Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Odenbach am Glan mit Grumbach und Lauterecken (VG Lauterecken, Kreis Kusel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Zur jüdischen Geschichte in Odenbach siehe vor allem die Seiten bei  
www.ehemalige-synagoge-odenbach.de 

  
Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Kennkarte aus der NS-Zeit      
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bullet Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Odenbach am Glan bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Bereits im 17. Jahrhundert werden Juden am Ort genannt (1627, 1631, 1638 und 1688). 1717 werden vier jüdische Familien, 1776 bereits neun Familien genannt.    
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 25 jüdische Einwohner (3,9 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 59 (in 13 Familien), 1825 74 (8,4 %), 1835 109, 1848 124, 1854 139 (knapp 10 % der Gesamteinwohnerschaft), 1875 70, 1883 61, 1889 66, 1897 55, 1900 56 (von 958 Einwohnern). 
   
Zur jüdischen Gemeinde Odenbach gehörten auch die in Lauterecken lebenden jüdischen Personen. Hier war seit 1889 der Apotheker August Samuel Spiegel Inhaber der Schloss-Apotheke. Vgl. Gedenkblatt des Aktiven Museums Spiegelgasse Wiesbaden. 1905 lebten in Lauterecken 17 jüdische Personen (von insgesamt 1952 Einwohnern).    
   
1809/10 werden als jüdischen Familienvorstände in Odenbach am Glan genannt: David Felsenthal (Viehhändler), Benjamin Grünebaum (Händler), Jacob Hertz, Lazarus Kauf[f]mann (Viehhändler), Moses Kauf[f]mann (Gebrauchtwarenhändler), Samuel Kauf[f]mann (Viehhändler, Witwe Jeannette Löw, Emanuel Schwaab (Viehhändler), Samuel Stern (Viehhändler).   
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zeitweise, so nach "Statistisches Jahrbuch" 1889: Israelitische Elementarschule bzw. 1892ff Öffentliche Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Der erste Lehrer an der jüdischen Schule war seit 16. Februar 1831 Is. C. Kampe (in: "Israelitische Annalen" vom 15. Januar 1841 S. 23). Von den weiteren Lehrern sind bekannt: um 1887/1901 Lehrer B. Weinschenk, unterbrochen (oder fehlerhafte Angabe?) nach "Statistisches Jahrbuch" 1897 Lehrer N. Haas; um 1905 Lehrer Bajowitz (unterrichtete 1905 13 Kinder, davon 8 Jungen, 5 Mädchen); von 1910 bis 1924 Lehrer David Baracker, dessen Frau Rosa geb. Brück in Odenbach geboren ist (danach war er Lehrer in Sulzburg, dann Mosbach).

Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1881: J. Schwab, um 1889 H. Felsenthal, um 1905/15 Emanuel Löb.
 
Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.   
    
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Heinrich Brück (geb. 5.3.1893 in Odenbach, gef. 3.11.1914) und Luitpold Felsenthal (geb. 4.5.1893 in Odenbach, gef. 28.9.1915). - Mit dem Eisernen Kreuz (EK II) wurden für ihren Kriegseinsatz ausgezeichnet: Simon Kleinberger, Vizefeldwebel im 116. Landwehrinfanterieregiment, Sohn des Kaufmanns Jakob Kleinberger (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 10. August 1916 S. 2), Albert Felsenthal, Gefreiter im bayerischen Reserve-Infanterieregoment 88, Sohn von Elias Felsenthal (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 2.August 1917 S. 2) sowie Ludwig Brück, Einjähriger Unteroffizier im 29. bayerischen Infanterieregiment, Sohn von Moses Brück (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 8. März 1917 S. 3). - Mit dem Bayerischen Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit Schwertern ausgezeichnet wurde Infanterist Alfred Kleinberger, Sohn der Witwe Thekla Kleinberger (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 24. Januar 1918 S. 3); 1918 erhielt auch Alfred Kleinberger noch das Eiserne Kreuz (EK II, in "Israelitisches Familienblatt" vom 19. September 1918 S. 3). -  Die Krankenpflegerin Rosel Brück, tätig in einem Militärlazarett, wurde mit dem Bayerischen Ludwig-König-Kreuz ausgezeichnet (in: "Israelltisches Familienblatt" vom 26. April 1917 S. 3).
    
Um 1924, als zur Gemeinde ("Jüdische Gemeinde Odenbach-Lauterecken") 46 Personen in Odenbach und 12 in Lauterecken gehörten, waren die Vorsteher der Gemeinde David Felsenthal, Jakob Kleinberger und Ludwig Frank. Als Kantor, Religionslehrer und Schochet war nach David Baracker inzwischen Emil Heymann (Heimann) tätig. Er unterrichtete damals an der Religionsschule der Gemeinde sieben Kinder, dazu war er als "Wanderlehrer" in den umliegenden, klein gewordenen Gemeinden unterwegs (u.a. in Steinbach am Glan). 1927 wechselte er nach Bechhofen (siehe Mitteilung unten). 1932 waren die Gemeindevorsteher David Felsenthal (1. Vors. und Schriftführer), Jakob Kleinberger (2. Vors.) und Leo Löb. 
       
Nach 1933 ist der Großteil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 27 Personen in Odenbach, 8 in Lauterecken) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 32, 1937 28, 1938 23 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet (s.u.). Zwei der letzten vier jüdischen Einwohner wurden 1940 in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert. Zwei weitere jüdische Männer, die mit nicht-jüdischen Frauen verheiratet waren, überstanden die NS-Zeit in Odenbach.
 
