Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Aschaffenburg (Kreisstadt, Unterfranken)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Aschaffenburg wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.    Neueste Einstellung am 25.5.2014.       
      
      
Übersicht:

Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
-  
Publikation zur jüdischen Geschichte in Aschaffenburg (1900)     
Artikel zur Geschichte der Juden in Aschaffenburg (1929)     
Aus der Geschichte des Rabbinates in Aschaffenburg    
-  
Rede von Rabbiner Gabriel Neuburger nach dem Tod der Königinwitwe von Bayern (1842)        
-  
Distriktrabbiner Neuburger gerät in eine schwierige Situation (1844)     
Zur Wahl des Rabbiners (1844)   
Wahl von Rabbiner Abraham Adler aus Burgpreppach (1845)     
-  
Entlassung von Rabbiner Neuburger (1845)     
-  
Ausschreibung der Stelle des Rabbinatsverwesers (1880)     
Bemühungen der Aschaffenburger Gemeinde um Bildung eines eigenen Stadtrabbinates (1883)    
Distriktrabbiner Simon Bamberger wird zur Hoftafel des Prinzregenten geladen (1888)     
Anerkennung für Rabbiner Bamberger (1893) 
Einladung für Distriktsrabbiner Bamberger beim Empfang des Prinzregenten (1897)      
Zum Tod von Rabbiner Simon Bamberger (1897)     
Danksagung nach dem Tod von Rabbiner Simon Bamberger (1897)   
Wahl von Dr. Gustav Wachenheimer zum Distriktsrabbiner (1898)  
Zum Tod von Adelaide Bamberger, der Witwe von Rabbiner Simon Bamberger (1901)   
V
erlobungsanzeige von Franziska Epstein und Distriktsrabbiner Dr. Gustav Wachenheimer (1902)     
Rabbiner Dr. Raphael Breuer wird zum Rabbinatsverweser gewählt (1909)   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Rafael Breuer (1932)   
Publikation von Rabbiner Dr. Rafael Breuer s.A. über "Das Buch Esra" (1933)  
Einführung von Rabbiner Dr. Fritz Bloch (1932)  
2
. Jahrzeitstag für Rabbiner Dr. Raphael Breuer (1934)         
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Kultusbeamten sowie der Bildungseinrichtungen     
-  
Ausschreibungen der Stelle(n) des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 / 1878 / 1886 / 1892 / 1925 / 1929    
-  
Erklärung von Schochet und Lehrer Herz (1886)  
Goldene Hochzeit von Lehrer und Prediger Jacob Rosenhaupt und seiner Frau (1889)   
Zum Tod des Lehrers und Predigers Jacob Rosenhaupt (1892)   
-  
Sympathieerklärung für Kantor und Schochet Levin Guttmann (1894)     
Kultusbeamter B. Segall wechselt nach Darmstadt (1902)    
Jahresbericht der Bamberger'schen Israelitischen Knaben-Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt (1903)  
G
eneralversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern in Aschaffenburg (1907)    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben     
-  
Christlich-jüdisches Miteinander und Kritik aus der Zeitschrift "Der Israelit" (1861)    
-  
Die jüdischen Soldaten erhalten koschere Kost (1878)   
-  
Eingabe zur Bildung einer "altjüdischen" Gemeinde (1884)     
-  Gründung eines Komitees zur Unterstützung von vertriebenen russischen Juden (1891)    
-  Gründung eines Wohltätigkeitsvereines Chewra Kadischa (1898)    
Spendenaufruf für eine in Not befindliche Familie (1901)     
-  Wahl des Gemeindevorstandes und Kritik an Gemeindevorsteher A. Hamburger (1903)    
Vergabe des Aussteuerpreises aus der "Dilsheimer-Stiftung" an Jettchen Hecht verh. Neumann (1905)  
-  Gründung einer "Freien Chorvereinigung" in der jüdischen Gemeinde (1905)  
Wahl der Israelitischen Kultusverwaltung (1906)   
-  Zionistische Veranstaltung (1910)   
-  Zur Aschaffenburger Tagung des bayerischen Gemeindeverbandes (1929, nur einleitende Sätze werden zitiert)  
Gründung des "Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke" (1915)  
Generalversammlung des "Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke" (1921)     
-  Generalversammlung des "Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Gemütskranke" (1932)    
Aufruf des Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke e.V. (1936) 
Einladung zur Generalversammlung des "Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke e.V. " (1936)  
-  Die Ortsgruppe des Kulturbundes eröffnet ihre Tätigkeit im neuen Saal der Israelitischen Kultusverwaltung (1937!)     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Der Jurist Dr. Jacob Gotthelf wird Advokat am Bezirksgericht Aschaffenburg (1867)         
-  Bedeutende Stiftungen von Daniel Dilsheimer an die Stadt Aschaffenburg (1887)      
-  
Zum Tod von Joseph Feldmann (1904)    
-  
Zum Tod von Rechtsanwalt Simon Schottenfels (1909)  
Zum Tod des aus Aschaffenburg stammenden Rabbiners Salomon Bamberger (1913)     
-  
Spende von Bankier Otto Wolfsthal (1918)   
-  
Zum Tod von Sophie Goldschmidt geb. Siegel (1920)     
-  
Zum Tod von Simon Vogel (1921)     
-  
80. Geburtstag von Nathan Meyer (1925)   
-  
90. Geburtstag von Nathan Meyer (1935)   
-  
Zum Tod von David Cahn (1937)   
Zum Tod von Lazarus Tannenwald (1938)     
Anzeigen jüdischer Einrichtungen, Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Advokat J. Herzfelder (1869)   
Anzeige der Eisenhandlung S. Jacob (1890)  
A
nzeige von Bäckermeister Simon Hahn (1898)       
Anzeigen des Manufaktur- und Damenkonfektionsgeschäftes S. Oestreicher Söhne (1900 / 1906)   
-  Werbung für Bamberger's Knabenpensionat (1900/1902) 
Verlobungsanzeige von Zerle Bamberger und Meier Kaufmann (1901)          
-  
B. Segal wirbt für sein Knabenpensionat in Würzburg (1901)  
V
erlobungsanzeige für Rosa Koref und Direktor S. Bamberger (1901)  
Anzeige des Hotels - Restaurants Freihof (1902)        
Ausschreibungen der Stelle eines Elementarlehrers an der Bamberger'schen israelitischen Knaben-Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt (1901 / 1904)    
Veröffentlichung von Jacob Bamberger (1903)  
Anzeige des Kaufhauses Mathias Löwenthal (1912)    
Anzeige des Konfektionshauses Katzenstein (1924)    
Geburtsanzeigen für zwei Söhne von Adolph Goldschmidt und Bertha geb. Levi (1928 / 1931) 
Anzeige des Hutgeschäftes R. Friedenstein, Filiale in Aschaffenburg (1935)  
V
erlobungsanzeige von Gertrud Oberndörfer und Salo Lasser (1936)    
Todesanzeige für Nathan Mayer (1937)      
Verlobungsanzeige von Lisbeth Jüngster und Heinrich Okolica (1937)    
Weitere Dokumente  
Postkarte aus Miltenberg an Albert Eisenheimer (1884)    
Geschäftskarte von Heinrich Weil aus Aschaffenburg (1928) 
Kennkarte aus der NS-Zeit für die in Aschaffenburg geborene Selma Liebmann (1939)  
Sonstiges  
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: Grabstein in New York für Daniel H. Davidsburg (1836-1880, aus Aschaffenburg)    

     
     
     
Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Publikation zur jüdischen Geschichte in Aschaffenburg (1900) 

Aschaffenburg Israelit 05031900.jpg (125935 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1900: "Historische Berichte über die Juden der Stadt und des ehemaligen Fürstentums Aschaffenburg. Herausgegeben von Salomon Bamberger, Strassburg i.E., Verlag von Josef Singer. 1900. VI. B., 112 Seiten.      
Jüdische Städtegeschichte begrüßen wir stets mit Freuden. Erst wenn die Schilderungen der alten jüdischen Gemeinden in den meisten deutschen, von Juden bewohnten Städten uns vorliegen werden, wird es möglich sein, eine Geschichte der Juden unseres Vaterlandes zu schreiben, die sich frei von willkürlichen Darstellungen hält und mit der Mitteilung bloßer Vermutungen sparsam sein kann. Dem lokalen Spezialisten entgehen wichtige Einzelheiten nur selten und seine Kenntnis der Stadt und Gemeindeverhältnisse bewahrt ihn vor manchen Fehlern, die der Fremde kaum vermeiden kann. Auch wird der Fleiß und die Arbeitslust des Stadtbiographen durch die Liebe zur Vaterstadt oder zum Aufenthaltsort angespornt auch das unscheinbarste und verborgendste Aktenstück zum Gegenstand seiner Studien zu machen. Der Verfasser der vorliegenden Schrift hat ein reiches Aktenmaterial gesammelt, das uns unter seiner Führung ein anschauliches Bild der Schicksale der jüdischen Gemeinde Aschaffenburgs seit Mitte des siebzehnten Jahrhundert gewährt. Aus fleißig gesammelten, sonstigen zerstreuten Notizen erkennen wir, dass schon seit dem zwölften Jahrhundert sich Juden in Aschaffenburg befanden und dass die dortige Gemeinde von Jahrhundert zu Jahrhundert an Bedeutung zunahm. Wir sind dem Verfasser, einem Sohne des unvergesslichen Rabbi Simon Bamberger, dessen Andenken die Schrift gewidmet ist, für seine emsige Arbeit und für die anziehende Darstellung eines zum ersten male behandelten Themas zu großem Dank verpflichtet."

  
Artikel zur Geschichte der Juden in Aschaffenburg (1929)   

Aschaffenburg BayrGZ 15061929a.jpg (143068 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1929: 
"Zur Geschichte der Juden in Aschaffenburg. 
Anlässlich der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinde in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929. 
    
Foto: Aschaffenburg mit Schloss Johannisburg 
Aschaffenburg BayrGZ 15061929b.jpg (321818 Byte)Foto: Park Schönbusch, Aschaffenburg.     
Die Frage, seit wann die Juden in Aschaffenburg wohnen, ist zum ersten Mal in einer Schrift behandelt worden, die vor ungefähr 30 Jahren erschien: ‚Historische Berichte über die Juden der Stadt und des ehemaligen Fürstentums Aschaffenburg, herausgegeben von Salomon Bamberger.’ Bamberger trug alles ihm zugängliche Material zusammen, ohne sich immer bei den einzelnen Bausteinen, die er zu einem Gebäude aneinander führte, die kritische Frage vorzulegen, ob diese Bausteine auch wirklich tragfähig sind oder nicht. Wir möchten darum im Folgenden eine erneute Untersuchung vornehmen. 
I. Ohne Zweifel ist es, dass schon im 14. Jahrhundert Juden in Aschaffenburg gewohnt haben. Hierfür liegt eine ganze Reihe von historischen Beweismitteln vor, an deren Richtigkeit zu zweifeln kein Anlass besteht. So wird im Jahrgang 1879 des Anzeigers für Kunde der deutschen Vorzeit auf Seite 208 berichtet, dass am 13. Mai 1320 dem Pfarrer zu Aschaffenburg anbefohlen wurde, den Bann auszusprechen gegen den Juden Moses aus Aschaffenburg. Was dieser Aschaffenburger Moses wohl angestellt hat, wird nicht verraten. Wohl aber lässt sich aus dieser Nachricht entnehmen, dass es damals offenbar noch keinen Rabbiner in Aschaffenburg gab, denn sonst hätte man nicht erst den Aschaffenburger Pfarrer für eine Amtshandlung zu bemühen brauchen, die in jener Zeit noch durchaus zum Kompetenzbereich des Rabbiners gehörte. Erfreulicher als diese pfarramtliche Bannverhängung klingt eine andere Nachricht vom 3. Dezember 1333. Unter diesem Datum wird in den Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland während des Mittelalters auf Seite 118 eine Quittung registriert, die von den Herren zu Weinsberg, den Brüdern Konrad und Engelhard ausgestellt wurde, worin sie bestätigen, dass ihnen von dem Juden Süßkind aus Aschaffenburg tausend Pfund Heller bezahlt wurden. Was der Anlass dieser Zahlung war: der Abschluss eines Geschäftes oder die Eintreibung einer Zwangssteuer, wie sie in jenen Zeiten gegenüber den Juden gang und gäbe war, ist nicht bekannt. Auch lässt sich urkundlich beweisen, dass schon damals in Aschaffenburg eine Synagoge vorhanden war. Im Jahre 1345 verstarb in Aschaffenburg ein Vikar namens Jordan. In seinem Testamente, durch das er sein Haus seinen Erben vermachte, wird die Lage dieses Hauses näher beschrieben mit den lateinischen Worten: Sita Proxime apud Synagogam Judaeorum, ‚es liegt in der Nähe der Judensynagoge’, eine Bezeichnung, die in den Archivakten des Aschaffenburger Stiftsrentamtes noch öfters vorkommt.   
Es war damals für die süddeutschen Juden eine bitterböse Zeit, in der sie der Hostienschändung und Brunnenvergiftung beschuldigt und von dem aufgehetzten Pöbel unter Führung von Badenführern wie Rindfleisch und Armleder gemordet und gebrandschatzt wurden. Wie ist es in diesen schlimmen Zeiten den Juden in Aschaffenburg ergangen? Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir die wichtigste historische Quelle heranziehen, die uns von den Ereignissen jener Zeiten Kunde gibt. Das sind die so genannten ‚Memorbücher’. Während viel kleinere Gemeinden, z.B. das zum Aschaffenburger Bezirk gehörende Miltenberg, Memorbücher angelegt haben, hat es ein Aschaffenburger Memorbuch niemals gegeben. Wir mussten uns darum das älteste Memorbuch, das aus dem Jahre 1296 stammt, das Nürnberger Memorbuch kommen lassen, um daraus über die Schicksale der Aschaffenburger Juden im 14. Jahrhundert näheres zu erfahren. Wir haben das Buch genau durchgesehen und festgestellt, dass die daselbst erwähnten Marterstätten aus den 30er und 40er-Jahren des 14. Jahrhunderts, also aus der Zeit der Judenverfolgungen unter Armleder und aus der Zeit des schwarzen Todes, in hebräischer Sprache und Schrift vier Ortsnamen enthalten, die folgenden Wortlaut haben: ‚Uschaffenburk’, ‚Uschfinburch’, ‚Uschburk’, ‚Uschanburg’.   
Es entsteht nun die Frage, ob alle diese Ortsnamen mit Aschaffenburg identisch sind. Neben den ersterwähnten Ortsnamen wird noch eine andere Lesart überliefert: ‚Itanburg’, was bei einem alten, schwer leserlichen Manuskript nicht weiter verwunderlicht ist. Diese Lesart ‚Itanburg’ ist aber sicherlich falsch, denn unmittelbar darauf werden Miltenberg und Amorbach genannt. Es ist auch ohne weiteres klar, dass wir ‚Uschanburg’ zu lesen haben und diesen Ortsnamen mit Aschaffenburg identifizieren müssen. Dass bei ‚Uschanburg’ das f ausgefallen ist, darüber brauchen wir uns nicht aufzuregen, da ja noch heute der Volksmund dieses f ausfallen lässt, wenn er statt Aschaffenburg das bequemere und gemütlichere ‚Ascheberg’ gebraucht.    
Wie ist es nun mit ‚Uschburk’? Dürfen wir auch diesen Ortsnamen mit Aschaffenburg identifizieren? Diese Frage ist unbedingt zu verneinen, denn neben ‚Uschburk’ steht noch ein anderes hebräisches Wort: ‚Wejischubeho’, ‚und seine Filialgemeinden’. Unter diesen Filialgemeinden von Uschburk werden
Aschaffenburg BayrGZ 15061929c.jpg (320125 Byte)aber aufgezählt: Nördlingen, Ulm, Esslingen usw. Uschburk kann darum nicht Aschaffenburg sein, sondern ist ohne Zweifel mit Augsburg gleich zu setzen, zumal auch im Urkundenbuch der Stadt Augsburg die Lesart auspurch vorkommt, die wie im hebräischen das g des lateinischen Augusta abgeworfen hat. 
Der dritte Ortsname ‚Uschfinburch’ ist von dem Nürnberger Memorbuch herübergenommen worden aus einem Verzeichnis von Blutorten, die sich vorfand in einem Gebetbuch, das im 14. Jahrhundert geschrieben wurde, das früher im Besitz eines Herrn Halberstamm in Bilitz war und jetzt Eigentum eines Herrn Epstein in Wien ist. Dieses Uschfinburch ist zweifellos mit Aschaffenburg identisch, da in demselben Verzeichnis auch Goldbach genannt wird. Dass der vierte Ortsname ‚Uschaffenburk’ mit Aschaffenburg identisch ist, bedarf keines weiteren Beweises.   
Auf Grund dieser wiederholten Erwähnung Aschaffenburgs unter den Blutorten und Marterstätten des 14. Jahrhunderts können wir uns eine Vorstellung machen, wie es den Juden Aschaffenburgs in jenen schlimmen Zeiten ergangen ist. Sie haben das Schicksal ihrer deutschen Glaubensbrüder redlich geteilt. Auch über die Juden Aschaffenburgs sind die wilden Horden Armleders hergefallen. Auch die Juden Aschaffenburgs hat das Judenmartyrium zur Zeit des schwarzen Todes nicht verschont. Nur in einer Beziehung scheint es ihnen besser ergangen zu sein, als den Juden in anderen Städten. Während im Jahre 1385 Kaiser Wenzel mit zahlreichen Fürsten und Städten Verträge abschloss, in denen gegen einmalige Zahlung an den Kaiser sämtliche Schulden an die Juden, und zwar das Kapital samt den Zinsen, für aufhoben erklärt wurden, liegt ein Schutzbrief des Erzbischofs Adolf von Mainz vom 2. Januar 1384 vor, worin er die Juden in Aschaffenburg unter seinen Schutz nimmt und ihnen zusichert, von ihnen keine weiteren als die üblichen Steuern zu erheben.  
II. Wir wenden uns nun der Frage zu, ob in Aschaffenburg schon früher als im 14. Jahrhundert Juden gewohnt haben. Im 13. Jahrhundert ist für das Vorhandensein von Aschaffenburger Juden bloß eine Spur vorhanden, die uns nach Rothenburg ob der Tauber führt. Hier lebte vor 700 Jahren Rabbi Meir aus Rothenburg, der die größte rabbinische Autorität des 13. Jahrhunderts war. Unter den Gelehrten, mit denen Rabbi Meir korrespondierte, befand sich auf einer namens Abraham aus Aschaffenburg, wie in der Handschrift ‚Sefer hoasofoth’ überliefert wird. Weit schwieriger ist die Beantwortung der Frage, ob schon im 12. Jahrhundert in Aschaffenburg Juden gewohnt haben. 
Ein in jungen Jahren verstorbener Gelehrter, Namens Julius Aronius, hat vor ungefähr 30 Jahren ein Werk herausgegeben unter dem Titel: ‚Regesten zur Geschichte der Juden im fränkischen und deutschen Reiche bis zum Jahre 1273’. In diesen Regesten wird eine Nachricht überliefert, dass im Jahre 1147 eine jüdische Frau in Aschaffenburg namens Guthalda im Fluss ertränkt wurde, weil sie sich nicht taufen lassen wollte. Beruht diese Nachricht auf Wahrheit, dann wäre sie ein Beweis, dass 1. schon im 12. Jahrhundert in Aschaffenburg Juden gewohnt haben, dass 2. die Judenverfolgungen, die zur Zeit des zweiten Kreuzzuges 1146-47 in Speyer, Mainz und Würzburg stattfanden, auch Aschaffenburg nicht verschont haben. Auf den ersten Blick scheint auch das Nürnberger Memorbuch diese Nachricht zu bestätigen. Denn unter den Märtyrern, die am Sonntag, dem 24. Februar 1147 gefallen sind, wird im Nürnberger Memorbuch auch eine Frau Guthalda genannt. Seltsamerweise erscheint dieser Name auch unter den Märtyrern, die zur Zeit des ersten Kreuzzuges, am Sonntag, dem 25. Mai 1096, gefallen sind, und hier heißt es sogar ausdrücklich, dass diese Frau Guthalda ertränkt wurde. Unbegreiflich ist die Frage, die der Herausgeber des Nürnberger Memorbuches in einer Anmerkung aufwirft, ob die beiden Guthaldas miteinander identisch seien, als ob eine Frau, die im Jahre 1096 ertränkt wurde, noch einmal im Jahre 1147 umgebracht werden könnte. Ließe sich nachweisen, dass die Guthalda des Jahres 1096 aus Aschaffenburg war, dann wäre der Beweis erbracht, dass schon im 11. Jahrhundert in Aschaffenburg Juden gewohnt haben. Dieser Beweis ist aber nicht zu erbringen. Denn abgesehen davon, dass im Nürnberger Memorbuch über den Wohnort der beiden Guthaldas nichts verraten wird, ist unseres Erachtens Julius Aronius einem Irrtum zum Opfer gefallen, wenn er die im Jahre 1147 umgebrachte Guthalda als eine Jüdin aus Aschaffenburg bezeichnet. Wir haben uns die Quellenschrift kommen lassen, auf die jene von Aronius mitgeteilte Nachricht zurückgeht. Es sind das die in hebräischer Sprache abgefassten Berichte des Rabbi Efraim ben Jakob aus Bonn, die als Beilage zu dem Werke ‚Emek habacha’ von Rabbi Josef hakohen erschienen sind. Die betreffende Stelle lautet in deutscher Übersetzung wie folgt: ‚In jenen schlimmen Tagen des Jahres 1147 gab kein König den Juden recht, denn auch der Kaiser Konrad war unter den Kreuzfahrern und zog ebenfalls nach Jerusalem.
Aschaffenburg BayrGZ 15061929d.jpg (273083 Byte)Viele andere machten sie dem Herrn, dem Gotte Israels abwendig, nachher jedoch wandten sich dieselben dem Heiligen Israels zu wie zuvor und dienten dem Herrn. Eine Jüdin, namens Guthalda, wurde in ‚Ispurk’ ergriffen und, da sie sich weigerte, ihren Glauben zu wechseln, wurde sie für den heiligen, ihrem Schöpfer, ertränkt. Gedenke ihr dies, o Gott zum Guten und führe ihren Streit!’ Der Irrtum des Aronius ist nun darauf zurückzuführen, dass manche Gelehrte, wie Wilken und Bialloblotzky, dieses ‚Ispurk’ für Aschaffenburg gehalten haben, im Gegensatz zu Zuns, der Weißenburg las. Mit Recht aber hat der Herausgeber des genannten Werkes ‚Emek habacha’ darauf aufmerksam gemacht, dass in Ortsnamen der Buchstabe g von jüdischen Schriftstellern in Italien und Spanien häufig durch ein hebräisches ‚JudÄ wiedergegeben wird, ebenso wie sie das deutsche J oft durch ein hebräisches ‚Gimel’ wiedergeben. Es ist daher so gut wie sicher, dass ‚Ispurk’ nichts anderes als Augsburg bedeutet, ebenso wie im Nürnberger Memorbuch ‚Uschburk’ mit Augsburg gleichzusetzen war. Wir müssen demnach die Frau Guthalda unsern Augsburger Glaubensgenossen abtreten und uns nach einem anderen Zeugen umschauen, der uns die Existenz von Aschaffenburger Juden im 12. Jahrhundert bekundet. Wir glauben ihn in einer Persönlichkeit gefunden zu haben, die zu den seltsamsten Gestalten des Mittelalters zählt: Benjamin von Tudela, der im Jahre 1160 eine Reise unternahm, die ihn 13 Jahre lang durch 3 Weltteile führte. In seinem Reisetagebuch ‚Massaoth Benjamin’ erzählt er, an welchen Orten er jüdische Gemeinden antraf, wer ihre Vorsteher waren, wie hoch ihre Mitgliederzahl und wie ihre wirtschaftlichen Verhältnisse waren. Da werden unter anderem auch eine Reihe von deutschen Städten genannt, von denen Benjamin erzählt, dass in all diesen Städten viele reiche und gelehrte Juden wohnen. Diese deutschen Städtenamen sind in der Handschrift des Urtextes nicht alle gleich gut lesbar. Gut erkennbar sind z.B. die Städtenamen Regensburg und Bamberg. Dagegen hat sich bei der Entzifferung von zwei anderen Städtenamen, die unmittelbar vorher genannt werden und die sich bei flüchtigem Lesen wie ‚Duidisburg’ und ‚Astransburg’ anhören, ein Gelehrtenstreit entzündet. Die Gelehrten Scheid und Aronius lesen ‚Duisburg’ und ‚Straßburg’, dagegen Braun und Caro ‚Würzburg’ und ‚Aschaffenburg’. Nachdem aber die beiden Städte gleichsam in einem Atemzuge mit Regensburg und Bamberg genannt werden, so dürfte wohl die letztere Ansicht die richtige sein, und wir hätten demnach in keinem geringeren als Benjamin von Tudela einen Kronzeugen dafür, dass zu den Städten, in denen schon im 12. Jahrhundert viele reiche und gelehrte Juden lebten, auch Aschaffenburg gehörte.  
Wundern wir uns nicht, wenn sich einmal herausstellen sollte, dass schon zur Zeit der frühesten Niederlassungen der Juden am Rhein in Aschaffenburg Juden gewohnt haben. Es steht fest, dass seit jeher zwischen den Aschaffenburger Juden und den Juden des Rheinlandes die regesten Beziehungen herrschten. Solange die katholische Kirche in Aschaffenburg zur Diözese des Erzbischofs von Mainz gehörte, hat auch der jüdische Kultus in Aschaffenburg dem Rabbiner von Mainz unterstanden. Was liegt nun näher, als zu vermuten, dass schon in ganz alter Zeit einzelne Splitter der Judenheit am Rhein nach Aschaffenburg versprengt worden sein mögen. 
III. In neuester Zeit hat Paul Lazarus im 3. Bande der Encyclopedia Judaica die wichtigsten Daten der jüdischen Geschichte Aschaffenburgs zusammengestellt. Demnach lebte im 16. Jahrhundert in Aschaffenburg Simeon ben Isaak halevi, Verfasser der Werke ‚Debek tob’ und ‚Massoret ha Mikra’. 1684 befanden sich 13 Schutzjuden in Aschaffenburg. 1705 betrug ihre Zahl 20; auf eine diesbezügliche Beschwerde der Bürgerschaft von Aschaffenburg entschied die kurfürstlich-mainzische Regierung, dass die Zahl 13 künftighin nicht überschritten werden dürfe. Die Gemeinde-Angelegenheiten wurden von Mainz geleitet, und die Rabbiner, die gelegentlich in Aschaffenburg wirkten, unterstanden der Aufsicht des Mainzer Landesrabbiners. Anfang des 18. Jahrhunderts wirkte in Aschaffenburg Isaak Säckel Ethausen, Verfasser der Responsen ‚Or Neelam’, der ebenfalls dem Mainzer Landesrabbiner unterstand; sich selbst bezeichnete er als Bezirksrabbiner. 1787 wurde eine Gemeindeverwaltung geschaffen, zu deren Vorsteher 1802 der Hoffaktor Abraham Löb gewählt wurde. 1753, 1770 und 1784 wurden Judenlandtage des Obererzstiftes in Aschaffenburg abgehalten, auf denen u.a. zur Hebung des Torastudiums die Gründung von Schulen und Lehrhäusern beschlossen wurde. Der bei Schweinheim ge- 
Aschaffenburg BayrGZ 15061929e.jpg (108775 Byte)legene Friedhof von Aschaffenburg stammt wahrscheinlich aus der Zeit der ersten Niederlassung. Die dem Friedhof zugehörigen, ihn mitbenutzenden Gemeinden Goldbach, Mömmlingen, Hofstetten, Großwallstadt, Niedernberg und Hausen gründeten 1719 die ‚Wohltätigkeits- und Beerdigungsvereinigung’ mit dem Sitz in Aschaffenburg, aus der die jetzige Chewra Kadischa hervorging.  
Als die Abhängigkeit von Mainz 1803 aufhörte, wohnten in Aschaffenburg 35 jüdische Familien (im ganzen Fürstentum Aschaffenburg 137). Der Leibzoll war bereits abgeschafft, doch hatten die Juden weiterhin ein städtisches Judengeld und das sog. ‚Synagogicum’ an die Pfarrei zu zahlen. Sie waren von allen Zunftgewerben ausgeschlossen; erst 1807 erhielt ein gewisser Abraham Hirsch die Erlaubnis, seinen Sohn das Schneiderhandwerk erlernen zu lassen. Als 1810 das Fürstentum Aschaffenburg als Departement zum Großherzogtum Frankfurt geschlafen wurde, fielen durch die Verordnung von 1811 ‚zur Ausführung des Grundgesetzes der Gleichheit sämtlicher Einwohner des Großherzogtums in Frankfurt’ auch für die Juden in Aschaffenburg alle Einschränkungen fort. Unter bayerischer Verwaltung wurde Aschaffenburg Sitz der ‚Distrikts-Gemeinde’.. Der erste Ober-Rabbiner in Aschaffenburg war Hillel Wolf Sontheimer, der schon seit 1786 als Rabbiner des Obererzstiftes gewirkt hatte; er amtierte 1803 bis 1832.
IV. In Aschaffenburg leben zur Zeit ungefähr 800 Juden bei einer Gesamtbevölkerung von 35.000. Die Gemeinde besitzt eine schöne Synagoge, die im Jahre 1893 erbaut und erst vor kurzem renoviert und mit einer Luftbeheizungsanlage verstehen wurde. Neben dem alten Schweinheimer Friedhof besitzt die Gemeinde einen neuen Friedhof, der seit ungefähr 30 Jahren benutzt wird. Eine Reihe von Vereinen unterstützt die Gemeinde auf den verschiedenen Gebieten des jüdischen Gemeindelebens. Männerverein, Frauenverein, Armenverein, Talmud-Toraverein, Hilfskasse, Darlehenskasse, Fürsorgeverein für israelitische Nerven- und Geisteskranke, Ortsgruppe des Zentralvereins, Philo-Loge.  A.T."

