Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Esslingen (Kreisstadt)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt und des Lehrerseminars

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Esslingen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Neueste Einstellung: 13.7.2015. 
   
Weitere Seite:  Texte und Abbildungen / Fotos zur Geschichte des israelitischen Waisenhauses "Wilhelmspflege" in Esslingen    
    
Die Texte zu den Artikel konnten nur teilweise abgeschrieben werden - bei Interesse bitte Textabbildungen anklicken.   
   
Übersicht:         

Allgemeine Berichte  
Zur Geschichte der Juden in Esslingen (Artikel von 1928)   
Über die jüdische Gemeinde in Esslingen (1848)     
-  Versammlung württembergischer Israeliten in Esslingen am 17. März 1861   
Der Antisemitismus dringt nach Esslingen vor (1891)   
Ein von Emil Lipp in Esslingen geschriebenes Charakterstück wird vertont von Lehrer Leo Adler in Stuttgart (1913)    
Tagung des Württemberg-Hohenzollerischen Landesverbandes des jüdischen Frauenbundes in Esslingen (1927) 
Gautag der neutralen jüdischen Jugendbünde Württembergs beim Jägerhaus in Esslingen (1928)    
Aus der Geschichte der jüdischen Kultusbeamten / Lehrer in der Stadtgemeinde     
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters / Schochet (1875 / 1903)  
Beitrag von Rabbiner Dr. M. Kahn, Esslingen (1905)  
Theologische Artikel von Rabbiner M. Kahn, Esslingen über "Tora-Judentum" (1909)    
Rabbiner Dr. M. Kahn hat die Aufsicht über eine Firma in Obertürkheim (1903)  
Rabbiner Dr. M. Kahn unterschreibt als Rabbiner von Freudental (in Esslingen) (1903)  
Kantor Josef Starapolski tritt nach 30 Jahren in den Ruhestand (1933)     
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Chanukkafeier des Jüdischen Jugendbundes (1928)     
Vortrag von Lehrer Siegfried Weil im Israelitischen Frauenverein (1928)   
Theodor Rothschild referiert zur jüdischen Geschichte Esslingens (1928)    
Simchas-Tora-Gottesdienst in der Gemeinde (1928)   
Vortrag von Bezirksrabbiner Dr. Tänzer über Tierschutz im Judentum (1929)  
Vortrag von Fritz Schwarzschild aus Düsseldorf (1930)  
Ergebnis der Vorsteheramtswahl sowie verschiedene Veranstaltungen in der Gemeinde und im Waisenhaus (1930)  
Vortragsveranstaltung im Israelitischen Frauenverein (1931)  
Vortragsveranstaltung der Ortsgruppe des Centralvereins (1932)  
Vortragsveranstaltung im Israelitischen Frauenverein (1932)  
Predigt und Vortrag von Bezirksrabbiner Dr. Tänzer aus Göppingen (1933)  
Rabbiner Dr. Schorsch aus Hannover referiert bei einer Gemeindeversammlung (1933)   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Bijouteriefabrikant J. Levi steht zur Wahl für den Bürgerausschuss (1846) 
Ein christlicher Einwohner kann eine jüdische Frau (noch) nicht heiraten (1850)   
Rechtskonsulent Heiden zum Obmann des Bürgerausschusses gewählt (1865)  
G
edicht über die Begegnung zwischen einem jüdischen Fabrikbediensteten und einem nichtjüdischen Justizassessor in Esslingen (1867) 
Z
um Tod von Elise Henle (1892) 
G
oldene Hochzeit des Ehepaares S. Lauchheimer (1904)    
Bei der Vorsteherwahl wurden Moritz Feigenbaum, Leopold Moses und Theodor Rotschild gewählt (1924)  
Brand in der Gelatinefabrik von Leopold Moses (1927) 
40-jähriges Bestehen der Württembergischen Handschuhfabrik Moritz Feigenbaum (1929)   
70. Geburtstag von Moritz Feigenbaum (1931)  
40-jähriges Geschäftsjubiläum des "Salamander"-Schuhhauses von Dina Wolff (1932)    
Zum Tod von Leopold Löwenthal (1932)   
60. Geburtstag von Prof. Dr. Julius Schmidt, Professor an der Höheren Maschinenbauschule in Esslingen (1932)  
Zum Tod von Prof. Dr. Julius Schmidt, Professor an der Höheren Maschinenbauschule in Esslingen (1933)   
75-jähriges Bestehen der Handschuhfabrik Daniel Jeitteles (1934)  
Zum Tod von Leopold Moses (1934)   
An Stelle des verstorbenen Leopold Moses wird Berthold Oppenheimer in den Gemeindevorstand gewählt (1935)   
Der langjährige Gemeindevorsteher Moritz Feigenbaum zieht nach Stuttgart (1937)   
Zur Ausbildung jüdischer Lehrer am Lehrerseminar Esslingen   
Bericht von 1839 
W
erbung für die Ausbildung am Lehrerseminar durch Lehrer Liebmann (1849)    
Keine jüdischen Studenten mehr im Lehrerseminar (1852)   
Spenden eines christlichen Bürgers an die jüdische Gemeinde sowie Bericht zum Lehrerseminar (1860)  
Bericht von 1863: zehn israelitische Schulamtskandidaten im Lehrerseminar  
L
ehrer- und Präparandenprüfung am Lehrerseminar (1904)   
Bericht über die Israelitische Lehrerversammlung in Stuttgart im Juli 1927 (1927)  
Die jüdische Lehrerausbildung wird von Esslingen nach Heilbronn verlegt (1928)  
Landesversammlung der israelitischen Religionsgemeinden Württemberg mit Beschlüssen für das Lehrerseminar Esslingen (1927)  
Zur Geschichte der Lehrerausbildung in Württemberg (1928)   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen  
H
inweis auf einen in der Druckerei Harburger erschienenen jüdischen Kalender (1902)  
A
nzeige der (nichtjüdischen) Firma Richard Hengstenberg (1911)    
Jakob Lindauer sucht eine Haushälterin (1912)    
Anzeige von Rabbiner Bamberger im Blick auf einen koscheren Senf der Firma Hengstenberg (1926)  
Anzeige der Dampfwäscherei H. Dawid, Inh. A. Wißt (1931)     
Weitere Dokumente  
Postkarte an Firma Emanuel Perlen in Esslingen (1875)  
Postkarte der Lederhandschuhfabrik Daniel Jeitteles (1911)   

   
   
   
Allgemeine Berichte   
Zur Geschichte der Juden in Esslingen (Artikel von 1928)   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Oktober 1928:      
Esslingen GemZeitung Wue 01101928a.jpg (173334 Byte)  
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Über die jüdische Gemeinde in Esslingen (1848) 
  

