Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Diespeck (Landkreis Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim) 
Jüdischer Friedhof  
   

Hinweis auf eine umfassende Dokumentation des jüdischen Friedhofes (aktualisiert Dezember 2013):  
Über die Website http://histogerm.de/judensaecker/index.html sind alle Grabsteine des jüdischen Friedhofes mit Inschriftentexten und der Übersetzung recherchierbar. Die Dokumentation wurde von Ilse Vogel und Ralf Arndt erstellt.     

  
Übersicht: 

Zur Geschichte des Friedhofes 
Lage des Friedhofes 
Fotos 
Sommer 2004 
September 2007 
Text der Informationstafel   
Die Friedhofschändung im März 2007 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur     

  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
       
    
Siehe Seite zur Synagoge in Diespeck (interner Link)   
    
    
 
Zur Geschichte des Friedhofes    
       
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden zunächst in Ullstadt beigesetzt. Der jüdische Friedhof in Diespeck wurde 1786 gemeinsam mit der jüdischen Nachbargemeinde Pahres angelegt. Auch die in Neustadt an der Aisch nach 1865 entstehende jüdische Gemeinde setzte ihre Toten in Diespeck bei. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1786. Links des Weges durch den Friedhof steht ein Denkmal für elf jüdische Männer, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind (Aufschrift: "Die Israelitische Gemeinde in treuem Gedenken an ihre fürs Vaterland gefallenen Söhne").    
      
Der Friedhof wurde erstmals im Juli 1930 und auch 1933 geschändet

Diespeck Israelit 24071930.jpg (18753 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1930: "Neustadt an der Aisch. Auf dem jüdischen Friedhof bei Diespeck sind in einer der letzten Nächte Grabsteine umgeworfen und geschädigt worden."  

Einige Jahre später wurde in der NS-Zeit die Friedhofsmauer abgetragen; nach dem Krieg musste sie auf Befehl der amerikanischen Militärregierung von Einheimischen wieder aufgebaut werden.  
  
Auch nach 1945 gab es Friedhofsschändungen. Besonders schlimm war die Verwüstung des Friedhofes Anfang März 2007 (siehe Berichte unten).    

   
   
Lage des Friedhofes 
  
Der Friedhof liegt unmittelbar an der Kreisstraße nach Dettendorf, etwa 1,5 km außerhalb des Ortes vor dem Waldrand auf einer Anhöhe. Der Friedhof hat eine Gesamtfläche von 21,00 a. 
    
Auf dem über die Website der Gemeinde Diespeck zugänglichen Ortsplan ist der Friedhof eingetragen: www.diespeck.de.
     
Zugang zum Friedhof: Das Tor ist immer verschlossen. Einen Schlüssel erhält man im Rathaus Diespeck (Tel. 09161/88850) oder beim Friedhofsbetreuer Bernhard Hofmann (09161-4788). 
   
   
Link zu den Google-Maps  
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)  

Größere Kartenansicht   
   
   

Fotos
(Fotos vom Sommer 2004 wurden von Klaus Kurre, Mainberg angefertigt und dürfen nicht ohne Genehmigung weiter verwendet werden. Hochauflösende Aufnahmen und weitere, hier nicht hinterlegte Bilder können per Mail bei Klaus Kurre angefordert werden).
Diespeck Friedhof 100.jpg (107338 Byte) Diespeck Friedhof 101.jpg (86966 Byte) Diespeck Friedhof 102.jpg (40466 Byte)
Der Eingang zum Friedhof (an der 
Kreisstraße von Diespeck nach Dettendorf)
Das 1786 erstellte und 1862 
renovierte Taharahaus
Steinerner Waschtisch 
im Taharahaus
     
Diespeck Friedhof 118.jpg (105076 Byte) Diespeck Friedhof 104.jpg (96604 Byte) Diespeck Friedhof 105.jpg (96508 Byte)
Blicke über den Friedhof  Alte Grabsteine am Tahara-Haus 
   
Diespeck Friedhof 107.jpg (100555 Byte) Diespeck Friedhof 114.jpg (108345 Byte) Diespeck Friedhof 106.jpg (106664 Byte)
Alte Grabsteine (Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert); auf dem mittleren Foto rechts ist der älteste Grabstein von 1786 zu sehen.
 
