Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)   
   
In der altwürttembergischen Stadt Göppingen lebten Juden zunächst im Mittelalter. Ob es zur Bildung einer Gemeinde mit eigenen Einrichtungen kam, ist nicht bekannt. Während der Judenverfolgung in der Pestzeit 1349 wurden die Juden Göppingens ermordet. 1462 lebte wieder - mit Erlaubnis von Graf Eberhard dem Jüngeren - eine jüdische Familie in der Stadt, die jedoch einige Zeit später wieder ausgewiesen wurde. Wie im ganzen Herzogtum Württemberg konnten sich bis zum 19. Jahrhundert keine Juden mehr in der Stadt niederlassen.   
        
Erst um 1850 konnten wieder Juden in der Stadt zuziehen, unter ihnen mehrere Fabrikanten aus Jebenhausen, die in Göppingen bedeutende Industrieunternehmen (vor allem in der Textilbranche) aufbauten. Eine jüdische Gemeinde wurde 1867 begründet. Die Zahl jüdischer Einwohner in der Stadt war gestiegen von zwei jüdischen Familien (1849; Familien der Jebenhäuser Fabrikanten Josef Raff und Salomon Einstein) auf zehn Familien (1857) im Jahr der Gemeindegründung 174 jüdische Einwohner. Die meisten der jüdischen Familien/Personen waren aus Jebenhausen zugezogen, einige auch aus Ludwigsburg, Laupheim, Lauchheim, Mühlbach in Baden, Neckarsulm, Nordstetten und anderen Orten.    
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (Schulraum bis 1881 im Gebäude der alten Synagoge) und (seit 1904) einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Seit 1874, der Verlegung des Rabbinates durch Rabbiner Max Herz von Jebenhausen nach Göppingen, war Göppingen Sitz eines der württembergischen Bezirksrabbinate (zu den Rabbinern siehe unten).  
   
Die Gemeinde nahm einen weiter schnellen Aufschwung: 1880 wurden 242 jüdische Einwohner gezählt (2,2 % von insgesamt 10.851 Einwohnern), 1890 271, 1900 325 und 1910 311 (1,4 % von insgesamt 22.373 Einwohnern). Zur jüdischen Gemeinde in Göppingen gehörten auch die in der Umgebung lebenden jüdischen Personen: in Jebenhausen (nach Schließung der dortigen Gemeinde, 1924 4 jüdische Einwohner), Süßen (1924 8) und Kirchheim unter Teck (Filialgemeinde, 1924 25 jüdische Einwohner). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Salo Brauer (geb. 1.3.1876 in Peiskretscham, gef. 2.12.1914), Milton Hirsch (geb. 14.1.1889 in Göppingen, gef. 30.11.1914), Unteroffizier Albert Netter (geb. 23.2.1891 in Göppingen, gef. 26.11.1918), Max Netter (geb. 6.5.1879 in Göppingen, gef. 11.4.1916), Eugen Rothschild (geb. 5.10.1896 in Göppingen, gef. 5.7.1916), Leutnant Arthur Simon (geb. 28.2.1894 in Göppingen, gef. 31.10.1918). Insgesamt nahmen 92 jüdische Gemeindemitglieder am Krieg teil, neun davon als Kriegsfreiwillige (unter ihnen Rabbiner Dr. Tänzer und sein Sohn Paul).      
       
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1925 mit 351 Personen erreicht (1,6 % von insgesamt 22.017 Einwohnern). 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde: Rabbiner Dr. Arnold Tänzer, Salomon Ottenheimer, Religionslehrer Carl Bodenheimer, David Fleischer, Sigmund Frankfurter und Theodor Rosenthal. In der Gemeinde gab es 54 schulpflichtige Kinder, denen der Religionsunterricht durch Rabbiner Tänzer und Religionslehrer Bodenheimer erteilt wurde. Bodenheimer war auch als Kantor und Schochet in der Gemeinde tätig. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere: die Israelitische Wohlfahrtszentrale (gegründet 1922, 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 90/60 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Wirtschafts-, Gesundheits- und Jugendfürsorge), der Israelitische Wohltätigkeitsverein (gegründet 1876; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 86/98 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege), der Israelitische Unterstützungsverein (gegründet 1901; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Tänzer mit 70 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Darlehensgewährung), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1881, 1924 unter Leitung von Emilie Fleischer mit 84 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Mathilde Steiner mit 95 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenfürsorge, Unterstützung Hilfsbedürftiger), der Jüdische Jugendverein (1924 unter Leitung von Heinrich Frankfurter mit 40 Mitgliedern), der Israelitische Jungfrauenverein, der Verein Merkuria (gegründet 1868, 1924 unter Leitung von Siegmund Frankfurter mit 90 Mitgliedern; Ziel: Pflege der Geselligkeit), eine Ortsgruppe des Centralvereins (1924 unter Leitung von Max Ottenheimer), eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1924 unter Leitung von Dr. med. Salinger). 1932 war 1. Gemeindevorsteher Julius Guggenheim. Als Religionsoberlehrer war inzwischen Lehrer Levi in der Gemeinde tätig.         
    
Den jüdischen Einwohnern kommt ein wichtiger Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung Göppingens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu. Außer den Industrieunternehmen gehörten ihnen bis nach 1933 zahlreiche andere Handels- und Gewerbebetriebe. Um 1930 gab es auch zwei jüdische Ärzte, einen Zahnarzt, einen Rechtsanwalt und einen Apotheker.  
  
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels-, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien/Einzelpersonen sind bekannt (Auswahl; die Liste wurde am 21.12.2014 auf Grund der Recherchen von Klaus Maier-Rubner korrgiert): Borato Destillerie, Brennerei und Likörfabrik sowie Tabakfabrikate, Inh. Eugen Bernheimer (Geislinger Straße 3), Korsettfabrik Bergmann & Sohn, Inh. Alfred Stern und Wilhelm Eckhoff (Ulrichstraße 16), Schürzen- und Wäschefabrik Brüder Block (Schillerstraße 48), Bahnhotel Göppingen Inh. Geschw. Dettelbacher mit Metzgerei Dettelbacher, Inh. Max Krämer (Bahnhofstraße 4), Viehhandlung Julius Dörzbacher (Bahnhofstraße 28), Fell- und Darmgroßhandlung Josef Einstein & Söhne, Inh. Stefan Banemann und Josef Einstein (Burgstraße 14), Textilwaren Einstein & Guggenheim (Grabenstraße 20), Mech. Buntweberei Gebr. Frankfurter, Teilh. Heinrich, Jakob und Sigmund Frankfurter (Bahnhofstraße 34), Fa. Süßkinds Kleidermagazin, Inh. I. Fränkl (Marktstraße 5), Kurz- und Modewaren Fa. Freudenberger & Co., Inh. Wilhelm Böhm (Langestraße 11), Württembergische Filztuchfabrik, Inh. David Geschmay (Metzgerstraße 16), Schuhhaus Peter Gold, Inh. Heinrich Schiffmann (Hauptstraße 11; wurde 1952 wieder eröffnet); Spinnereien und Webereien A. Gutmann & Co. GmbH (Poststraße 2), Textilwaren Julius Gutmann (Marktstraße 72), Baumwollspinnerei an der Fils, Inh. R. & S. Gutmann (Fabrikstraße 12), Gelatinefabrik Paul Hausmeister & Cie., Inh. Paul Hausmeister und Arthur Mändle (Gartenstraße 40), Textilwaren Julius Heimann (Bahnhofstraße 26), Modewaren und Damenkonfektion Fa. Adolf Heimann (Hauptstraße 2), Baumwollwaren Hugo Heumann (Ziegelstraße 2), Textilwaren Emil Hilb (Poststraße 11), Textilwaren Eugen Hilb (Poststraße 6), Futterstoffe Karl Hirsch (Spitalstraße 17), Dr. med. Salo Krämer (Marktplatz 3), Dr .med. Max Landauer (Hauptstraße 31), Tee- und Kaffeevertretung Klara Lang (Christophstraße 59), Kaufhaus Georg Lendt (Untere Marktstraße 8), Kolonialwaren Gisela Löwenstein (Geislinger Straße 6), Getreidegeschäft Fa. Heinrich Löwenstein, Inh. Julius Löwenstein (Poststraße 18), Büchereinbandstoffe Fa. Netter & Eisig, Inh. Heinrich Netter und Ludwig Eisig (Bahnhofstraße 25-27), Herrenkleiderfabrik Josef Ostertag, Inh. Paul Ostertag (Langestraße 20), Metzgerei Simon Oppenheimer (Grabenstraße 18), Mech. Weberei Gebr. Ottenheimer, Inh. Max Ottenheimer (Marstallstraße 40), Chemische Produkte Milton Rohrbacher (Gartenstraße 31), Chemische Fabrik Fa. Kinessa, Inh. Siegfried Rohrbacher (Filsstraße 52), Kurzwaren Leopold Rosenthal (Poststraße 12), Korsettenfabrik Rosenthal (Poststraße 12), Korsettenfabrik Rosenthal, Fleischer & Cie., Zahnarzt Dr. Albert Sallinger (Poststraße 25), Öl- und Leimgroßhandlung, Chemisch-technische Produkte, Wagen- und Pferdedecken, Inh. Viktor Schwab (Karlstraße 38), Rechtsanwalt Dr. Albert Steiner (Bahnhofstraße 6), Dr. med. Erich Steinthal (Uhlandstraße 9), Filztuchfabrik Karl Veit (Ulmer Straße 41), Viehhandlung Berthold Wertheimer (Bleichstraße 10), Staufia-Verkaufsgesellschaft, Fa. Wohlwerth, Inh. Julius Guggenheim (Hauptstraße 40).   
    
