Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Idstein mit Esch (Gemeinde Waldems) (Rheingau-Taunus-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Gemeindebeschreibung von 1936 (!)  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Über die jüdische Abteilung in der Anstalt Idstein ("Kalmenhof") (Berichte von 1898 bis 1925) 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Idstein bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Um 1700 dürfte bereits eine kleine Gemeinde in der Stadt bestanden haben. 1708 wurde eine "Instruktion und Privilegium für den Juden-Rabbiner zu Idstein und Wiesbaden erlassen" (womit Rabbiner David Grünhut in Wiesbaden gemeint war, vgl. zu Rabbiner Grünhut bei Wehen). 1770 gab es vier jüdische Familien in der Stadt. Bis 1822 nahm die Zahl auf zehn jüdische Familien zu.  
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1842 83 jüdische Einwohner, 1868 22 jüdische Familien, 1871 75 jüdische Einwohner (3,6 % von insgesamt 2.106 Einwohnern), 1885 87 (3,1 % von 2.357), 1888 80, 1892 86 (in 23 Familien), 1895 97 (in 23 Familien, 3,5 % von 2.790), 1896 114 (in 25 Familien), 1898 105 (von 2.790; in 24 Haushaltungen), 1899 103 (in 25 Haushaltungen), 1901 110 (in 24 Haushaltungen ohne die Personen im Kalmenhof), 1903 108 (von 3.064, in 23 Haushaltungen), 1905 86 (2,5 % von 3.395), 1910 94 /2,7 % von 3.529). Die jüdischen Familienvorsteher verdienten ihren Lebensunterhalt als Viehhändler, Getreidehändler, Fell- und Häutehändler. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere jüdische Läden in der Stadt, darunter ein Modegeschäft und ein Schuhgeschäft. Am heutigen König-Adolf-Platz gab es eine jüdische Metzgerei, in der unter Aufsicht des Rabbinats auch Fleisch geschächtet und an die jüdische Bevölkerung verkauft wurde.   

Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Esch lebenden jüdischen Personen (auch hier bereits um 1730 jüdische Personen am Ort, 1829 drei Familien, 1843 12 jüdische Einwohner in vier Familien, 1868 drei Familien, 1905 24 [von 662], 1932 5). Bei der Einführung bürgerlicher Familiennamen nannte sich u.a. Löb Herz in Esch um in Löb Eschenheimer.   
 
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Herzoglichen Landesseminar zu Idstein neben den evangelischen auch jüdische Lehramtsstudierende aufgenommen (das Seminar bestand in Idstein bis 1851, danach in Usingen; Mitteilung in "Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts" vom 4.10.1846 S. 320: "Das Landesseminar zu Idstein nimmt indessen auch jüdische Seminaristen auf und wird es in kurzer Zeit nicht an Jünglingen fehlen, die sich dem Lehrerberufe widmen werden...").   
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (1833 wird ein Unterrichtsraum genannt, über dessen Unzulänglichkeit sich Religionslehrer Ellmann beschwert), ein rituelles Bad (bei der Synagoge; 1936 als "alt" und "längst verfallen" beschrieben) und ein Friedhof. Auch in Esch gab es einen jüdischen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Genannt werden Lehrer Ellmann (1833), Lehrer Joseph Lipschütz (1841), Lehrer Lazarus Cahn (1852), Lehrer Moses Morgenthal (spätestens ab 1865, gest. 1886, siehe unten); von 1886 bis zu seinem Tod 1926 (s.u.) Lehrer Hirsch Frank (erstmals 1889 im "Statist. Jahrbuch des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes" genannt; später u.a. bei einer Lehrerversammlung in Diez 1894; unterrichtete 1892 zehn Kinder in Idstein, dazu vier Kinder in Steinfischbach; 1895 15 Kinder in Idstein, 1896 16 Kinder in Idstein, dazu vier Kinder in Steinfischbach, 1898 11 Kinder in Idstein). 
 
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Esch beigesetzt, seit 1887 bestand ein Friedhof in Idstein.           

Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: 1841 David Nassauer, 1854 Gabriel Bleibtreu, 1887/88 J. Heymann, A. Oppenheimer und F. Eschenheimer aus Esch, um 1889/95: J. Heymann, H. Oppenheimer und N. Loewenstein, um 1896 D. Lahnstein, N. Loewenstein, J. Morgenthal, um 1898/1905 Daniel Lahnstein, Is. Grünebaum, N. Loewenstein. Als Synagogendiener wird um 1890/1902 G. Oppenheimer erwähnt.
 
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Wiesbaden.
  
Als besondere Einrichtung bestand in der Heilerziehungsanstalt "Kalmenhof" (benannt nach seinem zeitweiligen Eigentümer Freiherr Geheimrat Johann Heinrich von Kalm 'Kalmenhof'; ältere Bezeichnung "Idiotenanstalt") eine jüdische Abteilung. Der "Kalmenhof", dessen Einrichtung 1888 vor allem auf Grund eines namhaften Stiftungskapitals der jüdischen Familie Charles Hallgarten (Frankfurt/Main) ermöglicht wurde, ist auch als "interkonfessionelle Anstalt für vorschulpflichtige und schulentlassene geistig zurückgebliebene Kinder" bezeichnet worden. Für die Betreuung der Kinder war der jüdische Lehrer der Gemeinde Idstein zuständig. Es gab für die jüdische Abteilung eine jüdische Hauswirtschafterin und einen jüdischen Gehilfen. 1898 waren elf Kinder der Einrichtung jüdisch (von insgesamt 114), 1903 22, Mitte des 1920-Jahre 40 (von insgesamt etwa 240), 1932 nach Angaben von https://de.wikipedia.org/wiki/Kalmenhof 150 (von insgesamt über 600). 1934 musste die jüdische Abteilung geschlossen werden. Nach einer anderen Angabe gab es 1937 noch 60 (von fast 1000) jüdische Kinder im Kalmenhof. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde (ergänzende Angaben von Jörg Fried vom 10.2.2026): aus Esch Friedrich Baum (geb. 3.3.1889 in Esch, gef. 31.10.1914) und Max Löwenstein (geb. 10.8.1899 in Esch, gef. 25.10.1918), aus Idstein der Einjährig Freiwillige Manfred Frank (geb. 27.11.1895 in Idstein, gef. 20.8.1914), Unteroffizier Sally Grünebaum (geb. 23.4.1892 in Idstein, gef. 14.7.1917), Offz. St. Leo Lahnstein (geb. 10.4.1893 in Idstein, gef. 23.3.1916), der Kriegsfreiwillige Rudolf Lahnstein (geb. 20.8.1894 in Idstein, gef. 5.6.1916), Musketier Siegfried Strauß (geb. 8.8.1895 in Frankenwinheim, gef. 13.8.1918) und der Wehrmann Gustav Gabriel Wolf (geb. 4.12.1879 in Idstein, gef. 6.11.1914). Die Namen der Gefallenen finden sich seit den 1920er-Jahren auf den Gefallenen-Gedenktafeln in der evangelischen Kirche Idstein. Siehe auch die Website www.idstein-gedenkt.de.
Außerdem ist gefallen: Fritz Morgenthal (geb. 12.4.1896 in Idstein, vor 1914 in Heidelberg wohnhaft, gef. 25.10.1917; war ein Enkel von Lehrer Moses Morgenthal vgl. https://www.geni.com/people/Fritz-Morgenthal/6000000222562581870). 
Für den Kriegseinsatz ausgezeichnet wurden u.a. der Gefreite Sally Goldschmidt mit dem Eisernen Kreuz II (einer der ersten jüdischen Soldaten, die damit ausgezeichnet wurden, daher berichteten mehrere jüdische Zeitungen darüber u.a. "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" / "Neue jüdische Presse" vom 6.11.1914 S. 3; "Neue Nationalzeitung" vom 13.11.1914 S. 6 usw.); der später gefallene (s.o.) Sanitätsunteroffizier Leo Lahnstein mit dem Eisernen Kreuz II ("Der Gemeindebote" vom 23.4.1915 S. 3; "Dr. Blochs österreichische Wochenschrift" vom 21.5.1915 S. 388); Gefreiter Paul Grünebaum (bei einem Fußartillerieregiment) mit dem Eisernen Kreuz II ("Israelitisches Familienblatt" vom 9.3.1916 S. 3; "Dr. Blochs österreichische Wochenschrift" vom 24.3.1916 S. 208).
Dragoner Hermann Grünebaum geriet leicht verwundet in französische Gefangenschaft ("Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 4.12.1914 S. 840, "Jüdische Volkszeitung" vom 11.12.1914 S. 50).
 
Um 1924, als 112 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (Höchstzahl; 3,2 % von insgesamt 3.457, darunter allerdings etwa 40 Zöglinge sowie Personal der Heilerziehungsanstalt), waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Isak Grünebaum, Max Kahn und Feist Löwenstein aus Esch. Als Lehrer, Kantor und Schochet war (bereits seit 1886, gest. 1926 s.u.) Hirsch Frank tätig. Er unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde sieben Kinder. An jüdischen Vereinen bestand der Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (1924 unter Leitung von H. Frank mit 12 Mitgliedern sowie ein "Israelitischer Brüderverein" (genannt 1892, Mitglieder waren 1894 J. Heymann, H. Oppenheimer, J. Morgenthal, H. Frank; 1903 Vorsitz H. Frank; der Verein, der vor allem Gelder sammelte "gegen "Wanderbettelei", so Statist. Jahrbuch 1905 S. 171, bestand auch noch mindestens bis 1918, siehe "Israelitisches Familienblatt" 13.6.1918 S. 8), eine "Stiftung für Mazzoth" (unter Vorsitz des Vorstandes, Statist. Jahrbuch 1905 S. 171) sowie eine Ortsgruppe des "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" ("Mitteilungen des Syndikus des Centralvereins" vom 8.11.1920 S. 350) wie auch eine Ortsgruppe des "Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" (Gründung wird berichtet im "Israelitischen Familienblatt" vom 13.10.1932 S. 5). 1892 wird die Wolf'sche Stiftung genannt, für die der Vorstand zuständig war.
 
1932 waren die Gemeindevorsteher Felix Lahnstein (1. Vorsitzender), Max Kahn (2. Vors.) und Feist Löwenstein (3. Vors.). Schriftführer war Eduard Strauß. Als Lehrer war inzwischen (seit 1928, siehe Ausschreibung unten) Josef Heß (Hes) tätig. Dieser hatte auch ein privates, streng rituelles Heim für Psychopathen und Nervöse eröffnet.         
   
1933 lebten noch etwa 63 jüdische Personen in Idstein, dazu kamen etwa 100 Bewohner der "Heilerziehungsanstalt Kalmenhof".
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die Auswanderung erfolgte überwiegend nach Nordamerika. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und ihre Inneneinrichtung zerstört (s.u.), dazu wurden die Wohnungen von fünf jüdischen Familien überfallen und verwüstet. Die Schäden in Höhe von 26.000 RM mussten von den jüdischen Familien bezahlt werden.  
   