Esslingen DtrZionswaechter 08021848.jpg (428046 Byte)Artikel in "Der treue Zionswächter" vom 8. Februar 1848 (Aus einem Reisebericht: eine Reise in das württembergische Unterland - Von Ulm. [Fortsetzung]): "Esslingen, eine ehemalige freie Reichsstadt hat, wie so viele ihrer Schwestern, in den verhängnisvollen Jahren 1348-1349 ihr Pflaster mit Judenblut getränkt, und dies auf solch barbarische Weise, dass von den dortigen Juden wohl an zweihundert, die den Mordmessern augenblicklich entgingen, in ihrer Synagoge und mit derselben sich selbst verbrannten (M.s.Crusius S. 924 und Keller S. 92). Damals beschloss die Magistraturherrschaft, den Nachkommen Israelis auf ewige Zeiten die Tore dieser Stadt zu verschließen. Aber ... schon im Jahr 1375 erbaut und erhielt Esslingen vom Kaiser Karl IV. die Erlaubnis, Juden zu behalten und sie zu schützen vor aller Gewalt. Allein es scheint, als haben die Juden kein sonderliches Zutrauen in den Schutz einer Stadt gesetzt, die bald mit dem Kaiser, bald mit den Grafen von Württemberg und bald mit dem schwäbischen Bund in verheerender Fehde sich befand. Sie zogen nicht dahin, warteten vielmehr einen günstigeren Zeitpunkt ab, und dieser Zeitpunkt traf zu Anfang dieses Jahrhunderts ein. 
Es war nämlich im Jahre 1806, nachdem ermeldete Stadt der württembergischen Krone einverleibt war, als auch die städtische Behörde einen durch seinen gediegenen Verstand, durch seine musterhafte Redlichkeit und durch sein Achtung gebietendes Benehmen von allen, die ihn kannten, verehrten Juden, namens Isaac Levy aus Wankheim bei Tübingen, aufforderte, sich in Esslingen einzukaufen. Auf seine Vorstellung, dass er als Juden schon des Kultus halber nicht vereinzelt und von seinen Glaubensgenossen getrennt in einem Orte leben könne, und dass er nur alsdann nach Esslingen übersiedeln wolle, wenn diese Erlaubnis noch mehreren seiner Glaubensgenossen gegeben würde, erklärte die ermeldete Behörde, die damals schon erkannte, dass die Juden zur Hebung der Industrie und des Handels eines Ortes ganz besonders geeignet sind, dass es Herrn Levy freigegeben sein solle, noch vier Familien mit einigem Vermögen und gutem Prädikate vorzuschlagen. Dies geschah. Es wurde also fünf jüdischen Familien der Schutz zu Esslingen erteilt. Diese nahmen einen Vorbeter, einen Schochet und einige Handlungsdiener mit sich, sodass für Minjan gesorgt war, erkauften ein Haus zu Synagoge, einen Platz zum Gottesacker, richteten ein Frauenbad ein, und so war hier eine neue, wenn auch kleine Gemeinde entstanden. Jetzt wohnen dreißig jüdische Familien daselbst, die alle die Achtung der Bürgerschaft wohlverdient genießen. 
Der Gründer dieser Gemeinde, Herr Vorsteher Isaac Levy, der alle mit ihm dahingezogenen Familienväter überlebte, verstarb im vergangenen Marcheschwan 5608 (Oktober 1847) in einem Alter von 82 Jahren, nachdem er mit seiner noch lebenden Frau - Gott vermehre ihre Tage und Jahre - 51 Jahre in der Ehe gelebt hatte. Mit 14 Kindern aus Einer Ehe - 7 Söhnen und 7 Töchtern - mit der zurückgelassenen Witwe und mit 36 Enkeln beweinen diesen Ehrenmann alle besseren Israeliten des Landes. Denn nicht nur, dass er durch seinen reinen Verstand sehr vielen Glaubensgenossen, die aus den entferntesten Teilen des Landes kamen, seinen Rat sich zu erbitten, diesen ihnen bereitwillig erteilte, nciht nur dass er durch seinen Einfluss vielen nützlich geworden, sondern auch die bessere Stellung der diesseitigen Juden hat man größtenteils ihm zu verdanken, weil er sein Ansehen, das er bei hohen Beamten und bei gebildeten Bürgern genoss, dazu verwendete, der unermüdliche Fürsprecher seiner Nation zu sein, und es sich angelegen sein ließ, durch Wort und Wandel eine Menge Vorurteile gegen Juden zu zerstieben, was ihm auch vollkommen gelang.  
Der hiesige Lehrer, Herr Liebmann, der zugleich Waisenvater in der Wilhelmspflege, israelitisches Waisenhaus, und Lehrer für hebräische Fächer und Religion der Zöglinge im Hauptschullehrerseminar, ist ein Mann von ausgebreiteten Kenntnissen und in talmudischer und rabbinischer Literatur viel bewandert. Der Vorbeter, Herr Levy (hier ist, wie das allenthalben zu wünschen wäre, und zwar zum Heile der Synagoge und Schule, der Vorsängerdienst von dem des Vorbeters getrennt) ist eine merkwürdige Persönlichkeit; denn abgesehen von seinen Kenntnissen in allen Schulfächern, er ist examinierter und befähigter Lehrer und Vorsänger, welche beide Fächer er aber auszuüben nicht veranlasst ist, weil Herr Liebmann sie versieht, wusste er, ohne alle Anleitung von einer andern Seite und bloß von seinem guten Kopfe geleitet, und von seinem eisernen Fleiße unterstützt, solch' umfassende Kenntnisse in rabbinischen Wissenschaften sich zu erwerken, die in Erstaunen setzen. In seinem Lieblingsfach - alte ... (?) - hat er es zu einer seltenen Vollkommenheit gebracht und hat einen tausendjährigen Kalender verfasst, der an Einfachheit und geistreicher Kombination kaum etwas zu wünschen übrig lässt."          

   
Versammlung württembergischer Israeliten in Esslingen am 17. März 1861  

Esslingen Israelit 27021861.JPG (303757 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1861: "Esslingen, 17. Februar (1861). Heute tagte hier eine zahlreiche Versammlung von Israeliten aus allen Gauen des schwäbischen Vaterlandes, um gemeinsame Schritte zur vollen Erlangung der politischen Gleichberechtigung mit den christlichen Mitbürgern zu beraten und zu tun. Die Lehrsäle der Wilhelmspflege wurden der Versammlung zu ihrer Beratung freundlichst überlassen. Herr Rechtskonsulent Heiden von Esslingen begrüßte in schönen Worten die Versammlung und schlug ihr den Oberjustizprokurator Heß in Ulm als Vorsteher des dortigen israelitischen Lesevereins, der die heute Versammlung angeregt hatte, zum Vorsitzenden vor, was durch einstimmigen Zuruf angenommen wurde. Der Präsident wählte dann den Rechtskonsulenten Heiden von Esslingen und R. C. Sänger aus Ulm zu Schriftführern. Es wurden die Anträge des Ulmer Komitees verlesen: die Versammlung wolle die geeigneten Schritt tun, um die volle Emanzipation der Israeliten zu erzielen und zwar durch Bitten an die Königliche Staatsregierung, eventuell auch an die Ständekammer; durch Wahl eines Komitees, das den Verlauf der Sache wahrnehmen und weitere Schritte tun soll; Eingaben lagen schon vorbereitet vor. Die nun eröffnete Debatte nahm über Formfragen einen etwas langsamen Verlauf, da man doch im Ganzen, was die späteren Beschlüsse zeigten, vollständig einig war. Drei Eingaben, eine von Buchhändler Heß aus Ellwangen, die zweite von Dr. Adolph Levi in Stuttgart und die dritte vom Ulmer Komitee durch Oberjustizprokurator Heß ausgearbeitet, wurden verlesen. Besonders lebhaft wurde die Debatte durch die Anträge des Rechtskonsulenten Lebrecht in Ulm, der eine besondere Broschüre: ‚Die rechtliche Stellung der Juden in Württemberg’, für diesen Zweck geschrieben hatte und auch die innere Organisation der israelitischen Verhältnisse, als: Kirche, Schule etc., als Gegenstand der Eingaben behandelt wissen wollte, was starken Widerspruch hervorrief, da man nur bei der vollen bürgerlichen Gleichstellung stehen bleiben wolle, und sei einmal diese errungen und alle Schranken des Vorurteils gefallen, so ergebe sich alles Übrige von selbst. Die Beratung führte zu dem einstimmigen Beschlusse, ein Komitee zu wählen, das mit Zugrundelegung der verlesenen verschiedenen Eingaben Petitionen an die Königliche Staatsregierung und an die Stände ausarbeiten und im Namen der, die Israeliten des Landes vertretenden Versammlung einreichen und weitere allenfallsige Schritte wahrnehmen und ausführen soll. Die Versammlung war von 250 bis 300 Israeliten des ganzen Landes besucht. Beim gemeinschaftlichen Mahle wurde der erste Toast auf Seine Majestät den König, unter dessen glorreicher Regierung die Gleichstellung der israelitischen mit den christlichen Untertanen begonnen wurde und mit Gottes Beistand auch noch vollständig ausgeführt werden möchte, von Oberkirchenvorsteher Dr. Adolph Levi ausgebracht und mit allgemeiner Begeisterung unterstützt. Prokurator Heß von Ulm brachte seinen Trinkspruch der Versammlung, 
Esslingen Israelit 27021861b2.jpg (78971 Byte) die, so verschieden auch die Einzelnen in religiöser Anschauung und politischer Gesinnung seien, doch darin vollständig einig sei, in loyaler Weise den Kampf um die bürgerliche Gleichstellung fortzuführen, dass, wenn bei der gegenwärtigen zeitenschwere das Vaterland zum Kampfe und zum Siege rufe, der Israelite als Gleichberechtiger Eigentum, Blut und Leben für Gott, König und Vaterland einsetzen könne. Die Versammlung ging fröhlich mit dem Bewusstsein auseinander, dass ihre gute Sache zum Siege führen und dass die Königliche Regierung wie die Kammern gegen andere deutsche Länder nicht zurückbleiben werde, wenn es gilt, denen, die gleich Lasten mit ihren Mitbürgern tragen, auch gleiche Rechte zu gewähren (Staats-Anzeiger für Württemberg)."
 
