Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Adelsberg (Stadt Gemünden am Main, Main-Spessart-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge  
(Artikel weitgehend erstellt von Leonhard Scherg, vgl. Anmerkung bei der zu L. Scherg angegebenen Literatur)

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In dem bis 1802 dem Würzburger Amt Homburg an der Wern zugeordneten ritterschaftlichen Ort Adelsberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. 
  
Eine jüdische Gemeinde, deren Anfänge nach örtlicher Überlieferung auf um 1300 zurückgeführt werden, lässt sich im Schutz des örtlichen Adels 1481 eindeutig nachweisen. Der aus diesem Jahr stammende und in mehreren Kopien überliefert Dorfplan von Adelsberg zeigt nicht nur die Diemarburg, in der die Juden - vier jüdische Familien - wohnten, sondern mit einem Judenbad und einem Judenbegräbnis wichtige Einrichtungen der Gemeinde. 

Adelsberg Plan 02.gif (56174 Byte)

Links:  Kopie des Dorfplans von Adelsberg, 1481; heruntergeladen über 
Historischer Atlas von Bayern"
, vergriffene Bände, 
Karl Richter, Gemünden 1963, Anhang V. 

Diese ältere jüdische Ansiedlung dürfte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erloschen sein, denn die Nutzung des Friedhofes wurde aufgegeben.
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit nach 1600 zurück. Ihr Begräbnisplatz war nun der Verbandsfriedhof in Laudenbach. 1699 werden drei jüdische Familien, zusammen 12 Personen genannt. 1735 und 1740 waren es 12 jüdische Haushaltungen. 1750 erwarb Karl Reinhard von Drachsdorf das Schloss und erließ noch in diesem Jahr eine Judenordnung, in der die Abgaben und Pflichten seiner Schutzjuden genau geregelt wurden. 1772 erließ Karl Wilhelm von Drachsdorf eine Kultusverordnung. Bis 1785 stand der jüdischen Gemeinde, deren Mitglieder alle im Schloss wohnten und den dort üblichen Schließzeiten unterworfen waren, ein Judenschultheiß vor, der von da an durch zwei Vorsteher ersetzt wurde. 1783 lebten 13 Familien gegenüber 45 christlichen Familien in Adelsberg. Mit 15 jüdischen Familien und 71 Personen war 1795/96 die höchste Zahl jüdischer Einwohner erreicht. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1816 betrug der jüdische Bevölkerungsanteil mit 64 jüdischen Einwohnern 18,4 % von insgesamt 347 Einwohnern. Danach ging die Zahl langsam zurück, um 1880 nochmals auf 63 Personen anzusteigen (17,7 % von insgesamt 356 Einwohnern). Weitere Zahlen: 1867 50, 1900 45, 1910 43 Gemeindeglieder.  
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Adelsberg auf insgesamt 19 Matrikelstellen (einschließlich der fünf Nachträge bis 1825) die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Marx Nathan Nürnberger (Vorgänger), Moses Simon Oppenheimer (), Moises Hayum Heilmann (kleiner Viehhandel), Mendel Herz Heitzfelder (Lumpenhandel), Lazarus Bonfert Stern (Kleiderhandel), Michel Wolf Winnheimer (Viehhandel), Benjamin Baruch Bamberger (kleiner Ellenwarenhandel), Löb Marx Siegel (kleiner Ellenwarenhandel), Aron Löb Leipziger (kleiner Ellenwarenhandel), Löb Juda Chan Schloss (Viehhandel), Simon Hayum Katz (Viehhandel), Ephraim Löb Chan Vorgheimer (Schlächter), Beies Salomon Straus (Warenhandel), Samuel Hirsch Grünebaum (Warenhandel), Josel Baruch Baumann (Spezereihandlung, seit 1818), Gerson Halle (Feldbau und Melberey, seit 1821), Jonas Schloss (Feldbau, seit 1821), Nathan Hohna Heinemann (Schnittwarenhandel, seit 18243), Hayum Winheimer (Feldbau, seit 1824).      
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Laudenbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Bad Kissingen
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Siegfried Weichelsbaum (geb. 30.3.1894 in Adelsberg, gef. 12.9.1918) und Hugo Weichselbaum (geb. 24.12.1896 in Adelsberg, gef. 8.11.1918), Söhne von Lehrer Jacob Weichselbaum.  
  
