Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lauchheim (Ostalbkreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Gemeindebeschreibung (1848)  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Dokumente zur jüdischen Geschichte     
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde           
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts dem Deutschen Orden gehörenden Lauchheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1922. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück, als 1658 sechs aus der Grafschaft Oettingen-Baldern vertriebene Juden gegen den Protest des damaligen katholischen Pfarrers vom Deutsch-Ordens-Komtur Philipp Freiherr von Grafeneck in Lauchheim aufgenommen wurden. 1788 lebten 88 Juden in 18 Familien am Ort. 
 
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Lauchheim Sitz eines Rabbinates (bereits 1716). Inhaber der Stelle waren Schmul Bloch (1728-1733) und Josef Bloch (1744-1751). Die Rabbiner waren zugleich Vorbeter der Gemeinde. Danach gehörte (bis 1806) Lauchheim zum Rabbinat Ellingen (heute im bayrischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen), später (bis 1832) zum Rabbinat Wallerstein (Landkreis Donau-Ries) und schließlich zum württembergischen Rabbinat Oberdorf
Ein jüdischer Lehrer war gleichfalls bereits im 18. Jahrhundert in der Gemeinde (1716 genannt). 1775 war Lehrer der Gemeinde Liebmann Weyl aus Treuchtlingen.   
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Zur Einrichtung der Schule wurde 1849 von der jüdischen Gemeinde ein Haus gekauft, das zum Schulhaus mit einem Gemeindesaal umgebaut wurde. In ihm wurde auch das rituelles Bad eingebaut, zu dem vom Gasthaus 'Bären' eine Wasserleitung gelegt wurde (Gebäude Bienner Straße 15/ Ecke Pfarrer-Bestlin-Straße). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Aufhausen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern sind bekannt: Joseph Wassermann (um 1853), Maison, Pappenheimer (vor 1889), Hermann Uhlmann (1889-1900), Hermann Haymann (1900-1902)
   
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1858 mit 176 Personen erreicht. In den folgenden Jahrzehnten ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung schnell zurück, sodass 1900 nur noch 47, 1910 32 jüdische Einwohner am Ort lebten. Die jüdischen Familien lebten im 19. Jahrhundert überwiegend vom Hand mit Vieh und Waren aller Art. 
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Sigmund Freimann. Seine Name steht auf dem Gefallenendenkmal vor dem Oberen Tor.
 
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1922 gehörten die hier noch lebenden jüdischen Einwohner zur Gemeinde Oberdorf
  
Bis nach 1933 waren folgende Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Familien: Mehl- und Textilhandlung Anna und Pauline Freimann (Obere Bleichstraße 23), Textilgeschäft Leopold Maier (Hauptstraße 29). Inhaber des letztgenannten Textilgeschäftes war Otto Maier, der außerdem Leiter der Nebenstelle Lauchheim der Volksbank Aalen war.  
   
1933 wohnten noch sieben jüdischen Personen am Ort. Von ihnen starb der Kaufmann Otto Maier 1935 in Lauchheim. Die übrigen sechs (Bertha Maier geb. Weil, die Schwester Anna und Pauline Freimann sowie die Schwestern Adelheid, Auguste und Pauline Neumaier wurden später deportiert. 
   
Von den in Lauchheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Gedenkbuch Baden-Württemberg): Mina Arensberg geb. Kaufmann (1876), Pauline (Paula) Brader geb. Levisohn (1854), Rosa Braun geb. Heinrich (1870), Anna Freimann (1876), Pauline (Lina) Freimann (1894), Sidonie Freudenberger geb. Neuburger (1879), Adelheid Kaufmann geb. Kaufmann (1860), Rosa Kaufmann geb. Kaufmann (1876), Gustl Anna Liebmann geb. Kaufmann (1885), Bertha Maier geb. Weil (1874), Lina Neuburger (1881), Adelheid Neumaier (1855), Auguste Neumaier (1868), Moses Max Neumaier (1864), Pauline (Blümle) Neumaier (1860), Regine Pappenheimer geb. Wassermann (1863), Rosa Rossheimer geb. Kaufmann (1881), Dora Schweizer geb. Neuburger (1856).    
       
