Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Heppenheim an der Bergstraße (Kreis Bergstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule     
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Sonstiges     
Zur Geschichte der Synagoge    
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)          
    
In Heppenheim an der Bergstraße lebten jüdische Personen bereits im Mittelalter. Ob es zur Bildung einer Gemeinde mit eigenen Einrichtungen kam, ist nicht bekannt. Die Stadt gehörte von 1232 bis 1803 zum Erzbistum Mainz, war eine der neun Städte des Mainzischen Oberstifts, von 1461 bis 1623 an die Pfalzgrafschaft verpfändet. 1333 ließ ein Jude Jacob von Heppenheim ein Darlehensgeschäft in die Frankfurter Gerichtsbücher eintragen. 1336 verpflichteten sich die Juden zu Weinheim, Heppenheim und Bensheim auf drei Jahre, ihre Wohnsitze nicht ohne Erlaubnis des Erzbischofs zu verlassen. Bei der Judenverfolgung während der Pestzeit 1348/49 wurde das jüdische Leben in der Stadt vernichtet. In der 2. Hälfte des 14.Jahrhunderts und im 15. Jahrhundert hört man nur vereinzelt von jüdischen Personen in Heppenheim. 1429 ließ Erzbischof Konrad III. von Mainz alle erzstiftischen Juden inhaftieren und ihre Güter konfiszieren. Dies traf auch die Heppenheimer Juden. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts hört man wieder von zwei Juden in Heppenheim.  
  
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. 1668 werden zwei Juden in der Stadt genannt (Jurisdiktionalbuch des Oberamtes Starkenburg nennt für dieses Jahr die Juden Judell und Mayer in Heppenheim, die 30 Gulden Schutzgeld im Jahr zu bezahlen hatten). Im Jahr 1700 wurden 10 jüdische Einwohner gezählt. 

Im 18. und 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner stetig zu: 1806 56 jüdische Einwohner (1,7 % von insgesamt 3.190 Einwohnern), 1828 77 (2,1 % von 3.654), 1861 119 (2,7 % von 4.625), 1890 148 (2,8 % von 5.293), 1900 111 (1,9 % von 5.779, etwa 40 jüdische Familien), 1910 115 (1,6 % von 7,033). Demnach ging seit den 1890er-Jahren die Zahl der jüdischen Einwohner in Heppenheim durch Aus- und Abwanderung wieder deutlich zurück. 
  
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien überwiegend vom Handel mit Vieh und Landesprodukten. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden von ihnen mehrere Handlungen und Gewerbebetriebe in der Stadt eröffnet, die teilweise große Bedeutung für das wirtschaftliche Leben hatten. 1856 gab es ein Zigarrengeschäft der Gebr. Morgenthau aus Mannheim, nach 1900 bestand ein größeres Manufakturwarengeschäft mit Bankgeschäft (Wilhelm Wolf Mainzer), eine jüdische Arztpraxis (Dr. Frank), zwei jüdische Metzger, ein kleines Spezereiwarengeschäft sowie mehrere Viehhandlungen, Mehl- und Getreidehandlungen sowie eine Weingroßhandlung. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule und ein rituelles Bad (Bosengasse 8, Gebäude erhalten siehe Fotos). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem Verbandsfriedhof in Alsbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Rabbinat Darmstadt II.  

Im Ersten Weltkrieg beklagte die jüdische Gemeinde den Soldatentod zweier ihrer Mitglieder: David Frank (geb. 1.11.1894 in Heppenheim, gef. 24.8.1916) und Unteroffizier Friedrich Frank (geb. 18.12.1891 in Heppenheim, gef. 4.10.1915). Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Julius Stern (geb. 4.4.1887 in Heppenheim, vor 1914 in Gelsenkirchen wohnhaft, gef. 23.12.1914). 
  
Um 1925, als in Heppenheim wieder etwa 124 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,6 % von insgesamt 7.693 Einwohnern), gehörten dem Vorstand der Gemeinde an: M. Sundheimer, Josef Frank, Alex Goldschmidt. Als Lehrer, Kantor und Schochet war Nathan Friedmann tätig (insgesamt von vor 1908 bis 1938). Er erteilte auch Religionsunterricht für die damals 20 schulpflichtigen jüdischen Kindern (u.a. in der Oberrealschule in Heppenheim). Um 1932 ist als Vorsitzender der Gemeinde Dr. Frank eingetragen. Als jüdischer Verein wird der "Frauenbund" genannt, der im Bereich der Wohlfahrtspflege engagiert war.   
    
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 113 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.); es kam in der Stadt zu einem gewaltsamen Pogrom: etwa 200 bis 300 Personen zogen in der Pogromnacht zum 10. November 1938 durch die Stadt und demolierten und plünderten die Wohnungen und Geschäfte der noch in Heppenheim lebenden jüdischen Familien (Bertold Mainzer, Friedrichstraße; Jakob Mainzer, Karl David, Markus Hirsch und der Familie Meier-Sundheimer). Im Mai 1939 lebten noch 37 jüdische Personen in Heppenheim. Zu Beginn der Deportationen starb Fanny Scotti geb. Belmonte an Suizid. Im September 1942 wurden die letzten jüdischen Einwohner Heppenheims deportiert.    
   
Von den in Heppenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; ergänzt durch einige Namen vom Denkmal am Synagogenplatz):  Mathilde Adler geb. Sundheimer (1879), Leo Bach (1881), Rosa Bach geb. David (1885), Helmut Baruch (1915) Friederike Bloch geb. Mayer (1882), Charlotte Blum geb. Mainzer (1875), Louis Bodenheimer (1876), Stefanie Cahn (1895), Betty Fernheimer geb. Stern (1883), Ernest Fischel (1918), Sophia Fischer geb. Bär (1872), Henriette (Jettchen, Hedwig) Friedheim geb. Kanstein (1875), Bertha Fuld geb. Joseph (1877), Bertha Goldschmidt (1869), Helene Groß geb. Salomon (1856), Selma Herz geb. Salomon (1894), Bertha Hirsch (1862), David Hirsch (1883), Erna Hirsch (1920), Klara Hirsch (1887), Leo Hirsch (1887), Selma Hirsch geb. Frank (1896), Philipp Kuhn (1893), Herbert Lichtenstein (1932), Kurt Lichtenstein (1929), Lina Lichtenstein geb. Lachenbruch (1899), Moritz Lichtenstein (1894), Bertha Mainzer geb. Morgenthau (1882), Berthold Mainzer (1877), Jakob Mainzer (1874), Albert Marx (1893), Lucia Mayer (1903), Mathilde Mayer geb. Simon (1887), Max Mayer (1886), Ernst-Ludwig Meyer (1917), Helene Meyer geb. Cohen (1879), Franziska Morgenthau (1888), Hedwig Morgenthau (1882), Julie Morgenthau geb. Klein (1864), Johanna Mathilde Oberndorf geb. Hirsch (1887), Paula Opper geb. Marx (1890), Rebekka Sander geb. Mayer (1870), Bertha Schwarz geb. Hirsch (1861), Fanny Scott geb. Belmonte (1873), Adolf Stern (1878),  Jakob Strauss (1906), Erna (Emma) Strauß geb. Selig (1895), Margot Strauß (1920), Eva Sundheimer (1923), Ida Sundheimer geb. Rothschild (1885), Ludwig Sundheimer (1919), Maier Sundheimer (1881). 
  
An einige der genannten Personen erinnern auch "Stolpersteine" in Heppenheim (erste Verlegung am 17. November 2014 für sieben Mitglieder der Familie Sundheimer in der Lehrstraße 3, siehe Pressebericht unten; weitere Verlegung November 2015 s.u.).  
    
Achtung: einzelne der oben genannten Personen könnten auch aus Heppenheim a.d. Wiese stammen!   
    