Um 1925, als noch 38 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten, gehörten zum Gemeindevorstand die Herren Samuel Grünbaum und Heinrich Baumann. Als Lehrer, Kantor und Schochet war weiterhin der schon genannte Jacob Weichselbaum tätig. Er erteilte den damals acht schulpflichtigen jüdischen Kindern in Adelsberg Religionsunterricht. Er war auch als Lehrer in umliegenden Gemeinden tätig (u.a. in Gemünden und Lohr). 1932 war Harry Weinberg (zunächst in Adelsberg, seit 1930 in Gemünden) jüdischer Lehrer für die Gemeinden Adelsberg, Gemünden, Lohr und Thüngen. In Adelsberg selbst gab es im Schuljahr 1932/33 noch drei schulpflichtige jüdische Kinder. 
  
1933 lebten noch 21 jüdische Personen in Adelsberg (5,7 % von insgesamt 369 Einwohnern). Bis Mai 1937 verließen fünf, bis Anfang November 1938 weitere fünf von ihnen den Ort. Im März 1938, nach dem "Anschluss" Österreichs kam es in Adelsberg zu Ausschreitungen gegen die jüdischen Einwohner. Dabei wurden die Fenster der Synagoge und der jüdischen Häuser eingeschlagen. Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (siehe unten) sowie wiederum die Fenster der jüdischen Häuser eingeworfen, die Wohnungen selbst verwüstet. Zwei Wochen nach diesen Ausschreitungen verließen die meisten der jüdischen Einwohner das Dorf. Vier der jüdischen Einwohner hatten in die USA emigrieren können, einer nach Holland; andere waren in andere Städte (verzogen sechs nach Frankfurt, drei nach Nürnberg und einer nach Karlstadt). Am 8. Dezember 1938 verließ die letzte Familie den Ort.   
    
Von den in Adelsberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berthold Baumann (1901), Dina Baumann geb. Baumann (1883), Jakob Baumann (1873), Leo Baumann (1906), Sigmund Baumann (1878), Berta Berney geb. Grünbaum (1881), Melli Bickel geb. Grünbaum (1886), Dina David geb. Regensburger (1874), Fanny Fränkel geb. Grünbaum (1867), Bella Grünbaum (1911), Heinemann Grünbaum (1865), Martha Grünbaum (1914), Samuel Grünbaum (1871), Hilde Herz geb. Strauss (1898), Jeanette Köhler geb. Wolff (1889), Anna Weichselbaum (1898), Paula (Pauline) Weichselbaum geb. Grünbaum (1864), Bernhard Winheimer (1868).    
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet (1930)   

Gemuenden Main Israelit 06021930.jpg (44039 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Februar 1930: "Durch Ableben unseres bisherigen Lehrers ist die Lehrerstelle Gemünden - Adelsberg sofort neu zu besetzen. Gehalt erfolgt nach staatlicher Eingruppierung. Seminaristisch gebildete, unverheiratete religiöse Lehrer mit Kabolaus (= Zertifikaten) von orthodoxen Rabbinern wollen baldigst Bewerbungen mit Abschrift ihrer Zeugnisse senden an den 
Vorstand der Israelitischen Gemeinde Gemünden am Main, S. Birk."   

