Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Völkersleier (Gemeinde Wartmannsroth, Kreis Bad Kissingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
(erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer)

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Anzeigen und Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
    
In Völkersleier bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. In einer Auflistung des Bistums Würzburg von 1699 werden 59 jüdische Einwohner genannt. 1762 wurde eine Synagoge erbaut (s.u.). 
 
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1810/11 98 jüdische Einwohner (22.9 % von insgesamt 428); 1847 Höchstzahl von 105 (davon 24 Haushaltsvorstände, d.h. 21 Familienväter und drei Witwen), 1867 95 (15,8 % von 602), 1880 76 (13,5 % von 565), 1900 49 (10,4 % von 473), 1910 45 (8,6 % von 520). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner zurück, insbesondere durch Auswanderungen in die Vereinigten Staaten: allein im Zeitraum zwischen 1830 und 1854 sind 28 Personen aus Völkersleier dorthin ausgewandert.  
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Völkersleier auf insgesamt 23 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Simon Marx Stein (Gewürzhändler), Sender Joseph Sondheimer (Kurzwaren- und Lederhandlung), Jakob Abraham Frank (Viehhandel und Schlachten), Maier Michel Levi Bergmann (Viehhandel und Schlachten), Itzig Michel Levi Bergmann (Kurzwarenhändler), Wolf David Oberzenner (Rabbiner), Menke Maier Roedelheimer, Moses Menke Roedelheimer (Viehhandel und Schlachten), Wolf Moses Stern (Vieh- und Warenhandel), Aron Wolf Stern (Vieh- und Warenhandel), Isack Hirsch Engel (Viehhandel und Schlachten), Moses Itzig Metzger (Schlachten), Jüdlein Baruch Schild (Viehhandel und Schlachten), Salomon Katz Hamburger (Handel mit kurzen Waren), Feist Michel Schloß (Handel mit kurzen Waren und rauhen Häuten), Maier Raphael Berliner (Mäkler), Mardochai Löw Ring (Viehhandel), Maier Abraham Lisen (Eisenhandel und Schmusen), Jüdlein Simon Attner (Viehhandel und Schmusen), Maier Simon Attner (Schmusen), Michel Isack Bergmann (Viehhändler), Löb Isack Bergmann (Viehhändler), Michel Maier Bergmann (Viehhändler), dazu (ohne Matrikelstelle) David Nathan Ollmann (Kurzwarenhandel).   
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde ein Gemeindezentrum mit Synagoge (s.u.), Lehrerwohnung und Schule sowie eine Mikwe (rituelles Bad - nach Angaben von Alt-Bürgermeister Rudolf Winter vom 4.5.2010 im heutigen Gebäude Quellengasse 2, d.h. dem ehemaligen Haus der Familie Viktor Bergmann). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Altengronau oder auch in Pfaffenhausen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Die jüdische Gemeinde hatte Anfang des 19. Jahrhunderts noch einen eigenen Ortsrabbiner (vgl. oben den 1817 genannten Rabbiner Wolf David Oberzenner, damals 60 Jahre alt), später gehörte Völkersleier zum Bezirksrabbinat (Bad) Kissingen.        
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Bernhard Bergmann (geb. 19.1.1894 in Völkersleier, vor 1914 in Burgkunstadt wohnhaft, gef. 13.8.1917), Hugo Ring (geb. 28.7.1893 in Völkersleier, gef. 3.11.1916) und Siegfried Stern (geb. 23.10.1891 in Völkersleier, gef. 26.5.1916).     
     
Um 1925 hatte die jüdische Gemeinde noch 36 Mitglieder (7,2 % von ca. 500), davon 12 Haushaltsvorstände. Vorsteher der Gemeinde war Viktor Bergmann (auch noch nach 1932). Den Religionsunterricht der damals drei jüdischen Kinder erteilte Lehrer Moses Rosenberger aus Hammelburg. Schon einige Jahre hatte die Gemeinde keinen eigenen Lehrer mehr anstellen können (letzte, möglicherweise erfolglose Ausschreibung erfolgte 1922, siehe unten). Wenig später übernahm (bis 1929) Lehrer Maier Laßmann aus Westheim auch die mit der Lehrerstelle in Völkersleier verbundenen Aufgaben (siehe Bericht unten). 1932 wird neben dem Vorsitzenden Viktor Bergmann auch die Repräsentanz, bestehend aus 12 Mitgliedern, vermutlich alle damaligen Haushaltsvorstände genannt. Den Dienst als Vorbeter übernahmen damals gemeinsam Max Bergmann und Viktor Bergmann. Im Schuljahr 1931/32 gab es sechs schulpflichtige jüdische Kinder.
   
