Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Beerfelden (Odenwaldkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Beerfelden bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1691 lebten zwei jüdische Familien in der Stadt (David und Elias). Im Laufe des 18. Jahrhunderts stieg ihre Zahl auf acht Familien an (1797 werden folgende acht Schutzjuden genannt: Jonas, Elias, Salomon Feist, Hirz Salomon, Hirz Löb, Feist Moses, Hillel Salomon, Salomon Schlomo). 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1817 17 jüdische Familien, 1820: 111 jüdische Einwohner, 1837 133, 1861 187 (6,7 % von insgesamt 2.787), 1880 157 (4,9 % von 3.187), 1895 162 (6,8 % von 2.381), 1910 120 (5,7 % von 2.113). 
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und (allerdings erst seit 1931) ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Die jüdische Gemeinde gehörte seit 1899 zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II, 1931 trat sie zum liberalen Rabbinat Darmstadt I über (siehe die Hintergründe dieser Entscheidung im Artikel unten).
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Salomon Rosenthal (geb. 16.5.1885 in Beerfelden, gef. 31.8.1914). 
    
Um 1925 - als die Gemeinde noch aus 33 Familien bestand (106 Personen, 4,9 % von insgesamt 2.142 Einwohnern) - waren die Vorsteher der Gemeinde: Josef Salomon II, Abraham Marx, Israel Salomon. Als Religionslehrer, Schochet und Kantor war S. Frank tätig. Er erteilte damals noch fünf schulpflichtigen jüdischen Kindern Religionsunterricht (1932 9 Kinder). An jüdischen Vereinen gab es die Wohltätigkeitsvereine Kadischa (1924 12 Mitglieder) und Gemilus Chessodim (1924 14 Mitglieder) sowie den Israelitischen Frauenverein (1924 20 Mitglieder). Bis 1932 war die Zahl der Gemeindeglieder auf 91 zurückgegangen. Inzwischen waren die Vorsteher der Gemeinde: Jonas Sondheimer (1. Vors.), Ernst May (2. Vors.) und Leopold Reinheimer (3. Vorst.). Als Schatzmeister war Samuel Reinheimer eingetragen. 1934 wurde Benjamin Reinheimer erster Vorsitzender der Gemeinde. 
    
Nach
1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 105 Personen, 4.5 % von insgesamt 2.137) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 68, Ende 1938 nur noch 23 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). 1942 wurden die letzten 12 jüdischen Einwohner (überwiegend ältere Menschen, aber auch zwei Kinder) über die Sammelstelle in Darmstadt in Vernichtungslager deportiert.   
   
Von den in Beerfelden geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Ida Forsch geb. Reinheimer (1880), Mina Haas geb. Sondheimer (1883), Moritz Haas (1878), Johanna Harburger geb. Rosenthal (1887), Flora Lehmann geb. Salomon (1894), Martha Löwenberg geb. Salomon (1899), Emilie Löwenstein geb. Rosenthal (1883), Abraham Marx (1873), Hannchen (Johanna) Marx geb. Würzburger (1862), Johanna Marx geb. Lorch (1877), Jonas Marx (1882), Selma Marx geb. Wallerstein (1884), Helene Marxsohn geb. Hauser (1900), Rabbiner Samson May (1868), Benjamin Reinheimer (1886), Hilde Reinheimer (1930), Irene Reinheimer (1921), Julius Reinheimer (1928), Karl Reinheimer (1876), Moritz Reinheimer (1888), Rosa Reinheimer geb. Blumenthal (1893), Salomon Reinheimer (1925), Sofie Reinheimer (1879), Zerline Rosenthal geb. Marx (1863), Aron Salomon (1861), Eduard Salomon (1884), Ellen Salomon (1920), Else Salomon geb. Leopold (1900), Erwin Salomon (1925), Inge Salomon (1928), Joseph Salomon (1880), Karl Salomon (1877), Klara Salomon (1890), Kurt Salomon (1898), Regina Salomon (1894), Sally Salomon (1868), Siegfried Salomon (1892), Amalie Martha Strauss geb. Meyer (1887), Thekla Wartensleben geb. Sondheimer (1876), Hannchen Wolf geb. Rosenthal (1860).    
    
Zur Erinnerung an das Schicksal ermordeten jüdischer Personen aus Beerfelden wurden im April 2012 in einer ersten Verlege-Aktion in Beerfelden 18 "Stolpersteine" in der Stadt verlegt.    
    
