Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Echzell (Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
   
Bitte besuchen Sie auch die Website des Arbeitskreises "Jüdisches Leben in Echzell" 
www.juedisches-echzell.de    

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Echzell bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1572 Juden in Echzell genannt: nachdem am 27. Juni 1572 Landgraf Ludwig von Hessen befohlen hatte, dass alle jüdischen Männer zum 7. Juli nach Marburg kommen sollten, erschienen auch Abraham und Isack von Echzell. In den folgenden Jahrhunderten lebten zunächst nur jeweils wenige jüdische Familien am Ort: 1734 waren es drei erwachsene Juden und 14 Kinder, 1770 wurden sechs jüdische Familien gezählt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten die in Echzell lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Bisses

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 29 jüdische Einwohner, 1861 76 (4,6 % von insgesamt 1.650 Einwohnern), 1880 96 (6,1 % von 1.562), 1895 79 (5,0 % von 1.553), 1910 64 (4,1 % von 1.557). Seitdem Echzell Hauptgemeinde war, gehörten auch die in Bisses und Gettenau lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Echzell. Die jüdischen Familien in Echzell lebten vor Handel mit Vieh, Textilien, als Metzger, Getreidehändler oder Bäcker.

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Es werden als Lehrer genannt: spätestens seit 1869 und bis um 1880 Lehrer Bamberger, 1889 bis 1891 Lehrer Weinschenk und wenige Jahre später Lehrer Joseph Stern (gestorben 1935, siehe Artikel unten). 

Seit Ende der 1860er-Jahre bestand offenbar für eine gewisse Zeit unter Lehrer Bamberger (und einem weiteren Lehrer Heidingsfelder) ein israelitisches Lehr- und Erziehungsinstitut am Ort. 
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Unteroffizier Gustav Simon (geb. 30.3.1890 in Bisses, gef. 20.8.1917) und Moritz Simon (gleichfalls aus Bisses). 
 
Um 1924, als noch 66 Gemeindeglieder gezählt wurden (4,1 % von insgesamt 1.602), waren die Vorsteher der Gemeinde Sally Wormser, Julius Simon und Sigmund Simon. Als Lehrer und Kantor war der oben bereits genannte Joseph Stern tätig. Im Schuljahr 1924/25 hatte er sieben jüdische Kinder in Religion zu unterrichtet. An jüdischen Vereinen gab es u.a. den Israelitischen Wohltätigkeitsverein Chevre Gemilus Chassodim (gegründet 1885, zur Hilfe in Krankheits- und Todesfällen, 1924/32 unter Leitung von Moritz Adler, 1932 17 Mitglieder). 1924 gehörten aus Bisses 20, aus Gettenau 5 Personen zur jüdischen Gemeinde in Echzell. 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Sali Wormser (1. Vors.) und Julius Simon (2. Vors.), neu im Vorstand war Max Schreiner (3. Vors.). Als Lehrer war weiterhin Josef Stern tätig (für die im Schuljahr 1931/32 sechs jüdischen Kinder), als Schochet ist Kurt Schreiner eingetragen. In diesem Jahr gehörten aus Bisses zwölf, aus Gettenau sechs Personen zur jüdischen Gemeinde. 
  
1933 lebten noch 56 jüdische Personen in Echzell (3,5 % von insgesamt 1.609). In den folgenden Jahren ist der Großteil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (insbesondere nach Frankfurt oder in andere Städte, teilweise von dort deportiert) beziehungsweise ausgewandert (von acht Personen bekannt). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge im Inneren zerstört (s.u.), aber auch jüdische Familien (Rossmann und Simon) überfallen, die Wohnungen zertrümmert und die Bewohner misshandelt. 1939 wurden nur noch sechs jüdische Einwohner gezählt.  
    
