Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Creglingen (Main-Tauber-Kreis) 
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Siehe Seite zur Synagoge in Creglingen
   

Zur Geschichte dieses Friedhofes 

Nähere Angaben zur Chronologie des Friedhofes (von Myrah Adams): hier anklicken 

Im 17. Jahrhundert wurde südöstlich der Stadt (im weiteren Verlauf der Torstraße; unweit der Straße nach Standorf, Flurstück 2302, Fläche 56,91 a) ein jüdischer Friedhof angelegt. Er diente auch umliegenden Gemeinden als Begräbnisplatz (Archshofen, Craintal, Waldmannshofen, Welbhausen). Der Friedhof wird im Volksmund "Judenbegräbnis" und "Judenkirchhof" genannt, der Weg zu ihm "Judenbegräbnisweg". Seit 1892 (das Folgende nach C. Heuwinkel, s. Lit. S. 40f) ist der Friedhof von einer mit zwei Eingängen versehenen Steinmauer umschlossen. Eine freie Rasenfläche trennt ihn in einen älteren Nordteil und einen jüngeren Südteil, der 1889 hinzukam. Der mit Bäumen bewachsene sogenannte "Alte Friedhof" ist auffallend hügelig, mit aufgeschütteten Bodenschichten hat man hier vermutlich auf einer ursprünglich begrenzten Fläche neue Grabstellen geschaffen. Alle Grabsteine sind nach Osten ausgerichtet. Die aus Sandstein gearbeiteten Grabsteine im älteren Bereich sind zum größten teil sehr verwittert und schlecht lesbar. Der älteste - zur Zeit der ersten Inventarisierung durch den jüdischen Lehrer Josef Pressburger noch erhaltene - Grabstein des Eisik Jizchak ben Mosche stammt von 1696. Der Friedhof ist jedoch mit Sicherheit älter; auch einige der erhaltenen, aber nicht mehr lesbaren Grabsteine. 1943 musste der Friedhof im Zwangsverkauf der Stadt Creglingen übereignet werden, seine Rückgabe an die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs erfolgte mit Schenkungsvertrag vom April 2001. Am 25. Mai 1998 wurde an der Friedhofsmauer eine den Opfern des Nationalsozialismus aus Creglingen und Archshofen gewidmete Gedenktafel angebracht. 

Lage des Friedhofes

Creglingen FriedhofPlan.jpg (126475 Byte) Lage des jüdischen Friedhofes Creglingen 
(durch Pfeil markiert)
(Karte kann durch Anklicken vergrößert werden)

Fotos 
Historisches 

Creglingen Friedhof1932.jpg (167648 Byte)

Creglingen Friedhof201.jpg (54473 Byte)

Teilansicht des Friedhofes 1932 Amateurgemälde von Creglingen mit Darstellung eines jüdischen Begräbnisses (Quelle: Jüdisches Museum Creglingen)  

 

Neuere Fotos 
(Quelle: schwarz-weiße Fotos von J. Hahn, entstanden Mitte der 1980er-Jahre; farbige Fotos - ausgenommen das Foto von der Besuchergruppe 1987 - von Martin Heuwinkel, Christof Maihöfer, Anita Bone-Czerniejewski aus den Jahren 2001/03, übersandt von Myrah Adams)
 Creglingen Friedhof204.jpg (129241 Byte) Creglingen Friedhof07.jpg (167979 Byte) Creglingen Friedhof08.jpg (162976 Byte)
Eingangstor zum Friedhof Teilansichten
Creglingen Friedhof203.jpg (115345 Byte) Creglingen Friedhof202.jpg (109753 Byte) Creglingen Friedhof03.jpg (112285 Byte)
Teilansichten
Creglingen Friedhof05.jpg (104709 Byte) Creglingen6.jpg (6218 Byte) Creglingen Friedhof207.jpg (155804 Byte)
Teilansichten Grabstein eines Cohen mit segnenden Händen  
Creglingen Friedhof02.jpg (93516 Byte) Creglingen Friedhof206.jpg (146016 Byte)Creglingen Friedhof208.jpg (107849 Byte) Creglingen Friedhof06.jpg (57111 Byte)
Segnende Hände und Schofar in ungewöhnlich exakter Ausführung Grabsteine für Arnold Rosenfeld und Hermann Stern (Opfer des Creglinger Pogroms 1932)   Grabstein für Lehrer Josef Preßburger (gest. 1938)
Creglingen Friedhof 210.jpg (79875 Byte) Creglingen Besuch 1987.jpg (77792 Byte)
Teilansicht um 1970
(Foto von R. Klotz)
Ehemalige jüdische Mitbürger Creglingens beim Besuch des Friedhofes 1987

