Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Alsbach mit Hähnlein (Gemeinde Alsbach-Hähnlein, Kreis Darmstadt-Dieburg)
und Bickenbach sowie Jugenheim*
Jüdische Geschichte / Synagoge

*Zur Geschichte der jüdischen Familien in Jugenheim siehe bei Seeheim.  
  
Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
              Der Bildhauer Benno Elkan - wohnhaft in Alsbach von 1911 bis 1919   
Kennkarten aus der NS-Zeit 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges    
Zur Geschichte der Synagoge    
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

      
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
     
In Alsbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./17. Jahrhunderts zurück. Zwischen 1423 und 1432 wird in den Rechnungsbüchern der Ortsherrschaft der Edelfreien von Bickenbach Jud Jakob  Liebmann von Alsbach genannt. 1563 konnte der Jude Baruch in Alsbach zuziehen. Weitere Namen jüdischer Personen in der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieges waren Menle Isaak, Lazarus, Heyum und Hessel. Ab 1672 werden wieder einzelne jüdische Familien genannt, gleichfalls in den Nachbarorten Bickenbach, Jugenheim und Hähnlein. 1774 wurden 17 jüdische Einwohner in Alsbach gezählt (4,7 % von insgesamt 361 Einwohnern), Ende des 18. Jahrhundert (1790-1808) lebten vier jüdische Familien am Ort.  
     
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1828 31 jüdische Einwohner (5,3 % von insgesamt 579), 1861 41 (5,6 % von 726), 1880 34 (4,7 % von 722), 1900 51 (5,9 % von 863), 1910 58 (5,45 % von 1.075). Zur jüdischen Gemeinde Alsbach gehörten schon im 19. Jahrhundert auch die in Bickenbach (1829-30 48, 1905 14, 1924 10), Jugenheim (um 1800 2 Familien, 1829-39 14 Personen, 1905 11, 1924 10) und Hähnlein (um 1770 3 Familien, 1829-30 42 Personen, 1905 23, 1924 17) lebenden jüdischen Einwohnern. Die vier Orte bildeten gemeinsam die "Israelitische Religionsgemeinde  Alsbach, Bickenbach, Hähnlein und Jugenheim a.d. Bergstraße". 
    
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.) und ein Gemeindehaus (so bezeichnet in der Ausschreibung der Lehrerstelle 1865) mit Religionsschule, Lehrerwohnung und rituellem Bad sowie - bereits seit Anfang des 17. Jahrhunderts - der große Verbandsfriedhof westlich des Ortes. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger, Schächter und Friedhofsaufseher des Verbandsfriedhofes fungierte (vgl. Ausschreibungen der Stelle 1865 und 1889). Seit 1889 war als Lehrer David Frank in der Gemeinde - 1929 feierte er sein 40jähriges Ortsjubiläum (siehe Bericht unten).   
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Arthur David (geb. 18.12.1895 in Alsbach, gef. 20.6.1915) und Ludwig Mayer (geb. 24.2.1892 in Alsbach, gef. 13.7.1915). Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Vieh-, Getreide- und Manufakturwarenhandel und hatten dazu auch einige Läden/Handlungen am Ort eröffnet. Ein jüdischer Einwohner (Zacharias Mayer) war Steinmetz.
   
Um 1924, als noch 28 jüdische Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (2,5 % von insgesamt etwa 1100 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Lazarus David (zu seinem Tod 1927 siehe Artikel unten), L. Wolf und A. Lehmann. Als Religionslehrer, Kantor, Friedhofsaufseher und Rechner der Gemeinde war der bereits genannte David Frank tätig (bis 1939 in Alsbach, siehe Foto unten). Er unterrichtete im Schuljahr 1923/24 sechs Kinder in Religion, im Schuljahr 1931/32 fünf Kinder. Als jüdischen Vereinen bestanden der Verein Bikkur Cholim (Krankenpflegeverein, gegründet 1881, 1924 unter Leitung von S. Sußmann, 1932 unter Leitung von David Frank, Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenpflege, Bestattungswesen, 1932 34 Mitglieder), ein Frauenverein (gegründet 1892, 1924 unter Leitung von Frau A. Götz, 1932 unter Leitung von Helene David, Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenpflege, Bestattungswesen, 1932 neun Mitglieder) und ein Brautausstattungsverein (1924 unter Leitung von M. Götz). 1932 waren die Gemeindevorsteher Felix David (Alsbach, 1. Vors.), Aron Lehmann (Hähnlein, 2. Vors.) und Heinrich Koppel (Jugenheim, 3. Vors.).  
   
1933 lebten noch 21 jüdische Personen in Alsbach (1,6 % von 1.331). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Friedhof und die Synagoge durch SA-Leute schwer geschändet (s.u.), danach zogen die SA-Leute vor jüdische Wohnungen und verhafteten die jüdischen Männer, die in das KZ Buchenwald verschleppt wurden. 1939 wurden noch sechs jüdische Personen am Ort gezählt. 
  