Im Anhang eine Übersicht über die jüdische Bevölkerungsentwicklung von 1930 bis 1945 im Landkreis Kusel mit Angaben zu 17 Personen aus Odenbach (Mitteilung von 1962 an den Internationalen Suchdienst in Arolsen; pdf-Datei).    
  
Aus Lauterecken wurde im "Allgemeinen Anzeiger von Meisenheim" am 22. Februar 1938 berichtet: "Nachdem der Viehhändler Otto Frank dieser Tage nach Amerika ausgewandert ist, ist Lauterecken nun judenfrei geworden". Apotheker August Samuel Spiegel hatte seine Apotheke (Schloss-Apotheke) bereits im März 1930 verkauft und ist mit seiner Frau Ida nach Wiesbaden verzogen.  
      
Von den in Odenbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945; im Februar 2014 teilweise korrigiert und ergänzt auf Grund der Recherchen des Fördervereins ehemalige Synagoge Odenbach e.V.): Heinz Brück (1923), Moses Brück (1862), Blondine Eppstein geb. Felsenthal (1883), Berta Falkenstein geb. Brück (1883), Alex (Alexander) Felsenthal (1896), Ludwig Felsenthal (1881), Martha Felsenthal (1896), Rosalie Felsenthal (1891), Emma Gerson geb. Mayer (1874), Rosa Hecht geb. Brück (1881, siehe Kennkarte unten), Sophie Heilpern geb. Felsenthal (1880), Moritz Kleinberger (1894), Simon Kleinberger (1882), Rosalia Litzenberger geb. Mayer (1893), Karoline Löb geb. Reiß (1862), Leo Löb (1864), Herbert Maier (1910), Johannette Maier geb. Brück (1885), Max G. Maier (1881), Berta Mayer geb. Brück (1886), Jenny Mayer geb. Brück (1885), Ludwig Mayer (1901), Auguste Rosenberg geb. Stern (1863), Anny Strauss geb. Dinkelspiel (1884), Fanny Strauß geb. Dinkelspiel (1884), Thekla Szklarz geb. Felsenthal (1883), Fanny Weil geb. Dochendach (1869), Pauline Weinschenk (1866). 
  
Hinweis: der in einigen Listen genannte Ludwig Brück (geb. 1894) ist im Dezember 1945 aus dem Ghetto Theresienstadt über Frankfurt am Main nach Odenbach zurückgekehrt.     
   
Aus Grumbach sind umgekommen:  Caroline (Karoline, Lina) Dornhard geb. Mayer (1875), Karoline Roos geb. Mayer (1854), Leo Roos (1882).
A
nmerkung: Im Anhang eine Zusammenstellung von 24 jüdischen Personen ("Abmeldungen von Glaubensjuden 1935-1942"), die von der Amtsverwaltung Grumbach/Glan 1962 an den International Tracing Service in Arolsen geschickt wurden mit Angaben zu einzelnen deportierten Personen aus Grumbach (pdf-Datei).   
   
Aus Lauterecken sind umgekommen: Emil Loeb (1892), Walter Nesseler (1927), August Samuel Spiegel (1860), Pauline Ida Spiegel geb. Ganz (1862)
.    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter   
  
Nennung von Lehrer Is. C. Kampe in Odenbach (ab 1831; 1841)     

Artikel in "Israelitische Annalen" vom 15. Januar 1841: "Rabbinatsbezirk Kaiserslautern
1) Winnweiler, J. Strauss 7. März 1830.
2) Alsenz, B. Weinschenk, 28. August 1830.
3) Odenbach, Is. C. Kampe, 16. Februar 1831.
4) Otterberg, J. Lehmann, 11. Juni 1831 (Nach dessen Versetzung J. Asser, jetzt gestorben, und an dessen Stelle jetzt Mandel.) 
5) Steinbach, S. Frenkel, 11. August 1831.
6) Münchweiler, J. Strauß, 15. Januar 1832.
7) Kirchheimbolanden, Adler, 28. Juli 1832 (an dessen Stelle später der ebenfalls wackere Jakob Sulzbacher).
8) Kaiserslautern, A. Kahn, 23. Mai 1833 (später Walz).
9) Hochspeyer, H. Rothschild, 4. August 1833 (später in Niederhochstadt und jene Stelle ist noch unbesetzt).
10) Gauersheim, B. Feistmann, 30. Dezember 1834 (gestorben)
11) Börrstadt, Jos. Abr. Blum, 20. Februar 1836 (versetzt nach Hagenbach, und hier B. Alexander).
12) Rockenhausen, M. Eigner, 28. Oktober 1837.
13) Niederkirchen, M. Salomon, 11. Oktober 1837. 
14) Marienthal, Isaac Lob, 18. März 1838 (später J. Frank, pensioniert unterm 23. August 1838, für ihn S. Wolff)."   