Von den in Echzell geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Isidor Adler (1883), Lilli Grünewald geb. Simon (1909), Emma Heilbronn geb. Mayer (1884), Hermann Heilbronn (1879), Martin Heilbronn (1925), Siegfried Heilbronn (1913), Emilie Heiser geb. Simon (1890), Betty Henoch geb. Mayer (1903), Herta Herz geb. Rossmann (1888), Lina Hess (1906), Emilie Kaufmann geb. Fuld (1880), Julius Kaufmann (1913), Karolina (Klara) Kaufmann geb. Rothschild (1889), Theodor Kaufmann (1882), Therese Lind geb. Simon (1893), Paula Lindtheimer geb. Reis (1870), Levi Löwenstein (1879), Mathilde Löwenstein (1875), Siegmund Löwenstein (1876), Ernestine Meier geb. Simon (1878), Hermann Reis (1872, Dina Rothschild (1896), Emma (Else) Rothschild (1894),  Sofie Rothschild (1891), Emilie Schreiner geb. Simon (1881), Adolf (Abraham) Simon (1873), Bernhard Simon (1877), Mili Simon geb. Simon (1896), Moritz Simon (1879), Sigmund Simon (1878), Erna Stern (1894). 
     
Hinweis: die in einigen Listen aufgeführte Edith geb. Schlötter (bei Yad Vashem falsch als Edith Schlüter) hat die Zeit im KZ überlebt und ist nach Echzell zurückgekehrt.  
 
"
Todesfallanzeige" für Hermann Reis (umgekommen in Theresienstadt 1943)    

Echzell Dok 120.jpg (155961 Byte)Abbildung links: "Todesfallanzeige" des Ghettos Theresienstadt für Hermann Reis, geb. 3. März 1872 in Echzell, später wohnhaft in Hamburg, deportiert von Hamburg aus, umgekommen in Theresienstadt am 16. Februar 1943; Hermann Reis war verheiratet mit Stefanie (Steffi) geb. Schlomer, die in der Todesfallanzeige genannt wird (geb. 1879 in Lübeck, umgekommen am 6. Februar 1943 in Theresienstadt). Die beiden Kinder des Ehepaares - Hans und Elly - haben die NS-Zeit überlebt: Hans war interniert auf der Isle of Man; Elly ist in die USA emigriert.
Für Hermann und Steffi Reis wurden in Hamburg vor dem Haus Moorweidenstraße 15 (Eimsbütter, Rotherbaum) "Stolpersteine" verlegt (www.stolpersteine-hamburg.de)      
(Quelle: © National Archives, Prague; Terezin Initiative  Institute - Website;  Abbildung und Informationen erhalten über Amelie Döge). 

   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1889 / 1891  

Echzell Israelit 02121889.jpg (47383 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1889: "Die hiesige Kantor- und Religionslehrerstelle, für welche ein fixer Gehalt von 700 Mark, sowie freie Wohnung und ein Nebeneinkommen ausgesetzt sind, ist baldigst zu besetzen. Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Einsendung von Zeugnisabschriften an den Unterfertigten melden. 
Echzell in der Wetterau. 
Der Vorstand: Rothschild."
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1891: "Die Religionslehrer & Kantorstelle zu Echzell (Wetterau) ist alsbald zu besetzen. Fixer Gehalt Mark 700 und freie Wohnung. Kenntnis der Schechita erwünscht. 
Der Vorstand: A. Simon I."     

   
Anzeige des Lehr- und Erziehungs-Institutes in Echzell (1869)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1869: 
"Lehr- und Erziehungs-Institut 
zu Echzell in der Wetterau.
 
Die Anstalt wird am 3. Oktober dieses Jahres eröffnet. Sie soll namentlich eine Vorbereitungs-Anstalt für den Kaufmannsstand sein. Vorbereitung zum Examen für den einjährigen, freiwilligen Militärdienst. Für Kost und Wohnung beträgt das Honorar jährlich 180 Gulden Schulgeld, für die 3. Klasse 30 Gulden, für die zweite 40 Gulden und für die erste 50 Gulden. 
Für die besten Lehrkräfte ist Sorge getragen. 
Die Anstalt wird einen eigenen Hausgottesdienst einrichten und in echt-religiösem Geist geleitet werden. 
Das Direktorium Bamberger & Heidingsfelder
."        


