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in Bad Buchau
Bad Buchau (Kreis Biberach)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Buchau wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.
Es konnten noch nicht alle Texte abgeschrieben
werden.
Übersicht:
Allgemeine
Berichte zur jüdischen Geschichte in Buchau
"Reiseskizzen aus Württemberg" - Eindrücke
aus der jüdischen Gemeinde in Buchau (1857)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Juli 1857:
"Reiseskizzen aus Württemberg. Wer in eine der nächsten besten
Synagogen Württembergs tritt, der sieht bald, dass dort die schon vor
geraumer Zeit angebahnte Reform ziemlich stabil geworden und zwar zum
Nutzen und Frommen des Volkes, zur Ehre der Religion. Der alte Ritus ist
zwar in seinem großen Ganzen unangetastet, bloß sind die Piutim (sc.
Hinzufügungen zur traditionellen Gebetsliturgie) mit Ausnahme von Jom
Kippur und Rosch Haschana entfernt, aber die lärmende 'Judenschule'
findet man hier nicht mehr, die Predigt und meistens auch Choralgesang
sind einheimisch. Die Synagoge Württembergs in ihrer jetzigen Gestalt ist
die geheiligte Institution, die vom Volke anerkannt und geliebt wird. Sie
ist die ehrwürdige Mutter, die man nicht verachtet, 'weil sie alt ist',
sondern in steter Verjüngung zu erhalten weiß. Wir sprechen hier im
Gegensatz von jenen Reformlistigen, die alles Geschichtliche aus der
Synagoge gebannt wissen möchten, allem Positiven feindlich entgegen
treten; aber auch im Gegensatze derjenigen Zeloten, denen es durchaus
nicht um Ordnung und Weihe im Gotteshause zu tun ist, sobald nur kein Jota
vom alten Ritus abgeändert wird. Mag Alles durcheinander gehen, die
Machthaber sehen und hören Nichts. -
Es war im lieblichen Mai, als wir die in Oberschwaben gelegene Stadt Buchau
zuerst besuchten. Buchau am Federsee ist eine zahlreiche, alte und
rühmlichst bekannte Gemeinde, deren Mitglieder schon lange vom Zelotismus
als sehr 'neu' empfunden wurden. Sie birgt in ihrem Inneren die schönsten
jüdischen Institutionen, die unter der Aufsicht des würdigen Rabbiners
und des Vorstandes in bester Ordnung sind. Vereine, zur
Unterstützung der Armen, Kranken, zur anständigen Beerdigung der Toten,
und andere wohltätige Institute sind in größter Blüte. Die Synagoge,
namentlich an Sabbaten stark besucht, ist das Bild der Ordnung und der
Andacht. Schon die weibliche Schuljugend, welche am Gottesdienste
teilnimmt und beim Chore mitwirkt, ist in der Liturgie wohl bewandert und
den fremden Beobachter berührt es sehr angenehm, wenn er sieht, wie auch
sie sich nach Osten gegen die heilige Lade wendet, um die Schemone Esre zu
beten. Was liegt in dieser Erscheinung für Unerlaubtes? Warum hat die
Orthodoxie nicht dafür gesorgt und warum sorgt sie nicht jetzt dafür,
dass das weibliche Geschlecht der krassesten Unwissenheit in synagogalen
Dingen entrissen wird, damit wir auch im Kultus bewanderte jüdische
Mütter erhalten? In Gemeinden, wo die weibliche Jugend schon frühzeitig
den Gottesdienst besuchen lernt und in der Schule die Gebete übersetzt,
erscheint das weibliche Geschlecht im Gotteshause nicht bloß, um im Putze
zu glänzen und sich mit den Nachbarinnen zu unterhalten, sondern des
wahren Zweckes, des Gebetes zu seinem Vater im Himmel wegen. Der an
gewöhnlichen Sabbaten nicht stark besetzte Chorsang sang bei unserer
Andacht Jawehi Binsoa (sc. Gebetslied: 'es geschah, als das Volk
aufbrach...') sehr gut. Sehr ergreifend ist der Akt, wo der Rabbiner bei
den Worten 'Denn von Zion geht die Tora aus...' (Jesaja 2,3) die
Gesetzesrolle herausnimmt und sie feierlich nach dem heiligen Tische
trägt. Es ist der dreijährige Zyklus eingeführt. Die Tora wird wird vom
Rabbiner ohne Negina vorgetragen. Ein zweiter deutscher Choral wird
vor der Predigt gesungen, die beständig sehr erbaulich auf die Zuhörer
wirkt. Der Vorsänger, Herr Lehrer Rödelsheimer, scheint sich sehr
viel Mühe zu geben, den Chor auf würdige Weise zu leiten, was ihm auch
gelingt. Still und geräuschlos wirkt äußerst wohltätig in seiner
Gemeinde der dortige Rabbiner, Herr Güldenstein, geliebt und
geachtet von allen Genossen derselben. Kein Mittel zur religiösen
Anregung und Bildung gibt es, |
das
nicht vom Rabbiner zu seinen schönen Zwecken benutzt wird. Der Jugend ist
er der beständige Leiter auf dem Pfade des Guten, den Erwachsenen
Ratgeber und Freund. Es besteht in Buchau ein Leseverein, dessen
Lokal im israelitischen Gasthause zum Waldhorn sich befindet. Dass die
Schriften des Literaturvereines sich dort befinden, verstehet sich von
selbst. Erfreulich aber ist die Erscheinung, wie man da mehrere gebildete
Geschäftsleute im Vereine mit dem Herrn Rabbiner über die neuesten Erscheinungen
im Gebiete der jüdischen Literatur mit einem Ernste und Interesse
sprechen hört, der den Betreffenden Ehre macht. Was außer dem Bereiche
der Laien liegt, wird vom Rabbiner in freundlichem Gespräche erläutert,
wodurch der Zweck des von Ihnen, Herr Redakteur! gestifteten wohltätigen
Vereins zur Wahrheit wird. Denn heutigen Tages ist es oft der Fall, dass
der Laie das Beste aus der Hand legt und sich zum Trivialen wendet. Die
nützliche Lektüre, namentlich die religiöse, will einen lebendigen
Anreger haben. Herr Rabbiner Güldenstein hat schon seit einer Reihe von Jahren
eine von ihm allein geleitete Realanstalt gegründet, die als
Vorbereitungsanstalt für Gymnasien oder gewerbliche Schulen gilt und in
welcher die schönsten Resultate erzielt werden. Er wünscht nun mit
dieser Schule eine Erziehungsanstalt für israelitische Knaben zu
verbinden, zu welchem Unternehmen wir ihm den besten Erfolg wünschen, da
seine Originalität in der Unterrichtskunst und seine Gemütlichkeit ihn
zum eigentlichen Erzieher stempeln. Schließlich bemerken wir noch, dass
in Buchau und in der dazu gehörigen Filialgemeinde Kappel
gut eingerichtete israelitische Schulen bestehen, an denen die tüchtigen Lehrer
Lammfromm und Hofheimer mit gutem Erfolge wirken." |
Aus
der Geschichte des Rabbinates in Buchau
Über
Rabbiner Jakob Kaufmann (1820-1834 Rabbiner in Buchau)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1853:
"Laupheim, im März. Nekrolog. Am 27. vorigen Monats verschied
dahier der seit 1. Januar vorigen Jahres pensionierte Rabbine Jakob
Kaufmann. In Berlichingen anno
1783 geboren, wo er bei dem dortigen Rabbinen Jakob Bär sich auf das Studium
der jüdischen Theologie vorbereitete, frequentierte er fünf Jahre lang
die damals in hoher Blüte gestandene jüdische Hochschule zu Fürth,
an welcher der verstorbene berühmte Rabbine Wolf Hamburger Talmud und
Poskim vortrug. Nachdem er einige Jahre als Privatlehrer in Herzfeld und
hernach in Sennfeld, ferner in Braunsbach,
als Substitut des dortigen Rabbinen, seines nachmaligen Schwagers, sich
auch im Praktischen für das Amt mehr qualifiziert hatte, wurde er von der
Gemeinde Archshofen als More Zedek
und Vorsänger aufgenommen. Hier blieb er zwölf Jahre, bis er 1820 von
der Gemeinde Buchau in Oberschaben als Rabbiner aufgenommen wurde.