Diespeck Friedhof 117.jpg (110069 Byte) Diespeck Friedhof 103.jpg (116379 Byte) Diespeck Friedhof 116.jpg (121380 Byte)
Grabstein für Bernhard Herold
(gest. 1928)
Teilansicht im 
neuen Teil
Grabstein für Leopold Kühn 
aus Neustadt an der Aisch
     
Diespeck Friedhof 108.jpg (110437 Byte) Diespeck Friedhof 115.jpg (118109 Byte) Diespeck Friedhof 113.jpg (104333 Byte)
Das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg
 gefallenen Juden
Neuere Grabsteine (Anfang 20. Jahrhundert)
 
   
Diespeck Friedhof 111.jpg (97018 Byte) Diespeck Friedhof 112.jpg (103496 Byte) Diespeck Friedhof 109.jpg (98068 Byte)
Grabstein für Sprintz, Witwe des 
Nathan Sternau (gest. mit 85 Jahren 
im Monat Nissan 5660 = April 1900)
Grabstein für Fanny Steigerwald 
aus Neustadt an der Aisch
(1844-1905)
Grabstein für Lina Freimann 
aus Neustadt an der Aisch  
(1879-1909)
  Diespeck Friedhof 110.jpg (82315 Byte)  
  Grabstein mit kleiner Levitenkanne von 
"Jaakow Jehuda, Sohn des Mordechai HaLevi"
  (hebr. Name von Carl Kohlmann)
 
     
     
Nach weitgehender (soweit möglich) Behebung der durch die Schändung im Frühjahr 2007 angerichteten Schäden: der Friedhof im September 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.9.2007)
  
Diespeck Friedhof 167.jpg (108837 Byte) Diespeck Friedhof 151.jpg (97714 Byte) Diespeck Friedhof 166.jpg (84339 Byte)
Eingangstor Beim Eingangstor das Taharahaus, das von 1862
   
Diespeck Friedhof 152.jpg (120733 Byte) Diespeck Friedhof 165.jpg (104083 Byte) Diespeck Friedhof 163.jpg (111169 Byte)
Die Reihen mit den ältesten Grabsteinen im Bereich des Taharahauses
 
Diespeck Friedhof 164.jpg (98376 Byte) Diespeck Friedhof 160.jpg (116660 Byte) Diespeck Friedhof 159.jpg (115883 Byte)
Grabstein für Henriette Rosenau 
geb. Reis (1857-1893)
Hauptweg durch den Friedhof; im schmalen Streifen rechts u.a. Kindergräber Grabstein für Carl Kohlmann 
aus Neustadt (vgl. oben)
     
Diespeck Friedhof 158.jpg (118109 Byte) Diespeck Friedhof 157.jpg (105447 Byte) Diespeck Friedhof 156.jpg (112319 Byte)
Grabstein Mitte für Helene Dietenhöfer
 geb. Goldfrank, rechts für Lorchen Hecht
Grabsteine für Pauline Sternau, Getta
 Stahl geb. Erlanger und Gustav Kohlmann
Grabstein für Simon Sämann (geb. 1870 
in Sugenheim, gest. 1928 in Neustadt)
      
Diespeck Friedhof 155.jpg (111700 Byte) Diespeck Friedhof 162.jpg (116644 Byte) Diespeck Friedhof 161.jpg (115268 Byte)
Blick auf die neuesten Grabstätten 
der 1930er-Jahre
     
     
Diespeck Friedhof 153.jpg (111775 Byte) Diespeck Friedhof 154.jpg (97998 Byte) Diespeck Friedhof 150.jpg (111151 Byte)
Das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, 1923 errichtet. Hinweistafel zur Geschichte des Friedhofes, im September 2007 aufgestellt.
 
        