  
25-jähriges Lehrer-Jubiläum von Absolventen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, darunter Lehrer Jacob Weichselbaum  (1908)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1908: "Würzburg, 6. April 1908. Von den 15 Absolventen des israelitischen Seminars zu Würzburg im Jahre 1883 feiern 13 in diesem Jahre ihr 25-jähriges Lehrer-Jubiläum (zwei traten ins Geschäft über und einer ist leider gestorben). N. Ehrenreich, Langenselbold (Hessen), K. Fröhlich, Mönchengladbach (Rheinprovinz), B. Klein, Gießen (Oberhessen), G. Levi, Willmars (Unterfranken), A. Liberles, Grötzingen (Baden), J. Popper, Lingen (Hannover), A. M. Rau, Hirschaid (Oberfranken), J. Rosenthal, Worms (Rheinhessen), B. Stern, Frankfurt am Main, H. Stern, Echzell (Oberhessen), A. Strauß, Marburg (Hessen), M. Strauß, Gelnhausen (Hessen), J. Weichselbaum, Adelsberg (Unterfranken).          

  
40-jähriges Lehrerjubiläum von Lehrer Jacob Weichselbaum (1923)
Anmerkung: Der jüdische Religionslehrer Jakob Weichselbaum war mit Paula Grünbaum aus Adelsberg verheiratet. Zwei ihrer Söhne, Siegfried und Hugo, fielen im 1. Weltkrieg (1918). Jakob Weichselbaum verstarb am 1. November 1929 und wurde in Laudenbach beerdigt. Seine Frau ist unter den in der NS-Zeit umgekommenen Personen verzeichnet.

Adelsberg Israelit 17091923.jpg (58841 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1923: "Würzburg, 15. September (1923). Ihr 40jähriges Lehrer-Jubiläum begingen im Hotel Goldschmidt dahier die Lehrer: Ehrenreich - Langenselbold, Fröhlich - Gießen, Goldstein - Würzburg, Klein - Gießen, Levi - Burgpreppach, Rau - Hirschaid, Rosenthal - Worms, Schloss - Langen, Stern - Echzell, Strauß - Gelnhausen, Weichselbaum - Adelsberg. Gleichzeitig übergaben sie dem hiesigen israelitischen Seminare ein ahnsehnliches Geschenk. Von den 15 Absolventen des Jahrganges 1883 sind leider drei mit Tod abgegangen und einer in einer Nervenanstalt untergebracht."

    
Zum Tod von Lehrer Jacob Weichselbaum (1929)

Adelsberg Israelit 21111929.jpg (114515 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1929: "Adelsberg, 10. November (1929). Lehrer Jacob Weichselbaum hat bei Eingang des Sabbat Paraschat Bereschit (Schabbat mit der Toralesung Bereschit = 1. Mose 1,1 - 6,8, das war Schabbat, 2. November 1929) seine reine Seele ausgehaucht. Von seinem Seminaraustritt bis zu seinem unerwarteten Tode, nahezu 46 Jahre, bekleidete er das Amt eines Religionslehrers dahier sowie in den mitverbundenen Gemeinden Gemünden und Lohr am Main. Unersetzlich ist für uns sein Verlust. Er war ein Mann von gediegenen weltlichen und religiösen Kenntnissen. Ein aufrichtiger Charakter, bescheiden, freundlich, wohltätig. Er genoss großes Ansehen in weiten Kreisen der Bevölkerung. Der Verlust von zwei hoffnungsvollen Söhnen im Weltkrieg, von denen der eine ebenfalls den Lehrerberuf erwählt hatte, hat ihn tief erschüttert. Sein wahrhaftiges Gottvertrauen hielt ihn aufrecht. Seine Beerdigung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung, wie sie unser Ort noch nie gesehen hat. Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bamberger in Bad Kissingen schilderte tief bewegte den edlen Charakter des Entschlafenen, seine tiefe Religiosität, sein verdienstvolles Wirken in Schulen, Synagoge, Haus und Gemeinde und erteilte ihm zu, Schluss für seine reichen Torakenntnisse den Chawer-Titel. Unter Hinweis auf die Worte der Haftora (Prophetenabschnitt der Woche = 1. Samuel 20,18-42): 'Und er sprach zu ihm: Morgen ist Neumond und man wird dich vermissen, weil dein Sitz leer bleiben wird' (1. Samuel 20,18) rief Oberlehrer Freudenberger von Thüngen dem lieben Jugendfreund und teuren Amtsbruder warme Worte des Gedenkens nach und dankte im Namen des Jüdischen Lehrervereins in Bayern für die unablässige Förderung der idealen Bestrebungen dieser Vereinigung. Tief empfundene Worte des Dankes widmeten dem Entschlafenen Kultusvorstand Birk für die Gemeinde Gemünden und Lehrer Strauß - Lohr für die treueste Pflichterfüllung und für die reichen Erfolge seiner Erzieher- und Lehrtätigkeit. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. F."  
 
