Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Buchau (Landkreis Biberach) 
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Siehe Seite zur Synagoge in Bad Buchau
    

Zur Geschichte dieses Friedhofes

Der Friedhof der seit dem Mittelalter bestehenden jüdischen Gemeinde Buchaus befand sich ursprünglich vermutlich auf einem heute noch klar eingrenzbaren Grundstück an der alten Saulgauer Straße. 1659 wurde zusammen mit den Juden aus Aulendorf und Mittelbiberach ein neuer Friedhof auf der Buchauer "Insel" angelegt (Flurstück 464, Fläche 66,98 a). Im 18. Jahrhundert wurde der räumlich beschränkte Platz zweimal aufgefüllt, so dass im heutigen südöstlichen Teil die Gräber dreifach übereinander liegen (deutlich überhöhtes Gelände). Der Friedhof wurde nach 1945 noch mehrfach belegt (zuletzt September 2003). Auch die verstorbenen Juden aus Ravensburg, Leutkirch, Riedlingen, Wangen und anderen Orten wurden hier beigesetzt. Auf dem Friedhof befindet sich ein 1990 aufgestelltes Mahnmal mit den Namen der ermordeten Juden aus Buchau (einschließlich derjenigen, die aus anderen Orten von hier deportiert wurden). 
    
 
Lage des jüdischen Friedhofes  

Buchau FriedhofPlan.jpg (98468 Byte) Lage des jüdischen Friedhofes Bad Buchau (durch Pfeil markiert) 
(Karte kann durch Anklicken vergrößert werden)

    
Fotos 
Historisches Foto 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932)

Buchau Friedhof1932.jpg (185624 Byte)

  
Neuere Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.9.2003 und mit *) 25.4.2004)

Buchau Friedhof 150.jpg (87455 Byte) Buchau Friedhof 151.jpg (100214 Byte) Buchau Friedhof 152.jpg (71614 Byte)
Blick auf den Friedhof Das Eingangstor Inschrift am Eingangstor
     
Buchau Friedhof 153.jpg (87261 Byte) Buchau Friedhof 157.jpg (74743 Byte) Buchau Friedhof 158.jpg (88087 Byte)
Der Ziehbrunnen am Eingang Die Friedhofshalle (Taharahaus) Teilansicht im älteren Teil mit den aufgefüllten Flächen des 18. Jahrhunderts 
     
Buchau Friedhof 168.jpg (88861 Byte) Buchau Friedhof 159.jpg (102304 Byte) Buchau Friedhof 161.jpg (97570 Byte)
Teilansicht Blick über den Friedhof Neuere Gräber
      
Buchau Friedhof 163.jpg (91077 Byte) Buchau Friedhof 154.jpg (87679 Byte) Buchau Friedhof 162.jpg (78745 Byte)
Teilansicht Grabstein für Fabrikant Hermann Moos (1816-1889)

Grabstein für Lazarus Wallersteiner aus Kappel (1808-1871) mit Symbolen: Buch, Messer, Schofar

     
Buchau Friedhof 169.jpg (76555 Byte) Buchau Friedhof 167.jpg (83371 Byte) Buchau Friedhof 164.jpg (83546 Byte)
Grabstein für den Königlichen Posthalter Simon Bernheim (1827-1896) Grabstein für Joseph M. Cohn aus Ravensburg (1832-1900) Grabstein für Helene David Neuburger geb. Bernheim
     
Buchau Friedhof 160.jpg (83278 Byte) Buchau Friedhof 156.jpg (96002 Byte) Buchau Friedhof 155.jpg (76434 Byte)
Grabstein für den Lehrer und Vorsänger S. Rödelsheimer aus Unterschwandorf Gräber von Displaced Persons (DPs/ Überlebende KZ-Häftlinge) nach 1945 Die (bislang) letzten im Friedhof Beigesetzten: Siegbert Einstein (1889-1968) und Frau Elsa (1889-1974)
     
Buchau Friedhof 166.jpg (83405 Byte) Buchau Friedhof 165.jpg (85039 Byte) Buchau AJ 2004 113.jpg (51614 Byte)
Das Denkmal mit Namenstele für die in der NS-Zeit Umgekommenen Inschrift des Gedenksteines Das Problem der zerfallenden Grabsteine: hier ein schon mehrfach gespaltener Stein*
     
