Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Odenbach am Glan mit Lauterecken (VG Lauterecken, Kreis Kusel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Zur jüdischen Geschichte in Odenbach siehe vor allem die Seiten bei  
www.ehemalige-synagoge-odenbach.de 

  
Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Odenbach am Glan bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Bereits im 17. Jahrhundert werden Juden am Ort genannt (1627, 1631, 1638 und 1688). 1717 werden vier jüdische Familien, 1776 bereits neun Familien genannt.    
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 25 jüdische Einwohner (3,9 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 59 (in 13 Familien), 1825 74 (8,4 %), 1835 109, 1848 124, 1854 139 (knapp 10 % der Gesamteinwohnerschaft), 1875 70, 1883 61, 1897 55, 1900 56. Zur jüdischen Gemeinde Odenbach gehörten auch die in Lauterecken lebenden jüdischen Personen.    
   
1809/10 werden als jüdischen Familienvorstände am Ort genannt: David Felsenthal (Viehhändler), Benjamin Grünebaum (Händler), Jacob Hertz, Lazarus Kauf[f]mann (Viehhändler), Moses Kauf[f]mann (Gebrauchtwarenhändler), Samuel Kauf[f]mann (Viehhändler, Witwe Jeannette Löw, Emanuel Schwaab (Viehhändler), Samuel Stern (Viehhändler).   
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.   
    
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Heinrich Brück (geb. 5.3.1893 in Odenbach, gef. 3.11.1914) und Luitpold Felsenthal (geb. 4.5.1893 in Odenbach, gef. 28.9.1915). 
    
Um 1924, als zur Gemeinde ("Jüdische Gemeinde Odenbach-Lauterecken") 46 Personen in Odenbach und 12 in Lauterecken gehörten, waren die Vorsteher der Gemeinde David Felsenthal, Jakob Kleinberger und Ludwig Frank. Als Kantor, Religionslehrer und Schochet war Emil Heymann (Heimann) tätig. Er unterrichtete damals an der Religionsschule der Gemeinde sieben Kinder, dazu war er als "Wanderlehrer" in den umliegenden, klein gewordenen Gemeinden unterwegs (u.a. in Steinbach am Glan). 1927 wechselte er nach Bechhofen (siehe Mitteilung unten). 1932 waren die Gemeindevorsteher David Felsenthal (1. Vors. und Schriftführer), Jakob Kleinberger (2. Vors.) und Leo Löb. 
       
Nach 1933 ist der Großteil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 27 Personen in Odenbach, 8 in Lauterecken) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 32, 1938 23 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet (s.u.). Zwei der letzten vier jüdischen Einwohner wurden 1940 in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert. Zwei weitere jüdische Männer, die mit nicht-jüdischen Frauen verheiratet waren, überstanden die NS-Zeit in Odenbach.   
  
Aus Lauterecken wurde im "Allgemeinen Anzeiger von Meisenheim" am 22. Februar 1938 berichtet: "Nachdem der Viehhändler Otto Frank dieser Tage nach Amerika ausgewandert ist, ist Lauterecken nun judenfrei geworden". 
      
Von den in Odenbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Ludwig Brück (1894), Moses Brück (1862), Blondina Eppstein geb. Felsenthal (1883), Berta Falkenstein geb. Brück (1883), Alex (Alexander) Felsenthal (1896), Ludwig Felsenthal (1881), Martha Felsenthal (1896), Rosalie Felsenthal (1891), Emma Gerson geb. Mayer (1874), Rosa Hecht geb. Brück (1881), Sophie Heilpern (1880), Moritz Kleiberger (1894), Simon Kleinberger (1882), Karoline Löb geb. Reiß (1862), Leo Löb (1864), Herbert Maier (1910), Johannette Maier geb. Brück (1885), Max G. Maier (1881), Jenny Mayer geb. Brück (1885), Ludwig Mayer (1901), Auguste Rosenberg geb. Stern (1863), Anny Strauss geb. Dinkelspiel (1884), Thekla Szklarz geb. Felsenthal (1883), Fanny Weil geb. Dochendach (1869).   
  
