Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Buttstädt (Kreis Sömmerda, Thüringen)
Jüdische Geschichte

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Zur Geschichte jüdischer Einwohner    
    
In Buttstädt bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Doch lebten hier bereits im 15. Jahrhundert sowie im 19./20 Jahrhundert jeweils wenige jüdische Personen / Familien.  
   
Im 15. Jahrhundert waren ein oder zwei Juden in der Stadt (1418), die zu einer Reichssteuer herangezogen werden sollten. Genannt werden mit dem geforderten Steuerbetrag "Israehl zcu Butsted xl, Senwel zu Botelstedt xxxiij guld". Mit den Ortsbezeichnungen könnte beide Male Buttstädt gemeint sein, dagegen spricht allerdings die unterschiedliche Schreibweise.   
   
Einrichtungen wie ein Betraum waren in Buttstädt vermutlich zu keiner Zeit vorhanden.    
   
1933 lebten zehn jüdische Personen in Buttstädt: 
- Arthur Friedmann (1884, aus Saalfeld) und seine Frau Rebekka (1888). Sie lebten in der Bahnhofstraße, wo Arthur Friedmann Inhaber einer Viehhandlung war. 
- Louis Friedmann (1886, aus Saalfeld) und seine Frau Else geb. Kahn (1889, aus Euskirchen). Sie wohnten in der Bahnhofstraße 19; in der Bahnhofstraße 3 hatte Louis Friedmann ein Textilgeschäft/Stoffgeschäft.   
- Willy Friedmann (1911, Viehhändler) und seine Frau Ilse geb. Abraham (1914; Tochter von Siegfried Abraham und Ida geb. Fackenheim in Bebra) sowie Heinz Friedmann (1920): sie konnten 1938 in die USA emigrieren. 
- Gustav Wachtel (1889) und seine nichtjüdische Frau Frieda mit den Kindern Hans, Egon und Isolde. Sie lebten in der Bahnhofstraße 12. Gustav Wachtel leitete eine Stuhlfabrik in der Fabrikstraße. Er emigrierte im Januar 1939 mit seinem Sohn Egon nach Peru. Seine Frau folgte ihm im März 1941 mit der Tochter Isolde. Hans Wachtel zog 1940 nach Apolda, wurde am 30. Juni 1943 verhaftet und in das KZ Buchenwald eingeliefert. Er erlebte dort am 11. April 1945 die Befreiung. 
Hugo Levy (1903) verzog Anfang 1938 nach Hamburg. Ob ihm und seinem Bruder Jakob die Auswanderung in die USA gelang, ist nicht bekannt. Auch das Schicksal von Julius Goldschmidt (1910) ist nicht geklärt.  
  
1936 - 1938 wurden im nationalsozialistischen "Stürmer" mehrfach Artikel gegen den Viehhändler Friedmann in Buttstädt verfasst (Ausgaben 1936/41, 1937/10, 1937/11, 1937/14, 1938/06, 1938/10).  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Häuser von Arthur und Louis Friedmann in der Bahnhofstraße überfallen (in der Bahnhofstraße 3 wurden die Fensterscheiben eingeworfen). Die beiden Brüder wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. 1939 flohen Louis und Else Friedmann in die Niederlande. 1943 wurden sie hier verhaftet und über das Lager Westerbork in das Vernichtungslager Sobibor (Polen) deportiert und ermordet.

  
Von den in Buttstädt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Else Friedmann geb. Kahn (1889), Heinz Friedmann (1920), Louis Friedmann (1886).

Zur Erinnerung an Louis und Else Friedmann wurden im Mai 2013 "Stolpersteine" vor dem Haus Bahnhofstraße 19 verlegt.    
   
   
   
Berichte zur Geschichte jüdischer Einwohner    
   
Anzeigen   
  
Verlobungsanzeige von Ilse Friedmann und Manfred Bauer (1934)    

Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1935: 
"Ilse Friedmann - Manfred Bauer. Verlobte. 
Buttstädt
(Thüringen) - Stuttgart, Hölderlinplatz 16. Zuhause: 20. Januar.  
Dezember 1934".      

