Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Neunkirchen (Stadt Bad Mergentheim, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts unterschiedlichen Herrschaften, teilweise dem Deutschen Orden gehörenden Neunkirchen bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung im September 1878. Ihre Entstehung geht in das 16./17. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1523 Juden am Ort genannt. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1626/27) werden sechs jüdische Familien genannt, darunter diejenige eines jüdischen Arztes. Gegen Kriegsende ging die Zahl der Juden zurück. Zwischen 1648 und 1668 werden nur noch zwei jüdische Familien erwähnt. Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner wieder zu. 1729 waren sieben jüdische Familien in Neunkirchen. Die höchste Zahl wurde um 1832 mit 63 Personen erreicht. Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh und Waren aller Art. 1879 verließen die letzten Juden das Dorf.    
  
Karoline Strauß (1871), 
   
     
    
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge 

Im 17./18. Jahrhundert wohnten die jüdischen Familien vor allem im Gebiet des heutigen Häldenweges, im Volksmund "Judenberg" genannt. Durch die Ansiedlung war eine Umgehung der alten württembergischen Geleitstraße (heute Althäuser Weg) möglich. Trotzdem gab es jüdische Häuser auch außerhalb dieses Gebietes, zum Beispiel das Anwesen Stuppacher Straße 2 (sogenannter "Judenhof"), das 1710 bis 1823 im Besitz einer Familie Hirsch war. 

Eine erste Synagoge befand sich im Vorderen Gäßlein, Haus Nr. 2, hinter dem ehemaligen Gasthaus zu Krone. Aus unbekannten Gründen ist sie gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (um 1648) abgegangen. Bis dahin hatten auch die Mergentheimer Juden die Gottesdienste in Neunkirchen besucht. 1676 ist letztmals von dieser ersten Synagoge als dem "öd liegenden Judenschulhaus" die Rede. 

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war für die nur noch wenigen jüdischen Familien am Ort vermutlich kein Betsaal vorhanden; möglicherweise besuchten sie die Synagoge in Mergentheim. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dürfte wieder ein Betsaal eingerichtet worden sein. 

Eine neue Synagoge wurde 1776 im "Judenberg" auf dem heutigen Grundstück Häldenweg Nr. 9 unmittelbar hinter der der jüdischen Schule (s.u.) erbaut. Nach vorliegenden Beschreibungen war der Baustil der Synagoge an dem protestantisch-ansbachischen, hugenottischen Kirchenbau orientiert. Der 58 qm große quadratische Gottesdienstraum war von einem flachen Muldengewölbe überspannt. Bis 1971 waren davon noch Bretter erhalten, deren Enden bogenförmig zugeschnitten und einst in die Stirnseiten des gewölbten Raumes eingebaut waren. Aus der mit Muschelkalksteinen 80 cm stark aufgeführten Ostmauer und ihren weißgekalkten Verputzresten auf der Innenwand, aus der Anordnung der drei segmentbogigen, 2 m hohen und 1,2 m breiten Fenstern mit ihren Sandsteingewänden, von denen eines ganz nahe am Eingang lag, und aus dem Einbau der im Gemäuer zwischen den beiden andern Fenstern ausgesparten Nische von 2,5 m Höhe und 0,90 m Breite für den Toraschrein konnte der Besucher noch 1971 ohne Mühe die innere Gestaltung der Synagoge nachvollziehen. 

Nachdem 1832 die Neunkirchener Gemeinde mit der Mergentheimer vereinigt wurde, beschlossen die Gemeindeglieder beider Gemeinden, die Mergentheimer Synagoge baulich wesentlich zu erweitern und zu verschönern. Die Finanzierung war eine gemeinsame Angelegenheit der Mergentheimer und Neunkirchener Juden. Eine aus Anlass des Umbaus veranstaltete Steuereinschätzung ergab, dass von den Mergentheimer Juden der Betrag von 75.800 Gulden und von den Neunkirchener Juden 80.000 Gulden in Ansatz gebracht werden konnte. Damals waren die Neunkirchener Juden noch vermögender als diejenigen in Mergentheim. Am Schabbat Waera, 4. Januar 1840 (28. Tevet 5600) konnte die Synagoge in Mergentheim feierlich eingeweiht werden. In Neunkirchen haben seitdem vermutlich keine regelmäßigen Gottesdienste mehr stattgefunden. Der letzte Gottesdienst wurde in der Synagoge Neunkirchen im Januar 1879 gefeiert. 21 Juden Neunkirchens – die Hälfte von ihnen wohnte damals bereits in anderen Orten - hatten sich zu einem Abschiedsgottesdienst versammelt. Am 27. Januar 1879 wurde das Gebäude an einen Kleinbauern verkauft und danach als Scheune mit Stall verwendet. Der Toraschrein und der Almemor wurde von den wegziehenden Familien mitgenommen. 

1971 musste die ehemalige Synagoge dem Neubau eines Hauses weichen und wurde abgebrochen.

 
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den 
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945:   

Fotos sind nicht bekannt, auch nicht vom Abbruch der ehemaligen Synagoge 1971, 
eventuelle Hinweise bitte an den Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite

    
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bad Mergentheim

Literatur:

Emil Deeg: Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bad Mergentheim-Neunkirchen, in: Fränkische Nachrichten vom 1., 3. und 5. September 1980.
Emil Deeg: Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bad Mergentheim - Neunkirchen (maschinenschriftliche Vorlage mit Quellenangaben und Anhängen). 1980.

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 09. Januar 2009