1933 lebten noch 33 jüdische Personen am Ort (6,6 % von insgesamt 497). Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen alsbald mehrere der jüdischen Einwohner den Ort. Im Mai 1937 waren zehn der noch 24 jüdischen Einwohner unterstützungsbedürftig. Dennoch haben viele Bauern des Ortes weiterhin mit jüdischen Händlern geschäftliche Beziehungen unterhalten. Der Bürgermeister klagte im Juni 1937 bei den Behörden darüber, dass solche Geschäfte meistens nachts abgeschlossen würden. Beim Novemberpogrom 1938 kamen auswärtige SA-Leute nach Völkersleier. Sie drangen in die jüdischen Häuser ein und plünderten sie. Bis Februar 1939 konnten 17 jüdische Einwohner auswandern (14 in die USA, zwei nach Palästina, einer nach Holland); drei verzogen in andere Städte. Anfang 1940 wurden noch 12 jüdische Einwohner gezählt, von denen sechs in den folgenden Monaten nach Würzburg verzogen. Von den letzten sechs jüdischen Einwohnern wurden vier im April 1942 nach Izbica bei Lublin deportiert, die beiden Verbliebenen im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt. 
    
Von den in Völkersleier geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Elsa Adler geb. Berliner (1903), Else Adler geb. Bergmann (1894), Herbert Leo Adler (1929), Pauline Adler geb. Schuster (1872), Jettchen Bamberger geb. Ring (1895), Emanuel Bergmann (1880), Frieda Bergmann (1922), Fritz Bergmann (1888), Pauline Bergmann (1887), Regina Bergmann geb. Goldschmidt (1895), Viktor Bergmann (1869), Frieda Berliner geb. Hamburger (1872), Meier Berliner (1873), Settchen Neumann geb. Stern (1868), Markus (Max) Ring (1868), N.N. Stern geb. Jakobs (geb. ca. 1895), Hannelore Stern (geb. ?), Marga Stern (1923), Max Stern (1892).  
    
Von den nach Theresienstadt deportierten Personen überlebte nach Angaben bei Mence/Binder (s.Lit.) Karoline Bergmann geb. Kuhn (geb. 1.12.1866 in Aidhausen, wurde am 23.9.1942 deportiert), die Frau des Viehhändlers Viktor Bergmann in der Quellengasse 2.    
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1892 / 1901 / 1902 / 1903 / 1908 / 1911 / 1913 / 1922  

Voelkersleier Israelit 21011892.jpg (52648 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1892: "Vakanz
Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in hiesiger Gemeinde ist bis 1. März neu zu besetzen und wollen Bewerber sofort ihre Zeugnisse an die unterfertigte Kultusverwaltung gelangen lassen. Der dahier angestellte Lehrer hat auch in dem Filialorte Dittlofsroda die Lehrer- und Schächterfunktion zu übernehmen, wofür jedoch besonders honoriert wird. Völkersleier (Unterfranken), 18. Januar 1892. Die Kultusverwaltung: Löb Bergmann."
 
Voelkersleier Israelit 24031892.jpg (48382 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1892: "Vakanz
Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle zu Völkersleier mit Filiale Dittlofsroda ist sofort neu zu besetzen. Das Einkommen inklusive Nebenverdienste beträgt 900-1000 Mark. Nur inländische, streng orthodoxe Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse an den unterfertigten Kultusvorstand wenden. Völkersleier (Unterfranken). 
Löb Bergmann, Vorstand."
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1901
"Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters dahier, ist per 1. Dezember 1901 neu zu besetzen. Jahreseinkommen ca. 900 Mark bei freier Wohnung und Beheizung und wollen sich seminaristisch gebildete Bewerber an den Unterfertigten werden.  
Gerson Stern
, Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Völkersleier, Post Gräfendorf, Unterfranken."         
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1902: "Die hiesige Religions-, Vorbeter- und Schächterstelle ist vakant. Die Stelle trägt ca. 1.000 - 1.200 Mark ein. Bewerber wollen sich baldigst melden. 
Viktor Bergmann
, Kultusvorsteher, 
Völkersleier, Post Gräfendorf, Unterfranken."    
 