1933 wurden 314 jüdische Einwohner in Göppingen gezählt (1,4 % von insgesamt 23.007 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien aufgewandert oder in andere Orte verzogen. Da sich der nationalsozialistische Rassenhass in Göppingen jedoch nicht ganz so stark wie in anderen Städten hervortat, sind andererseits nach Göppingen zwischen 1933 und 1940 noch 189 jüdische Personen zugezogen. Dennoch wurden auch hier die jüdischen Einwohner immer mehr isoliert und zur Aufgabe ihrer Betriebe und Geschäfte gezwungen. Die letzten jüdischen Betriebe wurden im November und Dezember 1938 zwangsenteignet. 1936 musste eine eigene jüdische Schule eingerichtet werden, da die jüdischen Kinder die öffentlichen Schulen nicht mehr besuchen durften. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). Zahlreiche jüdische Männer wurden verhaftet und einige von ihnen monatelang im KZ Dachau festgehalten. Am 1. Dezember 1941 wurden 40 jüdische Göppinger ins KZ Riga/Jungfernhof deportiert, am 26. April 1942 weitere sieben Personen nach Izbica bei Lublin (Polen). 26 Personen wurden am 22. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt verbracht. Nur sechs Göppinger Juden kehrten, abgesehen von den Dachau-Häftlingen, aus den Konzentrationslagern zurück, unter ihnen die 1934 geborene Inge Auerbacher und ihre Eltern (siehe Hinweis unten bei der Literaturliste).      
   
Von den in Göppingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", korrigiert und ergänzt am 21.12.2014 auf Grund der Recherchen von Klaus Maier-Rubner): Paula Adelsheimer (1914), Martha Bär geb. Rohrbacher (1901), Erich Banemann (1922), Hedwig Banemann geb. Wortsmann (1890), Inge Banemann (1930), Stefan Banemann (1891), Elise Bensinger geb. Wertheimer (1877), Erna Bechhöfer (1901), Elise Bensinger (1877), Hermine Bernheimer (1870), Sofie Bodenheimer geb. Dettelbacher (1863), Erna Brandt (1902), Gretchen Babette Brauer (1900), Rosa Bühler geb. Heumann (1870), Julian Cohn (1911), Robert Leopold Einstein (1902), Albert Erlanger (1879), Fritz Erlanger (1913), Elsa Falkenstein geb. Bergmann (1881), Josef Fellheimer (1889), Theodor Fellheimer (1886), Rosalie Felsenthal (1891), Arthur Fleischer (1888), Bernhard Fleischer (1879), Irma Fleischer geb. May (1894), Julius Fleischer (1882), Rosa Fleischer geb. Goldstein (1874), Wilhelm Fleissig (1906), Isidor Fränkl (1885), Minna Fränkl geb. Reilinger (1881), Marianne Frank geb. Rosenthal (1921), Rosa Frank (1920), Hedwig Frankfurter geb. Epstein (1877), Jakob Frankfurter (1868), Sigmund Frankfurter (1866), Johanna Frey (1872), David Geschmay (1859), Pauline Geschmay geb. Schlossberger (1865), Emilie Goldstein (1875), Pauline Guggenheim geb. Hammel (1887), Elsa Hammer geb. Fellheimer (1884), Betty Heimann geb. Bergmann (1888), Felicia Heimann (1906), Jenny Heimann geb. Sicher (1873), Ludwig Heimann (1877), Rosa Herzberger geb. Mannheimer (1870), Emil Hilb (1864), Elsa Hirsch (1898), Hedwig Hirsch geb. Löwenstein (1871), Max Hirsch (1859), Jenny Hirschhahn (1882), Ernst Hofmann (1872), Pauline Israel geb. Gutmann (1852), Rosa Jacobsohn (1886), Heinrich Jochsberger (1909), Thekla Kahn geb. Rohrbacher (1868), Emil Katz (1904), Friedrich Katz (1906), Gerhard Katz (1933), Herbert Katz (1909), Ilse Katz geb. May (1913), Johanna Katz geb. Frank (1874), Rosa Katz (1905), Else Kooperberg geb. Sinn (1904), Esther Kutner geb. Zitter (1882),  Else Ledermann (1898), Friederike Lehmann geb. Raff (1857), Georg Lendt (1873), Martha Liebermann (1890), Ida Löwenstein geb. Gunz (1875), Wilhelm Löwenstein (1874), Bodo Löwenthal (1911), Edith Löwenthal (1922), Elsa (Else) Maier geb. Weinstock (1883), Rosa Maier geb. Weinstock (1880), Friederike Mayer geb. Freudenberger (1888), Paula Mendle geb. Hirsch (1892), Felix Morgenroth (1891), Elsbeth Oberdorfer geb. Hilb (1900), Franz Sepp Oberdorfer (1938), Ludwig Oberdorfer (1893), Frida Oppenheimer geb. Ullmann (1888), Simon Oppenheimer (1877), Isaak Piotrkowski (1881), Rebekka Piotrkowska geb. Goldmann (1885), Siegmund Piotrkowska (1912), Julius Raff (1868), Jacob Regensburger (1890), Julius Regensburger (1881), Doris Rödelsheimer (1930), Liese Rödelsheimer (1928), Hedwig Rosenbusch geb. Rohrbacher (1877), Arnold Rosinberg (1936), Fritz Rosinberg (1901), Heinz Rosinberg (1933), Irma Rosinberg geb. Hirschhahn (1906), Selma Schottländer (1885), Hannacha Schwab (1941), Marianne Schwab geb. Frank (1921), Max Schwab (1909), Marianne Schwenzer (1879), Helene Simon geb. Hirsch (1863), Sofie Simon (1891), Lotte Sinn geb. Dreifuss (1880), Gretchen Steiner geb. Kirchhausen (1903), Erna Stern geb. Strauss (1893), Hilde Berta Stern (1929), Leo Stern (1892), Isaak Wassermann (1888), Therese Wassermann (1884), Alice Weil (1906), Hedwig Weil geb. Rosental (1881), Lina Weil (1887), Paula Zitter (1881), Rosa Zitter geb. Rottmann (1907), Sara Zitter (1910).                     
    
