Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Marienthal (VG Rockenhausen, Donnersbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
       
In Marienthal bestand eine jüdische Gemeinde bis 1912. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Ende des 18. Jahrhunderts gab es sieben jüdische Familien am Ort.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 35 jüdische Einwohner (11,4 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 45, 1825 81 (16,9 %), 1837 91, 1848 115 (in 22 Familien), 1852 91, 1866 55, 1875 42, 1890 30, 1895 28, 1900 25, 1910 10.  
  
1809/10 werden als jüdischen Familienvorstände genannt: Elias Dreyfuß (Gebrauchtwarenhändler), Marx Dreyfuß (Gebrauchtwarenhändler), Aron Eisemann (Gebrauchtwarenhändler), Joseph Frauenthal, Joseph Grünthal (Kurzwarenhändler), Thibaut David Levi (Gebrauchtwarenhändler), Salomon Rosenthal (Kurzwarenhändler), Isaac Schwarz (Gebrauchtwarenhändler), Moses Schwarz (Kurzwarenhändler), Salomon Schwarz, Aron Sundheimer (Kurzwarenhändler). 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (von 1826 oder 1827 bis 1864 in einem Schulhaus mit Lehrerwohnung), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war: 1822 wird als Lehrer der damals 28 Jahre alte Bernhard Simon genannt; um 1844 war ein Lehrer Frank am Ort, Vater des in Marienthal geborenen Lehrers Jakob Frank (siehe Bericht zum Sohn unten). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.   
     
1925 lebten noch vier jüdischen Personen in Marienthal. 1932 verstarb mit Frieda Schwarz geb. Lehmann die letzte jüdische Einwohnerin (auf dem Friedhof zugleich letzte Beisetzung).        

   
Von den in Marienthal geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Bechstein geb. Schwarz (1894), Leopold Kaufmann (1882), Jakobine Löb geb. Schwarz (1882), Selma Löb geb. Schwarz (1893), Heinrich Marx (1877), Isidor Schwarz (1880, Foto des Grabsteines in Gurs siehe unten), Leo Schwarz (1897).     
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  

Zum Tod des aus Marienthal stammenden Lehrersohnes Jakob Frank (1928)  

Marienthal BayrGZ 15011929.jpg (185758 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Ein Gedenkblatt einem teuren Freunde.  Am Tag nach dem Sukkot-Fest (8. Oktober 1928) geleitete ein stattliches Trauergefolge in dem pfälzischen Dörfchen Rockenhausen die sterblichen Überreste von Lehrer Jakob Frank zur letzten Ruhe. Als Sohn eines plälzischen Volksschullehrers in Marienthal 1844 geboren, besuchte er das Lehrerseminar Kaiserslautern und wirkte 35 Jahre als Volksschullehrer in den Orten Altdorf, Steinbach am Glan und Albersweiler (Orte, deren Lehrerstellen heute längst aufgelöst sind), am letzteren Orte über 2 Dezennien stets in vorbildlicher, diensteifriger, gewissenhafter Weise. Im Jahre 1898 wurde er infolge Krankheit pensioniert, konnte sich aber in der Ruhe wieder so erholen, dass ihm noch die Gnade ward, 30 Jahre im Kreise seiner Familie, zuletzt im Hause einer verheirateten Tochter, genießen zu dürfen. In dieser Zeit konnte er der Beschaulichkeit seiner Lieblingsbeschäftigung sich ungestört widmen, dem jüdischen Studium. Sein innig religiöser Sinn, seine Herzensfrömmigkeit führten ihn dazu, täglich für sich und gar oft mit gleichgesinnten Kollegen und Freunden zu 'lernen'. Dazu war er umso mehr befähigt, da er von Jugend auf im frommen Elternhaus 'gelernt' hatte, und auch deshalb, weil er über ein umfassendes Allgemeinwissen, große Belesenheit und meisterhafte Beherrschung der Sprache verfügte. Neben dem umfassenden Wissen waren es sein gerader, schlichter Sinn, sein menschenfreundliches Wesen, sein gutes, stets heiteres Gemüt, die ihn besonders auszeichneten. So wirkte er anregend und fördernd als Lehrer, Liebe ausstreuend und Zuneigung erntend. Er war ein ganzer Mann, der in Beruf und Leben sich überall herzliche Zuneigung und Freundschaft erworben hatte, die über das Grab hinaus reicht. In herzlichen Worten gedachten seiner bei seinem Hingange die beiden Rabbiner: Dr. Baron (Kaiserslautern) und Dr. Meyer (Pirmasens). Als Kollege und seinerzeitiger Amtsnachfolger sprach Oberlehrer Haymann (Rodalben) dem lieben Dahingegangenen den Abschiedsgruß, ihn als waren Freund, hilfsbereiten Amtsgenossen und idealen Lehrer feiernd. Von weit her waren Schüler und Freunde erschienen, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Er hat Segen verbreitet, darum wird sein Andenken auch in Segen erhalten bleiben.   H.R."  

