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Pahres (Gemeinde
Gutenstetten, Kreis
Neustadt a.d.A. - Bad Windsheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Pahres bestand eine jüdische Gemeinde bis 1878. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Ihre Blütezeit hatte
die jüdische Gemeinde in der 2. Hälfte des 18. und in der 1. Hälfte des 19.
Jahrhunderts. 1763 lebten 20 jüdische Familien am Ort.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und
ein rituelles Bad. Die Toten der
jüdischen Gemeinde wurden zunächst in Ullstadt
beigesetzt, nach Anlage des Friedhofes in
Diespeck 1786 auf dem dortigen Friedhof. Beim Transport von Verstorbenen
durch Diespeck war ein Wegzoll fällig: der Pfarrer in Diespeck verlangte für
erwachsenen Tote 2 Gulden, für nichterwachsene 1 Gulden. Der erste in Diespeck
Beigesetzte und unmittelbar beim Tahara-Haus Begrabene war Ezik (Isaak), Sohn des Schloss von Pahres (gest. 1787).
Auf Grund der schnellen Abwanderung der jüdischen Einwohner nach der Mitte des
19. Jahrhunderts, insbesondere nach Neustadt
an der Aisch, ging die Zahl der Juden so stark zurück, dass die Gemeinde in
den 1870er-Jahren aufgelöst wurde.
Aus der
Geschichte der jüdischen Gemeinde
Persönlichkeiten
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst (sicher bereits im 18. Jahrhundert) war ein Betsaal oder eine erste Synagoge vorhanden. Eine Synagoge wurde 1843/44
erbaut und am 1. Juni 1844 feierlich eingeweiht. Das Datum der
Einweihung ist bekannt aus einem Bericht, der in der "Allgemeinen Zeitung
des Judentums" (Ausgabe vom 8. Juli 1844) anlässlich der Einweihung der
beiden Synagogen in Wittelshofen und
Pahres erschien:
"Aus Mittelfranken, 13. Juni (1844). In unserer
materiellen Zeit ist es ein schönes Zeichen, dass unsere, meist nicht sehr
großen, Gemeinden sehr auf Verschönerung und den Anforderungen der Zeit
entsprechende, innere Ausstattung ihrer Synagogen bedacht sind. Dass hier kein
Opfer zu groß ist, davon überzeugen wir uns leicht, wenn wir in die kleinsten
Gemeinden kommen und uns die Synagoge zeigen lassen. Der Staub voriger
Jahrhunderte ist verbannt, Reichlichkeit, Ordnung, zweckmäßige Einrichtung
sind an seine Stelle getreten. Der Gottesdienst selbst wird auf eine würdige
Weise abgehalten, und wenn auch die Veredlung und Verbesserung des innern
Menschen gleichen Schritt hält mit diesen Einrichtungen, dann - gehen wir
gewiss einer bessern Zeit entgegen. Auch zwei neue Synagogen sind in der
jüngsten Zeit in unserem Kreise entstanden: die zu Wittelshofen, eingeweiht den
1. Dezember 1843 und die zu Pahres, eingeweiht den 1. Juni 1844, - beide
würdig der Gemeinden, denen die Verherrlichung Gottes über Alles ging.
Besonderer Erwähnung verdient eine Rede des königlichen Landrichters Herrn
Meyer in Dinkelsbühl - nunmehr in gleicher Eigenschaft in Nürnberg wirkend, -
welche derselbe bei der Einweihung in Wittelshofen, nachdem ihm ein Schulkind
den Schlüssel auf einem seidenen Kissen überreicht hatte, vor der
Synagogentüre gehalten hat. Er lobte den in dieser Gemeinde herrschenden guten
Geist, stellte dieselbe sogar zum Muster für christliche Gemeinden auf, uns
sprach unter anderen ungefähr auch folgende Worte:
"Möget ihr recht fleißig in diesen, von euch zur Verherrlichung Gottes
erbauten Tempel wallen, wie einst Israel in den Tempel nach Jerusalem wallte!
Möget ihr stets mit freudigem Herzen hierher kommen, zu dem Gott zu beten, der
auch unser Vater ist! Ja, wir haben alle einen Vater, und darum sind wir auch
rüder, darum bilden auch alle Menschen nur eine große Familie, darum sollen
auch die Bekenner verschiedener Konfessionen sich wie Brüder einander
lieben." usw.
- . Sehr zu bedauern ist, dass acht Tage nach Einweihung der Synagoge von
unbekannten, verruchten Händen das Häkdesch ("Opferstock"),
in welchem eine nicht unbedeutende Summe enthalten war, ganz ausgeleert
wurde". |
Die Synagoge in Pahres bestand nur wenige Jahrzehnte am Ort. Als in den
1870er-Jahren die Zahl der jüdischen Einwohner stark zurückgegangen war und
kaum noch ein Minjan zustande kam (zehn religionsmündige jüdische Männer zum
Gottesdienst), wurde die Synagoge geschlossen. Nachdem sie in Pahres nicht mehr
benötigt wurde, ist sie dort 1878 abgebaut und in Neustadt an der Aisch
wieder aufgebaut worden (Einweihung am 31. Mai 1880).