Anzeigen von Lehrer Weinschenk (1891)  

Echzell Israelit 09041891.jpg (43273 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1891: "Für ein braves, kräftiges, 16jähriges Mädchen, das sich allen häuslichen Arbeiten unterziehen will, wird in einer religiösen Familie eine Stelle gesucht, in welcher Gelegenheit zum Erlernen des Kochens geboten ist. Es wird weniger auf Lohn, als auf familiäre Behandlung gesehen. Offerten sind zu richten an Lehrer Weinschenk, Echzell in der Wetterau." 
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1891: "Ein in allen Zweigen der Haushaltung tüchtiges und sonsthin gebildetes Fräulein von 24 Jahren und angenehmem Äußeren, in Handarbeiten sehr geübt, sucht in einem besseren, religiösen Hause Stellung als Haushälterin, oder auch als Buffetmädchen in einem jüdischen Hôtel, da dasselbe namentlich in der Feder sehr bewandert ist. Dasselbe wäre alleinstehenden Personen als Haushälterin ganz besonders anzuempfehlen. 
Offerten sind zu richten an Lehrer Weinschenk, Echzell in der Wetterau."    
 
Echzell Israelit 07051891.jpg (30499 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1891: "Für einen kräftigen Metzgergesellen (tüchtiger Wurstler) wird in einer religiösen Metzgerei bei sofortigem Eintritte Stellung gesucht. 
Offerten sind zu richten an Lehrer Weinschenk, Echzell in der Wetterau."  


40-jähriges Lehrerjubiläum von Lehrer Stern (1923)  

Echzell Israelit 17091923.jpg (59803 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1923: "Würzburg, 15. September (1923). Ihr 40jähriges Lehrer-Jubiläum begingen im Hotel Goldschmidt dahier die Lehrer: Ehrenreich - Langenselbold, Fröhlich - Gießen, Goldstein - Würzburg, Klein - Gießen, Levi - Burgpreppach, Rau - Hirschaid, Rosenthal - Worms, Schloss - Langen, Stern - Echzell, Strauß - Gelnhausen, Weichselbaum - Adelsberg. Gleichzeitig übergaben sie dem hiesigen israelitischen Seminare ein ansehnliches Geschenk. Von den 15 Absolventen des Jahrganges 1883 sind leider drei mit Tod abgegangen und einer in einer Nervenanstalt untergebracht."  

   
70. Geburtstag von Lehrer Joseph Stern (1933)  

Echzell Israelit 09031933.jpg (20816 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1933: "Echzell, 5. März (1933). Herr Lehrer Josef Stern, Echzell (Oberhessen), beging am 19. März seinen 70. Geburtstag. Wir wünschen dem verdienten Lehrer ein weiteres arbeitsreiches Leben. (Alles Gute) bis 120 Jahre."    

   
Zum Tod von Lehrer Joseph Stern (1935)  

Echzell Israelit 07021935.jpg (87765 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1935: "Echzell (Oberhessen), 5. Februar. Tiefer Schmerz erfüllt alle Freunde und Bekannt, welchen die Nachricht von dem Ableben des Lehrers Joseph Stern zu Ohren kam. Eine der einprägsamsten Persönlichkeiten unseres Orte und unseres Kreises wurde uns genommen. Mit Joseph Stern sinkt ein Stück Geschichte unserer Gemeinde und unseres Kreises ins Grab, und wir wissen, was seinem engsten kreise genommen wurde, dem Sohn, der Tochter und den Verwandten. Ganz besonders seiner Gemeinde, der er über 40 Jahre als geistiger Führer bevorstand, war er ein Seelsorge im wahren Sinne des Wortes. Für jeden wusste er das passende Wort, zur gegebenen Stunde. Allen konnte er mit Rat und Tat belehrend und aufklärend zur Seite stehen. Er war das eiserne Band, das seine Gemeinde zusammenhielt und vor dem Verfall bewahrte. Es ist ein gewaltiger Riss, der in unser aller Sein gerissen wurde. Joseph Stern, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, wirkte lange Jahrzehnte als Lehrer und Kultusbeamter in Echzell. - Die Trauerfeier fand unter großer Beteiligung in der Synagoge statt. Nach der Rede des Herrn Selig sprachen ergreifende Worte Herr Lehrer Klein, Gießen als Jugendfreund und Schulkollege und die Vorsteher der Gemeinden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
81. Geburtstag von Süßkind Simon (1902)  

