Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Manfred Fuchs, Leimen)

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge   
Fotos / Plan
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Leimen bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 20. März 1905. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1712 Juden am Ort genannt, 1738 waren es sieben, 1744 bereits 14 jüdische Familien. Große Bedeutung erlangte die Familie des Seligmann Aron. Sein Enkel Aron Elias Seligmann (1747-1824; seit 1799 Hofagent in München) errichtete eine Tabakfabrik in Leimen. Er besaß 1786 das Salzmonopol für die Kurpfalz.  
 
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde in Leimen um 1780 mit 82 Personen erreicht.  
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Schule und ein rituelles Bad. Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt.  

Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner Leimens zurück (1825 36, 1875 13 Personen). Nach Auflösung der Gemeinde gehörten die hier noch lebenden Juden zur Gemeinde im benachbarten Nussloch
  
Von den in Leimen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Bierig geb. Bierig (1878), Selma Bierig (1908), Heinrich Jacobi (1874), Hugo Mayer (1864), Karoline Mayer geb. Bierig (1879).  
  
  
  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Gründung eines Vereins in der Gemeinde (1846) 

Leimen Orient 29011846.jpg (68230 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 29. Januar 1846: "Heidelberg, 1. Januar (1846). Auch in den kleinen israelitischen Landgemeinden unseres Großherzogtums scheint sich ein neues religiöses Leben zu entwickeln. So hat sich in der benachbarten kleinen Gemeinde Leimen vor Kurzem ein Verein gebildet, dessen Zweck es ist, alle vier Wochen den tüchtigen und durch seine Kanzelberedsamkeit ausgezeichneten Rabbiner Fürst von Heidelberg zu berufen, damit derselbe in gottesdienstlichen Vorträgen die Gemeinde über die betreffenden Toraabschnitte belehre. Möchte das Beispiel Leimens auch bald bei anderen Gemeinden Nachahmung finden. ...a..."

  
Auflösung der jüdischen Gemeinde (1905)  

Leimen FrfIsrFambl 05051905.jpg (32373 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1905: "Heidelberg. Wieder hat, dem Zuge der Zeit folgende, eine jüdische Gemeinde auf dem Lande aufgehört zu existieren. Die jüdische Gemeinde in Leimen ist aufgelöst und ihr Vermögen dem Religionsschul- und Pensionsfonds zugewiesen worden."  

      
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  

Über den Hofbankier Aaron Elias Seeligmann (Artikel von 1931)

Leimen BayrGZ 15101931.jpg (169973 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Oktober 1931: "Unter den jüdischen Heereslieferanten und Anleihenegozianten Bayerns nimmt der Hofbankier Aaron Elias Seeligmann eine ganz überragende Stellung ein. Er stammte aus Leimen bei Heidelberg, wo er 1779 eine Tabakfabrik gründete. Seeligmann war bereits kurpfälzischer Hoffaktor, als er 1786 zum K. und K. Hof- und Kammeragenten ernannt wurde wegen seiner Verdienste als Lieferant an die kaiserlichen Truppen in den Niederlanden. Als Verpflegungsadmoniateur der bayerischen Armee errang er im Jahr 1800 eine Monopolstellung, nachdem er die übrigen Lebensmittellieferanten in den vorhergegangenen Jahren verdrängt hatte. Im Jahre 1802 gewährte Seeligmann dem bayerischen Staat eine 3 Millionen-Gulden-Anleihe zu 6 % Zinsen gegen Verpfändung der Steuereinnahmen, 1804 eine 500.000 Gulden-Anleihe zu 5 % und 1909 eine 4 Millionen-Anleihe zu 5 % gegen Verpfändung der Zolleinnahmen. Im Jahre 1804 wurde dem Hofbankier A. E. Seeligmann das Rechnungswesen des 'Ministerialauswärtigen Departements' übertragen. Der Hofbankier hatte die Gehaltsauszahlungen an die Beamten des auswärtigen Dienste in München und im Ausland vorzunehmen. Insoweit nicht jeweils im gleichen Monat der Rückersatz durch die Staatskasse geleistet wurde, erhielt Seeligmann eine Zinsvergütung. Da die Bezahlung der Staatsbeamten viele Jahre hindurch großen Unregelmäßigkeiten ausgesetzt war, so wurde wenigstens dem bayerischen Gesandtschaftspersonal im Ausland die Gehaltszahlung durch den Hofbankier gesichert. Auch für den sonstigen Geldbedarf des auswärtigen Dienstes, für Geschenke, Reisekosten und dergleichen hatte Seeligmann die Mittel bereitzustellen. Neben der Finanzierung des diplomatischen Dienstes leistete der Hofbankier fortwährend Vorschüsse an den immer geldbedürftigen bayerischen König Max I.  So gewährte Seeligmann der königlichen Kabinettskasse vom 22. Februar 1809 bis 10. Februar 1810 nicht weniger wie 12 Vorschüsse, welche zusammen 253.224 Gulden ausmachten. Seeligmann erfreute sich des vollsten Vortrauens und der besonderen Gunst seines Königs, der ihm am 22. September 1814 den Adel als Freiherr von 'Eichthal' verlieh."