Auf einem Denkmal auf dem Grundstück der 1938 zerstörten Synagoge stehen die Namen der von Heppenheim aus deportierten jüdischen Personen (siehe Foto unten). 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1869 / 1871 / 1875 / 1881 / 1904   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1869: "Konkurrenzeröffnung. Die Stelle eines israelitischen Religionslehrers und Vorsängers, mit welcher gleichzeitig das Schächteramt verbunden, ist erledigt, und soll mit dem 1. Juli laufenden Jahres anderweitig besetzt werden. Mit dieser Stelle ist ein fixer Gehalt von 350 Gulden nebst freier Wohnung und circa 150 Gulden - Akzidenzien verbunden, und es werden Bewerber um dieselbe aufgefordert, unter Vorlage ihrer Zeugnisse binnen vier Wochen sich zu melden. 
Heppenheim,
am 1. April 1869. Für den israelitischen Vorstand: Moses J. Hirsch. B. Hirsch. S. Bodenheimer."   
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1869: "Konkurrenzeröffnung. Die Stelle eines israelitischen Religionslehrers und Vorsängers, mit welcher gleichzeitig das Schächteramt verbunden, ist erledigt, und soll mit dem 1. Januar 1870 anderweitig besetzt werden. Mit dieser Stelle ist ein fixer Gehalt von 300 Gulden nebst freier Wohnung und circa 175 Gulden Akzidenzien verbunden, und es werden Bewerber um dieselbe aufgefordert, unter Vorlage ihrer Zeugnisse binnen 14 Tagen sich zu melden. 
Heppenheim
a.d. Bergstraße, den 9. November 1869. Für den israelitischen Vorstand Moses Löb Hirsch. B. Hirsch."  
   
Heppenheim Israelit 22111871.jpg (59205 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1871: "Konkurrenzeröffnung. Die Religionslehrer- und Vorsängerstelle dahier, mit welcher das Schächteramt verbunden, ist erledigt und kann bis 1. März kommenden Jahres wieder besetzt werden. Der Gehalt als Lehre rund Vorsänger beträgt jährlich 325 Gulden – nebst Akzidenzien und circa 50 Gulden Nebenverdienst, sowie freier Wohnung mit Bett und die Gebühren als Schächter werden zu 150 Gulden – angeschlagen.
Konkurrenzfähige Bewerber um diese Stelle wollen sich binnen 4 Wochen unter Vorlage ihrer Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand wenden.
Heppenheim, am 6. November 1871. Für den israelitischen Vorstand. M. L. Hirsch."
 
Heppenheim Israelit 03021875.jpg (48952 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1875: "Konkurrenzeröffnung. Die israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle dahier, womit ein jährlicher Gehalt von 400 Gulden fix und 250 bis 300 Gulden Nebenakzidenzien nebst 15 Gulden für Anschaffung des Heizungsmaterials und freie Wohnung verbunden, ist erledigt und soll durch einen tüchtigen Lehrer bis 1. Januar 1875 wieder besetzt werden. Bewerber um diese Stelle wollen sich innerhalb 14 Tagen unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei dem unterzeichneten Vorstande melden.
Heppenheim a.d.B., im Dezember 1874. Für den israelitischen Vorstand: B. Hirsch, Salomon Stern, S. Bodenheimer".
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1881: "Die hiesige Stelle eines Vorbeters, Religionslehrers und Schächters ist in Erledigung gekommen und soll wieder bis zum 20. Oktober 1881 besetzt werden. Fixer Gehalt 700 Mark, Nebenverdienste 500 Mark. Inländische Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten wenden. Heppenheim, 20. Juli 1881. Der Vorstand Feist Stern."
  
Heppenheim adB Israelit 24111904.jpg (62810 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1904: "Die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochets, verbunden mit der Religionslehrerstelle an der Realschule und mit sicherem Einkommen von 1.600 Mark ist alsbald durch einen seminaristisch gebildeten Lehrer zu besetzen. Bewerber belieben sich unter Angabe ihres Lebenslaufes und Beilage ihrer Zeugen an den Unterzeichneten zu wenden.  
F. Sundheimer, Heppenheim an der Bergstraße."

     
Bericht über das gute Verhältnis zwischen Christen und Juden in Heppenheim anlässlich der Eheschließung von Lehrer M. Oppenheimer (1891)

Heppenheim adB Israelit 09071891.jpg (116098 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1891: "Heppenheim. In der gegenwärtigen bewegten Zeit, da antisemitische Heißsporne kein Mittel – und mag es noch so verwerflich sein – verschmähen, den konfessionellen Frieden zu stören, ist es doppelt wohltuend, wahrzunehmen, wie rechtlich denkende und rechtlich handelnde Männer ihren Abscheu gegen der Frevler Streben unverblümt zum Ausdruck bringen. Ungeachtet der Erfolge, die die weltbeglückenden Reichstagsabgeordneten Pickenbach und Zimmermann in unserem lieben Hessenlande errungen, hat der gesunde Sinn der Bewohner unseres Städtchens keinen Schiffbruch erlitten. Vor einigen Wochen lenkte unser Lehrer, Herr Oppenheimer, sein Schifflein in den Hafen der Ehe. Von der Hochzeitsreise kommend, wurde ihm schon am Bahnhofe seitens eines christlichen Kollegen ein herzlicher Willkommengruß entboten. Freitagabend begab sich der hiesige Gesangverein, der die Elite unseres Städtchens zu seinen Mitgliedern zählt, in die Wohnung unseres Herrn Lehrers und brachte dem jungen Ehepaare ein Ständchen. Sichtlich gerührt, dankte derselbe in schönen, beifällig aufgenommenen Worten und schloss mit dem Wunsche, dass das harmonische Verhältnis zwischen den Bekennern verschiedener Konfessionen nicht getrübt werden möge. Diese Auszeichnung, die unserem wackeren Lehrer erwiesen worden, ist ebenso ehrend für denselben, als erfreuend für uns."

   
Lehrer M. Oppenheimer wirbt für sein Knaben-Pensionat (1892)  

Heppenheim adB Israelit 31031893.jpg (54012 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1893: "Knaben-Pensionat. Heppenheim a.d.B. Knaben, welche die hiesige Realschule (einjährige Berechtigung) besuchen, finden bei mir unter Zusage familiärer Behandlung und bester Pflege, Aufnahme. Nachhilfe in allen Fächern. Eigenes Haus mit schönem Garten (in) gesunder Lage. Billige Pensionsbedingungen. Beginn des neuen Schuljahres 10. April.   
M. Oppenheimer, Religionslehrer an der Großherzoglichen Realschule. Referenzen seitens der Großherzoglichen Direktion sowie bei Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Marx, Darmstadt."

   
Fragen des Lehrergehaltes (1893)  

Heppenheim Israelit 02031893.jpg (56879 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1893: "Darmstadt. Betreffs eines Gesuchs von Israeliten aus Heppenheim und Umgegend um Gehaltsbewilligung an den israelitischen Religionslehrer für Religionsunterricht an der Großherzoglichen Realschule zu Heppenheim an der Bergstraße beantragt der I. Ausschuss: die Kammer wolle die Großherzogliche Regierung ermächtigen, für den in der Finanzperiode 1891/94 erteilten oder noch erteilt werdenden Religionsunterricht eine nach dem Aufwand für den gleichen Religionsunterricht an den kleinen Realschulen bemessene Vergütung zu gewähren. Ohne Zweifel wird die II. Kammer dem Beschlusse ihres I. Ausschusses beitreten."

 
Lehrer Nathan Friedmann wirbt für seine Ferienpension (1907 / 1908)  

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Juni 1907: 
"Schüler finden angenehmen Ferien-Aufenthalt bei 
Lehrer Friedmann, Heppenheim a.d. Bergstraße
".   
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Juni 1908: 
"Schüler finden angenehmen Ferien-Aufenthalt bei 
Lehrer Friedmann, Heppenheim a.d.B.
"  

     
     
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Interkonfessionelle Veranstaltung zum Thema "Ist der Judenhass berechtigt?" (1930)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 2. Mai 1930:  "In Heppenheim an der Bergstraße hatte die Ankündigung, die in Form persönlicher Einladungen ergangen war, dass die Vertreter der drei Konfessionen, Dr. theol. und phil. C.M. Kaufmann - Frankfurt am Main, Pfarrer Dr. Adolf Wendel - Oberbreidenbach und Rabbiner Dr. S. Levi - Mainz die Frage 'Ist der Judenhass berechtigt?' untersuchen würden, am 17. März, wie schon oben erwähnt, einen Massenbesuch zur Folge, wie ihn das liebliche Städtchen an der Bergstraße wohl noch niemals bei irgendeinem Anlass zu verzeichnen hatte. Während Rabbiner Dr. Levi namens unserer Glaubensgemeinschaft in würdiger Form gegen die Verhetzung protestierte und unter Widerlegung einzelner Behauptungen über das jüdische Schrifttum und die Rolle der Juden im Wirtschaftsleben auf die Schädigung des deutschen Namens überhaupt hinwies, zeigten Dr. Kaufmann für die katholische und Pfarrer Dr. Wendel für die protestantische Glaubensgemeinschaft, wie aus der Geschichte, aus der Glaubenslehre der beiden Nachbarreligionen und aus den allgemeinen Grundsätzen des Gemeinschaftsgefühls und der Nächstenliebe der Judenhass niemals die Zustimmung wahrer Christen finden, sondern gar nicht scharf genug verurteilt werden könne."              