Echzell Israelit 27031902.jpg (123080 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. März 1902: "Echzell, 24. März (1902). Am Sabbat Paraschat Sachor (das war der 22. März 1902) beging unser ältestes Gemeindemitglied, Herr Süßkind Simon, seinen 81. Geburtstag. Der Genannte hatte es verstanden, in jeder Beziehung sich die Sympathie seiner Mitmenschen zu erwerben. Sein herzlich freundliches Wesen gewann ihm die Herzen Aller. In hervorragendem Maße hat er sich um unsere Gemeinde als Mitvorbeter verdient gemacht. Schon seit 60 Jahren wirkte er als solcher. Namentlich an den hohen Feiertagen betete er vor. Seine kräftige, wohlklingende Stimme, der man sein hohes Alter unmöglich anmerken kann, seine schönen, altjüdischen Melodien begeistern seine Zuhörer oft in solchem Grade, dass er oftmals Gegenstand von Ovationen wurde. Man ehrte den hochbetagten und noch so rüstigen Greis, umso mehr, weil dieser für seine schätzenswerten Dienste keinerlei Gebühren annahm. An seinem 81. Geburtstage betete er abermals vor. Die ganze Gemeinde war tief gerührt, als er mit altgewohnter Frische die Gesänge vor dem Ausheben der Tora anstimmte. In seinem Segensspruche bedachte er alle Gemeindemitglieder und spendete reichlich für die Armen. Nach dem Gottesdienste stürmte Alles auf den Jubelgreis ein und brachte ihm die herzlichsten Glückwünsche dar. Möge dieses Gemeindemitglied zu Gottes Ehre, zu unserer Gemeinde Freude noch viele Jahre uns erhalten bleiben."  

     
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Gesellensuchen des Bäckers Emanuel Roßmann (1885 / 1890 / 1900) 

Echzell Israelit 01061885.jpg (35066 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1885: "In meiner Bäckerei kann sofort ein tüchtiger Bäckergeselle dauernde Beschäftigung erhalten. Samstag und Feiertage geschlossen. E. Roßmann. Echzell, Wetterau."
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1890: "Ein ordentlicher Junge, welcher die Bäckerei erlernen will, kann per sofort in die Lehre treten. Samstage und Feiertage geschlossen. 
Echzell (Wetterau). E. Roßmann."    
  
Echzell Israelit 31101900.jpg (30687 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1900: "Ein kräftiger Bäckergeselle 
findet gegen gute Bezahlung dauernde Stellung. Samstags geschlossen. Offerten mit Gehaltsansprüchen sind zu richten an 
Emanuel Roßmann, Echzell, Oberhessen."   

   
Lehrlingssuche von Metzger Levy Rothschild (1890 / 1899)

Echzell Israelit 11091890.jpg (22198 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1890: "Einen braven, kräftigen Jungen aus anständiger Familie sucht als Lehrling bei sofortigem Eintritte Levi Rothschild, Metzger in Echzell, Wetterau."
  
Echzell Israelit 09111899.jpg (27175 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1899: "Ein Junge, welcher die Metzgerei erlernen will, kann sogleich eintreten Levy Rothschild, Echzell."  