Im Göppinger Schlossgarten steht seit 1995 ein Gedenkstein für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. – Ende November 1941 wurden die zur Deportation bestimmten Göppinger Juden in der Turnhalle der Schiller-Realschule gesammelt; seit Januar 2003 erinnert am Eingang dieser Schule eine Gedenktafel an dieses Geschehen.
      
      
      
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Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge         
   
Nach dem Zuzug mehrere jüdischer Personen/Familien von Jebenhausen nach Göppingen baten diese im Mai 1857 bei der Israelitischen Oberkirchenbehörde um die Erlaubnis, in Göppingen einen Filialgottesdienst einzurichten. Damals wurde das Gesuch noch abschlägig beschieden. Im Mai 1860 erneuerten die Göppinger Israeliten ihr Gesuch. Die Kosten wollten sie selbst tragen. Wenig später erhielten sie die Genehmigung, doch verzögerte sich die Einrichtung eines Betsaales, da man sich nicht über den Erwerb eines Gebäudes für Gottesdienst und Schule einigen konnte. Nachdem am 1. Juli 1867 eine selbständige israelitische Gemeinde in Göppingen gegründet werden konnte, wurden noch im selben Monat in einem Gebäude (heutige Anschrift des Nachfolgegebäudes: Schützenstraße 2) zwei Wohnungen gemietet und mit einem Kostenaufwand von 1.074 Gulden zu einem Betraum umgewandelt. Torarolle und andere Kultgegenstände sowie ein Harmonium wurden angeschafft beziehungsweise gespendet. Auch die Wohnung des Vorsängers, das Sitzungszimmer des Synagogenvorstandes und ein Schulraum befanden sich in diesem Gebäude (es wurde 1897 abgebrochen).  
     
Nachdem dieser erste Betsaal sich innerhalb von wenigen Jahren als zu klein für die wachsende Gemeinde erwies, wurde 1872 eine erste Synagoge in dem 1871 erbauten Haus Pfarrstraße 33 eingerichtet. Am Neujahrstag im Herbst 1872 wurde die Synagoge eingeweiht, die 55 Sitzplätze für Männer und 45 für Frauen bot. Beide saßen - getrennt voneinander – auf derselben Höhe im Betsaal. Die Empore war für jüngere Leute sowie den Chor und das Harmonium bestimmt. Auch diese erste Synagoge war nach 10 Jahren zu klein. 1881 wurde sie verkauft. In ihr konnte dann für einige Jahre ein Betsaal der methodistischen Kirche eingerichtet werden. Nach 1885 wurde sie zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut.  
     
Eine neue Synagoge wurde 1880/81 erbaut, nachdem bereits seit 1878 ein Grundstück in der Freihofstraße hierfür vorgesehen war. Der Spatenstich erfolgt am 1. März 1880, die Grundsteinlegung war am 23. April. Die Synagoge wurde nach den Plänen von Christian Friedrich von Leins erbaut, Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Die Bauleitung hatte Ingenieur Elsässer. Der Bau erhob sich (nach der Baubeschreibung von Harold Hammer-Schenke, Synagogen in Deutschland Teil 1, S. 353f) über einem "quadratischen Grundriss. Diesem Quadrat, das den Kultraum mit dreiseitig umlaufenden Emporen enthielt, wurde ein querrechteckiger Westbau vorgelegt, der im Untergeschoss die Eingangshalle, ein Sitzungszimmer mit Garderoben und im Obergeschoss die Orgelempore beherbergte. Im Äußeren war der Kultbau durch Lisenen und Gesimse, sowie durch Maßwerkfenster gegliedert; ein Quergiebel deutete eine kreuzförmige Raumgestalt an. Über der ‚Vierung’ erhob sich, auf achtseitigem Tambour, eine hohe Kuppel. Der im Äußeren basilikal wirkende Westvorbau öffnete sich in einer hohen, rundbogig geschlossenen, von einem dreieckigen Giebel überfangenen Eingangshalle. Der Emporenraum darüber wiederholte das Motiv, wobei ein Rundfenster mit Sechspass für die Beleuchtung sorgte. Den Giebel krönten die Gesetzestafeln". Die Baukosten der Synagoge betrugen etwa 60.000 Mark. Sie verfügte über insgesamt 278 Sitzplätze. Im Hauptraum waren es 136 Plätze für Erwachsene, dazu 40 für die schulpflichtige Jugend. Auf den Emporen gab es 102 Plätze (je 51 auf der Männer-Galerie und der Frauen-Galerie).
   
Am 16. und 17. September 1881 fand die Einweihung der Synagoge statt. Am Nachmittag des 16. September bewegte sich ein festlicher Zug vom bisherigen Betsaal in der Pfarrstraße zur neuen Synagoge. Voran ging die Schuljugend, der Sängerchor, die Träger mit den Torarollen, Rabbiner Max Herz und die Kirchenvorsteher. Es folgten die Ehrengäste, das Baukomitee und Baupersonal sowie viele Gemeindeglieder und Interessierte aus der ganzen Bevölkerung. Der Einzug in die Synagoge geschah unter Psalmgesang, worauf die Torarollen in den Toraschrein gestellt wurden. Rabbiner Herz hielt die Festpredigt. Von der israelitischen Oberkirchenbehörde waren unter anderem der Stuttgarter Bezirksrabbiner und Kirchenrat Dr. Moses von Wassermann sowie Hofrat Adolf Levi anwesend. Am Nachmittag und Abend des 17. September fanden im Gasthaus Dettelbacher ein großes Fest-Bankett mit Grußworten, ein Vortrag über die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Jebenhausen und Göppingen und weitere Darbietungen statt. 
       
Die Einweihung der Synagoge (1881)   

Goeppingen AZJ 11101881.jpg (33302 Byte)Aus einem Bericht über die Einweihung mehrerer Synagogen in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Oktober 1881: "…Indem wir daher heute über die Einweihung von vier Synagogen zu berichten haben, nämlich zu St. Gallen in der Schweiz, zu Göppingen in Württemberg, zu Altona und zu Schwetz, werden wir der ersteren eine größere Aufmerksamkeit zuwenden, weil dieselbe in der Ostschweiz die erste Synagoge ist und die Einweihung die Teilnahme der christlichen Bevölkerung ungewöhnlich in Anspruch nahm…"  
Goeppingen AZJ 11101881a.jpg (105446 Byte)Auch in Göppingen (Württemberg), das jüdischerseits erst in neuerer Zeit durch Zuzug aus der älteren Gemeinde Jebenhausen bevölkerter geworden, hatte man sich bisher mit einem Mietlokal begnügt, welches jetzt durch eine neu erbaute Synagoge ersetzt worden ist. Sie steht in der neuen Straße mitten zwischen den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen und ist mit ihrer hoch anstrebenden Kuppel stilvoll gebaut. Eine hübsche Terrasse führt zu dem reich geschmückten Eingang hinauf, über welchem wie an anderen passenden Stellen hebräische Inschriften angebracht sind. Das Innere ist durchaus harmonisch gehalten. Die Teilnahme der christlichen Bevölkerung war eine allgemeine. An dem Wege, den der Zug vom alten Betsaale her nahm, war Alles reich beflaggt. An dem Zuge selbst nahmen auch die Geistlichen der christlichen Konfessionen und die Mitglieder der bürgerlichen Kollegien teil. Über die Festpredigt des Rabbiners Herz sagt der Berichterstatter:   ‚Die jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht wiedergeben, da der Raum nicht hinreichen würde. Anknüpfend an das Schicksal der noch jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Herz in edler gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Nächstenliebe ohne Ansehen der Person, des Standes oder Glaubens betätigen müsse, auf eindringliche Weise aus, die jedem seiner Zuhörer zu Herzen ging.’"      
     

