Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Michelstadt (Odenwaldkreis, Hessen) 
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

Siehe Seite zur Synagoge in Michelstadt (interner LInk)    
  

Zur Geschichte des Friedhofes 

Der jüdische Friedhof in Michelstadt wurde spätestens um 1700 angelegt. Er liegt am Waldrand (Gemarkung "Am Judenberg") an der Straße Am Stadion rund 1,2 km von der Innenstadt entfernt im Norden der Stadt (gegenüber dem Freibad). Die älteste (1937-38 noch lesbare) Grabinschrift war von 1720 (2007 ist die älteste Grabsteininschrift von 1725). Zwischen 1730 und 1747 wurde der Friedhof mit einer Mauer umgeben. 1860-61 wurde der Friedhof erweitert (Friedhofsfläche seitdem 73,72 ar). Er wurde von jüdischen Gemeinden (beziehungsweise jüdischen Familien in Orten) einer weiten Umgebung belegt (Beerfelden, Höchst, Hetschbach, Kirch-Brombach, König, Mümling-Grumbach, Neustadt und Seckmauern, bis ein Teil dieser Orte eigene Friedhöfe anlegte). 
 
Zu einem Bericht über die
Bezirkstagung der 'Freien Vereinigung' in Michelstadt (1931) mit Schilderung des Friedhofes und als Höhepunkt der Besuch des Grabes von Rabbi Seckel Löw siehe Text auf der Seite zur Synagoge in Michelstadt.   
        
Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde die Begräbnishalle des Friedhofes von SA-Leuten und Hitlerjugend von Michelstadt und Erbach niedergerissen und die Grabsteine demoliert. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof vom Korpsbekleidungsamt in Beschlag genommen. Die leitenden Offiziere ließen auf dem Friedhofsgrundstück Baracken errichten und die Gräber rücksichtslos wegschaufeln, sodass Schädel und Skeletteile im Wald herumlagen. Nach 1945 wurde der Friedhof von der Stadtverwaltung - soweit möglich - wieder in Ordnung gebracht. Dazu wurden ehemalige SS-, SA- und HJ-Angehörige herangezogen, die unter Leitung des Stadtarchivars Ph. Buxbaum die Aufräumungs- und Wiederherrichtungsarbeiten ausführten. Auch die Grabstätte des Baalschem wurde von einem Urenkel des Baalschem wieder hergerichtet und erhielt einen neuen Grabstein.  
        

Hinweis: Nach dem Verzeichnis der durch die "Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen" bearbeiteten hessischen Friedhöfe ergibt sich für den Friedhof in Michelstadt die Zahl von (vor 1940!) 261 vorhandenen Grabsteinen aus der festgestellten Belegzeit von 1725 bis 1938. Siehe landesgeschichtliches Informationssystem Hessen - Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen und Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg: Dokumentation der jüdischen Friedhöfe in Hessen - Online zugänglich

Lageplan:

Lage des jüdischen Friedhofes in Michelstadt auf dem dortigen Ortsplan: oben anklicken und unter "Behörden und öffentliche Einrichtungen" weiterklicken zu "Friedhof, jüd."

  
       
Fotos 

Der alte, nicht mehr vorhandene Grabstein für Rabbi Seckel Löw Wormser - ein neuer Grabstein (s.u.) wurde 1947 durch einen Urenkel (Fritz Dreifuss) aufgestellt Michelstadt SLWormser 02.jpg (79805 Byte)
Inschrift: "Unser Lehrer, unser Rabbiner, der Rabbi Jizchak Arje genannt Sekel Leib, Rabbiner der Gemeinde Michelstadt und der Landschaft Odenwald. Das stimme Schweigen ist sein Lob. Sein Wort war, bevor die Finsternis aufkam. Der Freund des Höchsten - Der Geistesfürst der Welt - Die Pracht Jakobs - Der Stolz seiner Generation - Der Weise der Mystik - Der Kenner des Geheimnisses - Der Heilige seines Volks - Der Liebling seines Schöpfers. O, Vater! Am Tage deines Hinscheidens stimmten die Hungrigen deines Volkes in Verzweiflung eine große Klage an. Am Tage des Weggangs heute gehst du ein in den Garten Eden. Dein Lohn hat der in den Höhen thront dir bezahlt. Dein Andenken sei zum Segen. - Gestorben am 4. und begraben am 6. Tischri 5607."
Neuere Fotos:
(Diese Fotografien wurden von Klaus Kurre, Mainberg angefertigt und dürfen nicht ohne Genehmigung weiter verwendet werden. Hochauflösende Aufnahmen und weitere, hier nicht hinterlegte Bilder können per Mail bei Klaus Kurre angefordert werden).
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Blick auf den Friedhof Eingangstor Hauptweg durch den Friedhof
     
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Einzelne Grabsteine
  
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Ziel unzähliger jüdischer (und auch christlicher) Pilger: das Grab des Wunderrabbis Seckel Löb Wormser (1768-1847), der Wundermann ("Baal Schem") von Michelstadt. Die hebräische Inschrift lautet übersetzt: "Hier ist begraben der große Gaon Sekel Wormser, bekannt als Baalschem von Michelstadt" (auf dem Grab befindet sich noch ein Ornamentteil vom alten Grabstein).
  
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Teilansichten des Friedhofes  
   
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Die neuesten Gräber   

   
  

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Michelstadt (mit Informationen zur jüdischen Geschichte über Links "Tourismus/Sehenswertes"; 
- direkt zum Museum in der ehemaligen Synagoge
- direkt zum Stadtarchiv 
- Seite zu Seckel Löb Wormser "Baal Schem von Michelstadt" auf englisch: hier anklicken 
Geschichtsseite der "Jerusalem-Boutique" neben der Synagoge

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinde in Hessen 1972. Bd. II, 76-89.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen - Was geschah seit 1945. Königstein im Taunus. 1988 S. 169.204.217.
Rudolf Wind: Michelstadt. Ein Führer durch die Stadt.
Judaeus: The Baal Shem Tov of Michelstadt. New York— Jerusalem 1973. Translated by M. F. Kuttner.
Martin Schmall: Die Juden in Michelstadt 1658-1942. Michelstadt 1982.
ders.: Die Juden in Michelstadt. Band 5 der Rathaus- und Museumsreihe. Michelstadt 1988.
Karl E. Grötzinger Der Ba’al Schem von Michelstadt und die Frankfurter Kabbalisten, in: Menora - Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte, 1996. S. 324-340.
ders.: Seckel Löw Wormser – der Ba’al Schem von Michelstadt, Zum 150. Geburtstag, in: Aschkenas, Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, Nr. 10 2000 S. 157-176.

  

                   
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Stand: 09. Februar 2010