Voelkersleier Israelit 15011903.jpg (39443 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1903: "Lehrer-Vakanz
Die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schochetstelle, ist durch Erkrankung des jetzigen Lehrers, sofort zu besetzen. Gehalt mit Nebenverdiensten, bei freier Wohnung und Heizung, beträgt ca. 1000-1100 Mark jährlich. Offerten nebst Zeugnissen an 
Viktor Bergmann
, Kultusvorsteher, 
Völkersleier, Post Gräfendorf (Bayern)."  
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1903: "Vakanz
Durch Einberufung unseres Lehrers zum Militär soll die hiesigen Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle baldigst besetzt werden. Fixer Gehalt 750 Mark, Schächtereinkommen 300 Mark, Nebeneinnahmen ca. 200 Mark. Meldungen mit Zeugnisabschriften wollen längstens bis 15. August eingesendet werden an  
Viktor Bergmann
, Vorstand, 
Völkersleier 
 
Voelkersleier Israelit 23011908.jpg (63099 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1908: "Durch Berufung unseres Lehrers an die Präparandenschule Burgpreppach ist die 
Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle
 
dahier sofort zu besetzen. Fixum 800 Mark, Nebeneinnahmen 600-700 Mark, sowie freie Wohnung und Beheizung. Bewerber belieben sich zu melden an 
Viktor Bergmann, Kultusvorstand, 
Völkersleier (Unterfranken). Ausländer ausgeschlossen."
  
Voelkersleier Israelit 12031908.jpg (51428 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1908: "Lehrer-Vakanz! Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle ist sofort zu besetzen. Fixer Gehalt Mark 800.- Nebenverdienste ca. Mark 6-700 bei freier Wohnung und Beheizung. Bewerber wollen sich mit Zeugnisabschriften baldigst melden an
Victor Bergmann Kultusvorstand. Völkersleier in Bayern."
  
Voelkersleier Israelit 10091908.jpg (43198 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1908: "Die hiesige Religionslehrer-, Schochet und Vorbeterstelle ist sofort zu besetzen. Fixum Gehalt 800 Mark. Nebendienst ca. 6-700 Mark bei freier Wohnung und Heizung. Bewerber wollen sich baldigst mit Zeugnisabschriften melden an 
Viktor Bergmann, Kultusvorstand, Völkersleier, Unterfranken".  
  
Voelkersleier Israelit 05011911.jpg (52417 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1911: "Die hiesige Religions-Lehrer, Vorbeter- und Schochet-Stelle ist sofort zu besetzen. Fixum Gebalt 700 Mk. und circa 6-800 Mk. Nebenverdienst, bei freier Wohnung und Heizung, auch ist noch eine Filiale dabei, welche noch extra 200 Mk. Fixum Gehalt gezahlt. Seminaristisch gebildete Lehrer erhalten den Vorzug. Bewerber wollen sich gefl. bald mit Zeugnissen melden an 
Viktor Bergmann, Kultusvorstand, Völkersleier, Unterfranken". 
 
Voelkersleier FrfIsrFambl 27061913.jpg (51914 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Juni 1913: "Die hiesige Lehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle ist sofort zu besetzen. Fixum-Gehalt 800 Mark, ca. 4-500 Mark Nebenverdienst bei freier Wohnung und Heizung. Nur seminaristisch gebildete Lehrer wollen sich melden. 
Victor Bergmann
, Kultusvorstand, Völkersleier, Unterfranken."   
  
Voelkersleier Israelit 28091922.jpg (27471 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1922: "Junger Lehrer, Kantor, Schochet gesucht. Gehalt (einschließlich freiem Kosthaus) nach Gruppe 6. Bewerbungen sofort an Kultusverwaltung Völkersleier (Unterfranken)."   