   
   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Aschaffenburg    
Rabbiner im 19./20. Jahrhundert waren: 

Rabbiner Hillel Wolf Sondheimer (bzw. Sontheimer, geb. 1749 in Sontheim bei Heilbronn, gest. 1832 in Aschaffenburg): war nach seinen Studien zunächst Privatgelehrter in Fürth; bewarb sich 1783 um die Stelle eines Unterrabbiner in Aschaffenburg, wurde 1787 gewählt und im Sommer 1788 in sein Amt eingesetzt; 1803 zum "Oberrabbiner" beziehungsweise "Hauptrabbiner" des damaligen Fürstentums Aschaffenburg ernannt; blieb bis zu seinem Tod 1832 Rabbiner in Aschaffenburg.   
Rabbiner Israel Wertheimer: war um 1807 Unterrabbiner in Aschaffenburg.  
Rabbiner Gabriel Loew Neuburger (geb. 1808 in Burghaslach, gest. 1888 in Aschaffenburg): studierte bei Rabbinern in Gelnhausen (Rabbiner N.H. Kunreuther), Mannheim (Rabbiner Hirsch Traub) und Michelstadt (Seckel Löb Wormser); Studium in München: zunächst als Hauslehrer in München tätig, seit 1832 Rabbinatsverweser in Aschaffenburg; wurde als "Reformrabbiner" nach Klagen der Orthodoxen im April 1845 seines Amtes enthoben; danach als Handelsmann in Aschaffenburg tätig - "Inhaber eines bedeutenden Kleinwarengeschäftes".     
Rabbiner Abraham Adler (geb. 1808 in Kleinsteinach, gest. 1880 in Aschaffenburg): nach Talmudstudien in Burgpreppach und Adelsdorf seit 1823 Student der Fürther Jeschiwa, danach in Erlangen und Würzburg, wo er 1832 bis 1834 an der Universität und an der Jeschiwa von Oberrabbiner Abraham Bing studierte. Nach seinen Studien zunächst Rückkehr nach Kleinsteinach; 1838 bis 1845 Distriktsrabbiner in Burgpreppach, 1845 bis 1880 Rabbiner in Aschaffenburg; wegen Konflukten mit der Gemeinde war sein Wohnsitz zeitweise in Kleinheubach.    
Rabbiner Simon (Simcha) Bamberger (geb. 1932 in Wiesenbronn, gest. 1897 in Aschaffenburg): war der älteste Sohn von Rabbiner Seligmann Bär Bamberger; Studien in Würzburg; gründete 1854 in Colmar eine rabbinische Vorbereitungsschule für das Metzer Rabbinerseminar; 1856 Rabbiner in Fischach; 1881 Rabbinatsverweser in Aschaffenburg, seit 1888 Distriktsrabbiner ebenda.   
Rabbiner Dr. Gustav Wachenheimer (geb. 1872 in Biebesheim, gest. 1931 in Aschaffenburg): Gymnasium und talmudische Studien in Pfungstadt; danach Studien in Frankfurt; Universitätsstudium in Berlin und Tübingen; 1898 bis 1909 Bezirksrabbiner in Aschaffenburg.   
Rabbiner Dr. Raphael Breuer (geb. 1881 in Pápa, Ungarn, gest. 1932 in Aschaffenburg); lernt an der Jeschiwa seines Vaters, Rabbiner Salomon Breuer in Lauschbrünn; Universitätsstudium in Gießen, Straßburg und Heidelberg; 1909 bis 1932 Bezirksrabbiner in Aschaffenburg.   
Rabbiner Dr. Fritz Bloch (geb. 1903 in München, gest. 1979 in Stuttgart): nach Schulbesuch in München Studium in Breslau; weitere rabbinische Studien in Telce, Mir und Berlin; 1932 bis 1938 Bezirksrabbiner in Aschaffenburg; Ende 1938 Emigration nach Palästina; 1953 Nachfolger von Rabbiner Siegbert Neufeld als Landesrabbiner von Württemberg-Hohenzollern in Stuttgart.  
  
  
Rede von Rabbiner Gabriel Neuburger nach dem Tod der Königinwitwe von Bayern (1842
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Aschaffenburg AZJ 22011842.jpg (95310 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Januar 1842: "Aschaffenburg, 3. Januar (1842). Die von unserm Distrikts-Rabbinen, Herrn Gabriel Neuburger, wegen des Ablebens Ihrer Majestät der Königinwitwe von Bayern gehaltene Gedächtnisrede (verbunden mit einer detaillierten Beschreibung der stattgehabten Feierlichkeiten) ist im Buchhandel erschienen und hat selbst im Auslande schon darum viel Aufmerksamkeit erregt, weil sie mit sehr deutlichen Worten Zeugnis gibt von der Ansicht der Synagoge über eine bekannte seitens der Kirche viel besprochene Frage. – Doppelt wichtig erschien uns daher die Kunde, dass Herr Rabbiner Neuburger, nachdem er besagte Rede höchsten Ortes vorgelegt hatte, durch eine sehr ehrende Zuschrift aus dem Kabinette Seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen und ein gnädiges Handschreiben des durchlauchtigsten Prinzen Karl von Bayern beglückt wurde."

   
Distriktrabbiner Neuburger gerät in eine schwierige Situation (1844)   

Aschaffenburg AZJ 12081844.jpg (125520 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. August 1844: "Aschaffenburg, 1. August (1844). Das nachfolgende frappante Seitenstück zu der Fürther Rabbinergeschichte bildet hier gegenwärtig das Tagesgespräch. Der seitherige hiesige Distriktsrabbiner Neuburger war vor fast 12 Jahren, durch ein Dekret der vorgesetzten königlichen Kreisregierung, als Rabbiner für den Rabbinatsdistrikt Aschaffenburg ernannt worden, ohne dass eine Wahl desselben durch die betreffenden Gemeindeglieder vorausgegangen wäre. Letztere hatten übrigens keinerlei Einwendungen gegen diese unmittelbare Ernennung gemacht, der neu ernannte Rabbiner war feierlich installiert und in die Temporalien eingewiesen worden, und hatte sogar im Jahre 1837 eine vom königlichen Ministerium des Innern bestätigte Gehaltszulage erhalten. Inzwischen ergaben sich häufige Reibungen zwischen diesem Rabbiner und den Israeliten hiesiger Stadt, welche letztere jedoch, beiläufig gesagt, noch lange nicht den zehnten Teil des gesamten Distriktsgemeinde ausmachen. Die Gegner kamen endlich auf den Einfall, die beregte Anstellungsweise ihres Rabbiners bei dem königlichen Ministerium des Innern anzufechten, und von dieser höchsten Stelle ist nun wirklich die Erledigung des fraglichen Rabbinats und die Anordnung einer Rabbinerwahl ausgesprochen worden. Es wurde aber auch verfügt, dass für Neuburger, wenn er nicht gewählt werden sollte, ein Sustentationsbeitrag seitens der israelitischen Distriktsgemeinde zu erwirken sein. Wir vernehmen, dass Neuburger weitern Rekurs ergriffen habe und im äußersten Falle mit einer Schadensersatzklage auftreten wolle. Am wünschenswertesten wäre jedoch die baldige Bestätigung der allgemeinen Annahme, dass Neuburger, der verheiratet und Vater einer zahlreichen Familie ist, in der entschiedenen Anhänglichkeit der Landgemeinden eine sichere Bürgschaft seiner Erwählung finden könne.’

     
Zur Wahl des Rabbiners (1844)  

Aschaffenburg Israelit19Jh 24111844.jpg (107095 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 24. November 1844: "Aus Unterfranken. Unsere jüdische Bevölkerung richtet gegenwärtig die gespannteste Aufmerksamkeit nach Aschaffenburg, wo demnächst die Wahl eines Rabbinen stattfinden soll, nicht als ob die Wahl eines Rabbinen dem bayerischen Israeliten eine so große Wichtigkeit wäre, leider ist dem Letzteren (mit rühmlichen Ausnahmen) meistens sehr gleichgültig, was für ein Rabbine der Anzustellende ist; nur wer angestellt werden soll, das wird mit Interesse (im buchstäblichen Sinne) behandelt. Ich will die schmutzigen und gemeinen Rücksichten gar nicht auftischen, aber das ist Tatsache, dass nur die Person des zu Wählenden, fast niemals seine Befähigung von den meisten Wählern in Anschlag gebracht wird. Daher muss es allerdings auffallen, wie es kommt, dass auch außerhalb des Rabbinatsdistriktes Aschaffenburg viele ein Interesse an der Wahl nehmen. Der Grund liegt in dem besonderen merkwürdigen Falle, der hier vorliegt. Die Stelle ist nämlich seit 12 Jahren besetzt, mit einem Manne, dessen Wissenschaftlichkeit, guter Wille, und energisches Auftreten ihn in die Reihe der vorzüglichsten Rabbinen stellt. Sein Rednertalent ist rühmlichst im ganzen Kreise bekannt, seine gewandte Geschäftsführung wird von allen Behörden gerühmt, und seine eifrige Tätigkeit für die Gesittung und Bildung der Israeliten seines Sprengels soll durch mehrere Belobungsschreiben der königlichen Kreisregierung anerkannt worden sein; sowie hochdieselbe in einer andern mir zu Gesicht gekommenen Entschließung über den Distrikts-Rabbinern sich folgendermaßen äußert: ‚Nachdem aber gegenwärtig der Rabbine Gabriel Leo Neu- 
Aschaffenburg Israelit19Jh 24111844a.jpg (179064 Byte)burger in die Stelle des verstorbenen Oberrabbinen gekommen, derselbe die im § 27 des Ediktes festgesetzten Eigenschaften besitzt und dessen bisheriges Wirken das in ihn gesetzte Vertrauen der Kreisregierung in vollem Maße gerechtfertigt hat, so etc. etc. (Anmerkung der Redaktion: Wir wollen gern dem guten Zeugnis, welches dem Herrn Neuburger gegeben, wird, Glauben schenken; aber die bekannte Geschichte von der Bannstrafe, welche derselbe über einen seiner Pflegbefohlenen verhängte, muss doch einige Zweifel gegen die Erleuchtung und Humanität der Herrn Neuburger hervorrufen). Dieser Rabbine nun, der jetzt über zwölf Jahre im Amte ist, und höheren Ortes als Rabbine anerkannt wurde, ist – nicht etwa seiner Stelle entsetzt – sondern als nicht angestellt betrachtet worden und seine Stelle wurde zur Besetzung öffentlich ausgeschrieben. Als Grund wird zur Erklärung angegeben, dass damals keine förmliche Wahl stattgefunden, die Gemeinde Aschaffenburg ihr Wahlrecht in Anspruch genommen und das hohe Ministerium ihr dasselbe zugestanden habe. Es soll dem Rabbinen ein jährlicher Sustentationsgehalt von 200 Gulden – wie man sagt – zwar verbleiben, aber wenn auch der volle Gehalt bliebe, die Entfernung vom Amte wird jedem Angestellten von Ehre durch Geld nicht ersetzt werden können. Man glaubt zwar, Herr Neuburger werde wieder gewählt werden – denn da er nicht wegen Dienstverletzung entfernt wurde, so ist er wieder wählbar – allein wie dem auch geschehen wird, und ganz abgesehen von der Frage, ob hier Recht oder Unrecht geschehen, ist der Fall sehr beklagenswert und ein neuer Stoß, der – rückwärts führt. – Fragen Sie, wieso? So wollen Sie nur die gegenwärtigen Verhältnisse der Israeliten in Bayern, die Ihnen als Grenznachbar nicht so fremd sind, in Erwägung ziehen. Die Fürther Exzesse haben schon dem Volke die Meinung beigebracht, ein angestellter und bestätigter Rabbine sitze noch nicht einmal so fest, dass nicht ein Häuflein Unzufriedener, von welchem Charakter auch nur immer, seinen Stuhl wankend machen können; dieser Fall bestätigt diesen Wahn noch mehr. Ich sage Wahn, denn in Wahrheit ist es keineswegs der Fall. Den wirklich Angestellten zu entfernen, fordert große Opfer. Wie der Vorgang in Fürth hinreichend beweist, der solche enorme Summen verschlungen, dass man ein schönes Beit Hamidrasch dafür hätte gründen können; aber das Volk meint es und in seinem törichten Wahne tritt es dem Rabbine hindernd und ungehorsam in den Weg, bildet eine Opposition und will Letzterer nicht sein Leben in Streitigkeiten zubringen, bei den Behörden nicht als .. verdächtigt, als Neolog angeklagt und der Gefahr, durch falsche Beschuldigungen zuletzt
Aschaffenburg Israelit19Jh 24111844b.jpg (225925 Byte)doch das Kürzere zu ziehen, sich ausgesetzt sehen: so wird er es vor Gott und seinem Gewissen verantworten können, wenn er – nichts tut. Wer hat nun die Nachteile? Die Israeliten unseres Kreises sehen nicht ein, wie niemand anders als sie die bitteren Folgen werden zu beklagen haben. Unser hochherziger König und unsere weisen Regierungen meinen es unbezweifelt gut mit uns, und wir können und dürfen uns gar nicht beklagen, wenn man das für heilsam befundene System auch auf uns anwendet; wir sind vielmehr Dank schuldig, wenn, wie bei jeder Konfession, auch im Judentum verderblicher Neologie Einhalt getan werden soll, aber leider kann die Regierung selbst nicht entscheiden, was der Neologie im Judentum angehört und leider fehlt es Manchem unserer orthodoxen Frommen gar nicht an dem Mute gegen die Überzeugung ein quid pro quo vor die Behörden zu bringen. So entsteht ein Wirrwarr, der jeden Funken religiöser Begeisterung erstickt und Indifferentismus gewinnt immer mehr Terrain; so entstehen Reibungen und Spaltungen innerhalb der Gemeinden, die auf Gesittung und Bildung so nachteilig wirken, den Gegnern des Judentums und der Juden so viele feindliche Waffen in die Hände geben, dass man ohne ein Hellseher oder gar Prophet zu sein, voraussagen kann, die bayerischen Israeliten werde ihre jetzigen Verirrungen einst bitter bereuen und manchen, der jetzt als ‚der gute Jud’ gepriesen wird, in seinem Grabe mit Flüchen verfolgen. Eine offene, freie Darstellung der ganzen Sachlage würde bei unserem weisen und gerechten Könige heilsame Früchte bringen! Aber wer soll es tun? Ein Rabbine? Der würde sich zu großer Gefahr aussetzen, von Seiten der Gegner aufs Heftigste verfolgt und seiner Gemeinde aufs Lästerlichste verdächtigt werden. Es möchten dieses lediglich Laien tun, aber – wenn der Indifferentismus nicht wäre. – Ich will jedoch meine allgemeinen Bemerkungen abbrechen und zu unserem Gegenstand zurückkehren. Lassen wir nämlich den speziellen Fall ganz dahingestellt, so drängt sich gewiss jedem Denkenden die Frage auf, woher es komme, dass man in Bayern so vielfältig Streitigkeiten zwischen Rabbinen und Gemeinden antrifft? Man hört wohl auch von solchen Differenzen in anderen Ländern, aber nicht leicht irgendwo z.B. in Württemberg oder Baden solche Geschichtchen, die zur Chronik scandaleuse gehören, wie bei uns. Liegt es darin, dass die bayerischen Rabbinen neologischer gesinnt sind, als dort, so muss jeder Unbefangene das in Abrede stellen, und möchten denn doch die orthodox gesinnten stabilen Rabbinen weniger zu kämpfen und zu ertragen haben, was aber nicht der Fall ist. Liegt es darin, dass die Gemeinden orthodoxer, religiöser sind, so ist das wiederum nicht wahr, es ist vielleicht der Indifferentismus nirgends größer. Der Grund liegt tiefer, und er wird umso leichter aufgefunden, und seine Richtigkeit umso mehr bestätigt, wenn wir einen Rück- und Seitenblick auf das Verhältnis zwischen Gemeinden und Lehrern werfen. Sie können sich keinen Begriff von den vielen Prozessen machen, die da anhängig waren und zum Teil noch anhängig sind. Es waren das nun allerdings zum großen Teile Geldprozesse, aber es waren auch andere, die lediglich den religiösen Lebenswandel der Lehrer betrafen, und selbst jene verdanken ihre Entstehung meistens ganz andere Umständen. Warum trifft man das weniger in andern Ländern? Dies zu beantworten, sei der Inhalt eines zweiten Briefes."