Esslingen AZJ 05031861a.jpg (50555 Byte)Artikel in der Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. März 1861: "In Esslingen hat eine Versammlung der württembergischen Israeliten zur Beartung über die zur Erlangung der Gleichstellung zu tuenden Schritte stattgefunden. Wir freuen uns dieser neuen Tatsache, welche die in den Israeliten gegenwärtige Tatkraft bezeigt, zu deren Weckung wir nicht wenig beigetragen zu haben uns glücklich fühlen. Unser württembergischer Korrespondent macht uns hierüber folgende, ausführliche Mitteilung. 
Esslingen AZJ 05031861b.jpg (447764 Byte)Der 17. Februar versammelte gegen 300 Notabeln aus allen Gauen Württembergs in Esslingen, um gemeinsame Schritte zur Erlangung der vollen bürgerlichen Gleichstellung zu erzielen. – Herr Rechtskonsulent J. Lebrecht in Ulm regte im dortigen israelitischen Leseverein den Gedanken, Agitation in der Judenfrage zu machen, an; der Leseverein ergriff auch die Initiative und schrieb eine Versammlung auf den 17. Februar nach Esslingen aus, nachdem er zuvor die zu unternehmenden Schritte beraten hatte. Rechtskonsulent J. Lebrecht veröffentlichte eine Broschüre: Die rechtliche Stellung der Juden in Württemberg. Ulm, Nübling 12 Sgr. Der Reinertrag ist für das israelitische Waisenhaus in Esslingen bestimmt. Die Schrift hebt die Ausnahmebestimmungen hervor, denen die Juden durch das Gesetz unterworfen sind. Die drückendsten Ausnahmebestimmungen sind folgende: das mangelnde aktive und passive Wahlrecht zu Ständekammer, die Nichtzulassung zum Staatsdienste, die Erschwerung der Einwanderung ausländischer Juden, gehässige Formalitäten bei Eiden in Rechtssagen, die Ausnahmebestimmungen im Ehegesetze etc. – Am 17. Februar Vormittags wurde die Versammlung in den Lehrsälen des israelitischen Waisenhauses zu Esslingen eröffnet. Zu bedauern war es, dass die Räume zu eng für die Masse der Teilnehmer, die gegen 300 Personen starb waren. Rechtskonsulent Heiden aus Esslingen begrüßte in beredter Weise die Versammlung und hieß sie im Namen der Israeliten Esslingens willkommen. Er schlug den Oberjustizprokurator Heß aus Ulm als Vorsitzender vor, und der Vorschlag wurde unter freudigem Zuruf angenommen. Dem Präsidenten wurden die Rechtskonsulenten Heiden aus Esslingen und Sänger aus Ulm als Schriftführer beigegeben. Das Ulmer Komitee stellte sein Programm auf: 1) die Staatsregierung durch eine Adresse um volle Gleichstellung zu bitten; 2) die auf den Tisch des Hauses niedergelegten Eingaben zu prüfen, 3) ein Komitee zur Eingabe der Schriften und Wahrnehmung der geeigneten Schritte zu bestellen, 4) eventuell auch eine Eingabe an die Kammern zu richten. Rechtskonsulent Alexander Bacher von Stuttgart wollte nur ein Komitee gewählt wissen und vordersamt alle weiteren Schritte unterlassen. Denn die Vermengung der heiligen Sache der Emanzipation mit der Konkordatsfrage, wie die Königliche Regierung es beabsichtige, sei gegen sein Gefühl, er halte auch unter dem jetzigen Ministerium alle Schritte für erfolglos und erfolglose Agitation bringe mehr Schaden als Nutzen. Diese mit scharfer Dialektik verteidigten Anträge wurden von mehreren Rednern unterstützt. Rabbiner Dr. Wassermann hatte auf den Tisch des Hauses viele Eingaben, die im Zeitlaufe von 25 Jahren eingereicht worden und erfolglos geblieben, niedergelegt; er meinte, der Sturm werde in die Bäume fahren und die Birnen werden reif in unseren Schoß fallen, ohne dass wir schütteln. Kollegialassessor Jordan von Stuttgart unterstützte den Antrag aus Zweckmäßigkeitsgründen, aber trotz seiner schlagenden Logik wurde der Antrag abgeschlagen und Ziffer 1. des Ulmer Programms wurde angenommen. – Nun trat Rechtskonsulent Lebrecht ins Vortreffen und bekämpfte den Antrag, dass nur an die Königliche Staatsregierung eine Adresse gerichtet werde und verlangte, dass auch die Volksvertretung in einer energischen Petition gemahnt werde, den israelitischen Mitbürgern gerecht zu werden; er hoffe zwar von der so genannten Schulzenkammer wenig Ersprießliches für das gute Recht der Israeliten, aber immerhin solle man den einen Faktor der Gesetzgebung nicht umgehen. Der Antrag wurde angenommen. Drei Eingaben an die Königliche Staatregierung lagen vorbereitet auf dem Tische des Hauses. Die erste war von Buchhändler Heß in Ellwangen, dem Nestor des Kampfes um die Emanzipation in Schwaben. Der edle, würdige Greis wurde mit ‚Bravos’ begrüßt. Die zweite Adresse von Dr. Adolph Levi aus Stuttgart, von ihm selbst verlesen, ein stilistisches Meisterwerk von wahrhaft klassischer Sprache, poetisch in Vollendung der künstlerischen Form, schillerisch im idealen Schwung, und patriotisch, wie ein Arndt schrieb, brachte die ganze Versammlung in eine gehobene Stimmung. – Die Adresse des Oberjustizprokurator Heß in Ulm – Sohn des Buchhändlers – trug den Stempel des nüchternen Advokaten, war aber ausführlicher als die vorige und mehr an den Verstand als an das Gefühl gerichtet. – Wegen der vorgerückten Zeit konnte die Eingabe des Rechtskonsulenten Lebrecht an die Stände nicht mehr verlesen werden, der Entwurf wurde dem Komitee überwiesen. – die Versammlung wählte ein Komitee von 15 Mitgliedern, welches unter Zugrundlegung des vorhandenen Materials Eingaben an die Staatsregierung und Kammern zu fertigen und im Namen der Israeliten des Landes einzureichen hat. Die Versammlung war ein lebendiges Bild des Kulturzustandes der Israeliten Württembergs und hätte der Gesetzgeber an derselben am besten erfahren können, dass ein Erziehungsgesetz für die Israeliten nicht mehr nötig    
Esslingen AZJ 05031861c.jpg (332318 Byte)ist und dass sie an Bildung und Loyalität dem christlichen, schwäbischen Volksstamme in keiner Weise nachstehen. – Nun trennte sich die Versammlung nach Siboleth und Schiboleth in zwei Lager, die Einen nahmen ein frugales koscheres Mahl im Speisesaal des Waisenhauses, die Anderen zogen es vor, im Gasthofe zum Schwanen, bei Fleischtöpfen und Neckarfischen und mit Esslinger Champagner sich zu loben. Das juste milieu des Desserts und der schwarze Kaffee einigte wieder das getrennte Israel in ein Lager und die Heiterkeit steigerte sich zur frohen Lustbarkeit. Den ersten Toast brachte Adolph Levi auf Seine Majestät den König Wilhelm aus, unter dessen glorreicher Regierung die Gleichstellung der israelitischen mit den christlichen Mitbürgern begonnen wurde und unter derselben, mit Gottes Beistand, noch vollständig ausgeführt werden wird. – Prokurator Heß feierte den Vorredner Dr. Levi in einem Trinkspruche: Sein Hoch galt dem Manne, der sein ganzes Leben und Streben, seine Zeit und Kraft der Humanität, dem Judentum widmet. Dem Manne, der die Ämter als Oberkirchenvorsteher bei der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde, als Kirchenvorsteher bei der Gemeinde Stuttgart, als Vorstand des Waisenvereins, um Gotteswillen, ohne Bezahlung versieht und wo es gilt, Edles zu vollbringen, der Erste in der Reihe ist. – Die Versammlung stimmte jubelnd ein und man darf sagen: ‚die Volksstimme war Gottes Stimme!’ Es wird dem Berichterstatter schwer, die Stimmung und den Verlauf des Tages wiederzugeben und bitte er Jeden, dessen schönen Worte er nicht zur allgemeinen Kenntnis bringt, um Entschuldigung. Der Berichterstatter selbst: Alexander Elsässer, bat die Versammlung um Verzeihung, wenn er einen Trinkspruch auf die Hessen vorschlage, er wolle kein politisches Odium in die Versammlung werfen, er meine nicht Kur-Hessen, noch Hessen-Homburg, er bitte zu trinken auf das Wohl der beiden Hesse, Vater und Sohn, auf den Nestor im Kampf für Wahrheit und Recht, in dessen wackerem Sohne des Vaters Geist und Gemüt fortwirkt, die jetzt gemeinsame für unsere gute Sache streiten, sie leben hoch!! Dr. Adolph Levi schlug einen telegraphischen Gruß an Gabriel Riesser vor, den er in folgende Worte fasste und absandte: ‚Eine Versammlung zu Emanzipationszwecken in Esslingen huldigt dem edlen Vorkämpfer jüdischer Freiheit durch schwäbischen Gruß und Händedruck!’ Auch des Dr. Carl Weil in Wien wurde durch Dr. Jordan aus Stuttgart in Liebe gedacht.    Ein Gedicht von August Hochberger an die Versammlung zeigte, wie auch Israel das Talent der schwäbischen Sängerschule vertritt und das Halleluja dieses poetischen Klempners versinnbildlichte den Geist und das Streben der Versammlung.   An Dr. Adolph Levi gelangte folgende Antwort von Gabriel Riesser:   Hochgeehrter Herr! Ich sage Ihnen und den übrigen Herren, die mich gestern durch einen mit telegraphisch zugesendeten Gruß und Händedruck innigst erfreut haben, den wärmsten Dank für diesen Ausdruck Ihrer freundlichen Gesinnung. Möge das ehrenwerte Streben, das Sie und Ihre verehrten Genossen zu der gestrigen Zusammenkunft vereinigt hat, in Ihrer engeren Heimat und im gesamten deutschen Vaterlande recht bald zu dem ersehnten Ziel der Gewissensfreiheit und der Rechtsgleichheit führen! Dann wird es mich doppelt und dreifach beglücken, wenn man des Anteils, den ich an diesen Bestrebungen genommen, mit so ehrendem Wohlwollen, wie Sie es gestern getan haben, gedenkt. Von ganzem Herzen Ihr dankbar ergebener Gabriel Riesser." 

