Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Horkheim (Stadt Heilbronn, Landkreis Heilbronn) 
Jüdische Geschichte  /  Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen     
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version see Sontheim)    
    
In der Horkheimer Wasserburg (bis 1806 ein kurpfälzisches Lehen) wurden Ende des 17. Jahrhunderts einige jüdische Familien aufgenommen, die alsbald eine Gemeinde bildeten. 1729 waren es insgesamt 50 Personen. Ein Teil der Horkheimer Juden verzog 1778 bis 1780 nach Talheim, doch waren auch weiterhin Juden in der Burg, seit 1811 auch im Dorf. Um 1771 wird die höchste Zahl mit 89 Personen erreicht. 
     
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1806 68 jüdische Einwohner, 1822 56, 1829 60, 1838 60, 1841 64, 1846 68, 1858 72, 1864 47, 1867 32, 1871 27, 1875 33, 1885 41, 1890 36, 1895 25, 1900 21, 1905 17.    
     
1925/33 lebten vier jüdische Personen in Horkheim. 
      
Nach den Deportationen in der NS-Zeit kamen die 1933 in Horkheim wohnhaften vier jüdischen Personen (Familie des Viehhändlers Max Meier) ums Leben.   
      
      
      
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge              
   
In der Burg befanden sich im 17./18. Jahrhundert nicht nur die jüdische Wohnungen, sondern auch die Einrichtungen der Gemeinde. Eine Synagoge wird 1725 genannt, die sich nach Angaben von 1737 in einem Zimmer im großen, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Burgturm befand. Hebräische Inschriften im zweiten Stock des Turms stehen hiermit in Zusammenhang. Sie waren möglicherweise Teil einer Ausmalung durch Elieser Sussmann, der um 1730/40 mehrere Betsäle, unter anderem den in Unterlimpurg (Schwäbisch Hall) bemalt hat. Der Betsaal in der Burg war für die etwa 50 Personen zu klein, daher beabsichtigte die Grundherrschaft, Herr von Schütz an Stelle der 1563 erbauten Begräbniskapelle der Lämblin auf dem alten Friedhof eine Synagoge für die Judenschaft zu erbauen. Auch 1807 wird von einer in Horkheim vorhanden jüdischen "Betstube" berichtet, wobei es sich jedoch immer noch um die Synagoge im Burgturm gehandelt haben wird. Seit der Neuordnung der jüdischen Gemeinden Württembergs 1832 gehörten die Horkheimer Juden der Sontheimer Gemeinde an. Vermutlich besuchten sie seitdem auch die dortige Synagoge. Inwieweit in Horkheim noch Gottesdienste gefeiert wurden, ist nicht bekannt. Ein Teil der Inschriften im ersten Stock des Burgturmes ist noch zu erkennen. Bei einer Inschrift handelt es sich um das Gebet, das bei der Aushebung der Tora gesprochen wird. Von November 2001 bis Mai 2002 wurden die Inschriften auf dem mürbe gewordenen und teilweise abgefallenen Putz einer "Notsicherung" durch das Landesdenkmalamt unterzogen.   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
90. Geburtstag von Babette Mayer (1899)  

Horkheim Israelit 28091899.jpg (104854 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1899: "Heilbronn am Neckar. Am Hoschana Rabba beging die hiesige Frau Babette Mayer - mit Gottes Hilfe - ihren 90. Geburtstag. Frau Mayer ist in dem altehrwürdigen, durch seine frühere Jeschiwa bekannten Schwarzwalddorfe Mühringen geboren, war in Horkheim bei Heilbronn verheiratet und ist in den 70er-Jahren mit ihren Söhnen, denen sie stets ein Gegenstand zarter Liebe und Aufmerksamkeit und religiöses Vorbild gewesen, hierher gezogen. Die Frau hat das seltene Glück körperlicher und geistiger Frische und war am jüngsten Jom Kippur von Anfang bis Schluss des Gottesdienstes fastend in der Synagoge. Es ist ein Vergnügen, sich mit ihr über Judentum zu unterhalten und sie mit leuchtenden Blicken Stückchen aus ihrem durch Lektüre in  Zeena uReena (Geht hinaus und sucht, Erbauungsbuch für Frauen) und anderen populären, jüdischen Schriften erworbenen Schatze auskramen zu hören; fast sämtliche Gebete und Psalmen kann sie auswendig beten. Möge der ehrwürdigen Matrone noch eine reihe gesunder Jahre beschieden sein!"  