In den Grundsätzen der früheren strengen jüdischen Asketik auferzogen,
und der streng orthodoxen Richtung zugetan, hatte er vielseitige Kämpfe
mit den Bestrebungen und der etwas freieren Richtung, die in den
diesseitigen Gemeinden auftauchten, zu bestehen. Doch war er tolerant
genug, um zu erkennen, dass auch die entgegengesetzte Ansicht das Recht
ihrer Existenz habe. In Folge des Gesetzes vom 25. April 1828 musste er sich
mit mehreren seiner Kollegen einer Kirchendienst-Prüfung, im Sinn des §
16 der königlichen Ministerialverfügung vom 31. Januar 1834 unterwerfen.
In seinem 50sten Lebensjahre, bis wohin er ein Vierteljahrhundert lang
gelehrt hatte, fing er wieder an zu lernen. Mit seinem Kollegen, dem
christlichen Geistlichen seiner Gemeinde, gut befreundet, |
übte
er sich in der Rhetorik und verwandten Doktrinen, um den an ihn gestellten
Erfordernissen in Zukunft besser entsprechen zu können. Die Deraschot des
'großen Sabbat' und des 'Bußesabbat' metamorphosierte er in logisch
geordneten Predigten, womit ein Pastoralkurs Hand in Hand ging. Bei der im
Frühling 1834 stattgehabten Prüfung für befähigt erklärt, wurde der
Verstorbene von Buchau weg auf das Rabbinat Laupheim
versetzt. Im Jahre 1836 wurde er von der königlich württembergischen
israelitischen Oberkirchenbehörde zur Beratung des Organisationsentwurfs
der Kirchenordnung mit einberufen, dem er nun auch seinerseits zustimmte.
Man sieht daraus, dass er nicht abgeneigt war, unserer Zeit diejenigen Konzessionen
einzuräumen, die er für zweckmäßig und notwendig hielt, und die nach
seiner Ansicht das Gebiet der Orthodoxie nicht überschritten.
In hiesiger Gemeinde wirkte er 17 Jahre lang, bis zum Jahre 1851, wo er
wegen seines Alters in den Ruhestand versetzt wurde. In seiner Quieszenz
bezog er aus der königlichen Zentralkirchenkasse einen angemessenen
Sustentationsgehalt.
In den letzten Monaten seines Lebens überfiel ihn eine schmerzhafte
Krankheit, die auch seinen Tod herbeiführte. Während seiner Krankheit
genoss er allgemeine Teilnahme. Seine Leichenbegleitung war eine sehr
zahlreiche, woran auch christliche Honoratioren teilnahmen. So ist er denn
zur Ruhe heimgegangen, nachdem er so viele Kämpfe durchgemacht. Er starb
im 70. Lebensjahre und hinterließ eine Witwe mit einer schon längst
verheirateten Tochter, deren Stützte nunmehr ins Grab gesegnet ward.
Jetzt im Tode findet er den Frieden, nach dem er als Priester gestrebt,
'sein Andenken bleibt zum Segen'. |
Zur
Predigt von Rabbiner Moses Bloch zur Einweihung der Synagoge (1839)
Artikel
in der Zeitschrift "Sulamith" (Jg. 1839). "Seine Majestät
der König von Württemberg hat der Israelitischen Gemeinde zu Buchau 800
Gulden und Seine Durchlacht der Fürst von Thurn und Taxis als Standesherrschaft
300 Gulden zum Bau der Synagogen geschenkt. (Berl. Zeit.). [Der dortige
Rabbiner Herr Bloch hat bei der Einweihung dieser nun beendigten
Synagoge, wie die politischen Zeitungen berichten, eine sehr schöne
Einweihungspredigt gehalten, die besonders deshalb als nachahmungswürdig
von denselben gerühmt wird, weil er zugleich dabei ein Gebet für die
christlichen Mitbrüder und für die christliche Geistlichkeit verrichtet
hat. Dies geschieht aber auch in anderen Vorträgen israelitischer Redner
nicht selten, bei feierlichen Gelegenheiten in den Synagogen. Gebete für
den Landesherrn, dessen hohes Fürstenhaus, und für die christliche
Obrigkeit werden ja bekanntlich in allen Synagogen an jedem Sabbat und an
Festtagen verrichtet." |
Rabbiner
Güldenstein - einzelne Reformen im gottesdienstlichen Bereich (1846)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Januar 1846:
"Buchau, 25. November (1845). Ich ersuche Sie hiermit, meinem Votum
über die in den Gebeten zu berücksichtigende Messiasidee, wie ich
solches bei der letzten Rabbinerversammlung abgegeben, in Ihrer
Zeitschrift gefälligst ein Plätzchen zu gönnen, da in den soeben
erschienenen Frankfurter Protokollen, Seite 79, meine Worte, vermutlich
durch Druckfehler, gänzlich entstellt sind.
'Da der Glaube an einen persönlichen Messias, welcher einen
selbständigen, politischen Staat und den Opferkultus wieder herstellt,
aus dem religiösen Bewusstsein eines größeren Teils der Juden
geschwunden und dem Glauben an ein Messiasreich, ein Reich der
Gottesfurcht, des Friedens, der Wahrheit und Gerechtigkeit Platz gemacht:
so enthalten unsere Gebete Manches, das für Viele keine Wahrheit ist. Wir
haben aber die Aufgabe, jede Lüge aus dem Gotteshause zu verbannen und
müssen daher jede Bitte um die Widerherstellung eines
politisch-nationalen Reiches aus den Gebeten entfernen. Es sollen aber
diejenigen, welche einen persönlichen Messias erwarten, keineswegs
dadurch verdächtigt werden, als ob sie keine trefflichen Staatsbürger
sein können, wie dieses vom Herrn Vize-Präsidenten in seinen
einleitenden Worten, und Herrn Dr. Holdheim klar und richtig berührt
wurde. Ich möchte eine solche Fassung vorschlagen, dass jeder den
Ausdruck seines Glaubens im Gebete wiederfindet etc.'
Gelegentlich mache ich Ihnen die Mitteilung, dass das hiesige
Kirchenvorsteheramt, auf die Äußerungen der Rabbinerversammlung,
folgende zwei Beschlüsse der königlichen Oberkirchenbehörde zur
Genehmigung vorlegte:
1) Soll künftig beim Aufrufen zur Tora eine freiwillige Spende zur
Erbauung einer Orgel in hiesiger Synagoge,
2) der dreijährige Zyklus für die Tora-Lektionen eingeführt werden.
Der erste Beschluss ward von königlicher Oberkirchenbehörde unbedingt
genehmigt, der zweite wird erst dann seine Genehmigung erhalten, nachdem
das Kirchenvorsteheramt mit den selbständigen Mitgliedern der Gemeinde
einen Durchgang gehalten, um ihre Meinung in Betreff dieser Veränderung
zu vernehmen, und sich die bei weitem überwiegende Mehrheit dafür
ausgesprochen haben wird.
Der Artikel von Württemberg in No. 46 dieses Blattes, in welchem mein
Bruder Albert* als Schüler des Herrn Professors Schwanthaler in München
aufgeführt wird, ist dahin zu berichtigen, dass derselbe allerdings eine
Zeit lang im Atelier des Prof. S. arbeitete, eigentlich aber Zögling der
königlichen Kunstschule zu Stuttgart ist, von welcher aus er zur
Fertigung der Preisarbeit nach Berlin abging und hiezu eine namhafte
Unterstützung vom königlichen Ministerium erhielt. Mit nächstem
Frühjahr gedenkt derselbe seine Reise nach Rom anzutreten. Rabbiner
Güldenstein." |
| * Anmerkung: mit dem "Bruder
Albert" ist der zu seiner Zeit sehr bekannte Bildhauer Albert
Güldenstein gemeint (geb. 1823 in Sontheim bei Heilbronn, gest. 1891 in
Stuttgart) |
Verhältnisse
in Buchau, geprägt unter Rabbiner Güldenstein (1847)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. März 1847:
"Die Gemeinde Buchau geht auch auf die Vorschläge ihres Rabbinen
gern ein. So ist der Synagogenchor aus geübten Sängern, unter Leitung
des Provisors Rödelsheimer, zusammengesetzt, harmonierend mit den
prachtvollen Räumen der Synagoge; die Schulen gedeihen unter Leitung des wissenschaftlichen
Rabbinen und ein von ihm gegründetes Leseinstitut, dem auch mehrere
jüdische Ärzte und Rechtsgelehrte angehören, verbreitet wahre
Bildung." |
Über die Privatschule von Rabbiner Dr. Güldenstein
(1852)
Rabbiner Dr. Güldenstein führte die Schule seit 1850 als eine
Vorbereitungsanstalt für Gymnasien oder gewerbliche Schulen neben der
israelitischen Volksschule, die am Ort bestand. 1856 hat er die Schule durch
eine Pension zur Unterbringung auswärtiger Schüler ergänzt (siehe folgender
Artikel von 1856).
