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Miltenberg (Kreisstadt,
Unterfranken)
Jüdische Geschichte / Synagogen
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis 1803 zum Erzstift Mainz
gehörenden Stadt Miltenberg werden Juden seit der Mitte des
13. Jahrhunderts genannt. Sie lebten insbesondere vom Geldverleih und der Erhebung des
erzbischöflichen Zolles. Ihr Wohngebiet wird als "Judenstadt" genannt
(1361). Die Gemeinde wurde während der Judenverfolgung in der
Pestzeit 1348/49 zerstört. Der Besitz der Juden fiel an das Erzstift. Nach den
Verfolgungen sind 1383 wieder wenige Juden in der Stadt bezeugt. 1429 dürften vier
oder fünf jüdische Familie in der Stadt gelebt haben. Damals wurden mehrere
jüdische Häuser geplündert und die Juden zwecks Steuererpressung
eingekerkert. Eine letzte Nachricht über Juden in der mittelalterlichen Stadt
stammt von 1464. 1631 erfolgte eine vorübergehende Vertreibung.
Im Laufe des
18. Jahrhunderts nahm die Zahl der Juden in der Stadt wieder zu. 1789 gab
es neun jüdische Haushaltungen in der Stadt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1803 50 jüdische Einwohner, 1837 70 (2,3 % von insgesamt 3.010
Einwohnern), 1867 76 (2,4 % von 3.208), 1880 109 (3,0 % von 3.683), 1900 106
(2,8 % von 3.802).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Miltenberg auf
insgesamt 16 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Isaac Bamberger
(Handelsmann), Jacob Bamberger (Handelsmann), Leser Moises Oppenheimer
(Handelsmann), Simon Levi Stern (Handelsmann), Hirsch Stern (Handelsmann),
Abraham Seligmann Klingenstein (Viehhandel), Henlein Rothschild (Handelsmann),
Löw Dinkelmann (Pferdehandel), Samson Jacob Krautfelder (Kleinkrämer), Hirsch
Bernheimer (Viehhandel), Veist Bernheimer (Viehhandel), Aron Lehmann
(Kleiderhandel), Samuel Moses Schlessinger (Vieh- und Warenhandel), Jacob
Liebmann Hirsch (Vieh- und Warenhandel), Moses Jacob Bettigheimer (Metzger),
Baer Löw Oppenheimer (Viehhandel).
Auch nach der Mittel des 19. Jahrhunderts lebten mehrere jüdische Familien in
der Stadt vom Vieh- und Pferdehandel, andere
jüdische Einwohner waren als
Kaufleute Inhaber von Einzelhandelsgeschäften unterschiedlicher Art
(Textilhandlungen, Zigarrenhandlung, Schuhhandlung).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.),
eine Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Aufstellung unten). Die
Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat in Aschaffenburg.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier
Siegfried Massenbacher (geb. 11.6.1886 in Miltenberg, vor 1914 in Niederwerrn
wohnhaft, gef. 15.7.1918) und Emanuel Böttigheimer (geb. 3.9.1872 in
Miltenberg, vor 1914 in Kippenheim, Baden wohnhaft, gest. an der
Kriegsverleitung 5.6.1919).
Um 1925 (98
jüdische Gemeindeglieder) gehörten dem Synagogenvorstand die Herren Elias
Fried und Leopold Rothschild an. Als Lehrer war Abraham Hess tätig. Er erteilte damals
17 jüdischen Kindern an öffentlichen Schulen Religionsunterricht. An jüdischen
Vereinen bestanden
eine Chewra Kadischa (Beerdigungs- und Wohltätigkeitsverein), eine Chewra
Noschim (Frauenverein, Wohltätigkeitsverein), eine Ortsgruppe des
Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und ein
Synagogenchorverein unter Leitung von Leo Dahlheimer. 1932 war erster
Gemeindevorsitzender Paul Liebreich, 2. Vorsitzender Wohlgang Dahlheimer. Lehrer
Hess unterrichtete auch im Schuljahr 1932/33 noch 17 Kinder. Für diese war eine
Schülerbibliothek eingerichtet.
1933 lebten 99 jüdische Personen in der Stadt (2,1 % von insgesamt 4.663
Einwohnern). Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung in
den folgenden Jahren schnell zurück. 1938 wurden noch 50 jüdische
Einwohner gezählt, 1939 35, 1940 16, Anfang 1942 noch elf Personen. Im April
und September 1942 wurden die
letzten jüdischen Miltenberger deportiert.
Von den in
Miltenberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Siegmund Ahrend (1890),
Clementine Boettigheimer (1875), Leo Boettigheimer (1886), Flora Dahlheimer geb.
Kahn (1897), Leopold Dahlheimer (1885), Martin Dahlheimer (1931), Rosa
Dahlheimer geb. Solinger (1895), Wolfgang Dahlheimer (1889), Alfred Emanuel (1892), Rudolph Falk
(1919), Johanna Falkenstein geb. Dahlheimer (1881), Elias Fried (1875), Emilie Fried (1878),
Josef Grünebaum (1902), Bella Berta Hess (1923), Siegfried Salli Hess (1930),
Leon Heymann (1863), Nanny Hirsch geb. Klingenstein (1868), Bertha Mannheimer
geb. Schloss (1875), Martha Martczak geb. Oppenheimer (1919), Adolph Marx
(1892), Friedrich Marx (1888), Mira Marx (1894), Manfred Moritz (1921), Maximilian Moritz
(1882), Oskar Moritz (1887), Rosa Moritz geb. Königsberger (1892), Paula
Nussbaum geb. Cahn (1899), Martha Oppenheimer geb. Oppenheimer (1919), Emma
Schuster geb. Oppenheimer (1886), Erna Simons geb. Fried (1906), Fanni Simons
geb. Mosbacher (1862), Gerd (Gust) Simons (1936), Otto Simons (1903), Adolf
Julius Stargardter
(1881), Frieda Stargardter geb. Dahlheimer (1882), Irma (Irene) Ullmann geb.
Selig (1899), Betty Weichsel (1907), Ernstine Weichsel geb. Halle (1877).
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 /
1891 / 1896 / 1907 / 1920
Anmerkung: Die Lehrer wechselten in Miltenberg sehr häufig. Von
1818 bis 1938 waren in Miltenberg tätig, einige Lehrer, die nur wenige Monate
am Ort waren, bleiben ungenannt: Löw Neumann (1818-1826), Leser (Lazarus)
Oppenheimer (1826-1836), Mose Schloß (1839-1841), Wolf Strauß (1844 genannt,
vermutlich Vertretung von Kleinheubach
aus), Joseph Sachs aus Rödelmaier (1845-1846), Levi Bergmann (1847-1848), Hajum
Heinemann aus Poppenlauer (1850-1859), Salomon Heilmann aus
Maßbach
(1860-1863), Hirsch Hirsch (1864-1866), Ephraim Wolf (1866-1868), vor oder um
1870 Samuel Adler (siehe Bericht auf der Seite zu Laudenbach),
Simon M.
Frießner aus Ermershausen (1871-1876, genannt in Anzeige von 1876
unten),
Samuel Massenbacher (1876-1891, danach in Niederwerrn), Salomo
Stern (vorher in Burgsinn, 1891-1896), David
Sonn aus Theilheim (1897), Marx Rosenbaum aus
Theilheim (1898-1906), Max (Meier)
Kissinger (1906-1907), Hermann Translateur (1907-1920), Abraham Heß
(1920-1938).
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1876:
"Offene Lehrerstelle. Durch das leider erfolgte Ableben unseres
bisherigen Lehrers, Herrn S. M. Frießner, wurde die Lehrerstelle
in hiesiger Gemeinde vakant. Dieselbe trägt bei freier Wohnung einen
fixen Gehalt von 560 Mark und inklusive Schächten ein Nebengefälle von
ca. 400 Mark. Ganz besonders wird noch bemerkt, dass bei Fleiß und
Strebsamkeit noch ganz bequem ca. 1.000 Mark Nebenvierdienste erzielt
werden können. Reflektanten willen gefällige Offerten mit Referenzen an
M. Schlesinger, Vorster der israelitischen Kultusgemeinde in
Miltenberg am Main richten, der auch jede weitere Auskunft erteilt." |
| Auf obige Ausschreibung bewarb sich
erfolgreich Samuel Massenbacher, der bis 1891 blieb und dann nach
Niederwerrn wechselte. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1891:
"Die hiesige israelitische Religionsschulstelle, verbunden mit
Vorsänger- und Schächterdienst, ist durch einen tüchtigen, ledigen
Lehrer sofort zu besetzen.