    
Schuldienst-Exspektant Jakob Geßner in Steinach wird Religionslehrer und Vorsänger in Völkersleier (1867)      

Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" vom 26. November 1867: "Durch Regierungsentschließung vom 19. November 1867 ad Nr. 37,850 ist die, von der israelitischen Kultusgemeinde Völkersleier, königlichen Bezirksamts Hammelburg, beschlossene Übertragung ihrer Religionslehrers- und Vorsängerstelle an den israelitischen Schuldienst-Exspektanten Jakob Geßner in Steinach, königlichen Bezirksamts Kissingen, genehmigt worden."      


Zum Tod von Jakob Geßner: von 1867 bis 1875 Lehrer in Völkersleier 

Hammelburg BayrGZ 15021937.jpg (118809 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1937: "Jakob Geßner. Kaum 24 Stunden nach dem Ableben unseres Kollegen Jakob Nussbaum wurde uns ein weiteres liebes und treues Mitglied, der im 89. Lebensjahre stehende Lehrer i.R. Jakob Geßner, durch den Tod entrissen. Der Heimgegangene, am 18. Juli 1848 in Steinach a.d. Saale geboren, war Schüler der Präparandenschule Höchberg und der Lehrerbildungsanstalt Würzburg, die er 1867 absolvierte. In Würzburg legte er auch die Anstellungsprüfung für den Volksschuldienst ab. Seine erste Anstellung fand er in Völkersleier, wo er von 1867-1875 tätig war; er wirkte dann in Hammelburg und trat nach 31jähriger überaus segensreicher Tätigkeit in dieser Gemeinde, geehrt und geachtet in allen Kreisen der Bevölkerung, in den Ruhestand über, den er bei seinen ihn liebevoll betreuenden Kindern in Güstrow und später in Rostock verbrachte. Der Entschlafene zählte zu den Männern, die im Herbste 1879 dem Weckruf zur Gründung eines jüdischen Lehrervereins zunächst für Unterfranken, der sich wenige Jahre später auf ganz Bayern erstreckt, gefolgt waren und sich in Erkenntnis der Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Lehrerschaft dem Verein als Mitglied anschlossen. Mit warmfühlendem Herzen und in edler sozialer Gesinnung förderte er die Ziele des jungen Vereins und in einem der ersten Jahresberichte werden seine erfolgreichen und anerkennenswerten Bemühungen um die Vereinseinrichtungen dankend hervorgehoben. Durch das Vertrauen der Kollegen wurde er 1889 zum ersten Male und dann wiederholt als Ersatzmann gewählt, um alsdann in die Verwaltung, der er von 1894-96 als Beisitzer angehörte, einzutreten. Anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums wurde er mit acht weiteren Gründungsmitgliedern zum Ehrenmitgliede des Vereins ernannt. Mit dem Dahingeschiedenen ist ein gütiger Mensch, ein edler und vornehmer Charakter, ein Mann von vorbildlicher Treue dahingegangen; ihm wird in unseren Reihen ein stetes und ehrendes Andenken bewahrt bleiben. Secher zadik livrocho (das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen)."

   
Lehrer Wolffromm wechselt von Völkersleier nach Unter- und Oberaltertheim (1909)

Unteraltertheim Israelit 17061909.jpg (12445 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1909: "Würzburg, 15. Juni (1909). Herr Lehrer Wolffromm, bislang in Völkersleier, wurde als Lehrer der vereinigten Kultusgemeinden Unter- und Oberaltertheim gewählt. 

   
Lehrer Maier Laßmann, der auch in Völkersleier unterrichtet hat, verlässt Westheim (1929, Lehrer seit 1925)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1929: "Westheim bei Hammelburg. Herr Meier Laßmann, der hier seit vier Jahren als Lehrer, Schochet und Chasen amtiert hat und gleichzeitig in der Nachbargemeinde Völkersleier diese Ämter verwaltete, verlässt die hiesige Gemeinde, um sein Amt in der Gemeinde Rimpar anzutreten. Wir sehen mit aufrichtigem Bedauern diesen tüchtigen Mann von hier scheiden. Er besitzt ein überaus großes jüdisches Wissen, ist ein tüchtiger Schochet und hat auch beim Religionsunterricht große Erfolge erzielt. Mit allen Gemeindemitgliedern lebte er in bestem Einvernehmen. Auch der zuständige Rabbiner, Herr Dr. Bamberger (Kissingen) hat sich jederzeit lobend über die Wirksamkeit unseres Lehrers ausgesprochen, dies insbesondere bei der kürzlich stattgehabten Religionsprüfung. Die besten Wünsche unserer Gemeinde begleiten Herrn Lehrer Laßmann in seinen neuen Wirkungskreis, woselbst er auch die verdiente Anerkennung finden möge." 