 
"Eine Messe lesen" für einen verstorbenen jüdischen Mann? (1931)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1931: "(Ein seltener Fall von Nächstenliebe). Aus Heppenheim a.d.B. wird uns geschrieben: In unserem Städtchen, in dem fast überwiegend Katholiken wohnen, herrschte immer ein gutes Verhältnis zwischen Juden und Christen. Allerdings ist auch unsere Gegend vom Antisemitismus nicht verschont geblieben. Nun ereignete sich in letzter Woche folgender Fall. Vor wenigen Wochen starb im Ausland der Sohn einer hiesigen jüdischen Familie. In den letzten Tagen kam eine evangelische Nachbarsfrau, eine Dame der ersten Kreise, zu dem jüdischen Lehrer und fragte ihn, ob ein Andersgläubiger 'eine Messe' für einen Juden lesen lassen könne. Da der Lehrer verstand, dass es sich um einen Schiur (= Toralernstunde) handelte, bejahte er. Darauf erlegte die Dame einen Betrag und bat, für den jungen Mann, dem sie weiter keine Ehre erweisen könne, 'eine Messe zu lesen.'. Es geschah auch - in der Form eines Schiurs mit Lernkaddisch." 

      
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod des hundertjährigen Abraham Sundheimer (1914)  

Heppenheim adB Frf IsrFambl 13111914.jpg (14839 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. November 1914: "Heppenheim an der Bergstraße. Hier verschied im vollendeten hundertsten Lebensjahre Abraham Sundheimer".

  
Abraham David wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1916)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. September 1916: "Heppenheim. Abraham David, Sohn von Lazarus David, eines Veterans des Krieges 1870/71, ist mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden."   

  
90. Geburtstag von Emanuel Meyerhof (1934)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1934: "Frankfurt am Main, 9. September (1934). Am 26. September feiert Herr Emanuel Meyerhof, Heppenheim a.d. Bergstraße, als ältester Bürger in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 90. Geburtstag. (Alles Gute) bis 120 Jahre."    

  
  
Weitere Persönlichkeiten    

Buber 01.jpg (96461 Byte)Martin Buber (1878 Wien - 1965 Jerusalem), aufgewachsen in Lemberg, Studium an verschiedenen Orten; lebte von 1916 bis 1938 mit seiner Familie in Heppenheim (Haus Werlestraße), von wo er die von ihm gegründete Monatsschrift "Der Jude" herausgab. Seit 1925 Lehrauftrag an der Universität Frankfurt als Nachfolger von franz Rosenzweig; seit 1930 Honorarprofessor für Religionswissenschaft an der Frankfurter Universität. 1933 Begründer des jüdischen Lehrhauses in Frankfurt. Im Februar 1938 war er zur Auswanderung gezwungen und emigrierte mit der Familie nach Jerusalem. Beim Novemberpogrom 1938 wurde sein Haus geplündert, die 3.000 Bücher umfassende Bibliothek und das Mobiliar zerstört. Buber erhielt eine Professur für Sozialphilosophie an der Hebräischen Universität in Jerusalem. In Heppenheim sind seine wichtigsten Werke geschrieben worden, u.a. "Ich und Du", 1922 in Leipzig erschienen, seine Bibelübersetzung, die "Reden über das Judentum" u.a.m. 
Leopold, Adolf und Heinrich Hirsch (Söhne des um 1840 in Heppenheim geborenen Baruch Hirsch): Gründer des Bankhauses Hirsch in London. Die Brüder waren zeitlebens eng mit Heppenheim verbunden, kamen regelmäßig zu Besuch in die Stadt und stifteten große Summen für die jüdischen und christlichen Bedürftigen in Heppenheim. Die Synagoge in Heppenheim wurde großenteils von ihnen finanziert (s.u.); an der Synagogeneinweihung nahmen Leopold und Adolf Hirsch persönlich teil.
Ludwig Oberndorf (1888 - 1966), um 1900 im Vereinsleben in Heppenheim engagiert (Gründer und zeitweise Vorsitzender des FC Starkenburgia e.V. Heppenheim; in die USA ausgewandert; ab 1914 bei der New York Staatszeitung und The New York Herald, seit 1947 Chefredakteur (managing editor). Ehrenbürger der Stadt Heppenheim seit 1963. 

    
Offener Brief von Martin Buber an Gerhard Kittel (1933)  
Anmerkung: es handelt sich um eine Stellungnahme zur Publikation von Gerhard Kittel zur "Judenfrage". Zu Gerhard Kittel vgl. Wikipedia-Artikel:  https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Kittel   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1933:           
Heppenheim GemZeitung Wue 16101933a.jpg (130267 Byte)    

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Feist Stern (1868)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1868: "Für meinen Sohn, welcher drei Jahre lang die höhere Bürgerschule in Weinheim besucht hat und die besten Zeugnisse besitzt, suche ich eine Stelle als Lehrling in einem Geschäfte, das an Sabbat- und Festtagen geschlossen ist. 
Feist Stern
in Heppenheim a.d. Bergstraße."    

  
Anzeigen von E. Meyerhof (1903 / 1920)   

Heppenheim adB Israelit 02021903.jpg (26663 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1903: "1-2 Knaben
welche Ostern die hiesige sehr gut renommierte Realschule  
besuchen wollen, erhalten Kost und Logis.
E. Meyerhof, Heppenheim a.d. Bergstraße."  
        
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Januar 1920: 
"Für mein Putzgeschäft, Samstags geschlossen, suche ich eine Volontärin
Eintritt am 1. oder 15. Februar. Kost und Wohnung im Hause. 
E. Meyerhoff. Heppenheim an der Bergstrasse."  

        
       
Sonstiges  

Jahresversammlung des Jüdischen Frauenbundes, Provinzialverband für Hessen und Hessen-Nassau in Heppenheim (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 31. Mai 1929:   
Der Text wird nicht ausgeschrieben; bei Interesse zum Lesen bitte die Textabbildungen anklicken.    
        
Heppenheim JuedWZKassel 31051929a.jpg (108564 Byte)  

    

Postkarte an Frau Dr. Lilienstein bei 
Dr. Fritz Frank in Heppenheim (1922)  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim / Ries)  
Heppenheim Dok 1307.jpg (293027 Byte) Heppenheim Dok 1307a.jpg (137895 Byte)

Die Postkarte wurde versandt am 30. Oktober 1922 von Baden-Baden nach Heppenheim in die Lorscherstraße an Frau Dr. Lilienstein bei Dr. Fritz Frank. Dr. Fritz Frank war der Hausarzt des ebenfalls in Heppenheim wohnenden Martin Buber. Er verordnete diesem u.a. eine Kur in Karlsbad. Dr. Fritz Frank emigrierte 1935 nach Palästina und ließ sich dort als Allgemeinarzt nieder. 
Vgl. Gerhard Wehr: Martin Buber: Leben - Werk - Wirkung. (Online als Google-Book)    

         
         
         
Zur Geschichte der Synagoge 
     
    
Eine erste Synagoge war seit 1791 in einem Haus in der Kleinen Bachgasse 3 eingerichtet. Synagogenordnungen sind aus dem Jahr 1859 und 1892 bekannt. 
   
Im Laufe des 19. Jahrhunderts erwies sich bei der steigenden Zahl der jüdischen Einwohner die Synagoge für zu klein, sodass in den 1890er-Jahren der Neubau einer Synagoge dringende Notwendigkeit war. 
      
Für den Neubau einiger Synagoge wurde 1896 ein Bauplatz gekauft. Die Finanzierung war unproblematisch, da die aus Heppenheim stammenden Gebrüder Hirsch in London, Inhaber eines privaten Bankhauses, die Übernahme der Baukosten zusagten.  

