Schulkinder der Gemeinde wurde aufgestellt. Zur Innenausstattung
der Synagoge gehörten damals elf Torarollen, von denen sich eine in der
Filialgemeinde in Kirchheim unter Teck befand, neun Toravorhänge, 24 Toramäntelchen,
zwei Chanukka-Leuchter, verschiedene Garnituren für den Toraschmuck,
Kidduschbecher und anderes mehr.
Fotos / Darstellungen
Die erste Synagoge 1871-1881
Historische Fotos/Pläne:
(Quelle: Stadtarchiv Göppingen)
| Plan für die Herstellung
eines neuen Wohngebäudes mit Betsaaleinrichtung für den Göppinger
Schreinermeister W. F. Boger (heutiges Gebäude Pfarrstraße 33, um 1870) |
|
|
| |
Ansicht des Gebäudes von der Pfarrstraße
|
|
| |
|
|
 |
 |
 |
|
Erdgeschoss mit Betsaal |
1. Stock mit Frauenempore
|
2. Stock mit Wohnung und Schulzimmer |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985
(Fotos: Hahn) |
 |
 |
| |
Ansicht des ehemaligen
Synagogengebäudes |
| |
|
Foto 2003:
(Foto: A. Winkler) |
 |
|
| |
|
|
Die neue Synagoge
1881-1938
Historische Fotos / Abbildungen
(Quelle: Stadtarchiv Göppingen, nähere
Nachweise in den Veröffentlichungen des Stadtarchivs, s. Lit.: Reprint von A.
Tänzer 1988 und Jüdisches Museum... 1992; farbige Postkarten: Sammlung
Hahn)
 |
|
 |
| |
Die Synagoge im Jahr der Fertigstellung |
|
| |
|
|
|
 |
 |
|
Die Synagoge als Postkartenmotiv (Karte rechts aus Sammlung Peter Karl
Müller, Kirchheim/Ries) |
| |
|
|
|
|
Weitere Karten |
Die Synagoge um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in
Württemberg. 1932 S. 78) |
| |
|
|
|
|
|
Innenaufnahme der Synagoge nach der Einweihung 1881 |
"Musikalische Morgenfeier" 1929, übertragen vom Rundfunk aus
der Synagoge Göppingen |
|
| |
|
|
| Die Zerstörung der Synagoge in der
Pogromnacht 1938 |
|
|
| |
Die ausgebrannte Ruine der Synagoge, vermutlich am 10. November 1938 |
Verkohlte und rauchende Trümmer in der Synagoge
|
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
 |
 |
| |
Gedenktafel für die ehemalige
Synagoge |
| |
|
Fotos 2003:
(Fotos: A. Winkler) |
 |
 |
|
Aufgang zum ehemaligen Synagogengrundstück |
Gedenktafel |
| |
|
|
Fotos 2009:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.10.2009) |
 |
 |
| |
Das Grundstück
der ehemaligen Synagoge |
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
Gedenktafel mit
Kerzen |
| |
|
|
| Das
Rabbiner-Tänzer-Haus |
 |
 |
| |
Neben dem Platz
der Synagoge: Gebäude des ehemaligen Rabbinates, heute:
"Rabbiner-Tänzer-Haus" mit Gedenkinschrift |
| |
|
| |
 |
 |
| |
Eingangstür mit
Spuren der Mesusa |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Seit 2005: Erinnerung an ermordete
jüdische Göppinger durch die Aktion
"Stolpersteine" |
Links:
Foto von Margit Haas: Das Interesse an der NS-Vergangenheit ist groß, wie
eine besondere Stadtführung zeigt.
Bericht von Margit Haas in den "Göppinger Kreisnachrichten" vom
9. Februar 2009: Stolpersteine wider das Vergessen - Großes Interesse an besonderer Stadtführung in Göppingen
Sie sind Mahner gegen das Vergessen, die Stolpersteine, die an die während der NS-Diktatur ermordeten Menschen erinnern. Das Interesse an ihrem Schicksal ist ungebrochen, wie eine Stadtführung zeigte.
Das Interesse an der NS-Vergangenheit ist groß, wie eine besondere Stadtführung zeigte.
Göppingen Die dunkelste Zeit der Stadtgeschichte ist auch in Göppingen die Zeit der NS-Diktatur. Allerdings hat sich die Stadt dem Thema immer gestellt, nichts vom Unrecht, das an ihren Menschen verübt wurde, geleugnet. Denn auch Göppinger sind ihrer Religion, ihrer Überzeugung wegen oder einfach nur, weil sie krank waren, ermordet worden. Seit 2005 erinnern an 13 von ihnen 13 Stolpersteine. Die Aktion war vom Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen worden, der damit den Opfern ihren Namen wieder gibt. Über 6000 Steine gibt es in Deutschland an den letzten bekannten Wohnorten der Opfer. Sie enthalten ihren Namen und, soweit bekannt, ihre Lebensdaten.
Die Steine in Göppingen sind über das ganze Stadtgebiet verteilt, und so brauchten die Teilnehmer der Führung von Thilo Keierleber gutes Schuhwerk und warme Kleidung für ihren rund zweistündigen Gang durch die Stadt. Vor dem Christophsbad sind zwar keine Steine verlegt, doch auch hier waren Opfer zu beklagen. Waren doch die psychisch Kranken bei der "Aktion T 4" ermordet worden. Außer dem Stolperstein erinnert in der Metzgerstraße nichts mehr an das Ehepaar Pauline und David Geschmay, die Gründer der Filztuchfabrik. Pauline war eine mutige Frau, sammelte Unterschriften gegen Hitlers Rassegesetze. David widersetzte sich der Arisierung. David "geht in Theresienstadt elend zugrunde, von Pauline, die ins Vernichtungslager Treblinka deportiert wurde, wissen wir nicht einmal das Todesdatum".