Von den in Idstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jonas Blum (1878), Ida Gottschalk geb. Kahn (1902), Hedwig Grünebaum (1897), Herta Grünebaum (1901), Hugo Grünebaum (1890), Julius Kahn (1901), Lore Kahn (1933), Ludwig Kahn (1894), Ilse Löwenstein (1923), Ruth Löwenstein (1923), Gertrud Morgenthal (1894), Klara Morgenthal (1891), Bertha Rolef geb. Kahn (1883), Sidonie Schulhof geb. Mayer (1870), Heinz Simenauer (), Horst Ludwig Strauß (1931), Recha Weiß geb. Grünebaum (1895).     
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1886 / 1928 

Idstein Israelit 29111886.jpg (42784 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1886: "Die Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle in Idstein (Nassau) ist vakant. Jährliches Einkommen mindestens 800 Mark. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre Meldungen nebst Zeugnissen schleunigst an den Vorstand der Israelitischen Gemeinde in Idstein senden. 
Wiesbaden, 25. November 1886. 
Der Bezirksrabbiner Dr. M. Silberstein."  
Vermutlich direkt auf diese Ausschreibung hat sich erfolgreich Lehrer Hirsch Frank beworben. Er blieb in Idstein bis zu seinem Tod 1926.     
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. November 1926: "
Wir suchen zum baldigen Antritt einen
Religionslehrer, Kantor u. Schochet.

Anstellung erfolgt nach der Gehaltsklasse der Besoldungsgruppe 7 (Reichsbesoldungsordnung) auf Lebenszeit. Außerdem wird dem Stelleninhaber Gelegenheit gegeben, nebenamtlich an der Heilerziehungsanstalt 'Kalmenhof' den Religionsunterricht zu erteilen.
Gefällige Bewerbungen mit Zeugnissen und kurzem Lebenslauf werden an den Unterzeichneten 1. Vorsitzenden bis spätestens 1. Dezember 1926 erbeten.
Israelitische Kultusgemeinde Idstein im Taunus.
I. A.: Felix Lahnstein,
 Weiherwiese 23."    
Die Besetzung der Stelle gestaltete sich offenbar nicht ganz einfach: eine ähnliche Ausschreibung wie oben am 11. November 1926 findet sich im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. August 1927 S. 6. Auch im März 1928 wurde wieder ausgeschrieben:   
Idstein Israelit 22031928.jpg (59035 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1928: "Wir suchen zum sofortigen Eintritt einen tüchtigen Religionslehrer und Schochet (gesetzestreu). Demselben soll auch der Unterricht an der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof übertragen werden, Gehalt Gruppe 7 mit Pensionsberichtigung und lebenslänglicher Anstellung. 
Gesuche sind zu richten an den 1. Vorsteher Felix Lahnstein, Idstein. Der Vorstand."   

  
Spendenaufruf für den schwer erkrankten Lehrer Moses Morgenthal und seine Familie (1881)  

Anmerkung: Lehrer Morgenthal ist 1886 gestorben nach Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18.1.1887 S. 42 und "Der Israelit" vom 3.1.1887 S. 19: Jahresschlusssitzung des Vorstandes der Achawa in Frankfurt: "Wir haben im Laufe des Jahres (1886) zwei würdige Mitglieder (Morgenthal in Idstein und Ortlieb in Heidelberg) durch den Tod verloren...".
Die 1881 geschilderten gesundheitlichen Probleme führten 1882 zur Auflösung des Vertrags mit der jüdischen Gemeinde Steinfischbach, wo er Religionsunterricht erteilt hatte.  
Genealogische Verbindungen: https://www.geni.com/people/Moses-Morgenthal/6000000222561691987     

Idstein Israelit 03081881.jpg (81854 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1881: "Bitte! Seit Anfang Juni dieses Jahres ist hier Herr Morgenthal, Lehrer der israelitischen Gemeinde, an einer Lebererweiterung, welche eine tief eingreifende Operation nötig machte, schwer erkrankt und wird es auch noch Monate dauern, bis derselbe wieder dienstfähig sein wird. Der zahlreichen Familie ist es nicht möglich, von dem geringen Gehalt des Vaters zu leben, geradezu unmöglich ist es jedoch, hiervon die immerwährende, anstrengende und kostspielige Pflege, das Wartepersonal und das in großer Menge verbrachte, kostspielige Lister'sche Verbandmaterial zu bezahlen. Aus diesem Grunde ist die Bitte an edle, mildtätige Männer gewiss gerechtfertigt, die bedrängte Lage dieser in der Tat schwer heimgesuchten Familie lindern helfen zu wollen. 
Idstein, 22. Juli 1881. Dr. G. Justi, behandelnder Arzt.  
Wir sind gern bereit, milde Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern. Die Expedition des 'Israelit'."   

  
Zum Tod von Lehrer Hirsch Frank (1926) 

Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. April 1926: "Verein israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau.
Am 8. März starb plötzlich und unerwartet unser Mitglied Hirsch Frank in Idstein im 60. Lebensjahr. Der Entschlafene war Mitbegründer und eifriger Förderer unseres Vereins. Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.
Wiesbaden.  Abr. Nußbaum"   
 
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. April 1926: "Idstein. Mittwoch, den 10. März geleitete eine große Trauergemeinde den heimgegangenen Lehrer Hirsch Frank auf seinem letzten Wege zum stillen, idyllischen Waldfriedhof. In tief empfundenen Worten zeichnete Bezirksrabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden, das herrliche Lebensbild des allzeit guten, treuen Mannes. Im Namen des Hessen-Nassau-Verbandes für Wohlfahrtspflege dankte Rabbiner Dr. Horowitz, Frankfurt a. M.. dem Verklärten für seine von Idealismus und Hingebung getragene Arbeit im Dienste des Verbandes. Herr Oberkantor Nußbaum, Wiesbaden, rief als Vorsitzender des Vereins israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau dem allgemein beliebten Kollegen ein Abschiedswort nach. Ein Vertreter des Lehrkörpers des Kalmenhofes, einer Anstalt für Schwachbegabte, an der der Verblichene lange Jahre die jüdische Abteilung selbstlos und aufopfernd unterrichtete, dankte namens der Lehrerschaft und der Schüler für seine segensreiche Tätigkeit. Im Auftrag der Kultusgemeinde Idstein schilderte deren Vertreter die Verdienste des treuen Lehrers und gelobte, das Andenken des Verklärten allezeit hochzuhalten."    

  
Lehrer Hes referiert bei einer Lehrertagung über Heilpädagogik und seine Arbeit im Kalmenhof in Idstein (1931)  
Über Lehrer Josef Hes: Josef Hes ist am 30. Mai 1886 geboren in Papenburg als Sohn von Joel Hes (1855-1928) und seiner Frau Sophie geb. Wertheim (1862 - umgekommen 1943 Ghetto Theresienstadt). Er besuchte bis 1908 die Oberschule in Emden. Am 30. Dezember 1913 heiratete er Bertha (Betty) geb. von der Wall, die am 29. Oktober 1894 in Norden geboren und am 2. April 1934 in Idstein gestorben ist. Kinder: Senta (geb. 12.2.1919 in Osterode, 1943 ermordet in Auschwitz), Myrtil (geb. 7.11.1920 in Malmö, gest. 30.3.2006 in Zürich), Margot (geb. 28.6.1924 in Wenkheim, 1943 ermordet in Auschwitz), Gerda (geb. 25.5.1925 in Gailingen, 1942 ermordet in Auschwitz), Joel (geb. 9.7.1930 in Idstein, gest. 18.1.2003 in Ramat Hasharon, Israel). In zweiter Ehe heiratete Josef Hes Grete geb. Preiss, die am 7. März 1907 in Sawodzie, Kattowitz geboren ist. Josef Hes war bis 1920 Lehrer in Osterode am Harz, danach Kantor in Malmö/Schweden. Ab 1928 war er Lehrer, Kantor und Schochet in der jüdischen Gemeinde Idstein und übernahm zugleich den Religionsunterricht für die jüdische Abteilung im "Kalmenhof". 1930 bis 1938 führte er eine rituelle Pension (siehe Anzeigen unten) in Idstein. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er in Frankfurt verhaftet und ins KZ Dachau überführt. Anschließend lebte er in Frankfurt, bis er 1940 nach Zagreb floh, 1941 nach Italien (verschiedene Orte, zuletzt Rom). 1948 nach Israel, 1950 zurück nach Deutschland. Er starb am 11. Oktober 1953 in Frankfurt.
Weitere Informationen - auch zu seinen Familienangehörigen - siehe eine Seite zu seiner in Auschwitz ermordeten Tochter Margot: https://spurenimvest.de/2023/06/24/hes-margot/ (Kopie eingestellt als pdf-Datei).  

Artikel in der Zeitschrift "Jüdische Bibliothek " vom 2. Januar 1931: "Verein israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau e.V.
Die diesjährige Hauptversammlung fand am 29. Mai in Wiesbaden statt. In geschlossener Mitgliederversammlung wurde Herr Justizrat Marxheimer, Wiesbaden, zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.
Um 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende die Hauptversammlung. Herr Rabbiner Dr. Lazarus überbringt die Grüße und Wünsche des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde, insbesondere von Herrn J.-R. Marxheimer, der zu seinem großen Bedauern der heutigen Tagung nicht beiwohnen kann. Herr Rabbiner Dr. Ansbacher wünscht namens seiner Gemeinde und ihres Vorstandes erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen.
Das Hauptinteresse der Versammlung nahm der Vortrag von Hes - Idstein in Anspruch über das Thema: 'Allgemeines über Heilpädagogik". Es dürfte sich erübrigen, ausführlicher auf diesen Vortrag einzugehen, da in diesen Blättern schon des öfteren über Fragen der Heilpädagogik berichtet worden ist, nur eins soll betont werden, dass der Referent aus seinen reichen Erfahrungen gesprochen, die er aus seiner Tätigkeit an der Heil- und Erziehungsanstalt Kalmenhof in Idstein gesammelt hat.
An den Vortrag schloss sich eine rege Aussprache an, u. a. verwies Rabbiner Dr. Lazarus auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Behandlung dieser Fragen in Erzieherkreisen. In seinem Schlusswort betonte der Referent nochmals die Mitarbeit des jüdischen Religionslehrers in den Fällen, in denen Heilerziehung notwendig wird und bezeichnet als Ideal für die Heilerziehung eine jüdische Anstalt nach dem Muster des 'Kalmenhof' in Idstein.
Anschließend regt Isaak - Limburg an, als Tagungsort für die nächste Versammlung Idstein zu bestimmen, um die Anstalt zu besichtigen..."    

   
Lehrer Josef Hes eröffnet eine rituelle Pension (1930) und wirbt dafür (1933 / 1936 / 1938)    

Mitteilung im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Mai 1930 S. 381: "Pension im Taunus.  In Idstein (Hintertaunus) hat Herr Josef Hes eine neue rituelle Pension eröffnet, die bei massigen Preisen gute und auswahlreiche Verpflegung verspricht. Es ist zu begrüßen, dass die geringe Zahl ritueller Erholungsstätten im Taunus, damit um eine weitere vermehrt ist."   
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 1933: ""Privatheim (rituell)
für Nervöse und geistig Schwache, auch als Dauerpension.
Lehrer Hes, Idstein im Taunus.
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. Oktober 1936:
"Privatheim für
Nervöse und Psychopathen 
Lehrer Jos. Hes,  Idstein im Taunus" 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1938 (letzte Ausgabe vor dem Novemberpogrom!):
"Privatheim für Nervöse und Psychopathen.
Fachgemäße, liebevolle Behandlung.  Lehrer Josef Hes, Idstein im Taunus."  