Von den in den Orten der Religionsgemeinde geborenen und/oder längere Zeit am Ort geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   
aus Alsbach: Sally David (1880), Rosa Heß geb. Meyer (1880), Elias Marx (1894), Jakob Marx (1899), Josef Marx (1921), Ella Sachs geb. Sussmann (1890), Lina Stein geb. David (1892), Elisabetha Sussmann geb. Selig (1864), Johanna Sussmann (1899), Emma Weiss geb. Sussmann (1887), Adelheid (Elsa) Wolf geb. Marx (1891, siehe Kennkarte unten) .     
aus Bickenbach: Wilhelm Grumbach (1865), Mina Kaufmann geb. Wolf (1861), Simon Mainzer (1871), Benno Wolf (1890), Gustav Wolf (1873), Leo Wolf (1871), Rosa Berta (Rosel) Wolf (1929).       
aus Hähnlein: Adolf Kiefer (1899), Julius Kiefer (1898), Adolf Kusel (1906), Max Moses Lehmann (1876), Herz Levi (1876), Heymann Levi (1883), Isidor Levi (1880), Moritz Levi (1886), Else Weinberg geb. Spiess (1891).       
aus Jugenheim: Moritz Abraham (1882), Ottilie Brodnitz geb. Trier (1877), Siegfried Brodnitz (1866), Heinrich Koppel (1870), Julius Sachse (1865), Erna Regina Steinberg geb. Feitler (1896).  
Anmerkung: Weitere Nachweise bei Yad Vashem unter Jugenheim a.d. Bergstraße gehören zu Jugenheim/Rheinhessen oder zu Ingenheim. 
  

Seit 1991 befindet sich am Bürgerhaus Zur Sonne eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde in Alsbach.  
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Schule und der Lehrer  

Ausschreibungen der Stelle des Vorsängers, Religionslehrers, Schächter und Friedhofaufsehers 1865 und 1889  

Alsbach Israelit 04011865.jpg (61093 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1865: "Die Stelle eines Vorsängers, Religionslehrers, Schächters und Friedhofsaufsehers, (Chasan uKabran, Melamed, Schochet) bei hiesiger israelitischer Gemeinde wird bis zum 1. Mai nächsten Jahres erledigt. 
Für diese Stelle wird eine jährliche fixe Besoldung von 230 Gulden bar, je nach Befähigung bezahlt, nebst freier Bewohnung eines schönen Gemeindehauses und Benutzung eines Gartens und etwas Feld, auch etwa an 100 Gulden und darüber an Nebengefällen. 
Streng-religiöse, befähigte Bewerber wollen sich an den unterzeichneten Vorsteher wenden. 
Alsbach bei Bensheim an der Bergstraße. Für den Vorstand: der erste Vorsteher Z.A. Mayer.
    
Alsbach Israelit 07021889.jpg (63723 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1889: "Vakanz. Die Lehrer-, Kantor-, Schächter- und Friedhof-Aufseher-Stelle in der israelitischen Religionsgemeinde Alsbach, Bickenbach, Hähnlein und Jugenheim a.d. Bergstraße, zusammen eine Gemeinde bildend, mit welcher freie Wohnung, mit welcher freie Wohnung und schöner Garten verbunden, soll bis 1. Mai diesen Jahres besetzt werden. 
Aufnahme des Bewerbers nach Übereinkunft. Befähigte, dem religiösen Standpunkte angehörende Bewerber wollen sich unter Einrichtung ihrer Qualifikationszeugnisse und Angabe ihrer Verhältnisse an den unterzeichneten Vorstand wenden. 
Reisekosten werden nur dem Gewählten erstattet. 
Bickenbach, 4. Februar 1889. Der Vorstand S. Bentheim."  
Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich Lehrer David Frank.  

   
40jähriges Ortsjubiläum von Lehrer David Frank (1929) 

Alsbach Israelit 15081929.jpg (54093 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. August 1929: "Alsbach, 12. August (1929). Der Lehrer und Kantor unserer Gemeinde, Herr Frank, sieht am Schabbat Nachamu (= Schabbat nach dem Tischa BeAw, das war am 17. August 1929) auf eine 40jährige Amtstätigkeit in der hiesigen Gemeinde zurück. Herr Frank hat in dieser langen Zeit seine Gemeinde im Geiste der Tora und Tradition geleitet und erfreut sich höchster Wertschätzung und großen Ansehens bei Juden und Nichtjuden. In vielen Vereinen ist er Ehrenmitglied. Vor einigen Jahren bekam er von seinem zuständigen Rabbiner in Anerkennung seiner gesegneten Lehrtätigkeit den Chowertitel."