  
Zu Lehrer B. Weinschenk (um 1887/96 Lehrer in Odenbach)
In "Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" ab Jahrgang 1887 S. 20 bis Jahrgang 1896 S. 60 wird als Lehrer in Odenbach B. Weinschenk genannt. Über ihn liegen nur wenige Informationen vor. Möglicherweise ist er bereits 1866 als Lehrer in Odenbach gewesen, da am 16. November 1866 Pauline Weinschenk, eventuell eine Tochter von Lehrer Weinschenk in Odenbach geboren ist. Sie ist nach der Deportation 1940 nach Gurs dort umgekommen (siehe https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988585). Von anderen Orten sind Lehrer mit Familiennamen Weinschenk kaum bekannt. Einer der wenigen war 1889 bis 1891 in Echzell Lehrer.
  
Zu Lehrer N. Haas (1897 Lehrer in Odenbach ?)  
In "Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" wird nur in Jahrgang 1897 als Lehrer in Odenbach N. Haas genannt. In den Jahrbüchern zuvor und danach wird Lehrer Weinschenk in Odenbach genannt. Entweder gab es eine vorübergehende Unterbrechung seiner Amtszeit oder liegt im Jahrbuch 1897 eine fehlerhafte Angabe vor. Über einen Lehrer N. Haas liegen keine weiteren Informationen vor.  
   
Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet (1904)  

Anmerkung: diese Anzeige erschien so oder leicht variiert in verschiedenen Zeitschriften Anfang 1904. 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1904: "Die Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Vorbeters
in der Gemeinde Odenbach (Pfalz) ist mit folgenden Gehaltsbezügen sofort zu besetzen. Persönliche Vorstellung nebst Zeugnissen erwünscht. Inländer, verheiratet, bevorzugt; es darf kein Ausländer sein. Das Gehalt beträgt: Aus der Gemeinde 560 M.. Kasualien 20 M., Brandentschädigung 20 M., Schächten 200 M. zusammen 800 M.
Die israelitische Kultusgemeinde: Emanuel Löb,
Kultusvorstand
." 
Anmerkung: auf die Ausschreibung wird sich Lehrer Bajowitz erfolgreich beworben haben, da er 1905 genannt wird: 

Zu Lehrer Bajowitz (um 1905 Lehrer in Odenbach, vgl. Famiienname Bajowitsch, Bajowicz)
In "Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" wird in Jahrgang 1905 als Lehrer in Odenbach ein Lehrer Bajowitz genannt. Über diesen Lehrer Bajowitz liegen keine weiteren Informationen vor.
    
Zu Lehrer David Baracker (1910 bis 1924 Lehrer in Odenbach) 
  
Anmerkung: Lehrer David Baracker ist am 6. Juni 1885 in Skyrstimon (Skirsnemunè, Litauen) als Sohn von Shlomo Hirsch Baracker und der Chana Levitan geboren. Er hatte noch drei jüngere Brüder: Hirsch (geb. 12. Mai 1888, nach Emigration in New York City, Familienname Feinberg) sowie Samson (geb. 1892, verh. 1934 mit Cire Oberman) und Israel (geb. 1895). Er war verheiratet mit Rosa geb. Brück (geb. 19. Juli 1887 in Odenbach). Die beiden hatten mindestens drei Söhne und eine Tochter, darunter: Herbert (geb. 1913 in Odenbach) und Werner Paul (geb. 17. Juli 1917 in Odenbach, verh. mit Inge geb. Meier; er ist gest. 27. November 2001 - Grab https://de.findagrave.com/memorial/12107891/werner_paul-baracker). David Baracker wurde bayerischer Staatsangehöriger und war von 1910 bis 1924 Lehrer in Odenbach, dann ab Juni 1924 in Sulzburg und schließlich von Juli 1927 an in Mosbach (bis Januar 1939). Mit dem Wechsel von Odenbach nach Sulzburg (und später Mosbach) wechselte David Baracker vom bayrischen in den badischen Gemeindedienst (s. "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom 20. Juni 1924 S.2). David und Rosa Baracker konnten 1939 noch in die USA emigrieren (1944 San Francisco, Ca/USA). David Baracker, der auch in San Francisco als Kantor einer jüdischen Gemeinde tätig war, starb am 2. August 1952 in San Francisco und wurde in Colma, San Mateo, Ca/USA beigesetzt. Seine Frau Rosa verstarb am 9. Juni 1961 und wurde ebd. beigesetzt.
Quellen: 
Baracker, David ( *1885) - Jüdische Spuren in Sulzburg;   https://de.findagrave.com/memorial/171903480/david-baracker und https://de.findagrave.com/memorial/171903127/rosa-baracker 

Erste Nennung von Lehrer Baracker in Odenbach in "Israelitisches Familienblatt" vom 1. Dezember 1910 S. 48 mit folgender Auskunft der Redaktion des "Familienblattes" an ihn: "Baracker in Odenbach. Wenden Sie sich an Herrn Direktor Rosenbaum in Pankow bei Berlin, der eine Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene jüdische Kinder leitet Dort erfahren Sie die Bedingungen. Sonst käme auch in Betracht die Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder Wilhelm-Auguste-Viktoria-Stift" in Beelitz r. Mark. Geschäftstelle: Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Berlin, Steglitzerstraße 86." 
1911 war Lehrer Baracker in Odenbach bereits eine vor Ort anerkannte Persönlichkeit. So war er der offizielle Festredner bei der örtlichen Prinzregentenfeier im März 1911 (siehe Bericht unten).  
Ballacker übernahm auch Vertretung in umliegenden Gemeinden, so 1917 in Nahbollenbach (Nahe): "Unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung wurde hier das älteste Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Jakob Felsenthal, zu Grab getragen. Herr Prediger D. Baracker, Odenbach, Rheinpfalz, hielt eine tief empfundene Grabrede" (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 23. August 1917 S. 5)
1924 wurde dann berichtet: "Odenbach (Rheinpfalz). Nach 14jähriger überaus segensreicher Tätigkeit als Lehrer, Kantor und Prediger folgt der hiesige Lehrer Herr David Baracker einem Rufe der Gemeinde Sulzburg in Baden"  (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 22. Mai 1924 S. 5). 
 