Aus Lauterecken sind umgekommen: Emil Loeb (1892) und Walter Nesseler (1927).     
  


Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter   

Lehrer Emil Heimann wechselt nach Bechhofen (1927)   

Schwanfeld BayrGZ 19091927.jpg (28000 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19. September 1927: "Unter Beihilfe des Verbandes wurden folgende Stellen wieder besetzt. Thalmässing durch W. Goldberg aus Ichenhausen, Bechhofen durch E. Heimann, früher in Odenbach, Schwanfeld durch M. Selmansohn, bisher in Lübeck und Oberlauringen durch Schia Kraushaar, bisher in Frankfurt am Main."

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige von Frau Elias Felsenthal (1901)  

Odenbach Glan Israelit 21031901.jpg (33146 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1901: "Für Pessach empfehle ich 
selbstgekelterten Wein
per Liter zu 50 Pfg. Um Aufträge bittet 
Frau Elias Felsenthal, Odenbach am Glan. Rheinpfalz." 

   
  
   

Zur Geschichte der Synagoge

Möglicherweise war bereits im 17. Jahrhundert ein Betraum am Ort. Eine Synagoge wurde 1752 auf einem Grundstück zwischen der Kirchhofstraße und der Kümmelstraße erbaut. Dieses Grundstück war seit 1737 im Besitz von Salomon Meyer. Dieser hat die Synagoge vermutlich auf eigene Kosten erstellen lassen. 1768 wird er als Besitzer der Judenschule genannt. 1802 erwarb die jüdische Gemeinde das Bethaus von der Witwe von Salomon Meyer zum Preis von 240 Gulden.  
  
Im 19. Jahrhundert wurde die Synagoge mehrfach renoviert, u.a. 1835, als für die größer gewordene Zahl der Gemeindeglieder mehr Platz geschaffen werden musste. Damals wurde im Dachgeschoss eine Frauenempore eingebaut. Vor dem Umbau saßen die Frauen im Erdgeschoss - von den Männern durch eine Sichtblende getrennt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden bei einer Renovierung die Wände mit Schablonenmalerei versehen. 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch auswärtige SA-Leute geschändet. Sie wollten das Bethaus eigentlich anzünden, doch hätte dies bei der engen Bebauung eine zu große Gefahr für die Nachbarhäuser bedeutet. Fünf Torarollen, die von Schülern aus dem Toraschrein gestohlen wurden, sind am Weiherturm verbrannt worden. Am 18. Oktober 1939 wurde die Synagoge an den Gemeindediener verkauft, der sie bis zur Rückübertragung 1949 an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz als Abstellraum verwendete. Am 1. August 1952 wurde das Gebäude für 1.500 DM an einen Landwirt verkauft, der in der ehemaligen Synagoge ein Getreidelager einrichtete.
 
1983/86 wurde die ehemalige Synagoge unter Denkmalschutz gestellt. Intensive wissenschaftliche Untersuchungen zur Vorbereitung eines Restaurierung folgten. Wand- und Deckenmalereien wurden (durch Bernhard Kukatzki) entdeckt; eine Genisa wurde ausgewertet. 1988 wurde der "Förderverein zur Erhaltung der Synagoge in Odenbach e.V." gegründet, der das Gebäude im Januar 1989 erwarb und mit der Sanierung begann, die in den Jahren 1990 bis 1995 durchgeführt werden konnte. Am 5. März 1996 wurde die restaurierte Synagoge wiederöffnet.       
   