Gehalt Mark 650 Fixum, Nebenverdienste einschließlich des
Schächterdienstes ca. Mark 500.
Qualifizierte Bewerber wollen ihre Offerten unter Vorlage der Zeugnisse
dem Unterzeichneten einsenden.
Miltenberg am Main. L. Böttigheimer, Kultus-Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1896:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters
in hiesiger Gemeinde ist baldigst, längstens 1. März 1897, neu zu
besetzen. Fixes Gehalt Mark 700. Nebeneinkommen inklusive Schechita auch
ca. Mark 700. Qualifizierte Bewerber wollen sogleich ihre mit Zeugnissen
belegten Gesuche an den Unterzeichneten richten.
Miltenberg am Main, Dezember 1896,
L. Böttigheimer, Kultusvorstand." |
| Auf obige Ausschreibung bewarb sich
erfolgreich David Sonn aus Theilheim. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1907:
"Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle der
Kultusgemeinde Miltenberg soll, wegen Versetzung des Herrn Lehrers
Kissinger, bald wieder besetzt werden!
Das fixe Einkommen beträgt bei schöner freier Wohnung mit Garten 800
Mark. Nebeneinkünfte mit Schächterfunktion 500 bis 600 Mark und sind
noch weitere Nebenverdienste in Aussicht.
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnisabschriften baldigst der königlichen
Distriktsschulinspektion in Weilbach bei Miltenberg einsenden." |
| Auf obige Ausschreibung bewarb sich in der
Nachfolge des in der Anzeige genannten Lehrers Kissinger
erfolgreich Hermann Translateur. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1920:
"In Miltenberg am Main ist die Stelle des Religionslehrers,
Kantors und Schochets alsbald neu zu besetzen. Festgehalt 3000 Mark,
garantiertes Nebeneinkommen 1000 Mark, die Vergütungen für den
Religionsunterricht an den beiden Mittelschulen und auswärtige
Dienstentschädigungen nicht eingeschlossen, sodass das Gesamteinkommen
neben freier Dienstwohnung mit kleinem Hausgarten 5-6000 Mark betragen
wird. Religiöse Bewerber mit selbständigem Haushalt wollen ihre Gesuche richten
an den Vorstand der Kultusgemeinde W. Grünstein." |
| Nachstehende Anzeige hat Hermann Translateur
nach seinem Weggang veröffentlicht. Hintergrund ist, dass es zwischen ihm
und der Gemeinde einen Streit wegen seines Gehaltes gegeben hat. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Februar 1920:
"Kollegen! Reflektanten auf die vakante Stelle in Miltenberg wenden
sich im eigensten und kollegialen Interesse an den bisherigen
Stelleninhaber um Rat und Auskunft.
H. Translateur, Neustadt a.H." (= Neustadt
a.d. Weinstraße). |
Schülerpension von Lehrer Abraham Hess (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1925: "Schülerpension.
Knaben, welche die Volks- und Mittelschulen besuchen wollen, finden
liebevolle Aufnahme bei streng religiöser Erziehung, gewissenhafte
Beaufsichtigung und beste Verpflegung. A. Heß, Lehrer, Miltenberg
am Main." |
Die
Erziehungs- und Unterrichtsanstalt von Abraham Hirsch (1864-1866)
Vorbemerkung: Abraham Hirsch (geb. 1839 in Poppenlauer,
Studien in Haßfurt, Würzburg und Berlin mit Ausbildung zum Rabbiner) gest.
1885 in Burgpreppach) hat in Miltenberg 1864 eine "Erziehungs- und
Unterrichtsanstalt" eröffnet. Diese sollte zu einer Vorbereitungsschule
für die Israelitische Lehrerbildungsanstalt werden. Ein Grund für die
Eröffnung der Schule in Miltenberg war, dass hier Abrahams älterer Bruder
Hirsch Hirsch (geb. 1831 in Poppenlauer) bereits als Lehrer tätig war.
Allerdings starb Hirsch Hirsch bereits am 3. August 1866 in Miltenberg an der
Cholera, die durchziehende preußische Soldaten in der Stadt hinterlassen
hatten. Das führte zum schnellen Ende der Schule in Miltenberg. Im Oktober 1866
verlegte Abraham Hirsch die Schule nach Mainstockheim. Gemeinsam mit Abraham
Hirsch war Institutslehrer in Miltenberg wie auch in Mainstockheim der spätere
Rabbiner in Kitzingen Immanuel Adler (aus
Laudenbach). Seit 1875 war Abraham
Hirsch als Nachfolger seines Schwiegervaters Rabbiner in Burgpreppach und
eröffnete hier eine Talmud-Tora-Schule, die er erfolgreich bis zu seinem Tod am
19. November 1885 geleitet hat.
Eröffnung der Erziehungs- und Unterrichtsanstalt von
Abraham Hirsch (1865)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1865: "Miltenberg
am Main (Bayern). In der Überzeugung, dass Sie, geehrtester Herr
Redakteur, sowohl für Sich selbst als für die Leser Ihres geschätzten
Blattes das größte Interesse daran haben, von Zeit zu Zeit Mitteilungen
über Fortschritte und Entstehungen wichtiger religiöser Institute im
Judentums zu erhalten, will ich Ihnen etwas Derartiges auch aus unserem
Städten berichten.
Hoffentlich werden Sie dies umso lieber in Ihr geschätztes Blatt
aufnehmen, da hierdurch manchem gesetzestreuen Israeliten aus einer
großen Verlegenheit geholfen werden kann, wenn er erfährt, wo und wie er
seinen Kindern einen gründlichen Unterricht in hebräischen und profanen
Kenntnissen angedeihen lassen kann und gleichzeitig sie aber auch in
solchen Händen weiß, wo er über deren religiöses und sittliches Leben
außer aller Sorge sein kann.
Am 1. November vorigen Jahres eröffnete der in weiteren Kreisen als
gelehrter und strebsamer Mann bekannte Rabbinatskandidat Herr Abraham
Hirsch aus Poppenlauer eine
Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt für Knaben auf hiesigem Platze, die
jetzt schon, noch im I. Semester, 30 Zöglinge von 9 bis 15 Jahren
zählte. Außer einem gründlichen Unterricht in der deutschen Sprache,
Geographie, Geschichte, Kalligraphie, Rechnen, Naturwissenschaft,
Zeichnen, Gesang, Gymnastik, französischen und englischen Sprache, für
welche beide letztere vom April an ein geborener Franzose, der den
größten Teil seiner Studien in England machte, gewonnen ist, erhalten
die jüdischen Zöglinge einen besonderen gründlichen Unterricht in der
hebräischen Sprache, Pentateuch mit den Geboten Gottes, in den
historischen und poetischen Büchern des Kanon, Besserbefähigte erhalten
Mischnah- und bis jetzt 7 Zöglingen Gemara-Unterricht. Es ist ein wahres
Vergnügen zu sehen, wie selbst die sonst wildesten Knaben mit der
größten Freude und Liebe zu ihren Lehrern in die Schule eilen und mit
welchem Eifer sie bei ihrem Zurückkommen aus derselben sich an ihre
Hausaufgaben machen. - Schreiber dieses, von dem selbst 3 Knaben diese
Anstalt besuchen, hat tagtäglich Gelegenheit, sich von dem segensreichen
Wirken derselben zu überzeugen; wünscht daher von Herzen, dass sie durch
vielseitigen Besuch frequentiert werde, und dass dadurch die Direktion
ihre wohlverdiente Würdigung und Anerkennung finden möge. E.
Mosbacher." |
Prüfungen an der Erziehungs- und Unterrichtsanstalt (1865)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1865: "Vom
Main. Am 25. dieses Monats fand die erste Prüfung an der, im vorigen
Jahre zu Miltenberg am Main durch den geprüften Rabbinats- und
Lehramtskandidaten Herrn A. Hirsch begründeten Erziehungs- und
Unterrichtsanstalt, unter Leitung einer königlichen Prüfungskommission
und in Gegenwart der städtischen Honoratioren statt.
Das Ergebnis ar nicht nur ein befriedigendes, sondern wurde sowohl von der
königlichen Prüfungs-Kommission als von allen Anwesenden als ein
ausgezeichnetes anerkannt; namentlich waren es die vorzüglichen
Forschritte der Schüler in den neueren Sprachen, welche den besten
Einruck machten.