Ausschreibung der Stelle des Kantors, Religionslehrers und Schochet (1924) 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 5. (sowie 12. und 19.) Juni 1924 S. 6: "Wir suchen per sofort für hiesige Kultusgemeinde einen
Kantor, Religionslehrer und Schochet.

Gehalt wird nach Besoldungsklasse Gruppe 5 lEndstufe) geregelt. Wohnung ist vorhanden. Bewerbungen bitte zu richten an
Vorstandschaft der Synagogengemeinde Odenbach (Rheinpfalz.)"
  
 
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer David Baracker (1935 in Mosbach 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1935: "Mosbach (Baden), 19. Juli (1935). Herr Lehrer David Baracker blickt am 28. Juli - so Gott will - auf eine 25-jährige Tätigkeit als Lehrer und Kantor zurück."        
 
Fotos zu Lehrer David Baracker  
   
David Baracker als Kantor
(Quelle: Ann Baracker, facebook) 
David Baracker
Quelle: findagrave
Rosa Baracker
Quelle: findagrave
Grab in San Mateo CA/USA
Quelle: findagrave

   
Lehrer Emil Heimann (Heymann) aus Odenbach wechselt nach Bechhofen (1927)   

Schwanfeld BayrGZ 19091927.jpg (28000 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19. September 1927: "Unter Beihilfe des Verbandes wurden folgende Stellen wieder besetzt. Thalmässing durch W. Goldberg aus Ichenhausen, Bechhofen durch E. Heimann, früher in Odenbach, Schwanfeld durch M. Selmansohn, bisher in Lübeck und Oberlauringen durch Schia Kraushaar, bisher in Frankfurt am Main." 

   
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Bei der Prinzregentenfeier ist Lehrer Baracker offizieller Festredner (1911)    

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. März 1911: "Odenbach (Rheinland). Prinzregentenfeier. Das Bürgermeisteramt bestellte den israelitischen Lehrer Herrn Kantor Baracker anlässlich des 90. Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten zum offiziellen Festredner." 

   
Spendensammlung in der Gemeinde (1915) 
Anmerkung: Zweck der Sammlung war wohl die Unterstützung von geflüchteten Kantoren aus Galizien und der Bukowina.

Mitteilung in "Dr. Bloch's Österreichische Wochenschrift" vom 6. August 1915 (ähnlich ebd. vom 20. August 1915): "Sammlung des Herrn Vorstandes Emanuel Löb und des Herrn Kantors und Lehrers D. Baracker der israelitischen Kultusgemeinde Odenbach:
Löb Emanuel, Kultusvorstand, Mk. 10.—, Baracker Daniel, Lehrer und Kantor, 2.—, Kleinberger Jakob 3.—, Frank Max 2. —, Brück Moses 2.—, Brück Max 1.—, Brück Elias 2.—, Mayer Max 2.—, Felsenthal Gebrüder 3.—, zusammen Mk. 27.—, = Kr. 35.52." 

   
Kurzer allgemeiner Bericht zum jüdischen Leben in Lauterecken und Odenbach (1931)

Der Beitrag, aus dem die kurzen Notizen entnommen wurden -  "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande - von Trier durch den Westrich zur Nahe" - wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere Informationen: https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).  
    

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 10. Juli 1930: "Nahe abwärts liegt 5 Kilometer von Offenbach
Lauterecken an der Mündung der Lauter in den Glan, schön gelegenes Dörfchen von 290 Einwohnern und 7 jüdischen Seelen. Die kleine Gemeinde hat ihren Gottesdienst und ihren Friedhof in
Odenbach, das 6 Kilometer abwärts am Glan liegt, bei 1000 Einwohnern noch rund 10 jüdische Familien zählt und zum Bezirks-Rabbinat Kaiserslautern gehört. Wegen Vermittlung ritueller Kost wende man sich an Lehrer Emil Heymann. Im Höllenwald bei Odenbach Ruine einer Wasserburg aus dem Mittelalter und ein vorgeschichtliches Gräberfeld. — In einer weiteren Stunde kommt man nach 
Meisenheim, bildschönes altes Städtchen von 1830 Einwohnern..."   

    
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Kurze Berichte zu einzelnen Personen   

-  1920:  Gestorben ist in Odenbach (Rheinpfalz) Kurt Frank im Alter von 20 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 17. Juni 1926 S. 6)
-  1928:  Gestorben ist in Odenbach (Rheinpfalz) am 29. März 1928 Dora Kleinberger im Alter von 50 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 3. Mai 1928 S. 6)
-  1928:  Gestorben ist in Odenbach (Rheinpfalz) Max Mayer im Alter von 65 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 22. März 1928 S. 5)  
-  1938:  Ausgewandert sind aus Odenbach in die USA Irma und Ruth Frank aus Odenbach, Töchter von Ludwig Frank (Mitteilung in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. November 1938 S. 8).

