Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Bergstraße"   
  

Lampertheim (Kreis Bergstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Lampertheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1615 Juden in der Stadt erwähnt. Bis um 1700 dürfte es wohl meist nicht mehr als jeweils eine Familie sein, die in Lampertheim wohnte (1616, 1698 und 1701-02 wird jeweils nur ein Jude erwähnt). 1710 hört man von dem Viehhändler Jakob Levi, wenig später von weiteren Angehörigen der Familie Levi. 1758 gab es drei jüdische Familien (Veitel Levi, Samuel Levi, Moyses Hirsch), 1800 vier Familien. 

Nach 1808 erhielten die im Lampertheim wohnenden Juden zum Teil die Rechte als "Ortsbürger". Die jüdischen Familien mussten feste Familiennamen annehmen. Die Zahl der jüdischen Einwohner stieg von 49 (1809) auf 60 (1815), 76 (1822), 114 (1840), 137 (1846) auf eine Höchstzahl von 160 (1861, 3.3 % der Gesamteinwohnerschaft von 4.957 Personen), um danach durch Aus- und Abwanderung wieder zurückzugehen: 134 (1880, 2.2 % von 5.950), 115 (1890), 110 (1895, 1,8 % von 6.218), 95 (1900). 1885 waren es nach einem Verzeichnis 27 jüdische Familien, davon neun Familien Hochstädter, drei Familien Retwitzer, zwei Familie Strauß, sechs Familien Süß (einzelne Familiennamen waren Jakob, Joseph, Mai, Marx, Neustädter, Oppenheimer und Straßburger).     
       
Als sich seit den 1870er-/1880-Jahren in ganz Deutschland der Antisemitismus verbreitete, wurde dies auch in Lampertheim spürbar (dazu Artikel zu einem Vorfall von 1891 siehe unten).   
     
An Einrichtungen waren neben der Synagoge (s.u.) ein rituelles Bad und eine Religionsschule vorhanden. 1896 baute die jüdische Gemeinde ein neues Schulhaus, wozu ihr von der bürgerlichen Gemeinde ein Zuschuss von 1.000 Mark bewilligt worden war.   

Lampertheim Israelit 21091896.jpg (40084 Byte)Dazu berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" am 21. September 1896: "Lampertheim Kreis Bensheim. Es ist eine angenehme und eine recht betrübende Nachricht, die ich Ihnen von hier aus zu melden habe. Die israelitische Gemeinde dahier baut zur Zeit ein neues Schulhaus. In überaus loyaler Weise hat ihr die politische Gemeinde hierzu 1000 Mark bewilligt. So erfreulich diese Nachricht ist, so betrübend ist die andere, dass auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe von ruchloser Hand 11 Grabsteine umgeworfen und teilweise demoliert wurden. Die Polizei gibt sich alle Mühe, die Übeltäter zu ermitteln."  

Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Hemsbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Stellenausschreibungen unten). Als Religionslehrer der Gemeinde werden u.a. genannt: 1859 bis 1892 Wolf Joseph, der 1885 sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer und Kantor der Gemeinde Lampertheim feiern konnte (gestorben 1892, siehe Artikel unten). Noch länger war Jonas Meyer in der Gemeinde: er feierte 1932 sein 35jähriges Amtsjubiläum, war also seit 1897 Lehrer in Lampertheim (siehe Artikel unten); er starb 1935.   
Die Gemeinde gehörte zum liberalen Rabbinat Darmstadt I.   

Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Samuel May, Julius Strauß, Eugen Oppenheimer, Ludwig Strauß und Moritz Frank. Andere der Kriegsteilnehmer kamen mit teilweise hohen Auszeichnungen zurück:    

Lampertheim Frf IsrFambl 11121914.jpg (15137 Byte)So war u.a. am 11. Dezember 1914 in der Zeitschrift "Der Israelit" zu lesen: "Lampertheim. Theodor Süß, Sohn des Zigarrenfabrikanten Samuel Süß, erhielt unter Beförderung zum Vizefeldwebel das Eiserne Kreuz". 

Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 86 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (20). Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom wurden fast alle jüdischen Männer für einige Wochen in das KZ Buchenwald verschleppt. Josef May starb dort am 18. November 1938. Die in das Frauen-KZ Ravensbrück in "Schutzhaft" verbrachte Erika Frank starb am 23. März 1938. 1942 wurden die letzten neun jüdischen Einwohner aus Lampertheim in Vernichtungslager deportiert.  
    
Von den in Lampertheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Inge Baer (1933), Selma Baer geb. Mayer (1904), Herta Behr (1922), Gertrude Blum (1907), Johanna Buchheimer geb. Süss (1868), Berta Frank geb. Süss (1878), Sally Frank (1909), Selma Irmgard Erika Frank (1904), Settchen Guckenheimer geb. Hochstädter (1880), Rosa Guthmann geb. Schott (1874), Anna Herzberger (1869), Lina Hirschheimer (1877), Albert Hochstädter (1872), Antonie (Toni) Hochstädter geb. Süss (1887), Ferdinand Hochstädter (1873), Friedrich (Frederic) Hochstädter (1868), Karl Hochstädter (1876), Heinrich Jacob (1865), Helene Kaufmann geb. Hochstädter (1910), Lina Kuchheimer geb. Guggenheim (1901), Josephine Levi geb. Süss (1880), Sessie Lorch geb. Keller (1874), Josef May (1878), Berta Mayer geb. Retwitzer (1863), Lilly Oppenheimer (1892), Lina Simon geb. Hochstädter (1890), Markus Stern (1868), Karl Strassburger (1885), Berta Stückgold geb. Jacob (1863), Gottschalk Süss (1889), Ludwig Süss (1875), Robert Süss (1922), Ruth Süss (1920), Ferdinand Ullmann (1875), Fritz Ullmann (1921), Hilda Ullmann geb. May (1885), Emmy Rudolphine Weil geb. Klein (1889), Berta Weiß (1891), Mina Weiß (1894), Siegfried Weiss (1896), Dina Weissmann (1867), Henriette Wenk (1876), Josef Wertheim (1895).       
  
  
     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen einer Hilfsvorbeterstelle zu den Hohen Feiertagen 1872 und der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1892 / 1893 
Anmerkung: Die Ausschreibung 1892/93 war nach dem Tod von Lehrer Wolf Joseph (siehe unten) nötig geworden.

Lampertheim Israelit 18091872.jpg (21226 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1872: "Die Religionsgemeinde Lampertheim bei Worms sucht einen Hilfs-Baal Tefila (Hilfsvorbeter) auf Rosch Haschana und Jom Kippur. Anmeldungen nimmt der Vorstand entgegen." 
  
Lampertheim Israelit 02051892.jpg (51022 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1892: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochets in hiesiger Gemeinde ist baldigst zu besetzen. Der fixe Gehalt beträgt 700 Mark, bei freier Wohnung, das Nebeneinkommen circa 4 bis 500 Mark. Geeignete Bewerber (womöglich ledig) wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse bei dem unterzeichneten Vorstande melden. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Lampertheim."
 
Lampertheim Israelit 23021893.jpg (57937 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1893: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters bei der israelitischen Religionsgemeinde zu Lampertheim (bei Worms) ist bis zum 15. Juni dieses Jahres neu zu besetzen. Der Gehalt beträgt bar Mark 700 und freie Wohnung. Außerdem kann auf einen Nebenverdienst von Mark 300-400 gerechnet werden. Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse baldigst bei dem Vorstand genannter Gemeinde melden."

 
25jähriges Dienstjubiläum von Lehrer und Kantor Wolf Joseph (1885)  

Lampertheim Israelit 23021885.jpg (73504 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1885: Lampertheim, 15. Februar (1885). Gestern feierte der hiesige jüdische Lehrer und Kantor, Herr Wolf Joseph, sein 25jähriges Jubiläumsfest.
Der Jubilar erfreut sich hierorts, nicht allein in der israelitischen, sondern auch in der christlichen Gemeinde, einer großen Achtung und Beliebheit, und wurden ihm von hier und auswärts, sowie von dem hiesigen Lehrerkollegium und dem Pfarrer, zahlreiche Glückwunschadressen zugesandt; außerdem wurde ihm von der jüdischen Gemeinde als sichtbares Zeichen der großen Anhänglichkeit ein sehr schönes Geschenk überreicht. Mit Recht verdient der verehrte Jubilar diese Anerkennung, indem man in ihm einen würdigen Vertreter des Lehrerstandes, einen biederen Bürger des Staates und auch ein Muster der Religiosität verehrt. Ein kleines Festessen beschloss die Feier. 
Möge dem Jubilar vom Allmächtigen beschieden werden, dass er in ungeschwächter  Körer- und Geisteskraft auch sein 50jähriges Jubiläum mit seiner Familie und der ihm treuen Gemeinde feiern könne.