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
  

November 2010: "Stolpersteine" für umgekommene jüdische und nichtjüdische Einwohner der Stadt  
Artikel von Anett Hädrich in der "Thüringer Allgemeinen" vom 13. November 2010 (Artikel): 
"Arbeitskreis Stolpersteine arbeitet gegen das Vergessen
Vieles ist schon verblasst oder gar ganz vergessen. Doch das Erinnern ist wichtig. An das jüdische Ehepaar Friedmann, an Willy Lauenburger, an die Kinder Wolfgang Firme oder Heinz Kühn. Ihnen und weiteren Opfern des Naziterrors in Buttstädt sollen zum Gedenken Stolpersteine gesetzt werden. Und die Spurensuche des gleichnamigen Arbeitskreises geht weiter. 
Buttstädt.
Es war im Trauzimmer des Rathauses, als diese Woche Udo Wohlfeld vom Arbeitskreis Stolpersteine das ihm kurz zuvor von einer Frau übergebene Schriftstück zeigte: Ein Wechsel, ausgestellt von Arthur Friedmann. "Es ist bis jetzt das einzige Originaldokument, was wir zu den Friedmanns haben." Und ein weiteres Puzzleteil für die umfangreichen Recherchen des Arbeitskreises, deren bisherige Ergebnisse die Mitglieder in einer Veranstaltung öffentlich präsentierten (TA berichtete). 
Dabei zeigte sich, dass aus den Forschungen des Arbeitskreises auch mancherlei Anstöße erwachsen. "Ich vertrete zum einen die Regelschule Buttstädt und denke schon, dass sich zwischen Arbeitskreis und der Schule eine Art Zusammenarbeit entwickeln könnte. In welcher Form, muss man sehen", so Lehrerin Marion Thiel auf einem der Zuhörerstühle. Zum anderen sei es aber auch persönliches Interesse, was sie herführe. Ihre Eltern hätten sich nach einem Zeitungsbeitrag an die jüdischen Mitbürger erinnert, auch daran, wo sie gewohnt haben. 
Zwei Stolpersteine sollen für das jüdische Ehepaar Else und Louis Friedmann gesetzt werden die ein Stoffgeschäft in der Bahnhofstraße betrieben und, so ergaben die Recherchen des Arbeitskreises, zwar nach Holland flüchten konnten, nach dem Einmarsch der Deutschen dort aber aufgespürt, am 27. April 1943 ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und sofort vergast wurden. 
So wie für die Friedmanns und andere jüdische Bürger von Buttstädt haben die Arbeitskreis-Mitglieder Ruth-Barbara Schlenker und Udo Wohlfeld vom Prager Haus-Verein Apolda sowie die Buttstädter Renate Kuch und Bernd Grimm versucht, Mosaikstein für Mosaikstein aus Archiven und vielen langen Gesprächen mit älteren Buttstädtern Informationen zu weiteren Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zusammenzutragen, ihnen dadurch ein Gesicht zu verleihen. "Auch wenn wir das Problem haben, dass wir beispielsweise von den Friedmanns keine Gesichter, sprich kein einziges Foto haben", berichtete Ruth-Barbara-Schlenker von der nicht einfachen Spurensuche. 
Ein Stolperstein soll auch für Willy Lauenburger gesetzt werden. Zigeuner, wie man sie damals nannte, kamen regelmäßig zu den Pferdemärkten in die Stadt. Mit Kriegsausbruch wurden sie gezwungen, sich sesshaft zu machen. Noch ist nicht bekannt, wo in Buttstädt die Familie mit den zwei Töchtern unterkam, bevor sie in das Zigeuner-Familienlager nach Auschwitz-Birkenau gebracht wurden. Belegt ist allerdings, dass Willy Lauenburger 1944 in Auschwitz umkam. 
Zu den Kindern der Lauenburgers und anderen aus der hiesigen Region deportierten Kindern im Dritten Reich forschten auch vier ehemalige Schülerinnen der Regelschule Weißensee während ihrer Projektarbeit Spurensuche. 
Mit Stolpersteinen in Buttstädt soll des weiteren an die Kinder Wolfgang Firme und Heinz Kühn erinnert werden, die vier- bzw. zwölfjährig der Euthanasie zum Opfer fielen. Und an Johannes Enke als politischen Widerständler. Ebenso an den polnischen Kriegsgefangenen Stanislaw Skolimowski, der erhängt wurde, und an eine junge Zwangsarbeiterin sowie fünf Zwangsarbeiterkinder. "Man soll im Kopf darüber stolpern, wenn man so einen Stein im Pflaster sieht. Er soll aufmerksam machen hinzuschauen und nicht gleichgültig wegzusehen", so Ruth-Barbara Schlenker. 
Die Spurensuche ist noch nicht zu Ende. Gleich nach der Veranstaltung konnte beispielsweise Christa Lenke einen weiteren Hinweis geben. "Ich habe selber eine Tante, die der Euthanasie zum Opfer gefallen ist." 
Ganz spontan sagte Jochen Markert eine Spende für den Stolperstein für Louis Friedmann zu. "Von meinen Großeltern kenne ich die Geschichte der Friedmanns. Mein Großvater ist mit Arthur in die Schule gegangen." 
Spenden für Stolpersteine können auf das Konto der Stadt Buttstädt eingezahlt werden: Kontonummer 0140004114, BLZ: 82051000, Stichwort: Stolpersteine. "
 