Text der Informationstafel: "Der Name dieser Begräbnisstätte ist als 'Judensäcker' überliefert. 'Äcker' bezieht sich auf die beiden Flur-Nummern 572 und 573 - die Hzdeb aber meinten mit dem hebräischen Wort secker einen Ort der Erinnerung. 'Judensecker' wäre die richtige Schreibweise. Das 'Äckerlein von dem schlechtest sandigen Boden' was 'über zehn Jahre öd gelegen, folglich dem Zehentherrn ganz ohne Nutzen gewesen'. Nach der Genehmigung am 7. März 1786 wurde sofort die Mauer sowie das für die Reinigung der Leichen notwendige 'Tahara-Haus' errichtet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg bildete das entstehende Landjudentum um 1700 einzelne Gemeinden in Diespeck und in Pahres, die diesen Friedhof errichteten. Ein Friedhof wird nach der Halacha, dem Religionsgesetz, belegt. Jeder Stein schaut nach Osten, nach Jerusalem, wo der Messias einst erscheinen wird. Da im Buch des Lebens alle Namen verzeichnet sind, beginnt man, wie beim Schreiben im Hebräischen, mit der ersten Zeile rechts oben und dann füllt Zeile für Zeile die Seite. Im Judensäcker endet sie im Hauptfeld mit der angefangenen 27. Reihe. Im schmalen Feld links vom Eingang tragen die Grabsteine ausschließlich weibliche Namen, die Verstorbenen waren kultisch 'unrein'. Auch Totgeburten und namenlose Säuglinge wurden begraben. Danach folgen die Steine auf Kindergräbern. 1923 setzte die israelitische Kultusgemeinde ihren im Weltkrieg 1914-1918 gefallenen oder vermissten Soldaten ein Denkmal, das auch in der NS-Zeit unangetastet blieb. Es war zwei geistig beschränkten Jugendlichen aus dem Landkreis Neustadt vorbehalten, es in einer Februarnacht 2007 zu schänden. 1862 wurde das Tahara-Haus renoviert, die Zahl steht groß in der Mauer über der Tür. Es besteht aus einem Vorraum und dem Waschraum. 'Mit den Füßen voran verließ der Sarg nach der Tahara den Raum. Die Trauergemeinde folgte bis ans Grab. Ihr Rav oder Ravi, Vorsänger und Lehrer, sprach die Gebete.
Das erste Grab wurde neben dem Tahara-Haus ausgehoben für den 'sehr alten Mann Eitzik Bär Schloss von Pahres gestorben und begraben am Freitag, 4. Cheschwan 547 nach der kleinen Zählung'  das war der 17. Oktober 1786 - 'und das ist der erste Grabstein' steht noch unten zu lesen. 150 Jahre lang wurden nun in zeitlicher Abfolge Männer und Frauen aus Diespeck und Pahres bestattet. Heute fehlen ab der 4. Reihe bis zur 10. Reihe sehr viele Steine. Sie fielen höchstwahrscheinlich einem Gesetz von 1942 zum Opfer, das den Kommunen großzügigen Umgang mit jüdischem Eigentum erlaubte.
Das Bemerkenswerte an diesem Friedhof ist der Formenreichtum der Steine ab der 11. Reihe, der viel über den Zustand der Gemeinden verrät. Es gab nur hebräische Inschriften auf den Grabsteinen. 1836 ist zum ersten Mal der Name auch auf Deutsch zu lesen für Hirsch Birgstein, dem Barnos in Pahres. Ganz ohne hebräische Buchstaben ist 1855 der Stein für Amalie Schulherr aus Pahres. Erst ab 1865 durften jüdische Familien in Neustadt zuziehen. Ihre Anzahl wuchs, während sie in den Dörfern abnahm, nur der Friedhof blieb gemeinsam. Die Formen der Grabsteine wichen städtisch-christlichen Vorbildern, das Material wurde edler. In hebräischer Schrift würdigte man die Verstorbenen mit dem Synagogennamen, deutsch waren amtliche Namen und Daten. 1878 war die Gemeinde in Pahres aufgelöst, viele junge Leute waren seit 1848 ausgewandert, die meisten Familien wohnten längst in Neustadt. Selbst die Synagoge war abgebaut und in Neustadt wieder neu abgebaut worden. In Diespeck endete das Gemeindeleben nach dem Ersten Weltkrieg, der Sitz der israelitischen Kultusgemeinde war jetzt Neustadt. Durch Abwanderung der jungen Generation in die größeren  Städte war die Gemeinde rasch überaltert, 1934 war ihr Ende gekommen. Noch drei Beerdigungen fanden im Judensäcker statt, 1938 die letzte. Seitdem ist der Friedhof geschlossen und dem Schutz der Allgemeinheit empfohlen. Text: Ilse Vogel.  Weitere Ausführungen im Rathaus in Diespeck."

