Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Falkenstein (Stadt Königstein, Hochtaunuskreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Gemeindebeschreibung (1937!) 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Über jüdische Kureinrichtungen in Falkenstein     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen        
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde             
     
In Falkenstein lebten jüdische Personen bereits im Mittelalter.  Um 1400 war ein jüdischer Arzt namens Jacob aus Straßburg am Ort wohnhaft. Weitere jüdische Einwohner werden seit der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts genannt: 1475, 1476 und 1495 lebte jeweils mindestens ein Jude am Ort. Im letztgenannten Jahr wurde ein Falkensteiner Juden bei einer Hochzeit in Münster bei Bingen inhaftiert. Bei der Frankfurter Ständetagung 1516 wurden die Herren der Burg Falkenstein als Herren der Juden von Falkenstein genannt. Thema der Ständetagung war die Frage nach der Vertreibung der Juden. 
  
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 18. Jahrhundert zurück. Zunächst gehörten die Falkensteiner Juden mit denen aus Königstein zur Gemeinde in Kronberg. 1807 bildeten die Falkensteiner und Königsteiner Juden gegen die Protest der Kronberger jedoch eine gemeinsame Gemeinde. 1815 lebten in  Falkenstein acht und in Königstein drei jüdische Familien. Die Falkensteiner Juden lebten u.a. vom Handel mit Vieh und Fellen, einige betätigten sich als Makler. 1823 wurden in Falkenstein sechs, in Königstein gleichfalls sechs jüdische Steuerzahler beziehungsweise Familien / Haushaltungen genannt. 1840-41 waren es in Falkenstein fünf und in Königstein neun. Das Verhältnis zwischen den Gemeinden hatte sich verändert: nun lebten in Königstein inzwischen mehr jüdische Einwohner. In Falkenstein waren es 1843 23 jüdische Einwohner gegenüber 53 in Königstein, 1905 in Falkenstein 20 gegenüber 65 in Königstein.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde bis 1906 eine Synagoge, eine Religionsschule, vermutlich auch ein rituelles Bad. Ein eigener Friedhof war seit dem 19. Jahrhundert vorhanden. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Letzter Lehrer war von 1875 bis 1905, d.h. 30 Jahre lang, Josua Thalheimer (siehe Bericht unten). 
  
Seit den 1870er-Jahren bestand in Falkenstein die streng koscher geführte Kuranstalt des Dr. Hirsch aus Frankfurt, in der sich jahrelang  zahlreiche Kurgäste aus dem In- und Ausland trafen (siehe Berichte unten).    
      
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Haus des Frankfurter Justitiars Blau, in Brand gesteckt, das Haus von Professor Neisser beschädigt, gleichfalls die Villa der Familie Ehrenfeld und das Haus des Kunstmalers Wölke.    
   
Eine genaue Übersicht über Personen, die in Falkenstein geboren sind oder dort längere Zeit gelebt haben und in der NS-Zeit umgekommen sind, konnte nicht erstellt werden. Eine Recherche in den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und und im "Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" ergibt zu Falkenstein keine klaren Angaben. Die meisten der bei einer Ortsrecherche unter "Falkenstein" erscheinenden Namen sind eindeutig - auch wenn teilweise, vor allem bei Yad Vashem anders angegeben - nicht diesem Falkenstein, sondern Falkenstein/Vogtland zuzuordnen.  
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Allgemeine Darstellung der jüdischen Geschichte von 1937 (!)

Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" April 1937: "Falkenstein. 850 Einwohner. Altes Dörfchen, das auch zeitweise Stadt war; in einem nur nach Süden offenen Hochtal gelegener Luftkurort. Seit Hunderten von Jahren sind dort Juden ansässig. Bereits 1265 tritt Philipp von Falkenstein einem Landfrieden bei, der u.a. auch die Juden der vertragschließenden Fürsten und Städte vor Beleidigung und Bedrohung schützen sollte. Aber schon fünf Jahre vorher hatte, wohl aus ähnlich menschenfreundlicher Gesinnung, der Mainzer Erzbischof Werner, ein Graf von Falkenstein, den Erfurter Juden ihren ersten Schutzbrief gegeben! 1376 bittet der Herr von Falkenstein den Frankfurter Rat um Durchzugsrecht für 'Jacob, Judenarzt' von Straussburg nach Falkenstein, um 1495 gehört 'ISRAEL von Falkenstein' zu den Juden, so zu Münster (Münster am Stein) 'uff eyner Hochzyt das geleit gebrochen' haben und sich nur durch hohe Lösegelder aus dem Gefängnis befreien können. Eine selbständige Gemeinde bestand wohl nur kurze Zeit in Falkenstein; meistens gehörten die dortigen Juden zur benachbarten Gemeinde Kronberg. 1905 waren es noch 20 Seelen, 1913 - 10 Seelen. Heute ist die Gemeinde verschwunden, die Torarollen sind in Königstein. - Von der sehenswerten Burgruine weite Aussicht. Schön und hoch gelegenes modernes Luft- und Schwimmbad. - Von Falkenstein südwärts, dann auf dem links von der Hauptstrasse abzweigenden Philosophenweg in 1/2 Std. nach..." 