    
Der Antisemitismus dringt nach Esslingen vor (1891)  

Esslingen Israelit 04051891.jpg (148464 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1891:   

   
Ein
von Emil Lipp in Esslingen geschriebenes Charakterstück wird vertont von Lehrer Leo Adler in Stuttgart (1913)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Oktober 1913: "Aus Stuttgart wird berichtet: Herr Lehrer Leo Adler hat zu einem von Emil Lipp - Esslingen verfassten schwäbischen Charakterstück 'Unserem König seine Spitzer' die Musik geschrieben. Seine Majestät der König hat den Komponisten durch ein Anerkennungsschreiben ausgezeichnet. Der Einakter ist bei Frank Gutmann in Esslingen erschienen und gelangt demnächst an der Schwäbischen Volksbühne in Stuttgart zu Aufführung."    

     
Tagung des Württemberg-Hohenzollerischen Landesverbandes des jüdischen Frauenbundes in Esslingen (1927)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juli 1927:     
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1927:      

    
Gautag der neutralen jüdischen Jugendbünde Württembergs bei Jägerhaus in Esslingen (1928)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1928:     

     
    
Aus der Geschichte der jüdischen Kultusbeamten / Lehrer in der Stadtgemeinde 

Ausschreibungen der Stelle des Vorbeters / Schochet (1875 / 1903)   

Esslingen Israelit 17021875.jpg (61138 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1875: "Als Vorbeter und Schächter 
sucht die israelitische Gemeinde Esslingen (Württemberg) eine Person, die – einem sonstigen ehrbaren Gewerbe ergeben – jene Funktionen nur als Nebenamt übernehmen würde. Behufs näherer Auskunft wolle man sich wenden ans
Israelitische Kirchenvorsteheramt Esslingen".  
 
Esslingen Israelit 17081903.jpg (56100 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. August 1903: "Wir suchen einen religiös zuverlässigen Mann als Schochet, Baal Tefila und Baal Kore für unsere Gemeinde. Festes Einkommen 500 Mark und etwa 400 Mark Nebeneinkommen. Bewerbungsgesuche mit beglaubigten Zeugnisabschriften sind zu richten an das Israelitische Kirchenvorsteheramt: Eßlingen (Württemberg). Rothschild."    

     
Beitrag von Rabbiner Dr. M. Kahn, Esslingen (1905)
    

Esslingen FrfIsrFambl 19041905.jpg (538085 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. April 1905: "Pesach-Gedanken. Von Rabbiner Dr. M. Kahn in Esslingen. Unter den Büchern unserer Bibel besitzen wir eine kleine, wenig umfangreiche Schrift, die aber eine Fülle der Lieblichkeit, die Vollendung der Anmut selbst ist. Es ist das Lied der Lieder, Schir haschirim, das 'Hohelied'. Welche Innigkeit der überquellenden Empfindungen der Liebe und Hingebung tönt aus seinen Worten uns entgegen, welche Wärme jugendlicher, zarter Liebe strahlt uns an, wenn wir dieses liebliche Büchlein öffnen und seine leichten, wie Süßtrank flüssigen Verse genießen. Ein Hauch des Frühlings weht uns an, wir vermeinen unter blühenden Bäumen, in der Pracht anmutig sich öffnender Blumenkelche zu stehen. Das sprosst so kräftig, das Grün der Auen ist so saftig und frisch, die Luft so rein und so warm, der Himmel so blau, die Sonne so mild und so gut, der Aether durchduftet von feinem Aroma des blühenden Weinstocks. Kurz, ein herrlicher Frühling, ein Fest der Natur, ein Paradies mit hurtig dahineilenden Antilopen und Hirschen, erfüllt vom Gesang der Vögel, durchzittert vom Summen der Bienen...."
Zum weiteren Lesen bitte Textabbildung anklicken.  

    
Theologische Artikel von Rabbiner M. Kahn, Esslingen über "Tora-Judentum" (1909)

Esslingen Israelit 22071909a.jpg (546664 Byte)  Esslingen Israelit 22071909b.jpg (371288 Byte)  
  
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Rabbiner Dr. Kahn hat die Aufsicht über eine Firma in Obertürkheim (1903)
  

Esslingen Israelit 30111903.jpg (95925 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1903:    

    
Rabbiner Dr. M. Kahn unterschreibt als Rabbiner von Freudental (in Esslingen)
  (1903)    

Esslingen Israelit 30111903a.jpg (165184 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1903:    

     
Kantor Josef Starapolski tritt nach 30 Jahren in den Ruhestand (1933)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. November 1933:       


    
    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben    
    
Chanukka-Feier des Jüdischen Jugendbundes (1928)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Januar 1928:         

     
Vortrag von Lehrer Siegfried Weil im Israelitischen Frauenverein (1928)         

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. März 1928:          

      
Theodor Rothschild referiert zur jüdischen Geschichte Esslingens (1928)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Mai 1928    
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1928:     

        
Simchas-Tora-Gottesdienst in der Gemeinde (1928)          

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1928:       

    
Vortrag von Bezirksrabbiner Dr. Tänzer über Tierschutz im Judentum (1929)         

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1929:       

    
Vortrag von Fritz Schwarzschild aus Düsseldorf (1930)          

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. April 1930:          

     
Ergebnis der Vorsteheramtswahl sowie verschiedene Veranstaltungen in der Gemeinde und im Waisenhaus (1930)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom  1. April 1930:         

     
Vortragsveranstaltung im Israelitischen Frauenverein (1931)           

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1931:         

    
Vortragsveranstaltung der Ortsgruppe des Central-Vereins (1932)                    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1932:        

     
Vortragsveranstaltung im Israelitischen Frauenverein (1932)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1932:     

 
Predigt und Vortrag von Bezirksrabbiner Dr. Tänzer aus Göppingen (1933)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. März 1933      

      
Rabbiner Dr. Schorsch aus Hannover referiert bei einer Gemeindeversammlung (1933)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1933:       