   
70. Geburtstag von Lehrer David Frank (1935)

Grosszimmern Israelit 17011935.jpg (82157 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"  vom 17. Januar 1935: "Aus Hessen. Auch in unserem Lande das gleiche Bild wie in den übrigen Teilen des deutschen Vaterlandes. Die Gemeinden verarmen und sind nicht mehr imstande, ihren Lehrern und Kultusbeamten ein einigermaßen auskömmliches Einkommen zu gewähren. Eine Lehrerstelle nach der anderen geht ein, und wo seit Jahrzehnten durch die pflichtbewusste Arbeit eines wackeren Lehrers jüdisches Leben sich entfalten konnte, herrscht heute eine beängstigende Stille. Sterbende Gemeinden! Nur wenige in unablässiger Arbeit für das Torajudentum immer noch rüstig schaffende Lehrer harren aus, ungebeugt durch die Last der Jahre. So konnten vor kurzem in unserem Bezirke zwei Senioren des jüdischen Lehrerstandes, ihren 70. Geburtstag feiern, die Herrn Spier, Großzimmern und Frank, Alsbach. Möge Gott den beiden Kollegen Kraft und Gesundheit gewähren, noch lange Jahre ihre Arbeit zum Wohle ihrer Gemeinde und zum Guten der Allgemeinheit fortsetzen zu können."
vgl. Foto von David Frank unten.

    
  
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Zum 50-jährigen Bestehen des Wohltätigkeitsvereines Chewro (1931)     

Alsbach Israelit 10121931.jpg (98842 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1931: "Alsbach, 20. November (1931). Am Vortag zum Monatsbeginn Kislew (10. November 1931) feierte die Alsbacher Chewro, die eine Reihe Gemeinden der Bergstraße umfasst und die insbesondere die Fürsorge für das berühmte altehrwürdige Bes hachahim (Friedhof) bei Alsbach hat, die Feier ihre 50-jährigen Bestehens. Die Chewro war seinerzeit, nachdem sie ursprünglich zur Nachbarchewro Pfungstadt gehörte, von dieser losgelöst und begründet worden zugleich mit der Aufgabe, Mizwas hachnosas kalo (Brautausstattung) zu dienen. Nach vorangehendem Jaum-kippur-koton-Gebet in der Alsbacher Schul (=Synagoge) fand in Jugenheim die Festfeier mit der Generalversammlung verbunden statt. Die Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende, Herr Lehrer David Frank in Alsbach, der als pflichtbewusster Führer ebenso wie der rührige Rechner David, Zwingenberg, gefeiert wurde. Im Laufe der Versammlung brachte der noch einzig lebende Mitbegründer Heinrich Hecht, Mannheim, geschichtliche Erinnerungen, so zum Beispiel wie am Anfang die jährlich Sudo nur aus Waschen über Brot und Benschen bestand und man damit zufrieden war. Rabbiner Dr. Merzbach wies auf die Bedeutung der Chewrotätigkeit hin."   

    
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod des (nichtjüdischen!) Albert Katz aus Bickenbach und die Missverständnisse bei seiner Beisetzung (1884) 
Anmerkung: es ist nicht ganz sicher, ob es sich um Bickenbach bei Alsbach gehandelt hat. 

Bickenbach Israelit 23041884.jpg (173938 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1884: "Frankfurt am Main, 18. April (1884). Vor einiger Zeit erschoss sich in einem hiesigen Hotel ein junger Kaufmann, Albert Katz aus Bickenbach. Die Leiche wurde auf den Sachsenhäuser Friedhof verbracht und die israelitische Gemeinde von dem Vorfalle verständigt. Diese ließ durch den Leichenkommissär Herrn Isaak alles Nötige besorgen. Die Beerdigung sollte Montag, den 7. April, auf dem israelitischen Friedhofe vorgenommen werden. Gerade war Herr Isaak im Begriff, nach dem Friedhofe zu fragen, als ein Fremder auf ihn zutrat und sich als Jakob Katz aus Bickenbach, Vater des Verstorbenen, vorstellte. Herr Isaak drückte ihm sein herzliches Beileid aus. 'Im Übrigen', fügte er hinzu, 'können Sie ganz beruhigt sein; es ist alles geschehen, was geschehen musste; für Taharo (Waschung), Oraun (Sarg) und Tachrichim (Sterbekleider) ist bestens gesorgt worden.' - Ich verstehe Sie nicht, entgegnete der Fremde, für was ist gesorgt worden? - 'Es ist alles, alles nach streng jüdischem Ritus vorgenommen worden.' - Aber warum denn nach jüdischem Ritus? Mein Sohn war katholisch ebenso wie ich und alle meine Voreltern. 
Herr Isaak fuhr nun mit dem Fremden nach dem israelitischen Friedhofe, wo bereits der Oraun (Sarg) in das Grab gesenkt werden sollte. Dies wurde nunmehr verhindert und die Leiche nach dem nebenan befindlichen christlichen Friedhofe transportiert. Hier jedoch weigerte man sich, die Leiche ohne vorausgegangener Autorisation von Seiten der zuständigen Behörde zu bestatt. Herr Isaak fuhr nun mit dem Vater des Verstorbenen auf das betreffende Amt, wo derselbe, nach Erlegung der Gebühren, die gewünschte Erlaubnis erhielt. Jetzt endlich durfte die Leiche auf dem christlichen Friedhof bestattet werden, und zwar geschah dieses mit Oraun (Sarg), Talis (Gebetsschal) und Tachrichim (Sterbekleider). Weder die israelitische Gemeinde, nach Herr Isaak verlangten für ihre Auslagen und Bemühungen irgendwelche Entschädigung. In hiesigen Blättern erschien dann die nachstehende Annonce:     
Danksagung: Der israelitischen Leichenkommission, besonders dem Herrn Leichenkommissär Isaak für ihr freundliches Entgegenkommen und humane Handlungsweise, bei dem Ableben unseres Sohnes Albert sagen unseren tief gefühlten Dank. Bickenbach, den 11. April 1884. Familie Jacob Katz."   