  
Jüdischer Gefallener des Krieges 1870/71 aus Leimen

Leimen AZJ 06091895.jpg (70117 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. September 1895: "Zur Vervollständigung Ihrer Mitteilungen über die Teilnahme jüdischer Soldaten an dem Kriege von 1870 und zur Charakteristik der nichtswürdigen Ausfülle, welche von antisemitischer Seite gegen die jüdischen Soldaten in Baden jüngst gewagt wurden, teile ich Ihnen mit, dass in einer Woche drei badische Soldaten jüdischen Glaubens allein vor Straßburg den Tod fürs Vaterland erlitten haben: Hirsch aus Ladenburg, Jacobi aus Leimen und Joseph aus Mannheim. Die Leiche des Letztgenannten wurde im September 1870 nach Mannheim gebracht, woselbst sie mit militärischen Ehren bestattet wurde. Heidelberg, im September (1895). J.S."  

   
  
    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich im 18./19. Jahrhundert vermutlich auf heutige Hessengasse, woher die zeitweilige Bezeichnung dieser Straße als "Judengasse" herkommen wird. 

Die Gemeinde unterhielt eine Synagoge am Marktplatz. Es ist nicht bekannt, wann sie erbaut worden ist. Sie war – durch Stiftungen der Familie Seligmann – gut ausgestattet. Nach den Listen der Feuerversicherung im Gemeindearchiv Leimen waren 1847 zehn, 1858 noch acht Torarollen vorhanden. Nach Auflösung der Gemeinde wurde das Synagogengebäude 1905 für 8.000 Mark an die politische Gemeinde verkauft. Laut den Gemeinderatsprotokollen von Leimen wurde die Synagoge nach dem 27. Oktober 1905 und vor dem 21. November 1905 abgebrochen, um Raum für einen Marktplatz zu erhalten. Der Almemor der Synagoge Leimen, der von der Familie Seligmann gestiftet worden war, befand sich nach dem Wegzug der Familie von Leimen im Museum für jüdische Altertümer in Frankfurt am Main (1938 zerstört). Der Beschneidungsstuhl der Leimener Synagoge befand sich später in der Heidelberger Synagoge. 
  

Fotos / Plan
(erhalten von Manfred Fuchs, Leimen)

Lageplan mit Eintragung 
der Synagoge 
Leimen Plan 010.jpg (76692 Byte) Leimen Plan 011.jpg (49457 Byte)
  Lageplan: Synagoge in Leimen (dunkel eingetragenes Gebäude links der Ziffer 122) mit Umgebung: auf Grund des Planes lässt sich die Größe des Synagogengebäudes angeben: 8,25 m Breite und 14 m Länge; das heutige Gasthaus "Zur Krone" hat die Nummer 125. Rechts: Ausschnittvergrößerung des Planes.
   
Der Rest des Synagogengebäude bei den Abbrucharbeiten 1905 Leimen Synagoge 241.jpg (80157 Byte) Leimen Synagoge 242.jpg (67864 Byte)
  Von der Synagoge ist nur ein Steinhaufen geblieben (querstehendes Gebäude: heute Gasthaus "Zur Krone", oben Nr. 125) Ausschnitt aus Foto links. Der Mauerrest mit Eingang stammt von dem östlich zur Synagoge gehörenden Ökonomiegebäude (Nr. 122).
     
Das Synagogengrundstück heute 
(Parkplatz vor dem Gasthaus "Zur Krone")
Leimen Synagoge 240.jpg (68592 Byte)
     Das Gebäude des heutigen Gasthauses "Zur Krone" wurde nach dem Abbruch der ehemaligen Synagoge und dem weiteren, oben noch zu sehenden Gebäude neu gestaltet. 
   
   
     
 Das von Aron Elias Seligmann, Freiherr von Eichthal 1792 erbaute Palais, heute Rathaus der Stadt Leimen    
Leimen Rathaus 045.jpg (86390 Byte) Leimen Rathaus 047.jpg (78163 Byte) Leimen Rathaus 048.jpg (76133 Byte)
Blick auf das heutige Rathaus Haupteingang  

 

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Leimen 
Wikipedia-Artikel zu Aron Elias Seligmann  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 218-219.
Heinrich Schnee: Die Familie Seligmann-Eichthal als Hoffinanziers an den süddeutschen Fürstenhöfen, in: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 25 1962 S. 163-201.
Georg-Ludwig Menzer: Beiträge zur Ortsgeschichte von Leimen. 1949.
Leopold Löwenstein: Geschichte der Juden in der Kurpfalz. 1895. S. 162.
 


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 

Leimen  Baden.  Jews settled in the early 18th century and numbered 82 in 1780, with the community ceasing to exist in 1905. the Seligman family of Court Jews lived there in the 18th century. The five Jews in Leimen in 1933 were affiliated with the Nussloch congregation.   
   

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 02. April 2009