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Oktober 1852:
"Buchau (am Federsee), im September. Die Privatschule, welche der
hiesige Rabbiner Güldenstein leitet, zählt 36 Schüler, worunter 8
Katholiken. Bei der vorjährigen öffentlichen Prüfung durch den
Kreisschulinspektor, Herrn Rektor von Moser in Ulm, erhielt die Anstalt
eine Belobung vom königlichen Studienrate. Eine hebräische Deklinations-
und Konjugationstabelle, die Güldenstein vor Kurzem herausgegeben, wurde
durch die israelitische Oberkirchenbehörde 'allen Religionslehrern des
Landes beim Unterricht im Hebräischen' empfohlen." |
"Pensions- und Unterrichtsanstalt für israelitische
Knaben" durch Rabbiner Güldenstein (1856)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Februar 1856:
"Pensions- und Unterrichtsanstalt für israelitische Knaben in Buchau
am Federsee. Vor sechs Jahren gründete ich am hiesigen Orte mit
Gutheißung des Königlichen Studienrats und der Königlichen
Israelitischen Oberkirchenbehörde eine unter Staatsaufsicht stehende
höhere Privat-Lehranstalt für Knaben. Mit Ostern 1856 gedenke ich nun
dieselbe zu einer Pensions- und Unterrichtsanstalt für israelitische
Knaben von 9 bis 16 Jahren zu erweitern. Als letztes Ziel setzt sich die
Anstalt: wahrhaft religiöse Israeliten zu bilden, deren Kenntnisse nicht
hinter den Anforderungen der Zeit zurückbleiben.
Die körperliche Erziehung, einfach und ungekünstelt, ist auf
Kräftigung, Ausdauer, Mäßigung und anständige Haltung gerichtet.
leichte Turnübungen, zeitweilige Ausflüge in die naheliegende Schweiz
und die gesunde Lage Buchau's selbst werden unser Streben
unterstützen.
Di geistige Ausbildung erhalten die Zöglinge teils in meiner Schule,
teils in meinem Hause. Während es von dem künftigen Berufe der
Pensionäre abhängt, ob eine humanistische Bildung zu erstreben, und -
die lateinische und griechische Sprache, oder eine realistische, und - die
französische und englische Sprache vorzugsweise zu lehren ist: genießen
alle ohne Unterschied auf die Wahl des Berufs, einen gründlichen
Unterricht in folgenden Gegenständen: biblische und israelitische
Geschichte, israelitische Glaubens- und Pflichtenlehre, hebräische
Sprache, Bibel in der Ursprache mit dem Kommentaren des Raschi und Kimchi,
deutsche Sprache, Arithmetik, Geographie, Geschichte und Kalligraphie.
Was die Schule in diesen Unterrichtszweigen nicht zu leisten vermag, hat
der Unterricht im hause zu ersetzen, sowie überhaupt auch in
Lehrgegenständen, die im Lehrplan nicht aufgenommen sind, wie:
Naturwissenschaften, Mathematik im weiteren Sinne, Geometrie, Musik,
Gesang und Zeichnen, auf Verlangen der Eltern von dem einen oder anderen
der hiesigen tüchtigen Lehrer Privatunterricht erteilt werden kann.
Buchau, im Königreich Württemberg Anfangs Januar 1856. M.
Güldenstein, Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde,
befähigter Lehrer der älteren und neueren Sprachen und der
Realien.
Seit zwanzig Jahren kenne ich Herrn Rabbiner Güldenstein als einen
kenntnisreichen, gewissenhaften und echt religiösen Mann, von dessen
Leitung und Erziehung gewiss die besten Erfolge zu erwarten sind, wie sie
sich bis jetzt von seinem Unterrichte erprobt haben. Namentlich vom
Auslande können ihm daher vertrauensvoll Eltern ihre Kinder anvertrauen. Dr.
Ludwig Philippson*." |
| * Herausgeber der "Allgemeinen
Zeitung des Judentums". |
Rabbiner Dr. Güldenstein gibt die Privatschule auf
(1860)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Dezember
1860: "Herr Rabbiner Dr. Güldenstein in Buchau hat seine
Privatschule zur Vorbereitung für die lateinische Schule aufgegeben,
obschon er vom Königlichen Studienrate zur Fortführung derselben
ermuntert wurde; er hat aber eingesehen, dass sein geistlicher Beruf seine
ganze Kraft in Anspruch nimmt und nur die Liebe zur
Unterrichtswissenschaft hatte ihn angetrieben, sein Lehrtalent nutzbar zu
machen. Jeder Rabbiner hätte vollauf zu tun, wenn er sein geistliches
Hirten- und Predigtamt gewissenhaft erfüllen will und dürfte alle
Nebenbeschäftigungen beiseite liegen lassen, besonders wenn er auch
seiner Fortbildung Genüge leisten will." |
Bücher aus dem Nachlass des Rabbiners Dr. Güldenstein
können erworben werden (1861)
Anmerkung: hebräische Buchtitel sind teilweise nicht ganz
präzise wiedergegeben
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juni 1861:
"Buchau am Federsee (Württemberg). Literarische Anzeige. Der
verstorbene Rabbiner Dr. Güldenstein dahier hat eine sehr zahlreiche
Bibliothek der verschiedensten hebräischen, griechischen, lateinischen,
englischen und französischen Werke hinterlassen, und befinden sich
besonders darunter ein Schass (babylonischer Talmud), Jad
hachasaka (Mischne Tora) von Rambam (Maimonides) in 4 Teilen,
mehrere mehrere Schales und Tschuwes (Responsen-Werke), Mischnajot
und überhaupt eine Auswahl der schönsten hebräischen und sonstigen
Werke, die im Hause der Unterzeichneten eingesehen und angekauft werden
können. Die Witwe des Rabbinen Dr. Güldenstein." |
Ausschreibungen des Rabbinates Buchau (1861/62)
Datum in der Anzeige verschrieben: 1851 für richtig: 1861!
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. August
1861: "Das erledigte Rabbinat Buchau, mit welchem neben freier
Wohnung und außer den Gebühren für Kasualien und Emolumente ein aus der
israelitischen Zentral-Kirchenkasse zu empfangender Fixgehalt von 750
Gulden verbunden ist, wird besetzt werden. Etwaige auswärtige Bewerber
werden aufgefordert, sich unter Angabe ihrer persönlichen Verhältnisse
und ihrer Bildungslaufbahn und unter Vorlegung der Befähigungsdokumente
bei der unterfertigen Stelle innerhalb 5 Wochen von heute an zu
melden.
Stuttgart, den 22. Juli 1861 (statt 1851). Königlich israelitische
Ober-Kirchenbehörde. Schmidt." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Januar 1862:
"Das neuerdings erledigte Rabbinat Buchau, mit welchem neben freier
Wohnung und außer den Gebühren für Kasualien und Emolumente ein aus der
israelitischen Zentral-Kirchenkasse zu empfangender Fixgehalt von 750
Gulden verbunden ist, wird besetzt werden. Etwaige auswärtige Bewerber
werden aufgefordert, sich unter Angabe ihrer persönlichen Verhältnisse
und ihrer Bildungslaufbahn und unter Vorlegung der Befähigungsdokumente
bei der unterfertigen Stelle innerhalb 5 Wochen von heute an zu
melden.
Stuttgart, den 30. Dezember 1861. Königlich israelitische
Ober-Kirchenbehörde. Schmidt." |
Einsetzung von Rabbiner Weimann in seinen Dienst in
Buchau (1862)
Anmerkung: Rabbiner Elkan Weimann (geb. 1818 in Treuchtlingen),
war zunächst Rabbiner in Welbhausen, danach in Lehrensteinsfeld bei Heilbronn,
seit 1882 bis zu seinem Tod 1886 Rabbiner in Buchau.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1862:
"Buchau, 6. April (1862). Gestern fand hier eine schöne,
seltene Feier statt. Der neu ernannte Rabbiner Weimann wurde auf Anordnung
der Königlichen israelitischen Kirchenbehörde in Stuttgart durch den
diesseitigen Königlichen Bezirksbeamten (Oberamtmann Bockmaier in
Riedlingen) in sein Amt installiert." |
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochets (1865)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1865: "Buchau
(Württemberg). Für die hiesige Synagoge soll ein Kantor, der zugleich
geprüfter Schochet sein muss, baldmöglichst und spätestens bis zum 1.