In der Karlstraße lebte Theodor Kynast. Als Patient des Christophsbades wurde er nach Winnenden abtransportiert und wusste ganz genau, was mit ihm geschehen würde. In den Dingen, die seinen Eltern nach der Ermordung geschickt worden waren, war auch ein Keks, auf den er schrieb "Abteilung Mörder". Ein Bild dieses Kekses ist heute im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen. Albert Schuler, ab 1939 technischer Leitung des Schulerkonzerns, war erklärter Gegner des Regimes. Er wartete "auf den Tag, an dem der Führer ums Leben gebracht wird", so die Anklageschrift des Volksgerichtshofes, der ihn zum Tode verurteilte.
Besonders zu Herzen gehen die vier Steine vor dem "Reben" in der Marktstraße. Die ganze Familie Rosinberg war ausgelöscht worden, auch die 1933 und 1936 geboren Kinder Heinz und Arnold. Nichts ist bekannt über ihr Schicksal, "verschollen in Riga", mehr wissen die Steine nicht zu berichten. Vor dem Rabbinerhaus erinnert ein Stein an Bertha Tänzer, vor dem "Marstall" an Johann Gahr. Der Kommunist starb auf nicht geklärte Weise im Gefängnis. Die meisten Passanten "stolpern" wohl über die Steine, die an Betty und Louis Heimann im Herzen der Stadt erinnern. |
| |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur (Auswahl):
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern.
1966. S. 84ff. |
 | Aaron Tänzer: Geschichte der
Juden in Jebenhausen und Göppingen. Berlin/Stuttgart/Leipzig 1927. Reprint und
zusätzliche Beiträge von Karl-Heinz Rueß über "Die Israelitische
Gemeinde Göppingen 1927-1945" und "Dr. Aron Tänzer - Leben und
Werk des Rabbiners" Weißenhorn 1988. |
 | Germania Judaica II,1 S. 281; III,1 S. 444. |
 | Dieter Kauß: Juden in Jebenhausen und Göppingen 1777 bis
1945. (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen Band 16).
Göppingen 1981. |
 | Walter Keller: Pfarrstraße
33 – Das Haus der ersten Göppinger Synagoge, in: Schwäbische Heimat (1982)
S. 190-193. |
 | Doris Kühner: Der Rabbiner Dr. Aron Tänzer und die
jüdische Gemeinde in
Göppingen. Zulassungsarbeit zur Ersten Dienstprüfung für das Lehramt an
Grund- und Hauptschulen an der PH Schwäbisch Gmünd. Schwäbisch Gmünd
1981. |
 | Karl Heinz
Burmeister (Hg.): Rabbiner Dr. Aron Tänzer. Gelehrter und Menschenfreund
1871-1937. (=Schriften des Vorarlberger Landesarchivs Nr. 3) 1987. |
 | Naftali Bar-Giora Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe Jebenhausen und Göppingen.
1990. |
 | Jüdisches Museum Göppingen in der
Alten Kirche Jebenhausen. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen
Band 29). Weißenhorn 1992. |
 | Karl-Heinz Rueß: "Was in Paris geschah, das habt ihr zu büßen!". Die Reichspogromnacht in Göppingen.
Göppingen 1999.
|
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 71-74. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|
Hinweis auf die Publikationen von Inge Auerbacher
Inge Auerbacher (geb.
1934 Kippenheim), erste Lebensjahre in Kippenheim (Poststraße
20) sowie Jebenhausen und Göppingen; 1942 in das Ghetto Theresienstadt
deportiert; nach der Befreiung durch die Rote Armee zunächst im
DP-Flüchtlingslager in Stuttgart, kurze Zeit in Göppingen; im Mai 1946
in die USA ausgewandert (New York"), von Beruf
Chemikerin.
Autorin verschiedener Bücher, u.a. autobiographisches Kinderbuch: "Ich bin ein Stern"; lebt in New York.
Wikipedia-Artkel zu
Inge Auerbacher.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Goeppingen
Wuerttemberg. The early Jewish community was destroyed in the Black Death
persecutions of 1348-49. The few Jews there in 1462 were expelled soon after and
only two families were present in 1849. Another two, arriving from Jebenhausen
in the following year, established the local textile industry and in a short
while there were about a dozen Jewish-owned corset factories in the town, the
two largest of which each employed nearly 1,000 people. By 1880 there were 242
Jews in Goeppingen (total 22,383). A synagogue seated 278 was opened in 1881.
The textile industry recovered after the war and included seven Jewish-owned
spinning mills. In the Nazi era, Jewish public life was maintained in the face
of growing anti-Jewish agitation. The first Zionist meeting was held in 1933,
attracting most of the town's Jews, and a Jewish elementary school was opened in
1936. The influx of Jews from other settlements balanced those leaving, so that
a population of over 300 was maintained for most of the 1930s. The synagogue was
burned in Kristallnacht (9-10 November 1938) and Jewish stores were
looted. A total of 259 Jews emigrated. The 84 who remained were expelled in 1941
and 1942, most to the Riga and Theresienstadt ghettoes, where they met their
end.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|