   
   
Gemeindebeschreibung von 1936 (!)   

Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juli 1936: "Idstein. Altes Städtchen mit 3.800 Einwohnern, darunter rund 60 Juden. - Einige Jahre bis 1292 residierte hier Graf Adolf von Nassau, der als deutscher König den Maharam Rothenburg und dessen Leichnam im Turm zu Ensisheim im Elsass zurückhielt, um damit Geld von den Juden zu erpressen. 1332-1721 ist Idstein Residenz der Grafen von Nassau-Idstein, seitdem Bezirks- beziehungsweise Kreisstadt. Das Schloss besteht heute aus der alten Nassauer Udenburg, den mit ihr, d.h. dem übrig gebliebenen alten 'Hexenturm', den mit ihm verbundenen Renaissance-Bauten und dem 'Neuen Schloss', 1614-1713 entstanden. Der Hexenturm sah nicht nur Hexen, sondern, wie man sagt, auch zahlreiche Juden verschmachten. - Juden scheinen in Idstein schon früh gewohnt zu haben; denn die alte Udenburg wird bereits 1427 auch einmal Judenburg genannt, vielleicht als gelegentlicher Zufluchtsort verfolgter Juden. Um 1700 jedenfalls Gemeinde mit Rabbinat Idstein-Wiesbaden, für das 1708 'Instruktion und Privilegium für den Juden-Rabbiner zu Idstein und Wiesbaden' erfolgt. Damals ist Rabbiner David Grünhut (s.o. bei Wiesbaden) im Amt. 1787 sind ungefähr 40 Juden, nämlich 7 Familien, in Idstein; 1866 im Alt Idstein, wozu die Gemeinden Camberg, Eisenbach, Erbach, Niederselters, Oberselters, Walsdorf, Würges gehören, 236 Juden bei 10.887 Einwohnern. - Die alte Synagoge in der hinteren Borngasse, früheren Judengasse, mehrfach, zuletzt 1935 renoviert, mit alter, längst verfallener Mikwah. Alter Friedhof aus der Frühzeit des Idsteiner Rabbinats südlich von Esch, 1 Std. von Idstein, war Sammel-Friedhof, wohl schon vor 1700. Um 1874 wurde der neue Friedhof am Südende der Stadt angelegt.
20 Minuten westlich die Heilerziehungsanstalt 'Kalmenhof', z.Z. auch aus jüdischen Mitteln begründet, mit besonderer jüdischer Abteilung, die bis 1932 von einem jüdischen Lehrer, einem jüdischen Gehilfen und einer jüdischen Köchin mitbetreut wurde. Heute natürlich, bei 60 Pfleglingen (1932: 150 bei 750 insgesamt), nicht mehr. Dagegen Lautzstr. 3 (Jos. Hes) privates streng rituelles Heim für Psychopaten und Nervöse. - 
Das Antlitz des Ortes zeugt von alter Kultur (1350 öffentliche Schule, 1715 erste Zeitung!). In der evangelischen Kirche Bilder des bedeutenden Rubensschüler Imrath von Antwerpen; unter den zahlreichen entzückenden Fachwerkbauten mit edlen Schnitzereien wohl am schönsten das Dietrich'sche Haus von 1615. - Von Idstein täglich 10 Züge nach Frankfurt. Fahrzeit 1 Stunde."  

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Einzelne jüdische Schüler besuchen das Gymnasium in Idstein im 18. Jahrhundert
Anmerkung: nachstehende Zitate sind aus einem Beitrag von Dr. Salomon Adler: Die Entwicklung des Schulwesens der Juden zu Frankfurt am Main bis zur Emanzipation. In: "Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft" XIX 1928 S. 237-278 (Schluss).  
Dazu ein Hinweis auf die Idsteiner Schulgeschichte aus der Website der Stadt (Link): "Die erste Idsteiner Schule soll mit Gründung der Stiftskirche 1340 entstanden sein. Die Details dieser Stiftsschule liegen im Dunkel der Geschichte. Es gibt keine Gründungsurkunde, keine Hinweise auf die Lehrer, keine Angabe zum Standort. Und dennoch kommt dieser Schule Bedeutung zu. Steht sie doch am Beginn einer langen Entwicklung. Diese verlief allerdings nicht gradlinig, sondern war geprägt von den Interessen der jeweils Herrschenden. Doch als 1817 das Idsteiner Gymnasium nach Weilburg verlegt wurde, wurden Idsteins Bürger selbst aktiv: Sie setzten sich beharrlich für neue Bildungsstätten ein. So waren die Realschule und die unvergessene Bauschule städtische Gründungen."  

Zitat aus S. 241 - es geht um den Besuch jüdischer Schüler, die beispielsweise Medizin studieren wollten - und an einzelnen Gymnasien im Bereich um Frankfurt lernen konnten: "...In einem Falle gelang es mir, ausführlicheres, bisher unbekanntes Aktenmaterial zu finden. Dr. Beyfuss Anselm Schloss berichtet in dem seiner Dissertation 'Valetudo hominis nudi et cooperti' (Göttingen 1753) beigedruckten Lebenslauf, dass er vom 14. bis zum 17. Lebensjahr (1754 bis 1757) das Idsteiner Gymnasium besucht habe. In den Akten dieser Anstalt befindet sich noch eine Nachricht aus dem Jahre 1735, wonach man jüdische Schüler zwar aufnahm, jedoch von ihnen einen Beitrag von 4 Talern zur Schulbibliothek und ein höheres Schulgeld verlangte, da sie zu der Schulstiftung auch nichts beigetragen hätten und nicht mit der Absicht kämen, Christen zu werden...*"
*mit Anmerkung: Das Idsteiner Gymnasium besteht seit 1817 nicht mehr. Obige Mitteilung aus den Akten, die sich jetzt im Wiesbadener Staatsarchiv befinden, verdanke ich Herrn Rektor Ziemer in Idstein.
S. 277-278 (Anlage 6): "Anlage 6
Aus den Akten des Idsteiner Gymnasiums, die Aufnahme jüdischer Schüler betreffend.

(Die Abschrift verdanke ich Herrn Realschuldirektor Ziemer in Idstein)
Am 29. 3. 1735 reichte der Prorektor Stritter einen Lehrplanentwurf ein, dem einige geheime Punkte beigefügt waren:
'4) wird auf Veranlassung angefragt, ob die Juden ebenso wie die Christenkinder, ohne weitere Anforderung und billig massige Vergeltung gegen den Präceptorius in die Schule aufzunehmen seien. Die Rationes, warum man sie nicht frei annehmen könne, sind: weil sie erstlich zu den Stiftungen, davon die Präceptores salariert werden, nichts beigetragen; 2, weil sie nicht in der Absicht kommen, Christen zu werden (denn in solchem Falle will man sie gerne umsonst annehmen), sondern vielmehr etwas zu lernen, das sie wohl den Christen zum Nachteile gebrauchen.'
Hierzu erstattete das Oberconsistorium am 5. Mai 1735 folgendes Gutachten:
'als finden wir im übrigen ad 4 allerdings vor billig dass in Betracht des institutum scholasticum auf Juden keinen Rapport bat, selbige, auch zu der gleichen fundis selbsten nichts beitragen, nicht nur ein jeder, welcher die Information im dortigen Gymnasio genießen will, bei deren Eintritt wenigstens 4 Rtlr. zur Schulbibliothek zu bezahlen, sondern auch mit den Präceptoribus wegen eines gewissen, jedoch nicht zu hoch zu setzenden didactri sich abzufinden angewiesen werden'.
Die Approbation des Gutachtens durch den Fürsten Carl erfolgte am 11. Mai 1735."   

     
Aufruf zur Wohltätigkeit - Bitte um Spenden für eine arme Witwe und ihre Kinder (1892)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1892: "Aufruf zur Wohltätigkeit! In dem hiesigen, von nur 15 jüdischen Familien bewohnten Städtchen befindet sich eine von allen Mitteln entblößte israelitische Witwe mit den noch bei ihr weilenden 3 arbeitsunfähigen Kindern in größter Not. Mit 6-800 Mark wäre den Armen geholfen und dieselben insofern geschützt, als ihnen ihre Wohnung bliebe und die Armen dann doch wenigstens Obdach besäßen. Wird den Unglücklichen seitens unserer wohltätigen Glaubensgenossen nicht Beistand und Hilfe, so ist die arme Familie in einer überaus trostlosen Lage.
Ihre Hoffnung ist aber noch nicht so tief gesunken, dass der Mut total geschwunden wäre, und hatte dieselbe solches ja auch umso weniger nötig, als Israels Hand zur Wohltätigkeit nach gewohnter Art noch offen ist. Ach teuerste Glaubensgenossen, schließet Herz und Hand auch hier nicht, sondern gebet jeder nach seinem Vermögen und den nach Hilfe Rufenden ist geholfen. Ihr habt dann ein Werk geschaffen, das jeder zu schätzen wissen wird. Wäre die unglückliche Witwe nicht in dieser trübseligen Lage, wären ihre Kinder arbeitsfähig, so würde dieselbe gewiss diesen Schritt nicht tun, aber dem ist ganz anders. Von den Genannten zuhause weilenden Kindern ist der Älteste, ein Junge von 25 Jahren, der überaus schwächlich und durch leichte Verrichtungen nur sehr kärglichen Verdienst machen kann, das Zweite ebenfalls ein Junge, leidet an Knochenfraß an der rechten Hand, mithin auch für nichts brauchbar und das Dritte, ein Mädchen von 11 Jahren leidet an Fallsucht, aus welchem Grunde dessen Zukunft eine düstere Aussicht bietet. Zum Empfang milder Gaben bin ich gern bereit und werde solche bereitwilligst an die arme Witwe gelangen lassen. Meier Goldschmidt, Kaufmann, Idstein."   

    
Spendenaufruf für eine verarmte Familie (1895) 

Anmerkung: den Spendenaufruf unterzeichnete der evangelische Dekan von Idstein Wilhelm Cuntz (ab 1893 erster evangelischer Pfarrer und Dekan in Idstein).   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1895: "Eine Mutter, die mit ihren Kindern, darunter ein seit Jahren krankes Kind, bei dem geringen Verdienst ihres Mannes und unter mehrfachen Verpflichtungen mit schweren Sorgen dem Winter entgegensieht, klagte mir heute vertrauensvoll ihre Not und bat mich, in dem 'Israelit' ein fürbittendes Wort für sie einzulegen. Da es sich um eine hausarme und in allgemeiner Achtung stehende Familie handelt, die einer Beihilfe würdig ist, kann ich das Anliegen der Frau nicht abweisen und empfehle die Familie ihren israelitischen Glaubensgenossen zu freundlicher Unterstützung mit dem Bemerken, dass ich in verborgener Weise eingehende Gaben an die Frau zu übermitteln bereit bin.
Idstein, 7. Januar 1895.   W. Cuntz, Dekan in Idstein."    
 
Bestätigung des Eingangs von Spenden u.a. in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1895: "— Für Aufruf 139 wurden an Herrn Dekan W. Cuntz in Idstein gesandt: aus Mainz 2, aus Wassertrüdingen 5, aus Fegersheim 2, aus Hechingen 3, aus Horn in W. 5, aus Nürnberg 3, aus Belgard 4, in württembergischen Briefmarken 1, aus Dürkheim 5, aus Idstein 15 M. Zur weiteren Annahme von Gaben für die arme Familie ist der Herr Pfarrer gerne bereit."  