  
   
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Grabstein für den nach Gurs deportierten, in Marienthal geborenen Isidor Schwarz   

Marienthal Gurs BK 020.jpg (123220 Byte) Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für 
Isidor Schwarz,  
geb. am 11. Mai 1880 in Marienthal, später wohnhaft in Kirchheimbolanden
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo er am 23. Dezember 1941 umgekommen ist.     

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge     
     
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem jüdischen Wohnhaus vorhanden. 1827 konnte die Gemeinde für 280 Gulden von Heinrich Krehbiel ein Anwesen mit Scheune erwerben und diese zu einer Synagoge umbauen. Die Synagoge wurde noch im selben Jahr gebaut. Es entstand ein schlichter, nachbarocker Bruchsteinbau mit Krüppelwalmdach und Fachwerkgiebeln. Der Betsaal hatte holzgerahmte Stichbogenfenster. An der Ostseite war über dem Toraschrein ein charakteristisches Rundbogenfenster. Das Tonnengewölbe (mit bemaltem Sternenhimmel) bestand aus Holz.  
  
Mehrfach waren in den folgenden Jahrzehnten Reparaturen notwendig, u.a. 1899, als der Außenanstrich, eine der beiden Türen, die Treppenstufen und die Steinplatten im Inneren zu erneuern waren. 
  
1912 wurde mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde die Synagoge geschlossen und verkauft. In der Folgezeit wurde das Gebäude durch den neuen Eigentümer als Scheune / Schuppen verwendet. Straßenseitig wurde ein Tor eingebrochen, in Inneren Veränderungen vorgenommen (u.a. der bemalte Sternenhimmel entfernt). In den vergangenen Jahren wurde zum Erhalt des Gebäudes u.a. das Dach renoviert.       
    
    
Adresse/Standort der Synagoge     Eckgrundstück Amtsstraße 1 / Ecke Burgwaldstraße 
   
   
Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 324 und Weber s. Lit. S. 125)   

Das ehemalige 
Synagogengebäude
Marienthal Synagoge 130.jpg (82812 Byte) 
    Das Foto zeigt den Zustand des Gebäudes 1993: Blick auf die Ostseite; 
über dem Toraschrein war ein kleines Rundbogenfenster  
 
Neuere Fotos (2011) 
(Fotos: Bernhard Kukatzki)  
Marienthal Synagoge BeKu 010.jpg (121968 Byte) Marienthal Synagoge BeKu 011.jpg (82247 Byte)
   Das Dach der ehemaligen Synagoge ist auf einer Seite neu gerichtet; auf der 
anderen Seite sind die historischen Ziegel noch erhalten  
   
   Marienthal Synagoge BeKu 012.jpg (107383 Byte) Marienthal Synagoge BeKu 013.jpg (130064 Byte)
     
    
Die ehemalige Synagoge im April 2012 
(Foto in höherer Auflösung von 
Michael Ohmsen, vgl. 
 Fotoseite von M. Ohmsen zu Rockenhausen
Marienthal Synagoge 201210.jpg (461952 Byte)
    

   
       
Links und Literatur

Links:  

Website der VG Rockenhausen   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Marienthal (interner Link)  

Literatur:  

Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 114.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 324 (mit weiteren Literaturangaben). 

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Marienthal Palatinate. The Jewish population was 110 (22 families, with 18 in trade) in 1848. It then dropped to 42 (total 395) in 1875 and two in 1930. 
   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 24. Juni 2015