Bericht im "Göppinger Wochenblatt" vom 17. September 1881 (Quelle: aus Tänzer s.u. S. 493ff):  "In der Neuen Straße, dem schönsten Teile der Stadt, und mitten zwischen den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen gelegen, ergebt sich seit einiger Zeit ein Bau, dessen Stil und himmelanstrebende Kuppel dem Beschauer schon von ferne anzeigen, dass er zu einem Gotteshause bestimmt sei: es ist die neue Synagoge der israelitischen Gemeinde. Eine hübsche Terrasse führt von der neuen Strasse zu dem reichgeschmückten Eingang hinauf, durch den man in ein geschmackvoll ausgestattetes Vestibül tritt, zu dessen beiden Seiten Treppen zu den Emporen führen. Gegen Süden ist ein Lehr-Zimmer zum Religionsunterricht, gegen Norden das Sitzungszimmer der Kirchenvorsteher eingerichtet. Über dem Haupteingang und an anderen passenden Stellen sind hebräische Inschriften angebracht. Die eigentliche Synagoge zeigt im untern Raume mit ihren Sitzplätzen, den Emporen, der Orgel, große Ähnlichkeit mit einer christlichen Kirche, während der Altar, das Allerheiligste, die Sitze des Rabbiners, des Vorsängers, diejenigen der Kirchenvorsteher, die Leuchter usw., alles auf der Ostseite angebracht, den mosaischen Ritus andeuten. Die Malerei stimmt zu der ganzen Einrichtung und so bildet das Innere ein harmonisches Ganzes. Dieses neue Gotteshaus wurde gestern unter großer Beteiligung auch der christlichen Einwohnerschaft feierlich eingeweiht. Um 4 Uhr nachmittags versammelten sich die israelitischen Gemeindeglieder und die übrigen Festgenossen in und vor dem seitherigen, gemieteten Betsaal. Um 4 1/2 Uhr bewegte sich der festliche Zug über den Schlossplatz, einen Teil der Pfarrstraße, um beim neuen Schulhause in die reichbeflaggte Neue Straße einzulenken, in der sich eine Menge von Zuschauern jeden Alters und Geschlechts drängte. Voraus zog die festlich geschmückte israelitische Schuljugend, dann folgten der Synagogenchor, die Toraträger, Rabbiner und Kirchenvorsteher, die Ehrengäste, darunter die Geistlichen der christlichen Konfessionen, die Mitglieder der bürgerlichen Kollegien usw., dann das Baukomitee und Baupersonal, die Männer der israelitischen Gemeinde und die übrigen Teilnehmer. An dem Portal der neuen Synagoge überhab Herr Architekt Elsässer namens seines Prinzipals, der Herrn Oberbaurats Dr. von Leins, des Erbauers der Synagoge, den Schlüssel derselben mit den besten Wünschen für die Gemeinde dem ältesten Mitgliede des Kirchenvorsteheramts; Herr Ottenheimer erwiderte ihm dankend im Namen der Kirchenvorsteher. Dann füllten sich rasch die Räume des neuen Gotteshauses.
Der Synagogechor begann die kirchliche Feier mit einem Begrüßungsgesang in hebräischer Sprache, während dessen Vorsänger, Toraträger, Rabbiner und Kirchenvorsteher eintraten und sich aufstellten. nach einem Vortrage des Vorsängers wurden die Torarollen durch den Rabbiner in das Allerheiligste gebracht, worauf der Chor die Hymne "Hoch tut euch auf, ihre Tore der Welt" sang. Die jetzt folgende Festpredigt können wir hier natürlich nicht wiedergeben, da der Raum nicht hinreichend würde. Anknüpfend an das Schicksal der noch jungen israelitischen Gemeinde hier, führte Herr Rabbiner Hertz in edler gewählter Sprache die Bedeutung des Tages für seine Gemeinde, das Wesen ihrer Gottesverehrung, die sich nach außen in der Nächstenliebe ohne Ansehen der Person, des Standes oder Glaubens betätigen müsse, auf eindringliche Weise aus, die jedem seiner Hörer zu Herzen ging. Der Psalm 118: "Danket dem Herrn", vom Chor gesungen, machte den Beschluss der eigentlichen Einweihungsfeier, an welche sich noch ein Abendgottesdienst mit Chorbegleitung anschloss.
Diese erhebliche Feier wird wohl bei den meisten Teilnehmern in gutem Gedächtnis bleiben. - Unter den Festgenossen bemerkten wir gestern unter anderen den Herrn Kirchenrat Dr. Wassermann und den früheren langjährigen Lehrer der israelitischen Gemeinde in Jebenhausen, Herrn Elsässer."  

1925 wurde die Synagoge umfassend modernisiert. An Stelle der bisherigen Gasbeleuchtung trat elektrische Beleuchtung. Zusätzliche Bänke für die Schulkinder der Gemeinde wurde aufgestellt. Zur Innenausstattung der Synagoge gehörten damals elf Torarollen, von denen sich eine in der Filialgemeinde in Kirchheim unter Teck befand, neun Toravorhänge, 24 Toramäntelchen, zwei Chanukka-Leuchter, verschiedene Garnituren für den Toraschmuck, Kidduschbecher und anderes mehr.  
    
Gedenkfeier für die Kriegsopfer in der Synagoge (1928)          

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Dezember 1928:          

       
In der Geschichte der Synagoge war ein besonderes Ereignis eine am 22. September 1929 vom Synagogenchor gemeinsam mit Oberkantor Hermann J. Fleischmann aus Köln gestaltete Morgenfeier. Fleischmann war einer der prominentesten Kantoren Europas. Diese Morgenfeier in der Göppinger Synagoge wurde damals vom Süddeutschen Rundfunk übertragen und war die erste Rundfunkübertragung aus einer Synagoge. Der Synagogenchor unter der Leitung von Siegfried Löwenstein war erst 1926 gegründet worden. 
        
Morgenfeier des Synagogenchors in der Synagoge (1929)            

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1929:     
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1929:    
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1929:      
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Oktober 1929:           
Goeppingen GemZeitung Wue 01101929a.jpg (153293 Byte)     


Gottesdienst zu Schawuot (Wochenfest) (1931)         

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1931:         

       
Konzertveranstaltung des Vereins "Merkuria" mit der Stuttgarter Kunstgemeinschaft unter Direktor Adler in der Synagoge (1934)           

Goeppingen GemZeitung Wue 01051934m.jpg (58561 Byte)Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1934: "Göppingen. das vom Verein 'Merkuria'  am 23. April veranstaltete und von Stefan Frenkel, Berlin, mit der Stuttgarter Kunstgemeinschaft unter Leitung von Direktor Adler ausgeführte Konzert gestaltete sich zu einem vollen Erfolg. Es war zugleich ein Ereignis für die Göppinger Gemeinde und die vielen auswärtigen Gäste, die sich zu dieser Veranstaltung eingefunden hatten.   
Bis auf den letzten Platz war die Synagoge gefüllt. Mit Spannung und innerer Begeisterung lauschten die überaus zahlreichen Zuhörer einem zweistündigen Programm, das in seiner Zusammenstellung kaum besser sein konnte und das auf einem künstlerischen Niveau stand, das auch verwöhntesten Anforderungen gerecht wurde. 
Die vielfachen Würdigungen des Könnens von Stefan Frenkel und des Orchesters der Stuttgarter Kunstgemeinschaft erübrigen eine eingehende Kritik. Es darf aber gesagt werden, dass die Erwartungen vieler bei weitem übertroffen wurden. 
Der 'Merkuria' kann man dankbar sein für diese einzigartige Veranstaltung, und es ist der Wunsch vieler Gemeindemitglieder, bald wieder einen solchen genussreichen Abend erleben zu dürfen."              

 
Gottesdienstzeiten in der Synagoge in Februar 1936 (1936)      

Goeppingen GemZeitung Wue 01021936g.jpg (23919 Byte)Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1936: 
"Gottesdienstzeiten für die Synagoge in Göppingen. 
1.-16. Februar 
Freitagabend. 6.30 Uhr    Samstagvormittag 9.00 Uhr    Samstagnachmittag Jugendgottesdienst 3.00 Uhr".       