Oktober 2011: Verlegung von "Stolpersteinen" in Buttstädt  
Artikel in der "Thüringer Allgemeinen" (Sömmerda) vom 14. Oktober 2011: Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Buttstädt...
Link zum Artikel  (die Verlegung 2011 war noch nicht für jüdische Opfer der NS-Zeit)  
 
September 2011: Wanderausstellung "Arisierung" in Thüringen in Buttstädt  
Dazu Artikel in der "Thüringer Allgemeinen" (Sömmerda) vom 7. September 2011: "Wanderausstellung 'Arisierung in Thüringen' in Buttstädt eröffnet..."   
In der Ausstellung wurden auch jüdische Einzelschicksale in Buttstädt wie die des Möbelfabrikanten Gustav Wachtel oder der Familie Friedmann dokumentiert  
 
November 2012: Ein "Stolperstein" wurde mutwillig beschädigt  
Artikel von Bärbel Albold in der "Thüringer Allgemeinen" vom 17. November 2012: "Stolperstein in Buttstädt mutwillig beschädigt
Von den drei Stolpersteinen, die am 15. Oktober 2011 in Buttstädt verlegt wurden, ist der auf dem Gehweg vor dem Haus Kirchstraße 18 mutwillig beschädigt worden. 
Buttstädt.
'Es hat den Stein des 4-jährigen Wolfgang Firme - ein Euthanasieopfer - getroffen', informierte Pfarrerin Ruth-Barbara Schlenker. Sie gehört zum Prager-Haus-Verein Apolda und zum Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus im Weimarer Land. In Buttstädt hat sie mitgeholfen, die Lebensgeschichte von Opfern des Naziterrors zu recherchieren und im vergangenen Jahr die ersten Stolpersteine (TA berichtete) zu setzen. Im Mai 2013 sollen weitere folgen. 
Renate Kuch, Mitglied der Kirchengemeinde und des Arbeitskreises 'Stolpersteine für Buttstädt', sagte: "Nach dem regionalen Gottesdienst im Gemeindehaus zur Eröffnung der Friedensdekade mit dem Thema Mut für Menschenwürde lud Pastorin Anne Brisgen zu einem Rundgang zu den Buttstädter Stolpersteinen ein. Etwa 20 Gottesdienstbesucher gingen mit. Den ersten Stein in der Kirchstraße konnten wir gar nicht finden, weil er geschwärzt war. Wir haben unser Gebet gesprochen und eine weiße Rose abgelegt, alle waren sehr erschüttert über das Kinder-Schicksal und über diese unglaubliche Schändung'." 
Link zum Artikel   
 
Mai 2013: Verlegung von Stolpersteinen für Louis und Else Friedmann  
Artikel in der "Thüringer Allgemeinen" vom 9. Mai 2013: "Erinnerung an jüdisches Paar, das aus Buttstädt fliehen musste...."  
Link zum Artikel    

    
    
Fotos     

Das Stoffgeschäft von Louis Friedmann 
(Quelle: Arbeitskreis Stolpersteine Buttstädt)  
Buttstaedt Friedmann 0020.jpg (21378 Byte)   
   Buttstädter Kinder in den 1930er-Jahren in der Bahnhofstraße, 
links das Stoffgeschäft von Louis Friedmann 
  

  
  
Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Buttstädt    

Literatur:  

Germania Judaica III,1 S. 197. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt am Main 2003. S. 267.     

      
        

                   
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Stand: 15. März 2015