Adresse/Standort der Synagoge:   Kirchhofstraße 19   

  
Fotos

Nachfolgende Fotos von Michael Ohmsen 
(erstellt im Sommer 2010) 
Fotos in hoher Auflösung teilweise in der Fotoseite von M. Ohmsen: Link.   
Odenbach Synagoge 170.jpg (436890 Byte)
   Die ehemalige Synagoge in Odenbach
(obiges Foto in hoher Auflösung eingestellt)
 
Odenbach Synagoge 180.jpg (73945 Byte) Odenbach Synagoge 182.jpg (45214 Byte) Odenbach Synagoge 181.jpg (124976 Byte)
Hinweistafeln zum 
Besuch der ehemaligen Synagoge
Portalinschrift: rechts "Dies ist das Tor zum Herrn" (Psalm 118,20), in der Mitte
 "Jahr 512 nach der kleinen Zählung" 
= 5512 = 1751/52
Hinweistafel zur Geschichte der 
jüdischen Gemeinde Odenbach 
und der ehemaligen Synagoge
 
     
Odenbach Synagoge 199.jpg (65984 Byte) Odenbach Synagoge 200.jpg (54563 Byte) Odenbach Synagoge 183.jpg (53687 Byte)
Weitere 
Hinweistafel
Die für das Gebäude charakteristischen
 Rundbogenfenster mit Fensterläden
Der ehemalige Betsaal, links am Rand
 Bereich des ehemaligen Toraschreines
     
Odenbach Synagoge 185.jpg (30340 Byte) Odenbach Synagoge 190.jpg (36493 Byte) Odenbach Synagoge 191.jpg (41520 Byte)
Bereich des ehemaligen Toraschreines, davor eine Menora (Siebenarmiger Leuchter) Verschiedene rituelle Gegenstände
         
Odenbach Synagoge 184.jpg (31799 Byte) Odenbach Synagoge 197.jpg (36946 Byte) Odenbach Synagoge 188.jpg (55122 Byte)
Blick zur ehemaligen Frauenempore 
vom Betsaal der Männer
Auf Höhe der 
ehemaligen Frauenempore
Aus der Genisa: Vitrine mit Mappot 
(Torawimpel, vgl. Wikipedia-Artikel)
        
Odenbach Synagoge 192.jpg (52921 Byte) Odenbach Synagoge 198.jpg (67183 Byte) Odenbach Synagoge 187.jpg (68825 Byte)
Tefillin und Tefillinbeutel
(vgl. Wikipedia-Artikel)
Reste religiöser 
Schriften
Erklärung zu Beschneidung 
und den Torawimpeln
     
Odenbach Synagoge 194.jpg (126705 Byte) Odenbach Synagoge 196.jpg (87639 Byte) Odenbach Synagoge 195.jpg (84148 Byte)
Wandmalereien - Schicht aus dem 18. Jahrhundert mit den Malereien aus der Schule des polnischen Malers Elieser Sussmann
      
Odenbach Synagoge 186.jpg (59350 Byte) Odenbach Synagoge 193.jpg (53651 Byte) Odenbach Synagoge 189.jpg (84212 Byte)
Wandmalereien: Schablonenmalerei vom Anfang des 20. Jahrhunderts
     

Einige weitere Fotos zu Odenbach, ehemaliger Synagoge und jüdischem Friedhof siehe auch die Fotoseite   http://www.flickr.com/photos/sonnentau/sets/72157600043100451/  
           
   
   

Links und Literatur

Links:

Website der VG Lauterecken    
Private Website zu Odenbach am Glan   
Website www.ehemalige-synagoge-odenbach.de (Website des Fördervereins ehemalige Synagoge Odenbach e.V.)    
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Odenbach am Glan (interner Link)   

Literatur:  

Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 132.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 301-304 (mit zahlreichen Literaturangaben).
Odenbach Lit 010.jpg (16495 Byte)Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band III: Jüdisches Leben. 500 S. Erhältlich für 25 € zuzüglich Porto u.a. beim Förderverein Ehemalige Synagoge Odenbach e.V., zu Hdn. der Vorsitzenden des Vereins Ursula Woehl  E-Mail    
  

    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Odenbach Palatinate. The Jewish population was 25 in 1804 and 124 in 1848. In 1932 it was 27 (total 1.000). Most Jews left the village in the Nazi era. The last two were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 and perished in the Holocaust along with another two Jews from the community. The synagogue (erected in 1752) survived the Kristallnacht riots (9-10 November 1938). Owing to its wall paintings, it was declared a preserved site after the war and renovated.  
              

 

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. Mai 2011