    
"Goldene Hochzeit" des Ehepaares Koppel David (1892)   

Alsbach Israelit 18081892.jpg (96900 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1892: "Alsbach in Hessen, 7. August (1892). Heute feierten Herr Koppel David und Frau Gemahlin aus Alsbach ihre goldene Hochzeit. 
Um 3 Uhr wurde in der mit Blumen geschmückten und festlich beleuchteten Synagoge das Michagebet verrichtet, sodann betrat Herr Rabbiner Dr. Marx auf Darmstadt die Kanzel und hielt eine schwungvolle und begeisterte einstündige Rede, die alle Anwesenden zu Tränen rührte. Über hundert Personen hatten sich in der Synagoge versammelt, davon ca. die Hälfte Nichtjuden, darunter der evangelische Geistliche, Bürgermeister und Gemeinderat. 
Bei der Tafel hielt Herr S. Bentheim aus Bickenbach, Vorstand der Religionsgemeinde und des Friedhofsverbandes Alsbach eine Ansprache, worin er das 40jährige Wirken des Herrn David als Rechner in den beiden Gemeinden hervorhob und schloss mit den Worten: wer rastet - rostet. 
Im Auftrage der beiden Gemeinden gab Herr S. Bentheim, Herrn David zwei prachtvolle Geschenke. Außerdem übergab er dem Jubelpaar einen Glückwunschbrief des Großherzoglichen Kreisamts von Bensheim. - Herr Koppel David bedankte sich herzlich für die vielen Geschenke, sodann hielt Herr Lehmann David aus Mainz (Sohn des Jubelpaars) eine Dankrede an Herrn Rabbiner Dr. Marx sowie an die beiden Gemeinden und deren Vorsteher."  

      
30jähriges Jubiläum von Marum Kiefer (Hähnlein) als Kontrolleur des Friedhofes (1911)  

Alsbach Israelit 26101911.jpg (38648 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1911: "Alsbach (Hessen), 23. Oktober. Seite 30 Jahren versieht Herr Marum Kiefer, Hähnlein, Vorstandsmitglied des Friedhofsverbandes Alsbach das Amt eines Kontrolleurs. Auch ist derselbe langjähriges Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde. Aus diesem Anlasse wurde ihm am Rosch Chodesch Cheschwan Rosch Chodesch Cheschwan (Monatsanfang Cheschwan = 23. Oktober 1911) im Beisein sämtlicher Vorstandsmitglieder durch den Vorstand, Herrn L. David hier, ein prachtvoller Sessel überreicht."  

   
Verleihung des Eisernen Kreuzes erster Klasse von Julius David (1918)  

Alsbach Israelit 24101918.jpg (15680 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1918: "Alsbach, 20. Oktober (1918). Dem Leutnant der Landwehr und Kompanieführer Julius David wurde das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen." 

         
80. Geburtstag von Marum Götz (1925) 

Alsbach Israelit 23071925.jpg (32796 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1925: "Alsbach, 20. Juli (1925). Herr Marum Götz hier, der in unserer Gemeinde als eine besonders achtbare, streng-fromme Persönlichkeit geschätzt wird, begeht am 24. Juli in völliger geistiger und körperlicher Frische seine achtzigsten Geburtstag. Wir wünschen dem Jubilar ein gesegnetes frohes Greisenalter." 

        
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Lazarus David (1927) 

Alsbach Israelit 27101927.jpg (102593 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1927: "Alsbach (Hessen), 23. Oktober (1927). Einer unterer Besten ist am ersten Suckoustage (Laubhüttenfest, 11. Oktober 1927) mit Lazarus David von uns gegangen. Galt seine Lebensarbeit in erster Linie seiner Familie, so galt sie nicht minder seiner Gemeinde, welcher er 26 Jahre in vorbildlicher Weise vorstand. Keine Angelegenheit der Kehila (Gemeinde) und wäre sie noch so geringfügig gewesen, schien ihm zu unwichtig, als dass er sich ihrer nicht mit großer Wärme angenommen hätte. Bescheidenheit war der Grundzug seines Charakters, doch geradezu anspruchsvoll konnte er werden, wenn es sich darum handelte, für seine Gemeinde etwas zu erreichen. Von Schicksalsschlägen blieb auch er nicht verschont - nahm doch ihm der Krieg einen hoffnungsvollen Sohn -, aber sein goldener Humor, der ihm die Älteren zu Vertrauten und die Kinder zu Freunden machte, ließ ihn auch das Schwerste ertragen. So ist es selbstverständlich, dass sein Haus Ratsuchenden und Armen stets offen war, wobei ihm seine ebenbürtige Gattin hilfsbereit zur Seite stand. - Am Chol Hamoed Sukkot (13. Oktober 1927) haben wir ihn hinausgetragen auf den Friedhof (das Beit HaChaiim), der, wie Synagoge und Gemeinde, von seiner besonderen Fürsorge Zeugnis ablegt. Niemals ließ er es zu, dass der Minhag (gottesdienstliche Tradition) in der Synagoge oder das Überkommene auf dem Beit Olam (Friedhof) eine Änderung erfuhr. - Seine allseitige Beliebtheit tat sich kund durch die überaus große Beteiligung von Juden und Nichtjuden bei seiner Bestattung. Mögen seine Angehörigen Trost darin finden, dass wir ihn nicht vergessen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