 

Text 
Der jüdische Friedhof in Creglingen
(von Josef Preßburger in: Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden in Württemberg VII,14 vom 16.10.1930)

Seit undenklichen Zeiten besitzt die hiesige Gemeinde einen im Südwesten der Stadt auf einer Anhöhe am Rande eines Staatswaldes gelegenen Friedhof. Der älteste entzifferte Grabstein trägt die Jahreszahl 5. Tewes 5456, d.i. 1696. 341 Grabsteine sind entziffert und fortlaufend mit Nummern versehen: mehrere noch gut erhaltene Steine sind, da die Schrift ziemlich notgelitten hat, noch nicht entziffert, könnten aber von Personen, die größere Übung im Lesen und Entziffern von Grabschriften haben, möglicherweise noch gelesen werden. Auf einem größeren Teil des Friedhofes - sicher dem ältesten Teil - finden sich noch Steine, die in die Erde ziemlich tief eingesunden sind und deren Schrift nahezu vollständig verwischt ist. Unter den Grabsteinen findet sich einer, der den Namen Jakob ben Schimschon haLevi (Löwengardt) aus Hechingen und das Sterbedatum Freitag, den 3. Kislew 5591 (1830) trägt. Außerdem geht aus Grabsteinen hervor, dass Verstorbene aus den Gemeinden Archshofen, Craintal, Welbhausen und Allersheim hier beerdigt worden sind.

Bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war der Friedhof mit einem hölzernen Lattenzaun umgehen; die Unterhaltung und häufige Erneuerung desselben erforderte aber alljährlich größere Aufwendungen. Wies sollten aber die nötigen Geldmittel beschafft werden! In dieser Notlage griff das damalige Kirchenvorsteheramt zu einem altbewährten und häufig angewandten Mittel, indem es - ganz wie im bürgerlichen Leben - einen neuen Verein ins Dasein rief. Am Fasttag Jom Gedalia des Jahres 1879 wurde ein Friedhofsverein gegründet und den Gemeindegliedern empfohlen, beim Aufrufen zur Tora diesem Verein Spenden zuzuwenden. Ich erwähne hier rühmend, dass diese Neugründung die Hoffnungen, die das Vorsteheramt auf sie gesetzt hat, besser erfüllt hat als viele weltlichen Vereine, die so zahlreich aus der Erde schießen. In wenigen Jahren wurden auf diesem Wege durch Synagogen-Spenden hier und in Archshofen einige tausend Mark zusammengebracht. Aber ein noch weiteres Mittel wurde zur Vermehrung des Fonds angewendet. Im Jahre 1879 versandten die Kirchenvorsteherämter Creglingen und Archshofen an mehrere Familien, deren Eltern oder sonstige Verwandten auf dem hiesigen Friedhof beerdigt liegen, ein Zirkular, in dem die Notwendigkeit der Erstellung einer würdigen Umzäunung in zu Herzen gehenden Worten geschildert und der zu erwartende Kostenaufwand mit 15.000 Mark angegeben war. Die Namen der damaligen Kirchenvorsteher, die den Aufruf unterzeichnet und versandt hatten, verdienen der Vergessenheit entrissen zu werden: es waren aus Creglingen: die Vorsteher J. Preßburger, Pf. B. Amson, L. Oberndorfer, aus Archshofen: Stein, Rosenheimer und David Kaufmann. Im Laufe mehrere Jahre gingen größere und kleinere Spenden zahlreich ein. Die Namen einiger der edlen Spender seien hier genannt: Löb und Josef Heidenheimer in Würzburg, David Lehmann in Hamburg, Jakob Stern in Galveston, S. Oberndörfer in Mannheim, Samson und Isak Heidenheimer in Galveston, Calmann Heidenheimer in New York. L. Blumenfeld in London, Gabriel und Josef Amson in Paris usw. Um die Sammlung hat sich ganz besondere das hiesige Vorstandsmitglied Lazarus Oberndorfer Verdienste erworben. Nachdem ein größerer Betrag beisammen war, konnte am 1. Oktober 1889 die Sammlung geschlossen werden. Nachdem auf diese Weise etwa 7000 Mark zusammengebracht waren, konnte dem Bauprojekt näher getreten werden.