Aber was den Berichterstatter ganz besonders veranlasst, diese Anstalt
bestens zu empfehlen, ist der echt jüdisch religiöse Geist, welchen den
Zöglingen einzupflanzen, der Vorstand der Anstalt sich eifrigst bestrebt
und der gründliche Religions-Unterricht, welcher in derselben erteilt
wird. Hierfür liefert die Prüfung, welche der Distrikts-Rabbiner Adler
von Aschaffenburg am 27.
Nachmittags und 28. dieses Monats Vormittags abhielt, die erfreulichsten
Beweise. Sämtliche Schüler erhielten gründlichen Unterricht in Tanach
(Bibel), Gebote Gottes, Chai Adam, die mittleren in Mischnajot
und die Befähigteren in Gemara. Es lieferte somit diese Anstalt den neuen Beweis dafür, dass wahrhaft wissenschaftliche Bildung mit echt
jüdischer Frömmigkeit und gründlichem Religionsunterricht verbunden
sein kann.
Möge der Himmel dieser Anstalt seinen Segen spenden und sie eine
Pflanzschule für die israelitische Jugend werden lassen." |
Die Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt wird nach Mainstockheim verlegt (1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1866:
"Aus Unterfranken. Es ist gewiss für jeden gesetzestreuen israeliten
höchst erfreulich, einer Pflanzstätte des Wissens zu begegnen, in
welcher der Lehre von Talmud und Tora, verbunden mit respektvollem
Umgang gewissenhaft Rechnung getragen wird.
Eine solche ist die von Miltenberg nach Mainstockheim
am Main verlegte
Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt für Knaben des Instituts-Direktors
Abraham Hirsch. Dieser, ein sehr gelehrter Mann von edlem Charakter, hat
mehrere tüchtige Lehrkräfte für seine Anstalt gewonnen, sodass in
derselben Bibel, Mischna und Gemara, die neueren Sprachen und die
gemeinnützigen Lehrgegenstände mit aller Gründlichkeit unterrichtet
werden. Der Distrikts-Rabbiner Herr Abraham Adler in Aschaffenburg hatte
bereits, wie er sich darüber aussprach, mehrmals Gelegenheit, sich genau
zu überzeigen, welch ein vortrefflicher Geist des religiösen Lebens, der
Ordnung und des Fleißes in dieser Anstalt herrscht.
Es ist mit derselben ein Pensionat verbunden und Alle, welche ihre Kinder
diesem Institute anvertrauen, können sicher sein, dass die Zöglinge die
beste Behandlung und Beaufsichtigung genießen." |
| Über die weitere Geschichte des
Institutes siehe bei Mainstockheim,
von wo in den 1870er-Jahren das Institut nach Burgpreppach verlegt und
dort als Präparandenschule weitergeführt wurde. |
links: Lebenslauf von Rabbiner Dr. Abraham Hirsch nach seinem Tod -
Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1885;
hier wird auch die Zeit in Miltenberg erwähnt. |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Nachruf auf den Buchbindermeister Wolf Klingenstein
(1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 27. November 1902: "Nachruf! Am 2. Sukkottag
starb zu Miltenberg am Main der ehemalige Buchbindermeister Herr Wolf
Klingenstein im 72. Lebensjahre. Derselbe war Vorsteher des Wohltätigkeitsvereins
Gemilut Chasodim. Auch war er lange Jahre Baal Tokea (Schofarbläser)
seiner israelitischen Gemeinde. Er hinterlässt sowohl in seiner Gemeinde
als auch in weitesten Kreisen einen sehr guten Namen. Es trauern um ihn
seine hochbetagte Gattin, sowie 4 Söhne und 3 Töchter, die alle in
seinen Wegen wandern. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens. Amen. S. Weikersheimer, Lehrer." |
Zum Tod von Mayer Selig (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1909: "Miltenberg,
6. Juli (1909). Nach kurzem schweren Leiden starb hier Herr Mayer Selig
im Alter von 52 Jahren. In welchem weitgehenden Maße sich der
Verblichene in seinem Leben die Hochachtung und Verehrung der weitesten
Kreise erworben hat, das hat die allgemeine Teilnahme, die sein
Hinscheiden hervorrief, sowie die ungewöhnlich rege Beteiligung bei der
Beerdigung, deutlich gezeigt. Mit Herrn Selig, der kurze Zeit Vorsteher
der hiesigen Gemeinde war, scheidet wieder eine typische Persönlichkeit
aus dem altjüdischen Gemeindeleben, die hier ein Menschalter hindurch
nach verschiedenen Richtungen hin eine segensreiche Tätigkeit enthaltet
hat auf dem Gebiete humaner Bestrebungen ohne Unterschied der Konfession
einerseits, und andererseits nach echter jüdischer Art Zedokoh und
Gemiluth Chesed (Wohltätigkeit) geübt hat. Die Teilnahme des
hiesigen katholischen Waisenhauses, welches in dem Entschlafenen einen
Freund und Gönner verliert, zeigte sich in rührender Weise darin, dass
die Waisenkinder dem Verstorbenen das letzte Ehrengeleite gaben. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Spende des Tabakhändlers Klingenstein (1916)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. Juni 1916:
"Miltenberg. Tabakhändler Klingenstein in London hinterließ
für jüdische Wohlfahrtszwecke in Miltenberg 40.000 Mark und in London
150.000 Mark." |
Zum Tod von Willy Grünstein - langjähriger Kassier,
dann Vorsteher der Gemeinde (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1921: "Miltenberg,
5. Dezember (1921). Am 29. November ist Herr Willy Grünstein im
Alter von 51 Jahren nach einem arbeitsamen und gesegneten Leben zur ewigen
Ruhe heimgegangen. Er war das leuchtende Vorbild eines tief in
Gottesfurcht und Liebe zur Tora wurzelnden Jehudi, eines Mannes, der in
rastloser Arbeitskraft und unermüdlicher Schaffensfreude es verstand, die
Wertschätzung seiner Mitmenschen zu erreichen und ein Haus zu gründen,
das einem Heiligtum glich. Beinahe 20 Jahre stand er im Dienst der
Kultusgemeinde, um die sich der Selbstlose zuerst als Kassierer und dann
als Vorstand große Verdienste erworben hat. Viele Behörden und ein
großer Teil der hiesigen Bevölkerung gaben ihm das letzte Geleite; ein
Zeichen dafür, welchen Ansehens sich der Verstorbene erfreute. An der
Bahre schilderte Distriktsrabbiner Dr. Breuer, Aschaffenburg,
was die Gemeinde und die Gesamtheit an dem Verblichenen verliere. In tief
bewegten Worten brachte Herr Lehrer Heß die Teilnahme der ganzen
Gemeinde zum Ausdruck. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Goldene Hochzeit von Ehepaar Siegfried Moritz (1927)
Mitteilung
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 11. Februar 1927: "Am 19. Februar
feiern Herr Siegfried Moritz und seine Gattin in Miltenberg am Main
das seltene Fest der goldenen Hochzeit." |
Zum Tod von Samuel Marx (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1927: "Miltenberg,
20. Mai (1927). Am vergangenen Sonntag wurde Samuel Marx unter starker
Anteilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung zu Grabe
geleitet. Der Verstorbene, der ein Alter von 72 Jahren erreichte,
entstammte einer guten jüdischen Familie aus Mittelsinn
und kam schon in jungen Jahren hierher, wo er Zeit seines Lebens die
Ideale des überlieferten Judentums hochhielt. Am Grabe zeichnete Herr
Lehrer Heß ein Lebensbild des Dahingeschiedenen, dankte im Namen der
Kultusgemeinde dem treuen Mitglied und langjährigen Vorstand für die
erwiesenen Dienste und richtete herzliche Trostworte an die
Hinterbliebenen. Sodann nahm Herr Hauptlehrer Gundersheimer - Brückenau
im Namen der Verwandten in innigen Worten von dem geliebten Oheim
Abschied. Ein treues Andenken wird dem Verblichenen hier stets bewahrt
bleiben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum Tod von Marianne Sichel geb. Prölsdörfer (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1928: "Miltenberg,
1. Juli (1928). Am 3. Tamus (= 21. Juni 1928) verschied hier im
vollendeten 73. Lebensjahre Frau Marianne Sichel geb. Prölsdörfer. Mit
der Familie trauert unsere Gemeinde um den Verlust dieser seltenen Frau.