 
Zum Tod von Lehrer und Kantor Wolf Joseph (1892)

Lampertheim Israelit 31031892.jpg (141956 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1892: "Worms. Am vergangenen Sonntag hat man in dem benachbarten Lampertheim einen Mann zu Grabe getragen, der es wert ist, dass man seiner auch in Ihren geschätzten Blättern gedenke. Es ist Lehrer Wolf Joseph, der im Alter von 59 Jahren nach 12wöchentlicher Krankheit von seiner irdischen Laufbahn abgerufen wurde. Als 17jähriger Jüngling kam er aus Russland nach Deutschland, übernahm an einem kleinen Orte eine Lehrerstelle und hatte sich so bald in die deutsche Sprache und das deutsche Wesen eingelebt, dass er die Religionslehrerstelle in Groß-Rohrheim bei Darmstadt übernehmen konnte. Von hier wurde ihm die Kantor-, Lehrer- und Schochet-Stelle in Lampertheim übertragen, an welch letztgenanntem Orte er 33 Jahre wirkte. Joseph war ein sehr religiöser Jehudi und tüchtiger Lehrer, der besonders auf dem Gebiete des Talmuds sehr zu Hause war. Mit besonderer Meisterschaft beherrschte er die hebräische Sprache. Mit diesem Wissen verband er ein ungemein leutseliges, bescheidenes, braves Wesen, das bei nur kurzer Begegnung mit dem Verblichenen sofort zur Geltung kam. Darf es uns da wundern, wenn nach so vielen persönlichen und dienstlichen Eigenschaften die Gemeinde Lampertheim ihren Lehrer liebgewonnen hatte! Wer daran noch zweifeln wollte, den hätte die Teilnahme an der Beerdigung davon überzeugen können. Nicht nur die Juden von Lampertheim und Umgegend, sondern auch die Christen hatten sich so zahlreich eingefunden, dass die Zahl der Teilnehmer an der Beerdigung auf 1.500 geschätzt wird. Der Bürgermeister, Schulvorstand, Gemeinderat, Geistliche, Lehrer und Bürger, sie alle waren gekommen, um dem geliebten Lehrer noch die letzte Ehre zu erweisen, der sich auch ihnen dadurch nützlich gemacht hatte, dass er der Mitbegründer der Kleinkinderschule und des Allgemeinen Krankenvereins gewesen, welchen Vereinen er seit der Begründung als Vorstandsmitglied angehört hatte. Wenn wir recht unterrichtet sind, soll sogar der Trauergottesdienst in der katholischen Kirche für den verstorbenen Großherzog Königlich Hoheit wegen der Beerdigung verlegt worden sein. Auf dem Friedhofe sprach Herr Rabbiner Dr. Stein von hier in bewegten Worten über den Verlust eines so edlen Mannes und eines so tüchtigen Lehrers; Worte, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck hinterließen. Möge der Allmächtige die Hinterbliebene in ihrem großen Schmerze stärken und aufrechterhalten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens". 

   
Gedicht zum Pessachfeste von Lehrer Jonas Meyer (1928)  

Lampertheim Israelit 04041928.jpg (132099 Byte) Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. April 1928:  "Die Lehre des Frühlings. 
(Zum Pessachfeste). 


Sieh an die Flur! Wie schön sie liegt 
Im hellen, grünen Glanz! 
Wie hell sich Blum' an Blume schmiegt 
Zu farbenreichem Kranz! 

Sieh an den schönen, grünen Wald! 
Wie reiht sich Baum an Baum! 
Horch, wie das Lied der Vögel schallt 
Empor zum Himmelsraum! 