Beim Novemberpogrom 1938 wurde sie dort völlig zerstört.
Auf dem Platz der Synagoge in Pahres wurde später die zum Anwesen
Neustädter Strasse 3 (zwischen Aischgrund 1 und Braugasse 2) gehörende Scheune
erbaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Anwesen Neustädter
Strasse 3 (zwischen Aischgrund 1 und Braugasse 2)
Fotos
(Quelle: Hahn, Aufnahmedatum 16.9.2007)
Anmerkung: im Blick auf die Aufnahmen bestehen einige Unsicherheiten,
insbesondere über den genauen Standort der ehemaligen Synagoge, nach Schwierz
s.Lit. S. 173: "Auf dem Platz der Synagoge steht heute die zum Anwesen
Neustädter Straße 3 (zwischen Aischgrund 1 und Braugasse 2) gehörende
Scheune")
Die ehemalige Synagoge aus
Pahres,
nach Abbruch wiederaufgebaut in
Neustadt a.d. Aisch |
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Fotografie
der nach Neustadt transferierten Pahreser Synagoge aus dem Jahr 1896
(Aufnahme Ernst Repke, Wiesbaden 1896). Aus: Album von Neustadt a/d Aisch.
Verlag der Engelhardtschen Buch- und Musikalienhandlung in Neustadt a.d.
Aisch). |
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| Die jüdischen
Häuser und die Einrichtungen der Gemeinde waren im Bereich zwischen
Braugasse, Aischgrundstraße und Neustädter Straße |
Oben: die heutige
Braugasse, ehemalige "Judengasse" |
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Ehemaliger Standort
der
Synagoge (?) |
Auf dem
Grundstück Neustädter Straße 3 befand sich das Gebäude der jüdischen
Schule; beim abgebildeten Gebäude (links der Mitte des Fotos) handelt
es sich um das renovierte jüdische Schulhaus oder das anstelle des
Schulhauses erbauten Wohnhauses. |
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| Das "Judenhaus"
Neustädter Straße 2-4 mit der Bauinschrift: "Erbaut
Gebrüder Meier und Low Frankenschwerd 1840". |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Februar 2008:
Das Buch "Vom Land in die Stadt" von
Ilse Vogel wird vorgestellt |
Artikel
aus dem "Rathausboten" der Stadt Neustadt a.d. Aisch Ausgabe
3/2008 S. 14: "270 Jahre - Viel beachtete Buchpräsentation von
Ilse Vogel".
Zum Lesen des Artikel bitte Textabbildung anklicken. |
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| Rückblick:
Vorstellungen der Neubearbeitung der Publikation
von Ilse Vogel im Februar 2011 |
Ilse Vogel: Der Judensäcker. Begräbnisstätte der Juden in der Diespecker Flur. 1785 – 1938.
Neuauflage PH. C. W. Schmidt 2011. ISBN 978-3-87707-787-0
.
Das Buch ist eine Dokumentation jüdischen Lebens im mittleren Aischgrund
und umfasst 240 Seiten. Es enthält viele Abbildungen und Erklärungen, Übertragung der hebräischen Inschriften und ausführliche Register. Es kostet € 32 und kann nach der Vorstellung erworben werden.
Nach langjährigen Vorarbeiten, u. a. über die jüdischen Gemeinden in Diespeck (2003), in Pahres und Neustadt (2008) bietet die Autorin nun eine
ausführliche Darstellung über 150 Jahre Belegung im Friedhof, über jüdische Bestattungskultur und zeitbedingte
Akkulturation. Ein schematisches Auflisten von Grabsteinen wurde vermieden, da diese den Familien zugeordnet sind.
Die im Abschnitt 'Eingeschrieben ins Buch des Lebens – hebräisch, wie
sonst?' abgebildeten Steine entsprechen heute kaum noch der Wirklichkeit vor Ort, denn der
'Zahn der Zeit' nagt unaufhaltsam am Material.
Die Buchvorstellung findet jeweils um 19 Uhr unter angepassten Themen und ausgewählten Fotos statt. Sie ist keine virtuelle Friedhofsführung.
In Diespeck am Freitag, 4. Februar 2011 in der Schule:
Geboren in Diespeck – gestorben in Neustadt – ein stolzer Rest aber blieb.
150 Jahre diente das 'Haus des Lebens' der Bestattung ihrer Gemeindeglieder.
In Neustadt am Dienstag, 8. Februar 2011 im Gewölbe im Alten Schloss
Sie haben die Stadt aus dem Mittelalter geholt und den Judensäcker, das 'Haus des Lebens“, in Diespeck, gleich dazu.
In Pahres am Mittwoch, 9. Februar 2011 in der Gaststätte Hofmann
Tote Steine zum Leben erweckt – 100 Jahre Belegung der Gemeinde in Pahres von 1786 – 1874. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 237
(kurze Notiz). |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 173. |
 | Ilse Vogel: Vom Land in die Stadt. 200 Jahre
Judenschaft zu Pahres - 70 Jahre jüdisches Leben in Neustadt an der Aisch.
2008. 290 Seiten.
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