Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kusel (Kreisstadt) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Kusel bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.
  
Bereits im Mittelalter gab es Juden in der Stadt, die von der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 betroffen waren.  
  
Spätestens Mitte des 18. Jahrhunderts waren wieder einige Juden/jüdische Familien in der Stadt. Im jüdischen Friedhof in Thallichtenberg ist das Grab eines 1761 in Kusel gestorbenen Juden. 1776 gab es zwei jüdische Familien in der Stadt.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 13, 1848 30 jüdische Einwohner in sieben Familien, 1875 30, 1900 55 in 20 Familien von insgesamt 3.122 Einwohnern). Zur jüdischen Gemeinde gehörten 1854 auch die wenigen in Diedelkopf und Altenglan wohnenden jüdischen Personen.   

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad.  Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Thallichtenberg beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Kaiserslautern.  
 
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 65 Personen gehörten (2,2 % von insgesamt etwa 3.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Max Weil und Alfons Oppenheimer. Die Stelle des Lehrers war damals gerade unbesetzt. 1932 waren die Gemeindevorsteher Max Weil (1. Vors. und Schriftführer), Ernst Bermann (2. Vors.) und Artur Steiner (3. Vors.). Damals waren die jüdischen Familien im Leben der Stadt völlig integriert. Eine Reihe von Einzelhandelsgeschäfte (darunter vier Textilgeschäfte) gehörte jüdischen Personen /Familien.   
  
Zur jüdischen Gemeinde gehörten seit der Auflösung der dortigen Gemeinden auch die noch an den folgenden Orten lebenden jüdischen Personen: Konken (1924 19, 1932 7 Personen), Ulmet (1924 15, 1932 15) und Eßweiler (Anschluss seit 1906; 1924 11, 1932 7 Personen).   
   
1933 wurden 66 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt.
In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 waren noch 54 jüdische Personen in der Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung des Betsaales zerstört; die jüdischen Geschäfte und Wohnhäuser wurden überfallen und demoliert. Jüdische Männer der Gemeinde wurden in das KZ Dachau verschleppt. Die Frauen und Kinder wurden in Richtung der französischen Grenze transportiert, um sie abzuschieben. Da jedoch Frankreich seine Grenze geschlossen hielt, wurden sie nach Mainz gebracht und dort auf freien Fuß gesetzt; nur einige von ihnen kehrten nach Kusel zurück. Die letzten verbliebenen jüdischen Einwohner wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. 
  
Von den in Kusel geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Clara Bermann geb. Maier (1895), Hildegard Bermann (1927), Adolf Borg (1890), Isidor Borg (1894), Sally Frank (1909), Emma Guthmann geb. Steiner (1878), Kurt Guthmann (1909), Werner Isaak (1931), Jakob Löser (1874), Jakob Löser (1878), Richard Löser (1903), Hans Mayer (1913), Oskar Mayer (1883), Alfons Oppenheimer (1875), Gutella Oppenheimer geb. August (1869), Artur Anselm Maximilian Steiner (1877), Robert Steiner (1908), Paula Tuteur (1905), Elise Weil geb. Mayer (1861), Hedwig Weil geb. Mayer (1911), Markus Weil (1877), Otto Weil (1883), Tilly Wolf geb. Landau (1895).           
   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1915 / 1924  

Kusel Israelit 02091915.jpg (46614 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1915: 
"Vorbeter und Schächter 
per 1. September gesucht, eventuell für die Feiertage Aushelfer. 
Israelitische Kultusgemeinde Kusel.
(Pfalz)."  
 
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 6. März 1924: 
"Wir suchen für sofort, eventuell auch später, Religionslehrer, Kantor und Schochet. 
Angebote mit Bild, Zeugnisabschriften, Gehaltsansprüchen an 
Max Weil, Kusel (Pfalz)
."      

   
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen
  
Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes S. Weil (1916)  

Kusel FrfIsrFambl 19051916.jpg (36754 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1916: "In meinem Manufaktur- und Konfektionsgeschäft wird eine tüchtige Verkäuferin per sofort gesucht. 
S. Weil,
Kusel in der Pfalz".  

   
    
   
  
Zur Geschichte der Synagoge      
   
Zunächst war vermutlich ein Betraum im Haus einer jüdischen Familie vorhanden. 1844 erfährt man erstmals von einem Bethaus (Synagoge) in der Stadt. Um 1870 war ein inzwischen in sehr schlechtem Zustand befindliches Bethaus in der Hintergasse vorhanden (vermutlich identisch mit dem 1844 genannten Bethaus). Die Gemeinde war auf der Suche nach einem neuen Gottesdienstraum, zumal in der Hintergasse ein angrenzender Schweinestall mit Abtritt die Luft verpestete und die Bewohner der höheren Etagen den Gottesdienst störten. So plante man schon damals ein Bau einer eigenen Synagoge und trug 1873 und 1887 den Behörden entsprechende Bitten vor.  
  
Nach 1873 wurde ein Betraum (Synagoge) in einem Haus in der Ziegelgasse zwischen Marktplatz und Marktstraße (an der Einmündung der Ziegelgasse hinter dem Hutmacherbrunnen) eingerichtet. Das Gebäude gehörte einer Brauerei und diente in erster Linie als Fremdenstall der benachbarten Gaststätte "Zum deutschen Kaiser". 
   