   
   
Die Friedhofschändung im März 2007   

Anfang März 2007: Historischer jüdischer Friedhof verwüstet -  Pressemeldung des Polizeipräsidiums Mittelfranken:
Diespeck Friedhof 0701.jpg (16094 Byte)Neustadt/Aisch - Bisher unbekannte Täter richteten auf dem jüdischen Friedhof bei Diespeck (Landkreis Neustadt/Aisch - Bad Windsheim) eine Spur der Verwüstung an. Etwa sechzig - teilweise Jahrhunderte alte - Grabsteine wurden mutwillig umgeworfen. Mehr als die Hälfte der betroffenen Steine wurde hierbei irreparabel zerstört. Die Kriminalpolizei Ansbach hat umfangreiche Ermittlungen aufgenommen. Die Zerstörungen auf dem etwas außerhalb auf einer Anhöhe im 18. Jahrhundert angelegten Friedhof wurden von einem ehrenamtlichen Betreuer bei einem Kontrollgang festgestellt. Die Begräbnis- und Erinnerungsstätte wird seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr für Beisetzungen genutzt. 
Die Täter waren in der Zeit seit Ende Januar 2007 offenbar über die Friedhofsmauer geklettert und ließen ihrer Zerstörungswut auf dem gesamten Areal freien Lauf. Auch elf Gedenksteine eines dort befindlichen Kriegerdenkmals für im I. Weltkrieg gefallene Soldaten jüdischen Glaubens wurden umgestoßen. Lediglich das "Taharahaus", ein Gebäude für rituelle Waschungen, wurde nicht beschädigt. Die Ermittlungen der Kripo Ansbach laufen in alle Richtungen. Da auf dem Friedhof keinerlei Schmierereien oder Kennzeichen mit politischem Hintergrund vorgefunden wurden, kann auch purer Vandalismus Motiv für die Beschädigungen gewesen sein. Der Sachschaden beträgt nach ersten Schätzungen mehrere Zehntausend Euro - weit schwerer wiegt allerdings der Verlust historischen Kulturgutes. 
Die Polizei ist bei der Aufklärung der Tat auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen: Wem sind seit Ende Januar Personen oder Fahrzeuge am Friedhof oder der von Diespeck nach Dettendorf führenden Kreisstraße aufgefallen. Möglicherweise können Zeugen den Tatzeitraum eingrenzen.
  
Pressemitteilung vom 8. März 2007: Nach der Schändung des jüdischen Friedhofs in Diespeck wurden zwei Neonazis verhaftet. Die beiden Jugendlichen sollen mehr als 60 Grabsteine beschädigt haben.

Diespeck Friedhof 0703.jpg (16189 Byte)Eine Schneise der Zerstörung zogen Friedhofsschänder über den alten jüdischen Friedhof im mittelfränkischen Diespeck (Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Mehr als 60 Grabsteine hatten die Täter umgeworfen, der größte Teil ist völlig zerstört. Heute wurden zwei jugendliche Neonazis gefasst; der ältere der beiden hat die Tat gestanden.  
Die Schändung des Friedhofs war am vergangenen Wochenende entdeckt worden. Der Friedhof wird seit 1937 nicht mehr für Begräbnisse benutzt, die Zerstörung fiel erst bei einem Kontrollgang eines ehrenamtlichen Betreuers auf. Daher konnte zunächst auch kein genauer Tatzeitpunkt genannt werden; fest stand nur, dass die Tat nach Ende Januar begangen worden sein musste. 
Der Friedhof liegt etwa 1,5 Kilometer außerhalb des Ortes auf einer kleinen Anhöhe; so konnten die Täter offenbar unbemerkt über die Umfassungsmauer klettern und ungestört ihr Vernichtungswerk begehen. Von den insgesamt etwa 300 Grabsteinen warfen sie 63 um, 40 der teilweise Jahrhunderte alten Grabsteine sind endgültig zerstört. Geschändet wurden auch elf Gedenksteine für Soldaten, die im 1. Weltkrieg gefallen waren; das Denkmal trägt die Aufschrift: "Die Israelitische Gemeinde in treuem Gedenken an ihre fürs Vaterland gefallenen Söhne". 
Heute nahm die Polizei zwei mutmaßliche Täter in jugendlichem Alter (17 und 18 Jahre) fest. Der Ältere hat die Tat gestanden. Beide sind seit Jahren befreundet und gehören der rechten Szene an. Erst vor wenigen Wochen waren sie bei einer Polizeikontrolle aufgefallen; bei näheren Überprüfungen ergab sich nun ein Tatverdacht. Schließlich gab der 18-Jährige aus Bad Windsheim zu, mit seinem Komplizen aus Neustadt/Aisch in den Abendstunden des 24.02. die Grabsteine umgeworfen zu haben. Nach der Entdeckung der Friedhofsschändung war der Jüngere bei Verwandten in Hessen untergetaucht, wo er heute Nachmittag im Raum Kassel festgenommen wurde. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat Haftbefehle für beide mutmaßlichen Täter beantragt.
Nach Recherchen der Nürnberger Nachrichten (NN) können die beiden Neonazis nicht als Einzeltäter gelten. Mehrfach seien sie wegen neonazistischer Aktivitäten in Erscheinung getreten und verfügten über bundesweite Kontakte zu extrem radikalen Kreisen. In den vergangenen Tagen war eine Gruppe der sogenannten "Hammerskins" in Frankfurt/Main ein Anlaufpunkt für den 17-Jährigen, berichtet das Blatt. Diese Gruppe versucht nach dem Verbot der Nazi-Skinhead-Organisation "Blood & Honour" den Markt für rechtsextreme Musikproduktionen und Konzertveranstaltungen zu besetzen. Die Hammerskin-Division Deutschland unterhält gute Kontakte zur rechtsextremen Szene, so etwa auch NPD-nahen Gruppen, berichten die NN. Erst vor knapp einem Monat war der regionale NPD-Funktionär Matthias Fischer, der seine Neonazi-Karriere bei einer Skinhead-Gruppe begonnen hatte, in Budapest bei einem Aufmarsch des "Blood & Honour"-Netzwerks aufgetreten. 
Wie die NN erfahren haben, existiert auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ein rechtsextremes Netzwerk. Nach Angaben von Insidern wurden dort "nationale Stützpunkte" errichtet. Seit Monaten werden Jugendtreffs und deren Verantwortliche sowie Kommunalpolitiker von der rechtsextremen Szene bedroht; in einigen Fällen wurden sogar Autos beschädigt, schreibt das Blatt. 
Link: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Mittelfranken  