        
 
       
        
Zur Geschichte der Synagoge       
        
Zunächst besuchten die in Echzell lebenden Juden die Synagoge im Nachbarort Bisses. Nachdem um 1850 die Hauptgemeinde nach Echzell verlegt wurde, begannen die Planungen zum Bau einer Synagoge in Echzell. 1863-1865 konnte die Synagoge erbaut werden. Ein Bericht zur Einweihung der Synagoge wurde noch nicht gefunden.
 
Bei der Synagoge handelte es sich um einen zentrierten Saalbau über einem quadratischen Grundriss. Zur Straße hin hatte der Bau Zwerchgiebel vor einem Walmdach. An der Westseite lag das mit einem Rundbogen versehene Eingangsportal, rechts und links davon hohe Rundbogenfenster, darüber ein Rundfenster, das vermutlich einen Davidstern zeigte. Auf der Nordseite hatte das Gebäude drei schmalere Rundbogenfenster. Breite Ecklisenen waren mit schmalen, hohen Rundbogennischen versehen. Im Inneren gab es 72 Plätze für Männer, 40 für Frauen. 

1878-79 wurde eine gemauerte Einfriedung um das hinter der Synagoge liegende Gartengrundstück vorgenommen, nachdem der Nachbar, Sattlermeister Wötzold dieses zur Synagoge gehörende Stück als "seinen" Platz benutzte, Holz bis dicht an die Synagoge hin lagerte und anderen das Graben von Kalkgruben auf diesem Platz erlaubt hatte. Das Synagogengebäude wurde mehrfach renoviert. So sind 1925 die Außenfenster und die Eingangstüre neu gestrichen worden. 1926 wurde der Außenputz erneuert und die Holzdecke ersetzt.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 sammelte sich vor der Synagoge eine große Menschenmenge. Junge Männer sprengten die Tür, verwüsteten den Innenraum und legten unter dem Beifall der Menge Feuer.  

Bis in die 1960er-Jahre stand das in Privatbesitz befindliche Gebäude leer und geriet in einen baulich immer schlechteren Zustand. Der Besitzer ließ es schließlich bis auf Mauern im Erdgeschoss abbrechen und in eine Gaststätte mit Tanzbar umbauen. 1988 (?) wurde auf einem Gedenkstein auf dem Gehsteig vor dem Gebäude eine Hinweistafel angebracht mit der Inschrift: "Synagoge. Hier auf dem Grundstück Bisseser Straße 21 stand die 1863-1865 von der jüdischen Gemeinde erbaute Synagoge. In der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Inneneinrichtung durch Brand zerstört." 
   
   
Adresse/Standort der Synagoge: Bisseser Straße (beziehungsweise Bisserstraße)  21.  
   
   
Fotos  

Die ehemalige Synagoge
 in Echzell
Echzell Synagoge 200.jpg (75673 Byte)  
    (Quelle: Arnsberg Bilder S. 47)  
      
Die zu einer Gaststätte und einer
 "Tanzbar" umgebauten Reste der
 ehemaligen Synagoge 
Echzell Synagoge 203.jpg (68154 Byte)  
(Quelle: Altaras 1988 S. 185. 
Aufnahme August 1984) 
 
     
Dass. mit Erinnerungsstein auf 
dem Gehsteig vor dem Gebäude
Echzell Synagoge 201.jpg (94214 Byte) Echzell Synagoge 202.jpg (112575 Byte)
  (Quelle: Altaras 1995 S. 149, 
Aufnahme 1992?)
Inschrift auf dem 
Erinnerungsstein
     
  Echzell Synagoge 211.jpg (34759 Byte)  
  Foto von Anfang 2003 (Quelle: S. Jesberger,
 Darmstadt, www.synagogen.info
 

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

August 2011: Ein "Arbeitskreis Jüdisches Leben in Echzell" hat sich gegründet   
Artikel im "Kreis-Anzeiger" (Wetterau-Kreis") vom 26. August 2011 (Artikel): "Aufarbeitung der jüdischen Geschichte
ECHZELL
(red). Der Einladung des Arbeitskreises 'Jüdisches Leben in Echzell' waren viele Bürger gefolgt, die mit Interesse die bisherigen Überlegungen der Initiatoren zur Kenntnis nahmen. Diskutiert wurde insbesondere, auf welche Art und Weise man die jüdische Vergangenheit Echzells wieder ins Bewusstsein rufen könne..."   
   