   
   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Bijouteriefabrikant J. Levi steht zur Wahl für den Bürgerausschuss (1846)
Anmerkung: Jakob Levi ist am 6. Juli 1798 in Wankheim bei Tübingen geboren. Mit seinen Eltern und Geschwistern gehörte er zu den 1806 in Esslingen aufgenommenen jüdischen Familien. Er heiratete am 13. Dezember 1825 seine Nichte Brünette geb. Levi (geb. 12. Dezember 1801), mit der er drei Kinder hatte (Leopold, Max und Hanna). Jakob Levi war von Beruf Goldarbeiter und Juwelier. Bereits 1823 hat er eine Goldwarenfabrik in Esslingen eröffnet. 1832 wird in der "Übersicht der im Königreich befindlichen Fabriken und Manufakturen" Jakob Levis "Bijouteriewarenfabrik" als einziger jüdischer Betrieb in Esslingen genannt. In der Fabrik wurde Herren- und Damenschmuck (Ringe, Ketten, Medaillons, Armbänder, Broschen usw. fabriziert). Eine Besonderheit für eine jüdische Firma war auch die Herstellung von Kreuzen in vielen verschiedenen Faconen und Größen zur Lieferung nach Bayern. Jacob Levi hat erfolgreich seine Firma geführt, bis er sie an seine Söhne übergab und im Oktober 1867 nach Stuttgart verzog, wo er am 30. Mai 1887 verstarb; seine Frau starb am 4. April 1894; beide wurden im israelitischen Teil des Pragfriedhofes in Stuttgart beigesetzt. 
Aus dem Hintergrund, das Jakob Levi erfolgreicher Esslinger Fabrikant war, ist seine Bewerbung als Mitglied des Bürgerausschusses zu verstehen, die damals auch in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" mehrfachen Erwähnung wert war: 

Esslingen AZJ 20071846.jpg (79724 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juli 1846: "Stuttgart, 20. Juni (1846). Für die bevorstehenden Ergänzungswahlen zu unseren städtischen Kollegien wird diesmal von Seiten unserer Liberalen, welche seit längerer Zeit die Wahlen in ihrem Sinne durchsetzen und namentlich gegen die Lebenslänglichkeit der Stadträte in praxi mit Erfolg ankämpfen, Dr. Jordan, ein Israelit, als Mitglied des Bürgerausschusses vorgeschlagen. Es ist dies hier in Stuttgart der erste Fall, dass ein Israelit für ein städtisches Kollegium in Vorschlag kommt und dieser Fortschritt umso erfreulicher, als bis jetzt selbst ein großer Teil unserer Liberalen einer völligen Emanzipation der Israeliten noch entschieden entgegen war. Auch in unserem benachbarten Esslingen ist ein Israelit, Bijouteriefabrikant J. Levi, auf der Kandidatenliste für den Bürgerausschuss."
  
Esslingen AZJ 03081846.jpg (127519 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1846: "In Orten der übrigen Kreise des Königreichs haben die Israeliten erst in der jüngsten Zeit gesucht, von diesem Rechte Gebrauch zu machen und wenn in Esslingen, wie es heißt, ein Israelit mit großer Stimmenmehrheit in den Bürgerausschuss berufen ward, und in Stuttgart Herr Rechtskonsulent Jordan, Mitglieder der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde, ebenfalls in Vorschlag zu dieser Stelle gebracht wurde und zweifelsohne auch gewählt wird, so hat doch der Stadtrat in Buchau geglaubt, er müsse gegen dieses Recht der Israeliten opponieren, und hat diese Sache bis zum Geheimen Rat, der höchsten Landesstelle, verfolgt, jedoch ohne Erfolg, da sich diese hohe Stelle, wie alle Mittelstellen, zu Gunsten der Israeliten aussprach. So wird in vielen Gemeinden das Recht der Israeliten gern anerkannt und der Würdige sogar aufgesucht, während wieder andere jeden Schritt vorwärts mit aller Gewalt zu hemmen sich bestreben."
  
Esslingen AZJ 10081846.jpg (81632 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitschrift des Judentums" vom 10. August 1846: "Aus Württemberg, 15. Juli (1846). Unsern jüngsten bericht ergänzen wir nun dahin, dass Dr. Jordan in Stuttgart in der Tat zum Mitglied des Bürgerausschusses gewählt worden ist. Unter 1774 Stimmenden waren 1519 für ihn. Selbst bei der Wahl eines Obmanns dieses Kollegiums waren Stimmen auf ihn gefallen.   
J. Levi in Esslingen dagegen hat nicht reüssiert. Der Beobachter berichtet hierüber: ‚An dem freilich nur einziger Wahltage stimmten ungefähr ein Drittel  der Bürger von der Stadt ab, was namentlich die betrübende Folge hatte, dass mit dem Vorschlag der Wahl eines Israelit nicht durchgedrungen wurde, indem von der Stadt zwar gegen 100, von den weit zahlreicher abstimmenden Filialen (gemeint: die zur Stadt gehörenden Orte) aber nur ein paar Stimmen auf ihn fielen."  

   
Ein christlicher Einwohner kann eine jüdische Frau (noch) nicht heiraten (1850)
  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. September 1850: "Esslingen, 14. September (1850). Kürzlich kam hier, zum ersten Mal in Württemberg, der Fall vor, dass ein hiesiger christlicher Einwohner eine Jüdin ehelichen wollte, ohne dass die Letztere zur christlichen Religion übertreten sollte. Die Regierung hat aber die Genehmigung versagt, weil in diesem Punkte die Grundrechte noch nicht eingeführt seien."   

    
Rechtskonsulent Heiden zum Obmann des Bürgerausschusses gewählt (1865)   

Esslingen Israelit 04011865.jpg (43074 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1865: "In Esslingen haben sich die Wähler der Stadt ein Zeugnis der Toleranz ausgestellt, indem sie einen Israeliten sogar zum Obmann des Bürgerausschusses wählten. Diesem bürgerlichen Kollegium sind gegenüber dem Stadt- und Stiftungsrat gesetzlich sehr bedeutende Rechte eingeräumt."
  
Esslingen Israelit 08031865.jpg (142099 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1865: "Esslingen, 16. Februar (1865). Hier ist schon seit vorigem Jahr ein Jude Mitglied des Bürgerausschusses, Herr Rechtskonsulent Heiden. Kürzlich ist derselbe zum Obmann gewählt worden. Heute sollte die erste Stiftungsratssitzung seit den neuen Wahlen stattfinden. Bekanntlich laden Dekan und Stadtschultheiß gemeinschaftlich zu solchen Sitzungen ein, und der Bürgerausschuss wird hierzu durch seinen Obmann berufen. Gestern Abend aber ließ Herr Dekan Knapp, Bruder des verstorbenen Ministers, demjenigen Bürgerausschussmitglied, welches nach Herrn Heiden die meisten Stimmen erhalten hatte, folgendes Zirkular mit dem Ersuchen zustellen, dasselbe in Lauf zu setzen: ‚Die verehrlichen Mitglieder des Bürgerausschusses werden hiermit benachrichtigt, dass morgen (Donnerstag) eine Stiftungsratssitzung stattfindet, und sie zu pünktlichem Erscheinen bis 9 Uhr eingeladen werden, da vor der Sitzung ein Stellvertreter des Obmanns Heiden bestimmt werden muss.’ Pünktlich erschienen denn auch heute früh die Bürgerausschussmitglieder, aber, wie sich von selbst versteht, mit ihrem Obmann an der Spitze. Dieser protestierte unter Berufung auf das Verwaltungs-Edikt, das ihn nur in eigentlich konfessionellen Fragen von der Beteiligung an Stiftungsratsverhandlungen ausschließt und kündigte eine Beschwerde an die Regierung gegen seine beabsichtigte Absetzung an. Der Herr Stadtschultheiß hatte, soviel zu vernehmen, von dem Vorgang nichts gewusst. Der Bürgerausschuss verließ, als nicht korrekt eingeladen, den Saal, und ein Viertelstündchen darauf sah man auch die übrigen geistlichen und weltlichen Mitglieder des Kollegiums wieder vom Rathaus heimwärts wandern. Man sagt gewöhnlich: Wenn die Herren vom Rathaus kommen, sind sie am klügsten. Dieses Sprichwort wird wohl auch heute eingetroffen sein."