        
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung völlig zerstört. Die Aktion wurde durchgeführt durch SA-Männer der SA-Standarte Geislingen und einige Personen aus Göppingen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November hatten sie sich gegen 2 Uhr gewaltsam in den Synagogenraum Zutritt verschafft. Um die Synagoge wurden einige Straßen abgesperrt und die Anwohner aufgefordert, ihre Fenster zu schließen. In der Synagoge wurde das mitgebrachte Stroh deponiert und darüber sowie über zusammengerollte Teppiche Benzin geschüttet. Um 3.30 Uhr wurde Feuer gelegt. Die Synagoge brannte völlig aus, die kupferverkleidete Kuppel stürzte in den Innenraum, die rußgeschwärzten Backsteinwände blieben stehen. Erst während des Brandes wurde dem diensthabenden Feuerwehrführer angerufen. Ihm wurde verboten, den Brand zu löschen. Nur die umliegenden Gebäude durften durch einen Feuerwehrzug geschützt werden. Nachdem die Synagoge völlig ausgebrannt war, konnte die Feuerwehr die Brandreste ablöschen. In den folgenden Tagen wurde die Brandruine gesprengt und der Schutt durch Göppinger Fuhrunternehmer beseitigt. Das Grundstück wurde von der Stadt erworben. Nach der Zerstörung ihrer Synagoge konnte die jüdische Gemeinde bis 1939 noch im Haus Frühlingsstraße 29 zu Gottesdiensten und Gebet zusammenkommen. 
  
Nach 1945 kam das Grundstück der Synagoge zunächst an die jüdische Vermögensverwaltung JRSO. In einem Vergleich zwischen der Stadt und der JRSO wurde geregelt, dass die Stadt zur Abfindung sämtlicher Rückerstattungsansprüche für den Synagogenplatz, das benachbarte Rabbinat und einen Teil des Grundstückes des jüdischen Friedhofes 53.000 Mark bezahlte.   
        
1948/49 fand vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm ein Prozess gegen 15 Personen wegen des Brandes der Göppinger Synagoge statt. von den Angeklagten wurden zwei frei gesprochen, die anderen mit ein bis zwei Jahren Gefängnis, der ehemalige Kreisleiter Immanuel Baptist mit zwei Jahren Zuchthaus bestraft. 
      
Der Synagogenplatz an der Ecke Freihof-/Burgstraße wurde in den Nachkriegsjahren teilweise als Schrebergarten genutzt. Er blieb unbebaut. Am 31. Januar 1971 ließ die Stadt zum 100. Geburtstag des letzten Göppinger Rabbiners Dr. Aron Tänzer (1871-1937) eine Gedenktafel aufstellen und den Platz zu einer Parkanlage herstellen. Seit 1999 heißt das Grundstück "Synagogenplatz".         
   
Adresse des Synagogengrundstückes: Ecke Freihof-/Burgstraße / Synagogenplatz      
   
   
   
Fotos / Darstellungen    
  

Die erste Synagoge 1871-1881  
Historische Fotos/Pläne:
(Quelle: Stadtarchiv Göppingen)

Plan für die Herstellung eines neuen
 Wohngebäudes mit Betsaaleinrichtung für
 den Göppinger Schreinermeister W. F. Boger
 (heutiges Gebäude Pfarrstraße 33, um 1870)
Goeppingen Synagoge a04.jpg (35110 Byte)   
     Ansicht des Gebäudes von der Pfarrstraße  
     
Goeppingen Synagoge a02.jpg (33123 Byte) Goeppingen Synagoge a10.jpg (25125 Byte) Goeppingen Synagoge a03.jpg (22467 Byte)
Erdgeschoss mit Betsaal  1. Stock mit Frauenempore  2. Stock mit Wohnung und Schulzimmer 

Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985
(Fotos: Hahn) 
Goeppingen Synagoge a01.jpg (61672 Byte) Goeppingen Synagoge 006.jpg (46966 Byte)
  Ansicht des ehemaligen Synagogengebäudes
   
Foto 2003:
(Foto: A. Winkler)  
Goeppingen Synagoge a140.jpg (49321 Byte)  
     

   
   
Die neue Synagoge 1881-1938 
(Quelle: wenn nicht anders angegeben: Stadtarchiv Göppingen und Sammlung Hahn)    

Goeppingen Dok 140202.jpg (252786 Byte) Goeppingen Dok 140202a.jpg (13675 Byte) Goeppingen Synagoge 014.jpg (18274 Byte)  Goeppingen Synagoge 341.jpg (51044 Byte) Goeppingen Synagoge 340.jpg (53414 Byte)
 Karte von Göppingen (verschickt nach Furtwangen
 am 5. Januar 1906) mit Abbildung der Synagoge 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim /Ries) 
Die Synagoge im Jahr 
der Fertigstellung 
 
    
         
Goeppingen Synagoge102.jpg (134809 Byte)    Goeppingen Karte02.jpg (93306 Byte)   Goeppingen Karte01.jpg (95356 Byte)    Goeppingen Synagoge101.jpg (52030 Byte) Goeppingen Synagoge 710.jpg (72045 Byte)   Goeppingen Synagoge 711.jpg (68476 Byte)
Die Synagoge als Postkartenmotiv (Karte rechts aus Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
  
      Goeppingen Synagoge 001.jpg (90562 Byte)   
Die Synagoge um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser und 
Friedhöfe in Württemberg. 1932 S. 78)  
 
    
  Goeppingen Synagoge 008.jpg (89720 Byte)  Goeppingen Synagoge 013.jpg (26328 Byte)    Goeppingen Synagoge 009.jpg (87251 Byte)
Grundrissplan 
(Quelle: Stadtarchiv Göppingen) 
Innenaufnahme der Synagoge 
nach der Einweihung 1881  
"Musikalische Morgenfeier" 1929, übertragen
 vom Rundfunk aus der Synagoge Göppingen  
     
Die Zerstörung der Synagoge in 
der Pogromnacht 1938
Goeppingen Synagoge 011.jpg (47441 Byte)  Goeppingen Synagoge 018.jpg (16779 Byte) 
    Die ausgebrannte Ruine der Synagoge,
 vermutlich am 10. November 1938 
Verkohlte und rauchende Trümmer 
in der Synagoge 

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Goeppingen Synagoge 007.jpg (76074 Byte) Goeppingen Synagoge 010.jpg (81815 Byte)
  Gedenktafel für die ehemalige Synagoge
   
Fotos 2003:
(Fotos: A. Winkler)
Goeppingen Synagogenplatz 141.jpg (79660 Byte) Goeppingen Synagogenplatz 140.jpg (67799 Byte)
Aufgang zum ehemaligen
 Synagogengrundstück
Gedenktafel
  
      
Fotos 2009: 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.10.2009)
Goeppingen Synagoge 577.jpg (114892 Byte) Goeppingen Synagoge 576.jpg (119426 Byte)
  Das Grundstück der ehemaligen Synagoge
     
  Goeppingen Synagoge 574.jpg (118709 Byte) Goeppingen Synagoge 575.jpg (92504 Byte)
  Gedenktafel mit Kerzen
        
Das Rabbiner-Tänzer-Haus  Goeppingen Synagoge 570.jpg (106877 Byte) Goeppingen Synagoge 571.jpg (62680 Byte)
  Neben dem Platz der Synagoge: Gebäude des ehemaligen Rabbinates, 
heute: "Rabbiner-Tänzer-Haus" mit Gedenkinschrift
 
  Goeppingen Synagoge 572.jpg (89363 Byte) Goeppingen Synagoge 573.jpg (41085 Byte)
  Eingangstür mit Spuren der Mesusa

        
        