  
Wahl von Rabbiner Abraham Adler aus Burgpreppach (1845) 

Aschaffenburg Israelit19Jh 20041845.jpg (16606 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 20. April 1845: "(Aus dem Regen in die Traufe.) Zu Aschaffenburg ist bei kürzlich stattgehabter Wahl eines Rabbinen Herr Neuburger durchgefallen, und Herr Adler in Burgpreppach gewählt worden."
 
Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 26. August 1845: "Durch die erfolgte Bestätigung des Rabbiners A. Adler in Burgpreppach zum Bezirksrabbinen von Aschaffenburg ist abermals ein Rabbinatssitz aus reformatorischen in konservative Hände übergegangen. Der abgesetzte Rabbiner Neuburger sucht bei der Behörde um ein Handels-Patent nach."        
  
Burgpreppach Israelit19Jh 12101845.jpg (29568 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 12. Oktober 1845: "Das Rabbinat Burgpreppach. Aus Unterfranken. Das Rabbinat Burgpreppach ist erledigt. Adler ist in Aschaffenburg und eine neue Wahl für seinen früheren Distrikt bereits ausgeschrieben. Die beiden Prinzipien sind auch bei diesen im Kampfe, wir werden sehen, welches den Sieg erhält. – Am 29. dieses Monats ist die Wahl. Über das Resultat will ich Ihnen schreiben."  

 
Entlassung von Rabbiner Neuburger (1845)
   

Aschaffenburg AZJ 21041845a.jpg (173485 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1845: "Aus Unterfranken, 3. April (1845). Das allgemeine Tagesgespräch bei den Israeliten unseres Kreises ist jetzt die Entfernung des Distriktsrabbiners Neuburger von Aschaffenburg von seiner Stelle. Derselbe war vor etwa fünfzehn Jahren ohne vorhergegangene Wahl von der Regierung als Rabbiner eingesetzt worden, hatte sich aber besonders in Aschaffenburg selbst viele Feinde erworben. Es entstanden leider vielfache Prozesse, und da man auch die ungesetzliche Weise seiner Einsetzung hervorsuchte, so wurde er seines Amtes entsetzt, jedoch aber als wieder wählbar erklärt. Aber er erhielt bei der Wahl nur vierzig Stimmen, während der bisherige Rabbiner zu Burgpreppach, Abraham Adler, deren 189 erhielt, und ohne Zweifel auch bestätigt werden wird. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die allem Fortschritt feindlich gesinnte Partei, welche bei den Rabbinatswahlen im Jahre 1840 eine so große Tätigkeit entwickelte, auch diesen Vorgängen nicht fremd ist, da Neuburgers Kraft und Entschiedenheit ihr schon lange ein Dorn im Auge war. Jetzt schaut sie nach dem erledigten Burgpreppacher Rabbinate, wo es ihr ohne Zweifel ebenfalls gelingen wird, einen Mann ihres Vertrauens an die Stelle zu bringen. Das Rad der Zeit wird jedoch diese Partei nicht aufhalten können. Bei veränderten Regierungsgrundsätzen wird auch das Benehmen dieser unselbständigen Rabbiner sich ändern, und dieses umso gewisser, als auch die Israeliten unseres Kreises bei aller Anhänglichkeit am Hergebrachten doch größtenteils mit jener Partei nicht einverstanden sind, vielmehr immer mehr zum Bewusstsein kommen, dass uns manche Veränderung Not tut. Daher denn auch diejenigen Rabbiner unseres Kreises, welche entfernt von Gewissenszwang oder gar Wegwerfung des wirklich Religiösen einen vernünftigen Fortschritt zu befördern suchen, obwohl sie jener Partei nicht gefallen und nach Möglichkeit von ihr angefeindet werden, sich in ihren Distrikten immer mehr Achtung und Anerkennung erwerben."

  
Ausschreibung der Stelle des Rabbinatsverwesers (1880)  

Aschaffenburg AZJ 15061880.jpg (45193 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juni 1880: "Bekanntmachung. Für den Rabbinatsdistrikt Aschaffenburg soll ein Rabbinatsverweser aufgestellt werden. Erfordernisse der Zulassung zu dieser Stelle sind, dass der Rabbinatskandidat die bayerische Staatsangehörigkeit besitzt, die Rabbinatsprüfung bestanden hat und sich über vollständige Unbescholtenheit ausweist. Bewerber wollen ihre mit den nötigen Zeugnissen belegten Gesuche bis zum 15. Juli laufenden Jahres bei dem Stadtmagistrate Aschaffenburg einreichen. 
Aschaffenburg, 1. Juni 1880. Der Stadtmagistrat. O.u. Miesbach."  
 
Aschaffenburg AZJ 17081880.jpg (68162 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. August 1880: "Bekanntmachung. Für den Rabbinatsdistrikt Aschaffenburg soll ein Rabbinatsverweser, der die Rabbinatsprüfung bestanden haben muss und sich über Unbescholtenheit auszuweisen hat, aufgestellt werden. Zur Bewerbung um diese Stelle wird hiermit eine erneute Frist bis zum 8. September laufenden Jahres angesetzt. 
Aschaffenburg, 4. August 1880. 
Der Stadtmagistrat. Miesbach, Rechtsrat."  

       
Bemühungen der Aschaffenburger Gemeinde um Bildung eines selbständigen Stadtrabbinates (1883)  

Aschaffenburg AZJ 20031883.jpg (97923 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. März 1883: "Aschaffenburg, 4. März (1883). Die 'Aschaffenburger Zeitung' schreibt: Wie bekannt, hatte die weit überwiegende Mehrheit der Mitglieder der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde bei der königlichen Kreisregierung den Antrag auf Lostrennung von dem Distriktsrabbinatsbezirke und Bildung eines eigenen Rabbinats gestellt. Dieser Antrag gründete sich auf die gesetzliche Bestimmung des sogenannten Judenediktes, nach welcher Kultusgemeinden mit einer Anzahl von mindestens 50 Familien die Bildung eigener Rabbinatsbezirke gestattet ist, bezweckte also in erster Linie die Unabhängigmachung der hiesigen Israeliten von der der Stimmenzahl nach überwiegenden Landjudenschaft bei der in Aussicht stehenden Wahl eines definitiven Rabbiners. Der Antrag fand die Genehmigung der königlichen Kreisregierung nicht, weshalb die hiesige Kultusgemeinde unterm 2. März beschlossen hat, gegen die Regierungsentschließung Beschwerde zum Kultusministerium zu erheben. (Allgem. Ztg.)."   

    
Distriktrabbiner Simon (Simcha) Bamberger wird zur Hoftafel des Prinzregenten geladen (1888)   

Aschaffenburg AZJ 27091888.jpg (52082 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. September 1888: "Aus Aschaffenburg vom 18. September (1888) wird geschrieben: Bei der Anwesenheit des Prinzregenten von Bayern in hiesiger Stadt waren zur Hoftafel gezogen: Die Vorstände der Gemeindekollegien, die Spitzen der Gerichts- und Verwaltungsbehörden, der katholische Stadtpfarrer Dr. Kiesel, der protestantische Stadtpfarrer Hoffmann, der Distriktsrabbiner Bamberger, die hier anwesenden Offiziere, der Adel der Stadt und Umgebung etc.". 

   
Anerkennung für Rabbiner Bamberger (1893)     

Aschaffenburg Israelit 02111893.jpg (57456 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1893: "Aschaffenburg, 27. Oktober (1893). Herrn Distriktsrabbiner Bamberger dahier, der seine Synagogeneinweihungspredigt an Seine königliche Hoheit den Prinzregenten eingesendet hatte, ist aus der Geheimkanzlei Seiner königlichen Hoheit das nachfolgende huldvolle Antwortschreiben zugegangen: ‚Euer Hochwohlgeboren! Seine königliche Hoheit der Prinz-Regent haben den mit Ihrem Schreiben vom 17. dieses Monats eingesandten Abdruck der von Ihnen zur Einweihung der neuen Aschaffenburger Synagoge am 29. September dieses Jahres gehaltenen Festpredigt huldvollst entgegenzunehmen geruht und lassen für die durch deren Vorlage bekundete Aufmerksamkeit bestens danken. Unter dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebener Freiherr von Zollern, Generalmajor, Generaladjutant."

  
Einladung für Distriktsrabbiner Bamberger beim Empfang des Prinzregenten (1897)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. September 1897: "Gelegentlich der derzeitigen Anwesenheit des Prinzregenten Luitpold in Aschaffenburg erhielt Distriktsrabbiner Bamberger durch das königliche Oberhofmarschallamt die Einladung, 'in Amtstracht' zu erscheinen, und wurde bei dem nach der Hoftafel stattfindenden Cercle vom Prinzregenten mit einer huldvollen Ansprache beehrt."  

    
Zum Tod von Rabbiner Simon / Simcha Bamberger (1897)   

Aschaffenburg Israelit 13121897.jpg (222177 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1897: "Rabbi Simcha Bamberger das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Würzburg, 12. Dezember (1897). Wenn diese Blätter in die Hand der Leser gelangen, werden Viele derselben schon von dem großen Verlust erfahren haben, welcher die Judenheit durch das Hinscheiden des Herrn Distriktsrabbiner Simon Bamberger – das Andenken an den gerechten ist zum Segen – in Aschaffenburg betroffen hat. Wiewohl Rabbi Simon längere Zeit leidend war, war man doch durch diesen Unglücksfall tief erschüttert. Die Krankheit hatte bereits im Herbste begonnen und schon am jüngsten Fastentag hatten die Ärzte das Fasten verboten, trotzdem unterließ Reb Simche es nicht und fungierte sogar zu Neila noch als Schaliach Zibur, ebenso wie derselbe trotz heftigster Schmerzen und schwerer Erkrankung sich nicht abhalten ließ, noch Mizwa Sukka zu erfüllen.    
Auf seinem Krankenlager während der letzten drei Monate beschäftigte er sich anhaltend und unaufhörlich mit Tora und bis zum letzten Augenblicke bewegten sich seine sterbenden Lippen noch mit Worten der Tora.    Simon Bamberger – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – war der älteste Sohn des verewigten Distriktsrabbiners Seligmann Bär Bamberger – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen –. Er war im Jahre 5592 geboren. Im elterlichen Hause nach den Segnungen der Tora und der Gottesfurcht großgezogen, war der Verstorbene stets bestrebt, Tora zu lehren. Neben diesem Torastudium beschäftigte er sich eifrig mit Fachkenntnissen für seinen späteren Beruf. In seinem 22. Lebensjahre erhielt er einen Ruf an die Talmud-Toraschule nach Kolmar, an welcher er zwei Jahre wirkte. Die Gemeinde in Fischach, die von den Kenntnissen und dem Wirken des jungen Gelehrten gehört hatte, berief ihn als ihren Rabbiner, welchem Ruf er auch Folge leistete. Kurz nach Antritt dieser Stelle vermählte sich Bamberger mit einer Tochter des durch wahrhafte Frömmigkeit, seltene Menschenliebe und Aufopferung für die Interessen des unverfälschten Judentums weithin bekannten Jakob Tedesko – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in Paris. Eine würdigere Lebensgefährtin hätte er wahrlich nicht finden können. War sie doch gleich ihm durchdrungen von den Gefühlen echter Frömmigkeit und Gottesfurcht. In diesem Sinne erzog auch das beliebte Ehepaar ihre Kinder, fünf Söhne und vier Töchter. Mehrere der Söhne wirken segensreich seit mehreren Jahren als Rabbiner nach dem im Elternhause herrschenden Sinne. Und auch mehrere Töchter sind an würdige Männer verheiratet. In Fischach wirkte er 24 Jahre. Als im Jahre 1881 durch das Hinscheiden des Rabbiners Adler – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in Aschaffenburg dessen Stelle erledigt, richtete die Gemeinde und der Distrikt ihr Augenmerk auf Bamberger, und sicherlich hätten sie keinen Besseren finden können. Er entschloss sich, die Gemeinde Fischach zu verlassen und die Aschaffenburger Stelle anzunehmen. So wirkte er 16 Jahre bis zu seinem leider allzu frühen Tode. Während er jedoch in Fischach sich ungestört dem Torastudium hingeben konnte, lagen die Verhältnisse in Aschaffenburg so, dass er, der sonst so wahrhaft friedlich und bescheiden, für Tora und Gottesfurcht kämpfen musste. Mit allen Mitteln kämpfte er für die Aufrechterhaltung des unverfälschten Judentums in seinem Wirkungskreis. Er
Aschaffenburg Israelit 13121897a.jpg (387758 Byte)wollte niemals ‚eigene Interessen’ wahren, er verzichtete gern auf Lebensbehaglichkeit, ihn kümmerte nicht Gunst oder Ungunst, die ihm zuteil werden würde, nicht ob sein Vorgehen anerkannt wurde, oder ob ihm materieller Schaden daraus erwachse. Und da er nur die gute Sache im Auge hatte, war es ihm gelungen, den Sieg für unsere Tora davonzutragen. Seine Aufrichtigkeit und seine liebevolle Freundlichkeit waren überall bekannt. Aber wo es galt, eine religiöse Angelegenheit zu verteidigen, da gab es kein Ansehen der Person und keine Rücksicht. Und nur dadurch war es ihm gelungen, viel Unrecht zurückzuhalten und Schlimmes im keime zu erstocken. Wohl wurde er vielfach verkannt. Aber seine erbittertsten Gegner erkannten die Grüße seines Charakters an, und sie bewunderten ihn und seine immense Gelehrsamkeit. Waren irgendwo in der weiten Welt Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf religiöse Fragen entstanden, so wandte man sich an ihn, als den anerkannten meister auf dem Gebiete der Halacha und der Kasuistik und seiner Entscheidung fügte man sich dann stets auf das willigste. Jeder, der das Glück hatte, ihn zu kennen, zollte ihm Achtung und Verehrung.  
Von dieser legte die Beerdigung ein beredtes Zeugnis ab. Wem es seine Zeit nur irgend gestattete, und wer wegen des kurzen Freitag (sc. im Dezember wird es schnell dunkel zu Sabbatbeginn) abkommen konnte, eilte nach Aschaffenburg, um dem Gelehrten noch die letzte Ehre erweisen zu können. Da bemerkten wir unter den Teilnehmern an der Beerdigung die Rabbiner Bamberger – Würzburg, Bamberger – Kissingen, Dr. Bamberger – Burgpreppach, Dr. Breuer – Frankfurt am Main, Dr. Horwitz – Frankfurt am Main, Dr. Marx – Darmstadt, Dr. Stein – Schweinfurt, Herrn Hauptlehrer N. Eschwege – Höchberg, Herrn Hoflieferanten Josef Fromm – Frankfurt am Main, Herrn Maier Stern – Frankfurt am Main, ferner die Herren Hermann Lehmann – Frankfurt am Main, Dr. Roos – Frankfurt am Main, Dr. Isaac Unna, Rabbiner in Mannheim, S. Unna, Lehrer und Kantor in Frankfurt am Main, und Herrn Wechsler – München, ein Schwager von Rabbiner Bamberger – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -,  den Bürgermeister und Abgeordnete der Gemeindebevollmächtigten, Professoren der Forstschule und Lateinschule, Vertreter sämtlicher Distriktsgemeinden, Vertreter seines früheren Wirkungskreises, viele Freunde und Verehrer u.v.a. Selbst die entfernte Gemeinde Fischach ließ es sich nicht nehmen, sich durch ihren Lehrer und Vorstandsmitglied vertreten zu lassen. Sämtliche Läden in den Straßen, durch welche der Leichenkondukt sich bewegte, hatten in verehrungsvoller Pietät gegen den Verstorbenen geschlossen, teilweise schwarz verhängt. In den Straßen selbst bildete die Volksmenge Spalier. Die Reihe der Trauerreden eröffnete der Bruder des Verstorbenen, Herr Distriktsrabbiner Bamberger – Bad Kissingen. In folge des ungeheuren Gedränges konnte der Schreiber dieser Zeilen die Worte des verehrten Herrn Redners nicht verstehen. Am hause, bevor die Leiche aus dem hause getragen wurde, in welchem aus dem Munde des Verstorbenen Tag und Nacht die Worte der Tora gehört wurden, sprach der zweitälteste Sohn, Herr Rabbiner Dr. Bamberger – Schrimm mit tränenerstickter Stimme einige Worte des Abschieds. Nachher setzte sich der imposante Kondukt in Bewegung, den die Religionsschüler eröffneten. Die Leiche wurde nach dem 1 ½ Stunden entfernten Friedhofe verbracht und trotz des weiten Weges blieb niemand zurück. Viele, die keinen Wagen haben konnten, wanderten zu Fuß hinaus. Am offenen Grab sprachen die Herren Rabbiner Dr. Breuer – Frankfurt, Dr. Marx – Darmstadt, Rabbiner Bamberger – Würzburg und Dr. Bamberger – Schildberg, sowie der Abgeordnete der Gemeinde Fischach Herr Lehrer Hirschmann. Zum Schlusse noch ergriff das Mitglied des Vorstandes der Kultusgemeinde Aschaffenburg, Herr Goldschmidt das Wort, um dem Dahingeschiedenen den tief gefühltesten Dank und die aufrichtige Anerkennung namens der Gemeinde auszusprechen. Mit Rücksicht auf die Nähe des Heiligen Schabbat wurden keine weiteren Reden gehalten. Seine literarische Tätigkeit weihte er besonders wertvollen Schriften unserer Geistesgrößen, die trotz ihrer hohen Wichtigkeit für das Talmudstudium noch handschriftlich in den Bibliotheken schlummerten, so gab er unter dem Namen Pikudat HaLewim einen Kommentar des Rabbi Aron Halevy des kongenialen Zeitgenossen das Rabbi Salomo ben Adereth zum Traktat Berachot heraus. Ein besonderes großes Verdienst um die gelehrte Welt erwarb er sich durch die Herausgabe der bis dahin schmerzlich vermissten Erklärung des Rabbenu Chananel zum Traktat Chulin, er nannte diese Edition im Bewusstsein durch diese große Mizwa, seinen Beruf als Lewi zu bewähren Awodat HaLewin, ferner sind noch zu erwähnen  Schaarei Simcha des Aban Gijat, zu welchem sein unvergesslicher Vater Erklärungen und Stellennachweise geliefert hat. Um den Religionsunterricht machte er sich verdient durch sein Schriftchen: Chinuch Le Naariim, eine Zusammenstellung der Dinim für Tefilin, Zizit und Mesusa mit deutscher Übersetzung für die Jugend. So ist nun wieder eine große Lücke gerissen in den Reihen der Kämpfer für Wahrheit, recht und Judentum, weine Lücke die schwerlich wieder ausgefüllt werden kann. Er aber ruhe jetzt aus von seinem großem Kampfe, den er für seine Brüder gekämpft, und uns und unseren Nachkommen möge die Frucht zeitigen, die er uns gepflanzt hat."     
  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Dezember 1897: "In Aschaffenburg ist Distriktsrabbiner Simon Bamberger, ein durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgezeichneter Mann, nach längeren Leiden gestorben."      
Distriktrabbiner 
Simon Bamberger (1832-1898) 
(Quelle der Fotos: The Bamberger
 Family
. Jerusalem 1979
 im Fotoanhang)
Aschaffenburg Bamberger Simon 050.jpg (51233 Byte) Aschaffenburg Bamberger Adel 050.jpg (54451 Byte) Adelaide Bamberger 
geb. Tedesco (1834-1901), 
Frau von Rabbiner 
Simon Bamberger

       
Zum Tod von Rabbiner Simon / Simcha Bamberger (1897) - Nachtrag  

Aschaffenburg Israelit 20121897.jpg (50666 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1897: "Aschaffenburg. In Berichtigung des von uns heute vor acht Tagen veröffentlichten Nachrufs auf Rabbi Simcha Bamberger wird Folgendes mitgeteilt. Der Rabbiner (Gaon)das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – fühlte nicht den Höhegrad der Erkrankung, konsultierte darum die Ärzte nicht darüber, ob er fasten dürfe oder nicht, freiwillig, ohne gefragt zu sein, erließen jene kein Verbot. Sobald ferner einer der Ärzte das Verbleiben in der Sukka untersagte, und das geschah erst am zweiten Halbfeiertage, unterblieb es; der Rabbiner – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – musste von da an überhaupt das Bett hüten." 

   
Danksagung nach dem Tod von Rabbiner Simon Bamberger (1897) 

Aschaffenburg Israelit 23121897.jpg (73284 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1897: "Danksagung. Anlässlich des herben Verlustes, der uns durch das Ableben unseres teuren Familienoberhauptes, des Herr Distrikt-Rabbiners Simon Bamberger das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, betroffen, erhielten wir von nah und fern so viele Beweise innigster und aufrichtigster Teilnahme, dass es uns zu unserem Bedauern nicht möglich ist, unseren Dank einzeln auszusprechen, und geschieht dies hiermit allseits. Dank insbesondere den verehrlichen Herrn Kultusvorständen der Gemeinde Aschaffenburg und der Distriktsgemeinden. Möge Gott die vielen edlen Freunde segnen, und alles Unheil von ihnen fern halten! Aschaffenburg, 17. Dezember 1897. Frau Rabbiner Adilaide Bamberger geb. Tedesco mit Familie".  

  
Wahl von Dr. Gustav Wachenheimer zum Distriktsrabbiner (1898)   

Aschaffenburg AZJ 09091898.jpg (16745 Byte) Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September 1898: "In Aschaffenburg wurde Dr. Gustav Wachenheimer zum Distriktsrabbiner gewählt."  
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Aschaffenburg, 31. August (1898). Der auch den Lesern ihrer Zeitschrift durch seine trefflichen Artikel vorteilhaft bekannte Herr Dr. Gustav Wachenheimer ist heute zum Rabbiner des hiesigen Distrikts gewählt worden. Herr Dr. Wachenheimer, ein Kind unseres engeren Vaterlandes, erhielt seine Ausbildung am israelitischen Institut zu Pfungstadt (Herr Dr. Barnaß) sowie an der Talmudschule des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz zu Frankfurt am Main."     
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1898: "Aschaffenburg. Betreffs der Erwählung des Herrn Dr. Gustav Wachenheimer zum Distriktsrabbiner in Aschaffenburg sei noch nachgetragen, dass der Gewählte seine Studien an der Universität und am Hildesheimer'schen Rabbinerseminar zu Berlin zu Ende geführt hat (vgl. Nr. 69 dieses Blattes)."  