    
Gedicht über die Begegnung zwischen einem jüdischen Fabrikbediensteten und einem nichtjüdischen Justizassessor in Esslingen (1867)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1867: "Eine Antwort. Esslingen am Neckar ist der Sitz des Königlichen Gerichtshofs für den Neckarkreis; sonst ein bürokratischer Ort, ist er jetzt ein Fabrikplatz geworden und diese Metamorphose gibt sich auch im geselligen Leben kund; die Beamten und Richter sind nicht mehr die tonangebenden Matadoren in der Stadt, die im schwäbischen 'Herrenstübchen' den Vorsitz führen, sondern der Industrielle, der Arbeiter hat auch im geselligen Leben sich den ihm gebührenden Rang errungen, wozu Fleiß, Tätigkeit und Bildung, Einkommen und Vermögen ihn berechtigen. Das kann manche Schreiberseele nicht verwinden und besonders, wenn der bevorzugte Industrielle noch Jude ist, so kann das ein altwürttembergischer Mandarine nicht goutieren. Im Speisesaal zur Krone saß an derselben Table d'hôte, an der ein Königlich württembergischer Justizassessor sich spreizte, ein Jude, ein Bediensteter der bekannten Firma: Bijouteriefabrik von Jakob Levi's Söhne. Der vom Haus Levi stand auf und wagte mit bedecktem Haupte im weiten Saale zu promenieren, da rief mit kriminalrichterlicher Befehlshaberstimme ein Justizassessor: 'Hut ab, das ist man in keiner Judenschul!' Welche Worte beide Herren noch gewechselt, ist nicht vom Griffel der Geschichte verzeichnet worden; aber andern Tags stand folgendes Gedicht in dem Feuilleton der Esslinger Zeitung:   
Hut ab! 
 
Wer will gute Sitten lehren,  
Darf ihr selber nicht entbehren; 
Doch es zeugt von schlechtem Tone, 
Wenn man in der hies'gen Krone, 
Fremde Leute insultiert, 
Deren Äuß'res uns geniert,  
Und es zeugt ein wenig Geist, 
Esslingen AZJ 25061867a.jpg (93594 Byte)Wenn man Jemand 'Juden' heißt, 
Weil er seinen Hut nicht zog, 
Als er um die Ecke bog. 
Wahrlich drob bin ich verwundert, 
Daß im jetzigen Jahrhundert  
Noch ein vollgerechter Mann  
Solchen Blödsinn reden kann.  
Straßenjungen, laß ich gelten, Hört man öfter 'Jude' schelten; 
Doch solch' ungezog'nen Rangen  
Schlägt man eine auf die Wangen, 
Denn der Jude, das ist recht, 
Ist so gut just und so schlecht, 
Als die andern Menschen alle;  
Schlechter nicht, in keinem Falle! 
Und Du großer Pädagoge  
Weißt, dass in der Synagoge 
Jeder Jude sich bedeckt; 
Doch nicht Du hast das entdeckt; 
Und es ist fürwahr nichts Neu's, 
Daß ein Bucher*) dieses weiß, 
Neu ist aber, ich muß sagen, 
Daß man noch in unsern Tagen  
Immerdar der Meinung ist: 
Groß sein dürfe nur - der Christ.  
Die Verfasserin dieses improvisierten Gedichts ist die Frau Elise Levi geb. Hänle aus Esslingen, Nichte der bekannten Dichterin 'Henriette Ottenheimer'; und sie wird uns die Indiskretion entschuldigen, dass wir ihre Anonymität in dieser gelesenen Zeitschrift nicht respektiert haben, und hoffen wir dadurch den Dank des lesenden Publikums zu ernten.  Laupheim. Alexander Elsäßer."   

     
Zum Tod von Elise Henle (1892)  
Anmerkung: Elise Henle ist als Tochter des Benedict Henle und der Therese geb. Ottenheimer am 10. August 1832 in München geboren. Ihr Vater hatte sich als Verfasser von geographischen und uhrentechnischen Sachbüchern sowie als Erfinder der "Polytopischen Uhr" einen Namen gemacht. Elises 25 Jahre ältere Schwester Henriette Ottenheimer (1807-1883) war eine bekannte Dichterin, die, seit ihrem sechsten Lebensjahr gelähmt, mit Ludwig Uhland und Friedrich Rückert in Verbindung stand. Am 3. Juli 1853 heiratete Elise den Esslinger Leopold Levi, der am 21. Dezember 1826 in Esslingen geboren ist als Sohn von Jacob Levi und der Brünette geb. Levi. Leopold Levi war wie sein Vater als Bijouteriewarenfabrikant (Schmuckwarenfabrikant) tätig. Die Bijouteriefabrik bestand bis 1881. In diesem Jahr verzog Leopold Levi mit seiner Familie (Tochter Mathilde, geb. 1854 in Esslingen) nach München. Elise war bereits in der Esslinger Zeit eine bekannte Theaterautorin, sodass das Haus der Levis in Esslingen "zum Rendezvous-Platz der vornehmsten Gesellschaft" geworden war. Sie schrieb unter ihrem Mädchen- und Künstlernamen "Elise Henle" zahlreiche Stücke, die an verschiedenen Theatern in Süddeutschland aufgeführt wurden. 1881 erzielte Elise Henle mit ihrem Lustspiel "Der Erbonkel" im Münchner Hoftheater einen bedeutenden Erfolg. Bekannt waren auch zwei Kochbüchlein: ein Kochbuch in oberbayrischer Mundart ("Guat is's" (1884) und eines "So mag i's" in schwäbischer Mundart. Elise Henle verstarb im Haus ihrer Tochter in Frankfurt am Main am 18. August 1892.         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. August 1892: "Frankfurt am Main, 20. August (1892). Am 18. dieses Monats starb hier sechzig Jahre alt die Schriftstellerin Elise Henle, welche durch ihr in Wien preisgekröntes Lustspiel 'Durch die Intendanz' zuerst in weiten Kreisen bekannt geworden ist. Vor dem Stücke 'Durch die Intendanz', das 1878 herauskam, hatte Elise Henle schon zwei Lustspiele, 'Ein Duell' und 'Aus Goethes lustigen Tagen', erscheinen lassen. Später schrieb sie noch ein Lustspiel 'Die Wiener in Stuttgart' und das Schauspiel 'Entehrt'. Letzteres hat neben dem Preislustspiele 'Durch die Intendanz' von den Werken der Henle den größten Erfolg gehabt. Elise Henle wurde 1832 in München geboren, wo ihr Vater als Sensal (er war auf dem Gebiete des Finanzwesens auch literarisch tätig) lebte. Durch Heirat kam Elise Henle 1853 nach Esslingen in Württemberg, sie kehrte aber 1881 wieder in ihre Heimatstadt München zurück. Nach Frankfurt, wo sie starb, war Elise Henle zum Besuche einer dort lebenden Schwester gekommen. Elise Henle war eine gesinnungstreue und für das Judentum warm empfindende Frau."      
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1892: "Elise Henle. Ein Erinnerungsblatt von Dr. B. Kuttner in Frankfurt am Main. 
Am 18. August dieses Jahres starb, mitten in ihren Vorbereitungen zur Reise in die Sommerfrische, Elise Henle; 62 Jahre alt, in Frankfurt am Main. Tochter, Schwiegersohn und Enkelkinder, die sie daselbst erwarteten, sollten sie nicht mehr sehen. 
Schmerzlich berührte auch uns die Kunde von dem Hinscheiden dieser liebenswürdigen Frau, und das bescheidene Blättchen, das ich hiermit auf ihrem frischen Grabe niederlegen möchte, soll nicht der Dichterin gelten - als solche mag sie von Berufeneren gewürdigt werden - sondern dem Menschen in ihr. Das Schicksal, von dem sie nie verwöhnt worden war, hat sich auch darin unliebenswürdig gegen sie gezeigt, dass es sie zu einer Zeit ins Grab sinken ließ, wo sie infolge ungewöhnlicher Sommerhitze und der Abwesenheit vieler, selbst naher Verwandter in entlegenen Bädern nur ein ziemlich bescheidenes Gefolge finden konnte. Und dennoch: könnte sie selbst sich darüber äußern, sie würde mit einem liebenswürdigen Scherze dieses Leichenbegängnis ganz ihr entsprechend finden. In allen Stille und Bescheidenheit - ja, das war allerdings da, was ihr am angenehmsten war; nach der Welt hat sie sich nicht gesehnt; in der Stille, fern von allem zerstreuenden Getümmel, fühlte sie sich allzeit am wohlsten. Wohl ist sie auch 'unter die Leute' gegangen, aber sie hat kein Hehl daraus gemacht, dass diese heutzutage vielfach einen Umfand und eine Form annehmen, dass sie nur denen genügen können, die sich innerlich langweilen, es aber äußerlich nicht merken lassen wollen. Der reiche Strom ihres inneren Lebens machte sie durchaus unabhängig nach außen - und hieraus entwickelte sich jener liebenswürdige Humor, der es vergessen ließ, dass man eine im Greisenalter stehende, eine von rauer Schicksalshand unsanft hin- und hergeschüttelte Frau vor sich hatte. Wer es vollends verstand, von der Oberfläche ablenkend in die Tiefe zu tauchen, der fand eine so kernige, ursprüngliche und gereifte Lebensanschauung, dass er nur mit dem Wunsche aufhörte, recht bald wieder darauf zurückzukommen.   
Geschichte und Literatur liefern Beweise dafür, dass der Humor gern bei echter Religiosität wohnt. Es muss wohl so sein. Der echte, herzerfrischende Humor setzt Frieden voraus, Frieden mit sich und Frieden mit anderen. Elise Henle war eine tief religiöse Natur, nciht kleinlich, nicht an äußeren Gebräuchen haftend, aber eine gottgläubige, von dem Bewusstsein der Gotteskindschaft durchleuchtete Frau. Nur so konnte es ihr, nach ihrem eigenen Geständnis, gelingen, die Widerwärtigkeiten des Lebens, die sie bis an ihr Ende nicht verschont haben, siegreich und ohne Verbitterung zu bestehen. Ich bin in der glücklichen Lage, sie selbst hierüber sprechen lassen zu können. In einem Briefe vom September 1888 sagt sie wörtlich: 'Mir ist die Irreligiosität, der Frauen insbesondere, ein Gräuel. Ich halte mich für so gescheit, als viele dieser sogenannten Aufgeklärten; aber mir ist das Gebet wie der Glaube an Gott ein Herzensbedürfnis, wie es mir eine Stütze war und ist in allen Wechselfällen des Lebens, und ich sehe auch nicht, dass diejenigen, welche Gott leugnen, glücklicher sind. Im Gegenteil, sie sind meistens       
Esslingen AZJ 02091892a.jpg (77198 Byte)  unzufrieden, und es geht ihnen auch nicht besser.' Diese goldenen Worte stimmen ganz überein mit dem, was sie in ihrem humordurchwehten Kochbuch in oberbayerischer Mundart 'Guot is's' in dem Ehestandsrezept sagt. In diesem Rezept geißelt sie auch ganz ergötzlich das Treiben jener heute so zahlreichen Frauen, die bei aller Bildung doch so oberflächlich, bei allen Vergnügungen doch so unzufrieden sind. Auch die moderne Richtung in der Literatur bekommt gelegentlich einen Hieb ab, wie denn Elise Henle dem Naturalismus überhaupt nicht gewogen war, obgleich sie ihn gelegentlich bewunderte. 'Vielleicht', sagte sie, als ich sie zum letzten Mal sprach, 'würde ich etwas dagegen schreiben, wenn ich nicht - zu alt wäre.' Doch ich wollte ja nicht von der Schriftstellerin sprechen, sondern nur den Menschen in ihr schildern, nur ein Bild von ihr entwerfen, wie es sich in mir auf Grund unseres Verkehrs gestaltete; und ich glaube mich in Übereinstimmung mit allen denen, die Elise Henle gekannt haben, wenn ich sage: als eine liebenswürdige, humorvolle Frau, deren ganzes Wesen Zufriedenheit und Bescheidenheit atmete, wird sie uns als Vorbild in der Erinnerung fortleben."   