Heppenheim adB Israelit 21091896.jpg (32405 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1896:  "Heppenheim (Bergstraße). die neue Synagoge wird in die neu angelegte Heinrichsstraße zu stehen kommen. Der hiefür in Aussicht genommene Bauplatz ist bereits angekauft. Der Bau selbst wird erst im Frühjahr begonnen werden. Das Baukapital ist ein Geschenk der von hier stammenden Gebrüder Hirsch in London, die in den letzten Tagen wieder den Armen Heppenheims die Summe von M. 1000 zuwendeten."
 
Heppenheim adB Israelit 15071897.jpg (24996 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juli 1897: "Heppenheim a.d. B. 9. Juli (1897) Die Herren Gebr. Hirsch aus London, welche letzten Sonntag wieder ihrer alten Heimat dahier einen Besuch abstatteten, stifteten bei dieser Gelegenheit dauernd jährlich 500 Mk. zur Verteilung unter die Ortsarmen, außerdem 3.000 Mk. zur sofortigen Verteilung. Den Bau einer Synagoge haben sie auf ihre Kosten übernommen. Diese Herren haben den hiesigen Armen schon viele Tausende gespendet."
  
Heppenheim adB Israelit 26041900.JPG (23508 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1900: "Heppenheim. Die hiesige neuerbaute Synagoge geht ihrer Vollendung entgegen, doch soll dieselbe erst eingeweiht werden, wenn die Herren Hirsch aus London, von hier gebürtig, welche viel zum Bau beigesteuert haben, nach Deutschland kommen werden."
   
Heppenheim adB Israelit 03051900.jpg (30660 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900: "Berichtigung. Heppenheim a.d.B., 30. April. In ihrem geschätzten Blatte Nr. 34 vom 26. dieses Monats bringen Sie unter Rubrik 'Vermischtes' eine von hier eingesandte Notiz, in der berichtigend zu bemerken ist, dass die Herren Hirsch nicht allein viel zum Bau der Synagoge beigesteuert haben, sondern den ganzen Bau auf ihre alleinige Kosten herstellen ließen."

Die Synagoge wurde durch den Architekten Prof. Heinrich Metzendorf (Artikel in Wikipedia, der "Baumeister der Bergstraße") aus Bensheim geplant und zwischen Frühjahr 1897 und Herbst 1900 erbaut. Es war der erste Sakralbau dieses Architekten. Wie viele seiner zuvor gebauten Villen wies die Synagoge ein Türmchen auf. In der Synagoge erfüllte es auch einen praktischen Zweck als Treppenaufgang zu der getrennten Frauenempore. Auch sonst war die Synagoge errichtet "in Formen, die in vielen Teilen der Villenarchitekt der Zeit beziehungsweise dem Landhausstil des Architekten, für den er sonst bekannt geworden war, entsprachen" (Hammer-Schenk S. 365). "Besonders der Eingangsbereich mit offener Halle, Treppenturm und dem eigenen Giebeldach folgten diesem Stil, dem auch der Wechsel im Baumaterial von Bruchstein, Haustein und Putzflächen zuzurechen ist. Diesem Westteil schloss sich der eigentliche Kultraum mit halbrunder Apsis an" (ebd.). Die Maße der Synagoge waren: 20 Meter lang, zehn Meter breit, 17 Meter hoch. In der Synagoge war Platz für 180 Gläubige, davon 80 für Frauen. Da der Gemeinde damals 111 Mitglieder angehörten, wurde angenommen, dass ein weiteres Wachstum der Gemeinde erfolgen würde.   
  
Die Einweihung der Synagoge war am 10./11. Oktober 1900. Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt nahm die Einweihung vor, worüber die Zeitschrift "Der Israelit" berichtete: 

Heppenheim adB Israelit 25101900.jpg (51220 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1900: "Heppenheim (Bergstraße). Am Chol HaMoed (sc. Halbfeiertag während des Sukkotfestes, nach dem nächsten Bericht am 1. Chol HaMoed, d.h. am Mittwoch, 10. Oktober 1900) fand dahier die feierliche Einweihung der prächtigen, neuerbauten Synagoge durch Rabbiner Dr. Marx - Darmstadt statt. Die meisten Kosten für die Erbauung der Synagoge leisteten die von hier stammenden und jetzt in London wohnenden Gebr. Hirsch, die auch persönlich anwesend waren. Von allen Seiten waren Leute herbeigeströmt, um Zeuge dieser hübschen Feier zu sein. Alles verlief in herrlichster Ordnung; besonders gefiel uns die Abschiedsrede des Herrn Rabbiner Dr. Marx, gehalten in der alten Synagoge, sowie der Toast des Herrn Kreisrats Dr. Göttelmann auf den Großherzog. Wie wir hörten, sollen die Gebr. Hirsch bei ihrem Weggange jüdische und christliche Arme von Heppenheim reichlich bedacht haben."
   
Heppenheim adB 08111900.JPG (201340 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1900: "Heppenheim a.d.B. (Einweihungsfeier). Am ersten Tag Chol jamoed fand dahier die feierliche Einweihung der neu erbauten Hirsch-Synagoge statt. Aus Nah und Fern hatten sich zahlreiche Festteilnehmer eingefunden. Persönlich anwesend waren die Herren Gebr. Hirsch aus London, die von hier stammen und denen die hiesige Gemeinde den schönen Bau zu verdanken hat. In edler Betätigung des Willens ihres Vaters Baruch Hirsch seligen Andenkens haben sie die Kosten zum weitaus größten Teil getragen. Um 1 Uhr versammelte man sich zum letzten Male in der alten Synagoge. Nach dem Minchahgebet hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Marx - Darmstadt die Abschiedspredigt, die allgemeinen Beifall fand. Sodann wurden unter den üblichen Gesängen die Torarollen ausgehoben und in feierlichem Zuge, umgeben von Girlandenträgerinnen nach der neuen Synagoge getragen. So wie der Festzug sich nun durch die reich beflaggten Straßen und hohen Ehrenpforten unter Beteiligung der hiesigen Behörden und Geistlichkeit, verschiedener Herren Rabbiner und einer großen Zahl Fremder in ehrwürdiger Pracht dahinbewegte, bot er einen imposanten Anblick. 
Vor der Hirsch-Synagoge überreicht die Schlüsselträgerin nach Vortrag eines Gedichtes den Schlüssel Herrn Architekt Metzendorf. Dieser übergab den Bau Herrn M. Hirsch - Mannheim, der von den Spendern mit der Ausführung der Stiftung betraut worden war. Von diesem empfing Herr Vorstand Mainzer unter reichen Worten des Dankes den Schlüssel, worauf der Herr Provinzialrabbiner mit den Worten Pis-chu Scheorim (Öffnet die Tore...) die Pforte öffnete. Nun bot der prachtvolle Innenraum sich den Einziehenden dar. Der hierauf begonnene Weihegottesdienst, bei welchem ein vortrefflicher Chor Herrn Kantor Bloch unterstützte, stimmte zu feierlichster Andacht. Herr Provinzialrabbiner Dr. Marx - Darmstadt sprach das Gebet für den Landesfürsten und hielt sodann die Weihepredigt. In längerer Rede stellte er an der Hand der Namen des Bethauses die Ziele desselben dar und erläuterte seine Bedeutung. Mit der Verheißung himmlischen Segens für Alle schloss die meisterhafte Predigt. Am ersten Tage fand ferner in den Sälen des 'Halben Mond' Festessen und abends Bankett, das in sehr animierter Stimmung verlief, statt. 
Am zweiten Weihetage folgten Festgottesdienst, und mittags gemeinsamer Spaziergang. Die Hirsch-Synagoge ist in mittelalterlichem Stile erbaut und liegt malerisch am Fuße des von der Starkenburg gekrönten Schlossberges. Innen ist sie herrlich ausgestattet und genügt mit elektrischem Licht, Luftheizung etc. allen modernen Ansprüchen. ch."   