     
Zum Tod von Adelaide Bamberger, der Witwe von Rabbiner Dr. Simon Bamberger (1901)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1901: "Aschaffenburg, 4. Juni (1901). Frau Rabbiner Dr. Bamberger, Witwe von Rabbi Simchah Bamberger, ist vor einigen Tagen verschieden. Eine Esches chajil (wackere Frau) in des Wortes edelster Bedeutung, verstand sie es, im Verein mit ihrem großen Gatten, ihre Kinder zu tüchtigen, gesinnungstreuen Jehudim heranzubilden."       
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1901: "Aschaffenburg, 16, Juni (1901). In einer vorhergehenden Nummer Ihres geschätzten Blattes haben Sie bereits berichtet, dass die Gattin unseres unvergesslichen großen Raws - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - leider vor Kurzem uns entrissen wurde.  
Frau Distrikt-Rabbiner Adelaide Bamberger ist nach zweitägigem Krankenlager vom 12. Siwan (= Donnerstag, 30. Mai 1901) verschieden, wenige Tage vor dem 17. Siwan, an dem sie vor 44 Jahren mit ihrem Gatten den Bund fürs Leben schloss. Ihr Vater war der weithin bekannte, durch wahrhafte Gottesfurcht auszeichnete R. Jakob Tedesco in Paris, in dessen Haus Tora und Ehre in herrlichster Weise vereint waren. Begeistert für Tora und Jirah (Gottesfurcht), vertauschte sie gerne die elegante Großstadt mit einem kleinen Dörfchen, um mit dem Manne ihrer Wahl vereint zu werden, der damals, obschon noch ein junger Mann, schon als Gelehrter bekannt und geschätzt war. So lebte sie 25 Jahre lang in Fischach glücklich und zufrieden, da sie ihr höchstes Glück darin sah, für ihres Gatten Wohl zu sorgen, mit ihm zu arbeiten an der Erziehung ihrer Kinder zu wahrhaften Jehudim, sie zu begeistern für Tora und Gottesfurcht. Stets sorgte sie dafür, dass ihr Gatte sich ungestört dem 'Lernen' hingeben konnte, stets suchte sie, soweit wie möglich, jede Aufregung von ihm fern zu halten und leicht ertrug er Aufregung und Verdruss, die sein allgemeines und segensreiches Wirken mit sich brachten, durch das Glück, das er in seiner Familie genoss, das er in erster Linie seiner frommen Gattin verdankte, die als eine wahrhafte Gehilfin ihm zur Seite stand. Und mit dem Tage, da ihr großer Gatte von seiner irdischen Laufbahn abberufen wurde, war ihr Leben zerstört, sehnte sie sich nach der Wiedervereinigung mit ihrem Gatten. Gleich ihm verschied sie an einem Donnerstag und ging als Vortag zum Heiligen Schabbat (= Freitag) zur ewigen Ruhe ein.   
Am Grabe gab der älteste Sohn, Herr Rabbiner Dr. Bamberger aus Schrimm, seinem und seiner Geschwister Schmerz Ausdruck und schilderte den herben Verlust, den die Familie und ganz Israel durch den Heimgang einer solchen wackeren Frau erlitten.   
Am Montag während der sieben Tage widmete im Trauerhause Herr Rabbiner Dr. M.L. Bamberger aus Schildberg seiner Mutter einen tief empfundenen Nachruf. Die allgemeine Beliebtheit der Heimgegangenen zeigte sich an der großen Beteiligung bei der Beerdigung sowie an der Trauer, welche die Kunde von dem Hintritt dieser frommen Frau - sie ruhe in Frieden - allgemein hervorrief. 
Möge ihr Verdienst und der ihres großen Gatten seligen Andenkens ihrer Familie beistehen und für diese wie für ganz Israel sie eine rechte Fürsprecherin sein und Gott die Zeit beschleunigen, die uns den gerechten Erlöser bringen wird."       

  
Verlobungsanzeige von Franziska Epstein und Distriktsrabbiner Dr. Gustav Wachenheimer (1902)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1902: 
"Franziska Epstein - Dr. Gustav Wachenheimer
Distriktsrabbiner. Verlobte. 
Frankfurt am Main Uhlandstraße 39 - Aschaffenburg
Oktober 1902."    

  
Rabbiner Dr. Raphael Breuer wird zum Rabbinatsverweser gewählt (1909) 

Aschaffenburg Israelit 29071909.jpg (48945 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1909: "Aschaffenburg, 28. Juli (1909). Vor kurzem wurde Herr Dr. Raphael Breuer in Frankfurt am Main auf Beschluss der Gemeindeverwaltungen des Distriktsrabbinats Aschaffenburg zum Rabbinatsverweser gewählt. Auf Veranlassung der Königlichen Regierung fand am 28. Juli unter Leitung des zum Königlichen Kommissar ernannten Herrn A. Hamburger - Aschaffenburg eine Wahl seitens sämtlicher Gemeinden des Distrikts statt, welche die einstimmige Erwählung des Herrn Dr. Breuer ergab."

  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Rafael Breuer (1932) 

Aschaffenburg Israelit 14011932a.jpg (124411 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1932: "Distriktsrabbiner Dr. Rafael Breuer – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Es ist ganz unfassbar, die Feder sträubt sich, es niederzuschreiben. Dr. Rafael Breuer, über dessen Vortrag in Frankfurt wir in der jüngsten Nummer eingehend berichteten, ist heute, eine Woche später, selbst Gegenstand eines Artikels der Trauer und des Gedenkens. Es war dieser Vortrag das letzte Geschenk aus seinem sprudelnden Geiste, aus seinem Perlen jüdischer Weisheit in vollendetster Form und schönster Fassung ausströmenden Munde. Ein kleines Unwohlsein überfiel ihn am Freitag. Am Sabbat segnete er noch seinen einzigen Sohn und um ein Uhr Mittag stand das große, warme Herz stille, am Sabbat Waera, an dem Sabbat, den Raschi in seiner Erklärung zur Sidra (sc. Wochenabschnitt) mit den Worten zeichnet (hebräisch und deutsch): ‚Wehe um die, die da gehen und nicht mehr zu ersetzen sind’. Er hatte gewiss nicht unverdient das seltene Verdienst, der jüdischen Welt sechs Söhne zu schenken, die Kämpfer in der Hand des Mächtigen, und doch selbst Persönlichkeiten von Eigenart sind.’ So zu lesen im Leitartikel vom 22. Juli 1926, der dem Andenken des Frankfurter Raw, Dr. Salomon Breuer – das Andenken an den Gerechten ist zu Segen – gewidmet ist. Beides trifft in höchstem Maße auf den heimgegangenen Aschaffenburger Raw zu. Eine Kampfnatur! Darin lagen seine Größe und auch ein Teil seines Schicksals, aber er war es gewiss nicht aus Liebe zum Kampfe. Ein mutiger, mit allen Waffen und strategischen Mitteln des Geistes ausgerüsteter Kämpfer auf eigener Position, war er doch in der Hand des Mächtigen, fühlte es sich doch selbst nur als Instrument des Kampfes, geführt und geleitet von den Hän-
Aschaffenburg Israelit 14011932b.jpg (522765 Byte)den größerer früherer Meister, ein Schlüsselbewahrer alter Traditionen, die in der ihm allein heilig und rein erscheinenden Art zu erhalten, er sein ganzes Leben, seine ganze machtvolle Persönlichkeit, sein ganzes über das Gewöhnlich hinausragende Können einsetzte. ‚Eine starke Persönlichkeit von stark ausgeprägter Eigenart.’    
Äußerer Rahmen und Werdegang dieses Mannes sind mit einigen Strichen gezeichnet. Fast zu kurz und gerade, zu wenig verschlungen für die Kraft und die Vielfalt des Lebens und Wirkens, die sich daraus ergaben. Als ältester Sohn von Rabbiner Dr. Salomon Breuer – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – erblickte er im Jahre 1881 in Papa in Ungarn das Licht der Welt. Um seine Wiege rauschten die Klänge der Tora. Die ersten Kindheitsjahre gehörten dem Toralernen ganz und gar. Sie die Toralehre Ksaw Sofer’schen Geistes, zu deren vornehmsten Interpreten Salomon Breuer schon damals in Ungarn gehörte, war seine erste Liebe. Im Alter von neun Jahren kam er mit der Berufung Salomon Breuers an die Stelle seines Schwiegervaters, nach Frankfurt und trat in die Schule seines Großvaters ein, die ihm die Grundlage für die Synthese von Tora und respektvollem Umgang im höheren Sinne gab. Durch ungewöhnliche Begabung und geistige Regsamkeit ausgezeichnet, war er schon in den Knabenjahren der Stolz und die Hoffnung seiner Lehrer und seines großen Vaters. Von der Schule kam er auf die Jeschiwa, um sich viele Jahre wieder ausschließlich der ‚alten Liebe’ zuzuwenden. ‚Ich sprach, ich will zurückkehren zu den Feuern des Anfangs’. Von dort wieder auf Gymnasium und Hochschule. Und so vollendete in harmonischer Wechselwirkung von Tora und Weisheit, von Weisheit und Tora der Mensch, der Charakter, der Gelehrte, der Rabbiner, der Schriftsteller, der Redner, in jeder dieser Beziehungen gleich groß, kritisch oft in den ersten Anfängen von der Welt aufgenommen, aber im Grund stets und ungeteilt geachtet und grenzenlos bewundert ob des Feuergeistes, der aus diesem innerlich reichen und künstlerisch begnadeten Menschen glühte und weiter zündete. Es war mehr als die bloße Verkörperung von Tora- und Weltwissen, was wir in ihm bewunderten, es war mehr die Verkörperung und innige Verschlungenheit zweier Methoden, die bis dahin sich ergänzend, aufeinander folgten: das Hirsch’sche ‚Torajudentum in der Welt’ und das Salomon Breuer’sche ‚Weltjudentum in der Stätte der Tora’ fanden sich bei und in ihm zu einem herrlichen Zusammenspiel.    
Dieser Synthese diente eine ausgedehnte literarische und publizistische Tätigkeit von über drei Jahrzehnten. Schon in ganz jungen Jahren lenkte er durch Veröffentlichungen im ‚Israelit’ die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt auf sich. Man hatte gleich das Gefühl: hier rüstete ein origineller Geist zu kühnem Aufflug. In seinen unzähligen weiteren, alle Probleme des jüdischen Lebens berührenden und behandelnden Aufsätzen in der ihm nahe stehenden Presse fand er mit den eigenen, oft kühnen Gedankengängen und den scharf zugespitzten Formulierungen – er verschmähte bei der Auseinandersetzung mit dem Gegner auch die Waffe der Ironie nicht – nicht immer ungeteilte Zustimmung, stets aber aller Interesse und Beachtung. Es sprach ein Mann von eigener Prägung in eigener bestrickender Form zu uns. Man konnte seine Worte anerkennen oder ablehnen, sich auch innerlich dagegen auflehnen, aber man konnte nie achtlos an ihnen vorübergehen. Mitarbeiter des ‚Israelit’ blieb er bis zuletzt. Er beschloss diese Mitarbeiterschaft erst vor einigen Monaten mit einer Arbeit über die Reorganisation der Orthodoxie, wie sie ihm geboten schien (das Alzenauer Referat).     
Von seinen Werken, die seines Geistes Erbe einen Teil in der Eigenart seiner Prägungskunst der Nachwelt erhalten, nennen wir: ‚Die fünf Megilloth, übersetzt und erläutert’, die Kommentare zu Jehauschua (Josua) und Schauftim (Richter) ‚Unter seinem Banner, Beitrag zur Würdigung Rabbiner S.R. Hirschs’, ‚Gedankenwelt der Halacha’, ‚Von Mendelssohn bis Herzl’ (früher als Artikelserie im ‚Israelit’ erschienen).   
Ausgestattet mit Rabbinatsdiplomen von seinem Vater, dem Wiener Raw und ungarischer Gedaulim (sc. ‚Großer’), nahm er 1909 die Distriktsrabbinerstelle in Aschaffenburg an. Was er dort war und wirkte, zeigte die Stimmung der Gemeinde, ja das ganze Bild der Stadt Aschaffenburg am letzten Montag, am Tage, da wir diesen Menschen zu Grabe trugen.   
Es war ein etwas steiniger Boden, auf dem Rabbiner Dr. Rafael Breuer seine rabbinische Wirksamkeit zu entfalten hatte. Vielleicht war die überragende Kraft seiner Persönlichkeit einer rabbinischen Kleinarbeit, wie sie eine bayrische Mittelgemeinde erfordert, von Haus aus nicht gerade dienlich. Aber man weiß heute, was er gerade Kraft seiner bezaubernden Persönlichkeit und im persönlichen Verkehr ausstrahlenden warmen Menschlichkeit alles, entgegen gewissen Strömungen, in 24 Jahren in dieser Gemeinde verhütet hat. Dass das Frauenwahlrecht, das von einer Seite mit größter Intensität betrieben wird, in Aschaffenburg doch nicht Gemeindestatut wurde, war sein persönliches Verdienst, nicht im Kampfe errungen, sondern als Tribut der menschlichen Verehrung der Gemeinde abgerungen. Dass ein Stück des Friedhofes von Urnen und Blumenschmuck frei und verschont bleibt, war wiederum ein Wunsch, den die Gemeinde ihrem Rabbi nicht versagen konnte. Er selbst wird jetzt im frischen, frühen Ehrengrabe über die Reinhaltung dieses heiligen Teiles wachen. Leute aus radikal gesinnten Kreisen, die glaubten, alle Bindungen ans Judentum gelöst zu haben, eilten in die Synagoge, wenn Predigt angesagt wurde oder ein Lehrvortrag stattfand, suchten ihren Rabbi auch in der Wohnung auf, um sich über Dinge des Glaubens und Denkens belehren zu lassen schickten gern ihre Kinder in seinen Unterricht, in den Unterricht des ‚Stockorthodoxen’, der kein Abweichen und keine Konzession kannte, damit er sie mit festen Füßen auf jüdischen Boden stelle und aus den geistigen und religiösen Nöten der Eltern in das helle Licht des jüdischen Wissens führe. Der nichtjüdische Küster der Synagoge erzählt uns treuherzig, wenn es Predigt in der Synagoge gab, war es für ihn in der hintersten Bank ein hohes Fest. Ein christlicher Metzger, der uns in den Weg kommt, berichtet uns, er sei regelmäßig bei allen jüdischen Beerdigungen auf dem Friedhof dabei gewesen, um die Rede des Herrn Rabbiner zu hören. Viele andere aus der Bürgerschaft taten es ebenfalls. Bei Einweihung eines Kriegerdenkmals auf der er vor einigen Jahren als dritter nach den zwei Geistlichen der anderen Konfessionen sprach, hatte er mit einer meisterhaften Rede über die Pflichten und Rechte des Menschen, Juden und Bürgers, über das Wesen der wahren Toleranz, über das Licht des Glaubens und der Liebe in der öden Finsternis der Zeit, einen Eindruck hinterlassen, unter dem heute noch die öffentliche Meinung von Aschaffenburg und Umgebung steht. In dem völkisch stark durchsetzten Bayern von heute wirkend, erfasste er seine Pflicht, mit der ihm von Gott verliehenen Macht des Wissens und Wortes – geschriebenen und gesprochenen – auch nach außen zu kämpfen. Im Rahmen der C.V. (Central-Verein-)Bestrebungen und auch weit darüber hinaus wirkte er aufklärend, belehrend und – bekehrend. Wenn wir alle am Bestattungstage in Aschaffenburg doch das Gefühl hatten, hier sei die politische Luft reiner und gesünder als anderswo im Bayernlande und im Reiche, so schauten wir mit Dank zur voranziehenden Bahre hin. Es war dies mit ein Verdienst dieses Mannes an der Spitze der jüdischen Gemeinde und im Zentrum des Kulturlebens der Stadt.    
Ja, mitten im Kulturzentrum der Stadt wirkte dieser Mann an der Seite der berufenen Führer. Das war klar herauszuhören aus den tief empfundenen Worten des Oberbürgermeisters und des Gymnasialdirektors in der Synagoge. Das ist herauszulesen aus den seitenlangen Nachrufen, wahren Ausbrüchen des Schmerzes und der Trauer, in der ‚Aschaffenburger Zeitung’ und der anderen lokalen Presse. In einer Dorfgemeinde des Bezirkes, so wird uns berichtet, hat ein katholischer Pfarrer erst am vorletzten Sonntag in der Kirche von der Kanzel herab eine Erklärung des Aschaffenburger Raw gegen die Talmudverleumdungen der nationalsozialistischen Presse verlesen und hinzugefügt, die Katholiken sollten für die Gesundheit dieses jüdischen Rabbiners beten, der zur Aufklärung und Aufrichtung der Geister in solch lichtvoller Weise wirke.
Eine Kraft- und Kampfnatur war Rafael Breuer, und als Symbol eines scharf umrissenen Standpunktes oft Objekt wogenden Kampfes. Wer aber Gelegenheit hatte, gerade in den letzten Jahren ihm persönlich näher zu treten und tiefer in sein Wesen zu schauen, staunte, hinter dieser Kraftnatur, die auf Kanzel und Katheder, in Wort und Feder, eitel Feuer und Flamme schien, ein weiches, fast kindliches Gemüt zu finden. Nie kam Klage oder Anklage über seine Lippen. Im Tiefsten war wohl auch er davon durchdrungen, dass hinter den Dingen, die sich gegen ihn entwickelten, eine höhere Macht stand, wie er selbst sich von einer höheren Vorsehung berufen glaubte, Hüter der von großen Vätern übernommenen Traditionen zu sein.
Nun ist dieser geniale Mensch und Führer, von dem man noch so vieles erwarten durfte, auf dem Zenit seines Lebens und auf der Höhe seines Wirkens stehend, früh abberufen worden, um in der künftigen Welt, wo er in die Reihe von S.R. Hirsch und Salomon Breuer – das Andenken an die Gerechten ist zum Segen -, als deren Siegelbewahrer einzieht, dem Glanz des Schechina teilhaftig zu werden. Möge sein Andenken uns Kraft in schwerer Zeit verleihen und sichern für die schwierigen Aufgaben, die unserer Gemeinde und Gemeinschaft harren. Sein Verdienst komme über uns. –tz."

Die Bestattungsfeierlichkeiten. Am Montag war dem ganzen Stadtbilde in Aschaffenburg das Trauerzeichen des entsetzlichen Ereignisses aufgedrückt. Auf allen Wegen rollten seit der frühen Morgenstunde die Autobusse, Privatautos und Wagen in die Stadt. Jeder Zug brachte neue Trauergäste aus Frankfurt, den bayrischen Gemeinden und auch aus entfernten Teilen des Reiches. Man sah viele bekannte Rabbiner. Gegen zwei Uhr war die hell beleuchtete Synagoge mitsamt der Galerien voll gefüllt. In den vorderen Reihen saßen vor der aufgestellten Bahre neben den Familienmitgliedern die Ehrengäste, auch Vertreter der Staats- und Stadtbehörden und der Geistlichkeit. Die Feier begann mit dem Absingen des ‚Der Mensch ist wie Gras…’ durch Herrn Kantor Seif, worauf Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt das Wort zur offiziellen Gedenkrede ergriff. Anknüpfend an die in seinem letzten Vortrag vom Heimgegangenen ausgegebenen Parole: ‚Mensch, Jude und Staatsbürger’, schilderte er unter Zuhilfenahme vieler Schrifttexte und Talmudsprüche den scheidenden Führer und Amtsbruder in seiner dreifachen Bedeutung und als Wegweiser zum reinen Men-
Aschaffenburg Israelit 14011932c.jpg (153556 Byte)schentum, wahren Judentum und Staatsbürgertum. Er überbrachte letzten Gruß vom ‚Verbande der bayrischen israelitischen Gemeinden’, des ‚Vereins für rituelle Verpflegung der Kranken in Lohr’ und einer großen Reihe anderer Wohlfahrtsinstitutionen in Bayern.   
Es folgten offizielle Nachrufe von Diplomingenieur Freund, der als erster Vorsteher den Dank der Gemeinde und des Rabbinatsbezirkes Aschaffenburg übermittelte und u.a. auch die Leistungen des Heimgegangenen im Centralverein, der durch seinen Syndikus, Herrn Dr. Marx, vertreten war, würdigte. Oberbürgermeister, Geheimrat Dr. Matt, sprach dem hervorragenden Bürger und Kulturführer, in dessen Reden er ‚immer etwas vom Pathos der jüdischen Propheten’ wahrnahm, Worte der Verehrung und des Dankes nach. Oberstudiendirektor Dr. Müller dankte für den Lehrkörper der höheren Schulen, der die Mitarbeit des Rabbiners sehr vermissen werde.   
Es trat dann Herr Dr. Isak Breuer aufs Podium, um im Namen der Familie dem ältesten Bruder letzten Gruß und Dank auszusprechen. Ausgehend von dem Psalmsatz 'Schön bist du vor Menschenkindern...' (Psalm 45,3) und in eigener Ausdeutung desselben, zeichnete er die einzelnen Wesenszüge Rafael Breuers, die sich zu solchem machtvollen Gesamtbilde fügten. Seine bewegten Worte und die Schilderung dessen, was Rafael Breuer nach dem Tode der Eltern den Brüdern war, lösten tiefe Ergriffenheit aus und waren zum Teil von lautem Schluchzen der Trauergemeinde begleitet.   
Ebenso tiefen Eindruck machte eine Rede des Herrn Hauptlehrer Schloss, der seinen Meister und Lehrer feierte und ihm dankte.   
Es kam nach der Ansprache eines Aschaffenburger Schülers die Frankfurter Jeschiwa durch ihren Dozenten, Dr. Elieser Posen, zu Wort, der zugleich auch die Abschiedsgrüße seines durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten Vaters überbrachte. Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Hirschfeld, Gießen, vermittelte in gedankenreicher Rede die Grüße des Orthodoxen Rabbinerverbandes und des Bundes jüdischer Akademiker. Herr Dr. Salomon Ehrmann, Frankfurt am Main, sprach in bewegten Worten als Freund über den scheidenden Freund. Mit dem Gesange des ‚Was ist der Mensch…’ schloss die Feier in der Synagoge.   
Nunmehr bewegte sich der gewaltige Zug durch die abgesperrten, von vielfachem Spalier flankierten Straßen der Stadt bis zum Friedhofe, wo noch die Herren Rabbiner Dr. Munk, Ansbach, Dr. Pinchas Kohn, Wien und Dr. Herrmann Klein, Berlin, kurze herzliche Ansprachen hielten. Ein Tag senkte sich in Trauer, Schmerz und Feierstimmung. Möge aus derselben Heil für Frau und Kind und die verwaiste Gemeinde erblühen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
    
Aschaffenburg Israelit 14011932d.jpg (135641 Byte)Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1932. "Nachruf. Wir haben die schmerzliche Pflicht, von dem plötzlichen Heimgang des geistigen Führers unserer Gemeinde und des Distriktrabbinats Aschaffenburg seiner Ehrwürden Herrn Bezirksrabbiner Dr. Raphael Breuer - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – Kenntnis zu gebe. Fast ein Vierteljahrhundert hat der Heimgegangene seines Amtes mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue gewaltet. Seine große Persönlichkeit, die das überlieferte Judentum in seltener Weise in die Gegenwart einzuführen verstand, seine wunderbare Beredsamkeit, die stets mächtige Erschütterung auslöste, sein gütiges Herz, das in Freud und Leid allen stets nahe war, sichern ihm für die Dauer unsere Dankbarkeit und unser treues Gedenken.  Die Israelitische Kultusverwaltung Aschaffenburg.
    