Gegen Ende des 19. Jahrhundert plante die Gemeinde den Bau einer Synagoge in der Stadt. Bezirksbaumeister Kleinhans zeichnete 1899 die Pläne für ein zweigeschossiges Gebäude in neuromanischen Formen mit einer Apsis (im Bereich des Toraschreines) und einem seitlichen Anbau für das Treppenhaus zur Frauenempore. Ein Grundstück in der Lehnstraße (Garten des Bäckers Karl Schwinn) war bereits zuvor von der Gemeinde gekauft worden. Doch wurde dieser Bauplatz wieder aufgegeben zugunsten eines geplanten Neubaus in der Ringstraße. Dennoch konnte der Plan nicht verwirklicht werden, der bisherige Betsaal in der Ziegelgasse blieb bis nach 1933 Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in der Stadt.  
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung des Betsaals in der Ziegelgasse zerstört, das Gebäude blieb erhalten. Nach 1938 kam das Gebäude in den Besitz der politischen Gemeinde, die ein öffentliches Bad einrichten ließ. 1984 wurde das Gebäude abgebrochen. 
  
Am Standort des Gebäudes mit dem Betraum befindet sich seit 2000 eine Bronzeplastik.     
  
  
Adresse/Standort des Betraumes: Ziegelgässchen 7 - zwischen Marktplatz und Marktstraße an der Einmündung der Ziegelgasse hinter dem Hutmacherbrunnen        

Fotos
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 223; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.6.2011)  

Pläne von 1899 zum Bau einer 
Synagoge in Kusel
, gezeichnet von
 Bezirksbaumeister Kleinhans 
(nicht verwirklicht)
Kusel Synagoge 140.jpg (82808 Byte) Kusel Synagoge 141.jpg (56556 Byte)
  Plan der Ansicht des Synagogengebäudes 
von der Ringstraße, rechts das 
angebaute Treppenhaus für 
die Frauenempore
Grundriss der geplanten Synagoge - unten 
der Eingang mit Torplatz, von hier aus 
die getrennten Eingänge für die Männer 
und die Frauen (rechts zur Empore) 
      
     
Standort des Gebäudes mit 
dem ehemaligen Betsaal
Kusel Gedenken 123.jpg (131103 Byte)    
      Blick in die Ziegelgasse, an deren Ende 
das Gebäude mit dem Betsaal war
   
      
Kusel Gedenken 120.jpg (139323 Byte) Kusel Gedenken 121.jpg (153845 Byte) Kusel Gedenken 122.jpg (138123 Byte)
Die von dem Kuseler Künstler Stefan Engel (geb. 1960) erstellte Bronzeplastik am Standort des Gebäudes mit dem früheren jüdischen Betsaal. Eine Tafel zur Erläuterung der Bronzeplastik oder zur Erinnerung an die jüdische Geschichte ist am Platz nicht vorhanden. 
Der Künstler nennt die Figur nach einem Diktum von George Berkeley "Esse percipi" ("Sein heißt Wahrgenommenwerden"). Inspiriert wurde der Künstler durch "Die Blendung" von Elias Canetti, nach dem jeder Mensch in seinem Schwanken zwischen Schaulust und selbstverschuldeter Blindheit gefangen ist und erst diese Beschränktheit "das Nebeneinander von Dingen erlaubt, die unmöglich wären, wenn sie einander sähen". Diese Deutung und weitere Informationen zu dem Künstler und seinem Werk im Online-Magazin von Erhard Metz - FeuilletonFrankfurt - zu einer Ausstellung von Stefan Engel im Kunstforum Mainturm "KörperGehäuse": Beitrag von Brigitta Amalia Gonser.    
         

  
    
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Kusel   

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 460-461.
Ernst Schworm: Kusel - Geschichte der Stadt. Hrsg. Stadt Kusel. 1987 S. 369-374. 
Roland Paul: Die Verschleppung der Juden aus dem Landkreis Kusel vor 50 Jahren und das Schicksal der Deportierten. In: Westrich-Kalender 1991. S. 145-150. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 106.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 223 (mit weiteren Literaturangaben).

    
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Kusel  Palatinate. Jews lived in Kusel from the 14th century on. They suffered in the Black Death persecutions of 1348-49 and were finaly expelled in 1543 with all the Jews of the Duchy of Zweibruecken. Settlement was apparently renewed only in the mid-18th century. Numbering 13 individuals in 1827, the Jewish population grew to 55 (total 3.122) in 1900 and 66 in 1930. The community maintained a prayer room and buried its dead at the Jewish cemetery of Thallichtenberg. In June 1933, about four months after the Nazi assumption of power, 56 Jews were living in Kusel. Their prayer room as well as stores and homes was vandalized in Kristallnacht (9-10 November 1938). Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. About 15 Jews form Kusel managed to emigrate to safe havens, and about 30 moved to other German cities and neighboring countries. It may be assumed that of the latter group several were deported and perished, as was the case also for the Jews remaining in Kusel.    
            

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. Mai 2012