September dieses Jahres angestellt werden. Da die Schächterfunktion dem
bisherigen 71jährigen Schochet bis zu seiner Dienstunfähigkeit
verbleiben soll, so wird das jährliche Gehalt vorläufig auf 500 Gulden
mit dem Bemerken festgesetzt, dass dasselbe durch die spätere Übernahme
der Schächterfunktion, welche im obgenannten Falle dem Kantor zugeführt
wird, auf beiläufig 800 Gulden sich erhöhen dürfte. Übrigens ist in
der hiesigen ca. 150 israelitische Familien zählenden Gemeinde
Gelegenheit zu Nebeneinkünften reichlich geboten. Bewerber moralischen
und religiösen Lebenswandels, im Besitze einer schönen Stimme und
musikalischer Kenntnisse, wollen ihre Gesuche mit Belegen innerhalb 3
Wochen an das Unterzeichnete franko einsenden, wo auf frankierte Anfragen
das Nähere zu erfahren ist. Den 2. Juli 1865. Das israelitische
Kirchen-Vorsteher-Amt. Weimann, Rabbiner." |
| Anmerkung: die Ausschreibung der Stelle des
Schochet 1865 wird verständlich, wenn man den im nachstehenden Artikel |
Über Rabbiner Weimanns Bemühungen um Behebung einiger liberaler Zustände in
Buchau (1866)
Anmerkung: dieser Abschnitt entstammt der konservativ-orthodoxen Zeitschrift
"Der Israelit" und ist auf dem Hintergrund einer grundsätzlichen
Kritik an den überwiegend liberal geprägten Zuständen in der damaligen
jüdischen Gemeinde in Buchau zu verstehen.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1866
(S. 582): "Als ich jüngst Oberschwaben bereits, besuchte ich
auch die Gemeinde, wo Herr Rabbiner Weimann auf dem Lehrstuhl sitzt
(gemeint: das Rabbinat inne hat). - Man sagte mir, dass, obgleich der Mann
weder zu den Orthodoxen gezählt werden kann noch will, man doch
zugestehen müsse, wie er durch seine Ernennung von Heilbronn nach Buchau
auf einen Boden versetzt worden sei, der in religiöser Hinsicht durch
seine Amtsvorgänger schon seit 30-40 Jahren so total unterminiert und
inkurabel gemacht worden ist, dass man fast klagen kann: 'Keine Furcht
Gottes ist an diesem Orte' (1. Mose 20,11). Es ist anzuerkennen, dass es
Herrn Weimann z.B. schon bei mehr als einem Dutzend Fällen gelungen ist,
dass der Trauernde in den Tagen der Trauerwoche (sc. wo das Gesetz
ein siebentägiges Trauersitzen nach bestimmten Gebräuchen vorschreibt)
wenigstens eine einzige Stunde sitzt, und das mag ihn mehr Mühe kosten,
als in frommer Gegend einen außergewöhnlichen Taanit (Fastentag)
zu statuieren. Alles gemäß dem Ort. Schon mit seinem Amtsantritte
begannen seine Bemühungen, gegen abgekommene Trauergebräuche, gegen
unreine Speisen und Entweihungen des Schabbat usw. eifrig aufzutreten, und
man kann zugeben, dass diese hie und da etwas gewirkt haben, ungeachtet
ein früherer Rabbiner sagte, man brauche keine Anfragen (sc. beim
Rabbiner) zu machen und der andere selbst Trauerbräuche nicht
beobachtete. Ein Verdienst Weimanns darf es genannt werden, dass er durch
Aufmerksamkeit einen Grund fand, jenem seltsamen Schochet, der
schon 30 Jahre keinen Fall entdeckt, um Terefa (Unbrauchbarkeit des
Fleisches) oder eine Anfrage (beim Rabbiner) zu machen, nach der
Suspension einen wirklich gewissenhaften Schochet beizugeben, sodass jetzt
innerhalb eines Vierteljahres mindestens 30 Anfragen vorgekommen sind. Die
Schwierigkeit der amtlichen Wirksamkeit eines Rabbinen auf diesem Teil des
religiösen Feldes tritt mehr hervor, wenn man erwägt, dass ihm ins
Gesicht gesagt worden ist, dem (bisherigen) Schächter würde auf
eine Beschwerde an die israelitische Oberkirchenbehörde ohne Weiteres die
Erlaubnis zum Schächter wieder erteilt werden. Die ist übrigens in
Wahrheit doch nicht so. So hat z.B. ein neuer Rabbiner, obgleich er selbst
z.B. geweihten Wein (?) trinkt, doch aus anderen Gründen einem
orthodoxen Jehudi, der von einem frommen Rabbiner die Kabbala
(rabbinisches Diplom) schon hatte, die Ermächtigung zur Ausübung der Schechita
(Schächten) versagt, bis er auch von ihm approbiert sei, und die
Oberkirchenbehörde hat auf Beschwerde den Rabbinen unterstützt. Eine
originelle Erscheinung in Württemberg ist es, dass die württembergischen
jüdischen Theologen, wenn sie in Tübingen studieren, denselben Tisch
frequentieren sollen, den ihre christlichen Kommilitonen haben. Ist's
wahr? und was tut unsere israelitische Oberkirchenbehörde, die das
religiöse Wohl der Söhne Seines Volkes im Lande zu heben berufen
ist, gegen solche Zustände, obgleich sie von Seiten des Staates ganz
freie Hand hätte? - Mit Recht hoffen alle Parteien, die Neuen wie die
Alten, auf die baldige Revision der jüdischen Kirchenverfassung in
Württemberg, die den Gemeinden ihre Autonomie wieder bringen
soll." |
Rabbiner Weimann veröffentlicht "fünf
Zeitpredigten" (1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. November 1866:
"Buchau am Federsee. Von dem hiesigen Herrn Rabbinen Weimann sind im
Verlage des Verfassers auf allseitiges Verlangen seiner Zuhörer 'fünf
Zeitpredigten' erschienen, welche derselbe vom Sabbat vom Tischa BeAw
an bis Kol Nidre während der Kriegszeit und nach dem
Friedensschluss in der Synagoge hier gehalten hat. Es werden darin in
bündigen und markigen Worten zuerst die 3 Sünden unserer Zeit,
bestehend in der Entfernung von der Gottheit, von der Einfachheit und von
der Einigkeit, aufgezählt und am Schabbat Nachamu der Trost
unserer Zeit durch den Glauben gespendet, dass unser Schicksal allein in
Gottes Händen ruht: 'Hebet empor eure Augen und sehet: wer hat diese
geschaffen? usw. (Jesaja 40,26). Es dorrt das Gras, es welkt die
Blume, aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit (Jesaja 40,8)'
Unmittelbar nach dem offiziell publizierten Friedensschluss zwischen
Preußen und Württemberg sprach der Redner vom Heil unserer Zeit
und legte dem Thema den Ausspruch von Rabbi Simon (Aboth I,18) zugrunde,
indem er nachwies, dass dieses Ziel dauernd und beseligend nur dann
erreicht werden könne, wenn Wahrheit gesprochen, Gerechtigkeit geübt und
Frieden gehalten wird. Am Neujahrstag kommt dann der Verfasser auf das Zählen
der Zeit, deren Wert er an den Worten erläuterte: 'Mene Mene tekel
u-parsin' (Daniel 5,26-26), woraus er uns das Gottesgericht in den
Ereignissen der Gegenwart zeigte. Schließlich wird am Vorabend von Jom
Kippur auf die Versöhnung unserer Zeit hingewiesen, und an der
Hand der heiligen Schrift eine Versöhnung mit Gott, mit uns selbst,
Versöhnung mit unserem Nächsten verlangt. - Die kleine Predigtsammlung
in der Offizin des Herrn Schell in Heilbronn äußerlich gut ausgestattet,
kostet nur 18 Kreuzer und zeigt mindestens von dem Eifer des Verfassers,
die Zeitereignisse auch von der allgemeinen religiösen Seite in passender
Stunde zu besprechen. Getragen von den damals hoch gehenden politischen
Wogen hat der Verfasser die spezifisch-jüdische Bedeutung der Festzeiten,
an denen er die Predigten vortrug, zu sehr in den Hintergrund gestellte,
statt sie ermunternd auf die Tagesneuigkeiten anzuwenden und dabei zu
zeigen, dass unser altes Judentum eine Quelle lebendigen Wassers