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Seit 2005: Erinnerung an ermordete jüdische Göppinger durch die Aktion "Stolpersteine"   
Bericht von Margit Haas in den "Göppinger Kreisnachrichten" vom 9. Februar 2009:    Stolpersteine wider das Vergessen - Großes Interesse an besonderer Stadtführung in Göppingen 
Sie sind Mahner gegen das Vergessen, die Stolpersteine, die an die während der NS-Diktatur ermordeten Menschen erinnern. Das Interesse an ihrem Schicksal ist ungebrochen, wie eine Stadtführung zeigte. Das Interesse an der NS-Vergangenheit ist groß, wie eine besondere Stadtführung zeigte.
Göppingen Die dunkelste Zeit der Stadtgeschichte ist auch in Göppingen die Zeit der NS-Diktatur. Allerdings hat sich die Stadt dem Thema immer gestellt, nichts vom Unrecht, das an ihren Menschen verübt wurde, geleugnet. Denn auch Göppinger sind ihrer Religion, ihrer Überzeugung wegen oder einfach nur, weil sie krank waren, ermordet worden. Seit 2005 erinnern an 13 von ihnen 13 Stolpersteine. Die Aktion war vom Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen worden, der damit den Opfern ihren Namen wieder gibt. Über 6000 Steine gibt es in Deutschland an den letzten bekannten Wohnorten der Opfer. Sie enthalten ihren Namen und, soweit bekannt, ihre Lebensdaten. Die Steine in Göppingen sind über das ganze Stadtgebiet verteilt, und so brauchten die Teilnehmer der Führung von Thilo Keierleber gutes Schuhwerk und warme Kleidung für ihren rund zweistündigen Gang durch die Stadt. Vor dem Christophsbad sind zwar keine Steine verlegt, doch auch hier waren Opfer zu beklagen. Waren doch die psychisch Kranken bei der "Aktion T 4" ermordet worden. Außer dem Stolperstein erinnert in der Metzgerstraße nichts mehr an das Ehepaar Pauline und David Geschmay, die Gründer der Filztuchfabrik. Pauline war eine mutige Frau, sammelte Unterschriften gegen Hitlers Rassegesetze. David widersetzte sich der Arisierung. David "geht in Theresienstadt elend zugrunde, von Pauline, die ins Vernichtungslager Treblinka deportiert wurde, wissen wir nicht einmal das Todesdatum". In der Karlstraße lebte Theodor Kynast. Als Patient des Christophsbades wurde er nach Winnenden abtransportiert und wusste ganz genau, was mit ihm geschehen würde. In den Dingen, die seinen Eltern nach der Ermordung geschickt worden waren, war auch ein Keks, auf den er schrieb "Abteilung Mörder". Ein Bild dieses Kekses ist heute im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen. Albert Schuler, ab 1939 technischer Leitung des Schulerkonzerns, war erklärter Gegner des Regimes. Er wartete "auf den Tag, an dem der Führer ums Leben gebracht wird", so die Anklageschrift des Volksgerichtshofes, der ihn zum Tode verurteilte. Besonders zu Herzen gehen die vier Steine vor dem "Reben" in der Marktstraße. Die ganze Familie Rosinberg war ausgelöscht worden, auch die 1933 und 1936 geboren Kinder Heinz und Arnold. Nichts ist bekannt über ihr Schicksal, "verschollen in Riga", mehr wissen die Steine nicht zu berichten. Vor dem Rabbinerhaus erinnert ein Stein an Bertha Tänzer, vor dem "Marstall" an Johann Gahr. Der Kommunist starb auf nicht geklärte Weise im Gefängnis. Die meisten Passanten "stolpern" wohl über die Steine, die an Betty und Louis Heimann im Herzen der Stadt erinnern. 
  
Mai 2010: In Göppingen werden weitere "Stolpersteine" verlegt    
Artikel in der "Südwestpresse" vom 3. Mai 2010 (Artikel): "Göppingen. Stolpersteine erinnern an Menschen, die von den Nazis ermordet wurden - auch in Göppingen. Zur Verlegung weiterer Gedenksteine waren überlebende Angehörige in ihre alte Heimat gekommen. Über die Shoah zu lesen, um das Schicksal Millionen ermordeter Juden zu wissen, ist eine Sache. Den Lebens- und Leidensweg Einzelner zu erfahren, die Überlebenden des Holocaust in ihrer Erinnerung und der Trauer um den Tod ihrer Angehörigen zu erleben, eine andere. Noch nach Jahrzehnten wirkt der Schmerz über den Verlust der Eltern in ihnen nach und so war die Verlegung weiterer Stolpersteine gegen das Vergessen am Samstagnachmittag ein bewegender Moment der Trauer und Erinnerung - auch an das eigene Schicksal, das gerade im Falle der Familien Fleischer besonders tragisch war. Erwin Fleischer war eigens aus Israel angereist, um dabei zu sein, wenn Gunter Demnig zwei Stolpersteine vor dem Haus seiner Eltern in der Nördlichen Ringstraße verlegt. Anfangs sei er der Idee der Stolpersteine "distanziert gegenüber gestanden'. Jetzt sei 'gerührt, dass hier an meine Eltern erinnert wird'. Denn 'mein Vater hat kein Grab auf dieser Welt'. Jetzt werden sich Menschen seiner erinnern. 
Und erinnern ist wichtig - wie die Aufzüge von Neonazis am Wochenende in Berlin einmal mehr deutlich machten. Denn "Vergessen wäre kein Stolperstein, sondern der Grundstein für die Wiederholung des Unrechtes', hatte Rebecca Ahrun betont. Die Schülerin des Freihof-Gymnasiums hatte mit weiteren Klassenkameradinnen die Lebenswege von Julius und Irma Fleischer nachgezeichnet. Sie wohnten in der Hauptstraße 11. 'Zwei unter vielen', angesichts deren Schicksal 'sich für uns bis heute die Frage stellt, wie es so weit gekommen war'. 
Die Kinder des Ehepaares haben das Terrorregime überlebt, waren ebenfalls mit ihren Familien nach Göppingen gekommen. Sylvia Hurst hatte mit einem Kindertransport 1939 Deutschland verlassen können und lebt bis heute in England. 'Sehr dankbar' sei sie für das Erinnerungsmal für ihre Eltern, bedankte sich bei den Initiatoren dafür auch im Namen ihres Bruders Richard. Er hat die deutsche Sprache bewusst vergessen, hasst gleichwohl die Deutschen nicht, 'nur das, wofür sie gestanden haben'. Den millionenfachen Tod, den sie planmäßig in die Welt gebracht hatten, besang die Esslinger Sängerin Marla in ergreifenden Texten, deren Traurigkeit sich niemand entziehen konnte.
Am Rande der Verlegung der Stolpersteine für 14 weitere ermordete Göppinger Juden kam es auch zu Begegnungen alter Freundinnen. Margarete Duisberg und Erela Tamri waren Nachbarskinder, haben gemeinsam ihre Kindheit in der Nordstadt verbracht. "Schön, dass ich dich noch einmal sehe", freute sich die 90-Jährige, als "Erika" geborene Frau, die in Israel lebt und deren 'schönstes Geburtstagsgeschenk dieses Familientreffen hier in meiner Heimatstadt Göppingen ist'."    
  
September 2010: Rundgang am "Europäischen Tag der jüdischer Kultur" mit Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß  
Artikel von Margit Haas in der "Südwestpresse" (Göppingen) am 5. September 2010 (Artikel):   "Zeugnisse jüdischer Geschichte gezeigt 
Göppingen. Jahrzehntelang lebten Christen und Juden in Göppingen gleichberechtigt nebeneinander. Anlässlich des "Europäischen Tages der Jüdischen Kultur" begab sich Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß auf Spurensuche. 