     
Goldene Hochzeit des Ehepaares S. Lauchheimer (1904)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Februar 1904: "In Esslingen feierte diese Woche das S. Lauchheimer'sche Ehepaar das Fest der goldenen Hochzeit im Kreise von sieben Kindern, elf Enkeln und zwei Urenkeln. Lauchheimer ist 78, seine Frau 72 Jahre alt; beide sind noch rüstig."   

     
Bei der Vorsteherwahl wurden Moritz Feigenbaum, Leopold Moses und Theodor Rothschild gewählt (1924)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 15. Juli 1924:       

     
Brand in der Gelatinenfabrik von Moses (1927)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1927:        

    
40-jähriges Bestehen der Württembergischen Handschuhfabrik Moritz Feigenbaum (1929)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1929:     

   
70. Geburtstag von Moritz Feigenbaum (1931)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1931:      
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1931:       

          
40-jähriges Geschäftsjubiläum des "Salamander"-Schuhhauses von Dina Wolff (1932)          

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1932:    

        
Zum Tod von Leopold Löwenthal (1932)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1932:        

              
  60. Geburtstag von Prof. Dr. Julius Schmidt, Professor an der Höheren Maschinenbauschule in Esslingen (1932)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juli 1932:          

   
Zum Tod von Professor Dr. Julius Schmidt, Professor an der Höheren Maschinenbauschule in Esslingen (1933)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1933:        

    
75-jähriges Bestehen der Handschuhfabrik Daniel Jeitteles (1934)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1934:     

       
Zum Tod von Leopold Moses (1934)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16 Januar 1935:       

      
An Stelle des verstorbenen Leopold Moses wird Berthold Oppenheimer in den Gemeindevorstand gewählt (1935)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1935:     

    
Der langjährige Gemeindevorsteher Moritz Feigenbaum zieht nach Stuttgart (1937)           

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1937:   

 
   
   
Zur Ausbildung jüdischer Lehrer am Lehrerseminar Esslingen   
Bericht von 1839  

Esslingen AZJ 07121839.JPG (202118 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Dezember 1839: "Esslingen, (im Königreich Württemberg), 18. November (1839). Schon seit fast 5 Jahren ist von dem königlichen Ministerium die Einrichtung getroffen worden, dass den israelitischen Zöglingen des hiesigen königlichen Haupt-Schullehrer-Seminars durch den Lehrer der israelitischen Musterschule dahier in wöchentlichen 7 Stunden ein öffentlicher Unterricht in der hebräischen Sprache, in der Religion, in der Verfertigung von religiösen schriftlichen Aufsätzen (resp. Vorträgen) auf Staatskosten unter Aufsicht des Königlichen evangelischen Konsistoriums und der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde erteilt werde. Es ist zu erwarten, dass das hiesige Seminar, das zwar erst vor Kurzem durch den Tod seines in der pädagogischen Welt wohl bekannten Vorstandes einen bedeutenden Verlust erlitten hat, unter der Leitung seines jetzigen Vorstandes, Herrn Rieke, eines äußerst tätigen, höchst toleranten Mannes und gewandten Pädagogen, seine bisherige Berühmtheit behaupten werde. Darum bietet sich jungen Israeliten auch des Auslandes vielleicht nirgends eine günstigere Gelegenheit, sich zum Lehrfache zu bilden, dar, wie hier, wo außer den allgemeinen auch noch die besonderen Kenntnisse des israelitischen Lehrers zu erlangen sind. Auch können Eltern und Pfleger ihre Kinder und Pfleglinge keiner anderen ähnlichen Anstalt mit mehr Ruhe anvertrauen als dieser, wo ein Religionsverwandter den Zöglingen als Führer, Ratgeber und Beschützer stets nahe ist. – Was die Aufnahme in die Anstalt betrifft, so wird erfordert, dass die jungen Leute das 15. Lebensjahr zurückgelegt, angemessene Vorkenntnisse in der biblischen Geschichte, im Rechnen, in der deutschen Sprache, in Verfertigung leichter Aufsätze, in Musik (Klavierspielen – besonders der Tonleiter – und Singen) etc. haben. Der Unterricht wird unentgeltlich erteilt. Die Lehrzeit ist gewöhnlich 3 Jahre, doch werden auch Auskultanten auf 1 und 2 Jahre aufgenommen. Die Aufnahmegesuche werden jedes Jahr etwa im Januar oder Februar an das Königliche evangelische Konsistorium eingereicht und die nötigen Zeugnisse beigeschlossen. Das Aufnahmeexamen findet darauf ungefähr im März, der Eintritt Anfang Juni statt.
Die Stadt Esslingen liegt 2-3 Stunden von Stuttgart entfernt, in einer äußerst schönen, fruchtbaren, gesunden Gegend des Neckartals. Die Unterhaltskosten dahier sind billig. Übrigens erhalten die armen (inländischen) israelitischen Zöglinge gleich den christlichen Stipendien."   