(Jeremia 2,13) ist, das uns in allen Lagen des Lebens Labung, Trost und
Hilfe bringt. Nur die früheren Tage, wenn sie wiederkehren, die Zeiten
der Frömmigkeit, wie sie das geschriebene und mündliche Gesetz
vom Juden verlangt, können uns Trost, Heil und Versöhnung bringen. 'Führ
uns zurück, Ewiger, zu dir, und wir wollen zurückkehren; verjünge
unsere Tage wie vormals" (Threni = Klagelieder Jeremias
5,21)." |
Rabbiner Weimann wird in Friedrichshafen von Königin
Olga empfangen (1883)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September
1883: "Rabbiner Weimann aus Buchau, der sich zur Kur in
Friedrichshafen aufhielt. hatte daselbst die Ehre, von Ihrer Majestät der
Königin Olga in Audienz empfangen zu werden. Er nahm davon Veranlassung,
der Königin seine zur Vorfeier Ihres Geburtstages am vorhergegangenen
Sabbat gehaltene Predigt überreichen zu lassen und erhielt darauf aus dem
Kabinett Ihrer Majestät ein huldvolles, anerkennendes
Dankschreiben." |
Abschied von Rabbiner Weimann (1886)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1886:
"Man schreibt aus Buchau am Federsee, vom 21. September (1886):
Rabbiner Weimann, der 24 Jahre in der hiesigen israelitischen Gemeinde als
Seelsorger gewirkt hat, musste wegen andauernder Krankheit in den
Ruhestand treten und verließ heute unsere Stadt, um nach Stuttgart
überzusiedeln. Derselbe hat sich durch gewissenhaftes, pflichttreues und
eifriges Wirken die Zufriedenheit der Behörde und Gemeinde erworben und
erhalten. Da der Scheidende durch seine Gesundheitsverhältnisse am
Predigen verhindert war, so hat er seine Abschiedsworte im Druck
erscheinen und an die Gemeindegenossen verteilen lassen. Aus dem gleichen
Grunde musste er die ihm zugedachte Abschiedsfeier ablehnen und wurde ihm
durch das Kirchenvorsteheramt eine Adresse nebst einer sehr ansehnlichen
Ehrenhabe von den Gemeindegenossen überreicht. Die Gesellschaft Harmonie
brachte ihm gestern Abend ein Ständchen, wobei der Vorstand derselben,
Kaufmann H. Erlanger, dem Danke der Gemeinde für seine Wirksamkeit
Ausdruck verlieh." |
Zum Tod von Rabbiner Weimann (1886)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" vom 12. Oktober 1886: "Man schreibt aus Stuttgart vom
27. September: Gestern Nacht verschied schnell an einem Schlaganfall der
erst vor einigen Tagen hierher übergesiedelte pensionierte Rabbiner
Weimann aus Buchau, von dessen Abschied in dieser Woche berichtet wurde.
Rabbiner Weimann ist geboren zu Treuchtlingen 1818, er besuchte die
dortige Volksschule, später das Gymnasium in Augsburg und 1839-43 die
Universität zu München. Nachdem er als Hauslehrer in Büdingen und
später in Fulda gewirkt hatte, ward er 1847-61 Rabbiner in Welbhausen
(Bayern) und trat 1861 in den württembergischen Kirchendienst ein, war
1861-62 Rabbiner in Lehrensteinsfeld-Heilbronn und 1862-1886 in Buchau.
Seit 3 Jahren war er kränklich und konnte seinem Amte nicht mehr
vorstehen. Der Verstorbene war mit einem seltenen Rednertalent
begabt." |
Ausschreibung des Rabbinates Buchau (1886)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. November
1886: "Erledigtes Rabbinat. Das erledigte Rabbinat Buchau,
Oberamts Riedlingen, ist wieder zu besetzen. dasselbe ist mit einem aus
der Israelitischen Zentralkirchenkasse fließenden pensionsberechtigten
Gehalt von 1.900 Mark, welcher nach fünf Dienstjahren sich auf 2.000 Mark
und nach weiteren zehn Dienstjahren auf 2.057 Mark 14 Pfennig durch
ebenfalls pensionsberechtigte Alterszulagen aus der genannten Kasse
erhöhen wird, sowie mit freier Wohnung und Gebühren für Kasualien
verbunden. Die Bewerber werden aufgefordert, sich innerhalb 4 Wochen unter
Darlegung ihres Lebenslaufs und Bildungsganges und unter Anschluss der
Nachweise über ihre Befähigung bei der unterzeichneten Stelle zu
melden.
Stuttgart, den 27. Oktober 1886. Königliche Württembergische
Israelitische Oberkirchenbehörde. Finckh." |
Rabbiner
Laupheimer wechselt von Buttenhausen nach Buchau (1887)
Meldung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Februar 1887:
"Stuttgart, 9. Februar (1887). Vermöge Entschließung des
Königlichen Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 5. dieses
Monats wurde das Rabbinat Buchau dem Rabbiner Laupheimer in Buttenhausen
übertragen." |
Einführung
von Rabbiner Laupheimer als Rabbiner in Buchau (1887)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Mai 1887:
"Am 7. Mai wurde in Buchau am Federsee Rabbiner Laupheimer aus
Buttenhausen durch den Kirchenrat Dr. von Wassermann in einem feierlichen
Gottesdienste in sein Amt eingeführt. Die bürgerlichen Kollegien der
Stadt und viele christliche Honoratioren wohnten dem Gottesdienste und
auch dem Festessen bei, so auch der Stadtpfarrer Ruber." |
Silberne Hochzeit von Rabbiner-Ehepaar Laupheimer (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1902:
"Buchau am Federsee, 26. Dezember (1902). Heute feierten Herr
Rabbiner Laupheimer und Frau im engsten Familienkreise ihre
silberne Hochzeit. Eine offizielle Feier, die ihnen die israelitische
Gemeinde widmen wollte, lehnte das Jubelpaar ab. Von der Liebe und
Verehrung, deren sich das Jubelpaar hier und auswärts erfreut, legten die
zahlreichen Glückwünsche und Geschenke ein erhebendes Zeugnis ab. Mit
warmem Herzen, klarem Blick und geschickter Hand nimmt Herr Rabbiner
Laupheimer Teil an Freud und Leid seiner Gemeinde und sät so eine Saat
aus, die die schöne Frucht der Anhänglichkeit seiner Gemeinde
trägt." |
Publikation von Rabbiner Abraham Schlesinger:
"Einführung in den Zionismus" (1922)
Buchbesprechung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1922:
"Abraham Schlesinger: Einführung in den Zionismus. Verlag J.
Kauffmann. Frankfurt am Main. 1921.
Der Text ist nicht ausgeschrieben - bitte im Original einsehen. |
Publikation
von Rabbiner Abraham Schlesinger: "Im Zeichen der Wiedergeburt" (1935)
Buchbesprechung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1936: "Im
Zeichen der Wiedergeburt. 'Von Abraham Schlesinger. Berlin. 18935. Verlag
Kedem. 217 S.
Der Artikel wird nicht abgeschrieben, da es keinen direkten
Zusammenhang zur jüdischen Geschichte in Buchau gibt - bei Interesse
Textabbildung anklicken. |
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
und Vorbeter und der
Schule
Publikation von Oberlehrer Leopold Lammfromm (1847)
Leopold Moses Lammfromm war der erste jüdische Seminarist am
Lehrerseminar in Esslingen (Promotion 1820-23). Er ist am 12. Juli 1803 in
Oberdorf geboren und war von 1825/31 bis zu seinem Tod 1859 Lehrer in
Buchau.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Dezember 1847:
"Literarische Anzeigen".
Der Artikel wird nicht abgeschrieben, da es keinen direkten
Zusammenhang zur jüdischen Geschichte in Buchau gibt - bei Interesse
Textabbildung anklicken. |
Buchbesprechung des "Lesebuches für Israeliten zum Gebrauche in Schule und
Haus" von Oberlehrer Leopold Lammfromm (1848)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 27.