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Isaac Felsenthal, Frucht-, Mehl-, Porzellan- und künstlicher Düngerhandlung (1894)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. (auch 14. und 18.) Juni 1894: "Für meinen Sohn, welcher in meiner Frucht-, Mehl-, Porzellan- und künstlichen Düngerhandlung seine Lehre bestanden, mit der Landkundschaft sehr gut umzugehen weiß und in Comptoirarbeiten sehr bewandert ist, suche ich in ähnlichem Geschäfte Stelle als angehender Commis. Offerten bitte zu richten an   
Isaac Felsenthal, Odenbach
am Glan." 


Anzeige von Frau Elias Felsenthal (1901)  

Odenbach Glan Israelit 21031901.jpg (33146 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1901: "Für Pessach empfehle ich 
selbstgekelterten Wein
per Liter zu 50 Pfg. Um Aufträge bittet 
Frau Elias Felsenthal, Odenbach am Glan. Rheinpfalz." 

   
Spendenaufruf von evangelischen Gemeindegliedern in Odenbach für ein in Not geratenes jüdisches Ehepaar (1930) 
Anmerkung: der Spendenaufruf erschien in zahlreichen jüdischen Zeitungen, bis hin zum "Breslauer jüdischen Gemeindeblatt" im November 1930 oder zum "Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig" am 28. November 1930.

Anzeige in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 31. Dezember 1930: "Aufruf!
Helfende Menschenpflicht veranlasst die Unterzeichneten dieses Aufrufes, sämtlich christlich, evangelischer Konfession, einem unverschuldet ins Unglück geratenen jüdischen Mitbürger, tüchtigem Kaufmann aus alter hiesiger Familie, durch einen Appell um edle Spenden an gutbemittelte Menschen Insbesondere jüdischen Glaubens heranzutreten und helfend zur Seite zu stehen, um ihm seine Existenz zu erhalten bzw. wieder aufzubauen,
Nach Einsicht und Prüfung der Unterlagen hat der Genannte nicht allein unverschuldet hohe Verluste erlitten, sondern einer geradezu unglaublichen Zinsbelastung sein und seiner Ehefrau Vermögen fast restlos geopfert. Er steht z. Zt. mit seinen Gläubigern in Vergleichsverhandlungen.
Wir kennen den Fleiß, die Arbeitsfreudigkeit, Tüchtigkeit und Sparsamkeit des betreffenden allgemein geachteten Ehepaares, und deshalb wollen wir mit unserer Bitte an die öffentliche Wohltätigkeit die Solidarität mit unserem jüdischen Mitbürger ganz besonders hervorheben.
Wir bitten daher alle diejenigen, die unseren Appell unterstützen wollen, Gaben auf das Postscheckkonto des Herrn Oberlehrer O. Dauber, Odenbach, unter Nr. 6087 beim Postscheckamt Ludwigshafen a. Rhein mit der Bezeichnung 'Nothilfe“ gütigst einzusenden und werden von hier aus die Beträge an den jüdischen Mitbürger ausgehändigt und den Spendern selbst durch diesen gedankt.
Odenbach, im November 1930.
Der I. Bürgermeister: gez. Wallauer.  Die Schulleitung: gez. O. Dauber.  Der ev. Ortspfarrer: gez. Pfr. Wolfrum."

   
Verlobungsanzeige von Gerda Kleinberger und Hermann Hiller (1932)
   

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 1932. "Statt Karten! 
Gerda Kleinberger  -  Hermann Hiller  

Verlobte  
Odenbach, Pfalz   Saarbrücken, Petersbergerstr. 1" 

   
Verlobungsanzeige von Elsbet Felsenthal und Fritz Hiller (1934) 

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 16. August 1934:
"Elsbet Felsenthal   -   Fritz Hiller 

Verlobte  
Odenbach (Glan),
12. August 1934.  

  
Todesanzeige für Regine Felsenthal geb. Loeb, Frau von Isaac Felsenthal (1936)  

Anzeige in der "Jüdische Rundschau" vom 10. Januar 1936: "Am Donnerstag abend, dem 2. Januar, verschied plötzlich unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwägerin und Tante, Frau 
Isaac Felsenthal
   Regina geb. Loeb  
im Alter von 86 Jahren. Odenbach, 9. Tewet 5696
David Felsenthal     Moritz Felsenthal     Ludwig Felsenthal

Die Beerdigung hat bereits stattgefunden.""

          

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Odenbach/Glan 
geborenem Rosa Hecht geb. Brück
 
 Odenbach Glan KK MZ Hecht Rosa.jpg (105865 Byte)  
   Kennkarte (ausgestellt in Kirchheimbolanden 1939) für Rosa Hecht geb. Brück (geb. 11. Februar 1881 
in Odenbach / Glan), wohnhaft in Mainz und Kirchheimbolanden), am 25. März 1942 deportiert
 ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen   
 

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge    
  
Möglicherweise war bereits im 17. Jahrhundert ein Betraum am Ort. Eine Synagoge wurde 1752 auf einem Grundstück zwischen der Kirchhofstraße und der Kümmelstraße erbaut. Dieses Grundstück war seit 1737 im Besitz von Salomon Meyer. Dieser hat die Synagoge vermutlich auf eigene Kosten erstellen lassen. 1768 wird er als Besitzer der Judenschule genannt. 1802 erwarb die jüdische Gemeinde das Bethaus von der Witwe von Salomon Meyer zum Preis von 240 Gulden.  
  