Wenn, Israel! im Frühlingsmond 
Befreit wird die Natur, 
Dann spricht, der über Sternen thront, 
Zu dir durch Wald und Flur: 

"Wenn die Natur auch jedes Jahr 
Sich schmücket neu mit Pracht, 
Sie bringt doch stets die Gaben dar, 
Die sie seit je gebracht. 


So war es schon in jener Zeit, 
Da Ich die Erde schuf; 
So wird es sein in Ewigkeit: 
Natur folgt Meinem Ruf. 

Nicht spricht die Flur: 'Ich hab' es satt, 
Zu bringen Gras und Blum'; 
Der Waldbaum soll an ihrer Statt 
Jetzt schmücken mich zum Ruhm.' 

Nicht spricht der Wald: 
'Ich will nicht mehr 
Stets tragen Baum an Baum; 
Der grünen Wiese Blumenheer 
Jetzt decke meinen Raum.' 

Nein!  Die Natur hat immer treu 
Erfüllt Mein Schöpfungswort; 
Und jedes Jahr tut sie es neu, 
Frei, tut sie's fort und fort. 


Frei bist auch du, wie die Natur, 
Wie munt'rer Vöglein Heer. 
So blicke an den Wald, die Flur; 
Sie künden laut die Lehr': 

So wie nur weh'n die Lüfte weich, 
Und frei sich's in uns regt, 
Befolgen das Gesetz wir gleich, 
Das Gott in uns gelegt.' 

O, diese Lehre, schreibe sie 
Tief in das Herz dir ein: 
Dass Freiheit sich in Harmonie 
Mit Gottesdienst verein'. 
    
Du bist ja frei! Es hemmen nicht 
Dir Fesseln deinen Willen. 
O, mögst du in der Freiheit Licht 
Doch stets Mein Wort erfüllen!'" 
Lampertheim. Lehrer J. Meyer."

      

Dienstjubiläum des Lehrers Jonas Meyer (1932) 

Lampertheim Israelit 30061932.jpg (75005 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1932: Lampertheim am Rhein, 27. Juni (1932). Am 25. Nissan konnte der Lehrer der hiesigen Gemeinde, Herr Jonas Meyer, in seltener Rüstigkeit und bei voller Amtstätigkeit seinen siebzigsten Geburtstag und gleichzeitig das 35jährigee Amtsjubiläum in der Gemeinde Lampertheim begehen. Der Jubilar, der in Lehre und Lebensführung stets unermüdlich für die Ideale des überlieferten Judentums eingetreten ist, erfreut sich wegen seiner aufrichtigen Frömmigkeit und seines menschenfreundlichen bescheidenen Wesens allgemeiner Achtung und Wertschätzung, auch in andersgläubigen Kreisen. Neben seiner rednerischen Begabung verdient besonders seine Tätigkeit als vorbildlicher Jugenderzieher hervorgehoben zu werden, durch die allein schon er sich in den Herzen ganzer Generationen von ihm ausgebildeter Schüler und Schülerinnen ein dauerndes dankbares Andenken geschaffen hat. Möge dem Jubilar noch eine Reihe von Jahren in gleicher Gesundheit und Kraft an der Seite seiner ihm ebenbürtigen Gattin beschieden sein zur Freude seiner Familie, zum Segen seiner Gemeinde und zur Ehre des Judentums. "(alles Gute) bis 120 Jahre".

 
Zum Tod von Lehrer Jonas Meyer (1935)