Februar 1848: "Literarisches. Lesebuch für Israeliten zum Gebrauche
in Schule und Haus. Herausgegeben von Leopold Lammfromm, Oberlehrer in
Buchau am Federsee. Blaubeuren. Verlag von Wilhelm Lubrecht 1847. (200 S.
gr. 8.)."
Der Artikel wird nicht abgeschrieben, da es keinen direkten
Zusammenhang zur jüdischen Geschichte in Buchau gibt - bei Interesse
Textabbildung anklicken. |
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Abschied von
(Unter-)Lehrer Rödelsheimer nach 30 Jahren Dienst in
Buchau (1866)
Anmerkung: Samuel Rödelsheimer (geb. 12. September 1816 in Unterschwandorf)
war von 1836 bis 1866) Lehrer in Buchau. Nach seiner unten geschilderten
Verabschiedung wurde er zunächst nach Kochendorf, dann auf eigenen Wunsch nach
Pflaumloch versetzt. Seit 1867 wurde er - auch auf Wunsch der Gemeinde Buchau -
wieder nach Buchau versetzt. Er starb am 4.
Februar 1899 in Stuttgart.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. März 1866:
"Aus Württemberg, vom Federsee, 20. Februar (1866). Ein Akt schöner
Anerkennung, als Kundgebung der Dankbarkeit gegen einen scheidenden Lehrer
hat vor einigen Tagen in Buchau stattgefunden, der es verdient, in
weiteren Kreisen bekannt zu werden. Der Unterlehrer Rödelsheimer an der
israelitischen Volksschule, der 30 Jahre an derselben wirkte, wurde auf
sein Ersuchen als Schullehrer nach Pflaumloch befördert; dessen Abschied
von Buchau war ein kleines Volksfest, insofern sich die ganze Gemeinde
dabei beteiligt; aber auch allgemeines Bedauern gab sich unter allen
Bewohnern Buchaus ohne Unterschied der Konfession über das Scheiden des
wackeren, bescheidenen Volkslehrers kund. Herr Rabbiner Weinmann hat in
Anerkennung der Verdienste des Scheidenden um Schule und Gotteshaus, eine
Subskription eröffnet, die so reichlich ausfiel, dass dem Scheidenden ein
kostbarer silberner Pokal und 12 Karolin in Gold bei der Abschiedsfeier
als Andenken überreicht werden könnten, die der Herr Rabbiner mit einer
passenden Ansprache dem scheidenden Lehrer im Namen der Gemeinde
aushändigte. - Auch bei Sabbatgottesdienste würdigte der Rabbiner in
einer schwungvollen Predigt das Wirken des Lehrers, der in den 30 Jahren
seiner Tätigkeit als Erzieher ein ganzes Menschengeschlecht erzogen, und
zeichnete die Wichtigkeit und Würdigkeit des Lehramts. - Überhaupt hat
Herr Rabbiner Weimann schon mehrere Male sich als Freund der Lehrer
bewiesen, was ihm bei seinem weiteren Streben für angemessene Reform des
gottesdienstlichen Kultus, durch Einführung von Orgel, Chorgesang und des
neuen Stuttgarter Gebet- und Gesangbuches zur Ehre gereicht. Nicht minder
verdient die Gemeinde Buchau den Dank aller Gutgesinnten dafür, dass sie
in ihrem scheidenden Lehrer den ganzen Stand der Volkslehrer ehrte.
In Herrn Gerstel, einem Jünger Sulzers, hat Buchau einen
tüchtigen Kantor gefunden, der sowohl durch tüchtige musikalische
Bildung, durch schöne Stimmmittel, wie durch Kenntnis der heiligen
Sprache alle Eigenschaften eines Chasan und Chordirigenten in sich
vereinigt. - Ein jüdisches Blatt, 'Mainzer Israelit', lässt den Stifter
der Kogitanten-Sekte einen getauften Juden sein. Herr Eduard Löwenthal
ist Jude, Sohn des ersten Lehrers an der israelitischen Volksschule in
Buchau und erhielt von seinen Eltern eine streng jüdische Erziehung;
besonders war die erst kürzlich verstorbene Mutter ein echt frommes,
jüdisches Herz und von väterlicher Seite wurde er in den Grundsätzen
des Judentums unterrichtet und erzogen. Herr Dr. Eduard Löwenthal ist
nicht getauft." |
Zur
(Wieder-)Besetzung der israelitischen Volksschulstelle mit
Lehrer Rödelsheimer (1867)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1866: "Aus
Württemberg. Schulstatistik S. 2 1865. Im Jahre 1865 sind folgende
israelitische Schulstellen ausgeschrieben und nachbenannten Lehrern
übertragen worden: am 30. Juni die zu Kochendorf Herrn Rödelsheimer,
bisher Unterlehrer in Buchau; am 25. August die zu Hohebach Herrn
Sänger, bisher Schulmeister in Braunsbach, mit je 300 Gulden fixem
Einkommen neben freier Wohnung; am 24. November die zu Ernsbach Herrn
Rothschild, bisher Amtsverweser daselbst, mit 400 Gulden und freier
Wohnung. (Das neueste Schulgesetzt hat auch die beiden ersteren Gehalte
auf das jetzige Minimum von 400 Gulden erhöht und Herr Rödelsheimer
hat die Stelle in Kochendorf nicht angetreten, sondern ist auf seine Bitte
nach Pflaumloch versetzt worden.) Pensioniert wurden die Lehrer
Löwenstein in Pflaumloch und Wassermann in Lauchheim". |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1867: "Aus
Württemberg. Im Jahre 1866 sind folgende israelitische Schul- und
Vorsängerstellen ausgeschrieben und nachbenannten Lehrern definitiv
übertragen worden: Am 6. Januar wurde der Schulmeister Rödelsheimer
in Kochendorf nach Pflaumloch, am 11. Juni der Schulmeister Maison in
Archshofen nach Buchheim (?? = Buchau ??) und am 30. Dezember der
Amtsverweser Marx in Laudenbach ebendahin ernannt. Mit jedem dieser
Schuldienste ist neben freier Wohnung ein fixes Einkommen von 400 Gulden
verbunden." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1867:
"Stuttgart. 'Der Beobachter' sagt in seinem Briefkasten an S. in H.,
- der sich mit vielen seiner älteren Kollegen verwundert hat, dass die
israelitische Volksschulstelle in Buchau am Federsee in aller
Stille dem Lehrer und Vorsänger Rödelheimer, der doch kürzlich erst
nach Pflaumloch ernannt worden war, übertragen wurde, - dass die
Besetzung dieser Stelle ohne vorhergehenden Bewerberaufruf nicht gegen ein
Gesetz, sondern nur gegen Gebrauch und ministerielle Anordnung verstoße.
Wie man höre, sei hierbei der Wunsch der Gemeinde respektiert worden,
wogegen vom Standpunkte des Beobachters aus, eines demokratischen Blattes,
nichts einzuwenden wäre." |
Aus einem Beitrag von Lehrer B. Straßburger:
"Konfessions- oder Simultan-Schule...?" (1889)
Anmerkung: Baruch Straßburger (geb. 2. Juni 1836 in Rexingen), war nach seiner
Ausbildung am Lehrerseminar Esslingen (Promotion 1854-1856) zunächst Leher in
Oberdorf, Ernsbach und Olnhausen, seit 1864 in Buttenhausen, um dann von 1884
bis 1906 in Buchau tätig zu sein (gestorben 1912). Er verfasste zahlreiche
pädagogische Schriften.