Buchau AJ 2004 114.jpg (82881 Byte) Buchau AJ 2004 115.jpg (91815 Byte)
Grabstein von Rabbiner Meier Wolf (1742 Kleinerdlingen - 1808 in Bad Buchau). Der Grabstein wurde vor wenigen Jahren auf einer Erddeponie bei Riedlingen/Donau gefunden und zum Buchauer Friedhof zurückgebracht. Neueste Beisetzung 
(November 2003)

 

Ältere Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum Juni 1993)

Buchau Friedhof 181.jpg (89746 Byte) Buchau Friedhof 180.jpg (62703 Byte) Buchau Friedhof 187.jpg (31715 Byte)
Eingangstor zum Friedhof Das Tahara-Haus Der noch vorhandene Leichenwagen
     
Buchau Friedhof 184.jpg (67764 Byte) Buchau Friedhof 185.jpg (51114 Byte) Buchau Friedhof 183.jpg (59593 Byte)
Die Gedenksteine für die jüdische Gemeinde und für die nach den Deportationen aus Buchau Ermordeten
 
Buchau Friedhof 182.jpg (87562 Byte) Buchau Friedhof 186.jpg (83050 Byte) Buchau Friedhof 188.jpg (38463 Byte)
Teilansicht Neuerer Teil des Friedhofes Grabstein für Salomon Moos aus Kappel (gest. 1861)
     

(Fotos: Hahn, Aufnahmen mit Schnee entstanden Winter 1984/85; andere Fotos gleichfalls Mitte der 1980er-Jahre):

Buchau Friedhof01.jpg (133917 Byte) Buchau Friedhof02.jpg (56427 Byte) Buchau Friedhof03.jpg (50240 Byte)
Eingangstor zum Friedhof im Winter Inschriftentafel am Eingang dass. in Hebräisch
     
Buchau Friedhof04.jpg (127073 Byte) Buchau Friedhof05.jpg (136704 Byte) Buchau Friedhof06.jpg (119060 Byte)
Eine der charakteristischen Grabinschriften Blick über den verschneiten Friedhof Teilansicht
     
Buchau Friedhof07.jpg (137551 Byte) Buchau Friedhof12.jpg (166107 Byte)  Buchau Friedhof14.jpg (157746 Byte)
  Teilansichten des Friedhofes 
 
Buchau Friedhof10.jpg (83539 Byte) Buchau Friedhof11.jpg (55263 Byte) Buchau Friedhof08.jpg (49495 Byte)
Grabstein für Lazarus Wallersteiner (1808-1871) mit Symbolen: Buch, Messer, Schofar Grabstein für Frieda Strauss geb. Weil aus Riedlingen (1877-1928) Grabstein für Helene Einstein geb. Löwenthal (1831-1895)
     
Buchau Friedhof13.jpg (88046 Byte) Buchau Friedhof09.jpg (69279 Byte) Buchau Friedhof15.jpg (160236 Byte)
Grabstein für David A. Einstein Grabinschrift für Rabbiner Jonas Laupheim und seine Frau Teilansicht (neuere Gräber)

   

Text

Der "gute Ort" von Bad Buchau - Besuch auf dem jüdischen Friedhof

(Quelle: Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, April 1964)