vgl. auch den Presseartikel aus der "Süddeutschen Zeitung": "Rechtsextremismus - Die braunen Bauern von Illesheim" vom 16. Juni 2007: pdf-Datei 
Pressemitteilung (dpa) vom 20. November 2007: 
Wegen eines Brandanschlags auf Ausländer und der Schändung eines jüdischen Friedhofs hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg Anklage gegen fünf junge Männer und Frauen erhoben. 
Drei Männer und eine Frau müssen sich wegen versuchten Mordes in 42 Fällen verantworten. Sie sollen am 2. Oktober 2006 versucht haben, ein vornehmlich von Ausländern bewohntes Haus in Bad Windsheim in Brand zu setzen. Zwei der Männer und eine weitere Frau sollen zudem für die Schändung des Friedhofs im nahe gelegenen Diespeck am 24. Februar 2007 verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft geht nach gestrigen Angaben davon aus, dass die zum Tatzeitpunkt 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen die Bewohner in dem Bad Windsheimer Haus töten wollten. Dazu hätten sie am frühen Morgen mehrere Brandsätze auf das vierstöckige Gebäude geworfen, in dem sich 42 Menschen aufhielten. Die Feuer konnten allerdings rasch gelöscht werden und richteten kaum Schaden an. Die Anklagebehörde ist davon überzeugt, dass die Jugendlichen aus ausländerfeindlichen Motiven heraus gehandelt haben, und wirft ihnen einen aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch begangenen versuchten Mord vor. Die Beschuldigten sitzen seit März in Untersuchungshaft. Ähnlich großes Aufsehen wie diese Tat hatte die Schändung des alten jüdischen Friedhofs in Diespeck im Februar 2007 erregt. 63 Grabsteine wurden umgeworfen und 11 Gedenksteine des jüdischen Kriegerdenkmals beschädigt. Dafür sollen ebenfalls zwei der jungen Männer verantwortlich sein. Beteiligt war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft außerdem eine 18-jährige Frau. Die drei Angeklagten hätten sich der Störung der Totenruhe und der gemeinschädlichen Sachbeschädigung schuldig gemacht. Die Jugendkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth muss nun zunächst entscheiden, ob sie die Anklage zulässt und das Hauptverfahren eröffnet. Im Fall einer Verurteilung könne eine Jugendstrafe bis zu zehn Jahren verhängt werden, hieß es.  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Februar 2011: Vorstellungen der Neubearbeitung der Publikation von Ilse Vogel im Februar 2011   
Ilse Vogel:  Der Judensäcker. Begräbnisstätte der Juden in der Diespecker Flur. 1785 – 1938. 
Neuauflage PH. C. W. Schmidt  2011. ISBN 978-3-87707-787-0 
  