      
   
Anzeigen und Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe  
Bestellung von Aron Stern (1896)      
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)  

Voelkersleier Dok 011.jpg (117130 Byte)

Voelkersleier Dok 010.jpg (95452 Byte)
Postkarte von Aron Stern aus Völkersleier vom November 1896 an die Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt. 

     
Anzeige von Babette Berliner (1901)          

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1901: 
"Ein israelitisches kräftiges Mädchen sucht sofort Stelle
Offerten an Babette Berliner, Völkersleier, Bayern"       

    
Anzeige von Fanni Bergmann (1902)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1902: 
"Ein israelitisches Mädchen, Waise, sucht wegen Trauerfall bei einem einzelnen Herrn als 
Haushälterin
 
oder sonst in besserem Hause ab sofort Stelle. Offerten an 
Fanni Bergmann, in Völkersleier, Post Gräfendorf."   


            
       

Zur Geschichte der Synagoge

Eine Synagoge (jüdisches Gemeindezentrum mit Betsaal, Lehrerwohnung und Schule) wurde 1762 erbaut. Der damals eingebaute wertvolle Toraschrein blieb bis 1938 erhalten.  

1927
wurde die Synagoge umfassend renoviert und durch den Bezirksrabbiner Dr. Bamberger (Bad Kissingen) am 29. Oktober 1927 neu eingeweiht. Über die Einweihung liegt folgender Bericht des damaligen jüdischen Lehrers Moses Rosenberger (Hammelburg) vor:  

Voelkersleier BayrGZ 15011928.jpg (69101 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Januar 1928: "Völkersleier. Am 29. Oktober 1927 fand in der Israelitischen Kultusgemeinde zu Völkersleier die Einweihung der renovierten, im Jahre 5522 (= 1761/62) erbauten Synagoge, verbunden mit der Einweihung einer Kriegergedenktafel, ferner das 25jährige Amtsjubiläum des Kultusvorstandes, des Herrn Viktor Bergmann statt. Eine stattliche Anzahl von Freunden und Bekannten aus Nah und Fern hatten sich zu Ehren des Tages in der festlich geschmückten Synagoge eingefunden. Als ein Zeichen des konfessionellen Friedens in der Gemeinde sei besonders erwähnt, dass auch die katholische und evangelische Geistlichkeit, der vollständige Gemeinderat, die drei Ortsvereine mit Fahnen erschienen waren. Den Mittelpunkt der Feier bildete eine Ansprache des Herrn Distriktsrabbiners Dr. Bamberger (Bad Kissingen), der in warmherzigen, beredten Worten seiner Aufgabe gerecht wurde. M. Rosenberger, Lehrer".

In der Synagoge wurden bis zum Passa-Fest 1936 regelmäßig Gottesdienste abgehalten. Danach wurde es auf Grund der zurückgehenden Einwohnerzahl schwieriger, regelmäßig die Zehnzahl der Männer zusammen zu bekommen. Ab März 1938 kamen auch die noch in Dittlofsroda lebenden jüdischen Einwohner zum Gottesdienst nach Völkersleier. Man hatte vereinbart, monatlich einmal in der Synagoge von Dittlofsroda und Völkersleier Gottesdienste abzuhalten.   