In tiefster Bestürzung erfüllen wir die überaus traurige Pflicht, von dem plötzlichen, unerwarteten Ableben des Mitbegründers und I. Vorsitzenden unseres Vereins des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Raphael Breuer seligen Andenkens Kenntnis zu geben. Herr Dr. Breuer hat den so notwendigen, eine fühlbare Lücke im Leben des bayerischen Judentums, ausfüllenden Verein als wackerer Steuermann mit Umsicht und beispielgebender Hingabe geleitet. Der Verein wird seinen hoch verdienten Vorsitzenden nie vergessen. In den Herzen aller, die dem Vereine nahe stehen, hat er sich eine tief wurzelnde Dankbarkeit und ein immerwährendes Andenken begründet. ‚Zu ewigem Andenken wird der Gerechte sein’. 
Aschaffenburg, den 10. Januar 1932. Fürsorgeverein für israelitische Nerven- und Geisteskranke. 
Bezirksrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, stellvertretender Vorsitzender."   

  
Publikation von Rabbiner Dr. Raphael Breuer s.A. über "Das Buch Esra" (1933)   

Aschaffenburg Israelit 02021933.jpg (179011 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1933: "Das Buch Esra. Übersetzt und erläutert von Dr. Raphael Breuer seligen Andenkens, Rabbiner in Aschaffenburg. Frankfurt am Main (Kaufmann) 1933 8o, 65. 
Nachklingende Töne einer früh verstummten Hafte erreichen uns am Jahrestage des Hinscheidens dessen, der sie gesprochen. Exilswehmut und Zionssehnsucht wie die derer, welche ihr Leid an den Strömen Babels schweigen ließen, erlangen in vorliegender Schrift ihre im jüdischen Sinne wahrste Vereinigung. Raphael Breuer zeigt uns noch einmal, zeigt uns jetzt erst, wie viel Großes noch von ihm zu erwarten war und zu wie viel Großem uns sein Geist noch anregen kann. Die Zeit des Aufbaues des 2. Tempels war versunken; die Begeisterung der ersten Ansiedler hatte nachgelassen; der Zug Esras und seiner Tausende nach Palästina und Esras nur wenige Jahre umspannender Aufenthalt im heiligen Lande finden schon schwere Missstände abzustellen, finden und erfüllen die Aufgabe, die Tora von Neuem heimisch in Israel zu machen. Die Einzelheiten des historischen Hintergrundes jener Zeit schildert Breuer nahezu ausschließlich auf Grund der talmudischen Quellen. Bei aller Sorgfalt im Einzelnen ist aber vor allem die große Persönlichkeit des Esra, sein wahres Führertum mit liebevoller und seelenkundiger Lebenswahrheit geschildert. Die Größe der geschilderten Persönlichkeit spiegelt untrüglich die des Schildernden. Schwierige historische Fragen bespricht Breuer mit aller Offenheit, auch da, wo sie Probleme bleiben. Die Ausschließlichkeit seiner talmudischen Quelle veranlasst Breuer dazu, die Meinung des Josephus, dass Nehemia lange nach Esra und nach Jerusalem kam, völlig zu verwerfen, obwohl man, wie Marcus in Barsilai S. 321/2 nachgewiesen hat, diese Ansicht sogar zur Rechtfertigung der Massora zu Nehemia Kap. 12,11 und 21 verwenden kann. - Wenn wir mit einem Wunsche an die Herausgeber für den Teil II (Nehemia) schließen dürfen, so sei es der, alsdann das Gesamtwerk durch eine ausführliche chronologische, sprachhistorische und die halachische Situation der Zeit Esras schildernde, längere Einleitung für ein größeres Publikum zugänglicher zu machen und auch die Akzentuation wieder wie früher mit in den Text zu setzen, da die Übersetzung ihr überall sichtlich folgte. - Auch dieses Buch legen wir, wie die posthum erschienenen Schriften des Frankfurter Raw seligen Andenkens mit dem tröstlichen Gedanken aus der Hand, dass wir hier aus einem Born gespeist werden, der noch in Generationen nciht versiegen wird und aus dem zu schöpfen unsere Aufgabe ist. B.C."    

   
Einführung von Rabbiner Dr. Fritz Bloch (1932)  

Aschaffenburg Israelit 08091932.jpg (184074 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1932: "Einführung des neuen Rabbiners. Aschaffenburg, 30. August (1932). Am vergangenen Sonntag wurde der zum Nachfolger für Rabbiner Dr. Raphael Breuer seligen Andenkens gewählte Rabbiner Dr. Fritz Bloch in sein Amt eingeführt. Nachdem der neue Rabbiner von Mitgliedern des Vorstandes an seinen Platz geleitet worden war, trug Kantor Seif ‚Boruch habo’ vor. Hierauf begrüßte für den Vorstand Dipl.-Ing. Emanuel Freund die Gemeinde, die Ehrengäste und den Herrn Rabbiner selbst. Er dankte hierauf Rabbiner Dr. Gradenwitz, Hanau, für die von ihm als Vertreter des Bezirksrabbinats entfaltete Tätigkeit und ebenso Hauptlehrer Schloss für die von ihm während der Vakanz versehenen Funktionen. Darauf entboten die Herren Rabbiner Dr. Gradenwitz und Dr. Hanover, Würzburg als Vertreter der Nachbarrabbinate und der bayerischen Rabbinerkonferenz dem jungen Kollegen Grüße und Glückwünsche. Nunmehr ergriff der neue Bezirksrabbiner Dr. Bloch das Wort und umriss die charakteristischen Eigenschaften des jüdischen Führers und die Grundlinien seines Wirkens. 
Namens des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden und zugleich als Vorstand der Münchener Heimatgemeinde des neuen Rabbiners überbrachte Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, München die herzlichsten Wünsche. Als Vertreter der Stadt Aschaffenburg widmete ihm Bürgermeister Gräf warme Worte der Begrüßung. Er sagte u.a.: Wie die Stadt tief erschüttert an der Bahre des verstorbenen Rabbiners Dr. Breuer gestanden, so teile sie auch die Freude darüber, dass es der jüdischen Gemeinde gelungen sei, einen würdigen Nachfolger für das in unserer Zeit so verantwortungsvolle Amt des Rabbiners gefunden zu haben. Die Stadt halte sich zur Teilnahme an den Vorgängen in ihrer jüdischen Gemeinde berechtigt, wie sie auch von jeher Wert darauf gelegt habe, mit der sonst so vielfach angefeindeten jüdischen Gemeinschaft Frieden zu halten. Die loyale Haltung der Stadtverwaltung stehe auch heute noch im Einklang mit der Überzeugung weiter Bevölkerungskreise der Stadt. Das sei der taktisch klugen Führung Dr. Breuers zu danken, der die jüdischen Interessen wirksam zu vertreten wusste und es verstanden habe, das Judentum auch Nichtjuden nahe zu bringen. Im Sinne dieses Mannes zu wirken, lud Bürgermeister Gräf den neuen Rabbiner zu harmonischer Zusammenarbeit mit den städtischen Körperschaften ein. Die Stadt bringt dem neuen Rabbiner das Vertrauen entgegen, die sie seinem Vorgänger vorbehaltlos entgegengebracht habe. Treue um Treue, Vertrauen um Vertrauen! 
Mit dem Gesang ‚Schir hamaalaus’ schloss die würdige Feier."

     
2. Jahrzeitstag für Rabbiner Dr. Raphael Breuer (1934)       

Aschaffenburg Israelit 25011934.jpg (108809 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Januar 1934: "Aschaffenburg, 20. Januar (1934). Am 16. Januar sprach in der gutbesuchten Synagoge anlässlich des 2. Jahrzeittages für Bezirksrabbiner Dr. Raphael Breuer - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, auf Einladung der Kultusverwaltung der langjährige Freund und Weggefährte des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Ansbach über das Thema 'Ein Gang durch die jüdische Geschichte.' Der Redner beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Verhältnis zwischen Judentum und Umwelt in der Geschichte. Er wies auf, dass dieses Verhältnis stets durch zwei entgegengesetzte Pole bestimmt war; entweder die Welt warb um das Judentum, oder sie wies es zurück. Ein Drittes, ein gleichgültiges Verhalten habe es nie gegeben. Durch Beispiele, schon aus der ältesten jüdischen Historie belegte Rabbiner Dr. Kohn seine Auffassung, wie auch die Behauptung, dass das Judentum sich nicht in den Zeiten, in denen die Welt lockte, sondern im Gegenteil gerade dann, wenn sie es zurückstieß, wahrhaft stark und gefestigt erwiesen habe. Diese Tatsache ließ den Redner zum Schluss auch gläubig die Wahrheit der Worte: 'Lasst uns Optimisten sein' anerkennen, mit denen Rabbiner Dr. Breuer eine seiner letzten Predigten geschlossen hatte und an die Dr. Pinchas Kohn bereits zu Beginn seiner Darlegungen angeknüpft hatte. Dankbar für die trefflichen, klar aufgebauten Ausführungen verließen die Zuhörer das Gotteshaus. Bezirksrabbiner Dr. Bloch hatte den Abend mit Erinnerungsworten für seinen Amtsvorgänger eingeleitet, Kantor Seif ihn mit einem El mole rachamim beschlossen."      

   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Kultbeamten    
Ausschreibungen der Stelle(n) des Religionslehrers / Vorsängers/Kantors / Schochet 1877 / 1878 / 1886 / 1892 /  1901 / 1925 / 1929    

Aschaffenburg Israelit 07031877.jpg (63790 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1877: "Vakanz. Die Stelle eines Vorsängers und Schächters in hiesiger Gemeinde, welche (außer freier Wohnung) mit einem Jahreseinkommen von ca. Mark 2.000 verbunden ist, soll besetzt werden. Reflektanten, welche bezüglich ihrer Befähigung zu beiden Funktionen, wie auch ihrer Religiosität und Moralität gute Zeugnisse besitzen, wollen, unter Vorlage letzterer, ihre Gesuche bald gefälligst an die unterzeichnete Verwaltung richten. 
Den Nachweis seiner Qualifikation als Schächter hat der Anzustellende durch eine vor dem mitunterfertigten Distriktsrabbiner abzulegende Prüfung zu liefern. 
Aschaffenburg, 8. Februar 1877. Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde. Adler, Distriktrabbiner. D.H. Hamburger. Emil Neuburger."
   
Aschaffenburg Israelit 01051878.jpg (120264 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1878: "Vakanzen. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Vorsängers und Schächters, welche (außer freier Wohnung) mit einem Jahreseinkommen von circa 2.000 Mark verbunden ist, sowie jene eines Religionslehrers, (mit 1.000 Mark fixem Gehalt) vakant geworden und sollen diese Stellen sofort wieder besetzt werden. 
Einem tüchtigen Lehrer wäre hier Gelegenheit geboten, durch Erteilung von Privatunterricht im Hebräischen etc. sich ein jährliches Nebeneinkommen von mindestens 800 Mark, und wenn der Betreffende der neueren Sprachen mächtig, ein solches von vielleicht 1.600 Mark oder noch mehr zu verschaffen. 
Eventuell könnte auch eine Vereinigung der Vorsänger- und Lehrerfunktionen eintreten, wenn sich Bewerber melden, welche nach beiden Richtungen hin befriedigen und würde dann ein Lehrer angestellt werden, der zugleich ein tüchtiger Vorsänger ist. In diesem Falle würde die Gemeinde einen Schächter, dem dann auch die Stelle eines Gemeindedieners übertragen werden könnte, aufnehmen. 
Den Nachweis seiner Qualifikation als Schächter hat der Anzustellende durch eine vor dem mitunterfertigten Distriktrabbiner abzulegende Prüfung zu liefern. Bewerber um die erledigten Stellen, welche bezüglich ihrer Befähigung, wie auch hinsichtlich ihrer Religiosität und Moralität gute Zeugnisse besitzen, wollen unter Vorlage letzterer ihre Gesuche baldigst an die unterzeichnete Verwaltung zu liefern. 
Bewerber um die erledigten Stellen, welche bezüglich ihrer Befähigung, wie auch hinsichtlich ihrer Religiosität und Moralität gute Zeugnisse besitzen, wollen unter Vorlage letzterer ihre Gesuche baldigst an die unterzeichnete Verwaltung richten. 
Aschaffenburg, 29. April 1878. Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde: A. Adler, Distriktrabbiner. D.H. Hamburger. Emil Neuburger."
   
Aschaffenburg AZJ 07051878.jpg (116206 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Mai 1878: … wie im "Israelit"      
   
Aschaffenburg Israelit 04111886.jpg (66462 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1886: "Schochetstelle. Nachdem von der unterzeichneten Kultusverwaltung bereits unterm 1. Juli dieses Jahres die vakante Schochetstelle zur Neubesetzung ausgeschrieben wurde; Herr Rabbinatsverweser Bamberger in seiner Bekanntmachung unterm 12. Juli dieses Jahres jedoch eigenmächtig unser Ausschreiben wertlos zuz machen suchte, ist nunmehr von hoher königlicher Regierung befohlen worden, dass die Schochetstelle sofort auszuschreiben und neu zu besetzen sei. Wir bitten verehrliche Bewerber, Originalzeugnisse von orthodoxen Rabbinen behufs Anstellung an die Unterzeichneten gelangen zu lassen. 
Aschaffenburg, 1. November 1886. Die israelitische Kultusverwaltung: Carl Simon. Julius Levy. Vorstände."
 
Aschaffenburg Israelit 17111892.jpg (60010 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1892: "Die hiesige Schächterstelle ist per sofort zu besetzen. Bewerber um dieselbe wollen bis längstens 1. Dezember 1892 unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei der unterfertigten Verwaltung sich anmelden. 
Die Stelle trägt außer freier Wohnung an Schlachtgebühren ca. Mark 1.600 jährlich. Nur deutsche Bewerber wollen sich melden. 
Aschaffenburg, 10. November 1892.  
Die Kultusverwaltung: A. Hamburger jr., Vorstand. Leopold Sternheimer, Max Hamburger."
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1901: "Schächter- und II. Kantorstelle. 
In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Schächters und zweiten Kantors vom 1. Februar 1902 ab zu besetzen. Das jährliche Einkommen beträgt: aus den Schächtgebühren ca. 1.800 Mark, Wohnungsentschädigung 400 Mark und ca. 300 Mark Nebenverdienste, für welche jdoch nicht garantiert wird. Bewerber wollen spätestens bis zum 25. Oktober dieses Jahres ihre Gesuche mit Zeugnisabschriften an die unterfertigte Kultusverwaltung einsenden. 
Aschaffenburg, im Oktober (1901). 
Die Kultusverwaltung: A. Hamburger,
Vorstand."     
 
Aschaffenburg BayrGZ 06061925.jpg (62363 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 6. Juni 1925: "Bekanntmachung. Wir suchen einen tüchtigen Schochet und stimmbegabten Kantor von orthodoxer Gesinnung und Lebensführung zum Eintritt am 1. Oktober dieses Jahres, eventuell auch früher. – Gehalts- und Pensionsberechtigung nach den Leitsätzen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und des Bayerischen Versorgungsverbandes. – Die Möglichkeit von Nebenverdiensten ist unter anderem auch durch Übernahme der Schechitah in den umliegenden Ortschaften gegeben. - Bewerbungen sind mit Zeugnissen und Referenzen bis spätestens 20. Juni dieses Jahres einzureichen. 
Aschaffenburg, den 24. Mai 1925. Israelitische Kultusverwaltung Aschaffenburg."
 
Aschaffenburg Israelit 04061925.jpg (60287 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1925: wie oben in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung"     
  
Aschaffenburg Israelit 18041929.jpg (60245 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1929: "Die israelitische Kultusgemeinde Aschaffenburg sucht zum alsbaldigen Eintritt einen tüchtigen Kantor und Schochet, der von orthodoxem Rabbiner autorisiert sein muss. Die Besoldung erfolgt nach den Leitsätzen des bayerischen Gemeindeverbandes. Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnissen und Referenzen sind sofort an die unterzeichnete Kultusverwaltung zu richten. Israelitische Kultusverwaltung Aschaffenburg."     

    
Erklärung von Schochet und Lehrer Herz (1886)
  

Aschaffenburg Israelit 08111886.jpg (107844 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1886: "Aschaffenburg, 5. November (1886). Nachdem in der jüngsten Nummer des ‚Israelit’ die hiesige Schochetstelle in so auffallender Weise neuerdings von der Kultusverwaltung dahier zur Bewerbung ausgeschrieben ist, sieht sich der Unterzeichnete, zu seiner persönlichen Ehrenrettung, veranlasst, dem verehrten Leserkreise des ‚Israelit’ in kurzen Worten Näheres über den Hergang dieser Affäre mitzuteilen. 
Meine bei den hiesigen Metzgern allerdings nicht beliebte Gewissenhaftigkeit in meinem religiösen Dienste, für welche der eine bezeichnende Ausdruck derselben. ‚Er braucht nicht Alles zu sehen !!’ genügen wird, hatte die von der Kultusverwaltung mir zugegangene Kündigung endlich zustande gebracht. Ich übergehe die mir widerfahrene Behandlung und erwähne bloß, dass der ehrwürdige Herr Rabbiner Bamberger dahier in ehrenvoller Würdigung meines Charakters und Wirkens, ebenso wie des gegnerischen Verfahrens für meine Erhaltung in meiner hiesigen Stellung energisch eingetreten war – in Folge dessen die Metzger, mit Ausnahme eines einzigen, von einem Metzger aus Groß-Krotzenburg ihr Vieh töten ließen und solches Fleisch für Koscher verkauften, bis dies, in Folge einer Beschwerde des Herrn Rabbiners, von Seite hoher Königlicher Regierung einzustellen aufgetragen und den Metzgern der Verkauf jenes Fleisches als ritualmäßiges Fleisch verboten worden ist. Diese kurze Darstellung, lediglich zu meiner eigenen Ehrenrettung veröffentlicht, dürfte genügen. 
Herz
, Schochet und Lehrer."     

      
Goldene Hochzeit von Lehrer und Prediger Jacob Rosenhaupt und seiner Frau (1889)     
Anmerkung: Jacob Rosenhaupt starb am 8. März 1892 (siehe unten). Sein Grab befindet sich im israelitischen Altstadt-Friedhof Aschaffenburg. Jacob Rosenhaupt wird auch genannt im Text zur "Eingabe zur Bildung einer 'altjüdischen' Gemeinde (1884)" (s.u.)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. November 1889: "Bonn, 17. November (1889). Man schreibt uns aus Aschaffenburg: Am 29. Oktober dieses Jahres feierten Herr Jacob Rosenhaupt und Frau dahier das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Herr Rosenhaupt, welcher viele Jahre als Prediger und Lehrer segensreich wirkte, weilt schon mehrere Jahre hier in unserer Stadt, um in Ruhe den Abend seines Lebens mit seiner Gemahlin zu verbringen. - Dem Jubelpaar, das sich noch großer Rüstigkeit erfreut, wurden mehrfach Ovationen zuteil."                    

               
 Zum Tod des Lehrers und Predigers Jacob Rosenhaupt (1892)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. März 1892:  "Zu Aschaffenburg ist der emeritierte Lehrer und Prediger Jacob Rosenhaupt im 80. Lebensjahre gestorben. Die lokale Presse widmet dem Dahingeschiedenen warme Nachrufe."          

 
Sympathieerklärung für Kantor und Schochet Levin Guttmann (1894)  

Aschaffenburg Israelit 07061894.jpg (74643 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1894: "Erklärung
Um den Verleumdungen, die über den Kantor und Schochet Herrn Levin Guttmann in Aschaffenburg verbreitet worden sind, entgegen zu treten, fühlen wir uns veranlasst, Nachstehendes der Wahrheit gemäß zur öffentlichen Kenntnis zu bringen: 
Herr Levin Guttmann hat sich während seiner mehrjährigen Amtierung hierselbst nach allen Richtungen hin musterhaft geführt. Wir haben ihn als einen aufrichtigen, ehrlichen und braven Mann, und als einen Gottesfürchtigen, kennen gelernt. Derselbe ist ein tüchtiger Talmudist, hat Schüler im Talmud unterrichtet und besitzt auch Hattarat Horaah (Rabbinatsdiplom). Rawitzsch, im Juni 1894. N. Pollak, Moritz S. Brann, H. Bergel, M.J. Gradenwitz, Louis Rösel, Wilhelm Daniel, Herrman Loewy, H. Pagel, A.J. Sternberg, Jacob Neustadt, Dr.med. Pinkus."   

      
Kultusbeamter B. Segall wechselt nach Darmstadt (1902)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1902: "Aschaffenburg, 30. Juli (1902). Der auf Veranlassung des Distriktsrabbiners Dr. Wachenheimer, durch die israelitische Kultusverwaltung von seinem Amte enthobene Kultusbeamte B. Segall wurde einem Rufe des Großherzoglichen Landrabbiners Dr. Marx in Darmstadt zufolge, von der israelitischen Kultusgemeinde dortselbst einstimmig gewählt. Wir wünschen Herrn Segall, welcher sich während seiner sechsjährigen Tätigkeit hier einer allgemeinen Beliebtheit erfreute, in seinem neuen Wirkungskreise recht viel Glück."   

  
Jahresbericht der "Bamberger'schen israelitischen Knaben-Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt" (1903)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Juli 1903: "Aschaffenburg. Die 'Bamberger'sche israelitische Knaben-Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt' versendet soeben den Jahresbericht für das Schuljahr 1902/03. Die Anstalt umfasst: 1. eine Institutsschule für Knaben mit hebräischem Unterrichte in Latein, Französisch, Englisch und Zeichen. 2. eine Arbeits- und Nachhilfeschule für Schüler der Mittelschulen. 3. ein Pensionat für Schüler des Gymnasiums, der Realschule und der eigenen Schule. Dem Unterricht in der Institutsschule liegt der von der Königlichen Regierung genehmigt Lehrplan zugrunde, der durch das Direktorat zu beziehen ist. Das Internat hatte in diesem Jahre 15 Zöglinge, die Schule wurde von 29 Schülern besucht. Ein Schüler der Ausländerabteilung wurde für die 5. Klasse (Obertertia) des humanistischen Gymnasiums vorbereitet, ein Schüler trat nach beendeter Vorbereitung in unserer Schule mit Beginn des Sommersemesters in das hiesige Technikum ein, an anderer Schule ging zum Geschäft über. Die Bamberger'sche Anstalt befindet sich erfreulicherweise in fortschreitender Entwicklung. Da der Name der Direktoren für eine jüdisch-religiöse, gewissenhafte Erziehung bürgt, so wünschen wir der Schule ein weiteres Gedeihen und Ausbreiten."    
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1903: "Aschaffenburg. Die Bamberger'sche israelitische Knaben- Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt hatte im Schuljahre 1902-03 im Internat 15 Zöglinge, die Schule wurde von 29 Schülern besucht. Ein Schüler der Ausländerabteilung wurde für die 5. Klasse (Obertertia) des humanistischen Gymnasiums vorbereitet, ein Schüler trat nach beendeter Vorbereitung in dieser Schule mit Beginn des Sommersemesters in das hiesige Technikum ein, ein anderer Schüler ging zum Geschäft über."       