    
    

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1863 / 1864

Beerfelden Israelit 13051863.jpg (54775 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1863: "Für die hiesige israelitische Gemeinde ist die Lehrerstelle vakant geworden. Bewerber wollen sich alsbald melden. Es wird bemerkt, dass zugleich der betreffende Lehrer die Schächter- und Vorsängerstelle zu versehen hat. Der Gehalt beträgt bei freier Wohnung 400 bis 450 Gulden. Baldige Meldungen unter Beifügung der Zeugnisse werden an den unterzeichneten Vorstand franko erbeten. Der Eintritt kann sogleich geschehen.
Beerfelden, 3. Mai 1863. Seligmann Salomon, Vorstand."
  
Beerfelden Israelit 20041864.jpg (45460 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1864: "Die israelitische Gemeinde dahier sucht einen Religionslehrer, der zugleich den Posten des Schochet und Vorsängers mit zu versehen hat. Nebst freier Wohnung beträgt das jährliche Einkommen 450 bis 500 Gulden. Reflektierende wollen baldigst ihre betreffenden Zeugnisse dem Vorstande einsenden.
Beerfelden, Ende März 1864: Jonas May. Salomon Rosenthal. M.K. Sondheimer".

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte über die jüdische Gemeinde aus den Jahren 1870 / 1871 

Beerfelden Israelit 14091870.jpg (187494 Byte)Aus einem längeren - aus orthodox-jüdischer Sicht geschriebenen, sehr kritischen - Bericht über die Situation der jüdischen Gemeinden im Odenwald - die Gedanken schließen an Ausführungen über einen inzwischen in Großzimmern tätigen Lehrer an (Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1870: "....ein solcher Mann ist in einer Gegend, wo das Judentum so verkommen ist wie im Odenwalde, eine besonders herrliche Erscheinung. Er wirkt, von seinem Unterrichte ganz abgesehen, durch das bloße Beispiel, als welches sein anspruchsloses, wahrhaft jüdisches Familienleben der ganzen Gemeinde dasteht, unvergleichlich mehr als alle seine modernen Herren Kollegen zusammen mit ihren kalten geist- und herzlosen Predigten. Nur noch einen Lehrer haben wir im Odenwalde diesem an die Seite zu stellen, den der jüdischen Gemeinde Beerfelden. Es ist rührend zu sehen, wie dieser Mann von morgens bis abends jede freie Zeit dem Unterricht der ihm anvertrauten Kinder widmet; die erlangten Resultate sind aber in der Tat auch nennenswert. Die erste Knabenabteilung lernt unter anderem Mischnajot Berachot Chomesch im Raschi hebräische Grammatik und trägt gelegentlich in einer Klasse vor; die folgenden Klassen übersetzen die Tora mit Raschi, die Gebete etc. und die Mädchen übersetzen außer den Gebeten noch recht geläufig Psalmen und anderes mehr. In den Schulen der genannten Biedermänner stößt man nicht auf jene in dem unschuldigen Kindermunde so widerwärtig klingenden Phrasen über Gott, Religion und sonst metaphysische Begriffe, mit deren Definierung unsere modernen Pfäfflein die teure Zeit in der Schule totzuschlagen lieben; hier ist die Schule noch das, was sie sein soll: ein Institut, in welchem das Kind Tora und Mizwot (Gebote) für das Leben lernt. Während diesen phrasenreichen Religionskünstler das Wort gilt (vgl. Jeremia 16,11): 'haben sie nicht mich verlassen und meine Tora nicht beobachtet?' Möchten sie doch, spricht Gott, die Erklärung meiner Eigenschaften, und dergleichen mehr auf sich beruhen lassen, dafür aber meine Tora halten und halten lernen; - so möge jenen unverdrossenen Arbeitern im Weinberge Gottes, das ermutigende Prophetenwort 'Aber die Verständigen werden glänzen wie der Glanz des Himmels, und die, welche viele zur Gerechtigkeit führten, wie die Sterne, immer und ewig' (Daniel 12,3) ein neuer Sporn sein für ihren (Daniel 12) heiligen, schwierigen Lehrerberuf. Sie haben ja Niemanden, der ihnen Mut und Trost zuspräche bei ihrer gottbewussten Lebenstätigkeit. Die Gemeindemitglieder können fast durchgehends solche Leistungen ihres Lehrers nicht beurteilen, weil ihnen das Verständnis der einzelnen Lehrfächer abgeht, und unser Rabbiner zu Darmstadt, der ignoriert solche Bestrebungen gänzlich. Warum sollte er auch nicht, sie machen die Pfründe nicht fetter. - Wir werden übrigens noch auf diesen Punkt zurückkommen."
  