Das Buch ist eine Dokumentation jüdischen Lebens im mittleren Aischgrund und umfasst 240 Seiten. Es enthält viele Abbildungen und Erklärungen, Übertragung der hebräischen Inschriften und ausführliche Register. Es kostet € 32 und kann nach der Vorstellung erworben werden. 
Nach langjährigen Vorarbeiten, u. a. über die jüdischen Gemeinden in Diespeck (2003), in Pahres und Neustadt (2008) bietet die Autorin nun eine ausführliche Darstellung über 150 Jahre Belegung im Friedhof, über jüdische Bestattungskultur und zeitbedingte Akkulturation. Ein schematisches Auflisten von Grabsteinen wurde vermieden, da diese den Familien zugeordnet sind. 
Die im Abschnitt 'Eingeschrieben ins Buch des Lebens – hebräisch, wie sonst?' abgebildeten Steine entsprechen heute kaum noch der Wirklichkeit vor Ort, denn der 'Zahn der Zeit' nagt unaufhaltsam am Material.
   
Die Buchvorstellung fand jeweils um 19 Uhr unter angepassten Themen und ausgewählten Fotos statt.  
In Diespeck am Freitag, 4. Februar 2011 in der Schule: Geboren in Diespeck – gestorben in Neustadt – ein stolzer Rest aber blieb. 
150 Jahre diente das 'Haus des Lebens' der Bestattung ihrer Gemeindeglieder.
In Neustadt am Dienstag, 8. Februar 2011 im Gewölbe im Alten Schloss
Sie haben die Stadt aus dem Mittelalter geholt und den Judensäcker, das 'Haus des Lebens', in Diespeck, gleich dazu.
In Pahres am Mittwoch, 9. Februar 2011 in der Gaststätte Hofmann 
Tote Steine zum Leben erweckt – 100 Jahre Belegung der Gemeinde in Pahres von 1786 – 1874.  
 
Presseartikel und Fotos von der Buchverstellung  
(Fotos unten: Hahn)  
Neustadt BV PA 08022011a.jpg (277539 Byte)Artikel in der "Fränkischen Landeszeitung" (Neustadt/Aisch Stadt und Land) vom 8. Februar 2011: "Ilse Vogel stellte ihr neues Buch 'Judensäcker' beim Geschichts- und Heimatverein in Diespeck vor. Erinnerung für Nachwelt wach halten. Grabsteine verraten viel über den Verstorbenen - Weitere Lesungen in Neustadt und Pahres.
Diespeck (cf). Spätestens nach der Schändung des Judenfriedhofes in Diespeck vor ein paar Jahren kam der Zeitpunkt, an dem Ilse Vogel beschloss, mit ihrer Dokumentation zu beginnen. Jetzt ist ihr Werk 'Der Judensäcker', eine Begräbnisstätte der Juden in der Diespecker Flur, von 1785 bis 1938 fertig. Sie konnte ihr Buch nun, wie berichtet, beim Geschichts- und Heimatberein Diespeck erstmals der Öffentlichkeit vorstellen..."  
Zum weiteren Lesen des Artikel bitte Textabbildung anklicken.      
  
 Neustadt BV 08022011a.jpg (113616 Byte) Neustadt BV 08022011b.jpg (69398 Byte) Neustadt BV 08022011c.jpg (97123 Byte) Neustadt BV 08022011d.jpg (99515 Byte)
Im Gewölbe des alten Schlosses Während der Präsentation des Buches Ilse Vogel bei der Autogrammstunde
  
 
März 2012: Friedhofsführung mit Ilse Vogel  
Artikel in "Nordbayern.de" vom 20. März 2012: "Juden Grabstein 'schaut nach Jerusalem'. Ilse Vogel führte durch den jüdischen Friedhof bei Diespeck..." 
Link zum Artikel    
 

    
     

Links und Literatur 

Links:  

Website der Gemeinde Diespeck  
Denkmal für die jüdischen Gefallenen im Friedhof auch auf einer Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte     
Dokumentation zum jüdischen Friedhof in Diespeck auf einer Website von Ralf Arndt     

Literatur:  

Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth. Bayreuth 1907.  
Michael Trüger: Artikel zum jüdischen Friedhof Diespeck / Mittelfranken. In: Der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jg. 11 Nr. 71 vom Dezember 1996 S. 13.  
Israel Schwierz: Steinere Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988. S. 149-150.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 167-168.   
Ilse Vogel: "Der Judensäcker" - Begräbnisstätte der Gemeinden in Diespeck und Pahres, später Friedhof für die israelitische Kultusgemeinde Diespeck-Neustadt. 2003.   Neuauflage PH. C. W. Schmidt  2011. ISBN 978-3-87707-787-0.    

  
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 24. Dezember 2013