Laudenbach Friedhof 09063.jpg (121273 Byte)Links: Grabstein für Jacob Weichselbaum (gest. 1929) auf dem jüdischen Friedhof in Laudenbach.  

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Siegfried Weichselbaum erhält das Eiserne Kreuz (1917)  

Adelsberg FrfIsrFambl 05011917.jpg (15279 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Januar 1917: "Adelsberg. Siegfried Weichselbaum, Infanterie-Regiment 88, 2. Kompanie, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet."  

         
Zum Tod von Karoline Grünbaum (1929)     

Adelsberg Israelit 14031929.jpg (111381 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1929: "Erlangen, 11. März (1929). Im Alter von 84 Jahren verschied in Adelsberg bei Gemünden am Main Frau Karoline Grünbaum und wurde sie am Erew Schabbat Kodesch Ki Tissa (d.i. Freitag vor dem Schabbat mit der Toralesung Ki tissa = 2. Mose 30,11 - 34,35, das war Freitag, 1. März 1929) auf dem altehrwürdigen Bezirksfriedhof Laudenbach bei Karlstadt am Main zur letzten Ruhe gebracht. Mit ihr hat ein von Gott gesegnetes, aber in den letzten Jahren ihres Lebens, auch ein prüfungsreiches Dasein zu bestehen aufgehört. Eine wackere Frau im Sinne unserer Alten, hat sie das Leben in seinen verschiedenen Wendungen und Gestaltungen kennen gelernt und von Jugend auf mit jenem Ernste erfasst, der es dem Menschen gebietet, allzeit seine Zukunft zu bedenken und unablässig und beharrlich vorzusorgen für die kommenden Tage. So hat sie in ihrer bescheidenen Häuslichkeit gewaltet, mit Weisheit und mit Umsicht; war ihrem schon vor 11 Jahren in den Tod vorausgegangenen Gatten - ein halbes Jahrhundert eine hilfreiche Lebensgefährtin und besonders darum bemüht, ihren 9 Kindern eine solche Erziehung im jüdischen Geiste angedeihen zu lassen. dass sie sich draußen im Leben bewähren und in Ansehen bestehen konnten. Ihr Leben zwar zwar ein stilles und einfaches; aber darum nicht minder ersprießliches und segensreiches. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge                 
    
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war vermutlich ein Betsaal in einer der jüdischen Wohnungen eingerichtet, die im Bereich des "Freihofes" (Amtshofes) lebten. Nachdem dieser 1775 abgebrochen worden war, ist an seiner Stelle ein großes "Judenhaus" mit fünf Wohnungen und einer Synagoge erstellt worden. Nachdem alle jüdischen Familien schon in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aus dem Schloss ausgezogen waren, kündigte der neue Besitzer des ehemaligen Schlosses die Nutzung der Synagoge zum Jahr 1848.
  
Eine neue Synagoge wurde darum um 1850 (nach anderer Überlieferung 1860/62) erstellt (zwischen den Hausnummern 35 und 34). 
  
Nach 1933 wurde es auf Grund der zurückgehenden Zahl der Gemeindemitglieder von Jahr zu Jahr schwieriger, die notwendige Zehnzahl der jüdischen Männer zum Gottesdienst zusammen zu bekommen. Ab 1937 konnten nur noch zusammen mit den jüdischen Familien in Heßdorf Gottesdienste abgehalten werden. Beim Novemberpogrom 1938 warfen am 10. November 1938 uniformierte NSDAP-Mitglieder die Fenster der Synagoge ein. Am nächsten Tag erschienen zehn SA-Leute und einige Zivilisten aus Gemünden in Adelsberg und zerstörten die Inneneinrichtung der Synagoge. Der Bürgermeister hatte ihnen die Schlüssel gegeben. Zahlreiche Dorfbewohner sahen zu. Die meisten Ritualien konnten von Gemeindegliedern noch in Sicherheit gebracht werden. Die Überreste des Synagogengebäudes wurden 1951/52 abgetragen. Das Grundstück wurde neu bebaut.  
 