Schlicht und bescheiden hat sie gelebt. Allen Äußerlichkeiten abhold,
fand sie als wahrhafte wackere Frau Glück und Zufriedenheit in den
sogenannten 4 Ellen ihres häuslichen Wirkungskreises. Nicht nur im Kreise
ihrer Angehörigen, sondern auch bei all denen, die sie kannten, wird ihr
Andenken ein gesegnetes bleiben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund
des Lebens." |
Zum Tod von Herz Löb Rosenstock (1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1929: "Miltenberg,
13. März (1929). Ein Mann von seltenen Charaktereigenschaften hat am Erew
Rosch Chodesch (12. März 1929, Vortag von dem 1. Adar Scheni), einen
Tag vor seinem achtzigsten Geburtstage, seine edle Seele ausgehaucht: Herz
Löb Rosenstock. Von nah und fern war man herbeigeeilt, ihm das letzte
Geleite zu geben, und mit Recht konnte Herr Rabbiner Dr. Breuer -
Aschaffenburg in seinem zwar in Anbetrachte des Rosch HaChodesch kurzen,
aber inhaltsreichen Nachrufe vor dem Trauerhause betonen, das mit ihm
einer von den Jehudim alten Schlages aus unserer Mitte gegangen sei, wie
man sie heute leider nicht allzu oft antrifft. Tief innerliche
Frömmigkeit, unbedingte Redlichkeit und Ehrlichkeit in Handel und Wandle
seien ihm zu eigen gewesen, und er, der es verstanden habe, sein Leben
erfolgreich zu gestalten, habe niemals vergessen, dass nicht der Erwerb
von Gütern allein den Zweck des Lebens ausmache. - Der Verstorbene wurde
auf seinen Wunsch in seiner Familiengrabstätte in Reistenhausen
beigesetzt. Die Bewohner sämtlicher Ortschaften, in welchen er gelebt und
gestrebt hatte, waren beim Passieren des Leichenzuges sichtlich von
tiefster Trauer erfüllt, ein Beweis, welch hohen Ansehens er sich bei
Juden und Nichtjuden erfreute. Am Grab sprach Herr Lehrer Heß -
Miltenberg, welcher erwähnte, wie glücklich er sich schätzte, dass er
diesen Mann, von welchem er bereits in seiner Jugend so vieles gehört
hatte, in späteren Jahren kennen lernen durfte. - Möge sein Geist
weiterleben und sein Verdienst allen denjenigen, welche ihm nahe standen,
beistehen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Goldene Hochzeit von Israel Dahlheimer und seiner Frau
(1929)
Artikel
in der Zeitung des Central-Vereins ("CV-Zeitung") vom 18.
Oktober 1929: "Unsere langjährigen Mitglieder Israeli Dahlheimer
und Frau in Miltenberg feiern am 19. Oktober die goldene Hochzeit. Wir
wünschen dem Jubelpaare einen glücklichen Lebensabend" |
Lotte Steinberger aus Alsfeld rettet ein Mädchen vor
dem Ertrinken (1932)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1932: "Miltenberg
am Main, 26. Juli (1932). Eine schöne und mutige Tat hat dieser Tage
die hier bei ihrer Großmutter zu Besuch weilende 9jährige Lotte
Steinberger, das Töchterchen des Vorstehers der Israelitischen Gemeinde
in Alsfeld vollbracht. Sie bemerkte in
der städtischen Badeanstalt, dass ein 5jähriges Mädchen in einem unbeaufsichtigten
Augenblick in das große Bassin gefallen war und sah, wie das Kind mit dem
Tode rang. Sie sprang nach und zog das Kind glücklich aus dem Wasser
heraus. Die hiesige Lokalzeitung zollt der mutigen Lebensretterin warme
Anerkennung." |
Anzeigen jüdischer
Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Weinhandlung Emanuel Lindheimer (1895)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1895: "Koscher
(auch) zu Pessach. Selbstgekelterte Trauben-Weine à 50 bis 75
Pfennig, Rotweine à 1 Mark per Liter empfiehlt
Em. Lindheimer, Miltenberg am Main." |
Anzeigen des Manufaktur- und Modewaren-Geschäftes sowie Bank- und
Wechselgeschäftes von M. Selig (1900 / 1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1900: "Lehrlings-Gesuch.
In meinem Manufaktur-, Modewaren-, Bank- und Wechselgeschäft ist die
Stelle eines Lehrlings zu besetzen. Nur junge Leute mit guter Schulbildung
wollen sich melden.
M. Selig, Miltenberg am Main." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1900: "In
meinem Manufaktur- und Modewaren-Geschäft ist die Stelle eines Verkäufers
zu besetzen. Nur durchaus tüchtige junge Leute mit guten Zeugnissen
wollen sich melden.
Für Frühjahr 1901 ist auch eine Lehrlingsstelle bei mir zu
besetzen.
M. Selig, Miltenberg am Main." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901: "Suche
für mein Manufaktur-, Modewaren- und Bankgeschäft zum 1. Oktober einen Lehrling
und einen angehenden Commis.
Nur befähigte Bewerber mit guter Schrift wollen sich melden.
M. Selig, Miltenberg am Main." |
Anzeige des Kleineisenwarengeschäftes en gros und en
detail E. Halle (1903)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 30. April 1903:
"Für mein an Samstag und israelitischen Feiertagen geschlossenes
Kleineisenwaren-Geschäft, engros und details suche per sofort
einen
Lehrling
mit guter Schulbildung, aus achtbarer Familie.
E. Halle, Miltenberg am Main." |
Lehrlingssuche des Manufaktur- und Modewarengeschäfts E. Mosbacher Nachfolger
(1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1908: "Lehrling.
Israelit aus achtbarer Familie mit guter Schulbildung per sofort oder
später gesucht.
Sonnabend und Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Haus.
E. Mosbacher Nachfolger. Manufaktur- und Modewaren. Miltenberg
am Main." |
Verlobungsanzeige von Paula Grünstein und Hugo Freund (1922)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 26. Oktober 1922:
"Paula Grünstein
- Hugo Freund. Verlobte.
Miltenberg am Main - Nürnberg." |
Verlobungsanzeige für Selma Kahn und Ernst Grünstein
(1929)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1929:
"Statt Karten - Gott sei gepriesen.
Selma Kahn - Ernst
Grünstein. Verlobte.
Karlsruhe in Baden, Kreuzstraße 25 / Höchst im
Odenwald - Miltenberg/Main. April 1929." |
Anzeige des Manufaktur- und Damenkonfektionsgeschäftes E. Fried
(1933)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1933: "Sohn
achtbarer Eltern als Lehrling für sofort gesucht.
E. Fried, Manufaktur und Damenkonfektion. Miltenberg am
Main." |
Sonstiges
Einladung an einen jüdischen Metzger zur
Niederlassung in Miltenberg (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1901: "Miltenberg.
Am hiesigen Platz würde ein jüdischer Metzger, gewandter Mann, dessen
Frau eine gute Wirtschafterin ist, ein gutes Auskommen finden.
Entsprechende Lokalitäten sind leicht erhältlich. Eine damit verbundene
Restauration würde gut rentieren. Es existieren hier höhere Schulen, die
von auswärtigen israelitischen Kindern frequentiert werden. Miltenberg
ist eine schöne Stadt, gesund, und kann sogar als Luftkurort dienen;
dieselbe wird alljährlich von vielen Fremden zu diesem Zwecke
besucht." |
Antijüdische Maßnahmen des Stadtrates
(1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1933: "Miltenberg.
In der letzten Stadtratssitzung in Miltenberg wurde beschlossen, im
Interesse der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung auf der Michaelismesse
vom 2. bis 9. September, die im ganzen Untermainbezirk einen
hervorragenden Ruf genießt, jüdische Händler und Geschäfte nicht
zuzulassen." |
Zur Geschichte der Synagogen
Die
mittelalterliche Synagoge
Die mittelalterliche Synagoge ist
noch erhalten. Ihrem Stil nach wurde sie zwischen 1290 und 1300 erbaut. Ihre
Ausmaße zeigen, dass die Gemeinde nur klein war. Die Synagoge befindet sich am
Nordabhang des Schlossberges auf dem heutigen Areal der Brauerei Kaltloch. Zur
Synagoge gehörte auch eine Frauensynagoge, ein Hof, ein Keller, ein Gang, ein
Garten und ein Brunnen. Im Haus neben ihr, dem "Kleppershaus" wohnte
der "Schulklopfer". Um 1400 wurde die Synagoge vermutlich wieder von
den jüdischen Familien benutzt. 1461 verlieh der Mainzer Erzbischof Diether von
Isenburg das Gebäude dem Priester der Muttergotteskapelle in Miltenberg. Sie
wurde damals - wahrscheinlich seit 1429 - anscheinend nicht mehr als jüdisches
Gotteshaus benützt.