Die Synagoge in Heppenheim blieb im Besitz der Familie Hirsch, nachdem sie die gesamten Baukosten übernommen hatte. Im Grundbuch wurde als Eigentümer "Adolf Hirsch in London" eingetragen. In der Stiftungserklärung hieß es u.a. "um der Liebe zu ihrer Heimat einen ewigen Ausdruck zu verleihen und zum Andenken an die Eltern...". Die Synagoge sollte nach 50 Jahren - also 1947/50 in den Besitz der jüdischen Gemeinde übergehen. Einzige Bedingung war, dass die jüdische Gemeinde Heppenheim auch künftig dem orthodoxen Rabbinat Darmstadt unterstellt sei.  Nicht ahnen konnte man, dass das Gebäude bereits nach 38 Jahren beim Novemberpogrom 1938 zerstört würde. Dabei wurde die Synagoge durch SA-Leute niedergebrannt. Später waren jüdische Männer gezwungen, die stehen gebliebenen Außenmauern abzutragen.  
    
Um die Reste und das Grundstücke der 1938 zerstörten Synagoge gab es in den vergangenen Jahren immer wieder öffentliche Diskussionen und Konflikte (vgl. unten die Hinweise auf Presseberichte von 2010). Eine Gedenkstätte ist vorhanden, doch gab es - bislang nicht erfolgreiche - Bemühungen, das Synagogengelände insgesamt als Denkmal wiederherzustellen. 2015 übernahm die Stadt Heppenheim das Grundstück von den Vorbesitzern. Im August 2016 übernahm die Bürgerstiftung Heppenheim das Grundstück. 2017 wurden Reste der Heppenheimer Synagoge durch die Bürgerstiftung ausgegraben (siehe Pressebericht unten).      
     
     
Adresse/Standort der Synagoge: Ecke Bensheimer Weg / Starkenburgweg / Herrmannstraße (die Synagoge stand inmitten des Gartens oberhalb der Mauer an der Gedenkstätte).    
       
       
Fotos
(Quelle: obere Zeile: Sammlung Hahn; untere Zeile: linkes Foto bei Arnsberg Bilder s.Lit. S. 89; ein Ausschnitt der Abbildung rechts bei Hammer-Schenk s.Lit. Bd. 2 Abb. 283).    

Historische Ansichtskarte 
von Heppenheim vor 1938
Heppenheim Synagoge 181.jpg (145990 Byte) Heppenheim Synagoge 180.jpg (144006 Byte)
   Auf der Karte ist die Synagoge ungefähr unterhalb der Starkenburg 
zu erkennen; rechts Ausschnittvergrößerung 
      
Ansichten der 
ehemaligen Synagoge
Heppenheim Synagoge 010.jpg (70119 Byte) Heppenheim Synagoge 040.jpg (62926 Byte)
  Die Synagoge in Heppenheim: 1900 bis 1938
      
 Neuere Fotos - April 2011 
(Fotos: Michael Ohmsen; Quelle:
 Fotoseite von M. Ohmsen zu Heppenheim)
   
Die alte Synagoge 
1791-1900 
in der Straße "Kleine Bach" 3
Heppenheim Synagoge 191.jpg (76063 Byte) Heppenheim Synagoge 195.jpg (111495 Byte)
   Das Gebäude der alten Synagoge  Hinweistafel
       
Das Grundstück der 
neuen Synagoge 1900-1938 
     
Heppenheim Synagoge 190.jpg (141474 Byte) Heppenheim Synagoge 193.jpg (101451 Byte) Heppenheim Synagoge 194.jpg (74208 Byte)
Blick auf die Gedenkstätte Gedenktafel mit Abbildung der 1938 zerstörten Synagoge
     
   Heppenheim Synagoge 192.jpg (282236 Byte)  
   Denkmal mit den Namen der in der 
NS-Zeit aus Heppenheim deportierten
 jüdischen Personen
  
     
 Das rituelle Bad (Mikwe) 
in der Bosengasse 8
   
Heppenheim Mikwe 190.jpg (120305 Byte) Heppenheim Mikwe 191.jpg (111204 Byte) Heppenheim Mikwe 192.jpg (94612 Byte)
Das Gebäude des rituellen Bades (Mikwe) Hinweistafel "Am Judenbad"
     
 Erinnerungen an Martin Buber    
Heppenheim MBuber 193.jpg (96447 Byte) Heppenheim MBuber 191.jpg (73560 Byte) Heppenheim MBuber 194.jpg (111748 Byte)
Das "Martin-Buber-Haus" mit der Hinweistafel: "Hier lebte in den Jahren 1916-1938 der große jüdische Religionsphilosoph 
Martin Buber geboren: Wien 8.2.1878 verstorben: Jerusalem 13.6.1965. Vom Ungeist jener Zeit verfolgt, verließ er 
Deutschland im Jahre 1938".  
     
Heppenheim MBuber 195.jpg (162053 Byte) Heppenheim MBuber 192.jpg (160577 Byte) Heppenheim MBuber 190.jpg (118268 Byte)
Hinweistafel Der "Martin-Buber-Platz" mit einer plastischen Darstellung Bubers; von diesem Standort
 am Graben/Kellereigasse blickt Martin Buber auf das frühere Wohnhaus
   
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Februar 2010: Darf das Synagogengrundstück überbaut werden? 
Artikel (fs) in "Echo-online" - Bergstraße vom 20. Februar 2010 (Artikel): "Eigentümer will auf Gedenkstätte bauen 
Starkenburgweg: Bauvoranfrage für das Gelände der niedergebrannten Synagoge - Bürgermeister hofft auf Denkmalschutz
HEPPENHEIM.
Die kleine Gedenkstätte am Starkenburgweg, die auf den früheren Standort der Synagoge aufmerksam macht und an die vertriebene und ermordete jüdische Gemeinde Heppenheims erinnert, ist in Gefahr..."   
Eine kleine Treppe, eine Gedenktafel und ein Bildstock erinnern an das d
 
März 2010: Die Bebauung des Synagogengrundstückes soll verhindert werden     
Artikel in "Echo-online" - Bergstraße vom 20. März 2010 (Artikel): "Initiative will Gedenkstätte retten
Ehemalige Synagoge: Kirchengemeinden, Geschichtsverein und Lokale Agenda wollen Bebauung verhindern. 
HEPPENHEIM.
Bislang ist noch nicht über eine Bauvoranfrage entschieden, in der es um das Grundstück der ehemaligen Synagoge am Starkenburgweg in Heppenheim geht. Bürgermeister Gerhard Herbert (SPD) hatte in der Bürgerversammlung am 4. März erklärt, dass man in Kontakt mit Bau-, Denkmal- und Flurbereinigungsbehörden stehe, um 'dem öffentlichen Interesse - bedingt durch die Historie dieses Areals - bei der Entscheidung angemessen Rechnung tragen zu können'..."  
  
April / Oktober 2013: Ein Verein "Stolpersteine Heppenheim e.V. - Erinnern für die Zukunft" wird gegründet und nimmt seine Arbeit auf  
Aus einem Artikel von "zg" im "Bergsträßer Anzeiger" vom 9. Oktober 2013 (Link zum Artikel): 
"'Stolpersteine': Verein startet Recherche zu jüdischen Mitbürgern. Auch ein Logo gibt es bereits
Heppenheim.
Der im April 2013 neu gegründete Verein "Stolpersteine Heppenheim e.V. - Erinnern für die Zukunft" hat sich mit seinen Mitgliedern und Freunden zur Organisation der anstehenden Recherchearbeiten getroffen. Die Vorsitzende Sabine Fraune nutzte die Gelegenheit, wie es in einer Pressemitteilung heißt, über die bisherigen Ereignisse zu informieren. 
Inzwischen 37 Mitglieder. Der Verein hat sich intern organisiert und zählt inzwischen 37 Mitglieder. Schüler und Schülerinnen des Starkenburg-Gymnasiums haben ein Vereinslogo entworfen. In mehreren Sitzungen hat der Vorstand die Weichen für ein zielgerichtetes Arbeiten gestellt. Dabei hat er sich durch den Bensheimer Stolperstein-Experten Peter Kalb und den Heppenheimer Stadtarchivar Harald Jost informieren lassen. Schwerpunkt waren die erforderlichen Recherchearbeiten. 
Heppenheim hat mit dem Buch "Geschichte und Geschicke der Heppenheimer Juden" des ehemaligen Bürgermeisters Wilhelm Metzendorf im Vergleich mit anderen Städten und Gemeinden gute Startbedingungen. In diesem 1982 erschienenen Buch sind die in Heppenheim ansässigen jüdischen Familien ausführlich dokumentiert. Inzwischen sind jedoch neue Quellen zugänglich und können für die Recherchen genutzt werden.
Vorstandsmitglied Hermann Müller stellte den Anwesenden eine umfangreiche Liste mit Recherchemöglichkeiten und Aufgabenbereichen vor. Dabei kamen in einer Diskussion weitere Punkte hinzu. Ideen zur Bearbeitung der Akten wurden intensiv ausgetauscht. Verschiedene Teilnehmer übernahmen einzelne Aufgaben. Das Vorstandsmitglied Annett Pielsticker wird die neuen Erkenntnisse zusammenführen.
Der Verein macht deutlich, dass er einerseits viel über die jüdischen Mitbürger erfahren möchte, andererseits aber keine perfekte und langjährige Forschungsarbeit leisten kann. Ziel ist es, mehr zu erfahren und die Ergebnisse umfassend zu dokumentieren.
Erste Ergebnisse am 4. Dezember. Die Recherchearbeiten sind nun angestoßen, schreibt der Verein weiter. In einem Treffen am 4. Dezember sollen erste Ergebnisse vorgestellt und ausgetauscht werden. Wie es in der Gründungsversammlung schon angekündigt wurde, strebt der Verein an, 2014 die ersten Stolpersteine verlegen zu lassen. Dabei soll zuerst an die Familie Sundheimer erinnert werden..."  
 