   
Spendenaufruf für eine verarmte Familie (1900)  

Idstein Israelit 05111900.jpg (54218 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1900: "Ein armer Familienvater ist durch langwierige Krankheit in solches Elend mit den Seinigen geraten, dass Hilfe dringend nötig ist. Der unterzeichnete behandelnde Arzt ersucht um Gaben unter Nr. 7824 an die Geschäftsstelle dieses Blattes zur gefälligen Weiterbeförderung.  
Idstein im Taunus, im Oktober (1900). Dr. Justi."  

    
 Nationalsozialistische Umtriebe (1929)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1929: "Nationalsozialisten in Idstein.
Am letzten Samstagabend um 8.30 Uhr hatten wir das zweifelhafte Vergnügen, ca. 60 Hitlermänner der Sektion Wiesbaden bei uns zu sehen. Sie hatten sich den Saal des 'Deutschen Hauses' gemietet, um in einer öffentlichen Volksversammlung uns ihre Lehren und 'Heils'wahrheiten zu verkünden. Der Redner war aber kaum 5 Minuten am Pult, da gab es den ersten Zwischenfall und 10 Minuten später sah der Saal einem Schlachtfelde ähnlicher als einem Versammlungslokal. Kein Stuhl, kein Glas, keine Fensterscheibe, kein, Leuchter, nichts war mehr 'heil!" Fünf Gendarme nahmen die Hitlerhelden in Schutzhaft, und sperrten sie in den Saal. Das Lastauto, auf dem sie gekommen waren, war demoliert. Ein Überfallkommando der Hakenkreuzler, das aus telefonischen Anruf nachts um 12.30 Uhr angesaust kam, konnte nicht mehr in Aktion treten, denn 25 Mann der Wiesbadener Schupo waren kurz vorher gekommen. und sperrten den Kampfplatz ab. Um 1.30 Uhr fuhr ein traurig anmutender Zug, ein Auto, an dem anderen gekoppelt, einsam, still und leise von dannen. — Der Verlauf der Versammlung würde ja nicht besonders interessieren, da er nicht vereinzelt dasteht. Aber die Veranlassung zur Schlägerei ist beachtenswert. Der Redner erklärt: 'In Deutschland haben nur Deutsche Wohnrecht, nicht aber die Juden!" Ein Zwischenruf. Darauf Rufe wie: 'Halunken!", 'Volksverräter!' usw."   

  
Treffen der jüdischen Jugendbünde in Idstein (1932)    
Anmerkung: zur jüdischen Jugendbewegung und den verschiedenen Gruppen siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdische_Jugendbewegung. Die im ersten Abschnitt genannte Gruppierung JPD. ist der "Jüdische Pfadfinderbund Deutschland".

Artikel in der Zeitschrift "Der Jugendbund" 1932 7: "Führerschulungskursus der Landesverbände Westdeutschland und Hessen in Idstein, Ostern 1932.
In den Tagen vom 25. bis zum 28. März fanden sich über 100 Verbandsfreunde zu einem Führerkursus in Idstein im Taunus zusammen. Das Thema lautete: 'Kampf der Juden um ihre Zukunft.' Es wurde aufgeteilt in fünf Referate, die von hervorragenden Sachkennern der Materie gehalten wurden. Die Diskussion stand erfreulicherweise auf einem sehr hohen Niveau. Obgleich manchmal die Ansichten sehr scharf aufeinander platzten, so erkannte man doch recht bald die Berührungspunkte, die allen gemeinsam sind. Besonders hervorzuheben sind der jugendliche Geist und Elan, die der Tagung ein besonderes Gepräge gaben. Es war der erste größere Versuch, einen Verbandskursus gemeinsam mit dem JPD abzuhalten, und man kann ohne weiteres feststellen, dass dies Experiment restlos geglückt ist." 
 
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 20. April 1932: "Tagung der jüdischen Jugendvereinsführer. Die jüdische Jugend überwand alle wirtschaftliche Schwierigkeiten und organisierte im Idsteiner Jugendschloss am Karfreitag eine Tagung. Über hundert Führer des hessischen und Westdeutschen Landesverbandes trafen sich hier. — Die gemeinsame viertägige Arbeit zeichnete sich durch strenge Sachlichkeit aus. Wohl stießen die Fronten hart aufeinander ; C.V. ('Central-Verein'), Zionisten, Kommunisten und Vertreter einer jüdisch-religiös-ethischen Missionsidee griffen ein, aber am Ende der Tagung löste sich die Spannung, die über diesen jungen Menschen fieberte, in ein Gemeinschaftsbekenntnis aus. — Viele und wichtige jüdische Probleme sind angeschnitten worden, an denen die jungen Menschen weiter arbeiten sollen. Die Jüdische Gemeinde in Idstein und deren Lehrer Hes halfen tatkräftig bei der Vorbereitung der Tagung mit."   

     
Prozess gegen 15 Nationalsozialisten wegen einem Pogrom in Idstein (1934) 

Mitteilung in der Zeitschrift "Die Wahrheit" vom 13. Juli 1934: "In Wiesbaden begann ein Prozess gegen 15 Nazi, die beschuldigt werden, einen Judenpogrom in Idstein, wobei einzelne Überfallene zu Tode misshandelt wurden, durchgeführt zu haben. Die Verhandlung ist geheim. — Bisher hatte man von diesem Judenpogrom überhaupt nichts gehört."   
 
Artikel in "Die Stimme" vom 13. Juli 1934: "Judenpogrom in Idstein
Prag, 9. Juli. Am Freitagvormittag begann, so berichtet die 'Frankfurter Zeitung', vor dem Schwurgericht in Wiesbaden die Strafsache gegen Reichart und Genossen wegen Körperverletzung usw. Für die Anklage sind mehrere Sitzungstage vorgesehen. Insgesamt 15 Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie in Idstein am 26. März, gemeinsam und fortgesetzt handelnd, vorsätzlich und rechtswidrig einen Menschen des Gebrauches persönlicher Freiheit beraubt hätten, wobei durch die während der Freiheitsentziehung erfolgte Behandlung der Tod verursacht worden ist, ferner gebt die Anklage dahin, dass Angeklagte durch teilweise dieselbe Handlung vorsätzlich einen anderen körperlich misshandelt und an der Gesundheit geschädigt hätten, wobei durch die Körperverletzung der Tod verursacht wurde; schließlich wird den Angeklagten zum Vorwurf gemacht, dass sie einen anderen widerrechtlich durch Gewalt und durch Bedrohung mit Verbrechen und Vergehen zu Handlungen, Duldungen und Unterlassungen genötigt hätten, Verbrechen zu begehen.
Die Angeklagten sind in Haft. Die Zahl der geladenen Zeugen beträgt 50. Als Beweisstücke sind vorhanden ein Pfahl, ein Plakat, Kleidungsstücke und Gummiknüppel. Bei Beginn des Prozesses wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
Dazu schreibt die Saarbrückener 'Deutsche Freiheit': 'Kein Wort davon, dass in Idstein ein wüster Judenpogrom mit Todeserfolg war. Nie hat eine deutsche Zeitung darüber berichten dürfen. Darum muss jetzt auch der Prozessbericht die Wahrheit verhüllen.'" 

     
    
Über die jüdische Abteilung in der Anstalt Idstein ("Kalmenhof", bzw. oft "Calmenhof" geschrieben) (Berichte von 1898 bis 1925)  
vgl. unten Suchanzeigen von Direktor Schwenk (1896/1898) sowie Abschnitt zu Ruth Pappenheimer. 
Anmerkung: Mitte der 1920er-Jahre gab es in Deutschland drei "Anstalten für Geistesschwache" für jüdische Patient*innen: die Kliniken in Berlin-Weißensee (Dauerheim für jüdische Schwachsinnige, Wörthstraße 20) und Lohr am Main ("Heil- und Pflegeanstalt - Rituelle Abteilung des Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke" waren jüdische Einrichtungen; Idstein hatte in der 1888 eröffneten Heilerziehungsanstalt "Kalmenhof" (früher "Idiotenanstalt") eine jüdische Abteilung mit 1898 11, 1899 15 (Personen, davon 11 Kinder) und 1925 ca. 40 Plätzen von den insgesamt etwa 240 Plätzen der Einrichtung. Den Religionsunterricht in der Einrichtung erteilte der jüdische Lehrer von Idstein (siehe im Bericht zum Tod von Lehrer Hirsch Frank 1926 s.o.). In der NS-Zeit musste 1934 die jüdische Abteilung geschlossen werden. 

Idstein AZJ 18021898.jpg (93156 Byte)Leserbrief in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1898: "Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Doktor! Im Leitartikel der letzten Nummer der Zeitung des Judentums findet sich die Angabe, dass in Deutschland nur solche Anstalten für zurückgebliebene Kinder existieren, in welchen die Aufnahme jüdischer Kinder nur unter der bestimmten Voraussetzung geschieht, dass diese christlich erzogen werden. Dies beruht auf einem Irrtum. In der Anstalt zu Idstein, im Regierungsbezirk Wiesbaden, erhalten sämtliche jüdische Kinder (zur Zeit sind dort 11 Juden, das sind 10 % der Gesamtzahl der Insassen) regelmäßig jüdischen Religionsunterricht sowie infolge der Munifizenz eines bekannten Frankfurter Philanthropen streng rituelle Verköstigung. Ich hatte vor Kurzem Gelegenheit, die Einrichtungen dortselbst kennen zu lernen und mich von den ganz ausgezeichneten Resultaten, welche die Erziehung der geistig zurückgebliebenen respektive der idiotischen Kinder aufzuweisen hat, zu überzeugen. Ich kann den Eltern solcher Kinder nur raten, dieselben der genannten Erziehungsanstalt anzuvertrauen. 
Marburg
, 9. Februar (1898). Hochachtungsvoll Dr. Munk."    
 
Mitteilung in einer Antwort auf eine Leserbriefanfrage in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1915: "... E. Z. 50. Eine jüdische Anstalt ist uns nicht bekannt, doch erhalten in der interkonfessionellen Idiotenanstalt zu Idstein im Taunus jüdische Kinder auf Wunsch Religions-Unterricht und rituelle Kost."    
 
Aus einem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1922: "Landesverband für jüdische Woßlfahrtpffege für Hessen und Hessen-Nassau.
In der Vorstandssitzung des Landesverbandes am 31. Mai wurde bei der Beratung über die Finanzierung mitgeteilt, dass mehrere Gemeinden in Hessen und Hessen-Nassau dem Verbande beigetreten sind. Der Beitrag nach dem Satze von Mk. 2 für jeden Steuerzahler wird allgemein als zu niedrig befunden und auf Mk. 6 erhöht. Einen wesentlichen Teil der Beratung nimmt die Frage der Einrichtung einer rituellen Verpflegung in der Idiotenerziehungsanstalt in Idstein in Anspruch. Die bisher von Frankfurt aus gepflogenen Verhandlungen mit der Verwaltung in Idstein sind sehr ermutigend. Es soll zunächst eine genaue Statistik über Bedürfnis und Notwendigkeit dieser Einrichtung aufgestellt werden und für die Kosten soll eventuell eine im Landesverbande autonom arbeitende Zentralkasse sorgen."   
 
Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. September 1924: "Frankfurt a. M. Eine rituelle Abteilung ist der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof, Idstein i. Th., angegliedert. Nähere Auskunft über alle Einzelheiten erteilt der Landesverband für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau, Langestr. 30."   
 
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 2. Oktober 1924: "Idstein. In der hiesigen Heil-Erziehungsanstalt (Idiotenanstalt) für alle Konfessionen befinden sich z. Zt. ca. 40 Israelitische Zöglinge, deren Zahl immer mehr zunimmt. Dieselben stammen aus allen Teilen Deutschlands, einige auch aus Galizien und Litauen. Schon lange war es der Wunsch mancher Angehörigen, eine rituelle Speisung der jüdischen Zöglinge herbeizuführen. Verschiedene Frankfurter Herren, wie der leider so früh verstorbene Dr. Grombacher, Rabbiner Dr. J. Horovitz und andere waren in den letzten Jahren eifrig nach dieser Richtung bemüht. Ihr Streben war endlich mit Erfolg gekrönt. Am 1. Tage Slichos (sc. im Monat Elul Vorbereitung für die Hohen Feiertage) ist die rituelle Küche in stiller Weise eröffnet worden. Für die vermögenden Zöglinge zahlen die Angehörigen die erhöhten Kosten selbst, während für die übrigen einige Frankfurter Wohltätigkeitsvereine die Beiträge leisten. "     
 
Artikel in "Der Israelit" vom 7. Mai 1925: "Heilerziehungsanstalt Kalmenhof in Idstein.
In dem auch an sich sehr beachtenswerten Jahresberichte der obengenannten Anstalt lesen wir über die Versorgung jüdischer Zöglinge folgendes: 'Als bemerkenswerteste Neueinrichtung des abgelaufenen Jahres dürfte die am 21. September 1924 eröffnete rituelle Küche anzusehen sein. Damit ist ein langjähriger Wunsch der Eltern unserer jüdischen Zöglinge in Erfüllung gegangen. Auf Kosten des Landesverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Frankfurt a. M. wurde die halbverfallene ehemalige Pensionärküche in dem Zwischenbau zwischen Pensionat und Herrenhaus wieder aufgebaut und mit einer neuzeitlichen Kücheneinrichtung versehen. Hier wird von jüdischem Personal nach den strengen Vorschriften ihres Glaubens für die jüdischen Zöglinge gekocht und gegessen. Der Vorstand der Anstalt hat durch diese Einrichtung gezeigt, dass es ihm ernst ist mit der Ausübung wirklicher Toleranz, nicht in dem Sinne einer Verwischung der religiösen Eigentümlichkeiten und des Aufgehens des konfessionellen Lehrgutes in einem allgemeinen religiösen Bildungsbrei, sondern in der Achtung und gegenseitigen Anerkennung der religiösen Eigenart, wohl wissend, welche starken erziehlichen Kräfte ge­rade für Schwachsinnige in der Ausübung des religiösen Kultus ruhen. Wir freuen uns, feststellen zu dürfen, dass uns aus der paritätischen Zusammensetzung unserer Zöglinge und unseres Personals noch niemals Schwierigkeiten erwachsen sind. Es ist damit der Beweis geliefert, dass ein einträchtiges Zusammenleben und Zusammenwirken in engstem Raume auch dann möglich ist, wenn jeder seine religiöse Eigenart betont und zur Geltung bringt'."   
 
Stellenausschreibungen einer Wirtschafterin für die jüdische Abteilung im Kalmenhof (1925 / 1927)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1926: "Gesucht streng rituelle, selbständige
Wirtschafterin
für die jüdische Abteilung der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof in Idstein i. T.  Frauen oder Mädchen, die schon in größerem Betrieb tätig waren und gute Zeugnisse aufzuweisen haben, wollen sich bei der Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, Langestr. 30 I. melden."  
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Juni 1927: "Eine tüchtige religiöse
Wirtschafterin
für die jüdische Abteilung der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof in Idstein gesucht. Zeugnisse und Referenzen erbeten an den Landesverband für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau, Frankfurt am Main, Langestr. 30."
 
1928/1931: Erinnerung an den jüdischen Stifter der Einrichtung Charles Hallgarten (geb. 1838 in Mainz - gest. 1908 in Frankfurt)
und 80. Geburtstag seines Mitarbeiters Moses Stern (Frankfurt 1931)

Anm: https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Hallgarten
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. November 1928: "Dem Gedächtnis Charles Hallgartens.
Am 19. November 1838, vor 90 Jahren, wurde der in Frankfurt unvergessene Philanthrop Charles Hallgarten in Mainz geboren. Er war in New Yort Teilhaber des Bankhauses Hallgarten & Co. und ließ sich 1877 dauernd in Frankfurt nieder. In der öffentlichen und privaten Wohltätigkeit wurde er zum Begründer und Förderer zahlreicher Einrichtungen, wie der Aktien-Baugesellschaft für kleine Wohnungen, des Vereins für die Idiotenanstalt in Idstein, des Vereins für Kinderhorte, der Zentrale für private Fürsorge, des Asyls für Obdachlose, der Gesellschaft für Wohlfahrtseinrichtungen. des Bundes für Volksvorlesungen, des Rhein.-Mainischen Verbandes für Volksbildung usw. In hochherziger Weise setzte er sich für die aus Russland vertriebenen Juden ein. Er starb am 19. April 1908 in Frankfurt. Zum ehrenden Gedächtnis hat man eine Straße, eine Schule und einen Wohnblock nach ihm benannt."    
 
Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" 1931 9 S. 31: "80. Geburtstag. Am 26. September 1931 feiert Herr Moses Stern, Julius-Heymanstrasse 6, in seltener Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Sein Name ist untrennbar mit dem des großen Philanthropen Charles L. Hallgarten verknüpft, in dessen Privatdienste er nach zweijähriger Tätigkeit als Sekretär des Israelitischen Hilfsvereins im Jahre 1887 trat und als dessen getreuer Helfer er viel Gutes gewirkt hat. In reger Mitarbeit bei der Zentrale für private Fürsorge hat er dazu beigetragen, der Wohlfahrtspflege Frankfurts den menschlich erfreulichen Stempel interkonfessioneller Haltung aufzuprägen. Auch bei der Gründung der Idiotenanstalt Idstein, des Ausschusses für Volksvorlesungen, des Notstandsaus­schusses im Jahre 1901, sowie bei der Gründung und Führung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus hat er erfolgreich mitgearbeitet. Möge dem verdienten Jubilar noch manches Jahr frohen und gesunden Lebens beschert sein!"  
 
Schließung der jüdischen Abteilung des Kalmenhof (1934/35) 
Mitteilung (auf Grund eines Leserbriefes) im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. Februar 1935: "M. S., Frankfurt a. M. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass seit einiger Zeit im Kalmenhof bei Idstein (Taunus) keine jüdische Abteilung mehr besteht. Wir danken Ihnen für Ihren Hinweis. Von anderer Seite erfahren wir noch, dass die jüdischen Pfleglinge fast ausnahmslos von den Gemeinden zurückgezogen wurden."     

  
   
Mitteilungen zu einzelnen Personen der Gemeinde 
Sally Goldschmidt wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1914)

Idstein Frf IsrFambl 06111914.jpg (14503 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. November 1914: "Idstein. Dem Gefreiten der Reserve Sally Goldschmidt von hier überreichte der Kaiser persönlich das Eiserne Kreuz."

   
Gedenken an den im Krieg gefallenen Leo Lahnstein (1916)   

Anzeige in den "K.C.-Blättern - Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigten Korporationen" Heft März 1916 S. 1: "Ehrentafel.
 Den Heldentod starben fürs Vaterland unsere lieben Kartellbrüder: 
Leo Lahnstein,
cand.med. aus Idstein im Taunus, Ghibelliniae, Vizefeldwebel und Offizierstellvertreter im Reserve-Infanterie-Regiment 249, Ritter des Eisernen Kreuzes, am 23. März 1916..."  

   
Zum Tod von Sanitätsrat Dr. Ferdinand Lahnstein (geb. 1862 in Idstein, gest. 1916 in Wiesbaden) 
Anmerkung: nach dem "Gedächtnisbuch der Großloge" im "Bericht der Großloge für Deutschland" 1917 Nr. 1 S. 11 ist Sanitätsrat Dr. Ferdinand Lahnstein, Mitbegründer der Nassau Loge (eingetreten Wiesbaden 28. Dezember 1890) am 7. März 1862 in Idstein geboren und am 7. November 1916 in Wiesbaden gestorben. 

Artikel  in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 17. November 1916: "Wiesbaden, 10. November. Vergangenen Montag verstarb hier im 54. Lebensjahre an einer Blutvergiftung einer der angesehensten und beliebtesten Ärzte unserer Stadt, Sanitätsrat Dr. Ferdinand Lahnstein. Ans dem nahen Idstein im Taunus stammend, besuchte der Heimgegangene zunächst das Gymnasium in Mainz, um dann in München und Gießen seine Studien zu vollenden. Zunächst wurde er Arzt in Trebur im Ried; dann praktizierte er nahezu dreißig Jahre in unserer Stadt, wo er eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltete. So ward er Begründer und Vorsitzender der Nassau-Loge (U.O.B.B.); besonders am Herzen lag ihm der von ihm begründete und geleitete Verein zur Begründung eines israelitischen Krankenhauses und Schwesternheims e.V., um dessen Zustandekommen, Führung und Förderung er sich hervorragende Verdienste erwarb, und der bereits ein ansehnliches Grundkapital zur Erreichung seiner Ziele angesammelt hat. Was ihm aber besonders hoch angerechnet werden muss, ist, dass er sich - ihm selbst war der Kindersegen versagt - seiner früh elternlos gewordenen Neffen und Nichten in liebevollster Weise annahm. Er fand bei diesem edlen Tun die verständnisvollste und aufopferndste Hilfe seiner edlen Gattin, die sich den verlassenen Kindern als wahre Mutter zeigte. Dass das länger als zwanzigjährige Eheleben des Dahingeschiedenen demgemäß ein äußerst glückliches gewesen, braucht nach dem Gesagten nicht mehr hervorgehoben zu werden. Tief erschüttert hat es den Heimgegangenen, als zwei seiner Neffen, von denen einer den akademischen Beruf wählen konnte, auf den Schlachtfeldern Russlands und Frankreichs den Heldentod fanden. Der stets vielbeschäftigte Arzt fand noch Zeit zu einer ausgedehnten, unentgeltlich ausgeübten Armenpraxis; den armen Kranken war er ein immer bereiter Helfer. - Die stattgehabte Einäscherung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung, an der sich weite Teile der Stadt und Umgegend beteiligten. In der Halle des Krematoriums sprachen Herr Rabbiner Dr. Kober, Herr Moritz Goldschmidt für die Nassau-Loge, Herr Dr. Landsberg für den Verein zur Errichtung eines israelitischen Krankenhauses und Schwesternheims, Herr Auerbach (Frankfurt a. M.) für die Großloge und die Logen Frankfurt, Mainz, Darmstadt, Worms und Hanau. Sanitätsrat Dr. Hackenbruch für den Wiesbadener ärztlichen Verein. Ergreifende Worte im Namen der Freunde fand zuletzt Herr Kaufmann Albert Frank (Wiesbaden). Er schilderte, was weite Kreise an dem Verstorbenen verloren, 'aber die ihm näher standen, denen erscheint in stiller Nachtstunde das milde Auge, das sich schloss, und der Mund, der so versöhnende Worte sprach, er ist verstummt. Aber in der Trauer wollen wir nicht vergessen, dass eine höhere Macht das Maß seines Erdenwallens bestimmt hat, und so rufen wir ihm zu: Ziehe hin in Frieden...'"  