    
Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern in Aschaffenburg (1907)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Juli 1907:  "Aus Bayern. Am Dienstag, 23. Juli diesen Jahres findet im Schützenhof zu Aschaffenburg die 28. Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern statt. Das Programm ist ein reichhaltiges. Auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Antrag um Erhöhung der Jahresbeiträge auf Mark 25, um Einrichtung von Bezirkskonferenzen, die sich zu Kreisversammlungen zusammenschließen mögen (Ref. Strauß - Uffenheim). Herr Seminaroberlehrer J. Stoll - Würzburg hält einen Vortrag über die 'Umgestaltung des hebräischen Übersetzungsunterrichtes nach Stoffauswahl, Stoffverteilung und methodischer Behandlung'. In vier Absätzen sind die Thesen zu diesem gewiss akuten Thema angegeben. Die 'Freie Aussprache' bringt ähnliche Wünsche aus der rührigen Fortbildungskonferenz 'Nürnberg-Fürth'. Auch diese Anträge sind detailliert. 
Man erwartet regen Besuch der Kollegen, die noch niemals in Aschaffenburg 'tagten', umso mehr, als die Verwaltungswahl pro 190ß8 bis 10 stattfindet. Womöglich soll an die Versammlung sich ein Ausflug nach dem Niederwald über Frankfurt oder Darmstadt anschließen".       

    
    
    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben      
Christlich-jüdisches Miteinander in Aschaffenburg und Kritik von orthodoxer Seite (1861)    
Nachstehender Artikel ist der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" entnommen. Dem Verfasser des Artikels ging das damalige "ökumenische" Miteinander in Aschaffenburg zu weit, nachdem sich jüdische Einwohner aktiv an der Gestaltung eines feierlichen Rahmens für die Fronleichnamsprozession beteiligten. 

Aschaffenburg Israelit 12061861.JPG (183292 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1861: "Aschaffenburg, im Juni. Der Didaskalia wird von hier geschrieben: ‚Zum ersten Male wurde die hiesige Fronleichnams-Prozession durch die Herstallstraße geführt, welche von vielen Israeliten bewohnt wird. Diese wetteiferten, ihre katholischen Mitbürger dadurch zu ehren, dass sie die sie treffenden Straßenteile mit Gras und Blumen bestreuten und ihre Häuser geschmackvoll dekorierten. Ein ähnliches Zeugnis von Humanität gab dieser Tage das Kollegium der hiesigen Gemeinde-Bevollmächtigten, indem es einen Juden zum Mitgliede der städtischen Einquartierungs-Kommission wählte. Solche Vorkommnisse verdienen, dass die freisinnige Presse davon Akt nehme, weil sie zeigen, dass es nicht der schlichte Bürgersinn ist, welcher das Fortgären des alten Sauerteiges konfessionellen Haders will.’ 
Auch wir sind keine Freunde des konfessionellen Haders; es ist im Gegenteile unser aufrichtigster Wunsch, dass die verschiedenen Konfessionen in Frieden und Eintracht nebeneinander leben. Wir halten es für eine der ersten Pflichten des Juden, den konfessionellen Frieden zu befördern und seine Mitbürger brüderlich zu lieben. Aber alles hat seine Grenzen und wie neulich das Ansinnen eines ungarischen Grafen, die Emanzipation von der Bedingung abhängig zu machen, dass die Juden mit ihren christlichen Brüdern aus einer Schüssel essen, von unseren dortigen Glaubensgenossen mit Entrüstung zurückgewiesen wurde, so müssen wir die Verletzung des israelitischen Religionsgesetzes, das die Beteiligung an einem fremden Kultus streng verbietet, von Seiten der oben erwähnten hiesigen Israeliten tief beklagen. Die Verletzung der eigenen Religion, um sich den Mitbürgern gefällig zu erweisen, wird auch von keinem glaubenstreuen Christen gebilligt werden, ist daher auch durchaus nicht geeignet, zur Beförderung des konfessionellen Friedens beizutragen, da das ein Aufgeben der eigenen Konfession in sich schließt. O all ihr heiligen Männer und Frauen (und Kinder), die ihr bei ähnlichen Anlässen freudig euer Leben geopfert zur Heiligung des göttlichen Namens, was würdet ihr zu den entarteten Enkeln sagen, die ihr Heiligstes eintauschen gegen das Glück, einen Juden zum Mitgliede der städtischen Einquartierungs-Kommission gewählt zu sehen!"

  
Die jüdischen Soldaten erhalten koschere Kost (1878)  

Aschaffenburg Israelit 17041878b.jpg (75749 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1878: (nur der Aschaffenburg betreffende Abschnitt wird zitiert) "…erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass auch in der Garnisonsstadt Aschaffenburg schon über 30 Jahre durch die Bemühungen und durch die Opferwilligkeit des durch seine große Gelehrsamkeit und wahre Frömmigkeit sowohl, als auch durch seine rastlose Tätigkeit für Erhaltung des traditionellen Judentums rühmlichst bekannten Herrn Distriktrabbiners Abraham Adler – Gott segne und vermehre seine Tage und Jahre im Guten - die jüdischen Soldaten Koscher-Kost erhalten. Nicht nur, dass genannter Herr Rabbiner – sein Licht leuchte – bei den betreffenden Hauptleuten oft mit vieler Mühe die Erlaubnis erwirkte, dass die jüdischen Soldaten außerhalb der Menage essen durften, und dann für Beschaffung der nötigen Mittel sorgte, sondern er hat auch viele arme Soldaten an seinem eigenen Tisch teilnehmen lassen. Möge Gott (dem Rabbiner Adler) zur Freude seiner zahlreichen Verehrer Kraft verleihen, noch viele Jahre seiner gewohnten Tätigkeit für Erhaltung und Verbreitung von Tora und (Gottes)furcht obliegen zu können, Amen."

  
Eingabe zur Bildung einer "altjüdischen" Gemeinde (1884) 

Aschaffenburg Israelit 14021884.jpg (116324 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1884: "München, 10. Februar (Bayerischer Landtag). Jakob Rosenhaupt, israelitischer Prediger a.D. in Aschaffenburg, bittet, dass die von den Neuisraeliten getrennten Altjuden, welche nur dem mosaischen und nicht dem neuen talmudischen Gesetze huldigen, eine selbständige Gemeinde bilden dürften. Referent Seitz trägt die Eingabe vor und hält sie nicht für geeignet für das Plenum, da die persönlichen Wünsche eines Einzelnen oder Weniger nicht genügen, um eine gesetzliche Änderung zu treffen. Korreferent Dr. Frank: Tatsache sei, dass die Neuisraeliten, welche unter sich Opfer zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse bringen, doch zu den Kultusbedürfnissen der alten Gemeinde beitragen müssen. Wenn sie noch keine Vorstellung bei der Regierung gemacht haben, beantrage er Zurückverweisung. Regierungsrat Vervier: Solange die Neuisraeliten nicht ausgeschieden seien, müssten sie zu der alten Kultusgemeinde fortzahlen. Nach den zurzeit geltenden Bestimmungen könne in einer politischen Gemeinde nur Eine jüdische Kultusgemeinde bestehen. Der in der Korona anwesende Abgeordnete Gunzenhäuser wird vom Vorsitzenden um seine Meinung gefragt. Er erklärt, durch gegenseitige Nachgiebigkeit seien in Fürth die Abweichenden wieder vereinigt worden. Es handle sich um keine Verschiedenheit im Dogma, sondern lediglich im Ritus. Der Talmud werde von allen Israeliten anerkannt, doch von den Älteren dem Pentateuch untergeordnet. Die Frage des Begräbnisplatzes sei meistens imstande, die aufgeregten Gemüter wieder zu versöhnen. Der vom Abgeordneten Herz bevorwortete Antrag des Korreferenten ‚nicht geeignet, da der Instanzenzug’ nicht erschöpft ist, wird angenommen."

   
Gründung eines Komitees zur Unterstützung von vertriebenen russischen Juden (1891)   

Aschaffenburg Israelit 19061891.jpg (68230 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1891: "Aschaffenburg, 18. Juni (1891). Nach dem Vorbilde anderer Städte hat sich auch hier ein Komitee gebildet, behufs zweckmäßiger Organisation der Unterstützung der aus Russland vertriebenen Juden. Die Mitglieder dieses Komitees werden, da rasche und ausgiebige Hilfe dringend und voraussichtlich noch für längere Zeit Not tut, in den nächsten Tagen persönlich ihren hiesigen Glaubensgenossen Einzeichnungslisten für wöchentliche Beiträge zu diesem edlen Zwecke vorlegen, und hoffen und wünschen wir, dass dieser Schritt von recht günstigem Erfolge begleitet sein möge. Gewiss wird Jeder – nach seinen Kräften – sein Scherflein beitragen zur Linderung des namenlosen Elends, in welches Tausende durch eine barbarische Maßregel, die man in unserem aufgeklärten Zeitalter für unmöglich halten sollte, gestürzt wurden."

     
Spendenaufruf für eine in Not befindliche Familie (1901)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1901: "Aufruf
Die Unterzeichneten gestatten sich, edeldenkende Glaubensgenossen zur Mitwirkung an dem folgenden Tat der Wohltätigkeit ergebenst aufzufordern.   
Ein sehr achtbarer Greis, der stets sich und seine Familie von seiner Hände Erwerb redlich und anständig ernährte, befindet sich augenblicklich in großer Notlage. Er und seine Frau sind leidend und durch den Mangel der nötigen Mittel wird ihre Lage immer unerträglicher. Durch eine einmalige ausreichende Unterstützung wäre den Leuten geholfen und sie wären bald im Stande, sich auf anständige Weise zu ernähren. 
Wir gestatten uns deshalb, an edle wohltätige Glaubensbrüder und -Schwestern die ergebenste Bitte zu richten, zu diesem wahrhaft frommen Werke beizutragen und uns reichliche Spenden zufließen zu lassen. 
Schon jetzt sagen wir dafür herzlichen Dank: möge Gott das Werk der Wohltätigkeit lohnen!  
Aschaffenburg, 3. Dezember 1901 / 22. Kislew 5662.  Dr. J. Nußbaum, praktischer Arzt. Direktor S. Bamberger. 
Auch wir schließen uns der Bitte der Herren Petenten an und sind gerne bereit, Spenden unter Nr. 8873 in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern."          

   
Gründung eines Wohltätigkeitsvereines Chewra Kadischa (1898) 

Aschaffenburg Israelit 17021898.jpg (168425 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1898: "Aschaffenburg, 10. Februar (1898), Als ein großer Mangel wurde es bisher hier empfunden, dass in hiesiger Gemeinde, welche ca. 130 Mitglieder zählt, eine Chewra Kadischa nicht bestand. Auf Anregung der israelitischen Kultusverwaltung wurde im vorigen Jahre bereits ernstlich daran gearbeitet, eine solche ins Leben zu rufen, was von unserem seligen Distriktsrabbiner – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – freudigst begrüßt worden war. Es ist nunmehr gelungen, in Verbindung mit dem seit 1852 bestehenden Bikur Cholim- Krankenbesuchs-)Verein eine Chewra Kadischa unter dem Namen Chewra Kadischa Bikur Cholim Gemillut Chasodim zu begründen. Herr Salomon Bamberger, Sohn des erwähnten hiesigen Distriktrabbiners – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – hat gelegentlich seiner Bearbeitung der geschichtlichen Nachrichten über die Juden der Stadt beziehungsweise des Fürstentums Aschaffenburg, gefunden, dass eine solche Chewra bereits 1719 hier errichtet worden war, welche bis 1838 bestand. Unter Zugrundelegung der Statuten dieses Vereins, welche mit der Genehmigung des Kurmainzer Landrabbiners versehen sind, wurden nun die Statuten von einer Kommission ausgearbeitet und nachdem sie die Zustimmung eines anerkennten bayerischen Rabbiners – sein Licht leuchte – gefunden, von der Generalversammlung mit unwesentlichen Abänderungen einstimmig angenommen. So wurden die Statuten nach Wissen und nach den Bestimmungen des Rabbinates festgesetzt und für die Leitung des Vereins in gleichem Sinne gesorgt, indem der ganz besonders seiner opferwilligen Tätigkeit für die religiösen Bedürfnisse hier so sehr hoch geachtete Herr Nathan Mayer als Vorstand und Herr S. Goldschmidt, Mitglieder der israelitischen Kultusverwaltung, als stellvertretender Vorstand und Kassier gewählt wurden. Besondere verdient gemacht um das Zustandekommen der Sache hat sich auch Herr A. Hamburger, Vorsitzender der israelitischen Kultusverwaltung. Letzterer hat vonseiten der Gemeinde dem Verein einen jährlichen Beitrag bewilligt. Der neu gegründete Verein zählt bereits über 70 Mitglieder. Möge er der hiesigen Gemeinde zum Segen gereichen und zur Weckung religiösen Gefühls und religiösen Sinnes innerhalb desselben beitragen."

  
Wahl des Gemeindevorstandes und Kritik an Gemeindevorsteher Hamburger (1903)  

Aschaffenburg Israelit 29011903.jpg (212636 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1903: "Aschaffenburg, 21. Januar (1903). Vorgestern fand dahier die Wahl des Vorstandes der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde statt. Es wurden gewählt die Herren: Abraham Östreich mit 94 Stimmen, Leopold Sohlinger mit 87 Stimmen und Abraham Hamburger mit 56 Stimmen. Letzterer, seither Kultusvorstand, erhielt nur zwei Stimmen über die Majorität. 
Bei der am Samstagabend im ‚Freihof’ stattgehabten Wählerversammlung, die von mehr als 80 Gemeindemitgliedern besucht war, wurde der seitherige Kultusvorstand sehr scharf angegriffen. Die Versammlung war von ‚Gemeindemitgliedern, die mit der seitherigen Verwaltung nicht einverstanden’, einberufen. Es wurde von den Herren E. Neuburger und Otto Strauß dem Vorstande Vorhalt gemacht insbesondere darüber, dass derselbe mit Gemeindegliedern nach Willkür verfahre, indem sehr große Kapitalien ohne Wissen den Gemeinde verausgabt worden seien, und ohne dass die Gemeinde auch nur mit einem Worte gefragt worden sei, während nach den Gemeindestatuten  der Gesamtvorstand nur 600 Mark jährlich ohne spezielle Genehmigung der Gemeinde verausgaben darf. Auf die persönliche Entgegnung des Herrn Abraham Hamburger, dass wohl auch während der früheren Amtsperiode des Herrn Neuburger mehr als diese Summe pro Jahr verausgabt worden seien, erwiderte Herr E. Neuburger, dass er sich hieran nicht erinnern könne, doch gegebenen Falles sich strenge an die Statuten halten und einen Verstoß strenge vermeiden würde, während Herr Hamburger sein statutenwidriges Handeln damit entschuldigte, dass er eventuell wider die Statuten handeln würde. Auf den Vorwurf, dass es bei dem großen Etat der Gemeinde unverantwortlich sei, dieser Keine Rechenschaft über die Verwendung der Gemeindegelder – 16.000 Mark pro Jahr! – zu geben, erwiderte Herr Abraham Hamburger, dass hierzu nach den Statuten keine Veranlassung, und die Statuten umgearbeitet werden müssten. Es wurde ihm jedoch richtig entgegengehalten, dass er hierzu während deines mehrjährigen Vorstandschaft wohl Zeit gehabt hätte, und dass es sehr zu verwundern, dass Herr Abraham Hamburger erst jetzt das Bedürfnis einer Statutenänderung führt! Recht amüsant war es, von Herrn Hamburger zweimal die bittere Klage zu hören, dass er erwartet hätte, das Einer wenigstens etwas Gutes von ihm zu sagen hätte! Diese Versammlung gab ein sehr gutes Bild unserer Gemeinde und vom Schalten deren Vorsta
ndschaft. Es wird bedauert, dass die neue Verwaltung Herrn Abraham Hamburger zu ihrem Vorsitzenden gewählt, da man fürchtet, die alten Zustände könnten wieder eintreten. Doch dem wird nicht so sein! Es wird jetzt von Seiten der Gemeinde eine Umarbeitung der Statuten verlangt, nach welcher öffentliche Rechnungsablage eingeführt werden wird, sodass die Gemeinde von einer Möblierung (!) des Leichenhauses und Lieferung zur Rabbinerswohnung nicht per Zufall hört. Z."  

  
Vergabe des Aussteuerpreises aus der Dilsheimerstiftung an Jettchen Hecht verh. Neumann (1905)   
Anmerkung: Jettchen Neumann geb. Hecht ist am 13. November 1874 in Babenhausen [nicht: Baumhausen!] geboren; sie war seit 1905 verheiratet mit dem Kaufmann/Eisenhändler Isaak Neumann (geb. 1879 in Thüngen). Die beiden wohnten in Thüngen und wurden Ende April 1942 ab Würzburg nach Krasnystaw deportiert und ermordet. Die Namen der beiden stehen auf dem Denkmal für die aus Thüngen in der NS-Zeit ermordeten jüdischen Personen.      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1905: "Aschaffenburg, 19. Mai (1905). Kommenden Sonntag wird im Deutschhaussaale der Aussteuerpreis aus der Dilsheimerstiftung im Betrage von 2.000 Mark an Fräulein Jettchen Hecht verabreicht werden. Im kommenden Jahre erhält den Preis eine Christin."    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Juni 1905: "Aschaffenburg, 25. Mai (1905). Mit einer schönen Stiftung bedachte vor Jahren der in Paris verstorbene Kaufmann Daniel Dilsheimer (statt Pilsheimer) seine Vaterstadt Aschaffenburg. Er verfügt letztwillig, dass alljährlich 2.000 Mark in bar an ein vom Magistrate ausgewähltes Mädchen, das sich besonders durch Tugendhaftigkeit und Unterstützung seiner Eltern ausgezeichnet hat, als Heiratsstipendium ausbezahlt werden. Die Überreichung hat stiftungsmäßig öffentlich und feierlich zu geschehen, was einer französischen Sitte entspricht; auch im Monat Mai muss die sogenannte 'Rosenbraut' beglückt werden. Für heuer fiel das Stipendium einem jüdischen Mädchen und zwar der Dienstmagd Jettchen Hecht zu. Heute Vormittag fand im Rathaussitzungssaale in Anwesenheit der städtischen Kollegien und vor zahlreichem Publikum durch Herrn Bürgermeister Dr. Matt die feierliche Überreichung des Stipendiums von 2.000 Mark in neuen 20-März-Stücken statt. Den Abschluss der Feier bildete die Ziviltrauung der Bedachten mit dem Kaufmann Isaak Neumann."     

        
Gründung einer "Freien Chorvereinigung" in der jüdischen Gemeinde (1905)  
Anmerkung: bei dem genannten 1. Kantor (in Aschaffenburg) S. Wetzler handelt es sich um Simon Wetzler, ein Sohn von Isaac Wetzler und Caroline geb. Ullmann, geb. am 2.3.1853 in Langstadt (dort weitere Informationen zu Familie Wetzler); er starb am 30. Juni 1919 in einem Sanatorium in der Nähe von Bad Homburg. 

Aschaffenburg Frf IsrFambl 18081905.jpg (41021 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. August 1905: "Aschaffenburg. Unter dem Namen Freie Chorvereinigung, wurde hier ein jüdischer Männergesangverein gegründet, der in der Hauptsache die Funktionen eines Synagogenchores erfüllt. Die Vereinigung erfreut sich eines allgemeinen Zuspruches. In den Vorstand wurden die Herren Wilhelm Hamburger, Samuel Mayer, 1. Kantor S. Wetzler gewählt."

  
Wahl der Israelitischen Kultusverwaltung (1906)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Januar 1906: "Aschaffenburg, 15. Januar (1906). Bei der heute stattgefundenen Wahl der israelitischen Kultusverwaltung wurden mit großer Majorität die Herren A. Hamburger, S. Goldschmidt und W. Hamburger gewählt. Die beiden ersteren Herren gehörten früher schon der Verwaltung an, während der letztere neu gewählt wurde."    

    
Zionistische Veranstaltung (1910)   

Aschaffenburg FrfIsrFambl 03061910.jpg (135627 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Juni 1910: "Aschaffenburg, 24. Mai (1910). Zu einer für die zionistische Sache in Aschaffenburg viel versprechenden Veranstaltung wurde die heutige Versammlung, in der Herr Martin Levigard – Frankfurt am Main über ‚Die Judenfrage’ sprach. In von Herzen kommenden, zu Herzen sprechenden Ausführungen behandelte der Redner sein Thema und wusste an der Darstellung der Judenlage die Entstehung der Judenfrage in klarer Weise zu definieren. An überzeugenden Beispielen zeigte er, dass lediglich Philanthropie eine Lösung dieser heiklen Frage nicht gebracht habe und nicht bringen könne und schloss unter starkem Beifalle mit der Begründung der programmatischen zionistischen Gedankengänge. 
In der sich anschließenden Diskussion berührte Herr Löwenthal die Stellung eines Teils der Orthodoxie der zionistischen Bewegung gegenüber und behauptete, dass es eine Judennot, besonders in Deutschland, nicht gäbe. Dem gegenüber vertraten der Referent und H.L. Perlmutter – Frankfurt am Main unter stürmischem einmütigem Beifalle die zionistischen Ideen. Insbesondere wurden die Ausführungen begeistert unterstrichen, dass die innere Gleichgültigkeit, die stete Folge äußerer Sorglosigkeit und die Ursache aller jüdischen Katastrophen, nicht genug bekämpft werden könne. 
Das Ergebnis des Abends war, dass sich die Anwesenden fast ohne Ausnahme als Schekelzahler anmeldeten. Es herrschte nur darüber allgemeines Bedauern, dass der Rabbiner in Aschaffenburg (sc. Rabbiner Breuer), der schon oft als Gegner des Zionismus von sich reden machte, es versäumt hat, trotz schriftlicher und mündlicher Einladung, seine Ansichten vor Zionisten selbst zu entwickeln. L.P."