In über 30 Ländern wird jedes Jahr am "Europäischen Tag der Jüdischen Kultur" an das jüdische Kulturerbe erinnert. In Göppingen hatte Archivar Dr. Karl-Heinz Ruess gestern zu einem Rundgang zu Orten jüdischer Geschichte eingeladen, ließ dabei längst vergangene Begebenheiten lebendig werden, nahm die rund 50 Besucher auf ganz unterschiedliche Lebenswege mit. Einmal mehr wurde dabei deutlich, wie umfassend das Zerstörungswerk der Nationalsozialisten war. Denn auf den ersten Blick verraten die Örtlichkeiten nichts mehr über ihre ursprüngliche Bestimmung. Bauten werden heute völlig anders genutzt, wie ein Ärztehaus in der Kellereistraße deutlich macht. Hier lagen die Anfänge der Schuhfabrik von Max Levi, der späteren Firma "Salamander". Das Wohn- und Fabrikgebäude von Abraham Gutmann an der Bahnhofstraße mit dem 1903 eingebauten Aufzug wird heute als Bürogebäude genutzt. Auch ein Betsaal in der Pfarrstraße ist nicht mehr erkennbar. Andere Gebäude sind ganz verschwunden.
An die Synagoge erinnert nur noch der gleichnamige Platz. Sie war 1881 eingeweiht worden und belegt, wie nahe sich die Religionen gekommen waren: zur Weihe waren die beiden Stadtpfarrer gekommen. Überhaupt hat die Synagoge sich zu einem kulturellen Zentrum entwickelt, wofür nicht zuletzt Rabbiner Dr. Aaron Tänzer verantwortlich war. Er lebte in einer Epoche, die keine Unterschiede zwischen den Religionen machte. Denn ab 1864 waren die Juden völlig gleichberechtigt, unterlagen keinen Beschränkungen. Schnell integrierten sie sich, gaben ihre Kultur zum Teil völlig auf. Begriffe wie "Israelitische Kirchenpflege" sind ein Beleg für die Assimilation. Gleichwohl waren sie keine homogene Gruppe. Es gab Kommunisten wie August Thalheimer und Zionisten wie die Rohrbachers. In der Reichspogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge, wurden Geschäfte zerstört, die Männer nach Dachau deportiert. Es sollte ihnen deutlich gemacht werden: Ihr habt keine Zukunft mehr in Deutschland.
Auch Georg Lendt war mit seinem Kaufhaus in der Marktstraße betroffen. Und wurde zu der Sühneleistung herangezogen, mit der die Juden den angerichteten Schaden, den sie zunächst von den Versicherungen ersetzt bekamen, dem Reich bezahlen mussten. Lendt hatte das Land nicht verlassen. "Wer will mir etwas tun", hatte er gefragt und sich getäuscht. Er wurde nach Mauthausen deportiert und dort angeblich "auf der Flucht erschossen". Deportiert wurde noch im Februar 1945, als Auschwitz bereits befreit war. Die beiden Juden, die in Mischehen lebten, überlebten. Nicht so Berta Tänzer. An die Ehefrau des Rabbiners erinnert einer der gut 40 Stolpersteine der Stadt, der auf die Menschen und ihr Schicksale aufmerksam macht - wie auch das Mahnmal im Schlosswäldle oder eine Tafel an der Schiller-Realschule. Dort mussten sich alle Juden einfinden, wurden ihnen ihre Wertgegenstände abgenommen, bevor sie in die Lager des Osten deportiert wurden.
Info Weitere Infos in der stadt-geschichtlichen Veröffentlichung "Göppingen unterm Hakenkreuz"."
    
Juli / November 2011: Im November werden weitere "Stolpersteine" in Göppingen verlegt   
Artikel im "Südkurier" vom 27. Juli 2011 (Artikel): "Stolpersteine - eine Erinnerung an Opfer der NS-Zeit
Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er Gedenktafeln aus Messing verlegt. Das geschah in zwischenzeitlich über 500 Orten in Deutschland und mehreren europäischen Ländern. 
Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf ihnen stehen der Name und der Geburts- und - soweit bekannt - der Todestag. Die Patenschaft für einen Stolperstein kostet 95 Euro. Gunter Demnig wird bei der Verlegung von weiteren Stolpersteinen im November in der Göppinger Innenstadt mit dabei sein.
Spenden können auf das Konto der Initiative - Nr. 51044 beim Bankhaus Gebrüder Martin Göppingen BLZ 610 300 00 - überwiesen werden.
Auf der Homepage www.stolpersteine-gp.de  sind die Lebensläufe der Menschen, für die bereits Stolpersteine in Göppingen verlegt sind, aufgeführt."
    
   
Artikel von Margit Haas in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 27. Juli 2011 (Artikel): "Göppingen. Seit vier Jahren werden in Göppingen Steine gegen das Vergessen verlegt. Die geschichtsbewussten Bürger der "Initiative Stolperstein" haben sich jüngst zu einem Verein zusammen geschlossen. 
Viel Aufwand bedeutet es für Klaus Maier-Rubner und seine Mitstreiter, die Schicksale der Menschen zu recherchieren, für die Stolpersteine vor den Gebäuden verlegt werden, in denen sie zuletzt selbst bestimmt gewohnt hatten. 2005 war der erste für den ermordeten Albert Schuler in der Wolfstraße verlegt worden. Diese private Initiative aus der Familie heraus war für Maier-Rubner, "der Auslöser, mich zu engagieren".
Zunächst gilt es natürlich, das Schicksal der während der NS-Zeit ermordeten Göppinger zu recherchieren und Familienangehörige und Nachkommen zu finden. Die werden nämlich in Göppingen zur Verlegung der kleinen Messingtafeln eingeladen. Viele reisen selbst noch im hohen Alter an - wie im vergangenen Jahr die Kinder der Familien Fleischer, an die Stolpersteine am Nordring und der Hauptstraße erinnern. Ist für sie doch nicht selten "der Stolperstein Ersatz für das Grab, das es nicht gibt", sagt Maier-Rubner. Das erlebt er immer wieder.
In diesem November werden zur Verlegung weiterer 15 Stolpersteine an sechs verschiedenen Orten innerhalb des Stadtgebietes Familienangehörige aus Brasilien, Peru, Frankreich, den USA und Israel erwartet. Einen Teil der Reise- und Unterbringungskosten trägt die Stolpersteininitiative. Sie will auch am Ende der Aktion, wenn alle rund 100 Steine verlegt sind, die Recherchen zu den Schicksalen der NS-Opfer in einem Buch veröffentlichen. Das alles kostet viel Geld.
Und weil Klaus Maier-Rubner und seine Mitstreiter Claudia Liebenau-Meyer, Dr. Witgar Weber, Dr. Karl Heinz Rueß, Wolfram Hosch, Friedemann Messer oder Thomas Roos dabei zwischenzeitlich ausschließlich auf Spendengelder angewiesen sind, gründeten sie im Frühjahr den Verein "Initiative Stolperstein", der jetzt auch Spendenbescheinigungen ausstellen kann. So hoffen die Vereinsgründer, die Beteiligung an den Reisekosten für die Angehörigen, die diese alleine nicht aufbringen können, finanzieren zu können.
Am 25. November sollen weitere 15 Stolpersteine verlegt werden. Zum 70. Jahrestag der ersten Deportation von Göppinger Juden am 28. November 1941 laden das Stadtarchiv und die "Initiative Stolpersteine" am 6. November zu einer Veranstaltung ins Jüdische Museum ein. Dann wird an das Schicksal aller damals 41 Deportierten, von denen nur Richard Fleischer überlebte, erinnert werden."   
   
-  Weiterer Artikel von Margit Haas in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 23. August  2011: "Wer kennt die 'Nana'? 
Göppingen. Wenn am 25. November in Göppingen weitere Stolpersteine verlegt werden, sind Nachkommen der Familie Frankfurter dabei. Diese würden gerne die Angehörigen von Emilie Eisele treffen....  Artikel ist zu lesen über Link oder als pdf-Datei.      
-  Weiterer Artikel von Margit Haas in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 13. September 2011: "Rätsel um Nana ist gelüftet. 
Göppingen. Im November treffen sich Nachkommen der Familie Frankfurter mit Angehörigen ihrer 'Nana'. Die hatten sich bei der 'Initiative Stolpersteine' nach einem Zeitungsaufruf gemeldet." Artikel ist zu lesen über Link oder als pdf-Datei.       
  