   
Hinweis auf die aus Dornheim stammende und auf dem "Kalmenhof " ermordete Ruth Pappenheimer (1925-1944)   

Ruth Pappenheimer ist 1925 in Dornheim geboren als Tochter des nach der Deportation ermordeten Julius Pappenheimer und der Martha geb. Noll-Hussong und wurde 1944 auf dem Kalmenhof in Idstein ermordet. Über ihr Leben und ihre Ermordung durch den Psychiater Hermann Wesse auf dem Kalmenhof (in der NS-Zeit Zwischenanstalt für die NS-Tötungsanstalt Hadamar) berichtet der Wikipedia-Artikel "Ruth Pappenheimer".       

  
Über Felix Lahnstein 

Felix Lahnstein war letzter Gemeindevorsteher der jüdischen Gemeinde in Idstein. Er war im städtischen Leben völlig integriert, u.a. aktives Mitglied des Turnvereins. Er konnte nach Amerika emigrieren, wo er 1958 gestorben ist.   

  
Kurze Mitteilungen:
-  Verlobung von Felix Lahnstein (Idstein) mit Selma geb. Herz (Villmar) ("Israelitisches Familienblatt" vom 7. September 1922 S. 5)
-  Trauung von Eduard Strauß (Idstein) mit Lilli Geisner (Breisach i.B.) ("Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main, 1927 8 S. 18)
-  Tod von Samuel Polack in Idstein ("Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main", 1928 8 S. 382)   
-  Trauung von Otto Grünebaum (Idstein) mit Lissy Strauss (Langen) (Juli/August 1931 "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" 1931 Nr. 9 S. 26)
-  Bar Mizwa-Feier von Erich Oppenheimer aus Idstein in der Hauptsynagoge in Frankfurt (Herbst 1932; "Gemeindeblatt der israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main", 1932 12 S. 101)
-  Verlobung von Jenny Lissauer (Lübeck/Hamburg) mit Karl Blum (Idstein) ("Israelitisches Familienblatt" vom 12. April 1934 S. 15)  
-  Tod von Sara Lehrer geb. Luel (Idstein), 32 Jahre alt ("Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main", 1934 9 S. 25) 
-  Tod von Abraham Rosenthal, 50 Jahre alt (Idstein) ("Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main", 1935 2 S. 76)
-  80. Geburtstag vom Johanna Vogel geb. Oppenheimer am 8. April 1936 (Idstein) ("Israelitisches Familienblatt" vom 9. April 1936 S. 15)
 
 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Direktor Schwenk sucht Lehrstellen für jüdische Jungen (1896 / 1898)

Anmerkung: Direktor Johann Jacob Schwenk war seit 1888 der Leiter des Kalmenhofes (s.o.) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1896: "Gesucht für einen intelligenten israelitischen Jungen eine kaufmännische Lehrstelle oder eine solche bei einem Friseur. Bedingung ist: rituelle Beköstigung, am liebsten im Hause des Prinzipals. Näheres durch Direktor Schwenk, Idstein i. T."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1898: "Gesucht für einen aus der Schule entlassenen 14 jährigen, israelitischen intelligenten Jungen eine Lehrstelle bei einem Friseur. Näheres bei Direktor Schwenk, Idstein im Taunus."   

  
Anzeige - Stellensuche für ein jüdisches Mädchen - von Moritz Goldschmidt (1896) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1896: "Tüchtiges israelitisches Mädchen, welches das Kleidermachen perfekt erlernt hat, sucht eine Stelle als Kinderfräulein oder als besseres Mädchen. Offerten sind zu richten an
Moritz Goldschmidt,
Idstein
(Nassau)."   

  
Anzeige von Frau B. Morgenthal (1902)      

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 31. Juli 1902: "Suche ein Mädchen oder eine Witwe von 30—40 Jahren mit bescheidenen Ansprüchen zur Führung eines kleines Haushaltes.
Familienanschluss.
Frau B. Morgenthal, Idstein
."   

   
Anzeige - Lehrlingssuche - von D. Lahnstein, Getreide- und Futtermittelgeschäft (1902)
  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. August 1902: "Lehrling gesucht.
Für mein Getreide- und Futtermittelgeschäft suche einen Lehrling aus guter Familie. Kost und Logis im Hause. Baldiger Eintritt erwünscht.
D. Lahnstein, Idstein
(Nassau)."   

      
Anzeige - Lehrlingsstellensuche für seinen Sohn - von Isak Grünebaum (1915)  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. Februar 1915:
"Für meinen kräftig entwickelten Sohn, 14 Jahre alt, suche
Lehrstelle. Bevorzugt Eisenwaren, Schuhwaren oder Getreide, möglichst mit Pension. 
Isak Grünebaum  Idstein im Taunus." 

  
Anzeige von Frau B. Wolf (1917)  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1917:
"Ältere alleinstehende Dame sucht nicht zu junges
Mädchen.

Würde, wenn damit zufrieden, dieses später bedenken. Angebote erbeten durch
Frau B. Wolf - Idstein im Taunus."    

  
Anzeigen - Stellensuchen für seinen Sohn - von Bernhard Goldschmidt (1920)    

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. August 1920: "Für meinen Sohn, 18 Jahre alt, der seine 3jährige Lehrzeit jetzt beendet bat, suche Ich per 1. Oktober eine Stelle
in einem Manufaktur- oder Konfektionsgeschäft, wenn möglich Kost u. Logis im Hause. 
Gefällige Zuschriften erbeten an
Bernhard Goldschmidt Idstein i. T.
, Rodergasse 9."     
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. November 1920: "Suche für meinen Sohn eine
Stelle als Verkäufer

in einem Manufakturwaren- oder Konfektionsgeschäft. Gefällige Zuschriften erbeten an
Bernhard Goldschmidt Idstein i. T.
"   

  
Anzeige - Stellensuche für seine Tochter - von D. Löwenstein I (1927)  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. Mai 1927: "Suche für meine 16-jährige Tochter,
welche Handels- und Realschule besucht hat,
Stelle

in einem feinen, streng religiösen Hause. Dieselbe ist schon gut angelernt und möchte sich gerne im Geschäft sowie im Haushalt nützlich machen. Familienanschluss sowie ein kleines Taschengeld erwünscht.
D. Löwenstein I Idstein im Taunus,
Veilenmühlweg."   

    
Verlobungsanzeige für Martha Strauss und Hugo Löwenstein (1927)      

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1927:
"Martha Strauss  -  Hugo Löwenstein

Verlobte
Norheim (Nahe)  -  Idstein (Taunus) 
Juli 1927" 

   
Hugo Löwenstein sucht eine Schabbat-Lampe (1929)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1929:
"Aus Privathand eine gut erhaltene
Schabbat-Lampe
zu kaufen gesucht.
Hugo Löwenstein Idstein im Taunus."
  

   
Frau von H. Löwenstein suchte Unterstützung im Haushalt (1932) 

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1932:
"Junges, gebildetes Mädchen, höhere Schulbildung. in bürgerlichem Haushalt erfahren, sucht Stelle als Haustochter oder in kleinem rituellen Haushalt als Alleinmädchen. Gefällige Offerten an Frau H. Löwenstein Idstein im Taunus, Löhergasse.

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge                  
   
Zunächst (17./18. Jahrhundert) war vermutlich ein Betsaal in einem der jüdischen Häuser vorhanden. 
   
1789 beantragte die Gemeinde bei den Behörden den Erwerb eines Hauses zum Umbau in eine Synagoge. Das Gesuch wurde abgelehnt mit der Begründung, man wolle zu der "seit einiger Zeit ohnehin sich begebenden Vermehrung (der Juden) nicht beitragen. 1793 konnte dann doch eine Synagoge erbaut werden. Das Gebäude wurde mehrfach renoviert beziehungsweise umgebaut, u.a. 1843, 1846, 1875 (teilweise Neubau), 1888 und 1898 ("gründliche Renovierung", u.a. Einführung der elektrischen Beleuchtung statt der bisherigen Petroleumlampen). 
  
Der im Obergeschoss befindliche Betraum hatte 40 Plätze für Männer, 18 für Frauen. Das Frauenabteil befand sich etwas erhöht gegenüber dem Männerabteil. Im Erdgeschoss befand sich ein Gemeindezimmer und das rituelle Bad. 
  
Am 7. August 1921 wurde an der Nordseite des Betraumes durch den Wiesbadener Rabbiner Dr. Paul Lazarus eine Gedenktafel mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Gemeindeglieder eingeweiht. Auf ihm standen die Namen von sechs Gefallenen aus Idstein und zwei Gefallenen aus Esch.       
  
Letztmals wurde die Idsteiner Synagoge noch 1935 renoviert.   
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und verwüstet, das Inventar und Mobiliar zerschlagen und auf dem Marktplatz verbrannt. Im Dezember 1938 ging das Gebäude - völlig unter Wert - in nichtjüdischen Besitz über. Der Käufer hatte bereits im Hof eine Schrotmühle und wollte die Synagoge zum Wohnhaus umbauen, um näher an seinem Betrieb wohnen zu können. 
  
Nach 1945 wurde das Gebäude als Mehrfamilienwohnhaus benutzt. Es befindet sich seit Jahren in einem schlechten baulichen Zustand. Eine Gedenktafel zur Erinnerung an Felix Lahnstein und die ehemalige Synagoge befindet sich an dem alten Fachwerkhaus mit Gastwirtschaft an der Ecke der Felix-Lahnstein-Straße. Im August 2011 wurde vor dem Gebäude eine Bodentafel angebracht (siehe Bericht unten).   
 
Versuche der Stadt Idstein, das sanierungsbedürftige Haus zu kaufen, scheiterten zunächst. Im Dezember 2025 erwarb die Stadt Idstein das Grundstück Felix-Lahnstein-Straße 1 mit der ehemaligen Synagoge. Nach dem Erwerb soll die Verwaltung in Abstimmung mit der Denkmalpflege und dem Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen ein Nutzungskonzept sowie eine Kostenschätzung für eine denkmalgerechte Sanierung vorlegen.   
    
    
Adresse/Standort der SynagogeFelix-Lahnstein-Straße 1 (die Felix-Lahnstein-Straße ist die ehemalige "Judengasse", die 1934 in "Hintere Borngasse" umbenannt wurde; nach 1945 Benennung nach dem letzten jüdischen Gemeindevorsteher). 
    