1949 fand ein Prozess gegen 13 der an den Ausschreitungen im November 1939 in Adelsberg Beteiligten vor dem Landgericht Würzburg statt. Dabei erhielten zwölf der Angeklagten Gefängnisstrafen zwischen drei Monaten und zwei Jahren.
 
Zum rituellen Bad: Regelungen für ein Judenbad im Keller unter der Scheune eines Privatanwesens gab es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das wohl Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute Badehäuschen wurde nach 1933 abgebrochen und durch eine Wiegehäuschen ersetzt.      
    
    
Adresse/Standort der SynagogeAdolfbühlstraße 76 (frühere Hauptstraße).  
    

    
Fotos   

Historische Fotos sind noch keine vorhanden; über Hinweise freut sich der 
Webmaster von Alemannia Judaica; Adresse siehe Eingangsseite 
 
      
Das Synagogengrundstück im Sommer 2014 
(Foto vom Sommer 2014 
von Jürgen Hanke, Kronach) 
Adelsberg Synagoge G0120.jpg (168823 Byte)   
     

   
     

Links und Literatur 

Links:  

Website der Stadt Gemünden 

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 247-248.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 31.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 380-382.
Leonhard Scherg: JüdischesMSP Publikation 01.jpg (23157 Byte) Leben im Main-Spessart-Kreis. Reihe: Orte, Schauplätze, Spuren. Verlag Medien und Dialog. Haigerloch 2000 (mit weiterer Literatur). 
Zur Erstellung des Abschnittes oben merkt Leonhard Scherg an, dass wesentliche Erkenntnisse von Bernd Wirthmann übernommen wurden, der die Herausgabe einer Ortschronik für Adelsberg für 2008 plant. Grundlage von Bernd Withmann, speziell auch zur jüdischen Geschichte, ist ein von Vital Huhn (Studienprofessor a.D., 1878-1968) 1964/65 abgeschlossenes Manuskript  (270 Seiten) mit dem Titel "Geschichte des Dorfes Adelsberg und Wernfeld, der Ruine Homburg mit dem ehemaligen Verwaltungsbezirk Homburg", von dem ein Exemplar im Staatsarchiv Würzburg (StAW) unter Würzburger Manuskripte, 152 aufbewahrt wird. Für 1699 hat L. Scherg herangezogen: StAW, Gebrechenamt A IV W 273 (3 Familien, 12 Personen; im gesamten Amt Homburg nur adlige Juden, ca. 34
/Köpf/), für 1740 StAW, M.s.f. 491 (Freihof; ehemals 2 Schutzjuden; nun mit 12 Judenhaushaltungen /zum höchsten Ruin gefüllt/).
     
Adelsberg Literatur 018.jpg (65248 Byte)Adelsberg 1008 - 2008. Geschichte(n) eines Dorfes und seiner Bewohner. Autor: Bernd Wirthmann.     
Ortschronik, erschienen anlässlich der 1000-Jahrfeier. Mit einem Abschnitt "Juden in Adelsberg"
Näheres auf der Website zur Ortschronik. Hier auch Bestellmöglichkeit (28.- €).  
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 121-122.      

     
   
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Adelsberg (in Jewish sources: Alts Berg) Lower Franconia. Jews were present from at least the early 19th century, many engaged in farming and crafts. A synagogue was built in 1860-62. The Jewish population dropped from 63 in 1880 to 21 in 1933 (total 369). Most left after the Kristallnacht disturbances (9-10 November 1938), when the synagogue and Jewish homes were vandalized.  
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 26. August 2014