       
Im Heimatmuseum Lauchheim finden sich verschiedene Gegenstände zur Erinnerung an die jüdische Geschichte: ein Chanukkaleuchter, hebräische Schuldscheine des 17./18. Jahrhunderts, eine Kopie eines Schutzbriefs u.a.  
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
      
Allgemeine Gemeindebeschreibung (1848)  

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 25. Januar 1848 (aus einem jüdischen Reisebericht durch mehrere jüdische Gemeinden): "Jenseits der ermeldeten Wasserscheide liegt das kleine Städtchen Lauchheim, ehemals dem deutschen Orden angehörig. Es wohnen daselbst 25 wohlhabende israelitische Familien. Herr Lehrer Wassermann genießt allgemeine, wohlverdiente Achtung, sowohl seiner Kenntnisse als seines rühmenswerten Wandels wegen. Die Israeliten des Ortes waren früher, sowie alle Juden in den herrischen Besitzungen, dem Rabbinate zu Mergentheim untergeordnet. Da aber Mergentheim von hier 12 Meilen entfernt liegt, so wendeten sie sich in Kasualfällen an den Rabbiner zu Oberdorf, der jedoch bei vorzunehmenden Trauungen, vom Rabbiner zu Mergentheim eine Autorisation haben musste."  

  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Nennung von Lehrer Maison in einem Artikel über seinen Bruder Karl Maison (1887)  
Anmerkung: nach dem Artikel war Maison bis 1883 Lehrer in Lauchheim. Es wird sich um Moses Maison gehandelt haben, geb. 18. Oktober 1829 in Oberdorf. Nach dem Studium am Lehrerseminar in Esslingen 1846 bis 1849 war er zunächst Lehrer in Hohebach, 1850 in Unterschwandorf, dann Laudenbach, 1856-1866 in Archshofen. Möglicherweise ist er danach nach Lauchheim gekommen.   
Über die Familie Maison mehr bei Oberdorf

Lauchheim AZJ 28061887.jpg (107301 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juni 1887: "Bonn, 24. Juli (1887). In Württembergischen Blättern wird mitgeteilt: der in München von der liberalen Partei gewählte Landtagsabgeordnete Karl Maison, Mitbesitzer der gleichnamigen Großhändler-Firma in München, ist hier gebürtig, Sohn des im Jahre 1856 verstorbenen Lehrers Maison - Frankfurter. Karl war beim Tode des Vaters 16 Jahre alt, sein ältester Bruder war bis vor 4 Jahren Lehrer in Lauchheim. Der Gewählte ist seit 1871 Handelsrichter und seit 1875 Mitglied der Handels- und Gewerbekammer für Oberbayern und in derselben Referent in hochwichtigen industriellen Tagesfragen. Mehrere Vorträge über volkswirtschaftliche Themata von ihm sind ihm Druck erschienen wie: Der Kaufmann im wirtschaftlichen und sozialen Leben; Schlechte Zeiten; Aus dem Verkehrsleben der Neuzeit u.a.m.  Derselbe ist auch in das Direktorium der nächstjährigen deutsch-nationalen Kunstgewerbe-Ausstellung gewählt. Drei Brüder Frankfurter haben sich rühmlich ausgezeichnet, der oben genannte Maison, der als Lehrer in Oberdorf starb, ein zweiter Bernhard, Lehrer Berthold Auerbachs, der dritte Naphtali, ein Schüler des Ellwanger Gymnasiums, starb als berühmter Kanzelredner in Hamburg."     

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zur goldenen Hochzeit von Maier Neumaier und Ernestine geb. Pappenheimer (1904)  

Lauchheim Israelit 10111904.jpg (33264 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1904: "Lauchheim (Württemberg), 2. November (1904). Den Eheleuten Maier Neumaier und seiner Frau Ernestine geb. Pappenheimer, die ihre goldene Hochzeit feierten, ließ Seine Majestät unser König durch den hiesigen Ortsvorstand einen prächtigen, silbernen Pokal überreichen."

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige von Leopold Kaufmann (1906)     

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. Februar 1906: "Gesucht per sofort zu älteren Leuten aufs Land ein erfahrenes Mädchen für Küche und Hausarbeit, gegen guten Lohn. Adresse an 
Leopold Kaufmann, Lauchheim bei Nördlingen."   

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge            
   
Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich bis ins 19. Jahrhundert auf die "Judengasse" (heute Obere und Untere Bleichstraße). 
  
Eine erste Synagoge wurde 1686 genannt, 1743 brannte sie durch Fahrlässigkeit ab. Die Judenschaft erhielt dafür eine Strafe von 10 Reichstalern.  
  