Publikationen von Lehrer
Baruch Straßburger (1890)
40jähriges Dienstjubiläum des Lehrers Straßburger (1896)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juni 1896:
"Personalien. Buchau am Federsee. In der ersten Woche des Monats Juni
(1896) feierte die hiesige israelitische Gemeinde das 40jährige
Dienstjubiläum ihres Lehrers Straßburger, der am Tage seines Jubiläums
zugleich das 60. Lebensjahr überschritten. Die Einhelligkeit des
kirchenvorsteheramtlichen Beschlusses, dieses Fest zu feiern, und es
möglichst ehrenvoll für den Jubilar und seine Familie zu gestalten, und
die einmütige Freude und Befriedigung der Gemeindegenossen über diesen
Beschluss sind die beredtesten Zeugen von der Beliebtheit des Lehrers,
sowie von dem schönen Verhältnis, das zwischen diesem und der Gemeinde
besteht. In Buttenhausen, im
Lautertale, woselbst Straßburger seinen Hausstand gründete und 18 Jahre
lang segensreich wirkte, entstand sein treffliches Werk: 'Geschichte der
Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten', das von bleibendem Werte
ist und bald in zweiter verbesserter Auflage erscheinen wird. Sein Spruch-
und Gesangbuch und die von ihm umgearbeitete evangelische Fibel wurden in
den israelitischen Volksschulen amtlich eingeführt. Seit 14 Jahren wirkt
er hier zum Segen. Beim Festbankett, bei dem ein silberner Ehrenbecher
überreicht wurde, betonte der Ortsvorstand, der mit den geistlichen und
weltlichen Mitgliedern der Ortsschulbehörde fast vollzählig erschienen
war, wie der Jubilar bei den jährlichen Visitationen stets die I. Note
erhalten. Aufsichtslehrer Munding rühmte seine Kollegialität, der
Vorsitzende Rabbiner Laupheimer, seine seelenvolle Harmonie, seinen
friedlichen Charakter, sein kernhaftes, gediegenes Wesen und sein ernstes
Bestehen, wie als Israelit, so als Bürger und Mensch stets ein Muster und
Vorbild und damit eine Zierde der Gemeinde zu sein. Die
Becherweihegedanken des ehrwürdigen Redners, dessen Zunge die Gedanken
des Herzens redete, dass es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch lange
'segensreich, lebensvoll, in der Freuden Fülle und gesättigt vom
Himmelstau des Trostes und des Friedens unter uns zu wirken', fanden
beredten Widerhall und begeisterte Zustimmung der den Saal zur Traube in Kappel
bis auf den letzten Platz füllenden Menge. Der Jubilar ergriff zweimal
das Wort zu Dank und Gegenrede. Bei den zum Teil sehr witzigsten Toasten
wurde aller Familieglieder, insbesondere seiner Gattin, mit der er
zugleich einen '30jährigen' Krieg in diesen Tagen feiere, ehrenvoll
gedacht. Telegramm liefen ein von Wien, vom Lehrerverein, der Gemeinde
Buttenhausen, von Oberdorf, der Diaspora Ravensburg, sowie von einzelnen
dankbaren Schülern, Freunden und Amtsgenossen. Möge es dem Jubilar und
der Gemeinde, die sich durch diese Ehrung am meisten ehrte, vergönnt
sein, nach Umfluß eines Jahrzehnts das 50jährige Jubiläum zu feiern. Nicht
zu vergessen sind, der Synagogenchor und die Sänger der 'Harmonia',
welche durch ihre schönen Vorträge das Fest verschönern
halfen." |
Lehrer Straßburger tritt Falschmeldungen über die
israelitische Schule entgegen (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September
1902: "Buchau, 9. September (1902). In Nr. 72 des 'Israelit' bringen
Sie eine, dem 'Hohenstaufen' entnommene Korrespondenz, die die Meinung
verbreiten könnte, es herrsche hier strenge Absonderung und Intoleranz
unter den Konfessionen, die sich bis auf die Absonderung in den Aborten
erstrecke. Mit Mitteilung beruht aber auf falscher Auffassung und enthält
Unwahres. Wie in jedem geordneten Schulgebäude hat auch hier jede
Schulklasse ihren eigenen, verschließbaren Abort, um die Kontrolle der
Lehrer zu ermöglichen. Da die israelitische Volksschule als städtische
Schule sich auch im Schulgebäude befindet, so lautet auch eine der
Aufschrift über den Türen: 'Isr. Schule'. Eine Aufschrift für
Katholiken findet sich nicht, sondern nur I., II. und obere Klasse. Die
Protestanten haben ihre Schule in einem entfernteren Gebäude, daher fehlt
auch am Abort diese Aufschrift. Die Korrespondenz beruht also auf
Unwahrheit, was ich in Ihrem Blatte mitzuteilen bitte. Die konfessionellen
Verhältnisse hier, besonders soweit sie das Unterrichtswesen betreffen,
sind musterhaft geregelt und herrscht hier die beste Harmonie unter den
Konfessionen. Lehrer Straßburger." |
Verschiedene Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Jüdische Kaufleute aus Buchau feiern in Augsburg das
Jubiläumsfest des württembergischen Königs (1841)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1841:
"Augsburg, 29. September (1841). Es ist bemerkenswert, und ein
Zeichen der Zeit, wie die Israeliten Deutschlands keine Gelegenheit
vorübergehen lassen, an den freudigen Ereignissen des Vaterlandes ihre
ungeheuchelte Teilnahme zu erkennen zu geben. Als am 29. September
israelitische Kaufleute aus Buchau am Federsee zufällig in Augsburg zur
Messe sein mussten, feierten sie, 20 an der Zahl, das 25. Jubiläumsfest
ihres Königs, durch ein Festmahl" |
Antijüdische Vorfälle (1846)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1846:
"Aus Württemberg, 25. Juni (1846). Folgendes verdient Beachtung:
Seit mehreren Jahren werden diesseits öffentliche Schlussverhandlungen
vor den königlichen Gerichtshöfen abgehalten. Verbrechen vom größten
und abgefeimtesten an abwärts, aller Art, verübt von jedem Geschlecht
und Alter, sind da schon verhandelt worden. Wie viele Juden da in
Untersuchung standen? Gottlob! bis jetzt nicht Einer. - Seitdem im Laufe
dieses Jahres über enorme Getreidepreise geklagt wird, schreibt man
diesen Umstand zu großem Teil dem handwerksmäßigen Wucher zu. Daneben
enthalten unsere öffentlichen Blätter seit Kurzem einige Beispiele
unerhörten Wuchers bei Geldanleihen höchst Dürftiger in bitterster Not.
An all dem verwerflichen Streben scheint Keiner unserer Juden beteiligt zu
sein. Woher wir das wissen? - Wäre dem nicht also, so hätten es die
Zeitungen längst haarklein, mit reichlichen Zusätzen berichtet!
Den 10. (Juli 1846). In Buchau am Federsee fielen in der jüngsten Zeit
Vorfälle bedauerlicher Art vor. Der Ort zählt 1.400 christliche, 600
jüdische Einwohner und hat ein taxisches Amt und Amtsgericht. Vor 14
Tagen wurde Morgens ein natürlich anonymer Anschlag an der Synagoge
gefunden, in welchem den jüdischen Einwohnern Feuer, Schwert und eine
zweite Zerstörung Jerusalems gepredigt wurde, und war, weil, wie aus dem
Schreiben zu ersehen, die Juden verlangte, was sie als solche verlangen
konnten. Vorher schon waren als Wiederholung von Szenen früherer Jahre
verschiedene Gärten jüdischer Einwohner geplündert und zerstört,
Fenster derselben eingeworfen und zur selbigen Zeit Steine in einen
öffentlichen Garten geworfen worden, die, wie man allgemein sagt, dem
Stadtschultheißen gerade in die Hände fielen, ein Vergehen, das mit
Einsperrung von 48 Stunden gestraft wurde. - Montag, den 29. vorigen
Monats nun wurde das Gerücht laut, dass 20 jüdische Grabsteine aus dem
Boden gerissen und ein Teil derselben freventlich zertrümmert worden
seien. Das Gerücht hatte nicht gelogen. Zwei ledige Burschen, welche man
für verdächtig hielt, wurden eingezogen, lagen zweimal 24 Stunden in
gefänglicher Haft, mussten aber sofort wieder entlassen werden. Die
Beeinträchtigten aber können und werden über diese Ungebühr nicht
schweigen." |
25jähriges Jubiläum des Armenhilfsvereins (1857)
Dankgottesdienst zum
Friedensschluss 1871
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871:
"Aus Württemberg, im März (1871). Durch Erlass der
königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde vom 28. Februar dieses
Jahres wurde für alle Synagogen des Landes aus Anlass des
Friedensschlusses die Abhaltung eines Dankgottesdienstes in der Weise
angeordnet, dass nach Rezitierung der Psalmen 9. 33 und 96 und nach dem
vom Gesangchore vorgetragenen Liede Nr. 105 der Maier'schen Gebetordnung
vom Rabbinen, beziehungsweise Vorsänger die Festpredigt über den Text
Psalm 89, 16-19 gehalten wurde. In mehreren israelitischen Gemeinden
des Landes, wie in Buchau und Göppingen, fanden feierliche Züge zum
Gotteshause statt, welchen sich, um sich an dem Gottesdienste zu
beteiligen, auch Christen anschlossen. Die von dem Herrn Kirchenrat Dr.
von Maier in Stuttgart und von Rabbiner Herz in Göppingen bei dieser
Feier gehaltenen Predigten wurden auf vielseitiges Verlangen durch den
Druck veröffentlicht und finden dieselben umso reicheren Absatz, als
deren Ertrag für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen
Württemberger und für die deutsche Invalidenstiftung bestimmt
ist." |
Die Zahl der jüdischen Einwohner geht durch
Abwanderung in die Städte stark zurück (1871)
50jähriges Jubiläum des Privat-Armenvereins
(1882)
Anmerkung: Buchau wird in nachfolgendem Abschnitt versehentlich in die Schweiz
verlegt....