Lampertheim Israelit 23051935.jpg (163479 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1935: "Jonas Mayer - er ruhe in Frieden -. Würzburg, 15. Mai (1935). Am vergangenen Montag, dem 10. Ijjar (= 13. Mai 1935), brachten wir Jonas Mayer unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe. Jonas Mayer, im Odenwaldstädtchen Reichelsheim geboren, zeigte in jungen Jahren bereits einen starken Drang nach jüdischem und profanem Wissen. Mit 33 Jahren berief man ihn als Lehrer und Kantor an die Gemeinde Lampertheim, wo er bis zu seinem am letzten Schabbat Paraschat Emor (Schabbat mit der Toralesung Emor, d.i. 3. Mose 21,1 - 24,23, dies war am 11. Mai 1935) erfolgten Ableben, also nahezu 40 Jahre, für die Jüdische Gemeinde wirkte. In allen nur möglichen Fragen des praktischen Lebens holte man sich bei ihm Rat und Hilfe. Seine hervorragenden Eigenschaften waren seine Güte und seine Bescheidenheit. Daraus erklärt sich sein einzigartiges Verhältnis zu seiner Gemeinde, zu jedem einzelnen Mitglied dieser Gemeinde und nicht zuletzt zur nichtjüdischen Bevölkerung der Stadt Lampertheim. Ein köstlicher Humor, der gespeist wurde von einer Quelle reichen Wissens, zeichnete ihn aus. Er war auch jahrelang Mitarbeiter der 'Laubhütte' und vor allem ein ausgezeichneter Kenner der jüdischen Geschichte. Es war ein ergreifendes Bild, als die ganze Gemeinde vor der geöffneten Pforte des Gotteshauses weinend die Bahre ihres Lehrers und Kantors umstand, der in diesem Hause viele, viele Jahre mit Andacht und Weihe den Gottesdienst versehen hatte. 
Vor der Synagoge sprach Rabbiner Dr. Michalski, Karlsruhe (ein Neffe des Verstorbenen) zu Herzen gehende Abschiedsworte. Für den hessischen Lehrerverein sprach Lehrer Müller, Bensheim dem Kollegen Dank und Anerkennung für treue Mitarbeit aus. Als Nachbarkollege und Freund nahm Herr Lehrer Lob, Viernheim, in bewegten Worten Abschied. Am Grabe schilderte Herr Rabbiner Dr. Michaelski in treffender Weise die Haupteigenschaften von . Mayer - er ruhe in Frieden. Für die Gemeinde Lampertheim stattete Herr Guggenheim den Dank ab mit dem Gelöbnis, im Sinne des Verstorbenen die jüdischen Belange der Gemeinde nicht zu vernachlässigen und so sein Andenken am besten zu ehren. Ein Schüler sprach für die gesamte Jugend rührende Abschiedsworte. 
Für die Familie nahmen die Schwiegersöhne, die Herren Michel, Nürnberg und Verwalter Sonn, Würzburg, ergreifenden Abschied. Möge die allseitige Achtung und Verehrung, die der Verstorbene genoss, der trauernden Gattin und der ganzen Familie reichen Trost spenden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

      
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Antisemitische Regungen 1891 

Lampertheim Israelit 12111891.jpg (70905 Byte)1891 ereignete sich ein Vorfall, über den die Zeitschrift "Der Israelit" am 12. November 1891 berichtete: "Worms, 6. November (1891). Aus Worms wird dem 'Darmstädter Täglichen Anzeiger' von hier geschrieben: 'Von einem Studiosus N. von hier, welcher sich in dem benachbarten Orte Lampertheim aufzuhalten pflegt, ist folgender Akt von Antisemitismus verübt worden. Im Gasthause 'Zum Rebstock' in Lampertheim fand ein israelitischer Ball statt. Der Herr Studiosus trank sich an dem Ballabend zuerst Courage an, äußerte zu seinen Bekannten: 'Heute Abend müssen die Juden dran glauben!' und rückte um 11 Uhr mit einem Begleiter in das Balllokal. Hier verhöhnte er die Ballgäste, blies mit einer Kindertrompete und warf zuletzt Steinkohlen in den Ballsaal... In der ganzen Umgegend spricht man mit Empörung von diesem rohen Betragen.' Soweit der 'Darmstädter Tägliche Anzeigen.' Aber warum in aller Welt haben denn die männlichen Teilnehmer an dem Balle dem Burschen nicht die ihm gebührende Strafe gleich an Ort und Stelle appliziert?"  
Einige Monate später erschien der folgende Artikel:    
Lampertheim Israelit 02041892.jpg (64060 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1892: "Lampertheim (Kreis Bensheim). Es ist noch nicht lange, dass durch die Zeitungen die Nachricht lief, dass ein antisemitische angehauchter Student eine von Israeliten abgehaltene Abendunterhaltung zu stören suchte. Man ist so leicht geneigt, die Rohheit eines Einzelnen der Gesamtheit zur Last zu legen. Dass dies in Lampertheim nicht zutrifft, hat sich in den letzten Tagen gezeigt. In feierlicher Weise wurde nämlich daselbst ein neues Schulhaus eingeweiht. In dem Zuge befand sich neben dem katholischen und evangelischen Kirchvorstand auch der Vorstand der israelitischen Gemeinde, der offiziell zur Feier eingeladen war."   