September 2011: Über die Forschungen des "Arbeitskreises Jüdisches Leben" in Echzell     
Echzell WZ 2011-11-17.jpg (249810 Byte)Artikel im "Kreis-Anzeiger" (Wetterau-Kreis) vom 24. September 2011: "Internet macht umfangreiche Recherche möglich
ECHZELL. 'Arbeitskreis Jüdischen Lebens' hat viele Namen der ehemals in Echzell wohnenden Juden bereits ermittelt

(pha). 'Es krachte draußen und ich hörte meinen Vater aus dem Fenster rufen: ‚Um Himmels willen, was tut ihr da?‘', erinnert sich eine Echzellerin, die als Achtjährige die Novemberpogrome vom 9. auf den 10. November 1938 miterlebte. Ihr Vater war bedroht worden, er solle das Fenster schließen, sonst werfe man seine Scheiben auch noch ein. Doch da war ohnehin schon alles zu spät, die Echzeller Synagoge brannte lichterloh.
Nicht zu spät aber auch nicht zu früh wurde begonnen, diese Zeit in Echzell aufzuarbeiten. Die Zeitzeugen werden immer weniger. Doch wäre noch vor einigen Jahren die Aufgabe, die sich der neu gegründete 'Arbeitskreis Jüdisches Leben in Echzell' gestellt hat, ungleich schwerer gewesen. Das erkennt man, wenn Dr. Christian Becker von seiner Recherche über Leben, Tod und Vertreibung der Echzeller Juden erzählt. Eine so umfangreiche Ermittlungsarbeit hat erst das Internet möglich gemacht. Dadurch entsteht nun eine relativ kurze Zeitspanne, in der man einerseits das moderne Medium des Internets zur Nachforschung nutzen kann und andererseits noch Augenzeugen befragen kann..."  
Hinweis: Zum obigen Artikel im "Kreis-Anzeiger" kann nicht mehr verlinkt werden; ein ähnlicher Artikel in der "Wetterauer Zeitung" vom 17. November 2014  ist oben als Textabbildung eingestellt (bitte zum Lesen Textabbildung anklicken)   
 
November 2011: Gedenkfeier zum Jahrestag des Novemberpogroms 1938   
Echzell Gedenkfeier 9-11-11 WZ.jpg (282078 Byte) Artikel in der "Wetterauer Zeitung" vom 9. November 2011: "'Vergessen bedeutet, die Opfer ein zweites Mal zu töten'. Gedenkveranstaltung anlässlich der Novemberpogrome - Gottesdienst und Gedenkmarsch zum Jüdischen Friedhof..." 
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken oder über Link zum Artikel.      
 

  

     
Links und Literatur

Links: 

Website der Gemeinde Echzell 
Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Echzell": www.juedisches-echzell.de   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Echzell  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 147-148.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 47.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 184-185.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 149.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 318-319.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 63-65.
Dietrich Lucius: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Echzell und Bisses. In: 1200 Jahre Echzell. 782-1982. Ursprung, Epochen und Strukturen einer Dörfergemeinschaft. Echzell 1982 S. 208-211.  

       
        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Echzell  Hesse.  Jews living in Bisses, Gettenau and Echzell formed one community, numbering about 90 in 1830. They were an integral part of village life and some Yiddish terms entered local parlance. The community in Echzell was established in 1864, when a new and larger synagogue was opened. The Jewish population declined from 96 (6,1 % of the total) in 1880 to 56 (3,5 % in 1933). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue's interior was destroyed and Jewish homes were vandalized. By 1939 only a few Jews remained. 
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 19. September 2014