Im 19. Jahrhundert wurde die Synagoge mehrfach renoviert, u.a. 1835, als für die größer gewordene Zahl der Gemeindeglieder mehr Platz geschaffen werden musste. Damals wurde im Dachgeschoss eine Frauenempore eingebaut. Vor dem Umbau saßen die Frauen im Erdgeschoss - von den Männern durch eine Sichtblende getrennt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden bei einer Renovierung die Wände mit Schablonenmalerei versehen. 
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch auswärtige SA-Leute geschändet. Sie wollten das Bethaus eigentlich anzünden, doch hätte dies bei der engen Bebauung eine zu große Gefahr für die Nachbarhäuser bedeutet. Fünf Torarollen, die von Schülern aus dem Toraschrein gestohlen wurden, sind am Weiherturm verbrannt worden. Am 18. Oktober 1939 wurde die Synagoge an den Gemeindediener verkauft, der sie bis zur Rückübertragung 1949 an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz als Abstellraum verwendete. Am 1. August 1952 wurde das Gebäude für 1.500 DM an einen Landwirt verkauft, der in der ehemaligen Synagoge ein Getreidelager einrichtete.
   
1983/86 wurde die ehemalige Synagoge unter Denkmalschutz gestellt. Intensive wissenschaftliche Untersuchungen zur Vorbereitung eines Restaurierung folgten. Wand- und Deckenmalereien wurden (durch Bernhard Kukatzki) entdeckt; eine Genisa wurde ausgewertet. 1988 wurde der "Förderverein zur Erhaltung der Synagoge in Odenbach e.V." gegründet, der das Gebäude im Januar 1989 erwarb und mit der Sanierung begann, die in den Jahren 1990 bis 1995 durchgeführt werden konnte. Am 5. März 1996 wurde die restaurierte Synagoge wiedereröffnet
.   
    
    
Adresse/Standort der Synagoge:   Kirchhofstraße 19   
    
    
Fotos    

Nachfolgende Fotos von Michael Ohmsen 
(erstellt im Sommer 2010) 
Fotos in hoher Auflösung teilweise in der Fotoseite von M. Ohmsen: Link.   
Odenbach Synagoge 170.jpg (436890 Byte)
   Die ehemalige Synagoge in Odenbach
(obiges Foto in hoher Auflösung eingestellt)
 
Odenbach Synagoge 180.jpg (73945 Byte) Odenbach Synagoge 182.jpg (45214 Byte) Odenbach Synagoge 181.jpg (124976 Byte)
Hinweistafeln zum 
Besuch der ehemaligen Synagoge 
Portalinschrift: rechts "Dies ist das Tor zum Herrn" (Psalm 118,20), in der Mitte
 "Jahr 512 nach der kleinen Zählung" 
= 5512 = 1751/52
Hinweistafel zur Geschichte der 
jüdischen Gemeinde Odenbach 
und der ehemaligen Synagoge 
  
  
     
Odenbach Synagoge 199.jpg (65984 Byte) Odenbach Synagoge 200.jpg (54563 Byte) Odenbach Synagoge 183.jpg (53687 Byte)
Weitere 
Hinweistafel 
Die für das Gebäude charakteristischen
 Rundbogenfenster mit Fensterläden
Der ehemalige Betsaal, links am Rand
 Bereich des ehemaligen Toraschreines
     
Odenbach Synagoge 185.jpg (30340 Byte) Odenbach Synagoge 190.jpg (36493 Byte) Odenbach Synagoge 191.jpg (41520 Byte)
Bereich des ehemaligen Toraschreines, davor eine Menora (Siebenarmiger Leuchter)  Verschiedene rituelle Gegenstände 
         
Odenbach Synagoge 184.jpg (31799 Byte) Odenbach Synagoge 197.jpg (36946 Byte) Odenbach Synagoge 188.jpg (55122 Byte)
Blick zur ehemaligen Frauenempore 
vom Betsaal der Männer
Auf Höhe der 
ehemaligen Frauenempore 
Aus der Genisa: Vitrine mit Mappot 
(Torawimpel, vgl. Wikipedia-Artikel)
        
Odenbach Synagoge 192.jpg (52921 Byte) Odenbach Synagoge 198.jpg (67183 Byte) Odenbach Synagoge 187.jpg (68825 Byte)
Tefillin und Tefillinbeutel
(vgl. Wikipedia-Artikel)
Reste religiöser 
Schriften
Erklärung zu Beschneidung 
und den Torawimpeln
     
Odenbach Synagoge 194.jpg (126705 Byte) Odenbach Synagoge 196.jpg (87639 Byte) Odenbach Synagoge 195.jpg (84148 Byte)
Wandmalereien - Schicht aus dem 18. Jahrhundert mit den Malereien aus der Schule des polnischen Malers Elieser Sussmann
      
Odenbach Synagoge 186.jpg (59350 Byte) Odenbach Synagoge 193.jpg (53651 Byte) Odenbach Synagoge 189.jpg (84212 Byte)
    Wandmalereien: Schablonenmalerei vom Anfang des 20. Jahrhunderts
     

Einige weitere Fotos zu Odenbach, ehemaliger Synagoge und jüdischem Friedhof siehe auch die Fotoseite   http://www.flickr.com/photos/sonnentau/sets/72157600043100451/              
      