  
Goldene Hochzeit des Ehepaares Marum Götz (1928)  

Alsbach Israelit 25101928.jpg (150968 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1928: "Alsbach (Hessen), 20. Oktober (1928). In selten geistiger und körperlicher Frische kann mit Gottes Hilfe das Ehepaar Marum Götz, hier, am Sonntag, den 28. Oktober das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Tierwurzelnd in Thauro (Tora) und Tradition, bildet dieses Paar, den Stolz unserer Gemeinde als Zeuge eines einst schönen echtjüdischen Kehillolebens (Gemeindelebens). Wahre Gesetzestreue, bekannte Gastfreundlichkeit und stets helfende Unterstützungsbereitschaft sind die Grundzüge dieser edlen Menschen. - Herr Götz, im 84. Lebensjahre stehend, ist noch heute der Erste in der Synagoge, der Erste auch, wenn es gilt, irgendwie Mizwoh (ein religiöses Gebot) zu erfüllen. Als aufsichtsführendes Mitglied der Verwaltung unseres Friedhofsverbandes wahrt er mit großem Interesse und eiserner Strenge die Traditionen unseres Friedhofes und lässt es nicht zu, dass auch nur irgendetwas an dem Überkommen geändert wird. - In dieser Mizwohfreude (= Freude an der Erfüllung religiöser Gebote) ist ihm, wie in jeder Hinsicht, Frau Götz die gleichgesinnte Gattin. Als langjährige Vorsitzende unseres Frauenvereins leistet sie Hervorragendes und ist den Jüngeren nachahmenswertes Vorbild, wenn der Ruf der Pflicht an sie ergeht. - Wenn an den verflossenen Feiertagen unsere Festesstimmung durch die erfolgte Instandsetzung unseres altehrwürdigen Gotteshauses in ganz besonderem Maße erhöht wurde, so ist dies das Verdienst dieses Jubelpaares, für das es nichts Höheres gibt als die Liebe zu unseren Mizwohs und die Liebe für unsere Gemeinde. - Weit über den engeren Verwandten- und Freundeskreis hinaus geachtet und geehrt, erfreuen sich Herr und Frau Götz der ganz besonders fürsorglichen und aufopfernden Liebe ihrer Kinder und Enkel, deren tiefe und echte Kindesliebe sich kundgibt in einem schönen harmonischen Familienleben. - Möge Gott diesen edlen Menschen noch viel Gutes zuteil werden lassen und sie gesund und froh erhalten. (Alles Gute) bis 120 Jahre."    

     
Der Bildhauer Benno Elkan - wohnhaft in Alsbach von 1911 bis 1919  

Elkan 01.jpg (9454 Byte) Jerusalem Menora.jpg (107277 Byte) Links: das bekannteste Werk Benno Elkans: 
die Menora an der Knesset in Jerusalem 
(Foto: wikipedia-Artikel zu Benno Elkan; 
das Foto von Elkan ist an zahlreichen 
Stellen veröffentlicht)

In Alsbach lebte von 1911 bis 1919 der Bildhauer Benno Elkan (geb. 1877 in Dortmund, gest. 1960 in London). Er hatte 1907 in Karlsruhe die Pianistin Hedwig Judith Einstein geheiratet. Die beiden lebten in Paris, danach in Rom, seit 1911 mit der inzwischen geborenen Tochter Ursula in Alsbach. Hier erarbeitete er in seinem Atelier zahlreiche Auftragsarbeiten, u.a. ein Totenmonument, der "Stein der Klage" für den jüdischen Friedhof in Mönchengladbach. In Alsbach ist der zweite Sohn Wolf geboren (am 9. Juli 1913). Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges war Elkan Versorgungsoffizier an der Ostfront eingesetzt. An Cholera erkrankt, kam er zurück. Bis zum Oktober 1919 bewohnte er mit seiner Familie das Haus in Alsbach und zog danach nach Frankfurt. Das Haus in Alsbach blieb als eine Art Sommerhaus in seinem Besitz. 
Über die weitere Geschichte und Elkans Werke vgl. u.a. Wikipedia-Artikel zu Benno Elkan.   
  