    
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe  
Anzeige der Metzgerei Herrmann Schott (1878)   

Lampertheim Israelit 11121878.jpg (33350 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1878: "Koscher Fleischwaren und alle Sorten Wurst etc.  Einem geehrten Publikum empfehle ich meine berühmte echt koschere Wurst nebst Rauchfleisch in prima Qualität zu billigsten Preisen. Lampertheim (Hessen), Herrmann Schott, Metzger."     

   
Anzeige der Metzgerei David Süß (1890)     

Lampertheim Israelit 03111890.jpg (19013 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1890: "In mein Metzgergeschäft suche per sofort einen Lehrling. Kost und Logis im Hause. Schabbat und Feiertag geschlossen. 
David Süß, Lampertheim, Hessen."     

   
Verlobungsanzeige von Else Meyer und Julius Sichel (1921)  

Lampertheim Israelit 16061921.jpg (28605 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1921: "Else Meyer - Julius Sichel. Verlobte. 
Lampertheim bei Mannheim - Nürnberg, Osianderstraße 8. Schawuoth 5681."  

        


    
   

Zur Geschichte der Synagoge

Ein "Judenschulmeister" wurde erstmals 1767 angestellt. Somit dürfte damals ein Betsaal vorhanden gewesen sein. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Gemeinde zu ihren Gottesdiensten in einem Raum in der Wohnung des Salomon Süß (Römerstraße 74) zusammen. Seit 1835 plante man den Bau einer Synagoge. 1843 konnte ein Grundstück erworben werden, doch auf Grund der schlechten Finanzlage der Gemeinde konnte man damals nicht mit dem Bau beginnen. Die politische Gemeinde gewährte einen Zuschuss von 500 Gulden als Schenkung zum Bau mit der Begründung, dass die Juden als Ortsbürger ja auch zu den Bau- und Unterhaltungskosten der Schulen und Kirchen beitragen würden. 1850 wurde von der Behörde die Schenkung genehmigt. 1851 konnte die Synagoge erbaut werden. Sie hatte 92 Männer- und 55 Frauenplätze.

Im Zusammenhang mit dem 75jährigen Bestehen der Synagoge 1926 wurde eine Renovierung durchgeführt und bei der Wiedereinweihung eine Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg aus der Gemeinde gefallenen Juden enthüllt. Die Brüder Ludwig und Sally Hochstädter stifteten damals zwei Kronleuchter aus Messing mit je fünf elektrischen Kerzen zum Gedenken an ihre verstorbenen Eltern.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. 

1992 wurde auf dem Synagogengrundstück ein Geschäfts- und Parkhaus gebaut. Nach dessen Fertigstellung brachte man an der Rückseite des Parkhauses eine neue Bronzetafel zur Erinnerung an die Synagoge an.
 

Adresse/Standort der SynagogeRömerstraße 95-97

Fotos
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 131).

Lampertheim Synagoge 100.jpg (92262 Byte)
Innenansicht der Synagoge in Lampertheim


Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Lampertheim

Informationen zum jüdischen Friedhof in Lampertheim  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 464-466.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 131.
Heinrich Friedrich Karb: Beiträge aus der Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde Lampertheim. 1998. (Reihe: Lampertheim - ein Blick in die Stadtgeschichte Bd. 2. Hrsg. vom Magistrat der Stadt Lampertheim)
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 23-24.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 221-223.
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Lampertheim Hesse. There are references to Jews living in Lampertheim from 1615. The community, numbering 160 (3 % of the population) in 1861, was affiliated with Darmstadt's Liberal rabbinate. After the synagogue was burned down on Kristallnacht (9-10 November 1938), SS men tortured a Jew to death and some townsfolk helped to destroy Jewish property. Most of the 85 Jews living there in 1933 had left by 1939; three were deported to Auschwitz in 1942. Several thousand Displaced Persons from Eastern Europe established a new community in Lampertheim after Worldwar II, but almost all of them emigrated to Israel. 

     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge

             

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 08. Februar 2009