    
Zur Aschaffenburger Tagung des bayerischen Gemeindeverbandes (1929, nur einleitende Sätze werden zitiert)  

Aschaffenburg Israelit 27061929.jpg (80122 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1929: "Zur Aschaffenburger Tagung des bayerischen Gemeindeverbandes. Von Rabbiner Dr. R. Breuer in Aschaffenburg. Am 30. Juni und 1. Juli dieses Jahres steht dem Rabbinatsbezirk Aschaffenburg ein halb parlamentarisches, halb gesellschaftliches Schauspiel bevor, das an die Aschaffenburger ‚Judenlandtage’ des Mainzer Obererzstiftes im 18. Jahrhundert erinnert, das aber schon in der äußeren Form seiner einprägsamen, auf Stimmung und Eindruck berechneten Aufmachung seine Herkunft aus dem Wesen unserer Tage verrät: Der Verband bayerischer israelitischer Gemeinden gedenkt seine diesjährige Tagung in Aschaffenburg abzuhalten. Oberlandesgerichtsräte, Justizräte, Kommerzienräte, Rabbiner und Lehrer, Geistliche und Laien sämtlicher jüdischer Konfessionen werden sich in Aschaffenburg versammeln, um wieder einmal Bayerns jüdische Belange in jener friedfertigen, auf politische Opportunität, praktische Nützlichkeit und duldsame Höflichkeit eingestellten, jeder ernsten Auseinandersetzung über die Kernfragen jüdischer Gemeinschaftsbildung abholden und sie darum vorsichtig umgehenden Manier zu behandeln, wie sie von den bisherigen Tagungen…."


Gründung des "Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke" (1915)     

Werneck Israelit 22071915.jpg (215927 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1915: "Würzburg, 14. Juli (1915). Die zuständigen Rabbinate für Werneck und Lohr unterbreiteten, unter Verständigung und Zustimmung aller unterfränkischen Rabbiner, der Königlichen Regierung das Ansuchen, dass diejenigen Insassen der Anstalt Werneck, die rituell verköstigt zu sein wünschen, nach Lohr übergeführt werden, dass ferner in Zukunft sämtliche israelitische Geisteskranke des Kreises Unterfranken, die entweder selbst den Antrag auf rituelle Verpflegung stellen, oder für die seitens ihrer Familien ein solcher Antrag gestellt wird, gleich bei ihrer Aufnahme der Anstalt in Lohr zugewiesen werden. Dieses Gesuch wurde durch Regierungs-Entschließung vom 14. März 1915 genehmigt. Um die Einrichtung in Lohr auf eine feste Basis zu stellen, sind beträchtliche Mittel erforderlich, die nur durch Gründung eines Vereins und Inanspruchnahme des jüdischen Wohltätigkeitssinnes aufgebracht werden können. 
Am 20. Juni 1915 wurde nun in Würzburg ein 'Verein zur Ermöglichung der rituellen Verpflegung israelitischer Nerven- und Geisteskranker im Regierungsbezirke Unterfranken und Aschaffenburg' gegründet und die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister beschlossen. Zweck des Vereins ist nach § 1 der Statuten die Fürsorge für die jüdischen Nerven- und Geisteskranken, welche in den im Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg bestehenden Kreisanstalten untergerbacht sind, im Sinne der Versorgung mit ritueller Kost und die Ermöglichung derselben durch die notwendigen Schritte bei der Königliche Behörde, durch die Bereitstellung der notwendigen Mittel und durch Bestellung von Organen zur geeigneten Ausführung. Die Verpflegung muss in strengster Wahrung der Vorschriften des Schulchan Aruch erfolgen. Mitglieder des Vereins können nach $ 2 der Statuten einzelne Personen, Vereine und Gemeinden werden. Der Mitgliederbeitrag beträgt für eine einzelne Person mindestens 2 Mark fürs Jahr. Der Beitrag der Vereine und Gemeinden ist in das Belieben derselben gestellt, beträgt bei Gemeinden jedoch mindestens 10 Mark. In die Vorstandschaft wurden gewählt: Distriktsrabbiner Dr. Breuer in Aschaffenburg als Vorsitzender, Distriktsrabbiner Dr. Stein in Schweinfurt als stellvertretender Vorsitzender, Lehrer Israel Wahler in Hörstein als Schriftführer, Kaufmann Bernhard Hirsch in Lohr als Kassier, Kaufmann Samuel Gundersheimer in Würzburg als Beisitzer, Fabrikbesitzer Nathan Mayer in Aschaffenburg und Kaufmann Hermann Weichselbaum in Dettelbach als Ersatzmänner. - Wenn auch in dieser schweren Zeit die jüdische Wohltätigkeit stark in Anspruch genommen ist, so ist doch anzunehmen, dass die Einrichtung in Lohr im Hinblick auf ihre Wichtigkeit des wohlwollenden Interesses weiter Kreise gewiss sein dürfte, zumal sie insofern in das Gebiet der Kriegsfürsorge fällt, als infolge des Krieges - wie dies von sachverständiger Seite bestätigt wird - leider eine sich vergrößernde Zahl von Nervenkranken zu gewärtigen sein dürfte."    

      
Generalversammlung des "Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke" (1921)  

Aschaffenburg Israelit 02061921.jpg (116572 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1921: "Aschaffenburg, 13. April (1921). Am 27. März dieses Jahres fand in Würzburg die Generalversammlung des 'Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke' statt. Auch im abgelaufenen Jahre war der Verein mit Erfolg bestrebt, einer größeren Zahl von unbemittelten Kranken die Wohltaten der staatlichen Heil- und Pflegeanstalt Lohr am Main nebst ritueller Verpflegung zu gewähren. Während in den vorhandenen jüdischen Sanatorien die Kosten der Verpflegung so hoch sind, dass nur sehr vermögende Patienten auf Unterkunft rechnen können, wird es dem genannten Vereine bei dem mäßigen Verpflegungssatz, den er aufgestellt hat und bei den verhältnismäßig niedrigen Anstaltskosten in Zukunft möglich sein, nicht nur seinen bisherigen Vereinszweck zu erfüllen, sondern auch seinen Plan einer weiteren Ausgestaltung seiner Tätigkeit zu verwirklichen, falls er künftighin in erhöhtem Maße auf das Wohlwollen und die tatkräftige Unterstützung weiterer jüdischer Kreise wird rechnen können. - Der Vorstandschaft gehören zur Zeit an: die Herren Rabbiner Dr. Breuer in Aschaffenburg, Dr. Stein in Schweinfurt, Lehrer Wahler in Hörstein, Bernhard Hirsch in Lohr am Main, Samuel Gundersheimer, Würzburg, Nathan Mayer in Aschaffenburg, Hermann Weichselbaum in Dettelbach, David Freund und Jakob Mayer in Aschaffenburg."   
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. April 1921:  
Es handelt sich um denselben Artikel wie im "Israelit" 

  
Generalversammlung des "Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Gemütskranke" (1932)   

Aschaffenburg Israelit 20041932.jpg (216614 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1932: "Aschaffenburg, 5. April (1932). Am 3. April fand die Generalversammlung des Fürsorgevereins für israelitische Nerven- und Gemütskranke, Aschaffenburg im Verwaltungsgebäude zu Lohr statt. 
Seit dem Tode des bisherigen 1. Vorsitzenden, Rabbiner Dr. R. Breuer – das Andenken des Gerechten ist zum Segen – führt Herr Dr. Stein, der seitherige stellvertretende Vorsitzende, den Verein weiter. Er begrüßt die Erschienenen und widmet vor allem unserem seitherigen Vorsitzenden, dem eifrigen Förderer und Mitgründer des Vereins, rührende, von Herzen kommende Worte. Tief ergriffen schildert Herr Rabbiner Dr. Stein das Wirken und Schaffen dieses leider allzu früh heimgegangenen Meisters und entwirft als bestes Lebensbild die Geschichte unseres Vereins, denn mit dem Tode des 1. Vorsitzenden ist eine geschichtliche Epoche zum Abschluss gekommen. Bis auf das Jahr 1913 gehen die Anfänge der Geschichte zurück. Die beiden tapferen Führer haben, durch die Seelsorge in zwei verschiedenen Kreisanstalten (Lohr und Werneck) angeregt, den Verein ins Leben gerufen und trotz mancher Missgeschicke ihn zu dieser segensreichen Institution ausgestaltet. Wer jemals die religiöse Not dieser bedauernswerten Kranken geschaut, muss die hohe Bedeutung und den Segen unseres Fürsorgevereins erkennen. Niemand möge sein Herz verschließen, wenn auch in schwerer Notzeit der Aufruf an ihn ergeht, an unserem Werke mitzuhelfen. In sinniger Ausdeutung des Wortes Schbch ('er starb') schließt der Vorsitzende den Nachruf mit den Worten: ‚Ein Mann wie Rabbiner Dr. Breuer kann schon deshalb nicht vergessen werden, weil eine Persönlichkeit wie er, nie wieder zu finden ist.’ Tief ergriffen erhebt sich die Versammlung, Freunde des Heimgegangenen, die glücklich waren, mit ihm an seinem Lieblingswerke mitbauen zu helfen. Ein Bild des Verstorbenen wird zum Ewigen Andenken im Vereinshaus angebracht.   
Der eifrige Schriftführer unseres Vereins, Herr Fabrikant David Freund, Aschaffenburg, gibt den Jahresbericht, der ein Zeugnis ablegt, dass ein jeder der Verwaltungsmitglieder sein Arbeitsfeld ausfüllt und hier mit einer Gründlichkeit gearbeitet wird, die vorbildlich sein kann. 
Der unermüdliche Kassierer, Herr Louis Grünebaum, Aschaffenburg, gibt den Kassenbericht. Trotz der Schwere der Zeit legt er Zeugnis ab, von dem nie erlahmenden Opfersinn unserer jüdischen Gemeinschaft. Obwohl die Lasten des Vereins sehr groß sind, konnten wir noch mit einem verhältnismäßig kleinen Defizit von ca. Mark 2.000.- unser Budget schließen. Allerdings muss im Zusammenhang damit erwähnt werden, dass der größte Teil unserer Patienten vollständig kostenlos verpflegt wird und auch die zahlenden Kranken nur unsere Auslagen vergüten. Dem Berichterstatter und Kassierer wird Decharge erteilt und anerkennend all derer gedacht, die uns mit Rat und Tat unterstützen. Alle aktuellen Fragen werden in der Debatte ausgiebig besprochen. Den Anschluss bildet ein hoch interessanter Vortrag unseres Vereinsmitgliedes Dr. Merzbach, Frankfurt am Main über die moderne Behandlung von Gemütskranken und die materielle Not dieser Ärmsten. Herr Dr. Merzbach wird auf Wunsch seine Gedanken einer größeren Öffentlichkeit unterbreiten. Es wird ein Impuls werden, die segensreiche Tätigkeit unseres Fürsorgevereins noch auf eine breitere Basis zu stellen. 
Nach fast vierstündiger Aussprache schließt der Vorsitzende die Generalversammlung und dankt allen Anwesenden für die eifrige Mitarbeit."   

    
Aufruf des Fürsorge-Vereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke e.V. (1936)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1936: "Aschaffenburg, 3. März (1936). Der Fürsorge-Verein für israelitische Nerven- und Geisteskranke Aschaffenburg a.M. erlässt einen Aufruf, der mit der Bitte 'Helft uns! Fördert unsere Arbeit durch reiche Spenden! Verschafft Euch die Genugtuung des Bewusstseins, das schwere Los unglücklicher, armer Kranken gemildert zu haben!' schließt. Möge der Ruf von allen erhört werden!"   

   
Einladung zur Generalversammlung des Fürsorgevereins für israelitische Nerven und Geisteskranke e.V. (1936)
 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1936: "Einladung
Am Sonntag, 28. Juni 1936 findet die General-Versammlung vormittags 11 Uhr in der Synagoge 1. Stock in Aschaffenburg statt, wozu die verehrlichen Mitglieder eingeladen werden. 
Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und Kassiers - Statutenänderung - Neuwahl - Wünsche.  
Fürsorgeverein für israelitische Nerven- und Geisteskranke e.V.  Aschaffenburg."   

    
Die Ortsgruppe des Kulturbundes eröffnet ihre Tätigkeit im neuen Saal der Israelitischen Kultusverwaltung (1937!)

Aschaffenburg CV-Zeitung 01041937.jpg (62465 Byte)Artikel in der "CV-(Centralverein-)Zeitung" vom 1. April 1937: "die vor kurzem ins Leben gerufene Ortsgruppe Aschaffenburg des Jüdischen Kulturbundes in Bayern begann ihre Tätigkeit mit einer wohl gelungenen Veranstaltung. Intendant Dr. Kurt Singer gab der neuen Kulturgemeinschaft Richtlinien für ihren Weg. Paula Salomon-Lindberg sang, prächtig disponiert, Arien, jüdische Lieder und Volkslieder. Die Zuhörerschaft dankte spontan. Am Flügel sass die junge Hilde Freund, eine Aschaffenburgerin, die mit viel Anpassungsfähigkeit und Verständnis begleitete und außerdem einige Soli spielte. Die Debütantin zeigt starkes musikantisches Naturell, gute Schule und Technik. Das Publikum war überrascht und applaudierte freudig."
   
Aschaffenburg BayrGZ 01051937.JPG (48774 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1937: "Aschaffenburg. In dem neu eingerichteten Saal der Israelitischen Kultusverwaltung, mit dem sich die Gemeinde einen würdigen Versammlungsraum geschaffen hat, eröffnete die jetzt gegründete Ortsgruppe des Kulturbundes ihre Tätigkeit. Die Einführung hatte Herr Intendant Dr. Singer übernommen. Sein Vortrag über die Mission des Kulturbundes enthielt vor allem Gedanken, die besonders jenen nahegebracht werden sollten, die sich - noch beiseite gestellt haben. Zum Auftakt konnte keine bessere Werberin gewonnen werden als erlesene Gesangskunst von Frau Paula Salomon-Lindberg."
 
Aschaffenburg Israelit 08041937.jpg (75462 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1937: "Aschaffenburg, 30. März (1937). In dem neu eingerichteten Saal der Israelitischen Kultusverwaltung, mit dem sich die Gemeinde einen würdigen Versammlungsraum geschaffen hat, eröffnete die jetzt gegründete Ortsgruppe des Kultusbundes ihre Tätigkeit. Die Einführung hatte Herr Intendant Dr. Singer übernommen, der eigens zu diesem Zweck hierhergekommen war. Sein Vortrag über die Mission des Kulturbundes enthielt viele gute Gedanken. Zum Auftakt konnte von der Leitung keine bessere Werberin gewonnen werden, als Frau Paula Salomon-Lindberg. Ob sie Arien sang - im großen Format - oder jüdische Lieder, mit zu Herzen gehendem Ausdruck, immer kann sie des Dankes ihrer Zuhörerschaft gewiss sein. den Klavierpart und die Begleitung der Gesänge hatte Hilde Freund übernommen."

  
  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Der Jurist Dr. Jacob Gotthelf wird Advokat am Bezirksgericht Aschaffenburg (1867)  

Aschaffenburg Israelit 16011867.jpg (39498 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1867: "München, 18. Dezember (1866). Seine Majestät der König haben sich allergnädigst bewogen gefunden, unterm 14. Dezember die am Bezirksgerichte Aschaffenburg erledigte Advokatenstelle dem Accessisten des Bezirksgerichts München Dr. Jacob Gotthelf (dem rühmlichst bekannten Juristen), seinem Ansuchen um eine solche Stelle entsprechend, zu verleihen." 

     
Bedeutende Stiftungen von D. Dilsheimer an die Stadt Aschaffenburg (1887) 

Aschaffenburg Israelit 01081887.jpg (136812 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1887: "Aschaffenburg. Im ‚Frankfurter Kurier’ wurde vor einigen Wochen mitgeteilt, dass ein in Paris verstorbener Aschaffenburger, Herr D. Dilsheimer, seiner Vaterstadt eine ansehnliche Summe letztwillig vermacht habe. Inzwischen sind die näheren Bestimmungen des Testators, wie die Renten dieses Legats verwendet werden sollten, bekannt geworden. Außer verschiedenen Legaten an Verwandte, Freunde und Dienerschaft wurden der israelitischen Kultusgemeinde in Aschaffenburg 10.000 Francs für wohltätige Zwecke vermacht und der Stadt Aschaffenburg 100.000 Francs gestiftet. Von den Zinsen dieser 100.000 Francs sollen jährlich 500 Francs zur Ansammlung eines Unterstützungsfonds für allenfalls bedürftige Verwandte des Erblassers verwendet werden, der weitaus größere Rest der Zinsen jedoch der Ausstattung eines armen jungen Mädchens bestimmt sein, abwechselnd ein Jahr eines Mädchens jüdischer und eines Mädchens christlicher Konfession, welches in Aschaffenburg wohnhaft ist. Die städtischen Kollegien sind beauftragt, die nötigen Veröffentlichungen zu erlassen und dasjenige junge Mädchen zu bezeichnen, welches sich durch tadellosen Lebenswandel und Erfüllung seiner Kinderpflichten des Geschenkes würdig zeigt. Eine einfache oder Doppelwaise soll den Vorzug haben. Falls sich in der Stadt eine Bewerberin nicht meldet, soll man unter den Mädchen der Amtsbezirke Aschaffenburg, Alzenau und Obernburg wählen." 
  
Aschaffenburg AZJ 28061887.jpg (93248 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juni 1887: "Aschaffenburg, 20. Juli (1887). Der von hier gebürtige, in Paris verstorbene, Herr D. Dilsheimer hat außer verschiedenen Legaten an Verwandte, Freunde und Dienerschaft der hiesigen Kultusgemeinde 10.000 Frcs. für wohltätige Zwecke vermacht und der Stadtgemeinde 100.000 Frcs. gestiftet. Von den Zinsen dieser 100.000 Frcs. sollen jährlich 500 Frcs. der Erziehung eines armen Knaben ohne Unterschied der Konfession gewidmet sein, 500 Frcs. zur Versammlung eines Unterstützungsfonds für bedürftige Verwandte des Erblassers verwendet werden, während der Rest der Zinsen für die Ausstattung eines armen Mädchens bestimmt ist. Ein Jahr soll ein jüdisches Mädchen und ein Jahr ein christliches Mädchen bedacht werden. Meldet sich kein städtisches Mädchen, so ist ein Mädchen der Amtsbezirke Aschaffenburg, Alzenau und Obernburg zu wählen. Die Verteilung soll öffentlich und feierlich als Belohnung für ein tugendhaftes Leben und kindliche Ergebenheit an einem Sonntag im Mai stattfinden, gleichsam um einen Wetteifer hervorzurufen.  
Was sagen die Antisemiten zu einer solchen Betätigung wahrer und echter Humanität? Werden sie diesem löblichen Beispiele folgen oder in ihrer Verbissenheit verharren?"   

           
Zum Tod von Joseph Feldmann (1904)  

Aschaffenburg Israelit 14071904.JPG (99811 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1904: "Aschaffenburg. In der Nacht vom Sonntag, 3. Juli, verschied hier nach kurzem Krankenlager, im Alter von 81 Jahren, Herr Joseph Feldmann. Der Verblichene war ein äußerst frommer Jehudi, der es mit allen Pflichten eines solchen sehr streng nahm. Er war stets bereit, für die Interessen der Tora energisch einzutreten und scheute keine Mühe, wenn er in dieser Beziehung etwas leisten konnte. Er zählte zu den aufrichtigsten Verehrern und Anhängern unseres seligen Rabbiners – dem Gaon - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen – und bot stets gern alles auf, um ihn tatkräftig zu unterstützen bei den schweren Kämpfen, denen er im Interesse der Tora ausgesetzt war. Zu der Beerdigung hatte sich, wie es bei dem großen Ansehen, das der Verlebte genossen, zu erwarten war, eine große Trauerversammlung eingefunden und erhielten die Hinterbliebenen Zeichen der aufrichtigsten Teilnahme von Nah und Fern. Im Trauerhause widmete Herr Direktor S. Bamberger dem Verstorbenen einen warmen Nachruf, in welchem er dessen Frömmigkeit und Bereitwilligkeit für Tora und Mizwa allerlei Opfer zu bringen besonders rühmend hervorhob. Dann setzte sich der Trauerzug in Bewegung nach dem alten Friedhof, auf dem auch die Großen ruhen, denen er im Leben sich so gerne immer angeschlossen hatte." 

  
Zum Tod von Rechtsanwalt Simon Schottenfels (1909)    

Aschaffenburg Israelit 11031909.jpg (92585 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1909: "Aschaffenburg, 1. März (1909). Die sterbliche Hülle eines edlen, selbstlosen Mannes und eines ausgezeichneten Jehudi wurde hier zu Grabe getragen. Rechtsanwalt Simon Schottenfels von hier, Enkel des berühmten Rabbi L. Sulzbach aus Darmstadt, den eine tückische Krankheit im Alter von erst 38 Jahren dahinraffte. Ein ansehnliches Trauergefolge, darunter seine hiesigen Kollegen, Gerichtsbeamte und Abordnungen von Vereinen, denen der Verstorbene aktiv angehörte, gab ihm das Geleite zur letzten Ruhestätte. Der Gemeinderabbiner gedachte des vornehmen Charakters des Verstorbenen und insbesondere seines mehrjährigen Wirkens in der jüdischen Gemeindeverwaltung. Justizrat Burger widmete dem verstorbenen namens seiner Berufsgenossen einen tief empfundenen Nachruf. Der Landgerichtsdirektor sprach namens der Richter und schilderte den Heimgegangenen als einen Anwalt, der die ihm anvertrauten Rechtssachen mit großer Pünktlichkeit und Peinlichkeit gewissenhaft erledigte und dadurch sich nicht nur den Dank seiner zahlreichen Mandanten erwarb, sondern auch den Gerichten und der Rechtspflege überhaupt wesentliche Dienste geleistet hat. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

   
Zum Tod des aus Aschaffenburg stammenden Rabbiners Salomon Bamberger (1913)
 
 
Der Vater von Salomon Bamberger war der Aschaffenburger Rabbiner Simon Bamberger (siehe oben); nach der Bamberger'schen Familienchronik ist Salomon Bamberger 1875 in Fischach geboren, wo sein Vater vor der Zeit in Aschaffenburg als Rabbiner tätig war. Salomon Bamberger war verheiratet mit Rosa geb. Koref (1879 in Rawitsch Prov. Posen - 1951 in Paris).  

Aschaffenburg AZJ 26091913.jpg (35916 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1913: "Am 5. dieses Monats wurde der Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Brüssel, Salomon Bamberger, zu Grabe getragen. Der Verblichene stammte aus Aschaffenburg und ist nur 38 Jahre alt geworden. Er war seit sieben Jahren in seinem hiesigen Amte tätig. Oberrabbiner Bloch hielt dem dahingeschiedenen Kollegen einen ehrenden Nachruf."    


Spende von Bankier Otto Wolfsthal (1918)  

Aschaffenburg FrfIsrFambl 22031918.jpg (25816 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. März 1918: "Aschaffenburg. Bankier Otto Wolfsthal und Frau stifteten zum Wiederaufbau der Volkskraft nach dem Kriege 50.000 Mark, aus deren Zinsen bedürftigen Frauen Entbindung und Pflege im städtischen Krankenhaus zuteil werden soll."