Zu Wolf Elkans Biographie siehe seinen Aufsatz: 'Und ich war davon überzeugt, dass es nur ein Land gab, in dem ich leben wollte: Deutschland'. in: Aylke Bartmann/Ursula Blömer/Detlef Garz (Hrsg.): 'Wir waren die Staatsjugend, aber der Staat war schwach'. Jüdische Kindheit und Jugend in Deutschland und Österreich zwischen Kriegsende und nationalsozialistischer Herrschaft.  Reihe: Oldenburgische Beiträge zu Jüdischen Studien Bd. 14 Oldenburg 2003 S. 143-149.    
Wolf Elkan, der die ersten 7 Jahre seines Lebens in Alsbach aufgewachsen war, emigrierte 1935; nach Abschluss seiner Medizinstudien war er als Chirurg an verschiedenen Krankenhäusern im Großraum New York tätig; er starb am 19. August 1995. Darstellung online zugänglich.   

Das Haus, in dem Familie Elkan lebte, steht noch in Alsbach (Hindenburgstraße 14, letzte Straße direkt am Waldrand, unterhalb des Alsbacher Schlosses, das letzte Haus). Ein Denkmal für Benno Elkan besteht noch nicht in Alsbach. Doch hat der Gemeinderat in Alsbach im September 2011 beschlossen, eine Straße am Ort (einen Teil der bisherigen Bahnhofstraße) in "Benno-Elkan-Allee" umzubenennen. 
Zur Umbenennung siehe Artikel in "Echo-online" vom 8. September 2011: Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.     

     

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Alsbach 
geborenen Elsa Wolf geb. Marx
 
 Alsbach KK MZ Wolf Elsa.jpg (96059 Byte)  
  Elsa Wolf geb. Marx ist am 27. Juni 1891 in Alsbach geboren. Im Gedenkbuch des Bundesarchives ist sie als "Adelheid Wolf geb. Marx" genannt. Sie wohnte später in Ober-Klingen und wurde am 25. März 1942 ab Mainz über Darmstadt in das Ghetto Piaski deportiert. Sie ist umgekommen.       

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Herz Grünebaum (1903)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1903: "Ein israelitisches Mädchen, von 14-16 Jahren, gesucht. 
Herz Grünebaum

Alsbach an der Bergstraße."       

   
Verlobungsanzeige von Gretel Heimann und Sally Mayer (1922)   

Alsbach Israelit 21091922.jpg (31153 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1922: "Gretel Heimann - Sally Mayer - Verlobte.   Müllheim (Baden) / Frankfurt am Main Hanauerlandstraße 5.  Alsbach a.d. Bergstraße / Darmstadt Bismarckstr. 72."

   
Verlobungs- und Hochzeitsanzeigen von Moritz Mayer und Jenny geb. Strauß (1921)     

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Oktober 1921: 
"Jenny Strauss - Moritz Mayer. Verlobte. 
Frankfurt am Main Langestraße 55 - Alsbach / Frankfurt am Main Börnestraße 27. 
Zu Hause Samstag, 15. Oktober 1921  Langestraße 55".      
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Dezember 1921: "Statt Karten. 
Zu der - so Gott will - am Sonntag, 25. Dezember stattfindenden Trauung 
ihrer Kinder Jenny und Moritz laden freundlich ein 
D. Strauss und Familie, Langestraße 55. Frau J. Mayer, Alsbach in Hessen.  
Trauung - Empfang 1 Uhr, Synagoge Börneplatz".     

     
Heiratsanzeige von Judith von Gelder und Ludwig Frank (1923)   

Alsbach Israelit 22111923.jpg (34473 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1923: "Statt Karten. 
Die - Gott sei gepriesen - am 27. November - 19. Kislew, in Fulda Hotel Birkenruth stattfindende Vermählung ihrer Kinder Judith und Ludwig  
erlauben sich anzuzeigen  Hamburg - Familie J. van Gelder. Alsbach (Hessen) Familie D. Frank."

    
    
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für 
Röschen Ottenberg aus Bickenbach    
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; der Geburtsname von Röschen Ottenberg wird nicht mitgeteilt.       

Bickenbach New York Salem 1673.jpg (110255 Byte)   Bickenbach New York Salem 1673a.jpg (86848 Byte)Grabstein (durch Verwitterung schlecht lesbar) für 
"Bernhard Ottenberg born in Nordheim. Died ... 1884" und 
Röschen Ottenberg, Born in Bickenbach Hessen-Darmstadt..."   

       
       
      

Zur Geschichte der Synagoge  
   
Zunächst wurden die Gottesdienste in einem Betsaal in einem der jüdischen Häuser abgehalten.   
  
1778
wurde ein älteres Wohnhaus zu einer Synagoge umgebaut. Ob sofort oder später auch das Gemeindehaus mit Schule, Lehrerwohnung und Bad dazugebaut wurde, ist nicht bekannt. Erstellt wurde insgesamt auf dem der jüdischen Gemeinde gehörenden Grundstück an der Hauptstraße ein L-förmiges Gebäude mit Schenkellängen von etwa 10 und 16 Meter und eine Breite von 7,5 und 8,5 Metern. Laut einer hebräischen Inschrift über dem Eingang wurde die Synagoge im Jahr 1864 renoviert.  
 