Erst am 10. Januar 1755 konnte die in Miltenberg wieder entstandene jüdische
Gemeinde die alte Synagoge für 310 Gulden zurückkaufen. Bis 1851 war das
Gebäude wieder gottesdienstliches Zentrum der Gemeinde. 1877 wurde das Gebäude
von der jüdischen Gemeinde wieder verkauft.
Standort: Hauptstraße 199/201 (im Hinterhof)
Hinweis zum rituellen Bad: In den vergangenen Jahren
wurde das mittelalterliche Bad in der Löwengasse 1 im Miltenberger
Schwarzviertel freigelegt. Das Tauchbecken der Mikwe ist 1,05 m breit und 1,30 m
hoch. Nach den Bauakten baute man 1910 in der (neuen) Synagoge (s.u.) eine Mikwe
ein. Wann das Haus in der Löwengasse das Bad erhielt, ist noch unklar. Es liegt
12 Stufen tief unter dem 1480 errichteten Fachwerkhaus.
Beschreibung der mittelalterlichen Synagoge von Richard Krautheimer
(1927):
Die Synagoge in Miltenberg ist die kleinste unter den
aus dem Mittelalter erhaltenen; sie misst im Lichten nur 9,20 : 6,20 m, außen
11 : 8 m. Zwei fünfteilige Kreuzrippengewölbe decken den Bau, ihre
Scheitelhöhe beträgt etwa 8 m. Zentrale Tendenzen kommen schon in der
Verwendung der fünften Rippe zum Ausdruck: die vier Seiten des Baues werden
annähernd gleich stark betont; wie an den längeren Seiten die Gurten,
senkrecht auf die Wand treffend, die Mitte bezeichnen, so tun es an den
kürzeren Seiten etwa diese fünften Rippen. Der Ablauf der Joche, ihre
Hintereinanderschaltung kann nicht wirksam werden, die Kraftströme werden nach
der Mitte des Raumes zurückgeworfen. Verstärkt wird die Zentraltendenz durch
das Verhältnis der Raummaße: das ohnehin geringe Übergewicht der Länge über
die Breite wird durch die annähernde Gleichsetzung von Höhe und Länge noch
mehr geschwächt: je höher ein Raum im Verhältnis zu den Maßen seines
Grundrisses ist, desto mehr scheint er in sich geschlossen und zentriert. Heute
ist dies Verhältnis durch das Einziehen eines Zwischenbodens in halber Höhe
vernichtet.
Die Nordmauer des Baues ist fensterlos, an den anderen Seiten sitzen je zwei
schmale spitzbogige Fenster mit steilem Gewände und eingelegtem Nasenbogen. Im
Osten sitzt noch ein Rundfenster über den beiden spitzbogigen; es betont, gegensätzlich
zu der sonst im Raum herrschenden Zentraltendenz, die Richtung nach Osten, auf
den Aron. Es ist auffällig, dass man im Süden, wo der Felsen auf annähernd 2
m an den Bau herantritt, Fenster eingebrochen hat, während sie im Norden
fehlen. Der Eingang ist im Westen, unterhalb des nördlichen der beiden Fenster;
die jetzige Tür ist verändert worden, vielleicht 1603: damals legte man im
Westen einen kleinen Raum vor - sein Tür ist 1603 datiert.
Rippen und Gurte haben das gleiche Profil - ein kräftiger Birnstab, von Kehlen
und Wulsten begleitet. Die Schlusssteine zeigen eine sechsblättrige, der rosa
mystica ähnliche Rosette. Reste des Aron, der früher in der Mitte der Ostwand
unter dem Oculus (= rundes Fenster wie ein Auge) stand, befinden sich jetzt (sc.
1927, mittlerweile im Museum Miltenberg) in der neuen Synagoge. Der spitze
Giebel ist mit einer Blende mit Nasen ausgelegt, innerhalb des obersten Bogens
sitzt eine Rosette. In ihr liegen sieben fünfblättrige Rosen, in der Kehle der
Giebelschenkel dichtgedrängt Weinlaub; auf der Deckfläche dieser Schenkel
kriechen Ahornblätter. Dieses Laubwerk wie die Form der Gewölbeglieder weisen
den Bau ins letzte Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts".
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Fotos:
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| Die
mittelalterliche Synagoge im Gebäudekomplex der Kaltloch Brauerei, vom
Burgaufgang gesehen. Die rechte Ausschnittvergrößerung zeigt links der
Bierkisten eines der Fenster der Ostfassade der Synagoge (Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 19.3.2005). |
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| Zwei
Innenaufnahmen des durch den Einzug einer
Zwischendecke verunstalteten Innenraum der ehemaligen Synagoge (Quelle:
links Neubert S. 6, rechts Stefan Gregor in Debler S. 59). |
Ostwand der Synagoge
(Quelle: Neubert S. 8) |
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| Schnitte
durch den Synagogenbau zur Erläuterung der Beschreibung bei Krautheimer
(s.o.) |
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Im Museum der
Stadt Miltenberg |
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Toraschrein
der neuen Synagoge (s.u.) mit gotischem Giebel des Toraschreins
der
mittelalterlichen Synagoge; rechts auf einem Foto in der Synagoge um 1925
(Quelle: Neuberg S. 15) |
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Vitrine
mit Judaica, links drei Purimteller
aus Zinn, gefertigt von Johann Georg
Klingling (Frankfurt/Main) in der
2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. |
Trägerstein für die
Gebotstafeln,
vermutlich aus der neuen Synagoge
Miltenberg; die
Gebotstafeln
wurden abgeschlagen |
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Link
zu Computer-Simulationen (externer Link zu www.dr-zoeller.de): Die links gezeigte Ansicht ist nur als Computer-Simulation möglich.
Durch die in der ehemaligen Synagoge eingezogene Zwischendecke kann der ursprüngliche
Raumeindruck nicht mehr an Ort und Stelle gewonnen werden.
Computersimulation des Raumeindrucks ursprünglich und
heute: hier anklicken
Video
starten Größe: 3.2 MB.
Die zweite Synagoge (1851 - 1904)
Die mittelalterliche Synagoge befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts in einem
baufälligen Zustand. Eine Reparatur hätte damals etwa 300 Gulden gekostet. Die
jüdische Gemeinde entschloss sich freilich, nachdem ihr eine Kollekte für die
Neueinrichtung einer Synagoge in auswärtigen Gemeinden genehmigt worden war,
zur Einrichtung eines Betsaales in dem 1851 erworbenen Gebäude in der
Riesengasse Nr. 174.
Die neue (dritte) Synagoge (1904 - 1938)
Die Pläne für den Neubau einer Synagoge gehen in die 1880er-Jahre zurück.
1889 wurde ein Synagogen- und Schulhausbau-Verein gegründet. Bis 1895 wurden
2.600 Mark angespart. 1899 konnte von der Stadt ein Grundstück an der
Mainstraße erworben werden. Mit Hilfe zahlreicher Spenden, die auch vor allem
auch von ausgewanderten ehemaligen Miltenberger Juden kamen, konnte 1903 mit dem
Bau begonnen werden. Stadtbaumeister Ludwig Frosch war Bauleiter. Am 16. Juli
1903 war die Grundsteinlegung. Die Einweihungsfeierlichkeiten der Synagoge waren
vom 26. bis 28. August 1904. Die Synagoge wurde 1910 so
beschrieben: "Der Neubau... teilt sich in einen hohen Kuppelbau, welcher
einen geräumigen Tempel mit Empore für Frauen darbietet und nebenan in ein
zweistöckiges Schulgebäude, in dessen Parterreräumen ein Schulzimmer mit
Nebengelass, im ersten Stock eine schöne Dienstwohnung mit drei Zimmern nebst
Küche und Kammer für den Lehrer vorhanden sind. In dem mit Holzmagazin und
Waschküche versehenen Unterraum, in welchem sich auch der ehemalige
Fischerbrunnen befindet, ist zugleich Vorkehrung getroffen, um Bedarfsfall
vielleicht später ein rituelles Bad einrichten zu können" (Beschreibung
von Jakob Josef Schirmer in der Chronik der Stadt Miltenberg. Handschriftlich
1910).
