Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kairlindach (Markt Weisendorf, Kreis Erlangen-Höchstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

        

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
    
In Kairlindach bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1900. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1675 wollten sich die beiden Juden Leö (Löw) und Schimmel aus Neuhaus in Kairlindach niederlassen. Sie beabsichtigten, eine öde Brandstätte am Ende des im Dreißigjährigen Krieges abgebrannten Dorfes zu erwerben und dort ein Haus bauen. Beide boten einen guten Kaufpreis und erhielten daher von der Ortsherrschaft die Genehmigung zur Niederlassung, zumal es keine christlichen Käufer für die Brandstätten gab. Weitere jüdische Familien erhielten in den folgenden Jahrzehnten das Recht zu Niederlassung. 1697 waren drei Häuser im Ort in jüdischem Besitz. 1705 zahlten die sieben israelitischen Haushalte jeweils 6 Gulden Schutzgeld im Jahr. 1717 wurden bereits 65 jüdische Einwohner in 14 Familien gezählt. Bis 1728 war die Zahl der jüdischen Familien auf sieben zurückgegangen, um danach wieder anzusteigen: 1736 10, 1763 13 und 1771 14 jüdische Familien (beziehungsweise Haushaltungen). 
    
Bereits 1717 wird ein Vorsänger und Schächter genannt, gleichfalls 1776, als von einem jüdischen "Schulmeister" und seiner Frau die Rede ist, womit gleichfalls ein Vorsänger gemeint war, der auch die Kinder der Gemeinde unterrichtete. 
 
Die jüdischen Familien lebten bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegend vom Handel mit Schnittwaren, Hopfen und Vieh, einige auch teilweise von der Landwirtschaft. Dazu kamen einige Handwerker (Wagner, Schuhmacher). 
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1811 wurden 76 jüdische Einwohner in Kairlinbach gezählt (29,6 % von insgesamt 257 Einwohnern), 1840 87 (26,3 % von 331), 1852 74 (25,3 % von 293), 1861 54, 1875 37 (12,8 % von 288), 1880 15 (5,3 % von 285) und 1900 9 (3,4 % von 261). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts waren viele jüdische Einwohner in die umliegenden Orte und Städte verzogen, vor allem nach Fürth und Erlangen. 

An Einrichtungen verfügte die Gemeinde über eine Synagoge (s.u.), zeitweise eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Gemeinde war bis 1845 dem Rabbinat Adelsdorf, dann dem Rabbinat Ühlfeld zugeteilt. Die Toten wurden im jüdischen Friedhof in Zeckern beigesetzt. Bis heute ist hier u.a. das Grab von Elieser Levi Weinmann aus Kairlindach erhalten (gest. 1887). Einen eigenen Religionslehrer, der zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte, hatte die Gemeinde nur bis in die 1830er-Jahre angestellt. Im Blick auf den Unterricht der jüdischen Kinder gab es einen längeren Streit mit der jüdischen Gemeinden im benachbarten Weisendorf. Die Kairlindacher jüdischen Familien weigerten sich, ihre Kinder nach Weisendorfer in eine dort geplante jüdische Konfessionsschule zu schicken, weshalb 1813 behördlicherseits verfügt worden war, dass die Weisendorfer nur eine Religionsschule einrichten konnten, und ihre Kinder die protestantische Schule zu besuchten hatten. Ab 1840 besuchten die jüdischen Kinder aus Kairlindach immerhin den Religionsunterricht in Weisendorf (von 1840 bis 1866 war dort Jonathan Uffenheimer Religionslehrer). 
       
Das Ende der jüdischen Gemeinde war bereits um 1890 absehbar. Zeitweise wurde noch über eine Zusammenlegung der jüdischen Gemeinden Weisendorf und Kairlindach nachgedacht. 1894 waren jedoch nur noch zwei jüdische Familien am Ort. 1901 wurde kein jüdischer Einwohner mehr gezählt.
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde          

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Kairlindach gefunden. 

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge              
     
Zunächst war wohl eine Betstube in einem der jüdischen Häuser eingerichtet. 1766 erwarb die jüdische Gemeinde zwei Kammern im Haus von Joseph Süßlein, die über eine Stiege erreichbar waren. Diese wurden zu einer Synagoge umgebaut.   
  
1832 plante die jüdische Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge und erwarb zu diesem Zweck einen Bauplatz am Ende des Dorfes (alte Haus-Nr. 24 1/2, Plan Nr. 69). Aus finanziellen Gründen und durch die sich in den folgenden Jahren zunehmende Aus- und Abwanderung jüdischer Einwohner wurde der Plan nicht mehr verwirklicht. Auf dem Grundstück wurde 1870 eine "Wohnung mit Badeanstalt für israelitische Frauen" (nicht ein rituelles Bad) errichtet. Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde kam dieses Gebäude 1901 an die jüdische Gemeinde in Adelsdorf, die es 1902 an Privatleute verkaufte, von denen es zwei Jahre später abgebrochen wurde. 
   
Die 1766 eingerichtete Synagoge blieb bis 1878/80 Zentrum des jüdischen Gemeindelebens. 1880 wurde das Anwesen an einen nichtjüdischen Ortsbewohner verkauft. Nach mehrfachem Eigentümerwechsel steht das Gebäude seit einigen Jahren leer und ist inzwischen in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Ein neuer Eigentümer, der es instandsetzen lässt, wird seit längerem gesucht. 
   
   
Adresse/Standort der SynagogeHaus Nr. 24 (sog. Sänger-Haus)  
   
   
Fotos
(Quelle der Fotos: obere Zeile links aus Guth s.Lit. S. 369; rechts Schwierz s.Lit. S. 163; untere Zeile: Fotos von Christian Keck).

Kairlindach Synagoge 200.jpg (69340 Byte) Kairlindach Synagoge 201.jpg (70488 Byte)  
Das ehemalige Synagogengebäude (links 1940, rechts 1987)  
      
Kairlindach Synagoge 200.jpg (69143 Byte) Kairlindach Synagoge 201.jpg (64125 Byte)  
Das ehemalige Synagogengebäude Ende 2007 - das Dach ist erneuert; erste Restaurierungsmaßnahmen wurden durchgeführt.  

    
     

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Weisendorf  mit Seite zur Geschichte von Kairlindach  
Private Website von Christian Keck zu Kairlindach  

Literatur:  

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 164. 
Johann Fleischmann (Hg.): Mesusa 2. Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Mühlhausen 2000. 
ders.: Mesusa 3. Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Die jüdischen Friedhöfe von Zeckern, Walsdorf, Aschbach, Uehlfeld, Mühlhausen, Lisberg, Burghaslach und Reichmannsdorf. Mühlhausen 2002. 
Klaus Guth (Hg.) u.a.: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800-1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988. Zu Kairlindach S.  216-222.  

   
    

                   
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Stand: 01. Januar 2017