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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Leimen (Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Manfred Fuchs, Leimen)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Leimen bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 20. März
1905. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts zurück.
Erstmals werden 1712 Juden am Ort genannt, 1738 waren es sieben, 1744 bereits 14
jüdische Familien. Große Bedeutung erlangte die Familie des Seligmann Aron.
Sein Enkel Aron Elias Seligmann (1747-1824; seit 1799 Hofagent in München)
errichtete eine Tabakfabrik in Leimen. Er besaß 1786 das Salzmonopol für die
Kurpfalz.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde in Leimen um 1780 mit 82
Personen erreicht.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Schule
und ein rituelles Bad. Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Heidelberg
zugeteilt.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner
Leimens zurück (1825 36, 1875 13 Personen). Nach Auflösung der Gemeinde
gehörten die hier noch lebenden Juden zur Gemeinde im benachbarten Nussloch.
Von den in Leimen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Bierig geb. Bierig (1878), Selma Bierig
(1908), Heinrich Jacobi (1874), Hugo Mayer (1864), Karoline Mayer geb. Bierig (1879).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung eines Vereins in der Gemeinde
(1846)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Orient" vom 29. Januar 1846:
"Heidelberg, 1. Januar (1846). Auch in den kleinen israelitischen
Landgemeinden unseres Großherzogtums scheint sich ein neues religiöses
Leben zu entwickeln. So hat sich in der benachbarten kleinen Gemeinde
Leimen vor Kurzem ein Verein gebildet, dessen Zweck es ist, alle vier
Wochen den tüchtigen und durch seine Kanzelberedsamkeit ausgezeichneten
Rabbiner Fürst von Heidelberg zu berufen, damit derselbe in
gottesdienstlichen Vorträgen die Gemeinde über die betreffenden
Toraabschnitte belehre. Möchte das Beispiel Leimens auch bald bei anderen
Gemeinden Nachahmung finden. ...a..." |
Auflösung der jüdischen Gemeinde (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1905:
"Heidelberg. Wieder hat, dem Zuge der Zeit folgende, eine
jüdische Gemeinde auf dem Lande aufgehört zu existieren. Die jüdische
Gemeinde in Leimen ist aufgelöst und ihr Vermögen dem
Religionsschul- und Pensionsfonds zugewiesen worden." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Über den Hofbankier Aaron Elias Seeligmann (Artikel von 1931)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Oktober 1931:
"Unter den jüdischen Heereslieferanten und Anleihenegozianten
Bayerns nimmt der Hofbankier Aaron Elias Seeligmann eine ganz überragende
Stellung ein. Er stammte aus Leimen bei Heidelberg, wo er 1779 eine
Tabakfabrik gründete. Seeligmann war bereits kurpfälzischer Hoffaktor,
als er 1786 zum K. und K. Hof- und Kammeragenten ernannt wurde wegen
seiner Verdienste als Lieferant an die kaiserlichen Truppen in den
Niederlanden. Als Verpflegungsadmoniateur der bayerischen Armee errang er
im Jahr 1800 eine Monopolstellung, nachdem er die übrigen
Lebensmittellieferanten in den vorhergegangenen Jahren verdrängt hatte.
Im Jahre 1802 gewährte Seeligmann dem bayerischen Staat eine 3 Millionen-Gulden-Anleihe
zu 6 % Zinsen gegen Verpfändung der Steuereinnahmen, 1804 eine 500.000
Gulden-Anleihe zu 5 % und 1909 eine 4 Millionen-Anleihe zu 5 % gegen
Verpfändung der Zolleinnahmen. Im Jahre 1804 wurde dem Hofbankier A. E.
Seeligmann das Rechnungswesen des 'Ministerialauswärtigen Departements'
übertragen. Der Hofbankier hatte die Gehaltsauszahlungen an die Beamten
des auswärtigen Dienste in München und im Ausland vorzunehmen. Insoweit
nicht jeweils im gleichen Monat der Rückersatz durch die Staatskasse
geleistet wurde, erhielt Seeligmann eine Zinsvergütung. Da die Bezahlung
der Staatsbeamten viele Jahre hindurch großen Unregelmäßigkeiten
ausgesetzt war, so wurde wenigstens dem bayerischen Gesandtschaftspersonal
im Ausland die Gehaltszahlung durch den Hofbankier gesichert. Auch für
den sonstigen Geldbedarf des auswärtigen Dienstes, für Geschenke,
Reisekosten und dergleichen hatte Seeligmann die Mittel bereitzustellen.