Berichte
zur Geschichte der neuen Synagoge
Beginn des Synagogenbaus (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Juli 1903:
"Miltenberg am Main. Vor einigen Wochen wurde dahier mit dem
Bau einer neuen Synagoge nebst Schullokal und Lehrerwohnung begonnen. Der
rastlosen Tätigkeit des hiesigen Synagogenbauvereins ist es zu verdanken,
dass sich sein Platz ein würdiges Gotteshaus zu errichten, jetzt
verwirklicht. Das Ganze verspricht ein schöner Bau zu werden, der für
alle Zukunft Miltenberg zur Zierde und der hiesigen israelitischen
Gemeinde zur Ehre gereichen wird." |
Kollekte für den Synagogenbau (1904)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember
1904: "Kaiserslautern in der Pfalz, 12. Dezember (1904). Die
Kollekte für den Synagogen-Neubau in Miltenberg hatte im
Regierungsbezirke der Pfalz folgendes Ergebnis: im Rabbinatsbezirke
Dürkheim 156,40 Mark, im Rabbinatsbezirke Kaiserslautern 65,20 Mark, im
Rabbinatsbezirke Landau 110,45 Mark, im Rabbinatsbezirke
Zweibrücken 85,55 Mark, Summa 417,60 Mark." |
Ankündigung der Synagogeneinweihung (August 1904)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1904: "Miltenberg.
Freitag, den 26., Samstag, den 27. und Sonntag, den 28. August findet, so
Gott will, die feierliche Einweihung der neu erbauten Synagoge daselbst
statt." |
Die Einweihung der Synagoge am 26. August 1904
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1904:
"Miltenberg, 5. September (1904). (Einweihung der Synagoge). Die
hiesige israelitische Kultusgemeinde kann auf ein Fest zurückblicken, das
nicht nur wegen seiner Veranlassung als ein höchst bedeutsames und
seltenes betrachtet werden muss, sondern auch in allen seinen Teilen einen
so schönen und wohl gelungenen Verlauf nahm, dass keiner unter den so
zahlreich erschienenen Festgästen unbefriedigt geschieden ist. Es war ein
Fest, auf das die Mitglieder unserer Gemeinde allen Grund haben, stolz zu
sein.
Am Freitag, den 26. August, dem eigentlichen Einweihungstage, versammelte
sich die hiesige Kultusgemeinde um 1 3/4 Nachmittags in ihrem alten
Betlokale, um zum letzten Male von hier aus ihre Gebete zum Himmel empor
zusenden. Die Abschiedsrede, welche Herr Rabbiner Dr. Wachenheimer
während dieser Gottesdienstes hielt, war in warmem und wehmütigfreudigem
Tone gehalten. - Nach Schluss des Gottesdienstes wurden dann die
Torarollen unter Aufsicht des Rabbiners ihrem Verwahrungsorte entnommen,
um zusammen mit den übrigen heiligen Geräten ins neue Gotteshaus
überbracht zu werden.
Vor dem Portale der neuen Synagoge hielt der Vorstand der israelitischen
Kultusgemeinde, Herr S. Moritz, die Festrede.
Hierauf trug das Töchterchen des Herrn Moritz bei der
Schüsselüberreichung an den Herrn Bezirksamtmann Heintz einen Prolog
vor.
Herr Bezirksamtmann Heintz dankte für die ihm erwiesene Ehre in
herzlichen Worten. Herr Distriktsrabbiner Dr. Wachenheimer empfing sodann
den Schlüssel aus den Händen des Herrn Bezirksamtmanns und öffnete
unter den Klängen der Musikkapelle und dem Donner von Böllerschüssen
die Pforte des Gotteshauses.
Der Einweihungsgottesdienst, der nun begann, zeigte schöne Leistungen des
Kantors und Lehrers, Herrn Rosenbaum, sowie des von ihm
ausgebildeten Synagogenchores.
Den eigentlichen Glanzpunkt des Weihegottesdienstes bildete die
Festpredigt des Herrn Distriktsrabbiners Dr. Wachenheimer, die über eine Stunde
währte. Er sprach den zahlreichen Spendern, welche sich um das Gotteshaus
verdient gemacht haben, den Dank im Namen der Religion aus und erörterte
dann in formvollendeter und ausführlicher Weise die Bestimmung des
Gotteshauses, anknüpfend an die Bezeichnung desselben als Bet hakneset:
Haus der Versammlung. - Ein Schlusschor bildete den schönen Abschluss der
erhebenden Feier.
Am Samstag, den 27. morgens 9 Uhr, fand noch ein offizieller
Festgottesdienst statt, bei dem ein jeder einzelne der anwesenden Herren
zur Tora gerufen wurde.
Auch bei diesem Gottesdienste erbaute Herr Distriktsrabbiner Dr.
Wachenheimer die zahlreichen Andächtigen wieder mit einer glanzvollen
Predigt.
Alle übrigen Festlichkeiten waren dem Vergnügen gewidmet und auch sie
nahmen alle den denkbar schönsten Verlauf. Die Reihe wurde eröffnet
durch den am Freitag Abend 8 1/2 Uhr abgehaltenen Festkommers. Hier hielt
der Vorsitzende des Festausschusses, Herr W. Grünstein, eine
Begrüßungsrede, welche in einem begeistert aufgenommenen Hoch auf
unseren Landesherrn endete. Herr Lehrer Rosen- |
baum
gab sodann eine ausführliche Entstehungsgeschichte der neuen Synagoge, in
welcher er besonders des früheren hiesigen Religionslehrers, Herrn
Massenbacher und des verstorbenen Herrn E. Mosbacher gedachte, zweier
Herren, die sich um die Gründung des Synagogenbauvereins die größten
Verdienste erworben haben. Herr Magistratsrat Ed. Schwaab
gratulierte als Vertreter des Herrn Bürgermeisters im Namen der Stadt
Miltenberg der israelitischen Kultusgemeinde zu ihrem großen Erfolge und
gab unter reichem Beifall der Hoffnung Ausdruck, dass der schöne
konfessionelle Friede, wie er in unserem Heimatstädtchen herrscht, stets
aufrecht erhalten bleiben möge. Die israelitische Kultusgemeinde in
Aschaffenburg hatte in Herrn Rechtsanwalt Schottenfels einen
eigenen Delegierten gesandt und ließ durch ihn schöne Worte der
Beglückwünschung und über die schwesterliche Nachbarschaft aussprechen.
Herr Mayer Selig dankte im Namen der Kultusgemeinde den staatlichen und
städtischen Behörden.
Wie der offizielle Teil des Programms ohne jede Störung verlief, so
herrschte auch dank des vorzüglichen Arrangements des tüchtigen
Festkomitees während der verschiedenen Vergnügungen die schönste
Ordnung und Harmonie und wir müssen wiederholen, dass das Fest, auf das
wir nun zurückblicken, in allen seinen Teilen ein wohl gelungenes und
seines Anlasses voll würdiges war." |
Im Ersten Weltkrieg wurde das Kupferdach der Synagogenkuppel freiwillig der
Kriegszwecke zur Verfügung gestellt.
Über besondere Gottesdienste in der Synagoge liegen aus den folgenden Jahren
nur einzelne Berichte vor. 1932 wird von einem Trauergottesdienst für den
verstorbenen Aschaffenburger Bezirksrabbiner Dr. Breuer berichtet:
Trauergottesdienst aus Anlass des Todes von
Bezirksrabbiner Dr. Breuer (1932)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1932:
"Miltenberg, 18. Januar (1932). Am vergangenen Sonntag veranstaltete
die hiesige Kultusgemeinde zu Ehren des verstorbenen Bezirksrabbiners Dr.
Breuer - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - einen
Trauergottesdienst. Nach Gesang und Rezitation des Änosch Kechazir (der
Mensch ist wie Gras...)- Gebetes würdigte Lehrer Heß in einer Ansprache
die überragende Persönlichkeit und das segensreiche Wirken des Entschlafenen,
dessen reines Streben und Wollen oft verkannt wurde, der aber nur Gerechtigkeit,
Wahrheit und Frieden die Tradition seines Hauses und damit das
gesetzestreue Judentum in seinen Gemeinden aufrecht erhalten wollte. - Mit
einem Mischnah-Schiur und dem Lern-Kaddisch endigte die erhebende
Trauerfeier. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens". |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Das Gebäude sollte zunächst nach dem
Willen des Bürgermeisters zugunsten von Parkplätzen abgebrochen werden.
Schließlich wurde nur die östliche Hälfte abgebrochen beziehungsweise nach
dem bis heute erhaltenen Westteil zu einem Wohnhaus umgebaut. Nach Kriegsende
kam das Gebäude in den Besitz der jüdischen Vermögensverwaltung JRSO, die es
zum 1. Januar 1953 wieder an die Stadt verkauft. Es wurde für Behörden und
Institutionen verwendet (u.a. Landpolizei, Arbeitsamt, Kreisjugendring,
Gewerkschaft). 1967 wurde das Gebäude öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben
und ist seitdem in Privatbesitz. Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist nicht
angebracht.
