Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Großsachsen (Gemeinde Hirschberg, Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Großsachsen bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis um 1925/30. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhundert zurück. Erstmals werden – während einer kurzen Zeit der Duldung von Juden in der Kurpfalz im 16. Jahrhundert – 1553 bis 1556 "Abraham und Jacob Jud zu Großensachsenheim" genannt.  
  
Erst seit dem Ende des 17. Jahrhunderts waren wieder einige Juden am Ort. 1711 waren es zwei Familien, 1722 vier Familien.  
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner wie folgt: 1825 28 jüdische Einwohner, um 1871 Höchstzahl mit 37 Personen, 1875 30, 1895 33, 1900 30, 1910 23. 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betraum. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Hemsbach beigesetzt. Einen eigenen, bezahlten Lehrer und Vorbeter konnte sich die Gemeinde nicht leisten. Immerhin wird 1823 wird als Vorsänger ein Baer Samuel Hirsch genannt, von dem aber unklar ist, ob er seinen Dienst wirklich ausgeübt hat. 1825 erscheint als unbezahlter Vorsänger Juda Kaufmann. 1837 verstarb der "Lehrer und Vorsänger dahier" Abraham Lippmann. Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Leopold Buchheimer (geb. 13.1.1881 in Großsachsen, gef. 11.4.1918). Sein Name steht auf dem Ehrenmal der Gemeinde für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.   
   
Um 1925, als zur Gemeinde 17 Personen gehörten, war Gustav Eppstein Gemeindevorsteher. An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Textil- und Möbelgeschäft Julius Adler (Brunnengasse 10), Pferdehandlung Hermann Buchheimer (Kirchgasse 24), Pferdehandlung Julius Buchheimer (Landstraße 6), Gemischtwaren Gustav Eppsteiner (Kirchgasse 31), Mehlhandel und Schächter Klein (Am Mühlgraben 16), Schneider Jakob Posnatzki (Kirchgasse 33), Kurzwaren Salomon (Am Mühlgraben 14).
   
1933 lebten noch zwölf jüdische Personen in Großsachsen. In den folgenden Jahren sind alle jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Julius Adler, der sein Textilgeschäft noch 1932 durch den Ankauf des früheren Rathauses erweitert und eine Möbelabteilung angegliedert hatte, wurde zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Er zog mit seiner Frau 1940 nach Weinheim. Von dort wurden beide in das KZ Gurs nach Sudfrankreich deportiert, konnten aber 1941 nach Trinidad und später in die USA gelangen.    
     
V
on den in Großsachsen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Arthur Adler (1887), Georg Herz Buchheimer (1887), Helene Goldmann geb. Kaufmann (1873), Elise Klein (1868), Rosa Strass geb. Klein (1870), Ernestine Wetterhahn geb. Buchheimer (1884).  
  
Hinweis: die in einigen Listen aufgeführte, in Lampertheim 1868 geborene und später in Großsachsen wohnhafte Johanna Buchheimer geb. Süss ist nach den Recherchen von Prof. Dr. Erhard Schnurr 1938 in die USA emigriert und am 30.5.1949 in Newark/NJ gestorben (Information erhalten 11. Juni 2010).     
   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Großsachsen gefunden.    

  
  
  

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war in Großsachsen kein eigener Raum zur Abhaltung der Gottesdienste und zur Vornahme ritueller Handlungen vorhanden. Vermutlich haben sich die Großsachsener Juden dazu nach Leutershausen oder Lützelsachsen gewandt, wo die dortigen jüdischen Gemeinden seit den 1780er Jahren über "Schulen" und damit über Räumlichkeiten für Gebet und Gottesdienste verfügten. 1792 wird berichtet, dass Großsachsener Juden an der "Morgenschul" in Lützelsachsen teilnahmen.
      
Anfang des 19. Jahrhunderts haben die fünf bis sechs in Großsachsen lebenden jüdischen Familien einen eigenen Betsaal eingerichtet. An ein eigenes Synagogengebäude war angesichts der kleinen Zahl der Gemeindeglieder ohnehin nicht zu denken. 1814 wird berichtet, dass Josef Kaufmann, der Käufer der Hälfte eines am Rathaus gelegenen Hauses samt halbem Garten und halber Scheune sich verpflichten musste, dass "die Judenschul wie seither darin gehalten werden". Bei diesem Gebäude handelte es sich um das bis heute erhaltene Haus Am Mühlgraben 14.   
      
Die jüdische Gemeinde Großsachsen bestand bis 1925/30. Wie lange in dem Betsaal im Haus Am Mühlgraben 14 Gottesdienste abgehalten wurden (um 1925 wohl höchstens noch an Festtagen), ist nicht bekannt. Damals schon begaben sich die Großsachsener Juden zu den Gottesdiensten nach Leutershausen.
  


Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1985
(Foto: Hahn)
Grosssachsen Synagoge 005.jpg (61100 Byte)
  Das Gebäude mit dem ehemaligen Betsaal 
Am Mühlgraben 14 wurde um 1985 renoviert 
       
Das Gebäude mit dem ehemaligen Betsaal (Synagoge) im Herbst 2009
(Foto: Michael Ohmsen)
Grosssachsen Synagoge 410.jpg (427780 Byte)
   (für Anfragen zur Verwendung des Fotos: E-Mail des Fotografen, Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)   
Bei dem eingestellten Foto handelt es sich um ein hochauflösendes Foto 
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb)
         

     
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Hirschberg an der Bergstraße

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 116.
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
Leutershausen Lit 012.jpg (63247 Byte)Erhard Schnurr: Die Juden aus Leutershausen und Großsachsen in der nationalsozialistischen Verfolgung. Zur Erinnerung an die ehemaligen jüdische Mitbürger der Gemeinde Hirschberg an der Bergstraße. Hrsg.: Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen e.V. Hirschberg 2010.  ISBN 978-3-937645-04-7.      

      

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. Juni 2010