   
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Abschied von Lehrer Josua Thalheimer (1905)        

Falkenstein FrfIsrFambl 12051905.jpg (33365 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1905: "Falkenstein im Taunus. Am 1. Mai schied der hiesige israelitische Lehrer Thalheimer aus seiner beinahe 35 Jahre innegehabten Stellung, um in den Ruhestand zu treten. Seine Amtstätigkeit begann er 1855 in Hochheim am Main, wirkte in Schierstein, Lorsbach und Camberg, um dann anfangs der 70er-Jahre zunächst nach Königstein und 1875 nach Falkenstein überzusiedeln". 
Anmerkung: in Lorsbach (heute Stadtteil von Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis) lebten nur wenige jüdische Personen/Familien. Nach Hinweis von Monica Kingreen vom 14.11.2014 war es u.a. eine Familie Moritz. Möglicherweise war Lehrer Thalheimer als Privatlehrer bei einer oder mehrerer der Familien in Lorsbach tätig.  

   
Der Lehrer a.D. Josua Thalheimer wird ausgezeichnet (1905)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Juni 1905: "Der Religionslehrer a.D. Josua Thalheimer zu Wallau im Landkreise Wiesbaden, bisher zu Falkenstein im Obertaunuskreise, hat den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern erhalten." 

       
       