     
     
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

Oktober 2016: Über die Entdeckung und Restaurierung der ehemaligen Synagoge in Odenbach   
Artikel von Simone Schnipp in der "Rhein-Pfalz" vom 12. Oktober 2016: "Odenbach: Ehemalige Synagoge nur durch Zufall wieder entdeckt
Wer zur ehemaligen Synagoge in Odenbach möchte, muss etwas suchen. Versteckt in einem schmalen Gässchen mitten im alten Ortskern steht das unscheinbare Häuschen, das eine Kostbarkeit jüdischer Kultur ist. 'Die jüdischen Religionsgemeinschaften haben sich nach außen hin nicht stark präsentiert. Sie waren ja nie sehr beliebt', erklärt Rupertus Woehl vom Förderverein der ehemaligen Synagoge Odenbach. Er und seine Frau Ursula sind seit vielen Jahrzehnten im Verein aktiv und haben dazu beigetragen, dass die verfallene Landsynagoge restauriert wurde.
Seit 1752 feierten die Männer der kleinen jüdischen Gemeinde im rechten unteren Teil der Synagoge den Sabbat. Mit dem Anwachsen der Gemeinde im 19. Jahrhundert wurde im Obergeschoss eine Empore für die Frauen eingebaut. Aus der Decke wurde ein Stück heraus genommen, damit Frauen und Kinder auch zuhören konnten. Der untere Hauptraum wurde mit Jugendstilelementen ausgemalt, von denen noch ein kleines Motiv neben der Eingangstür zu sehen ist. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist zum Großteil original erhalten. 'Die Stufen der alten Sandsteintreppe, die hinauf zum Eingang führen, könnten viel erzählen', gibt Rupertus Woehl zu bedenken. Dass das Haus die Reichspogromnacht am 9. November 1938 und die NS-Zeit überstanden hat, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass die Häuser im Ortskern so eng aneinander gebaut sind, dass ein Brand auch nicht-jüdisches Eigentum zerstört hätte. Der Innenraum aber wurde in jener Nacht völlig zerstört. Eine Thorarolle hatte der damalige katholische Pfarrer in weiser Voraussicht vorher an sich genommen. Heute ziert sie den Toraschrein einer Synagoge in Argentinien. Während des und nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Lagerraum. 1985 wurde die ehemalige Synagoge wiederentdeckt. 'Als der Historiker Bernhard Kukatzki im Inneren der Synagoge stand, fielen ihm kleine rote Farbreste an den Wänden auf. Er ging hin und kratzte an der obersten Farbschicht,' berichtet Woehl mit leuchtenden Augen. Zum Vorschein kamen 250 Jahre alte Wand- und Deckenmalereien, die vermutlich von dem polnischen Maler Elieser Sussmann stammen. Auf Initiative der protestantischen Kirchengemeinde fanden sich Bürger, die Rahmen eines Fördervereins das Haus vor dem endgültigen Verfall retteten. 1989 erwarb der Verein das Gebäude. Die Malereien waren nicht die einzige Entdeckung. 'In einer kleinen versteckten Kammer im Gebälk haben wir Torawimpel und Urkunden gefunden', berichtet Woehl. Die Fundstücke sind in gläsernen Vitrinen im Hauptraum und auf der Empore ausgestellt. Jährlich besuchen etwa 800 Menschen die Synagoge. Die einen zu Konzerten und Lesungen, die anderen auf den Spuren ihrer Ahnen und Ur-Ahnen. Das über die Jahre gesammelte Wissen zu den Stammbäumen der Odenbacher Juden ist einmalig. Info Von April bis August ist die Synagoge an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Besuchergruppen und Einzelbesucher sind jederzeit gerne willkommen. Weitere Informationen unter www.ehemalige-synagoge-odenbach.de  oder 06382 993297." 
Link zum Artikel  
 
Februar 2019: Vorstellung der ehemaligen Synagoge vor dem Gedenkbeirat des Bezirksverbandes Pfalz      
Artikel in "lifepr.de" vom 26. Februar 2019: "Kleinod jüdischen Lebens in Odenbach. Gedenkbeirat informierte sich über verschiedene Projekte.
...
Ursula Woehl stellte als Vorsitzende den Förderverein der ehemaligen Synagoge in Odenbach vor, der sich 1988 gegründet und inzwischen rund 70 Mitglieder habe. Die Synagoge sei 1752 erbaut worden und konnte 140 Mitglieder beherbergen. In der Pogromnacht 1938 sei das Gebäude zwar zerstört, aber wegen der nahen Bebauung nicht in Brand gesteckt worden. Das alte Ehepaar Loeb, das in einem großen Haus gegenüber dem Rathaus wohnte, sei als letzte Juden aus Odenbach nach Gurs deportiert worden und dort gestorben. Die Synagoge sei nach dem Krieg als Lagerraum genutzt worden und verfallen. 1985 entdeckte Bernhard Kukatzki im Rahmen einer Forschungsarbeit die wertvollen spätbarocken Wandmalereien in ihrem Innern. Das Gebäude sei unter Denkmalschutz gestellt und renoviert worden; auch die Malereien habe man restauriert. Seit der Fertigstellung der Sanierung 2007 werde der Raum für Vorträge, Lesungen, Konzerte und Ausstellungen genutzt. Vor zwei Jahren habe man neben der Synagoge auch eine Gedenkstele mit den Namen der 26 Holocaust-Opfer des Ortes aufgestellt. Inzwischen stünden wieder Renovierungsarbeiten am Gebäude an, wofür man Spenden und Fördergelder benötige. Es kämen, so Ursula Woehl, immer wieder ausländische Gäste, auch aus Übersee, nach Odenbach, um den Ort ihrer Vorfahren kennenzulernen. 'Der Förderverein hat in den vergangenen Jahrzehnten viel Arbeit zum Erhalt der Synagoge geleistet', würdigte Bernhard Kukatzki das Engagement."  
Link zum Artikel  