September 2013: Diskussion am Tag des offenen Denkmals über den Umgang mit der jüdischen Geschichte in Heppenheim  
Vgl. Presse-Artikel vom 4. September 2013: 
Heppenheim und sein schwieriges kulturelles Erbe (veröffentlicht am 04.09.2013 11:43 auf echo-online.de) .  
  
November 2014: Die ersten "Stolpersteine" werden in Heppenheim verlegt   
Heppenheim Stolpersteine2014 Texte.jpg (46284 Byte)Vgl. Presseartikel vom 21. Oktober 2014:   
Damit die Erinnerung nicht verloren geht (veröffentlicht am 21.10.2014 00:12 auf echo-online.de)  
Anmerkung: In der Lehrstraße 3 wurden insgesamt sieben "Stolpersteine" zur Erinnerung an die Heppenheimer Familie Sundheimer verlegt: Die Eltern Maier und Ida Sundheimer sowie ihre beiden jüngsten Kinder Ludwig und Eva wurden 1942 deportiert und ermordet. Die drei älteren Töchter Käthchen, Else und Gertrud konnten noch rechtzeitig emigrieren und haben den Holocaust überlebt. Links die Texte auf den "Stolpersteinen" in Heppenheim.     
Weitere Berichte zur Verlegung der "Stolpersteine":  
In der Website der Stadt Heppenheim (mit Fotos): http://www.heppenheim.de/Stolpersteine.3712.0.html    
Bergsträßer Anzeiger: http://www.morgenweb.de/region/bergstrasser-anzeiger/heppenheim/sieben-steine-fur-sieben-menschen-1.1979238 
Echo online: 'Für uns schließt sich hier ein Kreis' (veröffentlicht am 22.11.2014 00:08 auf echo-online.de)    
Ffduseh's Weblog DSE: https://ffduseh.wordpress.com/2014/11/18/impressionen-von-der-stolpersteinverlegung-am-17-11-2014-in-heppenheim /    
Kontakt: Den Verein "Stolpersteine – Erinnern für die Zukunft" gibt es seit 2013 (siehe oben). Die rund 40 Mitglieder freuen sich über weitere Helfer. 
Die Mitgliedschaft kostet zwölf Euro jährlich. Auskunft gibt Vorsitzende Sabine Fraune unter 06252 73759.  
 
November 2015: Verlegung eines Stolpersteines für Sofie Fischer  
Heppenheim Sto Sofia Fischer 01.jpg (165944 Byte)  Pressemitteilung der Kreisstadt Heppenheim vom 18. November 2015 (Foto links von Hansmartin Unger): "Erinnern an Sofie Fischer. Weiterer 'Stolperstein' in Heppenheim. 
Zur Erinnerung an Sofie Fischer (1872-1943) wurde am 13. November 2015 ein 'Stolperstein' vor ihrem früheren Wohnhaus in Heppenheim, Darmstädter Straße 20, verlegt. Frau Fischer lebte von 1903 bis 1939 in der Kreisstadt. Wegen ihres jüdischen Glaubens wurde sie 1942 von Frankfurt aus ins KZ Theresienstadt deportiert und dort 1943 Opfer der nationalsozialistischen Mordaktionen. 
Zur Verlegung des 'Stolpersteins' waren fünf Nachkommen von Sofie Fischer aus der Schweiz angereist. Bürgermeister Rainer Burelbach empfing die Gäste im Rathaus, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Das Bild im Anhang zeigt (von links): Bettina Bitterli-Degginger (Urenkelin von Sofie Fischer), Pascal Bitterli (Ururenkel), Hansmartin Unger (Enkel), Marianne Degginger (Enkelin) und Andrea Degginger-Wander (Urenkelin). 
Die Verlegung der 'Stolpersteine' geschieht auf Initiative des Vereins Stolpersteine Heppenheim e.V. – Erinnern für die Zukunft. Im November 2014 waren die ersten Steine in Heppenheim verlegt worden; sie erinnern an die Mitglieder der jüdischen Familie Sundheimer."   
 
