Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Groß-Rohrheim (Kreis Bergstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen / Familien aus der Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Groß-Rohrheim bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. 1568 werden bereits Juden am Ort genannt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1659) erhielt Groß-Rohrheim Marktrecht. 1649 wird in Eberstadt (bei Darmstadt) Jud Gerson aus Groß-Rohrheim genannt. Um 1770 lebten drei jüdische Familien am Ort.   
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 40 jüdische Einwohner (2,9 % von insgesamt 1.384 Einwohnern), 1861 78 (4,8 % von 1.622), 1871 55, 1880 61 (3,5 % von 1.751), 1900 49 (2,7 % von 1.803), 1910 22 (1,1 % von 1.923). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Zahl vor allem auf Grund der Auswanderung in die USA zurückgegangen. Die jüdischen Haushaltsvorsteher verdienten den Lebensunterhalt als Vieh- und Pferdehändler oder als Händler mit Häuten, Getreide und Futtermittel. Fast alle jüdischen Familien bewohnten eigene Häuser. 
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurde auf dem jüdischen Friedhof in Alsbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe die Ausschreibungen der Stelle unten). Unter den ersten Lehrern der Gemeinde war der 1827/28 genannte Lehrer Moses Ehrmann. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Jakob Gutmann (geb. 19.6.1885 in Groß-Rohrheim, vor 1914 wohnh. in Memmelsdorf, gef. 31.10.1914). 
  
Um 1924, als noch 15 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (0,7 % von insgesamt 2.111 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Adolf Feitler (Inhaber eines Textilgeschäftes und Getreide- und Futtermittelhandel), Adolf Moch (Viehhandlung; stammte aus dem Schwarzwald) und Josef Sundheimer (Kaufmann, vor 1933 verstorben; drei ledige Töchter lebten nach 1933 noch in Groß-Rohrheim). Als Rechner ist J. Baumann eingetragen. Zwei Kinder der jüdischen Familien erhielten damals privaten Religionsunterricht durch Lehrer Jonas Mayer aus Lampertheim. 1932 ist als Gemeindevorsteher H. Feitler eingetragen.  
  
1933 lebten noch Angehörige der Familien Moch, Feitler und Sundheimer in Groß-Rohrheim. In den folgenden Jahren sind diese auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die drei Schwestern Sundheimer verzogen im Dezember 1938 nach Frankfurt. Von dort aus emigrierten sie nach Holland. Vermutlich wurden sie von hier aus deportiert. Familie Moch emigrierte 1937-38 in die USA. Adolf Feitler - der letzte Vorsitzende der Gemeinde - emigrierte 1937 mit seiner Frau; die Drei Töchter des Ehepaares waren schon zuvor weggezogen.
   
Von den in Groß-Rohrheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Emma (Ella) Braun geb. Sundheimer (1874), Isaak Guckenheimer (1866), Ida Gutmann geb. Gutmann (1873), Pauline Gutmann (1882), Amalie Jäger geb. Feitler (1877), Hermann Rheinstein (1885), Fanny Flora Sundheimer (1870), Johanna Sundheimer (1880), Karl Sundheimer (1884), Mina Sundheimer (1891), Sigmund Sundheimer (1885), Therese Sundheimer (1890).   
  
Nach 1945 kehrte Hermann Moch, der Sohn des Viehhändler Adolf Moch, aus den USA zurück (1954). Er war jedoch leidend und krank und verstarb 1966. Seine Mutter war 1959 in Köppern verstorben.   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1888 / 1869 / 1871 / 1876 / 1882 / 1891  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. März 1868: "Konkurrenz-Eröffnung
Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters in der israelitischen Religionsgemeinde Groß-Rohrheim, mit welcher ein fixer Gehalt von 150 Gulden jährlich nebst freier Kost, Wohnung und Heizung, sowie Akzidenzien im Betrag von etwa 30 Gulden jährlich verbunden, ist erledigt. Konkurrenzfähige Bewerber werden aufgefordert, sich binnen 6 Wochen, unter Vorlegung ihrer Legitimationspapiere und Zeugnisse, bei unterzeichneter Behörde anzumelden.
 Bensheim, den 4. Februar 1868. Großherzogliches Kreisamt Bensheim. Knon."     
 
GrossRohrheim Israelit 19051869.jpg (41680 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1869: "Die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers in der Gemeinde Großrohrheim, Kreis Bensheim, ist vakant und sofort zu besetzen. Fixer Gehalt 200 Gulden, freie Kost, Wohnung nebst den üblichen Emolumenten. Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei dem Vorstande, Herrn Gugenheimer, baldigst melden."  
 
Grossrohrheim Israelit 02061869.jpg (43794 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1869: "Die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers in der Gemeinde Großrohrheim, Kreis Bensheim, ist vakant und sofort zu besetzen. Fixer Gehalt 200 Gulden, freie Kost, Wohnung nebst den üblichen Emolumenten. Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei dem Vorstande, Herrn Gugenheimer, baldigst melden."  
 
GrossRohrheim Israelit 30081871.jpg (67865 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30.August 1871: "Konkurrenzeröffnung
Die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters in der israelitischen Religionsgemeinde Groß-Rohrheim, mit welcher ein fixer Jahrgehalt von 150 Gulden nebst freier Wohnung und Kost verbunden, ist erledigt. Konkurrenzfähige Bewerber werden aufgefordert, sich binnen 6 Wochen, unter Vorlegung ihrer Legitimationspapiere und Zeugnisse, bei unterzeichneter Behörde anzumelden.   
Bensheim, am 10. August 1871. Großherzogliches Kreisamt Bensheim: Knorr.   
Nachbemerkung: Der Vorstand ist geneigt, die Genehmigung des löblichen Kreisamts vorausgesetzt, den Gehalt zu erhöhen.
   