Die Synagoge hatte vermutlich einige Zeit (nach der Renovierung 1864?) kein traditionelles Gitter mehr. Nach einem Bericht zum Tod von Max Jonas Meyer (jüdisches Gemeindeglied in Darmstadt) hat dieser ein Gitter für die Synagoge in Alsbach gestiftet:   
       
Spende eines Gitters für die Frauenempore und eines Parochet (Toraschreinvorhang) (Bericht von 1931)    

Alsbach Israelit 16041931.jpg (109170 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1931: "Regensburg, 14. April. Vor Jahresfrist wurde in Darmstadt ein Mann zu Grabe getragen, dessen Verdienste in diesen Zeilen eine kurze Würdigung erfahren sollen: 
Max Jonas Meyer ließ in der Synagoge der Gemeinde Alsbach (Hessen), seiner frommen Gesinnung gemäß, an der Frauenschule ein Gitter anbringen und stiftete dazu noch ein prächtiges Parochet. In Baden-Baden, wo er des öfteren zur Erholung weilte, schenkte er dem dortigen Gotteshause mehrere wertvolle Kultusgegenstände. Beide Gemeinden ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitglied. 
Den größten Teil seines gottesfürchtigen Lebenswandels verbrachte er in Darmstadt, wo er an der Seite seiner ihm ebenbürtigen Gattin - sie ruhe in Frieden - ein Haus schuf, das wegen seiner Gastfreundlichkeit und Wohltätigkeit weit und breit bekannt war.
In den letzten Jahren seines Lebens erfüllte er noch die seltene Weisung des Schreibens einer Torarolle. Sein Sohn, der vor kurzem seinen Wohnsitz nach hier verlegte, ließ in seiner Wohnung für das selten schön geschriebene Sefer (Torarolle) einen Aron Hakodesch (Toraschein) anfertigen. während des Trauerjahres wurde in seinem jüdischen Hause an jedem Schabbat gelernt. 
Zum ersten Jahrestage Schabbat Paraschat Schemini 24. Nissan (Schabbat mit der Toralesung Schemini = 3. Mose 9,1 - 11,47 = 11. April 1931), an dem das oben genannte Sefer (Torarolle) ausgehoben wurde, widmete der Sohn des Verewigten ein würdiges Geschenk für unser Gotteshaus zum Andenken seines frommen Vaters. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

1928 wurde die Synagoge umfassend renoviert. Im Bericht über die Goldene Hochzeit des Ehepaares Götz (siehe oben) von 1928 ist von der in diesem Jahr erfolgten "Instandsetzung des altehrwürdigen Gotteshauses" die Rede und die Wiedereinweihung an den hohen Feiertagen im Herbst dieses Jahres angedeutet.  
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute schwer geschändet. Sie warfen die Kultgegenstände und einen Teil der Bibliothek auf einen im Garten errichteten Haufen, der angezündet wurde. Die Ritualien aus Silber wurden vermutlich gestohlen.   
     
Ein nichtjüdischer Nachbar kaufte das Gebäude mit Gemeinde-/Schulhaus und Garten und nutzte es bis Anfang der 1960er-Jahre als Lager. Danach kam es in den Besitz der örtlichen Sparkasse, die den Gebäudekomplex völlig umbaute und bis heute als Wohn- und Geschäftshaus verwendet.  
     
     
Adresse/Standort der SynagogeHauptstraße 19.  
    
    
 
Fotos
(Quelle: Innenansicht der Synagoge und des jüdischen Lehrers David Frank aus Arnsberg Bilder S. 9 ; neuere Fotos des Synagogengebäudes und der Gedenkstätte: Hahn, Aufnahmedatum 18. Juni 2006; Plan: aus Altaras 1988 S. 124; Fotos 2011 von Michael Ohmsen, Fotoseite zu Alsbach-Hähnlein, hier Fotos in hoher Auflösung)

Historische Fotos    
Alsbach Synagoge 010.jpg (57510 Byte) Alsbach Friedhof 005.jpg (62578 Byte) Alsbach RHallo Nr 80 S. 26.jpg (73952 Byte)
Oben: Besamimbehälter aus Alsbach 
(18. Jahrhundert; aus: Rudolf Hallo: 
Jüdische Kunst aus Hessen und Nassau. 
Berlin 1933 S. 25 Nr. 80). Es handelt sich 
um eine gedrechselte Büchse in Form einer
 vielteiligen Schraubröhre, die zonenweise
 durchlöchert ist und mehrere einzeln
 verschließbare Innenzellen hat. 
 Innenaufnahme der Synagoge 
in Alsbach 
mit Blick zum Toraschrein    
   
        
     
Plan des 
Synagogengrundstückes
Alsbach Synagoge 112.jpg (41239 Byte)
  Plan des Synagogengrundstückes mit Eintragungen der ehemaligen Synagoge mit 
Schulhaus und Bad auf Grund eines alten Katasterplans sowie den 
Umrissen des gegenwärtigen Gebäudes. 
     