Der herbeigeholte Friedhofswärter öffnet das schmiedeeiserne Gittertor. Ein Hauch von Verlassenheit schlägt uns entgegen. Es riecht nach Moder und verwelktem Laub. Die stummen Gräber sind von Moos und immergrünem Gerank überwachsen. An den Stämmen der frühjahrskahlen Bäume klettert Efeu empor. Der Pumpenschwengel des alten Brunnens hängt verrostet im Gestänge. Das Schweigen des Todes ist vollkommen.
Die hier ruhen, Grab an Grab und Reihe an Reihe, eingebettet in den Schoß der Ewigkeit, haben kaum noch Angehörige, die sie besuchen könnten. Sie wurden ausgelöscht im Dritten Reich. Nicht das klägliche Häufchen ihrer Asche ist zurückgeblieben. Andere wieder wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und in die Emigration zu gehen. Es gibt keine jüdische Gemeinde mehr in dem Federseestädtchen. Die Geschichte wurde zerschnitten. Dieser Friedhof allein mit seinen Hunderten von Grabdenkmälern für die Toten der jüdischen Geschlechter Buchaus gibt heute noch Zeugnis von einer stolzen Vergangenheit.
Über den kiesbestreuten Mittelweg gelangen wir in östlicher Richtung zu dem "ganz alten Teil" des Friedhofs, wo aller Wahrscheinlichkeit nach die Buchauer Juden schon vor dem Dreißigjährigen Krieg ihre Toten beerdigten. Hier liegen an manchen Stellen drei Gräberschichten übereinander, weil der Platz beschränkt war und es andererseits den Juden aus religiösen Gründen verboten ist, ein bestehendes Grab neu auszuheben. Moritz Vierfelder, 1938 emigriert und inzwischen in Amerika verstorben, hat dies durch genehmigte Grabungen nachgewiesen. Er barg dabei eine Anzahl von Grabsteinen, die er an einen gesonderten Ort unter Haselgesträuch neu setzen ließ. Die Inschriften, in hebräischer Sprache eingemeißelt, sind nicht mehr lesbar. Kenner schätzen das Alter der Steine auf über 300 Jahre. Selbst die nationalsozialistischen Friedhofschänder unterließen es, diese kulturgeschichtlich wertvollen Grabmäler zu zerstören. Mein Begleiter, Herr Einstein, dessen Familie seit 1665 in Buchau ansässig ist (zu ihr gehört Albert Einstein), erklärt mir an Hand eines alten Büchleins von Rabbiner Weimann (herausgegeben 1879) Anlage und Geschichte de Friedhofes. Zur Amtszeit des Rabbiners war noch ein Grabstein von Israel Abraham Günzburg aus Aulendorf, gestorben 1675, entzifferbar. Vielleicht steht dieser Stein heute noch an seinem Platz, kann aber nicht gefunden werden, weil die Inschrift inzwischen völlig abgewittert ist. Die heute noch lesbare älteste Grabschrift lautet auf Rabbiner Jakob aus Fellheim, verstorben 1785.
In dem jüngeren Teil des Friedhofes (ab 1840) fällt der zuweilen eigenartige Stiel der Grabsteine auf. Mit ihrer reichhaltigen Ornamentik erinnern sie an die Kunstformen des Orients. Doch niemand kennt den Steinmetz, der diese Denkmäler schuf. Unverkennbar sind auch die Spuren der Friedhofschändung durch Nationalsozialisten, denen selbst die Ruhe der Toten nicht heilig war. Nach Beendigung des Krieges musste Herr Einstein, als der Sachverwalter der untergegangenen jüdischen Gemeinde Buchaus, um 250 zerstörte Grabsteine neu errichten lassen. Die zerbrochenen Stein wurden notdürftig zusammengekittet, zerschlagene Marmortafeln durch Blech-Imitationen ersetzt. Die Mittel für die laufende Instandsetzung sind gering. Herr Einstein und sein Friedhofswärter geben sich jedoch alle Mühe, um den Friedhof, den die Nationalsozialisten nach 1942 zur Einebnung vorgesehen hatten, vor dem Zerfall zu bewahren. Sogar der Leichenwagen ist heute noch vorhanden und wird im "Leichenhaus" an der Friedhofsmauer unter Schloss und Riegel gehalten.
Langsam gehen wir dem Ausgang zu, vorbei an Namen wie: Rabbiner Laupheimer; Simon Bernheim, Königlicher Posthalten; Vierfelder; Jakob Moos; Abraham Neuberger und Max Marx, Oberlehrer. Rabbiner Weimann und Herr Einstein haben all diese Namen gesammelt, und nicht nur die Namen, sondern auch die Grabsprüche. Die Spuren des Judentums in Buchau sollen nicht völlig verwischt werden; die Toten wenigstens sollen Zeugnis ablegen.

   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bad Buchau, zum geschichtlichen Überblick: hier anklicken  
Website Zentralarchiv Heidelberg: zum jüdischen Friedhof Bad Buchau 
Geschichts-AG des Gymnasiums Bad Buchau mit Seiten zur jüdischen Geschichte der Stadt: hier anklicken 
Zur Seite über die Synagoge Bad Buchau (interner Link): hier anklicken  

 

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 22. Mai 2009