Grossrohrheim Israelit 28061876.jpg (45738 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1876: "Vakanz
Die hiesige israelitische Gemeinde sucht per 1. Januar 1877 einen Religionslehrer, der zugleich als Vorbeter und Schächter fungieren müsste. 
Gehalt 700 Mark nebst freier, schöner Wohnung, sowie angrenzendem Garten. 
Reflektierende wollen sich an den Unterzeichneten wenden. 
Großrohrheim (Kreis Bensheim). Abraham Sundheim, Vorsteher der israelitischen Gemeinde."  
 
Grossrohrheim Israelit 13091882.jpg (45374 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1882: "Die hiesige Lehrer- und Vorbeter- und Schächterstelle kann sofort besetzt werden mit einem Gehalt per Jahr von 600 bis 700 Mark nebst schöner Wohnung und Heizung. Nebenverdienste 150-200 Mark. 
Der Lehrer muss noch ledig sein.  
Großrohrheim, Kreis Bensheim, Großherzogtum Hessen. S. Hochschild, Vorsteher."   
 
Grossrohrheim Israelit 20071891.jpg (42598 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20.Juli 1891: "Die israelitische Gemeinde Groß-Rohrheim sucht einen Lehrer, Vorbeter und Schochet zum sofortigen Eintritt. 
Gehalt Mark 500 mit circa Mark 200 Nebeneinkünften, nebst freiem Licht, Wohnung und Heizung. Meldungen sind zu richten an den Vorstand: 
M. Sundheimer."   

        
Lehrer Wolf Joseph wird Agent des Institutes zur Förderung der israelitischen Literatur (1859)     

Anzeige in der "Allgemeinen Jüdischen Zeitung" vom 18.4.1859: "Als neue Agenten haben wir zu bezeichnen: 
Herrn L. Löwenthal in Wormditt. 
Wolf Joseph, Religionslehrer in Großrohrheim, Kreis Bensheim, Großherzogtum Hessen. 
Lehrer Reckendorf in Schnaittach (Bayern). Institut zur Förderung der israelitischen Literatur."       

   
   
Berichte zu einzelnen Personen / Familien aus der Gemeinde   
Über Max Hochschild und die Familie Hochschild aus Groß Rohrheim - ausgewandert um 1869   

Bericht von Paul Arnsberg s.Lit. S. 293: "Max Hochschild wanderte als 14jähriger Junge, zusammen mit einem Bruder, nach den USA aus (um 1869, geboren 1855). Der Bruder kehrte jedoch bald nach Deutschland zurück, während Max es in Baltimore als Kaufmann zu bedeutendem Ansehen und einem Millionenbetrieb brachte. Er zog sich 1927 von seiner Tätigkeit zurück; in diesem Jahre stiftete er seiner Heimatgemeinde einen bedeutenden Betrag als Spende für Dorfarme, die dann alljährlich gezahlt wurde. Bis 1933 hing im Amtszimmer des Bürgermeisters ein Bild von Max Hochschild; nach 1933 verschwand das Bild und die jährliche Spende wurde nicht mehr angenommen. Max Hochschild starb im Jahre 1957, kurz vor Vollendung seines 102. Lebensjahres! Seine Schwester Rosalie Fürst geborene Hochschuld war 100 Jahre alt geworden (gestorben 1950 in St. Gallen / Schweiz). 
Die Familie Hochschild spielte überhaupt im 19. Jahrhundert eine große Rolle in Groß-Rohrheim: Salomon Hochschild, geboren 1832, war später Bankier in Frankfurt, wo er 1904 verstarb; er war mit Adele Feist (Sektkellerei) verheiratet. Das dritte Kind war Zachary Hochschild, der später die Firma Hochschild & Co. (Bankhaus) leitete. (Adele Feists Mutter war Jeanette Auerbach, 16. Kind von Rabbiner Auerbach in Bonn, geboren 1827."  
Hinweis: "Stammvater" der Familie Hochschild in Groß-Rohrheim war Zodik Hochschild, ein Bruder von Mosche Hochschild in Biblis.   

      
      
  
    
Zur Geschichte der Synagoge            
     
Der Betraum (Synagoge) der Gemeinde war in einem aus dem 17. Jahrhundert stammenden zweigeschossigen Fachwerkhaus eingerichtet; das Obergeschoss des Hauses war als Wohnung vermietet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wohnte hier die jüdische Familie Rheinstein. Bereits in den 1920er-Jahren wurde der Betsaal auf Grund der stark zurückgegangenen Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder nicht mehr benutzt. 
  
Bald nach 1933 wurde das Gebäude durch die israelitische Gemeinde verkauft. 1944 wurde es durch Bomben zerstört.    
   
   
Adresse/Standort der Synagoge    
   
   
Fotos   

Fotos / Abbildungen zur jüdischen Geschichte in Groß-Rohrheim sind noch nicht vorhanden; 
über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; 
Adresse siehe Eingangsseite.  
 
     

         
    
   

Links und Literatur  

Links: 

Website der Gemeinde Groß-Rohrheim   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Groß-Rohrheim 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Groß-Rohrheim 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Groß-Rohrheim sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,391   Sterberegister der Juden von Groß-Rohrheim   1838 - 1875   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3031392      
HHStAW 365,390   Trauregister der Juden von Groß-Rohrheim  1839 - 1873 [zum Teil schlecht lesbar] https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030580   
HHStAW 365,389   Geburtsregister der Juden von Groß-Rohrheim  1840 - 1875   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030579    

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 292-294. 
Keine Artikel in Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 17.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 144-145.   

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gross-Rohrheim Hesse. The community, numbering 78 (5 % of the total) in 1861, disbanded in 1933 and no Jews remained there after 1938. 
   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Mai 2016