   
Erinnerung an den in Horkheim geborenen Karl Maier 
(Quelle: Website friedenswoche-minden.de)  

Minden Stolperstein MaierKarl 010.jpg (26126 Byte)An den in 1879 in Horkheim geborenen Viehhändler Karl Maier erinnert ein "Stolperstein" vor dem Haus Wilhelmstraße 18 in Minden. Karl Maier war mit Jenny geb. Loebmann aus Wollenberg verheiratet (auch für sie ist ein "Stolperstein verlegt); die beiden hatten zwei Kinder. Die Familie lebte zunächst in Heilbronn, später in Wollenberg. Das gut gehende Viehhandelsgeschäft musste 1937 zwangsweise aufgegeben werden. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde Karl Maier verhaftet und in das KZ Dachau beschleppt. Im Herbst 1940 verließen Karl und Jenny Maier Wollenberg. Sie lebten zunächst in Hausberge bei ihrem Sohn, seit Anfang Januar 1941 in Minden, hier zuletzt im Haus von Albert Müller in der Wilhelmstraße 18. Ende Juli 1942 wurden sie deportiert, zunächst in das Ghetto Theresienstadt, wo Albert Maier 1943 umgekommen ist; seine Frau Jenny 1944 in Auschwitz.      

    
    
    
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den Webmaster von Alemannia Judaica, 
Adresse siehe Eingangsseite 

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Außenaufnahmen: Hahn, Aufnahmedatum 19.3.2005; die Innenaufnahmen wurden von Restaurator Ekkehard Fritz, Neulingen zur Verfügung gestellt, www.boeke-fritz.de

Horkheim Burg 203.jpg (32124 Byte) Horkheim Burg 204.jpg (42482 Byte) Horkheim Burg 200.jpg (29226 Byte)
Die Horkheimer Burg      
   
Horkheim Burg 202.jpg (61321 Byte) Horkheim Burg 201.jpg (46050 Byte) Horkheim Burg 012.jpg (47134 Byte)
Der Burgturm  Im Hof
 der Burg 
Südwand des 
ehemaligen Betsaales 
   
       
Horkheim Burg 011.jpg (36482 Byte) Horkheim Burg 010.jpg (57151 Byte) Horkheim Burg 013.jpg (39947 Byte)
Dekorationsreste Hebräische Inschrift: Gebet 
bei der Aushebung der Tora  
Dekorationsreste
       
       

   
    

Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Heilbronn   
Infoseite zur Geschichte Horkheims (auch zur jüdischen Geschichte): hier anklicken   
Weitere Infoseite zur Geschichte der Burg Horkheim (auch zur jüdischen Geschichte): hier anklicken   
Link zum Restaurator des Betsaales: hier anklicken 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Horkheim 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Horkheim sind vorhanden:    
J 386 Bü. 288 Horkheim  Familienbuch 1769 - 1874  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445343    
J 386 Bü. 289 Horkheim  Familienbuch ca. 1803 - 1876  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445344   
J 386 Bü. 290 Horkheim  Familienbuch 1808 - 1898  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445345   
J 386 Bü. 291 Horkheim  Geburten 1846 - 1883  Sterbefälle 1859 - 1883 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445346             

Literatur:  

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 103.
Germania Judaica III,1 S. 574.
Duncker: Zur Geschichte der Juden in Horkheim und Talheim, in: Vierteljahreshefte des Zabergäuvereins (1905) S. 4-16.  
Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Stadt und Kreis Heilbronn. 1986. S. 110-115.  
Ekkehard Fritz: Dokumentation über die Bestandssicherung der ehemaligen Synagoge im Turm der Burg Horkheim. 2003. 

     

                   
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Stand: 07. März 2016