Ehemaliges Synagogengebäudes 
in der Gegenwart (2006 / 2011)
Alsbach Synagoge 110.jpg (52498 Byte) Alsbach Synagoge 841.jpg (57160 Byte)
   Ehemaliges Synagogengebäude 
im Juni 2006 - durch Umbauten 
unkenntlich gemacht
Ehemaliges Synagogengebäude
im April 2011 (Foto Michael Ohmsen; 
Fotoseite zu Alsbach-Hähnlein)
            
     
Die Gedenkstätte am Bürgerhaus       
Alsbach Gedenken 202.jpg (121578 Byte) Alsbach Gedenken 201.jpg (122947 Byte) Alsbach Gedenken 200.jpg (71829 Byte)
Gedenkstätte am Bürgerhaus Zur Sonne mit Inschrift und Namen ehemaliger jüdischer Einwohner von Alsbach und Hähnlein: Berta David, Evi Beate David, Felix David, Helene David, Ludwig David, Rosel David, Josef Duff, Betty Frank, David Frank, Frieda Frank, Anna Horowitz, Adolf Kuhsel, Paul Kuhsel, Aron Lehmann, Doreth Lehmann, Julius Lehmann, Ludwig Lehmann, Selma Lehmann, Heymann Levi, Auguste Marx, Daniel Marx, Elias Marx, Hellmuth Marx, Joseph Marx, Nathan Marx, Sophie Marx, Zacharas Mayer, Elisabethe Sußmann, Johanna Sußmann.  Inschrift: "Tu deinen Mund auf 
für die Stummen und für die Sache 
aller, die Verlassen sind. Sprüche 21,8 - 
Dem Andenken der jüdischen Nachbarn, 
die unter dem Nationalsozialismus 
1933-1945 in Alsbach und Hähnlein 
gelebt und gelitten haben."
     
Alsbach Gedenken 840a.jpg (128985 Byte) Alsbach Gedenken 841a.jpg (117126 Byte) Alsbach Gedenken 840.jpg (95097 Byte)
Gedenkstätte mit den oben wiedergegebenen Inschriften (Fotos untere Zeile: Michael Ohmsen; Fotoseite zu Alsbach-Hähnlein
     

     
      
Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Alsbach-Hähnlein  
Website der Gemeinde Bickenbach  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Alsbach (interner Link) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Alsbach 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Alsbach mit Bickenbach  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Alsbach sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,47     Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Alsbach  1790 - 1808    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2202643     
HHStAW 365,944   Geburtsregister der Juden von Alsbach  1824 - 1875  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1032509    
HHStAW 365,946   Sterberegister der Juden von Alsbach  1826 - 1875   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3929151                   
HHStAW 365,945   Trauregister der Juden von Alsbach  1837 - 1875      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1447697     
HHStAW 365, 48    Gräberverzeichnis des jüdischen Sammelfriedhofs von Alsbach  1889 - 1941  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3274294  
Zu Bickenbach sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):   
HHStAW 365,88    Abschrift des Geburts- und Trauregister der Juden von Bickenbach  1780 - 1808  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v282839  
HHStAW 365,956  Sterberegister der Juden von Bickenbach  1823 - 1873    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1291915   
HHStAW 365,954  Geburtsregister der Juden von Bickenbach  1823 - 1873   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4610410   
HHStAW 965,955  Trauregister der Juden von Bickenbach  1823 - 1873   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4253029 
     
Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Hähnlein 
Vorbemerkung wie oben.  
Zu Hähnlein sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,401  Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Hähnlein  1746 - 1809: Geburtsregister 1746 - 1809, Trauregister  1787 - 1908, Sterberegister 1796 - 1808 
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v282840      
HHStAW 365,963  Geburts-, Trau- und Sterberegister den Juden von Hähnlein  1823 - 1837  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3929143      
HHStAW 365,966  Sterberegister der Juden von Hähnlein  1838 - 1873      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3274284                
HHStAW 365,964  Geburtsregister der Juden von Hähnlein  1838 - 1873    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2400245    
HHStAW 365,965  Trauregister der Juden von Hähnlein  1838 - 1873   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4973203      

Literatur:  

Germania Judaica III,1 S. 8-9.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 28-31.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 9. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 124-125.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 110.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 131-132.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 68-69.   
Bickenbach Lit 010.jpg (84202 Byte)Karl Schemel: Die Geschichte der Juden in Bickenbach und im südhessischen Raum. Ortschronik der Gemeinde Bickenbach Band II. Matchball-Verlag Thomas Klang. 1993.   

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  
   
Alsbach  Hesse.  Some Jews lived there from the 15th century, opening a burial ground (1616) before a community was established in the late 18th century. It numbered 58 (5 % of the total) in 1910 and had declined to 21 (seven families) by 1933. These mostly emigrated to the United States before Kristallnacht (9-10 November 1938) when the synagogue and the cemetery were vandalized and the two remaining Jewish homes were loted. In 1940, Alsbach was declared "free of Jews" (judenfrei). 
      
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. Mai 2016