Stiftung des katholischen Stadtpfarrers zugunsten der
jüdischen Gemeinde (1896)
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Belobigung für den israelitischen Kirchenpfleger Marx
Mändle (1844)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. März 1844:
"Buchau am Federsee, 6. Februar (1844). Dem hiesigen israelitischen
Kirchenvorstande kam durch das königlich fürstliche Bezirksamt folgender
hoher Erlass zu:
Aus den Antrag der israelitischen Oberkirchenbehörde und in Folge der vom
königlich fürstlichen Bezirksamte bei Gelegenheit der Visitation des
dortigen Bezirks dem Regierungs-Kommissär zu Protokoll gegebenen
Bemerkung, haben Seine königliche Majestät vermöge höchster
Entschließung vom 8. dieses Monats aus Anlass des Vortrags des
Ministeriums des Innern gnädigst verfügt, dass dem israelitischen
Kirchenpfleger Marx Mändle zu Buchau wegen seiner uneigennützigen und
sehr ersprießlichen Amtsführung das höchste Wohlgefallen ausgedrückt
werde.
Das königlich fürstliche Bezirksamt wolle den Mändle hiervon mit dem Anfügen
benachrichtigen, dass die Veröffentlichung dieser höchsten
Entschließung durch das Regierungsblatt, bereits eingeleitet worden
ist.
Stuttgart den 26. Januar 1844. Auf besonderen Befehl. Steinhardt.
Weil.
Wir sind aus doppeltem Grunde erfreut, vorstehende Belobung der
Öffentlichkeit übergeben zu können, weil sie auf der einen Seite
wiederum den Beweis liefert, dass in unserem württembergischen Vaterlande
auch das Verdienst des Israeliten bei unserer Regierung willige
Anerkennung findet - ein Sporn mehr, auf dem einmal betretenen Wege mit
Mut und Festigkeit fortzufahren -; und weil sie auf der anderen Seite als
verdiente Belohnung einem Manne zuteil ward, der seit 20 Jahren mit
unermüdlichem Fleiße, angestrengter Tätigkeit und eiserner Willenskraft
sich dem hiesigen Gemeindewesen gewidmet und dem Gemeindehaushalt unter
Mitwirkung eines intelligenten Vorstands, auch höheren Orts Anerkennung
verschaffte. (Hierauf folgt eine ausführliche Darstellung der wirklich
ausgezeichneten Wirksamkeit des Herrn Mändle, die wir jedoch beschränkten
Raumes und des lokalen Interesses wegen hier nicht folgen lassen können,
demselben aber auch unsererseits unsere Achtung bezeugend.
Redaktion).
Gelegentlich erhalten Sie auch die Anzeige, dass sich seit Neujahr, neben
dem schon 10 Jahre bestehenden Leseverein zur Krone (israelitisches
Wirtshaus), der unter seinen Mitgliedern, den hiesigen Honoratioren,
christlichen und israelitischen Bürgern, mit andern belletristischen
Blättern auch Ihre geschätzte Zeitschrift, seit ihrer Entstehung zirkulieren
lässt, ein 'Lese- und Gesellschaftszirkel für Buchau und Kappel' konstituiert
hat, als dessen Zweck in den vom Amte genehmigten Statuten angegeben wird:
Kunde von den Zeitbegebenheiten und wissenschaftliche Bestrebungen im
Judentume unter seinen Mitgliedern zu verbreiten und das Interesse an dem
Aufschwunge und die bessere Gestaltung der israelitischen Zustände
anzufachen und zu beleben. Bei seiner ersten Zusammenkunft hat der Lese-
und Gesellschaftszirkel beschlossen, in pleno dem von Ihnen
vorgeschlagenen zweckmäßigen Literaturverein beizutreten, was Sie
gefälligst zur Notiz nehmen wollen." |
Dr. Eduard Löwenthal, Sohn des Lehrers Isac Löwenthal
ist Redakteur in Frankfurt (1861)
Anmerkung: der im Artikel genannte Lehrer Isaac Löwenthal ist am 23.
Februar 1809 in Nordstetten oder in Pfalzburg / Elsass geboren. Er war nach 1835
u.a. Lehrer in Mühringen, seit dem Sommer 1848 in Baisingen, seit 1859 in
Buchau. Er starb am 14. Oktober 1872 . Unter seinen 9 Kindern war Ephraim /
Eduard Löwenthal, geb. 22. Dezember 1839, ein "Vordenker des
Internationalen Parlamentarismus" (Ralph Uhlig: Die interparlamentarische
Union 1889-1914. Wiesbaden 1988. S. 52-53).
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Mai 1861:
"Der in Frankfurt ausgewiesene und wieder restituierte Dr. Eduard
Löwenthal, jetzt bei der Redaktion der Nassauischen Allgemeinen Zeitung
angestellt, ist der Sohn des israelitischen Lehrers Löwenthal in Buchau
und bürgerlich zu Nordstetten im Schwarzwald, also ein Landsmann Berthold
Auerbachs." |
M.E. Weil und Jakob Dannhäuser werden erneut in den
Gemeinderat gewählt (1897)
Anmerkung: bei M. E. Weil dürfte es sich um Michael Emanuel Weil
gehandelt haben (geb. 25. Juli 1853 in Kappel, gest. 1. Dezember 1915 in
Cleveland, USA); Jakob Dannhausen (geb, 3, Januar 1860 in Buchau, gest. 19. Juli
1918 ebd.).
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1897:
"Buchau am Federsee, 10. Dezember (1897). Bei der letzten Tage dahier
stattgehabten Stadtratswahl wurden die beiden ausscheidenden
israelitischen Gemeinderäte, die Kaufleute M. E. Weil und Jakob
Dannhäuser wiedergewählt. Trotzdem zwei weitere israelitische
Kandidaturen aufgetaucht sind, ließ sich die christliche Bevölkerung in
dem Herkommen, zwei Israeliten in den Stadtrat zu berufen, nicht irre
machen und von abgegebenen 271 Stimmen erhielt Herr M. E. Weil 226 Stimmen
und Gr. Rat Dannhauser 171 Stimmen. Damit hat die christliche Bevölkerung
hierorts aufs neue gezeigt, wie tolerant und friedliebend sie allezeit
ist, und ein angenehmes Zusammenleben ist damit in Zukunft
gesichert." |
Verlobungsanzeige von Elsbeth Steinacher und Siegbert
Bernheim (1937)
Siegbert Bernheim ist am 20. Februar 1905 im bayerischen
Deggendorf als Sohn des aus Buchau stammenden Alfred Bernheim und der Berta geb.
Lederer geboren. Die Familie Alfred Bernheim ist erst im Dezember 1935 aus
Passau, wo Alfred Bernheim Inhaber eines Kaufhauses war, nach Buchau gezogen.
Hier kaufe Alfred Bernheim ein Wohngebäude an der Oggelshauser Straße.
Siegbert und seine Frau (wie auch die Eltern Alfred und Berta) emigrierten 1939
nach Palästina / Erez Israel.
Anzeige
in der CV-Zeitung (Zeitung des Central-Vereins) vom 27. Mai 1937:
"Statt Karten:
Elsbeth Steinacher - Siegbert Bernheim. Verlobte - Mai 1937.
Nürnberg - Bayreuther Straße 14 - Buchau am Federsee - Oggelshauser
Straße." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
David
Wallersteiner wirbt für seine Torawimpeln (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1890: "Mappot
(Wimpeln) werden in Farben schön und billig ausgeführt von David
Wallersteiner in Buchau am Federsee, Württemberg." |
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