Fotos:
(Quelle für das Foto des Chanukka-Leuchters: Theodor
Harburger: Die Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in
Bayern. Bd. 3 S. 388; Farbfotos: Hahn, Aufnahmedatum: 19.3.2005).
| Historische Ansichten der
Synagoge |
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Blick auf Miltenberg vom Main
(links die
Synagoge) - Karte 1930 verschickt |
Blick auf
Miltenberg mit der Synagoge (auf einer 1936 verschickten Ansichtskarte;
rechts: Ausschnittvergrößerung) |
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| Historische
Ansichten der Synagoge in Miltenberg |
Chanukka-Leuchter der Gemeinde
Miltenberg mit einer Widmung aus dem Jahr 1832 (Aufnahme von 1930) |
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| Neuere Ansichten des
ehemaligen Synagogengebäudes |
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Die
ehemalige Synagoge in Miltenberg - eine Hinweis- oder Gedenktafel
ist
nicht angebracht |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
(Die Berichte wurden von Joachim Braun, Würzburg, zur
Verfügung gestellt)
| Mai 2000:
Rundgang durch das jüdische
Miltenberg |
Artikel
im "Main-Echo" (Ausgabe Aschaffenburg") vom 22. Mai 2000:
"Rundgang durch das jüdische Miltenberg: Erinnerung an drei
frühere Synagogen. Geleitheft von Museumsleiter Neubert. - Vom 13.
Jahrhundert bis zur NS-Zeit.
Miltenberg. Die Geschichte des jüdischen Lebens in Miltenberg, angefangen
vom 13. Jahrhundert bis in die Zeit des Nationalsozialismus, können
Besucher während eines zwei- bis dreistündigen Rundgangs durch die
Kreisstadt nachvollziehen. Eine Broschüre von Hermann Neubert, der das
Museum der Stadt Miltenberg leitet, dient dabei als
Begleiter..." |
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| Februar 2003:
Berichte über die Freilegung einer Mikwe
(rituelles Bad) |
Artikel
im "Main-Echo' (Ausgabe Aschaffenburg) vom Sonntag, 9. Februar 2003:
"Im 'lebendigen Wasser' zur Reinheit. Der Miltenberger Werner Reuling
hat 'im Schwarzviertel' ein Judenbad freigelegt - Zugänglich für die
Öffentlichkeit." |
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Foto
von Manfred Weiß zum obigen Artikel: "Steil, windschief und vier
Stockwerke hoch ragt das alte Fachwerkhaus in der Miltenberger Löwengasse
in die Höhe. Im Keller des Gebäudes soll ein Judenbad der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden." |
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Foto
von Manfred Weiß zum obigen Artikel: "Eine Mikwe hat der
Miltenberger Werner Reuling freigelegt. Sie diente der jüdischen Gemeinde
zu Tauchbädern. Durch dieses Ritual können Menschen und Geräte, so der
jüdische Glaube, einen Zustand der Reinheit erlangen." |
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| November 2008:
Berichte zum Gedenken vor Ort: "70 Jahre
Pogromnacht 1938" |
Artikel
mit Fotos im "Main-Echo" (Ausgabe Aschaffenburg) vom 8./9.
November 2008: "Synagogensturm in Miltenberg: Paul Briscoe,
gebürtiger Engländer, wuchs während des Nationalsozialismus in
Miltenberg auf. In seien Memoiren 'My Friend The Enemy' beschreibt er, wie
er die Reichspogromnacht erlebte. Mit Schulkameraden beteiligte er sich an
der Zerstörung der Miltenberger Synagoge. Damals ließ er sich von der
aufgeheizten Atmosphäre mitreißen. Später bereute er die Taten und
bezeichnet sie als Sünde...." |
Foto
links (Archiv W.O. Keller): "Aus dem Jahr 1942 stammt diese Aufnahme
der zerstörten Synagoge in der Miltenberger Mainstraße. Seit der
Reichspogromnacht waren keine Versuche unternommen worden, das Gebäude
wieder aufzubauen. Aus der Pogromnacht existieren keine
Bilder." |
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| Januar 2010:
Die
mittelalterliche Synagoge soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
werden |
Foto
links: Die älteste Synagoge Deutschlands steht in Miltenberg, wird als Gärkeller für eine Brauerei genutzt. Das soll sich jetzt ändern.
Artikel vom 19. Januar 2010 von Judica Griese in der
"Stadtzeitung" "Aschaffenburg24" vom (Artikel
mit Link zu Video):
"MILTENBERG. Sie ist die älteste erhaltene Synagoge Deutschlands und steht in Miltenberg. Momentan ist sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, denn sie befindet sich hinter den Mauern der Kaltloch-Brauerei. Doch das könnte sich bald ändern.
Synagoge 1290 erbaut. Im Inneren der Synagoge erinnert heute nicht mehr viel an das jüdische Gotteshaus. Das war früher anders. Die Synagoge wurde 1290 erbaut und bis ins 19. Jahrhundert mit kurzen Unterbrechungen von der jüdischen Gemeinde in Miltenberg benutzt. Das Besondere: Aus dieser gotischen Zeit sind in Deutschland nur wenige Gebäude erhalten. Im 18. Jahrhundert hat man die gotischen, engeren Fensterformen der Mode des Barocks angepasst - seitdem sind sie breiter. In der Westwand der Synagoge befinden sich heute noch zwei original gotische Fenster. Im Jahr 1877 wurde die Synagoge von der Brauerei Kaltloch gekauft und als Gärkeller und Lagerraum genutzt.
Wird die Synagoge ein Museum? Der Museumsleiter der Stadt Miltenberg Hermann Neubert sieht in diesem historischen Gebäude eine Verpflichtung: "Die Stadt würde die Synagoge gerne zu einem Teil des Miltenberger Museums machen. Man könnte z.B. einen öffentlichen Zugang von außen über die Schlossgasse schaffen, so dass das Brauereigelände nicht berührt wird." Bis Ende März 2010 wird hier noch Bier gebraut werden. Dann geht die Kaltloch-Brauerei in den Besitz der Eder- und Heylands-Brauerei über. Dann werden die Brauerei-Besitzer entscheiden, ob sie der ältesten Synagoge Deutschlands einen Teil ihres einstigen Glanzes zurückgeben wollen." |
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| März 2011:
Für den Kauf der mittelalterlichen Synagoge
stehen im städtischen Haushalt 50.000 Euro bereit |
Foto
links von Georg Kümmel: Von außen ist der ehemaligen Synagoge am Nordhang des Schlossbergs kaum anzusehen, dass ihr Kern aus dem Mittelalter stammt. Erkennbar ist noch das Rundfenster, das den Gebetsraum
erhellte.
Aus einem Artikel von Sabine Dreher im mainnetz.de vom 31. März 2011 (Artikel):
"Lauter alte Bekannte
Kommunaler Haushalt: Stadt Miltenberg will Begonnenes weiterbringen: Mildenburg, Kinderkrippen, Gemeinschaftshaus
Miltenberg Bereits laufende Projekte zu Ende bringen und andere große Vorhaben erst später angehen - das ist die Strategie des Haushalts 2011, den der Stadtrat Miltenberg am Dienstag verabschiedet hat. Bei den dicken Brocken im Investitionsplan finden sich daher vor allem alte Bekannte aus dem vergangenen Jahr wieder: Die Sanierung der Mildenburg, die Einrichtung zweier Kinderkrippen, der Hochwasserschutz fürs Schwarzviertel und das Wenschdorfer Gemeinschaftshaus.
Bürgermeister Joachim Bieber lobte den Etat als 'soliden Haushalt, der ohne Kraftakt und finanzielle Klimmzüge erstellt
wurde' und der Raum für das lasse, 'was wir gemeinsam für vorrangige Projekte
halten.' Denn dank gut gefülltem Sparbuch lassen sich die Vorhaben ohne Neukredite verwirklichen
.......
Salzsilo und Synagoge... Nach wie vor hofft die Stadt, die ehemalige jüdische Synagoge im Schwarzviertel kaufen zu können. Im Haushalt sind dafür bis zu 50 000 Euro vorgesehen..." |
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| Mai bis Juli 2011:
Ausstellung über die Genisa Veitshöchheim im
Stadtmuseum |
Foto
links von Georg Kümmel: Weil das jüdische Leben in Deutschland während der Nazizeit ausgelöscht wurde, sind die Genisa-Funde eine wichtige Quelle über das Alltagsleben der deutschen Juden. Die Ausstellung aus Veitshöchheim gibt einen Einblick. Die Vitrine, die Museumsleiter Hermann Neubert hier öffnet, dokumentiert den miserablen Zustand vieler Schriften.