   
    
Fotos
(Quelle: Altaras s. Lit. 1988 S. 178; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 21.6.2016) 

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 
im September 1985 
Idstein Synagoge 110.jpg (61102 Byte)  
     
     
Idstein Synagoge 8770.jpg (76671 Byte) Idstein Synagoge 8772.jpg (76171 Byte) Idstein Synagoge 8771.jpg (83052 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in der Felix-Lahnstein-Straße 1 im Juni 2016    
Das obige Foto in höherer Auflösung      
     
Erinnerungen an den letzten
 Gemeindevorsteher Felix Lahnstein
Idstein Synagoge 8767.jpg (160384 Byte) Idstein Synagoge 8767a.jpg (67739 Byte) Idstein Synagoge 8768.jpg (133609 Byte)
  Straßenschild
 "Felix-Lahnstein-Straße"  
Gedenktafel am Eingang der Felix-Lahnstein-Straße mit 
Hinweis auf die ehemalige Synagoge in der Nr. 1 
     

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

November 2008: Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag 
Artikel von Beke Heeren-Pradt am 17. November 2008 in der "Idsteiner Zeitung" (ArtikelEnde jüdischen Lebens in Idstein 
Gedenkveranstaltung auf dem König-Adolf-Platz am Volkstrauertag 
Idstein. Trauer und Gedenken - unter dieser Überschrift steht der Volkstrauertag, an dem die Geschichte der Weltkriege mit ihren millionenfachen Opfern, mit dem Leiden der Bevölkerung in allen Ländern Europas die deutsche Gegenwart einholt. 

Das Jahr 2008 markiert runde Jahreszahlen des Gedenkens: 90 Jahre Ende des 1. Weltkrieges, 70 Jahre Reichspogromnacht. Bedeutende Daten, die in Idstein die Idee reifen ließen, eine besondere Veranstaltung zum Volkstrauertag vorzubereiten - und sie auch an einem besonderen Ort stattfinden zu lassen. Es war mitten auf dem König-Adolf-Platz, vor dem Rathaus der Stadt, wo sich Feuerwehr, Bläsergruppe, Vertreter von VdK und dem Bund der Vertriebenen gemeinsam mit Vertretern der Stadt und der Kirchengemeinden und einer nicht allzu großen Zahl interessierter Bürger versammelte, um der Opfer der Kriege zu gedenken, aber in diesem Jahr ganz besonders der Opfer der Reichspogromnacht, die am 9. November 1938 mit dem Brand der Synagogen, der Verwüstung und Plünderung jüdischer Geschäfte, mit der Erniedrigung und Verschleppung Tausender deutscher Juden den Anfangspunkt setzte für die spätere systematische Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung...."   A
  
November 2008: Ein früherer Idsteiner Pfarrer bemängelt den Zustand der Idsteiner ehemaligen Synagoge 
Artikel im "Main-Rheiner - Idsteiner Zeitung" vom 19. November 2008 (Artikel): "Ort des Gedenkens?   
mu. Idstein. Zu Beginn seiner achtjährigen Tätigkeit als Gemeindepfarrer in Heftrich Mitte der siebziger Jahre war Friedrich Wilhelm Siebert, heute Pfarrer im Ruhestand, bei einem Spaziergang durch die Idsteiner Altstadt das Fehlen eines Hinweises auf die ehemalige Synagoge aufgefallen. Vor wenigen Tagen, aus Anlass des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht im November 1938, bemängelt der evangelische Geistliche erneut den Zustand des einstigen jüdischen Gotteshauses in der Idsteiner Borngasse..."   
 
März 2009:  Gedenktafel für die ehemalige Synagoge soll angebracht werden   
Artikel im "Main-Rheiner - Idsteiner Zeitung" vom 16. März 2009 (Artikel): 
Eine Gedenktafel für die Synagoge? Idsteiner SPD-Fraktion will einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten. 
IDSTEIN (
red) . Die Idsteiner SPD-Fraktion will den Magistrat beauftragen, in den Pflasterbelag vor dem Haus Felix-Lahnstein-Str. 1 in Idstein eine Gedenktafel einzulassen, die daran erinnert, dass sich an dieser Stelle bis zum Jahr 1938 eine jüdische Synagoge befand..."   
  
Januar 2011: Eine Bronzetafel soll alsbald an die Synagoge erinnern   
Artikel von Volker Stavenow im "Wiesbadener Tageblatt" vom 21. Januar 2011 (Artikel):  
"Idstein. Bronzetafel erinnert an Synagoge
IDSTEIN. GESCHICHTE Hinweis in Felix-Lahnstein-Straße

In Idstein kam es 1938 unter der Nazi-Diktatur so, wie in vielen anderen deutschen Städten auch: Die Synagoge in der Altstadt wurde am 9. November von den Nationalsozialisten zerstört, das jüdische Leben kam in Idstein zum Erliegen..."    
   
April 2011: Neue Forschungen zur Geschichte der Idsteiner Synagoge von Christel Lenz   
Bei ihren Recherchen für ein Buch der Historischen Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen ist Heimatforscherin Christel Lentz auf interessante Details im Zusammenhang mit der Idsteiner Synagoge gestoßen. In dieser Woche beschäftigt sich die Idsteiner Zeitung in einer Serie vorrangig mit diesem Gebäude, weiteren jüdischen Einrichtungen in Idstein sowie der 'Judengasse'.  
Artikel von Christel Lentz im "Wiesbadener Tagblatt" vom 5. April 2011 (Artikel): "Lesefinger und Schofarhörner
IDSTEIN. ERINNERUNGEN Die Ausstattung der Idsteiner Synagoge. 
Das in der ersten Folge dieser Serie erwähnte kleine Wohnhaus, in dem der jüdische Eigentümer der Gemeinde zu Kultuszwecken einen Raum zu Verfügung stellte, wurde etliche Male umgebaut. Ein bedeutender Umbau, der von der Straßenseite durch das höhere Obergeschoss ablesbar ist, erfolgte 1846/47. Das alte Obergeschoss wurde durch ein höheres ersetzt und ein neuer Dachstuhl gezimmert, die zahlreichen Räume zu einem einzigen zusammengefasst..."    
 
Artikel von Christel Lentz im "Wiesbadener Tagblatt" vom 6. April 2011 (Link): "Für 60 Pfennig bronziert
IDSTEIN. ERINNERUNGEN Handwerker in der Synagoge / Gedenktafel für Gefallene 1921 eingeweiht
In den Jahren 1880, 1888, 1898 und 1902 sind durch die hier erstmals ausgewerteten Manuale des Idsteiner Maler- und Tüncherbetriebs Johann Winkler Innenarbeiten in der Synagoge nachweisbar, die einen detaillierten Überblick geben über Gestaltung und Farbgebung der verschiedenen Räume. Seither fehlte die archivalische Überlieferung für diesen Zeitraum. 
Im Erdgeschoss lagen Vorplatz, Gemeindezimmer und Badezimmer mit Abort, im Obergeschoss der Betsaal.1880 wurden der Vorplatz, das Gemeindezimmer und das Badezimmer ausgebessert und an Decken und Wänden einzelne Stellen verputzt. Im Gemeindezimmer erhielten die Wände einen blauen Leimfarbanstrich, im Badezimmer wählte man gelbe und für den Vorplatz grünliche Leimfarbe. Sämtliche Decken wurden geweißt, Fenster mit Fensterfutter und Türen teils silbergrau, teils gelb mit Ölfarbe gestrichen. Weiter sind aufgeführt ein Kesseldeckel und eine Pumpe, die einen grünen Anstrich erhielt..."         
 
Fortsetzung zu "neuere Forschungen..." von Christel Lenz
Artikel von Christel Lentz" im "Wiesbadener Tagblatt" vom 7. April 2011 (Artikel): "Die Judengasse war kein Ghetto
IDSTEIN. ERINNERUNGEN Die unterschiedlichen Namen der Felix-Lahnstein-Straße in Idstein
Die Vergabe und Benutzung von bindenden Straßennamen war in Idstein offenbar nicht zwingend notwendig: Jeder Idsteiner wusste genau, in welchem Haus wer wohnte und konnte ortsunkundigen Fremden Auskunft geben. 
Die heute Felix-Lahnstein-Straße genannte Straße liegt im Stadtzentrum Idsteins und datiert in ihrem Altbaubestand aus dem 17./18. Jahrhundert. Der früheste in einer Skizze von 1721 festgehaltene Straßenname ist 'Vordere Borngasse', während der Name der östlichen Parallelstraße mit 'Hintere Borngasse' angegeben wird. Maßgebend bei dem Zusatz 'vordere' und 'hintere' war offenbar die Entfernung zum Rathaus (vgl. die frühere Vordere und Hintere Kirchgasse)..."    
     
Fortsetzung zu "neuere Forschungen..." von Christel Lenz    
Artikel von Christel Lentz im "Wiesbadener Tagblatt" vom 8. April 2011 (Artikel): "Steinerne Zeugen
IDSTEIN. ERINNERUNGEN Jüdische Einrichtungen in Idstein / Vom Friedhof bis zum Heim 

Ursprünglich bestattete die israelitische Kultusgemeinde Idstein, zu der auch die in Esch wohnenden Juden zählten, ihre Toten auf ihrem Friedhof in Esch. 1887 konnte die Gemeinde einen Friedhof, umgeben von einer Bruchsteinmauer und ausgangs des Tiergartens an der Landstraße nach Esch gelegen, errichten. Die erste Beerdigung erfolgte Ende September 1887. 
Im Jahr 1938 wurde der Friedhof verwüstet, die Grabsteine im nahen Wald verstreut. Dieser jüdische Friedhof in Idstein wurde 1942 vom Kalmenhof gekauft und 1945 an die jüdische Vermögensverwaltung zurückgegeben. Die wieder zusammengetragenen Grabsteinreste und -sockel hat man an den Innenseiten der Friedhofsmauer aufgestellt; aus weiterem Grabsteinbruch wurde ein Mahnmal errichtet..."  
   
Fortsetzung zu "neuere Forschungen..." von Christel Lenz      
Artikel von Christel Lentz im "Wiesbadener Tagblatt" vom 9. April 2011 (Artikel): "Gebetsrollen in Flammen 
IDSTEIN. ERINNERUNGEN Das Novemberpogrom und die Zeit danach. 

Am frühen Morgen des 10. November 1938 wurde die Tür der Synagoge auf Geheiß von ortsfremden SA-Männern gewaltsam geöffnet. Lokale Parteigenossen hatten sie zuvor davon überzeugen können, dass die geplante Brandstiftung in der Synagoge infolge der engen Bebauung die gesamte Altstadt in Mitleidenschaft ziehen würde. Im Folgenden wurden sämtliche beweglichen Gegenstände des Betsaales durch die Fenster auf Hof und Straße geworfen. Eine dort versammelte größere Menschenmenge hat das Mobiliar weiter zerschlagen, Trümmer, Gebetsrollen und Bücher auf einen zweirädrigen Karren geladen, auf den nahe gelegenen Marktplatz gefahren und dort verbrannt..."   
 
August 2011: Neue Bodentafel zur Erinnerung an die Synagoge und ihre Zerstörung     
Artikel von Volker Stavenow im "Wiesbadener Tageblatt" vom 17. August 2011 (Artikel): "Idstein - Erinnerung an grauenvolle Taten. 
MAHNUNG Bodentafel in der Felix-Lahnstein-Straße weist auf Zerstörung der Idsteiner Synagoge hin
'Heute ist ein guter Tag, denn durch diese Tafel erinnern wir an die Opfer der Vergangenheit. Jeder dieser Menschen hatte einmal eine Geschichte und eine Zukunft. Ich jedenfalls hoffe, dass Besucher Idsteins hier stehen bleiben, diese Tafel lesen und sich so an die jüdischen Mitmenschen erinnern. Ich kann mir beim Blick in die Stadt gut vorstellen, dass die jüdischen Menschen damals gerne in Idstein gelebt haben.'..."   
 