     
Werbung für die Ausbildung am Lehrerseminar durch Lehrer Liebmann (1849)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30.Juli 1849:        

     
Keine jüdischen Studenten mehr im Lehrerseminar (1852)  

Esslingen AZJ 09081852.jpg (106294 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. August 1852: "Bayern, Ende Juli (1852). Was ich von dem Mangel an israelitischen Schulamtskandidaten bei uns mitteilte, das kann ich nunmehr als Reiseerfahrung auch aus Württemberg, auf die Gefahr hin, Ihrem wackeren Korrespondenten aus jenem Lande ins Handwerk zu pfuschen berichten. In dem dortigen Landesseminar zu Esslingen befindet sich seit drei Jahren kein israelitischer Seminarist mehr, weshalb die Oberkirchenbehörde die Aufforderung ergehen ließ, dass sich geeignete Jünglinge dem Schulfache wieder widmen mögen. Im Notfalle will man Ausländer berufen. Auch Rabbinatskandidaten sind dort nicht mehr vorhanden, während bei uns Überfluss an diesem Artikel ist. Eine Rabbinatsstelle ernährt bei uns immer ihren Mann anständig, und einmal zu ihr gelangt, ist man völlig Herr seiner Zeit, genießt eine achtbare Stellung und kann verdienstlich wirken, was bei Lehrern nur in letzterer Beziehung der Fall ist. Während aber das israelitische württembergische Kirchen- und Schulwesen vor dem unsern schon das voraushat, dass dessen Diener nicht durch Wahlen auf breitester Grundlage, sondern durch Ernennung platziert werden…".

   
Spenden eines christlichen Bürgers an die jüdische Gemeinde sowie Bericht zum Lehrerseminar (1860)   

Esslingen AZJ 06031860.jpg (160268 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. März 1860: "Esslingen im Königreich Württemberg, im Februar (1860). Auch in unserer alten, ehemaligen Reichsstadt kommen, wenngleich nur vereinzelt, Beispiele von Toleranz vor. So hat einer unserer christlichen Mitbürger, Herr Metalldreher Jacob Schweizer, der israelitischen Gemeinde zum Gebrauche bei dem Gottesdienste, zwei sehr hübsche Gefäße, eine Kanne und einen Becher, zum Geschenke gemacht, und wurden solche ebenso freundlich aufgenommen als gegeben. – Denen die sich für die Schulsache interessieren, dürfte die Mitteilung nicht unwichtig sein, dass am hiesigen königlichen Schullehrer-Seminar seit 25 Jahren auf Staatskosten den israelitischen Seminaristen ein öffentlicher Unterricht in der mosaischen Religion und dem Hebräischen erteilt wird, Dieser Unterricht wurde in den letzten zwei Jahren bedeutend erweitert, indem auch der liturgische Gesang und das Lesen rabbinischer Schriften betrieben werden. Es werden im Ganzen 10 Stunden wöchentlich darauf verwendet. Auch die in der hiesigen Präparandenschule sich befindenden Israeliten erhalten, gleichfalls auf Staatskosten, einen vorbereitenden hebräischen Unterricht. Da ferner der Staat an sämtliche israelitische Schulamtszöglinge sehr bedeutende Stipendien gibt, auch das israelitische Waisenhaus dahier denselben gegen sehr billiges Kostgeld eine genügende Kost reicht, so ist damit einem längst gefühlten Bedürfnis abgeholfen, und es dürfte in Bälde an israelitischen Lehrern in Württemberg kein Mangel mehr sein. Auch Ausländern steht der unentgeltliche Eintritt in die Staats-Schulbildungs-Anstalten offen, nur erhalten sie keine Staats-Unterstützung."      

     
Bericht von 1863 - zehn jüdische Schulamtskandidaten im Lehrerseminar   

Esslingen AZJ 27011863.jpg (31444 Byte)Artikel in "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Januar 1863: "Im Schullehrer-Seminare zu Esslingen befinden sich zehn israelitische Schulamtskandidaten und noch weitere sechs in der Präparandenanstalt."   

    
Lehrer- und Präparandenprüfung am Lehrerseminar (1904)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1904: "Stuttgart, 27. April (1904). Das in Esslingen bestehende Königliche Schullehrer-Seminar hielt gelegentlich des Schlusses des Winter-Semesters eine Lehrer- und Präparandenprüfung ab, zu welcher auch israelitische Kandidaten zugegen waren. Die jungen Lehramtskandidaten bestanden nicht nur gut in den profanen Wissenschaften, sondern auch vorzüglich in der Prüfung für jüdische Religion und Ausbildung zum Vorsängerfach, in Anwesenheit der israelitischen Prüfungskommission; die jungen Leute zeigten gediegene Kenntnisse in den verschiedensten Fächern der jüdischen Wissenschaft. Die Prüflinge machten dadurch ihrem Lehrer, dem Herrn Rabbiner Dr. M. Kahn, alle Ehre, sodass Herr Dr. Kahn mit Stolz auf den Erfolg seiner Lehrtätigkeit am Königlichen Lehrerseminar blicken kann."              

      
Bericht über die Israelitische Lehrerversammlung in Stuttgart im Juli 1927 (1927)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1927:     
Esslingen GemZeitung Wue 16081927sa.jpg (213319 Byte)    

     
Die jüdische Lehrerausbildung wird von Esslingen nach Heilbronn verlegt (1928)  

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1928:         

    
Landesversammlung der israelitischen Religionsgemeinden Württemberg mit Beschlüssen für das Lehrerseminar Esslingen (1928)     

Esslingen Israelit 23021928.jpg (233314 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1928:   

    
Zur Geschichte der Lehrerausbildung in Württemberg (1928)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom  1. März 1928:         
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Esslingen GemZeitung Wue 01031928c.jpg (164900 Byte)    
Esslingen GemZeitung Wue 01031928d.jpg (173158 Byte)    

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen  
Hinweis auf einen in der Buchdruckerei Harburger erschienenen Kalender (1902)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1902: "Israelitischer Kalender für die jüdischen Gemeinden Württembergs für das Jahr der Welt 5663. L. Harburger'sche Buchdruckerei. Esslingen."          


Anzeige der (nichtjüdischen) Firma Richard Hengstenberg (1911)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  2. Juni 1911:    

 
Jakob Lindauer sucht eine Haushälterin (1912)     

Esslingen FrfIsrFambl 02021912.jpg (62413 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Februar 1912: 
"Israelitische Haushälterin, 
möglichst für 1. März für kleinen Haushalt (Vater und Sohn) bei guter Bezahlung gesucht. Dienstmädchen vorhanden. Nur Damen, die gut bürgerlich kochen und die Haushalt gründlich verstehen, belieben sich zu melden. Ausführliche Offerten mit Bild und Gehalts-Ansprüchen erbeten. 
Jakob Lindauer. 
Esslingen am Neckar,
Württemberg."

    
Anzeige von Rabbiner Bamberger im Blick auf einen koscheren Senf der Firma Hengstenberg (1926)  

Esslingen Israelit 17061926.jpg (39444 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1926: "Sprechsaal. Ich mache hiermit darauf aufmerksam, dass der von der Firma Hengstenberg in Esslingen am Neckar unter der Marke ‚Gutso’ für Koscher verkaufte Senf nicht mehr den Anforderungen des Kaschrut entspricht, da die Fabrikation nicht mehr meiner Aufsicht untersteht. Rabbiner Dr. Bamberger, Stuttgart."

   
Anzeige der Dampfwascherei H. Dawid, Inh. A. Wißt (1931)           

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1931:            

   
   
Weitere Dokumente  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)  

Postkarte an die Firma Emanuel Perlen in Esslingen (1875   Esslingen Dok 180.jpg (102344 Byte)
  Die Karte an die Firma Emanuel Perlen (Handel mit Ellenwaren/Tuchhaus) wurde 1875 
aus (Stuttgart)-Untertürkheim verschickt  
     
     
Postkarte der Lederhandschuhfabrik
 Daniel Jeitteles (1911)
 
 
Esslingen Dok 680.jpg (197796 Byte) Esslingen Dok 680a.jpg (161806 Byte)
   Die Karte wurde am 30. März 1911 von Esslingen am Neckar nach Bischofswerda in 
Sachsen geschickt; es war eine Bestellung eines Kartons geschnittener Watte.  
     
     

       

       

       

       

       

 

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Stand: 14. Juli 2015