Über jüdische Kureinrichtungen  
Über die Kuranstalt des Dr. Hirsch in Falkenstein  - ein Kurgast berichtet über seinen 5-wöchigen Aufenthalt in Falkenstein (1881)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1881: "Falkenstein im Taunus. Wer in der heißen Jahreszeit das Bedürfnis empfindet, sich von seinen Berufsgeschäften oder seinem körperlichen Leiden durch einen Aufenthalt in Gottes freier Natur einige Wochen zu erholen, hat, wenn er als gesetzestreuer Jude leben will, sicherlich ebenfalls schon öfter unter der Misere gelitten, unter der ich alljährlich leide, wenn ich mich zu einer solchen Reise entschließe.
Wer einen großen Teil des Jahres geschäftlich zu reisen genötigt ist, erträgt die Hungerkuren, welche durch den Mangel an jüdischen Gasthäusern unerlässlich sind, mehr oder weniger willig, indem er sich mit den übrigen geschäftlichen Unannehmlichkeiten auf ein und dasselbe Konto setzt und sie als etwas Unvermeidliches hinnimmt. Wer aber zu seiner Erholung reisen und dieselbe durch schmale Fastenkost nicht illusorisch machen will, der steht alljährlich, wenn er seinen Reisebündel schnürt, vor einem schweren Problem.
Wohl gibt es Kurorte mit in jeder Hinsicht vorzüglichen jüdischen Gasthäusern, aber ihre Zahl ist gering, und wer nicht durch ein Leiden auf den Besuch eines bestimmten Ortes angewiesen ist, hat wenig Neigung, sich auf diese wenigen Orte zu beschränken. Wenn daher sonst die Qual in der Wahl besteht, so ist hier das Gegenteil der Fall und kein noch so eifriger Baedeker-Studium kann diese Qual mildern.
Dieser und ähnliche Erwägungen ließen mich dieses Jahr nur  schwer einen definitiven Reiseplan fassen. Da machte mich ein befreundeter - christlicher - Arzt auf den Luftkurort Falkenstein im Taunus aufmerksam, der in ärztlichen Kreisen sich eines ungewöhnlich guten Renommé's erfreue und besonders in den jüngsten Jahren durch die Anlagen von Dr. Hirsch daselbst vielfach genannt wird.
Auf diese Anregung hin zog ich weitere Erkundigungen ein, die sämtlich so günstig ausfielen, dass ich wenige Tage darauf meine Reise nach dem Taunus
antrat. - Ich beabsichtigte 4 Wochen daselbst zu bleiben, aber es sind schon 5 seit meiner Ankunft ins Land gezogen und ich kann mich nur schwer von dem liebgewonnenen Orte trennen. Für morgen früh aber habe ich endgültig meine Rückreise festgesetzt, und deshalb drängt es mich, den Lesern dieser Blätter in wenigen Worten die Eindrücke zu schildern, die mein hiesiger Aufenthalt bei mir zurückgelassen hat.
Der klimatische Kurort Falkenstein liegt am Abhange des Taunus, 1300 Fuß über dem Meeresspiegel, am Rande einer ganz eigenartig prachtvollen Talsenkung und ist von Frankfurt am Main aus in circa 1 Stunde mit der Bahn zu erreichen. 
Schon vor mehreren Jahren wurde daselbst ein großes Kurhaus gegründet, das trotz seiner nicht sehr günstigen Lage von Brustleidenden und Nervenkranken vielfach frequentiert wird.
Erst seit wenigen Jahren hat Herr Dr. med. Hirsch aus Frankfurt am Main hier eine Anstalt gegründet, die trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens sich eines großen und in der Tat wohlverdienten Rufes erfreut. Dieselbe ist an einem der herrlichsten Punkte der ganzen Umgebung gelegen und erfreut sich einer so lebhaften Frequenz, dass in diesem Jahre zwei weitere Häuser zur Unterbringung der Fremden gemietet wurden und der Besitzer genötigt ist, eine weitgehende bauliche Vergrößerung der Anstaltu vorzunehmen. Deutsche, Russen, Engländer, Franzosen und Holländer verkehren hier in einer so herzlichen, ungezwungenen Weise, dass man sich in eine große, zusammengehörige Familie versetzt glaubt und ganz vergisst, dass es ein Kreis fremder Menschen ist, die hier zusammen leben. Auch Nichtjuden zählt der gesellige Kreis, die sich so behaglich darin finden, dass sie behaupten, nie eine so herrliche Kurzeit genossen zu haben.
In der Tat aber vereinigt sich auch Alles, um den Aufenthalt in der Dr. Hirsch'schen Anstalt zu einem überaus behaglichen zu machen. 
Von der Altane des Hauses, die aus dem Gesellschaftssaale ins Freie führt, bietet sich eine entzückend schöne Aussicht nach Frankfurt, Hanau bis zum Rheinstrom hin. Zur Rechten auf wellenförmiger Hebung dehnt sich ein herrlicher Fichtenwald aus, der auf weichem Südwind seinen frischen Duft herübersendet, zur Linken die Ausläufer des Taunusgebirges und die sie umsäumenden Städte und Dörfer. - Die Lust ist in Folge der günstigen Lage des Hauses ungemein erfrischend und stärkend und auf die Atmungsorgane von fühlbar wohltuendem Einfluss, worauf auch der erstaunliche Erfolg beruht, den Brustleidende und Nervenkranke nicht genug rühmen können.
Diesen aus der äußeren Lage entspringenden Vorzügen reihen sich nun noch diejenigen an, die durch die nach jeder Seite hin mustergültige Hausordnung sich ergeben. - Ich habe schon viele Gasthäuser besucht, aber noch nie einen so reichlichen, überaus kräftigen Tisch als hier gefunden. 
Dass sämtliche Speisen und Getränke den rigorosesten Anforderungen des Religionsgesetzes entsprechen, braucht nicht erst erwähnt zu werden. Selbst Leute die sonst nicht die Speisegesetze beobachten und von jüdischen Restaurationen nicht verächtlich genug sprechen können, räumen ein, dass sie noch nie anderwärts einen derartigen Tisch gefunden haben, wie derjenige in der Dr. Hirsch'schen Anstat. Einer der christlichen Gäste hielt mir dieser Tage einen ganzen Lobhymnus über die jüdische Küche, die er hier zum ersten Male kennen lernte.
Dabei sind im Vergleich zu anderen Kurorten und der Reichlichkeit alles hier Gebotenen die Preise so außerordentlich billig, dass auch weniger bemittelte Leute in der Lage sind, einige Wochen hier zu leben.
Es ist jedenfalls nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, dass die hiesige Pensions-Anstalt des Herrn Dr. Hirsch in ihrer Art einzig dasteht, und nach den Resultaten der wenigen Jahre ihres Bestehens zu urteilen, einer großen Zukunft entgegengeht. - Mit neuen Kräfte und frischem Lebensmute verlasse ich morgen die Anstalt, die ich abgespannt und erschöpft vor wenigen Wochen betreten habe. Der tief gefühlte Danke für die herrlichen hier verlebten Tage hat mir die Feder zum Abschiede in die Hand gedrückt, obwohl das Schreiben sonst nicht meine Sache ist. Aber ich glaube auch des Dankes aller Derjenigen sicher zu sein, die durch diese Zeilen auf Falkenstein aufmerksam gemacht, dasselbe zum Ziel ihrer Reise wählen werden."
  
