Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hirschhorn (Kreis Bergstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Dr. Ulrich Spiegelberg, Hirschhorn)

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In dem (1391 als Stadt gegründeten) Hirschhorn werden Juden erstmals 1644 genannt. Für das 17. und 18. Jahrhundert sind ca. fünf bis acht Familien in der Stadt nachweisbar. Anhand von Ratsprotokollen, Stadtrechnungen und Schatzungsbüchern können die meisten Namen ermittelt werden. Die Vorfahren der Familie Sandel waren nach der Vertreibung der Juden aus Wien (1670) nach Hirschhorn gekommen. Die jüdischen Häuser lagen im Stadtgebiet verstreut; sie lassen sich nach den Schatzungsbüchern ab 1692 ermitteln. 
 
Strukturen und Einrichtungen einer jüdischen Gemeinde in der Stadt lassen sich für das beginnende 18. Jahrhundert nachweisen: um 1700 (den Orts- und Lagebezeichnungen der Schatzungsbücher nach zwischen 1697 und 1703 - also wohl mit der Aufhebung der Pfandschaft) konnte ein Friedhof auf vermutlich ehemaligem herrschaftlichem Gelände angelegt werden. 1775 erwarb die Gemeinde ein Haus, das zur Wohnung des Judenschulmeisters (erster Judenschulmeister Enoch Abraham, danach Daniel Simon der sich später Simon Dessauer nannte), als Betsaal und als "Judenschlafstätte" (Herberge) benutzt wurde. Mit der Einrichtung des Betsaals in der Hauptstrasse 1830/33 wurde das Haus verkauft. Das Haus der neuen Synagoge war seit 1692 nachweisbar in jüdischem Besitz. Eine Mikwe besaß die Gemeinde nie. Einige jüdische Häuser (z.B. das Haus neben der "Krone") hatten private Tauchbäder, die Anfang des 19. Jahrhunderts erfasst wurden (Akten hierzu im Stadtarchiv beziehungsweise im ehemaligen Kreisarchiv Heppenheim - jetzt Hessisches Staatsarchiv Darmstadt). 
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner blieb auch im 19. Jahrhundert klein. Folgende Zahlen liegen vor: 1828 58 jüdische Einwohner (3,7 % von insgesamt 1.583 Einwohnern in etwa 10 jüdischen Haushaltungen/Familien), 1841 53, 1861 30 (1,6 % von 1.893), 1880 33 (1,7 % von 1.957), 1890 36 (1,9 % von 1.934), 1900 26 (1,3 % von 1.994), 1910 29 (1,3 % von 2.203). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien in meist sehr armseligen Verhältnissen (überwiegend Hausier- und Schacherhandel). Am wohlhabendsten war noch der damalige Gemeindevorsteher (um 1827) Moises Löb, der eine Krämerei und einen Viehhandel betrieb. In den 1830er-Jahren werden als Haushaltsvorsteher genannt: Heyum Benedikt, Moises Löw, Salomon Sandel, Schmay Sandel, Simon Grünewald, Jakob Lippmann (Liebmann), Löw Rosenthal, Samuel Sandel, Abraham Sandel, Simon Dessauer.
   
An Einrichtungen reichte auch im 19. Jahrhundert ein Betsaal aus (s.u.), dazu bestanden eine Religionsschule, ein rituelles Bad und der Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schächter angestellt war. Genannt werden als Lehrer: von 1785 bis nach 1833 (!) Simon Dessauer, 1841 Leopold Eppinger (er hatte vier jüdische Kinder zu unterrichten). Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es keinen eigenen Lehrer und Vorbeter mehr in Hirschhorn. Die Gemeinde wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von den Rabbinern in Michelstadt betreut. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gehörte die Gemeinde zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II. 
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Zacharias Würzburger (geb. 13.8.1883 in Binau, gef. 16.8.1915).
  
Um 1925 gehörten noch 18, 1932/33 22 Personen zur jüdischen Gemeinde. Vorsitzende waren um 1925 E. Bamberger, Salomon Salomon (seit 1901 im Vorstand, gest.1935) und J. Wimpfheimer. Letzter Gemeindevorsteher war Josef Bamberger (seit 1927).  
       
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: etwa 20 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung, des wirtschaftlichen Boykotts und weiterer Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Um 1935 begann sich die Gemeinde aufzulösen. Da nur noch vier stimmberechtigte Gemeindeglieder anwesend waren, fand keine Neuwahl eines Gemeindevorsitzenden mehr statt. Nach 1938 blieb nur noch Louis Salomon zurück, der im September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und umgekommen ist.
   
