Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gnodstadt (Stadt Marktbreit, Kreis Kitzingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)             
    
In Gnodstadt bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis 1935. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden gegen Ende des 16. Jahrhunderts Juden am Ort genannt (1594). 1620 werden zwei Schutzjuden im Ort genannt (Abraham und Simon). Danach werden wiederum seit 1714 jüdische Einwohner genannt. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder wie folgt: 1811 47 jüdische Einwohner (6 % von 779 Einwohnern), 1867 49 (5,8 % von 842), 1871 54 (6,5 % von insgesamt 834), 1880 35 (4,1 % von insgesamt 850), 1900 29 (3,7 % von 780). 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule sowie möglicherweise ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ermetzhofen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Auf Grund der geringen Zahl der jüdischen Familien in Gnodstadt übernahm vermutlich meistens der Lehrer einer Nachbargemeinde den Unterricht in in Gnodstadt (vgl. unten Ausschreibung der Stelle in Obernbreit - zugleich für Gnodstadt). Die Gemeinde gehörte von 1838 bis 1880 zum Distriktsrabbinat Welbhausen, danach zum Distriktsrabbinat Kitzingen.
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Unteroffizier Gustav Klein (geb. 11.4.1915 in Gnodstadt, gef. 11.4.1915). Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege aus Gnodstadt neben der evangelischen Kirche des Ortes.       
   
Um 1924
, als noch 12 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (1,5 % von 800 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde L. Adler. 1932 wurde die Gemeinde aufgelöst (endgültig 1935, siehe unten). Die hier noch lebenden jüdischen Familien wurden der Gemeinde in Marktbreit zugeteilt. 

1933 lebten noch sechs jüdische Personen am Ort. Von ihnen verzogen zwei im Juni 1933 nach Hörstein, einer wanderte nach Palästina aus. Von den drei letzten jüdischen Bewohnern wanderte ein weiterer im Juli 1937 nach Palästina aus, zwei verzogen im Mai 1938 nach Marktbreit
  
Von den in Gnodstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Adler (1869), Fanny Aumann (1901), Therese Aumann (1882), Cilly Baumann geb. Adler (1852), Dina Frank geb. Klein (1869), Hilde Hellmann geb. Klein (1888), Felix Klein (1877), Sigmund Klein (1865), Flora Liebenstein geb. Klein (1887), Elise Meier geb. Klein (1856), Lina (Minna) Rothschild geb. Aumann (1890), Jeanette Scharlach geb. Kissinger (1905), Frieda Stein geb. Klein (1884), Flora Wertheim geb. Klein (1875).
     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde           
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochet 1901  
Die Ausschreibung erfolgte gemeinsam mit der Nachbargemeine Obernbreit  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1901
"Die Religionslehrer- Chasan- und Schochetstelle in Obernbreit (Unterfranken), verbunden mit Gnodstadt, ist sofort zu besetzen. Jährliches Einkommen ca. Mark 1.100 nebst freier Wohnung. Meldungen erbeten an   
J. Sänger
, Obernbreit, Kultusvorstand."         

     
Dem "Schuldienst-Exspektanten" Nathan Friedenhain in Werneck wird die Religionslehrer- und Vorsängerstelle in Gnodstadt übertragen (1867)      

Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" vom 6. November 1867: "Durch Regierungs-Entschließung vom 31. Oktober laufenden Jahres ad Nr. 40707 ist die von der israelitischen Kultusgemeinde Gnodstadt, königlichen Bezirksamts Ochsenfurt, beschlossene Übertragung ihrer Religionslehrer- und Vorsängerstelle an den israelitischen Schuldienst-Exspektanten Nathan Friedenhain in Werneck, königlichen Bezirksamts Schweinfurt, genehmigt worden."         

    
    

Aus dem jüdischen Gemeindeleben
   
Die Auflösung der jüdischen Gemeinde Gnodstadt zum 1. Januar 1935  

Oberwaldbehrungen BayrGZ 01011935.jpg (63898 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Januar 1935: 
"Bekanntmachung über Auflösung der Kultusgemeinden Gnodstadt, Kleinerdlingen und Oberwaldbehrungen
Der Rat des Verbandes hat in seiner Sitzung vom 9. Dezember 1934 nach Anhörung der zuständigen Bezirksrabbinate auf Grund des $ 28 der Verbandsverfassung beschlossen:
1. Bei den Kultusgemeinden Gnodstadt, Kleinerdlingen und Oberwaldbehrungen sind die Voraussetzungen dafür gegeben, dass diese Kultusgemeinden als aufgelöst anzusehen sind. 
2. Die Auflösung der Kultusgemeinden Gnodstadt, Kleinerdlingen und Oberwaldbehrungen wird als eingetreten erklärt. 
Dieser Beschluss wird hiermit öffentlich bekannt gemacht unter Hinweis auf § 28 der Verbandsverfassung, laut welchem gegen den Beschluss jedem Gemeindemitglied binnen einer Frist von einem Monat nach dieser Bekanntmachung die Beschwerde zum Landesschiedsgericht des Verbandes zusteht. Die Beschwerdefrist beginnt mit Veröffentlichung dieser Bekanntmachung.
München, den 21. Dezember 1934. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Neumeyer". 

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge              
   
Über die Baugeschichte der ehemaligen Synagoge ist wenig bekannt. Das Gebäude wurde 1936 an Privatleute verkauft und wird seitdem als Wohnhaus genutzt. Eine Gedenktafel am Gebäude weist auf seine Geschichte hin.  
   
   
 
Adresse/Standort der Synagoge:      Schulgartenweg 1   
   

   
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.5.2006)  

Gnodstadt Synagoge 202.jpg (65081 Byte) Gnodstadt Synagoge 201.jpg (79930 Byte) Gnodstadt Synagoge 200.jpg (68585 Byte)
Die ehemalige Synagoge in Gnodstadt
    

     

Inschrift der Gedenktafel: "In Gnodstadt bestand bis 1933 
eine Jüdische Kultusgemeinde. Synagoge Schulgartenweg 1.
 Zur Erinnerung und Mahnung. Die Gemeinde gedenkt ihrer
 ehemaligen jüdischen Mitbürger".

   
     

Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Marktbreit mit Seite zu Gnodstadt  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 304.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 60.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 442.
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008: keine Angaben zu Gnodstadt.  

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gnodstadt  Lower Franconia. Jews are first mentioned in the late 16th century and maintained a continous presence from the early 18th century, numbering 54 in 1871 (total 834) and six in 1933. All left by 1938.      
       
         

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. Dezember 2013