Anzeigen für Dr. Hirschs klimatische Heilanstalt 1879  / 1882 / 1883 / 1884  
Falkenstein Israelit 26111879.jpg (51618 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1879: "Winterkur. 
Dr. Hirsch's
 
Klimatische Heilanstalt für Brustkranke, Blutarme und Nervenleidende mit streng jüdischer Verpflegung in 
Falkenstein im Taunus. 

Näheres bei Dr. med. Hirsch in Frankfurt am Main."
  
Falkenstein Israelit 17051882.jpg (35984 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1882: "Koscher
Falkenstein im Taunus. 
Klimatische Kuranstalt und Kaltwasseranstalt für Brustkranke, Blutarme und Nervenleidende. Näheres bei Dr. med. Hirsch in Frankfurt am Main. Winterkur".    
 
Anzeige in der Zeitschrift Jeschurun Nr. 1 1883 S. 31: "Koscher
Falkenstein im Taunus. 
Dr. med. Hirsch's 
klimatische Heilanstalt und Kaltwasseranstalt 

für Brustkranke, Blutarme und Nervenleidende, durch Neubau bedeutend vergrößert und mit allem Komfort, Windergarten etc. versehen. - Winterkur."  
 
  
Falkenstein Israelit 07021884.jpg (24375 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1884: "Falkenstein im Taunus
Dr. Hirsch's klimatische Heilanstalt. Jüdische Verpflegung ersten Ranges. - Winterkur."

 
 Die Rekonvaleszenten-Anstalten in Falkenstein (1893)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1893: "Die vom Frankfurter Verein für Rekonvaleszenten-Anstalten in Falkenstein begründete Volksheilstätte für Lungenkranke hat sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits in zahlreichen Fällen vorzüglich bewährt, erwies sich jedoch, mit 26 Betten belegt, räumlich als völlig unzulänglich. Durch den Beistand der Freifrau Wilhelm von Rothschild ist jetzt die Möglichkeit zur Neugründung einer wesentlich erweiterten Anstalt gegeben; Freifrau von Rothschild hat sich erboten, die dem Verein an der seitherigen Anstalt zustehenden Recht gegen Zahlung von Mark 200.000 zu übernehmen, unter unentgeltlicher Überlassung des Besitzes bis zur Eröffnung der neuen erweiterten Volks-Heilstätte. Dem Vereine erwachsen aber trotz dieser großmütigen Zuweisung neue und schwere Verpflichtungen; er ist daher mehr als je auf die tatkräftigste Unterstützung angewiesen."

     
     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Im 18. Jahrhundert gehörten die in Falkenstein lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Kronberg an und benutzten die dortigen Einrichtungen. Bereits 1777 bemühten sie sich freilich bei der Ortsherrschaft um die Genehmigung zur Einrichtung eines Betsaales. Dazu wollte man ein 1777/78 gekauftes Wohnhaus umbauen. Der Umbau wurde gestattet, wenngleich 1784 festgestellt wurde, dass die nötige Zehnzahl der jüdischen Männer (Minjan) zur Abhaltung von Gottesdiensten nicht gegeben sei. Abhilfe schufen alsbald die Königsteiner Juden, da Anfang des 19. Jahrhunderts berichtet wird, dass mehrere von ihnen nicht mehr die Gottesdienste in Kronberg, sondern in Falkenstein besuchten (wenngleich 1802 erst 11 jüdische Personen in Königstein wohnten). Nach 25 Jahren verschlechterte sich offenbar der bauliche Zustand der bisherigen Synagoge, sodass man das Gebäude um 1802 abbrechen ließ. Vom Erlös aus den Abbruchmaterialien (200 Gulden) sowie weiteren etwa 300 Gulden wurde auf demselben Grundstück 1805/06 eine neue Synagoge erstellt. Nach Fertigstellung dieser neuen Synagoge schlossen sich die Königsteiner und Falkensteiner Juden zusammen, um eine gemeinsame Gemeinde zu bilden (1807). Genau 100 Jahre war diese Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Falkenstein, bis am 13. September 1906 die neue Synagoge in Königstein eingeweiht wurde. 
        