   
Zum Tod von Sophie Goldschmidt geb. Siegel (1920) 

Aschaffenburg Israelit 07101920.jpg (81646 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Oktober 1920: "Aschaffenburg, 4. September (1920). Hier verstarb im Alter von 52 Jahren nach längerem, qualvollen Leiden Frau Sophie Goldschmidt geb. Siegel, die Gattin des Kultusvorstehers, Herrn Salomon Goldschmidt, Aschaffenburg. Mit ihr ist eine echt jüdische Frau von altem Schlage, eine liebevolle Gattin und aufopfernde Mutter dahingegangen. Sie erfüllte nicht nur gewissenhaft die Pflichten gegen Gott, sondern war auch in ihrem Verhalten gegen ihre Mitmenschen ein Vorbild. Den Armen war sie eine Mutter. Seit dem Tode ihres ältesten Sohnes, Dr. Emil Goldschmidt, der ein bekannter Mathematiker und überzeugungstreuer Jude, vor 2 Jahren im Kriege fiel, kränkelte sie und siechte dahin. Die allgemeine Trauer um ihren Heimgang tat sich in der ungewöhnlich großen Beteiligung an ihrer Beerdigung kund. Am Grabe sprachen Herr Distriktsrabbiner Dr. Breuer und der Neffe der Verstorbenen, Herr Distriktsrabbiner Wohlgemuth, Kitzingen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Simon Vogel (1921)  

Aschaffenburg Israelit 04081921.jpg (91489 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1921: "Aschaffenburg, 1. August (1921). Am 12. Juli ist Herr Simon Vogel, Aschaffenburg, im 80. Lebensjahre nach einem arbeitsamen und gesegneten Leben zur ewigen Ruhe heimgegangen. Er war ein leuchtendes Vorbild eines tief in Gottesfurcht und Liebe zur Tora wurzelnden Jehudi, eines Mannes, der in rastloser Arbeitskraft und unermüdlicher Schaffensfreude es verstand, die Wertschätzung seiner Mitmenschen zu erreichen und ein Haus zu gründen, das einem Heiligtume glich. In tiefer Freundschaft war er den großen Aschaffenburger Rabbinen Adler und Bamberger verbunden und bewies sie ihnen durch opferfrohe Tat, die es vermochte, in schwierigsten Zeiten zu vermitteln und zu fördern. Die Liebe zur Tora vererbte er auf die Familie und dieses drückte der Kissinger Rabbiner Dr. Bamberger in seiner Trauerrede bei den Trauernden aus. An der Bahre würdigte Herr Rabbiner Dr. Breuer, was die Gemeinde und die Gesamtheit an dem Verblichenen verliere. Die Teilnahme der ganzen Gemeinde, kam bei der Beisetzung, die in Dieburg stattfand, zu beredtem Ausdruck, auch durch die Worte, die Herr Goldschmidt namens der Verwaltung dort sprach."

  
80. Geburtstag von Nathan Meyer (1925)  

Aschaffenburg Israelit 05031925.jpg (21611 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1925: "Aschaffenburg, 3. März (1925). Freitag, den 6. März, begeht Herr Nathan Meyer hier in voller geistiger und körperlicher Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Herr Mayer ist einer unserer Besten.  Gott vermehre seine Tage bis 120 Jahre."

  
90. Geburtstag von Nathan Mayer (1935)  

Aschaffenburg Israelit 07031935.jpg (91290 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1935: "Aschaffenburg, 4. März (1935). Am 10. Adar II begeht der Senior unserer Gemeinde, Herr Nathan Meyer, seinen 90. Geburtstag. Er, der sich bis heute seine geistige Frische und Lebendigkeit bewahrt hat, kann mit Stolz und Befriedigung auf sein von inniger Gottesnähe erfülltes Leben zurückblicken. Durch alle Erschütterungen seines Lebens hat er sich den nicht wankenden Gleichmut bewahrt, der von einem unbesiegbaren Gottvertrauen getragen ist. Für seine unwandelbare Treue, mit der er an der Tora und ihren Trägern festhält, für den Eifer, mit der er sie ohne Einschränkungen erfüllte und sich für ihre Erforschung und Vertiefung einsetzte, wurde ihm schon vor einigen Jahren der Chawer-Titel verliehen. Die harmonische Geschlossenheit seines Wesens, die ideale Verbindung von Frömmigkeit und Menschenliebe, die edlen Eigenschaften seines Herzens, haben ihn die Liebe und Verehrung unserer ganzen Gemeinde erringen lassen. Wir wünschen ihm weiteres ungetrübtes Glück. (Gott vermehre seine Tage) bis 120 Jahre."

   
Zum Tod von David Cahn (1937) 

Aschaffenburg BayrGZ 15051937.jpg (76388 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1937: "Zum Heimgang von David Cahn. Aschaffenburg. Am 27. April ist in München ein angesehenes Mitglied unserer Gemeinde Aschaffenburg, Herr Fabrikbesitzer David Cahn, im 73. Lebensjahre heimgegangen. Der Verstorbene war Gründer und Mitinhaber eines der bedeutendsten Industrieunternehmen unterer Stadt. Er war ein Mann von seltenen Charaktergaben, deren Grundzüge durch Güte und wohltätige Gesinnung gekennzeichnet sind. Für öffentlich-jüdische Belange, insbesondere für die Erfordernisse unserer Gemeinde hat er sich in steter Opferbereitschaft allezeit persönlich eingesetzt. In früheren Jahren gehörte er lange Zeit der Gemeindeverwaltung an; er hatte das Amt des Synagogenvorstandes bekleidet. In den letzten Jahren lebte er in München im Ruhestand. Die Beerdigung fand unter starker Beteiligung am Freitag auf dem Friedhofe der Israelitischen Kultusgemeinde Aschaffenburg statt. Sein Andenken wird im Kreise unserer Gemeinde fortleben."

  
Zum Tod von Lazarus Tannenwald (1938)  

Aschaffenburg Israelit 10031938.jpg (118680 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1938: "Aschaffenburg, 1. März (1938). Am 24. Februar wurde ein vorbildlicher Jehudi, Lazarus Tannenwald, zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Dr. Bloch entwarf ein getreues Lebensbild des Heimgegangenen. In sinnreicher Rede hob er die Verdienste hervor, die sich Herr Tannenwald in unserer Gemeinde erworben. An der Seite der Führer der Gemeinde habe der Verblichene treu und hingebungsvoll seine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe als Kultusbeamter erfüllt. Dass die Gemeinde Aschaffenburg alle jüdischen Institutionen in gesetzestreuem Sinne habe erhalten können, verdanke sie neben den Gedolim, die als Führer der Gemeinde wirkten, nicht zuletzt dem Entschlafenen. Auch sein harmonisches Familienleben wurde gewürdigt. – Als Vertreter der Kultusgemeinde erstattete Herr Landgerichtsrat Kahn den Dank für sein vorbildliches Wirken. Tannenwald habe in seiner schlichten Art über seine Kräfte hinaus länger als zwei Jahrzehnte treu und unverdrossen der Gemeinde gedient und sich dadurch die Sympathien der Gemeindemitglieder errungen. Sein Andenken werde deshalb in der Gemeinde ein gesegnetes bleiben. Herr Hauptlehrer Schloß widmete sowohl im Namen der Kollegen des Bezirks als auch im Namen des Israelitischen Lehrervereins in Bayern dem Heimgegangenen Worte der Anerkennung. Bescheiden in seiner Lebensauffassung, war er doch energisch, wenn es galt, für die Interessen unserer heiligen Lehre einzutreten. Die Lehrer des Bezirks werden ihm ein treues Ansehen bewahren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

    
   
   
Anzeigen jüdischer Einrichtungen, Gewerbebetriebe und Privatpersonen  

Anzeige von Advokat J. Herzfelder (1869)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1869: "Unterm Heutigen habe ich meine anwaltschaftliche Praxis dahier eröffnet. Vertretung für das ganze diesseitige Bayern. 
Aschaffenburg, den 8. November 1869. J. Herzfelder, Advokat".    

   
Anzeige der Eisenhandlung S. Jacob (1890)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember 1890: "Für mein Eisengeschäft, verbunden mit Haushaltungsgegenständen, en gros und en detail, suche per sofort einen tüchtigen jungen Mann, welcher selbstständig disponiert und kleine Reisen zu besorgen hat; gleichzeitig findet ein angehender Commis Engagement. 
S. Jacob
, Eisenhandlung, Aschaffenburg."      

   
Anzeige von Bäckermeister Simon Hahn (1898)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1898: "Bäckerlehrling zur Erlernung der Schwarz-, Weiß- und Feinbäckerei gesucht. Samstags und jüdische Feiertage geschlossen. 
Simon Hahn
Aschaffenburg."    

    
Anzeigen des Manufaktur- und Damenkonfektionsgeschäftes S. Oestreicher Söhne (1900 / 1906)  

Aschaffenburg Israelit 06121900.jpg (40931 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1900: "Wir suchen per 1. Januar 
zwei tüchtige Verkäufer
und Dekorateure bei hohem Salair und freier Station. 
S. Oestreicher Söhne, Manufaktur und Damenkonfektion Aschaffenburg."   
  
Aschaffenburg FrfIsrFambl 16021906.jpg (51597 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Februar 1906: "Zum Eintritt per 1. März, eventuell früher, suchen wir für die Spezial-Abteilung Damen- und Kinderkonfektion unseres Manufaktur- und Modewaren-Hauses eine hervorragend tüchtige I. Verkäuferin von guter Figur. Die Stellung ist gut salairiert, angenehm und dauernd. Offerten mit Bild und Gehalts-Ansprüche bei völlig freier Station im Hause nebst Familienanschluss an S. Oestreicher Söhne, Aschaffenburg."    

    
Werbung für Bamberger's Knabenpensionat (1900/1902)     

Aschaffenburg Israelit 11061900.jpg (79555 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1900: "Bamberger's Knabenpensionat Aschaffenburg. 
Die Unterfertigten beabsichtigen am 1. September dieses Jahres ein jüdisches Knabenpensionat in hiesiger Stadt zu eröffnen. In demselben finden Aufnahme: 
a) Knaben, welche in allen Disziplinen unter unserer Leitung Unterricht erhalten. 
b) Solche, welche das Gymnasium oder die Realschule besuchen sollen. 
Es wird unser Bestreben sein, den uns anvertrauten Knaben eine sorgfältige Erziehung und liebevolle Pflege angedeihen zu lassen und stehen vorzügliche Referenzen auf Wunsch zu Gebote. 
Beide Inhaber sind akademisch gebildet und im Besitze von Rabbinatsdiplom. Zu jeder weiteren Auskunft sind wir gerne bereit. 
Gebrüder Bamberger, Aschaffenburg
." 
  
Aschaffenburg Israelit 30011902.jpg (42995 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1902: "Bamberger's Erziehungs- und Unterrichts-Institut Aschaffenburg. 
Unter Aufsicht der königlich bayrischen Regierung. Knaben-Pensionat. 
Institutschule mit vorzüglichen Lehrkräften. - Gelegenheit zum Besuche von Realschule, Gymnasium und Technikum. Nachhilfeunterricht in allen Disziplinen. 
Prospekt durch Das Direktorat."  

  
Verlobungsanzeige von Zerle Bamberger und Meier Kaufmann (1901)    
Anmerkung: Zerla (Zerle) war eine Tochter von Rabbiner Simon Bamberger und seiner Frau Adelaide geb. Tedesco. Sie ist 1871 in Fischach geboren und starb 1937 in Tel Aviv. Maier Kaufmann ist 1858 geboren. Er war zuerst mit Yiras Bamberger - gleichfalls Tochter von Rabbiner Simon Bamberger - verheiratet, die früh verstorben ist. Er starb 1912 in Wiesbaden.  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901: 
"Zerla Bamberger - Meier Kaufmann
Verlobte.  
Aschaffenburg  -  Wiesbaden".       

   
B. Segal wirbt für sein Knabenpensionat in Würzburg (1901)  

Aschaffenburg Israelit 18071901.jpg (62644 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1901: 
"Knaben
welche die Latein- oder Realschule besuchen wollen, finden in meiner, mit Schulbeginn zu Würzburg eröffneten streng religiösen Pension freundliche Aufnahme und gewissenhafte Beaufsichtigung. Im Hebräisch und in allen anderen Fächern eventuelle Nachhilfe. Wohnung in der Nähe des Gymnasiums. Mäßige Preise. Meldungen bis zum 8. August beim Unterzeichneten 
B. Segal, 
Kultusbeamter, 
Aschaffenburg. 
Beste Referenzen stehen zur Seite."    

  
Anzeige des Hotels - Restaurants Freihof (1902)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902: "Koscher   -  Hotel-Restaurant Freihof   -  Koscher.   
Unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Wachenheimer, Aschaffenburg
Vorzüglicher Luftkurort, durch seine gesunde Lage am Vorspessart und seine herrlichen Spaziergänge; schattigste Anlagen in 3 Minuten erreicht. Große Säle für Gesellschaften und Hochzeiten. Feine komfortable Fremdenzimmer für Familien und Geschäftsreisende. Bäder im Hause. Vorzüglich geführte Küche. Reingehaltene Weine. Sorgfältigste Bedienung. Pensionen für Familien & Sommerfrischler. - Zivile Preise.  J. Bing Witwe."  

   
Ausschreibungen der Stelle eines Elementarlehrers an der Bamberger'schen israelitischen Knaben-Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt (1901 / 1904)

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1901: "Lehrer
Zum Schulbeginne ist an unserem Institut die Stelle eines Elementarlehrers zu besetzen. Derselbe muss beide Prüfungen in Bayern abgelegt haben. Gehalt bei freier Station 800 Mark. Bewerbungen sind mit beglaubigten Zeugnisabschriften bis zum 25. August einzureichen. 
Das Direktorat des Bamberger'schen Erziehungs- und Unterricht- Instituts, Aschaffenburg
".   
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1904: "An unserer Anstalt ist die Stelle eines Elementarlehrers per sofort zu besetzen. Gehalt bei vollkommen freier Station Mark 600 per Jahr. Gefällige Meldungen mit beglaubigten Zeugnisabschriften (über bestandene zweite Prüfung) an das 
Direktorat der Bamberger'schen Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt, Aschaffenburg."   
Aschaffenburg Israelit 25071904.jpg (72809 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1904: "Zum 20. September ist an unserer Anstalt die Stelle eines Elementarlehrers, der freie Station im Hause erhält, zu besetzen. Herren, welche die Anstellungsprüfung in Bayern erstanden haben, wollen unter Angabe ihrer Gehaltsansprüche und Beifügung von Zeugnisabschriften ihre Bewerbung bis zum 15. August an uns einsenden. 
Aschaffenburg. 15. Juli. 
Das Direktorat der Bamberger'schen israelitischen Knaben- Erziehungs- und Unterrichtsanstalt."

  
Verlobungsanzeige für Rosa Koref und Direktor S. Bamberger (1901)  
Anmerkung: bei S. Bamberger handelte es sich um Rabbiner Salomon Bamberger (geb. 1875 in Fischach, gest. 1913 in Brüssel), den Sohn von Rabbiner Simon Bamberger und Adelaide geb. Tedesco, der sich mit Rosa geb. Koref (geb. 1879 in Rawitsch, gest. 1951 in Paris) verlobte. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Adelaide (Ada) Bamberger (später verh. mit Jean Adler) und Simon Marc Mordechai Bamberger (später verh. mit Marcelle geb. Auget).  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1901: 
"Statt jeder besonderen Anzeige! 
Rosa Koref - Direktor S. Bamberger. Verlobte. 
Hanau - Aschaffenburg 
im September 5661."   

    
Veröffentlichung von Jacob Bamberger (1903)  

Aschaffenburg Israelit 21121903.jpg (89412 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1903: "In unserem Verlage erschien: Rabbi Abigedor Cohen Zedek. Eine literar-historische Skizze sowie Kommentar des R. Abigedor Cohen Zedek zu Schir haschirim. 
Zum ersten Male herausgegeben nach einer Handschrift der Hamburger Stadtbibliothek und bearbeitet von 
Jacob Bamberger Aschaffenburg
. Preis je Mark 1.-. 
Joh. Wirth'sche Hofdruckerei A.G. Mainz."   

  
Anzeige des Kaufhauses Mathias Löwenthal (1912)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Januar 1912: 
"Tüchtiger Dekorateur sowie I. Verkäuferinnen für die Abteilungen 
Kleiderstoffe, Damenkonfektion, Kurz- und Wollwaren 
gesucht. Vorzügliche rituelle Verpflegung am Platze. Offerte mit Gehaltsansprüchen und Bild an 
Kaufhaus Mathias Löwenthal, Aschaffenburg
."      


Anzeige des Konfektionshauses Katzenstein (1924)      

Anzeige in der "CV-Zeitung" ( Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 13. März 1924: 
"Jüngere tüchtige 
Verkäuferin
 
für Damenkonfektion per 1. April dieses Jahres gesucht. Auf Wunsch freie Station im Hause sowie Familienanschluss. 
Konfektionshaus Katzenstein, 
Aschaffenburg (Bayern)
."     

 
Geburtsanzeigen für zwei Söhne von Adolph und Bertha Goldschmidt (1928 / 1931)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1928: "Gott sei gepriesenHermann.  
Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen an 
Adolph Goldschmidt und Frau Bertha geb. Levi.  
Aschaffenburg, den 10. November 1928. Erthal-Strasse 3."  
   
Aschaffenburg Israelit 01011931.jpg (29640 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Januar 1931: "Die glückliche Geburt eines gesunden Jungen zeigen an Adolph Goldschmidt und Frau Bertha geb. Levi. 
Aschaffenburg, den 30.12.1930 / 10. Tewet 5691." 


Anzeige des Hutgeschäftes R. Friedenstein, Filiale in Aschaffenburg (1935)
    

Aschaffenburg Israelit 04041935.jpg (50907 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. April 1935: "Die neuen Frühjahrsmodelle sind da! 
Faconieren und reinigen, von Damen- und Herrenhüten nach neuesten Modellen. 
Neue Hüte in großer Auswahl sehr billig.  
R. Friedenstein, (Ffm) Hochstr. 9 pt.   Filiale: Aschaffenburg, Roßmarkt 10."   

       
Verlobungsanzeige von Gertrud Oberndörfer und Salo Lasser (1936)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1936: "Statt Karten  
Gertrud Oberndörfer - Salo Lasser
Verlobte.  
Frankfurt am Main Uhlandstraße 54 - Aschaffenburg Herstallstraße 30."    

 
Todesanzeige für Nathan Mayer (1937)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1937: "Unser edler, gütiger Vater und Großvater 
Herr Nathan Mayer 
hat am 25. Av (2. August) im 93. Jahre seine irdische Laufbahn beendet. 
Sein vorbildliches und pflichtgetreues Leben bleibt uns ein Vermächtnis.  
Aschaffenburg, Mainz, Berlin, Kitzingen.   
Jacob Mayer und Frau Johanna geb. Kaufmann   Bertha Lebrecht geb. Mayer   
Samuel Mayer   Salo Sondern und Frau Recha geb. Mayer und Enkel".

  
Verlobungsanzeige von Lisbeth Jüngster und Heinrich Okolica (1937) 
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1937: "Gott sei gepriesen.  
Lisbeth Jüngster - Heinrich Okolica.
   Verlobte.   
Tann/Rhön - Tann/Rhön - Aschaffenburg.  Simchat Tora 5698 = 28. September 1937."  

  
  
Weitere Dokumente   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries; Anmerkungen auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller)    

Postkarte aus Miltenberg an 
Albert Eisenheimer (1884) 
Aschaffenburg Dok 13025.jpg (207087 Byte)   Aschaffenburg Dok 13025a.jpg (219358 Byte)
Die Postkarte wurde am 19. August 1884 von Miltenberg nach Aschaffenburg versandt, als Absender wird ein Carl Barth (?) genannt. Empfänger der Karte ist Albert Eisenheimer (geb. am 14. März 1855 in Gochsheim, gest. 28. April 1885 in Aschaffenburg; Grab im jüdischen Friedhof am Erbig, Grab und Stein Nr. 487). Albert Eisenheimer war ein Sohn von Isaak Eisenheimer und Helene, geb. Stern. Isaak Eisenheimer führte eine Eisenwarenhandlung, zuerst in Gochsheim, danach in Schweinfurt.
Quellen: http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/friedhoefe/HausWolfsthalplatz/index.html;  
http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/friedhoefe/HausWolfsthalplatz/Kvarim/am_Erbig/487.pdf sowie Recherchen von Elisabeth Böhrer.  
     
Geschäftskarte von Heinrich Weil 
aus Aschaffenburg (1928)
  
Aschaffenburg Dok 130701.jpg (236808 Byte) Aschaffenburg Dok 130701a.jpg (204365 Byte)
Die Geschäftskarte von Heinrich Weil aus Aschaffenburg wurde am 16. Januar 1928 innerorts versandt; sie ist geschäftlicher Art.
Heinrich Weil (geb. 29. April 1857, gest. 25. September 1935) war in Aschaffenburg als Landesproduktenhändler tätig (Geschäft in der Ohmbachsgasse 13). Er war verheiratet mit Amalie geb. Levitta (geb. 22. Januar 1860, gest. 31. August 1931). Das Ehepaar wohnte u.a. in der Goldbachstrasse 84. Beide sind begraben im jüdischen Friedhof in Aschaffenburg (Doppelgrab - Grab 107).  
Heinrich und Amalie Weil hatten zwei Kinder: Hertha (geb. 16. Juli 1886) und Friedrich (geb. 20. März 1889, gest. 14. Dezember 1956 in den USA). Auf dem jüdischen Friedhof Aschaffenburg gibt es ein Grab von ihm (Grab 319). 
Quelle 1; Quelle 2 (jeweils bei www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de).     
     

      

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für die in Aschaffenburg 
geborene Selma Liebmann
 
Aschaffenburg KK MZ Liebmann Selma.jpg (90581 Byte)    
  Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Selma Liebmann (geb. 22. November 1885 in Aschaffenburg),
 wohnhaft in Mainz; am 30. September 1942 ab Darmstadt nach Treblinka deportiert, umgekommen.  
 

     


   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert
Grabstein in New York für Carrie Davidsburg (1842-1904, aus Eschenau) und Daniel H. Davidsburg (1836-1880, aus Aschaffenburg)    
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; der Geburtsname von Carrie wird nicht mitgeteilt.      

Eschenau New York Salem 1830a.jpg (82256 Byte)   Eschenau New York Salem 1830.jpg (102805 Byte)   Grabstein für 
"our angel mother Carrie Davidsburg  
Born in Eschenau, Germany June 8, 1842, 
Died Nov. 30, 1904" und für 
"my beloved husband  Daniel H. Davidsburg  
Born in Aschaffenburg, Germany  
Nov 2 1836  Died Aug. 30, 1880".     

     

     

           

          

           

 

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Stand: 20. April 2015