April 2012:  Presseartikel zur Erinnerung an Gebhard Müller  
Artikel in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe) vom 25. April 2012: "Sein Mut bleibt in Erinnerung
Göppingen. Gebhard Müller spielte Anfang der 50er eine zentrale Rolle in der Südwest-CDU, doch bei der Geburt des neuen Bundeslandes wurde er übergangen. Den Göppingern bleibt er wegen seines Mutes in Erinnerung..."   
Link zum Artikel  
 
August 2012: Im September 2012 werden weitere "Stolpersteine" verlegt   
Artikel in der "Südwest Presse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 28. August 2012: "15 Stolpersteine in Göppingen verlegt
Neue Stolpersteine werden am Mittwoch, 19. September, in Göppingen verlegt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig erinnert mit ihnen an weitere Opfer der NS-Zeit, indem er Gedenktafeln aus Messing in den Boden einarbeitet. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier selbst bestimmt lebten. Auf ihnen stehen der Name, der Geburts- und, soweit bekannt, der Todestag.
In Göppingen sind bereits knapp 70 Steine verlegt worden. In diesem Jahr werden weitere 15 folgen. Im Jahr 2013 dann soll für jeden ermordeten Göppinger Juden, Patienten des Christophsbades oder aus politischen Gründen Ermordeten ein Stolperstein verlegt sein.
In diesem Jahr werden in der Frühlingsstraße 29 acht Steine verlegt für Sofie Bodenheimer, Frida Dettelbacher, Elsbeth, Ludwig und Franz Sepp Oberdorfer, Doris und Lise Rödelsheimer und Emil Hilb. In der Geislinger Straße 6/8 werden künftig Stolpersteine erinnern an Wilhelm Fleissig, Jenny Hirschhahn, Hannacha, Marianne und Max Schwab. Dritter Verlegeort wird die Querstraße 16 sein, womit an Julius Regensburger erinnert wird. In der Spitalstraße 17 wird ein Stolperstein für Elise Bensinger verlegt werden.
Die Aktion finanziert sich weitgehend aus Spenden. Die Patenschaft für einen Stolperstein kostet 120 Euro. Spenden für die Steine oder die Reisekosten der Angehörigen, die eingeladen werden, können auf das Konto mit der Nummer 51 044 beim Bankhaus Gebrüder Martin Göppingen (BLZ 610 300 00) überwiesen werden. Die Spenden sind steuerlich absetzbar.
Weitere Informationen zu dem Projekt als solchem sowie der Stolperstein-Verlegung gibt es bei Klaus Maier-Rubner, Telefon: (07161) 7 39 46. Die Lebensläufe aller Ermordeten, für die bislang Stolpersteine verlegt wurden, sind im Internet unter nachzulesen - auch in englischer Sprache." 
Link zum Artikel      
 
Oktober 2013: Weitere "Stolpersteine" werden am 2. Oktober 2013 verlegt 
Siehe Informationen auf der Website der Stolperstein-Initiative Göppingen: www.stolpersteine-gp.de  
 
Mai 2014: Im Mai 2014 wurden neun "Stolpersteine" verlegt   
Artikel in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Göppingen) vom 10. Januar 2014: "Geschenkte Eier wurden Georg Lendt zum Verhängnis..."  
Link zum Artikel   
Zu den Verlegungsorten siehe http://www.stolpersteine-gp.de/?page_id=65   
Aktuelle Informatiuonen siehe die Website der Stolperstein-Initiative Göppingen: www.stolpersteine-gp.de   

       
         

Links und Literatur

Links:  

Informationsseiten des Stadtarchivs Göppingen zur jüdischen Geschichte von Göppingen und Jebenhausen (deutsch) oder (englisch)  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Göppingen (interner Link)  
"Stolpersteine" in Göppingen auf der Website der Stolperstein Initiative Göppingen: www.stolpersteine-gp.de   

Literatur (Auswahl):

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 84ff.
Goeppingen Buch 001.jpg (56164 Byte)Aaron Tänzer: Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen. Berlin/Stuttgart/Leipzig 1927. Reprint und zusätzliche Beiträge von Karl-Heinz Rueß über "Die Israelitische Gemeinde Göppingen 1927-1945" und "Dr. Aron Tänzer - Leben und Werk des Rabbiners" Weißenhorn 1988.
Germania Judaica II,1 S. 281; III,1 S. 444.
Dieter Kauß: Juden in Jebenhausen und Göppingen 1777 bis 1945. (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen Band 16). Göppingen 1981.
Walter Keller: Pfarrstraße 33 – Das Haus der ersten Göppinger Synagoge, in: Schwäbische Heimat (1982) S. 190-193.
Doris Kühner: Der Rabbiner Dr. Aron Tänzer und die jüdische Gemeinde in Göppingen. Zulassungsarbeit zur Ersten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen an der PH Schwäbisch Gmünd. Schwäbisch Gmünd 1981.
Karl Heinz Burmeister (Hg.): Rabbiner Dr. Aron Tänzer. Gelehrter und Menschenfreund 1871-1937. (=Schriften des Vorarlberger Landesarchivs Nr. 3) 1987.
Naftali Bar-Giora Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe Jebenhausen und Göppingen. 1990.
Jüdisches Museum Göppingen in der Alten Kirche Jebenhausen. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen Band 29). Weißenhorn 1992.
Karl-Heinz Rueß: "Was in Paris geschah, das habt ihr zu büßen!". Die Reichspogromnacht in Göppingen. Göppingen 1999.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 71-74.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
GP PA Lit 082011.jpg (130830 Byte)Zur Geschichte der Familie Geschmay: Anna Laura Geschmay Mevorach: Von der Schwäbischen Alb zur Venezianischen Lagune. Göppingen 2011. 176 S. mit zahlr. Abb. 10 €. Erhältlich über Archiv und Museen der Stadt Tel. 07161-650-190 E-Mail (museen[et]goeppingen.de).
Links: Buchbesprechung vom 24. Mai 2011 in der "Südwestpresse" (NWZ Göppingen, Link zum Artikel)    
  
   

Hinweis auf die Publikationen von Inge Auerbacher           

Kippenheim IAuerbacher 010.jpg (61713 Byte) Inge Auerbacher (geb. 1934 Kippenheim), erste Lebensjahre in Kippenheim (Poststraße 20) sowie Jebenhausen und Göppingen; 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert; nach der Befreiung durch die Rote Armee zunächst im DP-Flüchtlingslager in Stuttgart, kurze Zeit in Göppingen; im Mai 1946 in die USA ausgewandert (New York"), von Beruf Chemikerin.   
Autorin verschiedener Bücher, u.a. autobiographisches Kinderbuch: "Ich bin ein Stern"; lebt in New York. 
Wikipedia-Artkel zu Inge Auerbacher.  

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 
          
Goeppingen  Wuerttemberg. The early Jewish community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. The few Jews there in 1462 were expelled soon after and only two families were present in 1849. Another two, arriving from Jebenhausen in the following year, established the local textile industry and in a short while there were about a dozen Jewish-owned corset factories in the town, the two largest of which each employed nearly 1,000 people. By 1880 there were 242 Jews in Goeppingen (total 22,383). A synagogue seated 278 was opened in 1881. The textile industry recovered after the war and included seven Jewish-owned spinning mills. In the Nazi era, Jewish public life was maintained in the face of growing anti-Jewish agitation. The first Zionist meeting was held in 1933, attracting most of the town's Jews, and a Jewish elementary school was opened in 1936. The influx of Jews from other settlements balanced those leaving, so that a population of over 300 was maintained for most of the 1930s. The synagogue was burned in Kristallnacht (9-10 November 1938) and Jewish stores were looted. A total of 259 Jews emigrated. The 84 who remained were expelled in 1941 and 1942, most to the Riga and Theresienstadt ghettoes, where they met their end.  
       
        

                   
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Stand: 10. März 2015