Ein Bericht zum letzten Gottesdienst in Falkenstein am 13. September 1906 und zur Einweihung der Synagoge in Königstein am selben Tag wurde in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" am 5. Oktober 1906 veröffentlicht: 

Koenigstein AZJ 05101906.jpg (167784 Byte)Königstein im Taunus, 22. September. Am 13. dieses Monats fand die Einweihung unserer Synagoge statt. Sie begann mit dem Abschiedsgottesdienst in Falkenstein, woselbst bisher die Synagoge bestand. Unter feierlichem Zeremoniell wurden die Gesetzesrollen aus dem Schrein der alten Synagoge entnommen und in einem Festzuge nach Königstein gebracht. Eröffnet wurde dieser durch eine Musikkapelle, dann folgte der Synagogenchor aus Frankfurt, alsdann die am Bau beschäftigt gewesenen Personen, Bezirksrabbiner und Kantor, die Toraträger, die Vorstandsmitglieder und Ehrengäste, die Mitglieder der Kultusgemeinde, denen sich sehr viele Glaubensgenossen, zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilt, angeschlossen hatten; die Vereine von Königstein und Falkenstein waren mit ihren Fahnen mit im Zuge. Hierauf folgte die Feier in Königstein, eingeleitet durch Gesang des Frankfurter Synagogenchors, Anzünden des ewigen Lichts, Umzug und feierliches Einheben der Torarollen. Dann hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Silberstein die Festpredigt und schloss mit einem Gebet für die kaiserliche Familie. Der Feier wohnten der Vertreter des beurlaubten Landrates, die städtischen Körperschaften von Königstein, der Gemeindevorstand von Falkenstein, der evangelische Geistliche Herr Pfarrer Bender und viele andere bei. Der Schöpfer der Synagoge ist der Baumeister Münchhausen aus Köln. In hochherziger Weise hat Freifrau W. C. von Rothschild eine nicht unbedeutende Beihilfe zum Synagogenbau zugesteuert. Abends fand ein Festessen im Saale Procasky statt, an welchem Magistrat und Stadtverordnete, Herr Pfarrer Dr. Elsenheimer und viele andere teilnahmen. Die einmütig betätigte Schmückung der ganzen Stadt legte Zeugnis ab von dem guten Einvernehmen der Einwohnerschaft aller Konfessionen. Möge diese Toleranz beständig fortdauern. 

Nicht nur die Torarollen, auch die anderen Ritualien wurden zur Synagoge nach Königstein gebracht und in der Synagoge aufgebahrt. Das Falkensteiner Synagogengebäude wurde verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut. Als solches ist das Gebäude - mehrfach renoviert - bis heute erhalten. In seiner Grundgestalt blieb das Gebäude jedoch erhalten. Im Rundfester der Giebelseite war zu Synagogenzeiten ein Davidstern, rechts und links davon waren hohe Rundbogenfenster (siehe altes Foto unten).  
       
Adresse/Standort der SynagogeIm Unterdorf, heute Unterer Bergweg 2.          
    
   
Fotos
(Quelle: Altaras s.Lit. S. 131; ähnlich bereits bei Arnsberg Bilder S. 50; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2010).

Das Gebäude 
der ehemaligen Synagoge
Falkenstein Synagoge 010.jpg (115555 Byte) Falkenstein Synagoge 011.jpg (118480 Byte)
   Das Synagogengebäude in Falkenstein um
 1917; damals war sie bereits in Privatbesitz
Die ehemalige Synagoge nach der Renovierung
 und dem Umbau (Aufnahme August 1988)
         
 Falkenstein Synagoge 470.jpg (90582 Byte) Falkenstein Synagoge 472.jpg (95353 Byte) Falkenstein Synagoge 472a.jpg (100334 Byte)
 Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in Falkenstein im Frühjahr 2010
     

   
   
Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Königstein 

Informationen zum jüdischen Friedhof in Falkenstein  

Literatur:  

Germania Judaica III,1 S. 338.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 452-458 (im Abschnitt zu Königstein)
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 50.
Thea Altaras: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 121-122.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 186-187.       

      

                   
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Stand: 09. Dezember 2014