Oberamtsbaumeister Vorlaufer in Mergentheim fertigte im Jahre 1884 einen Plan, in dem eine Umzäunung des Friedhofes durch ein eisernes Gitter mit zwei Eingangstoren vorgesehen war. Bevor jedoch das Vorsteheramt an die Ausführung des Planes ging, holte es das Gutachten des von hier gebürtigen Architekten Braunwald, Stadtrat in Stuttgart, ein. Diesem Manne sind wir zu größtem Dank verpflichtet. Unter dem 13. September 1885 schrieb Architekt Braunwald an das hiesige Vorsteheramt: "Ich glaube, dass die Einfriedigung, so wie sie Vorlaufer projektiert hat, der Sache, der sie dienen soll, nicht entsprechend ist. Ich bin nämlich der Ansicht, dass ein so schwacher, durchsichtiger eiserner Zaun auf einer so niederen Fußmauer eher für die Umzäunung eines schön gelegenen Gartens als für die Einfriedung eines Gottesackers passend ist, mit einem Worte, dass durch diesen Abschluss die Ruhe und Stille eines Friedhofes nicht genügend gewährt wird. Es sieht vielmehr aus, als ob man absichtlich rings um die Ruhestätte der Toten herum alles offen gelassen, damit der Lärm und das Getriebe der Lebenden den Toten nicht vorenthalten bliebe. Tatsächlich habe ich auch überall, wo ich noch war, nirgends einen Friedhof getroffen, der mit einem so durchsichtigen Zaun umgeben war, wie in dem vorliegenden Projekt, sondern überall sind die Friedhöfe entweder mit dicht geschlossenen Mauern, oder, wenn die Mittel nicht reichen, mit einfachen Bretterzäunen umgeben". 

Architekt Braunwald unterbreitete dem hiesigen Vorsteheramt folgende drei Pläne: die Einfriedigung des Friedhofes entweder durch eine gehobelte Bretterwand oder durch eine Backsteinmauer oder schließlich durch eine Mauer aus festen harten Steinen auszuführen. Das Vorsteheramt beschloss, den dritten Plan zur Ausführung zu bringen. Sämtliche Gesamt- und Einzelpläne sowie die Kostenvoranschläge fertigte in liebenswürdigster und uneigennützigster Weise Architekt Braunwald. Die Leitung und Aufsicht beim Bau der Mauer lag in den Händen des Oberamtsbaumeisters Kaufmann in Weikersheim. Die Grab- und Maurerarbeit war mit 6386 Mark, die Schlosserarbeit (zwei Tore) mit 640 Mark errechnet. die Mauer- und Grabarbeiten wurden von Maurermeister Joh. Gernhard, hier, die Schlosserarbeit von Schmiedmaierster Marquard ausgeführt. die Gesamtkosten beliefen sich auf 8460 Mark. Die Mauer hat eine Gesamtlänge von 293 Meter. So wurde ein allen Ansprüchen entsprechendes Werk geschaffen, das ein ehrendes Zeugnis für den Opfersinn der hiesigen Gemeindemitglieder sowie der weiteren Spender ablegt.

Am Donnerstag, den 21. Adar 5650 (1890) wurde der erste Entschlafene auf dem neuen, nunmehr umfriedigten Teil des Friedhofes beerdigt und dabei von Oberlehrer Preßburger der neue Friedhof in Anwesenheit der hiesigen und der Archshöfer Gemeindemitglieder in ernster Weise seiner heiligen Bestimmung übergeben. Seit 1890 wurden auf diesem neuen Teil des Friedhofes 91 Entschlafene zur ewigen Ruhe gebettet.

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Creglingen
Website des Zentralarchivs Heidelberg: zum jüdischen Friedhof Creglingen 
Jüdisches Museum Creglingen: Informationsseite hier anklicken oder direkt:  www.juedisches-museum-creglingen.de  
Private Website: www.romanticroad.com/creglingen/default.htm 
Artikel in den "Fränkischen Nachrichten" vom 29.5.2002: "Myrah Adams aus Spurensuche in Creglingen" 
Zur Seite über die ehemalige Synagoge in Creglingen (interner Link)

Literatur:

Claudia Heuwinkel: Jüdisches Creglingen. Ein Gang durch die Stadt. 2001.
S. Michal Antmann: Der jüdische Friedhof von Creglingen. Grunddokumentation im Auftrag der Stadt Creglingen. 1998. 
Franken FriedhBuch 01.jpg (49923 Byte)Eva Maria Kraiss/Marion Reuter: Bet Hachajim. Haus des Lebens. Jüdische Friedhofe in Württembergisch Franken. Künzelsau 2003. ISBN 3-89929-009-7.
(Kommentar des Webmasters: Außerordentlich schöner und informativer Bild- und Textband mit hervorragenden Fotos der Friedhöfe in Berlichingen, Braunsbach, Crailsheim, Creglingen, Dünsbach, Hohebach, Krautheim, Laibach, Michelbach an der Lücke, Niederstetten, Öhringen, Steinbach, Weikersheim) 

   

                   
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Stand: 26. Oktober 2008