Artikel im mainnetz.de vom Mai 2011 (Artikel): "Abgelegt: Zeugnisse jüdischen Lebens
Stadtmuseum: Ausstellung stellt Genisa-Projekt Veitshöchheim vor - Dokumente einer zerstörten Kultur
Miltenberg Zwei ehemalige Synagogen und die Mikwe - ein jüdisches Kultbad - sind die baulichen Zeugnisse jüdischen Lebens in der Kreisstadt. Das Stadtmuseum beherbergt den ältesten bekannten Thoragiebel Deutschlands, die alte Synagoge konnte bis vor kurzem den Titel älteste original erhaltene Synagoge Deutschlands für sich beanspruchen. Dennoch ist über das Leben der Miltenberger Juden wenig bekannt.
Interessante Einblicke über das Alltagsleben der Landjuden in Unterfranken gibt die Ausstellung
'Abgelegt - Genisa-Funde in Unterfranken', die das Stadtmuseum seit heute zeigt. Seit 1998 gibt es in Veitshöchheim ein kulturhistorisches Projekt, das Funde aus den Dachböden jüdischer Synagogen sammelt, sichtet und teilweise auch restauriert. Dabei handelt es sich um Texte und Gegenstände, die nach religiöser Vorschrift nicht zerstört oder weggeworfen werden durften.
Der Begriff bezeichnet nicht die Gegenstände, sondern den Ort der Aufbewahrung.
'Genisa' geht auf hebräische beziehungsweise persische Ursprünge zurück und bedeutet so viel wie Schatzkammer, Aufbewahrungsort für wertvolle Gegenstände.
Ein erster Blick auf die Exponate im Stadtmuseum offenbart jedoch eine gewaltige Diskrepanz zwischen Fundstücken und klingendem Begriff: ein mehrfach gestopfter alter Strumpf, Schuhmumien und Berge von vergilbtem, zerfleddertem, von Mäusen angenagtem Papier.
'Die Funde sind wertvoll, weil sie interessante Einblicke in das Alltagsleben der Landjuden geben', erläutert der Leiter des Stadtmuseums, Hermann Neubert. Strumpf und Schuhe seien keine
'Genisa' sondern tatsächlich Abfall. Aufbewahrungswürdig waren die Schriften - Gebetsbücher, Thorafahnen, hebräische Texte - die es aber vielfach dem dazugelegten Schutt und Müll zu verdanken haben, dass sie überhaupt erhalten blieben.
'In der Reichspogromnacht wurden viele Synagogen zerstört, alle anderen während der Nazizeit aufgelöst und neuen Nutzungen zugeführt', erinnert Neubert. Von den Genisa blieb nur erhalten, was auf den Dachböden nach unten gerutscht und vergessen wurde.
Das religiöse Aufbewahrungsgebot galt für alle Schriften, die einen Namen Gottes enthalten und wurde zeitweise für alle Texte in hebräischer Sprache angewandt.
'Aber Hebräisch war im 19. Jahrhundert unter den deutschen Juden nur die Sprache der Rabbiner und Gelehrten, die Landjuden sprachen deutsch', erläutert Neubert weiter. Weil sie deshalb die Schriften nicht oder nur mühsam entziffern konnten, wurde viel mehr als vorgeschrieben aufbewahrt: Warenlisten, Strafarbeiten, private Notizen, ein Arztrezept, Zeitungen. Gerade diese seien aber spannende Lektüre und wertvolle Fundstellen.
Die Ausstellung war von Neubert mit der Leiterin des Veitshöchheimer Genisa-Projekts, Martina Adelmann, langfristig geplant worden. Sie sollte auch den geplanten Kauf und die Zugänglichmachung der alten Miltenberger Synagoge im Schwarzviertel vorbereiten. Die Verhandlungen mit deren Eigentümer stagnieren derzeit jedoch. Zwar hat die Stadt Finanzmittel für den Kauf in den laufenden Haushalt eingestellt und einige Förderzusagen, doch im Moment bindet die Renovierung und bevorstehende Eröffnung des Museums auf der Burg alle städtischen Kräfte und Mittel.
Die Ausstellung stehe trotzdem nicht allein, denn das Stadtmuseum hat in seiner ständigen Ausstellung neben dem Thoragiebel wenige, aber hochwertige jüdische Exponate, so der Museumsleiter:
'Wir nutzen die Sonderausstellung, um in einer Vitrine auch einige Neuzugänge zu zeigen.' Diese Judaika sollen nach Ausstellungsende in die ständige Ausstellung integriert werden. Zur Ausstellungseröffnung am gestrigen Donnerstag gab Martina Edelmann eine Einführung über das Genisa-Projekt in Unterfranken und in die Ausstellung. Georg Kümmel
Die Sonderausstellung ist bis 17. Juli zu sehen; Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr; Tel. 09371/668504; E-Mail:
info@museen-miltenberg.de.
Foto
links von Georg Kümmel: hebräische Schriften aus den Genisa-Funden..
Hintergrund: Genisa-Projekt Veitshöchheim. In einer Genisa werden Texte und Gegenstände, die nach jüdischer Religionsvorschrift nicht zerstört werden dürfen, deponiert. Seit 1998 versucht das Genisa-Projekt in Unterfranken Funde aus acht ehemaligen Synagogen als Informationsquelle systematisch zu erschließen. Inzwischen sind die Genisa-Funde aus Veitshöchheim, Goßmannsdorf, Gaukönigshofen (alle Landkreis Würzburg), Urspringen Landkreis Main-Spessart) Altenschönbach, Wiesenbronn (Landkreis Kitzingen), Kleinsteinach und Memmelsdorf (beide Landkreis Haßberge) komplett gesichtet und in einer wissenschaftlichen Datenbank erfasst.
Die Genisa in Veitshöchheim war 1986 entdeckt und von Hermann Süß und Erika Timm genauer untersucht worden. Eine repräsentative Auswahl der Gegenstände zeigt das Jüdische Kulturmuseum Veitshöchheim, das 1994 eröffnet wurde, und als einziges Museum in Deutschland ausschließlich Genisa-Funde zeigt.
Die Beschäftigung mit diesem Material ist ein relativ junger Zweig der jüdischen Kulturwissenschaften. Die erste dokumentierte Entdeckung einer Genisa geschah 1890 in Kairo. In einer Synagoge aus dem neunten Jahrhundert fanden sich Tausende von Schriftstücken ab dem Jahr 800. (red).
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Links und Literatur:
Links:
Literatur:
 | Richard Krautheimer: Mittelalterliche Synagogen. Berlin 1927. |
 | Germania Judaica II,2 S. 540-542 und III,2 S. 870-874. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens
in Bayern. 1988 S. 89-92. |
 | Ulrich Debler: Die jüdische Gemeinde von
Miltenberg. In: Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst
des Untermaingebietes. Bd. 17. 1995. Auch erschienen als separate
Sonderveröffentlichung. |
 | Thomas Michel: Die
mittelalterliche Synagoge in Miltenberg/Main. In: Frankenland. Zeitschrift für
fränkische Landeskunde und Kulturpflege. Jg. 50, Heft 4. 1998. |
 | Hermann Neubert: Jüdisches
Miltenberg. Einladung zu einem Rundgang. Reihe: Orte jüdischer Kultur 4/2000.
Haigerloch 2000.
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 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 205-206. |
 | Hans-Peter
Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und
Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur
Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Miltenberg S. 89-95.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Miltenberg Lower Franconia. Jews
settled in the 13th century and were victims of the Black Death persecutions of
1348-49. At that time they had a synagogue and cemetery and lived in a Jewish
quarter. In 1429 the synagogue was impounded and the Jews were apparently
expelled. Those present in the early 17th century were expelled in 1647. Between
1661 and 1779, 15 meetings of the regional Judenlandtag were held in
Miltenberg. The Jewish population grew to 109 in 1880 (total 3,683) and
maintained nearly that level until the Nazi era. Under the Nazis, Jewish
tradesmen were banned from local affairs. In 1933-40, 43 emigrated, including 31
to the U.S., and 42 left for other German cities. Of the remaining Jews, eight
were deported to Izbica in the Lublin dist. (Poland) via Wuerzburg on 25 April
1942 and one to the Theresienstadt ghetto on 10 Sept. 1942.

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