Mai 2015: Nachfahren der Idsteiner Familie Kahn kommen zu Besuch nach Idstein 
Artikel von Volker Stavenow im "Wiesbadener Tageblatt" vom 16. Mai 2015: "Idstein. Familie Kahn auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren in Idstein
IDSTEIN -
Für deutsche und israelische Menschen ein hochemotionaler Moment am Freitag vor dem Haus in der Rodergasse 6 in der Idsteiner Altstadt: Yoseph und Ahuva, Ehud und Yali sowie Roy Kahn begutachten dort den im Altstadtpflaster eingelassenen Stolperstein, der an ihre während der Nazizeit vertriebenen oder ermordeten Vorfahren erinnert. Begleitet werden die Nachfahren von Bürgermeister Christian Herfurth, dem Historiker Gerhard Buck, der Idsteiner Stadtarchivarin Claudia Niemann, Stadtverordnetenvorsteher Hans-Egon Baasch, SPD-Chef Marius Weiß und anderen interessierten Idsteinern.
Die Angereisten sind Sohn und Enkelsohn von Kurt Kahn. Der Bruder des im Holocaust ermordeten Julius Kahn hat nach einem Überfall durch Nazis bereits 1933 seine Heimat Idstein verlassen und war nach Palästina geflohen. Julius, Erna und die erst neunjährige Bertel Lore Kahn wurden 1942 in den Konzentrationslagern Sobibor und Majdanek ermordet. Im Haus der Rodergasse Nummer 6 lebten die Kahns. Und: Ihre Linie lässt sich über 300 Jahre in Idstein zurückverfolgen.
Aufwendige Recherchen. 'Ich bin sehr aufgeregt, mehr von meinen Ahnen hier in Idstein zu erfahren und die Stadt kennenzulernen. Ich verstehe zwar etwas Deutsch, aber ich kann es nicht gut sprechen', sagte Yoseph Kahn, während er in den von den Idsteiner Geschichtsforschern recherchierten Stammbaum seiner Familie blickte und in den Forschungsergebnissen von Niemann und Buck blätterte, die die beiden Historiker im kleinen Büchlein 'Die Familien Kahn und Grüne-baum in Idstein – Opfer von Vertreibung und Holocaust' niedergeschrieben haben.
'Wir waren bereits 2001 in Idstein, um unsere Familienwurzeln zu suchen und hatten den Wunsch, das Haus unserer Ahnen zu finden. Damals klappte das nicht so gut, aber jetzt haben wir Hilfe durch Sie aus Idstein. Wir freuen uns sehr, dass wie heute hier sein können. Es ist sehr schön, dass sich Ihre Stadt mit Ihren Bürgern an unsere Familie erinnert', sagte Roy Kahn, Sohn von Yoseph und Ahuva. Sein Bruder Ehud, der mit Ehefrau Yali aus der Schweiz nach Idstein gekommen war: 'Es ist einfach wunderbar, dass Herr Buck uns über seine Forschungen informiert und uns nach Idstein eingeladen hat. Für unsere Familie ist das heute ein wichtiger Moment.'
Seit dem 18. Jahrhundert. 'Am 15. Mai vor über 300 Jahren kam die Familie Kahn nach Idstein. Und Sie sind heute am 15. Mai 2015 zu uns nach Idstein gekommen. Es gibt also eine lange Linie Ihrer Familie in Idstein', sagte Gerhard Buck. Durch den Besuch der Kahns werde die Geschichte der Familie greifbar. 'Sie haben mit Ihrer Familie eine lange Historie hier in Idstein, und Ihre Geschichte ist ein Teil der Idsteiner Geschichte.'
'Sie sind jetzt zurück in der Stadt Ihrer Vorfahren. Der Krieg ist seit 70 Jahren vorüber, der Nationalsozialismus lange vorbei. Idstein hat sich seit dieser unsäglichen Zeit sehr verändert, ist eine ganz andere Stadt geworden. Sie sind uns hochwillkommen. Nach dem Krieg hat Idstein viele Flüchtlinge aufgenommen und nimmt auch heute weiter Vertriebene auf', sagte Bürgermeister Christian Herfurth. Seine Stadt arbeite die Geschichte der jüdischen Familien in Idstein auf. 'Wir wollen dafür sorgen, dass die Schicksale der Idsteiner jüdischen Familien, die aus unserer Stadt flüchten mussten oder ermordet wurden, nicht vergessen werden.' Herfurth machte klar, dass Idstein heute weltoffen und tolerant ist. Die jüdischen Gäste besuchten nach einem offiziellen Empfang im Rathaus, die Ausstellung im Stadtmuseum 'Sieben Steine, sieben Leben', die über Idsteiner Juden informiert, unternahmen einen geführten Stadtrundgang und besuchten auf dem Friedhof die Gräber ihrer dort beerdigten Vorfahren." 
Link zum Artikel   
   
2014 - 2025: Verlegung von "Stolpersteinen" in Idstein    
Aus der Website der Stadt Idstein: "Stolpersteine 
In der Hochschulstadt Idstein erinnern Stolpersteine und eine Stolperschwelle an die Opfer des Nationalsozialismus. Die erste Stolpersteinverlegung in Idstein wurde 2014 von Schülerinnen und Schülern initiiert und gestaltet.
Derzeit erinnern vor sieben Häusern in Idstein-Kern solche Steine an 27 jüdische Menschen mit unterschiedlichsten Schicksalen: Einige wurden ermordet, einige nahmen sich das Leben, wieder anderen gelang die Flucht. Die Recherchen für die Verlegungen fanden jeweils in einer Kooperation des Stadtarchivs mit verschiedenen Schulen statt: der IGS Wallrabenstein, der Pestalozzischule und der Limesschule. Dreimal wurde von Schülerinnen und Schülern eine begleitende Ausstellung zusammengestellt, eine Broschüre zu den Schicksalen der Idsteiner Familie Kahn und Grünebaum ist im Rahmen der ersten Verlegung erschienen.
Bisher wurden folgende Steine verlegt:
2014: Rodergasse 6 für Julius, Erna und Bertel-Lore Kahn    -   Borngasse 18 für Herta, Hedwig und Julius Grünebaum sowie Eugenie Goldschmidt
2019: Schlossgasse 6 für Jonas Blum    -   Wiesbadener Straße 22 (Fußweg Veitenmühlweg) für David, Bertha und Ruth Löwenstein
2023: Löhergasse (vor Stadtbücherei) für Hermann, Selma und llse Löwenstein   -   Weiherwiese 27 für Felix, Selma, Margot, Selma und Rudolf Lahnstein sowie Eduard Herz
2025: Lautzstraße 3 für Josef, Grete, Senta, Margot, Gerda, Myrtil und Joel Hes
2024 wurde außerdem eine Stolperschwelle für die Opfer des Kalmenhofes im Zufahrtsbereich der Einrichtung im Veitenmühlweg eingelassen. Im Gegensatz zu den Stolpersteinen, die Einzelschicksale von Opfern an ihrem letzten freiwillig gewählten Wohnort sichtbar macht, wird mit der Stolperschwelle am Tatort der Verbrechen vieler Opfer zugleich gedacht, die aufgrund ihrer Vielzahl nicht namentlich aufgeführt werden können. Wie bei den Stolpersteinverlegungen wurden auch hier Schülerinnen und Schüler in die Vorbereitungen einbezogen. Sie haben sich mit einzelnen Opferbiographien auseinandergesetzt und die Verlegung der Stolperschwelle mitgestaltet." 
Link zum Artikel in der Website der Stadt  
 
November 2025: Vortrag über das Schicksal der Lehrerfamilie Hes  
Pressemitteilung der Stadt Idstein vom 23. Oktober 2025: "Das Schicksal der jüdischen Familie Hes
Die Idsteiner Stadtarchivarin Britta Vogel und Martina Hartmann-Menz vom Verein 'Gedenkort Kalmenhof' erzählen im Rahmen der Veranstaltungsreihe 'Aktiver Herbst' am Mittwoch, den 5. November 2025, um 16.00 Uhr im Gerberhaus von Grete Hes, die seit 1934 mit ihrem Mann Josef und dessen Kindern in der Idsteiner Lautzstraße 3 lebte. Dort betrieb sie bis zur Pogromnacht 1938 eine Einrichtung für psychisch erkrankte jüdische Menschen. Anschließend floh die Familie nach Frankfurt und ihre Lebenswege trennten sich. Grete Hes hat in einer Filmdokumentation ausführlich über die Geschehnisse 1938 berichtet. Im Rahmen des bebilderten Vortrages zeichnen die Referentinnen die Lebenswege der Familie sowie das Schicksal von Patientinnen und Patienten der Einrichtung in der Lautzstraße nach. Ergänzt wird der Vortrag von einer biografischen Ausstellung."  
Link zur Pressemitteilung  

     
       
Links und Literatur

Links:   

bulletWebsite der Stadt Idstein 
bulletZum Kalmenhof: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalmenhof   
bulletVerschiedene Angelegenheiten der jüdischen Kultursgemeinde Idstein, 1813-1886: https://lagis.hessen.de/resolve/de/qjg/717 
bulletWebsite www.idstein-gedenkt.de 

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 407-409.  
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 178-179. 
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 144.
bulletGerhard Buck: Die jüdischen Idsteiner, 1648-1806. 1988.   Über den Autor (2008 Träger des German Jewish History Award). 
bulletders. und Abraham Frank: Die Familien Eschenheimer und Nachmann. 2003.   
bulletUte Hartter / Alfred Roth / Elsche Strauß-Wilts: Die Reichspogromnacht 1938 in Idstein. 1988.   
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 299-302.    
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 362-363. 
bulletWerner Marzi: Judentoleranz im Territorialstaat der Frühen Neuzeit. Judenschutz und Judenordnung in der Grafschaft Nassau - Wiesbaden - Idstein und im Fürstentum Nassau - Usingen (= Schriften der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen; Bd. XVI). Wiesbaden 1999. 
bulletErinnerungsblatt - erstellt im "Aktiven Museum Spiegelgasse" Wiesbaden zur Erinnerung an die Idsteiner Familie des Viehhändlers Max Kahn und seine Frau Bertha geb. Hamburger sowie den fünf Kindern (pdf-Datei, interner Link). 
bulletMonica Kingreen: In wenigen Minuten war alles zerstört. Die Familie Lahnstein in Idstein und die Ausschreitungen beim Novemberpogrom 1938, in: Jahrbuch Rheingau-Taunus Kreis 2013, S. 99-103.  

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Idstein  Hesse-Nassau. David Gruenhut was appointed district rabbi in 1709 and the Jews opened a synagogue in 1793. Numbering 75 in 1871 and 112 (3 % of the total) in 1923, the community was affiliated with the rabbinate in Wiesbaden. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue's interior was destroyed, but most Jews had already emigrated. Jewish youngsters at the local home for retarded children were subjected to Nazi "euthanasia" in Hadamar.  
    
     

                   
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Stand: 31. Januar 2026