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von SA-Leuten zerstört, die Ritualien gleichfalls zerstört oder gestohlen. Das Gebäude überstand jedoch die Kriegszeit und wurde in dieser Zeit als Lagerschuppen, Schweine- und Hühnerstall verwendet. Nach 1945 blieb es bei der Nutzung als Lager und Hühnerstall. Ein Bericht aus dem Jahr 1951 ist erhalten:
   
Voelkersleier PA 1952.jpg (147441 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jüdische Illustrierte" Düsseldorf März 1951 Nr. 7 S. 2: "Wo Gläubige einst beteten. Die Völkersleier Synagoge als Lagerschuppen. Wenn am Sonntagmorgen die Kirchenglocken im unterfränkischen Völkersleier zum Gottesdienst rufen, führt der Weg die Bewohner an der ehemaligen Synagoge vorbei. Juden gibt es dort nicht mehr, ihr Gotteshaus steht noch - aber wie unsere Bilder zeigen - nur äußerlich. Dem Pächter, Anton Brustmann, wurde der Vertrag gekündigt, weil Vertretern einer Kommission während der Besichtigung der Synagoge Hühner zwischen den Beinen herumliefen. Früher hielt der Schmiedemeister sogar seine Schweine darin. Er fühlt sich dennoch ungerecht behandelt und möchte das Gotteshaus, das an sein Anwesen grenzt, gerne kaufen. Die Kommission aber sagt nein."

In den 1970er-Jahren wurde die Synagoge abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde eine Scheune errichtet.  

Adresse/Standort der SynagogeFronstraße 4 

Fotos 
(neuere Fotos: Elisabeth Böhrer, Aufnahmen 30.4. 2010) 

Historische Fotos sind nicht vorhanden, Hinweise bitte an den Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite    
     
Die ehemalige Synagoge 
nach 1945
Voelkersleier PA 1952b.jpg (107412 Byte) Voelkersleier PA 1952a.jpg (62143 Byte)
    Vergrößerungen aus dem oben zitierten Presseartikel; rechts Angabe des Jahres der Erbauung 1762; die Tafel befand sich vermutlich unten am Fuß des Aron HaKodesch/Toraschein, vor dem das Huhn steht. Das Foto links zeigt nach Angaben von E. Böhrer nicht die Synagoge, sondern Gebäude in der von der Fronstraße abzweigenden heutigen Straße "Am Seeblick" (am 4.5.2010 durch Alt-Bürgermeister Rudolf Winter abgesichert).  
      
Standort der 
ehemaligen Synagoge (2010)
Voelkersleier Synagoge 170.jpg (72499 Byte) Voelkersleier Synagoge 171.jpg (66021 Byte)
  Grundstück Fronstraße 4: nach Auskunft vor Ort stand die Synagoge 
im Bereich der heutigen Scheune rechts des Wohngebäudes
      
Gedenken nach Abbruch 
der ehemaligen Synagoge
Voelkersleier Synagoge 173.jpg (112243 Byte) Voelkersleier Synagoge 172.jpg (95814 Byte)
    Gedenktafel am Gemeindehaus in der Rhönstraße 18 mit dem Text: "In Völkersleier bestand eine Jüdische Kultusgemeinde, deren Synagoge sich in der Fronstraße 4 befand, und deren Inneneinrichtung in der Pogromnacht 1938 zerstört wurde. Die Gemeinde gedenkt ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger. Zur Erinnerung und Mahnung". 
       

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Wartmannsroth  
Übersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Völkersleier: pdf-Datei hier anklicken

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 422-423.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 123. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 535-536.
Volker Rieß: Jüdisches Leben in und um Hammelburg. Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Herrenmühle 12. Oktober – 10. Dezember 2000, Hammelburg 2001.  
Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces / Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen. Schweinfurt 1992. 
dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt 1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the administrative district of Bad Kissingen focusing on the period 1800-1945.  Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792-6. Zu beziehen bei den Autoren/obtainable from: E-Mail.    Info-Blatt zu dieser Publikation (pdf-Datei). 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 126-127.   

      
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Voelkersleier  Lower Franconia. A Jewsh community is known from the mid-18th century, with a synagogue erected in 1762. In 1830-54, 28 Jews emigrated to the United States. The Jewish population in 1867 war 95 (total 602) and 33 in 1933. The economic boycott under the Nazis reduced many to penury and Jewish homes were looted on Kristallnacht (9-10 November 1938). By February 1939, 17 Jews had emigrated, including 14 to the United States; another nine left for other German cities by 1941. The last six Jews were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) and the Theresienstadt ghetto in 1942.             
    

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. Dezember 2013