August 2017: Die Bürgerstiftung Heppenheim übernimmt die Verantwortung für das Synagogengrundstück    
Artikel von Marion Menrath in "Echo-Online" (Lokalausgabe) vom August 2017: "Kein Gras drüber. Die Bürgerstiftung Heppenheim übernimmt Verantwortung für das Grundstück der in der Reichspogromnacht zerstörten Synagoge
HEPPENHEIM
- Friedlich liegt das Grundstück in der Nachmittagssonne. Die Apfelbäume haben viele Früchte angesetzt, der Hibiskus blüht, Kirschen und Johannisbeeren sind abgeerntet. Trockenmauern unterteilen das steile Gelände in Terrassen. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das 3500 Quadratmeter große Gelände der früheren Synagoge an der Ecke Starkenburgweg und Eisenpfad nicht von vielen anderen Gärten am Heppenheimer Schlossberg.
Die nach den Plänen von Heinrich Metzendorf errichtete Synagoge stand einst auf halber Strecke zwischen den Kirchen Sankt Peter und Heilig Geist mit schönem Blick auf die Altstadt. Die exponierte Lage sei ein Zeichen, wie stark integriert und akzeptiert die jüdische Gemeinde gewesen sei, erläutert Professor Karl Härter vom Stiftungsrat der Bürgerstiftung beim Ortstermin auf dem Grundstück. Für die Verbundenheit mit der Heimat spreche der burgenähnliche Stil mit gelbem Sandstein vom Schlossberg, so Härter. Zur feierlichen Einweihung am 10. Oktober 1900 war die ganze Stadt eingeladen. Gestiftet hatten die Synagoge die in London zu Reichtum gekommenen Brüder Leopold, Adolph und Heinrich Hirsch, 'um der Liebe zu ihrer Heimat einen dauernden Ausdruck zu verleihen und zum ehrenden Gedenken an ihre Eltern und Großeltern'. Keiner ahnte, dass die Synagoge wenige Jahrzehnte später, am 10. November 1938 während der Reichspogromnacht, in einem Akt der Barbarei zerstört werden würde. Nachdem SA-Mitglieder mit einer Sprengung an den stabilen Mauern gescheitert waren, legten sie Feuer im Innenraum. Schließlich wurden jüdische Männer gezwungen, mit eigenen Händen die Reste ihres Gebetshauses abzureißen. Einer sei so verzweifelt gewesen sein, dass er versuchte, sich unter eine einstürzende Mauer zu werfen, schrieb Stadtarchivar Harald Jost in einem Beitrag für diese Zeitung. Schließlich wurden die Männer mit dem herausgebrochenen Davidstern der Synagoge zum Marktplatz getrieben und eingesperrt. Geschäfte jüdischer Bürger wie das Kaufhaus Mainzer wurden ebenso verwüstet wie Privatwohnungen und die Bibliothek des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber. Dieser war bereits mit seiner Frau Paula nach Palästina ausgereist. Andere schafften es nicht mehr, zu entkommen. 29 Heppenheimer Juden wurden von den Nazis ermordet. An die Schicksale der Familien Bach, Baruch, Mainzer, Sundheimer und an Sophie Fischer erinnern Stolpersteine. Nicht als Bürde, sondern als Verpflichtung sieht die vor einem Jahr gegründete Bürgerstiftung Heppenheim die Geschichte, wie Härter sagt. Am 23. August 2016 hat sie das Grundstück von der Stadt übernommen, die es 2015 von den Vorbesitzern erworben hatte. 'Wir wollen das Grundstück aus dem Dornröschenschlaf erwecken und für die Bürger nutzbar machen', betont Kurt Vettel, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerstiftung Heppenheim. Nicht nur ein Gebetshaus, sondern auch ein Ort der Begegnung für die jüdische Gemeinde sei die Synagoge gewesen, sagt Härter. Denkbar seien kleinere Veranstaltungen, 'etwas, was zu dem Ort passt', ergänzt Vorstandsmitglied Dr. Hermann Müller. An historisch-kulturelle Begegnungen auf dem sehr sensiblen Grundstück denkt Härter.
Drei große Arbeitseinsätze mit bis zu 70 Helfern. Wie gewaltig die Aufgabe ist, stellten die Mitglieder der Bürgerstiftung fest, als sie im Januar an die Arbeit gingen. In drei großen Arbeitseinsätzen mit 60 bis 70 Helfern wurde das Grundstück entrümpelt und der Wildwuchs eingedämmt. BUND und Nabu wollen beim Obstbaumschnitt und mit Beweidung helfen. Nur wenige oberirdische Spuren sind von der Synagoge geblieben: Ein historisches Toilettenhäuschen mit einer alten Holztür, das an die Apsis anschloss, ist heute Teil einer Gartenhütte. Für die Tür existiert noch ein Originalschlüssel. Der Treppenaufgang ist im Verlauf erhalten, doch etliche Stufen sind durch moderne Materialien ersetzt worden. Einige der Trockenmauern sollen aus der damaligen Zeit stammen. Außerdem haben die Vorbesitzer einen großen Sandstein aufbewahrt, der der Schlussstein der Synagoge sein soll. Dann gibt es noch einen vom Starkenburgweg zugänglichen, gut erhaltenen historischen Gewölbekeller. Dieser sei sicher als Vorratsraum genutzt worden, sagt Vettel. Wie Härter erläutert, bestand der Keller aber schon vor der Synagoge. Bis 1900 habe die Stadt dort Petroleum für die Laternen aufbewahrt.
Auf der Suche nach weiteren Resten soll als erster Schritt voraussichtlich im Herbst eine Gartenhütte abgerissen werden, die direkt im Synagogenumfeld steht, so Müller. Manfred Bräuer vom Amt für Bodenmanagement wolle anhand der Baupläne deren Standort ausmessen. Erst dann könne man daran denken, beispielsweise nach Mauern zu graben, ergänzt Vettel. Um keine Fehler zu machen, werde man zuvor die Experten von der Denkmalpflege und von Synagogenvereinen mit ins Boot holen, versichert Härter. Und noch etwas fehlt: 'Erst mal müssen wir dafür sorgen, dass wir das Geld bekommen, das wir ausgeben können', betont Müller."  
Link zum Artikel     
 
November 2017: Reste der Heppenheimer Synagoge wurden ausgegraben   
Artikel von Marion Menrath in "Echo-Online" (Lokalausgabe) vom 25. November 2017: "Heppenheim. Reste der Heppenheimer Synagoge ausgegraben
HEPPENHEIM - Sie sind grau und teilweise rötlich und etwa doppelt so lang wie breit. Unscheinbar sehen die Fliesen des alten Fußbodens der 1938 von den Nazis zerstörten Heppenheimer Synagoge aus. Doch die Entdeckung auf dem Grundstück am Starkenburgweg ist eine kleine Sensation. 'Den hat seit fast 80 Jahren niemand mehr gesehen', sagt Dr. Hermann Müller, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Heppenheim.
Vier Arbeitseinsätze und bis zu 70 Helfer. Erst 38 Jahre vor der Zerstörung war der Sakralbau des Architekten Heinrich Metzendorf am 10. Oktober 1900 mit einer großen Feier eingeweiht worden. Mittlerweile liegen die Reste schon mehr als doppelt so lange in der Erde, wie die Synagoge bestand. Die im Juli 2016 gegründete Bürgerstiftung ist seit 18. Januar für das Synagogengrundstück verantwortlich. In vier Arbeitseinsätzen haben bis zu 70 Helfer das 3500 Quadratmeter große Grundstück entrümpelt und versucht, die Pflanzen einzudämmen (das ECHO berichtete). Im Oktober wurde die obere Gartenhütte auf dem terrassierten Gelände abgerissen und dabei der Fund gemacht. Bekannt war, dass die Hütte aus der Neuzeit teilweise auf dem Synagogen-Grundriss stand. In der unteren Gartenhütte ist der Rest eines alten Toilettenhäuschens der Synagoge verbaut – bisher neben Teilen des Treppenaufgangs eines der wenigen oberirdischen Relikte. Von Bauplänen sei bekannt gewesen, dass das Sanitärgebäude in der Fortsetzung der Apsis steht, erläutert Müller. Die nach Osten orientierte Apsis ist ein halbrunder Anhang des Gebetsraums. Daher habe man gewusst, wo man graben müsse, so Müller. Die Arbeiten waren aufwendig, weil das Grundstück hoch über dem Starkenburgweg liegt. Mit einem auf einem Laster installierten Kran habe die Firma Antes einen Kleinbagger und einen Schaufellader auf das Grundstück gehoben, berichtet Müller. Der Bagger musste sich dann erst einen Weg über die Terrassen nach oben bahnen. Der Graben, in dem die Fliesen liegen, ist sechs Meter lang und bis zu 1,20 Meter breit. Die Fliesenfläche ist auf wenige Quadratmeter beschränkt. Mittendrin ist ein Schacht zu sehen, der vermutlich zur Heizungsanlage gehörte. Auch Grundmauern und eine Säule sind zu erkennen. Müller deutet auf halbrunde Mauerreste, die die Bürgerstiftung der Apsis zuordnet. Weiter hinten ist das Fundament einer großen Säule zu sehen. Ein Metallkranz dahinter könnte zu einem Versickerungsschacht gehören. Reste einer weiß verputzten Stützwand am Hang stammen dagegen aus der Neuzeit. Bedeckt waren die Relikte von 70 Zentimetern Schutt und Erde. Dazwischen sind verbrannte Holzteile zu erkennen.
Bis auf zwei Zentimeter genau kartiert. Ein Mitarbeiter der Hessenarchäologie, der nicht genannt werden will, hat nun die Lage des Funds mit Hilfe eines sogenannten GPS-Rovers vermessen. Das Gerät logge sich mit einem Handy beim Landesvermessungsamt in Wiesbaden ein. Bis auf zwei Zentimeter genau werden die Relikte kartiert. Doch sobald die Lage sicher dokumentiert sei, müssten die Funde vor dem Winter wieder mit Erde zugedeckt werden: 'Sonst friert alles auf', so der Experte. Mit einem Bauvlies könnten diese zusätzlich geschützt werden. Dann sei es auch einfacher, sie später wiederzufinden.
Wie es weitergeht mit den Schätzen aus der Erde, ist noch unklar. Bei eventuellen weiteren Grabungen will Hessenarchäologie auf alle Fälle dabei sein. 'Das geht nicht mit sieben rüstigen Rentnern', betont der Archäologe. Die Funde müssten dokumentiert werden, zeichnerisch oder fotografisch. Außerdem könnten Fragmente der Inneneinrichtung gefunden werden. Von der 200 Quadratmeter großen Grundfläche der Synagoge wurde schließlich erst ein sehr kleiner Teil freigelegt. Möglich sei aber eine Arbeit unter Aufsicht. Das nächste Problem der noch jungen Bürgerstiftung: Wie umgehen mit dem Erbe aus der Vergangenheit? Wie könnten die Funde gezeigt, aber gleichzeitig konserviert werden? Ein Schutzbau über den Fliesen wie in archäologischen Parks könnte teuer werden. Und auch sonst ist auf dem riesigen, teilweise verwilderten Grundstück ständig etwas zu tun. Ohne Konzept und eine gesicherte Finanzierung gehe gar nichts, betont Müller."  
Link zum Artikel      
 
