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Untererthal (Stadt
Hammelburg, Kreis Bad Kissingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Untererthal bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück.
1524
werden erstmals Juden am Ort genannt. 1530 erfährt man die Namen Schmull
Jüdt und Joseph Jüdt. 1604 waren bereits fünf jüdische Familien
am Ort (Isaac, Jakob, Löw, Manuel und Wolf). Sie standen unter dem Schutz der Freiherren von
Erthal und hatten ihre Wohnung in der Burganlage (heutiger Judenhof).
Von der Ausweisung der Juden aus dem Gebiet des Fuldaer Hochstifts 1671
waren die Untererthaler Juden auf Grund des Schutzes durch die Freiherren von
Erthal nicht betroffen. Damals waren jedoch nur drei jüdische Familien am Ort.
Bis 1768 nahm die Zahl auf elf Familien zu.
Nach der Zerstörung der Stammburg der Freiherren von Erthal 1796
vererbten diese den gesamten Burgplatz der Judenschaft.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1822 65, 1833 55, 1837 68 jüdische Einwohner (8,0 % von insgesamt 845), 1867 22 (2,7
% von 820), 1890 43 (5,4 % von 792), 1900 32 (4,2 % von 757), 1910 41 (5,4 % von
751).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden die folgenden
jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen; Erwerbszweig
wird nicht angegeben): Maier Schild,
Aron Schwab, Löb Rödelberger, Joseph Strauß, Samuel Stern, Nathan Schild,
Selig Hirsch Baumann, Joseph Schild, Samuel Strauß, Simon Hecht, Mendel
Hofmann, Moses Weisenberger (Vorsänger). Feibel Schiff und Salomon Weisenberger
wurden damals nicht in die Matrikel aufgenommen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad (in der Nähe der alten
Burgmühle, war bis zum Abbruch 1936 in Gebrauch). Die
Toten der Gemeinde wurden im Distriktsfriedhof in Pfaffenhausen
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19.
Jahrhundert zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter
und Schächter tätig war. Mit Moses Weisenberger wird 1817 ein erster
Vorsänger genannt.
Im Ersten Weltkrieg standen acht jüdische Männer aus der Gemeinde an
den Fronten. Gefallen sind von ihnen Jakob Baumann (geb. 1.3.1878 in
Untererthal, gef. 10.10.1914) und Aron Baumann (geb. 12.5.1877 in Untererthal,
gef. gleichfalls am 10.10.1914). Ihre Namen
stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges an der
Ecke Brückenauer Straße/von Erthal-Straße/ Bündeweg.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 29 Personen gehörten (4,83 % von
insgesamt etwa 600), war Vorsteher der Gemeinde Adolf Stühler. Die damals vier
schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten den Religionsunterricht durch
Lehrer Moses Rosenberger aus Hammelburg.
1933 wurden noch 20 jüdische Einwohner am Ort gezählt (2,0 % von
insgesamt 690 Einwohnern). In den folgenden Jahren sind mehrere von ihnen
ausgewandert, zwei nach Palästina, zwei in die USA und einer nach England.
Durch die Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verarmten die jüdischen
Familien: im Mai 1937 waren elf der 14 jüdischen Einwohner
unterstützungsbedürftig. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die
Inneneinrichtung und die Ritualien der Synagoge zerstört. am 28. und 30.
November 1939 durchsuchte die Polizei auf Anordnung des Landrats von Hammelburg
die jüdischen Häuser und Wohnungen in Untererthal nach gehamsterten
Lebensmitteln. Die Untersuchung verlief jedoch ergebnislos. Anfang 1942 lebten
noch 12 jüdische Personen am Ort, acht wurden am 22. April über Würzburg nach
Izbica bei Lublin deportiert, wo sie ermordet wurden. Zwei weitere jüdische
Einwohner kamen im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt.
Von den in Untererthal geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dina Baumann geb.
Baumann (1883), Heinrich Baumann (1877), Jakob Baumann (1875), Babette Bornheim geb.
Stühler (1894), Babette David geb. Sichel (1885), Bernhard David (1880),
Marianne David (1872), Salomon David (1870), Simon David (1876), Lina Meta Katz
geb. David (1904), Jettchen
Levi (Levy) geb. Ring (1883), Margarete (Gretel) Levi (1920), Max Levi (1883),
Sofie Neubauer geb. Baumann (1914), Marianne Reis (1863), Hannchen
Rosenbaum geb. Baumann (1876), Adolf Stühler
(1869), Amalie Stühler geb. Rotschild (1888), Jakob Stühler (1890), Josef Stühler (1890),
Marta Stühler (1907), Nanni Stühler (1867), Reta (Recha) Stühler (1905), Seligmann Stühler (1874), Lena Weisbecker geb. Stühler
(1865).
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts fanden sich noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in
Untererthal. |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge wird erstmals 1737 genannt. Dabei
handelte es sich um ein bescheidenes Gebäude, das an die Wohnung des Jud Nathan
angebaut war. Da das Gebäude nicht rechtmäßig gebaut war, musste es im Juli
1737 abgebrochen werden. Wo danach die Gottesdienste abgehalten wurden, ist
nicht bekannt.
1805 konnte ein Betsaal im Obergeschoss eines jüdischen Hauses in der
Judengasse eingeweiht werden. Dieses Gebäude war sehr massiv gebaut. 1842 wurde
es renoviert.
Bis nach 1933 konnten in der Synagoge Gottesdienste abgehalten werden.
Nachdem im November 1936 jedoch für das Minjan vier Männer fehlten,
konnte kein ordentlicher Gottesdienst mehr in der Synagoge stattfinden.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Inneneinrichtung und die Ritualien
des Betsaales zerstört. Das Gebäude blieb jedoch auch nach 1945 erhalten; auch
der Betsaal wurde nun zu Wohnzwecken verwendet.
Adresse/Standort der Synagoge: Judengasse 15 (Obergeschoss)
Fotos
| Fotos zur
jüdischen Geschichte in Untererthal sind noch nicht vorhanden; über
Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica";
Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 416-417. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1992² S. 128. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 394-395.
|
 | Volker Rieß: Sie gehören dazu...
Erinnerungen an die jüdischen Schüler der Lateinschule und des
Progymnasiums – verbunden mit einigen Aspekten zur Geschichte der Juden in
der Stadt Hammelburg und ihren Stadtteilen (Frobenius-Gymnasium Hammelburg.
Festschrift zum Schuljubiläum 1994), Hammelburg 1994, S. 83-102. |
 | Ders.: Jüdisches Leben in und um Hammelburg.
Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Herrenmühle 12. Oktober – 10.
Dezember 2000, Hammelburg 2001.
|
 | Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces /
Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen.
Schweinfurt 1992. |
 | dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von
Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt
1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the administrative district of Bad Kissingen focusing on the period
1800-1945. Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792-6. Zu beziehen bei den
Autoren/obtainable from: E-Mail.
Info-Blatt
zu dieser Publikation (pdf-Datei). Zu Untererthal S.
289-302. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 141.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Untererthal Lower
Franconia. A Jewish community is known from the first half of the 17th century.
Some fled to Hammelburg during the Thirty
Years War (1618-1648) and others were expelled in 1671. In 1837 the Jewish
population numbered 68 (total 845). In 1933, 20 remained, most reduced to penury
under Nazi rule. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was
vandalized. Five Jews emigrated by 1939. Of the last 12, eight were deported to
Izbica in the Lublin district (Poland) on 25 April 1942.

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