1768 bis 1770 wurde mit Erlaubnis der Herrschaft eine neue Synagoge erbaut. Damals gehörten der jüdischen Gemeinde neun Familien und und einige verwitwete Frauen an. Sie "waren es, welche unter Beschwerden, Kämpfen und Anständen sich diese unsäglichen Opfer aufbürdeten" (Oberamtsbeschreibung). Die Synagoge wurde 1856/57 mit einem Aufwand von 928 Gulden erneuert und vergrößert. Dafür erhielt die Gemeinde einen Staatsbeitrag von 150 Gulden. Die Vergrößerung war nötig geworden, da die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder auf etwa 170 Personen zugenommen hatte. Freilich war die Finanzierung des Synagogenumbaus eine schwierige Aufgabe, da die Gemeinde 1857 von dem wenige Jahre zuvor durchgeführten Neubau einer Schule noch mit 2.175 Gulden verschuldet war.  
  
Anfang des 20. Jahrhunderts war es nach Abwanderung eines großen Teiles der jüdischen Familien immer schwieriger, die notwendige Zehnzahl der Männer zum Gottesdienst zusammen zu bekommen. Spätestens um 1920 wurde die Synagoge geschlossen, das Gebäude 1921 verkauft.   
    
Obwohl das Synagogengebäude schon Jahre nicht mehr für Gottesdienste genutzt wurde, ist es Beim Novemberpogrom 1938 in Brand gesetzt worden. Das Feuer konnte jedoch "von Christen und Juden gemeinsam" gelöscht werden. Bis in die 1960er-Jahre wurde das Gebäude noch als Scheune verwendet. Im August 1965 wurde es abgebrochen und der Platz neu bebaut (Bleichstraße 3).  
   
   
  
Fotos/Plan 
Historische Fotos:   

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den 
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite 

Plan:  

Lauchheim Plan.jpg (115869 Byte)

Plan von Lauchheim mit Eintragung des
 Standortes von Synagoge und jüdischer Schule;
 ehemalige jüdische Wohnhäuser sind rot
 markiert 

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1965 vor und während des Abbruchs der ehemaligen Synagoge
(Quelle: Gemeinde Lauchheim)
 
Lauchheim Synagoge 090.jpg (90423 Byte) Lauchheim Synagoge 101.jpg (34441 Byte) Lauchheim Synagoge 102.jpg (32964 Byte)
Innenansicht der zu einer Scheune
 umgebauten Synagoge auf Höhe der
 Frauenempore (eingezogene
 Zwischendecke)  
 Abbruch der Synagoge 
 
 
   
  Lauchheim Synagoge 103.jpg (36409 Byte) Lauchheim Synagoge 100.jpg (30408 Byte)
      
   Neuere Fotos vom Synagogenstandort
 werden noch erstellt  
  

   
   
Dokumente zur jüdischen Geschichte 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)  

Lauchheim 01010057.jpg (75043 Byte) Lauchheim 01010055.jpg (81521 Byte) Lauchheim 01010056.jpg (111423 Byte)
Brief "An Neumaier in Lauchheim" 
vom August 1838   
Brief an den jüdischen Lehrer Joseph Wassermann in Lauchheim (datiert 28. Juni
 1853) von seinem Bruder aus Fischach (der in deutscher Sprache, aber mit
 hebräischen Buchstaben geschrieben Brief beginnt mit "Mein lieber Bruder!"  
  
   
Lauchheim 01010054.jpg (66656 Byte) Lauchheim 01010060.jpg (80957 Byte) Lauchheim 01010061.jpg (83297 Byte)
Rechnung des Bankgeschäfts Heinrich Kaufmann jr. (Lauchheim) an den 
Pfleger Lehrer Pappenheimer (1887)  
Brief von Lehrer Hermann Uhlmann aus
 Lauchheim, verschickt am 6. März 1895
 nach München. 
  
    
Lauchheim Anzeige 02.jpg (27522 Byte) Lauchheim Anzeige 01.jpg (49351 Byte)   Lauchheim Dok 13005.jpg (280455 Byte)
Anzeige des Tuche-, Konfektion- und
 Manufakturwarengeschäftes von R. Weil,
 Inh. Leopold Maier (1913)
Anzeige der Metzgerei 
Abraham Freimann (1913)
  Karte an Bertha Freimann bei J. Levy 
in New York; verschickt aus Lauchheim 
am 11. Mai 1898  
  
     
Lauchheim Dok 030.jpg (104818 Byte) Lauchheim Dok 030a.jpg (97419 Byte)  
Rechnung der Firma Salomon Eisenmann (Lauchheim) an Johann Meier's Kinder 
in Hülen (bei Lauchheim) vom 26. November 1843  
 
     

       
         

Links und Literatur   

Links:   

Website der Stadt Lauchheim  
Zu Familie Hess siehe die von Rolf Hofmann und Peter Maile erstellte Ahnenreihe "Familie Hess aus Lauchheim + Ellwangen" (pdf-Datei, interner Link)

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 113-114.
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007. 

     
       

                     
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 01. April 2014