Derselbe Bericht (mit Foto) in "metropolnews.info" vom 26. Februar 2019: "Odenbach: Gedenkbeirat informierte sich über verschiedene Projekte. Kleinod jüdischen Lebens in Odenbach..."  
Link zum Artikel  
 
September 2024: Ausstellung zur Synagoge Odenbach in Kusel  
Artikel von Eric Sayer in der "Rheinpfalz" vom 3. September 2024: "KUSEL. Kreissparkasse zeigt Ausstellung zur ehemaligen Synagoge Odenbach.
Die Wanderausstellung 'Schalom – Die ehemalige Synagoge Odenbach geht hinaus in die Welt' ist für vier Wochen in der Kundenhalle der Kreissparkasse Kusel zu sehen. Diese Ausstellung umfasst elf Informationstafeln, die die Geschichte des jüdischen Lebens in Odenbach und die Historie der ehemaligen Synagoge beleuchten.
Die Idee zur Ausstellung stammt von Joachim Bäcker von der Evangelischen Erwachsenenbildung im protestantischen Dekanat an Alsenz und Lauter. Vielfach hätten Bürger erwähnt, dass sie sich der Existenz der renovierten Synagoge in Odenbach gar nicht bewusst gewesen seien. Darum habe er vor drei Jahren gemeinsam mit dem 'Förderverein ehemalige Synagoge Odenbach' die Ausstellung konzipiert. Seither wurde diese nicht nur am Tag des offenen Denkmals in der Synagoge präsentiert, sondern auch in anderen lokalen Einrichtungen, etwa dem CJD Wolfstein und dem Atelier Caro in Kusel.
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Odenbach reicht weit zurück: Erstmals im Jahr 1627 wurden jüdische Mitbürger urkundlich erwähnt. Die Synagoge, die 1752 erbaut wurde, war bekannt für ihre barocken Wandmalereien, die heute teilweise wieder sichtbar sind. In der Reichspogromnacht 1938 wurde die Synagoge zerstört. 1986 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt, da sie als kunsthistorisch wertvoll erachtet wurde. Nach umfassenden Restaurierungen dient die Synagoge seit 2007 als Begegnungsstätte für vielfältige kulturelle Veranstaltungen. Die Ausstellung in der Kreissparkasse Kusel lädt Besucher dazu ein, die bewegte Geschichte der jüdischen Gemeinde in Odenbach und die Bedeutung der Synagoge als Kulturdenkmal kennenzulernen."  
Link zum Artikel   
 
 
Videos zur ehemaligen Synagoge Odenbach (2025 eingestellt)  
Bei Youtube sind zwei Videos eingestellt, die sich mit der Synagoge Odenbach am Glan befassen. Teil 1 behandelt die gut erhaltene Synagoge mit der teilweise noch erhaltenen floralen Ausmalung. Teil 2 behandelt exemplarisch das Schicksal zweier jüdischer Familien aus Odenbach. Erschienen sind die beiden Kurzfilme auf dem Youtube-Kanal von "Landl(i)eben" im Landkreis Kusel.
Teil 1 Die Synagoge https://www.youtube.com/watch?v=gSm2uNukKs0 
Teil 2 Die Schicksale der Familien Felsenthal und Brück: https://www.youtube.com/watch?v=DzlW51lSy-A    
 
 
 

    
    

Links und Literatur   

Links: 

bulletWebsite der VG Lauterecken    
bulletPrivate Website zu Odenbach am Glan   
bulletWebsite www.ehemalige-synagoge-odenbach.de (Website des Fördervereins ehemalige Synagoge Odenbach e.V.)    
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Odenbach am Glan (interner Link)   

Literatur:  

bulletAlfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
bulletHilde Dittrich: Handschriften aus der ehemaligen Synagogen Odenbach in London ausgestellt. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz. 3. Jahrgang. Ausgabe 1/1993, Heft Nr. 4. S. 58-60. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt).    
bulletOtmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 132.
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 301-304 (mit zahlreichen Literaturangaben).
bulletOdenbach Lit 010.jpg (16495 Byte)Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band III: Jüdisches Leben. 500 S. Erhältlich für 25 € zuzüglich Porto u.a. beim Förderverein Ehemalige Synagoge Odenbach e.V., zu Hdn. der Vorsitzenden des Vereins Ursula Woehl  E-Mail   

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Odenbach Palatinate. The Jewish population was 25 in 1804 and 124 in 1848. In 1932 it was 27 (total 1.000). Most Jews left the village in the Nazi era. The last two were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 and perished in the Holocaust along with another two Jews from the community. The synagogue (erected in 1752) survived the Kristallnacht riots (9-10 November 1938). Owing to its wall paintings, it was declared a preserved site after the war and renovated.  
    
     

                   
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Stand: 02. April 2026