Von den in Hirschhorn geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Siegbert Mann (1904), Berta Newratil (1901), Hannchen Oppenheimer (1871), Emil Salomon (1880), Louis Salomon (1877), Lina Schnauzer geb. Marx (1875), Julie (Julchen) Steiner geb. Salomon (1890).   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
  
Anzeigen jüdischer Privatpersonen     
"J.L.L." empfiehlt sich als Vorsänger zu den Feiertagen (1865)    

Hirschhorn Israellit 23081865.jpg (57659 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1865: "Jemand, der bereits seit 15 Jahren bei größeren Gemeinden als Lehrer und Vorsänger konditionierte, dem Vorsingen (mit angenehmer Stimme) vollkommen mächtig ist, wünscht auf bevorstehende jüdische Feiertage als chasan oder Mitgehilfe eine Stelle. Franko-Gesuche sind zu richten an J.L.L. poste rest. Hirschhorn a.N."      
Freundlicher Hinweis auf diese Anzeige von Uri Kellermann, Nof Ayalon, Israel.  

     
     
  
   
Zur Geschichte der Synagoge                  
     
1775 erwarb die Gemeinde - wie bereits oben genannt - ein Haus, das zur Wohnung des Judenschulmeisters (erster Judenschulmeister Enoch Abraham, danach Daniel Simon der sich später Simon Dessauer nannte), als Betsaal und als "Judenschlafstätte" (Herberge) benutzt wurde. Mit der Einrichtung eines Betsaals in der Hauptstrasse 1830/33 wurde das Haus verkauft. Das Haus der neuen Synagoge war seit 1692 nachweisbar in jüdischem Besitz. Der Betsaal hatte 35 Plätze. 
   
Bereits um 1850 war in Hirschhorn auf Grund des Wegzuges mehrerer Familien kaum mehr Minjan vorhanden (die zum Gottesdienst nötige Zahl von zehn jüdischen Männern). 1857 wird berichtet, dass mehrere Männer aus Hirschhorn zum Sabbat in Eberbach waren, um dort für den Minjan zu sorgen, dadurch konnte in Hirschhorn kein Gottesdienst mehr stattfinden. Vermutlich wurden in den folgenden Jahrzehnten nur unregelmäßig beziehungsweise vor allem an den Feiertagen Gottesdienste in der Synagoge abgehalten.
    
Im Juni 1938 löste sich die Gemeinde auf, das Haus mit dem Betsaal wurde verkauft und entging dadurch einer Schändung oder Zerstörung beim Novemberpogrom 1938.   
    
    
Adresse/Standort der SynagogeHauptstraße 50                  
   
   
Fotos     
(Fotos: Michael Ohmsen, Aufnahmen vom Sommer 2010)    

Gebäude mit dem 
ehemaligen Betsaal
(Synagoge)
Hirschhorn Synagoge 110.jpg (79493 Byte) Hirschhorn Synagoge 120.jpg (90827 Byte)
  Das Haus mit dem früheren Betsaal der jüdischen Gemeinde mit der Hinweistafel: "Ehemalige Synagoge. In diesem Haus befand sich von 1830 bis 1938 die letzte Synagoge der jüdischen Gemeinde Hirschhorn."  
(Foto links in hoher Auflösung über den Link - Website von M. Ohmsen)
     

      

    
Links und Literatur   

Links:  

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Hirschhorn (interner Link)   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Hirschhorn 

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 765.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 370-372 (einige Angaben bei Arnsberg können auf Grund heutiger Kenntnisse nicht bestätigt werden).
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 23.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 177-178.
Hirschhorn Lit 015.jpg (75225 Byte)Publikation mit Beitrag zur jüdischen Geschichte von Hirschhorn: Ulrich Spiegelberg: Hirschhorn - Stadt und Umgebung. Deutscher Kunstverlag - Edition 2008. 
 Informationen zu diesem Buch auf einer Seite des Deutschen Kunstverlages.  

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hirschhorn  Hesse. Jews were permitted to settle in 1664*. A small community existed in 1744 and by 1828 it numbered 58 (4 % of the total). Unable to maintain an independent existence, the community disbanded in 1938 and all but one of the 24 Jews left, most emigrating to the United States. 
        
* not already in 1349 !  
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 03. September 2014