März 2018: Vortrag zur Geschichte der Heppenheimer Synagoge    
Artikel von Sigrid Jahn in "Echo-online" (Lokalausgabe) vom 23. März 2018: "Heppenheim. Hermann Müller berichtet über die im November 1938 zerstörte Heppenheimer Synagoge. 
HEPPENHEIM - Recherche steht auch bei der Aufarbeitung der Vergangenheit an erster Stelle. Dr. Hermann Müller, ehrenamtlich aktiv beim Verein 'Stolpersteine – Erinnern für die Zukunft' sowie bei der Bürgerstiftung, hat alles verfügbare Material im Stadt- und Kreisarchiv und beim Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt genutzt, Zeitungsmeldungen und Inserate studiert, Dokumente transkribiert und dabei auch weniger interessant erscheinende Quellen nicht vernachlässigt. Denn daraus ergeben sich unter Umständen wichtige Rückschlüsse auf das zu rekonstruierende Gesamtbild, wie zahlreiche Zuhörer seines Vortrags 'Die Heppenheimer Synagoge – Auf Spurensuche' am Mittwochabend im Marstall erfahren konnten.
Als Baruch Hirsch II., von 1861 bis 1876 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, als treibende Kraft den Bau eines neuen Gotteshauses initiiert hatte, waren die 150 jüdischen Bürger Heppenheims noch wohlgelitten im gesellschaftlichen Leben der Kleinstadt. Errichtet auf einem 'Filetstück' mitten in der Gemarkung, mit Blick auf den Maiberg und die Pfarrkirche Sankt Peter, hatten Baruch Hirschs Söhne Leopold, Adolf und Heinrich, Bankiers in London und wohnhaft an der vornehmen Adresse 10 Kensington Palace nahe am Hyde Park, es übernommen, auf eigene Kosten eine Synagoge zu bauen, 'um der Liebe zu ihrer Heimat einen dauernden Ausdruck zu verleihen und zum ehrenden Andenken an ihre seligen Eltern und Großeltern'. Nach der Einweihung des von Wilhelm Metzendorf entworfenen Gebäudes am 10. Oktober 1900 dankte die israelische Religionsgemeinde der Bevölkerung für die 'herzliche Beteiligung an dem Feste' (mit Festkonzert, Ball und feierlichem Einzug unter geschmückten und beflaggten Häusern); 1908 wurde den 'Herren Hirsch in London' sogar für die 'Opferwilligkeit und Anhänglichkeit an ihre Vaterstadt' auf Beschluss des Stadtvorstandes die Ehrenbürgerschaft verliehen – die Originalurkunde jedoch ist verschollen. Handfeste Belege kommen zum Vorschein. Wie es weiterging mit der Synagoge, ist bekannt – am 10. November 1938 wurde das Gotteshaus in Brand gesteckt und zu sprengen versucht, 'die Trümmer kamen in der ganzen Umgebung herunter', so Hermann Müller. Seitdem die Bürgerstiftung sich im Vorjahr darangemacht hat, das 3000 Quadratmeter umfassende Areal zu entbuschen und zu entrümpeln, erstreckt sich die Spurensuche auch auf handfeste Belege. Durch die Einsicht alter Inventarlisten konnten zwei Fundstücke aus Messing als Haltestangen für Läufer identifiziert werden, nach dem Abriss einer Hütte kamen Fliesen zum Vorschein, die der Synagoge zugeordnet werden konnten. Landesarchäologen, beauftragt von der Denkmalschutzbehörde, legten ein Rohr frei – möglicherweise der Eingang zu einem Sickerschacht für die Dachentwässerung –, eine weitere Öffnung könnte zu einem Heizungsschacht geführt haben. Ein Firststein, Bruchstücke von Dachziegeln und ein metallener Deckel sind ebenso erhalten wie das Toilettenhäuschen, das auf jeden Fall stehen bleibt. Was Müller anhand einer Fotografie zudem herausgefunden hat, betrifft den Keller unterhalb des Areals: Da wurde der Eingang versetzt, sodass das Gewölbe wohl nicht zur Synagoge gehörte, sondern zu dem Grundstück, das ein gewisser Leonhard Bund 1930 der jüdischen Gemeinde abgekauft hatte. Und die Spurensuche ist noch nicht beendet: 'Weitere Informationen werden gesucht und gesammelt. Es gibt noch viele offene Fragen.'"  
Link zum Artikel     
 
  
  
Über den Verein "Stolpersteine - Erinnern für die Zukunft" in Heppenheim   
Der Verein 'Stolpersteine' um Sabine Fraune erhält seit April 2013 die Erinnerung wach an die jüdischen Opfer des NS-Regimes und pflegt den Kontakt zu Kindern und Kindeskindern, die über die ganze Welt verstreut zu Hause sind. 'Die Angehörigen sollen Heppenheim als einen Ort empfinden, dem die Wertschätzung ihrer Vorfahren am Herzen liegt', sagte die Vorsitzende, der neu (2018) im Vorstand Kassenwartin Christiane Wüstner und Beisitzerin Annette Spencer zur Seite stehen. Recherchegruppen gehen zudem den Schicksalen der Familien nach, um weitere 'Stolpersteine' verlegen zu können. Schon terminiert ist im März 2019 eine Aktion in der Fußgängerzone zum Gedenken an die Familie Mainzer; die Geschicke der Familie Hirsch, Kaufleute und Händler, die seit 1730 fünf Generationen lang in Heppenheim zu Hause waren, verfolgt Hermann Müller: 'Mindestens sechs Stolpersteine sind schon geplant.' 
Infos gibt es auch der Website www.stolpersteine-heppenheim.de . (jn). 

   
    

Links und Literatur  

Links:   

Website der Stadt Heppenheim an der Bergstraße 
Website www.stolpersteine-heppenheim.de  
Website der "Bürgerstiftung Heppenheim" mit Seite zu den "Stolpersteinen" in Heppenheim     
Martin-Buber-Haus in Heppenheim (Internationaler Rat der Christen und Juden e.V.) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Heppenheim 

Literatur:  

Germania Judaica Bd. II,1 S. 354; III,1 S. 544.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 247-351.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 89.
Thea Altaras: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 108-110 (ausführlich zum rituellen Bad in Heppenheim)  
Harold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Teil I S. 365-366.471.478. Teil II Abb. 283.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 18-21.
Heppenheim Lit 020.jpg (52504 Byte)Wilhelm Metzendorf: Geschichte und Geschicke der Heppenheimer Juden. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstrasse.423 S.  Lorsch 1982.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 183-187. 
Harald E. Jost: Die jüdische Gemeinde Heppenheim und ihr prominentestes Mitglied Martin Buber. In: Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden. Bd. 12 2002. Heft 1 S. 141-154. 
Martin Buber Kompakt. Themenheft der Martin-Buber-Schule Groß-Gerau. Nr. 1/September 2002. Erschien gleichzeitig als KOMPASS 5. Jahr / Nr. 3 / September 2002. Online zugänglich (pdf-Datei).    

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Heppenheim an der Bergstrasse  Hesse. Annihilated during the Black Death persecutions of 1348-49, the community was reestablished around 1700 and at its height, in 1890, numbering 148 (3 % of the total). Since Jews had contributed their share to the town's development, many Christians joined in the celebrations when a new synagogue was opened in 1900. Members of the wealthy Hirsch family paid all the costs, with one proviso - that the community remain affiliated with the Orthodox rabbinate of Darmstadt - and Liberal Jews subsequently honored this agreement. After Worldwar I, a branch of the Central Union (C.V.) organized Jewish social and cultural activity as well as the fight against antisemitism. Martin Buber, the religious philosopher and Zionist leader, lived there for over 20 years (1916-1938). On Kristallnacht (9-10 November 1938), Nazis burned to synagogue to the ground; Jews were paraded through town carrying loads of debris from their house of worship; and 3.000 volumes from Martin Buber's library were also destroyed. Of the 113 Jews who lived there after 1933, 87 (chiefly young people) emigrated while the remainder (mostly old or sick) perished in the Holocaust. After Worldwar II, Buber's former home became the headquarter of the International Council of Christians and Jews (1979).   
    
      

                   
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Stand: 01. Mai 2018