Neben der Finanzierung des diplomatischen Dienstes leistete der Hofbankier
fortwährend Vorschüsse an den immer geldbedürftigen bayerischen König
Max I. So gewährte Seeligmann der königlichen Kabinettskasse vom
22. Februar 1809 bis 10. Februar 1810 nicht weniger wie 12 Vorschüsse,
welche zusammen 253.224 Gulden ausmachten. Seeligmann erfreute sich des
vollsten Vortrauens und der besonderen Gunst seines Königs, der ihm am
22. September 1814 den Adel als Freiherr von 'Eichthal' verlieh." |
Jüdischer Gefallener des Krieges 1870/71 aus Leimen
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. September
1895: "Zur Vervollständigung Ihrer Mitteilungen über die Teilnahme
jüdischer Soldaten an dem Kriege von 1870 und zur Charakteristik der
nichtswürdigen Ausfülle, welche von antisemitischer Seite gegen die
jüdischen Soldaten in Baden jüngst gewagt wurden, teile ich Ihnen mit,
dass in einer Woche drei badische Soldaten jüdischen Glaubens allein vor
Straßburg den Tod fürs Vaterland erlitten haben: Hirsch aus Ladenburg, Jacobi
aus Leimen und Joseph aus Mannheim. Die Leiche des Letztgenannten
wurde im September 1870 nach Mannheim gebracht, woselbst sie mit
militärischen Ehren bestattet wurde. Heidelberg, im September (1895). J.S." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Das jüdische
Wohngebiet konzentrierte sich im 18./19. Jahrhundert vermutlich auf heutige
Hessengasse, woher die zeitweilige Bezeichnung dieser Straße als "Judengasse"
herkommen wird.
Die Gemeinde unterhielt eine Synagoge am Marktplatz.
Es ist nicht bekannt, wann sie erbaut worden ist. Sie war – durch Stiftungen
der Familie Seligmann – gut ausgestattet. Nach den Listen der
Feuerversicherung im Gemeindearchiv Leimen waren 1847 zehn, 1858 noch acht
Torarollen vorhanden. Nach Auflösung der Gemeinde wurde das Synagogengebäude
1905 für 8.000 Mark an die politische Gemeinde verkauft. Laut
den Gemeinderatsprotokollen von Leimen wurde die Synagoge nach dem 27.
Oktober 1905 und vor dem 21. November 1905 abgebrochen, um Raum für
einen Marktplatz zu erhalten.
Der Almemor der Synagoge Leimen, der von der Familie Seligmann gestiftet worden
war, befand sich nach dem Wegzug der Familie von Leimen im Museum für jüdische
Altertümer in Frankfurt am Main (1938 zerstört). Der Beschneidungsstuhl der
Leimener Synagoge befand sich später in der Heidelberger Synagoge.
Fotos / Plan
(erhalten von Manfred Fuchs, Leimen)
Lageplan mit
Eintragung
der Synagoge |
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Lageplan: Synagoge
in Leimen (dunkel eingetragenes Gebäude links der Ziffer 122) mit
Umgebung: auf Grund des Planes lässt sich die Größe des
Synagogengebäudes angeben: 8,25 m Breite und 14 m Länge; das heutige
Gasthaus "Zur Krone" hat die Nummer 125. Rechts:
Ausschnittvergrößerung des Planes. |
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| Der Rest des
Synagogengebäude bei den Abbrucharbeiten 1905 |
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Von der Synagoge ist nur ein
Steinhaufen geblieben (querstehendes Gebäude: heute Gasthaus "Zur
Krone", oben Nr. 125) |
Ausschnitt aus Foto links. Der
Mauerrest mit Eingang stammt von dem östlich zur Synagoge gehörenden
Ökonomiegebäude (Nr. 122). |
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Das Synagogengrundstück
heute
(Parkplatz vor dem Gasthaus "Zur Krone") |
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Das Gebäude
des heutigen Gasthauses "Zur Krone" wurde nach dem Abbruch der
ehemaligen Synagoge und dem weiteren, oben noch zu sehenden Gebäude neu
gestaltet. |
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| Das
von Aron Elias Seligmann, Freiherr von Eichthal 1792 erbaute Palais, heute
Rathaus der Stadt Leimen |
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| Blick auf das
heutige Rathaus |
Haupteingang |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 218-219. |
 | Heinrich Schnee: Die Familie Seligmann-Eichthal als Hoffinanziers
an den süddeutschen Fürstenhöfen, in: Zeitschrift für bayrische
Landesgeschichte 25 1962 S. 163-201. |
 | Georg-Ludwig Menzer: Beiträge zur Ortsgeschichte von Leimen. 1949. |
 | Leopold Löwenstein: Geschichte der Juden in der Kurpfalz. 1895. S.
162.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Leimen Baden. Jews settled in the early 18th century
and numbered 82 in 1780, with the community ceasing to exist in 1905. the
Seligman family of Court Jews lived there in the 18th century. The five Jews in
Leimen in 1933 were affiliated with the Nussloch
congregation.

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