Beerfelden Israelit 28091870a.jpg (308955 Byte)Aus einem längeren Bericht über die religiösen Verhältnisse der jüdischen Gemeinden im Odenwald aus kritischer, orthodox-jüdischer Sicht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1870 - Abschrift des Artikels beginnt in der rechten Spalte oben: "... Dieses unerschütterliche Bewusstsein gibt mir den Mut, die begonnene Dornenlese fortzusetzen, und so mögen denn für heute die Verhältnisse der jüdischen Gemeinde Beerfelden ihre Besprechung finden. - Ille terrarum mihi praeter omnes angulus ridet (=Zitat aus Horaz: 'Dieser Winkel der Erde lacht mich mehr als alle anderen an'). Dieser Ort macht, wie schon erwähnt, eine rühmliche Ausnahme von den Gemeinden der ganzen Gegend. Hier ist noch Sinn und Anhänglichkeit für Tora vorhanden; die Leute sind mit einem Worte so fromm als es überhaupt bei den leidigen, jüdischen Verhältnissen, die hier herrschen, möglich ist. Wenn sie auch keine Toralerner sind, so sind sie doch Toraliebhaber; und das will in einem Orte, der nur 3 Stunden von Michelstadt entfernt ist, viel heißen. Umso empfindlicher muss es aber berühren, gerade hier nicht das Prädikat zu finden, welches der königliche Sänger den 'Freunden' der Tora vindiziert, den Schalom Raw. Schon seit Jahren herrscht hier wegen ursprünglich ganz geringfügiger Veranlassungen eine arge Spaltung in der Gemeinde, die schon sehr viel öffentlichen Ärger bereitet hat. Eine kleine aus etwa 5 Familien bestehende Partei, hat sich von der etwa 30 Familien zählende Gemeinde lösgelöst; weil sich letztere nicht kleinlichen Sonderinteressen fügen will. Viele angesehene Männer außerhalb der Gemeinde waren bemüht, hier den Frieden herzustellen und haben die friedliebende Gemeinde zu allen überhaupt mögliche Konzessionen veranlasst, aber alles Bemühen ist an der Zähigkeit der Minorität gescheitert; und so nistet sich dieser Streit trotz aller von den obrigkeitlichen Behörden angestellten Vermittlungsversuchen täglich mehr und mehr ein. Welch ein schmerzlicher Anblick! Wenn es schon höchst traurig ist, dass religiöse Motive jüdische Gemeinden zersplittern und schwächen, was soll man erst dann sagen, wenn unnötiger Hass gleichgesinnte, für unsere Wahrheit warm fühlende Herzen trennt, und täglich mehr und mehr den Bruder vom Bruder entfremdet? Freunde, Brüder! Das muss anders, muss besser werden. Ihr solltet, ihr könntet eine Mustergemeinde sein, für alle Glaubensgenossen im Odenwalde; wollt ihr diesen hohen, heiligen Beruf dadurch einbüßen, dass ihr zäh und unerbittlich einander feindlich gegenüber steht? Reißt ihn heraus den alten Groll aus euren jüdischen Herzen; nehmt Euch ein Beispiel an der herzerhebenden Katastrophe, die sich augenblicklich in unserem deutschen Vaterlange vollzieht, das durch seine Einheit groß und mächtig den Friedenstörer hoffentlich für alle Zeiten unschädlich gemacht hat. Vergesst und verzeiht Euch gegenseitig alles Geschehene, so wir Ihr wünscht, dass der Vater im Himmel verfahren möge, wenn er zum      
Beerfelden Israelit 28091870b.jpg (198766 Byte)neuen Jahre Euer und Eurer Angehörigen Zukunft bestimmt. Wir bauen fest auf Euch, wenn es sich um eine Änderung unserer jüdischen Angelegenheiten in der Zukunft handelt; zeigt Euch dieser hohen Aufgabe würdig, seid einig, einig! Zukunft?! Diese bessere Zukunft wird noch geraume Zeit auf sich warten lassen, aber sie wird kommen, so gewiss kommen, als auf die Nacht der Morgen, als auf Regen Sonnenschein folgt. Eure lieben Kleinen, das sind die treuen Bürgen für euere Zukunft; wenn sie nur den Erwartungen entsprechen werden, die man nach unseren früheren Voraussetzungen an sie knüpfen darf, so seid überzeugt, es wird anders, es wird besser werden. Dieser Hoffnung können wir uns leider nicht so unbedingt in die Arme werfen, wenn wir irgend eine andere Gemeinde des Odenwaldes in's Auge fassen. Das ist die Gemeinde König...."
   
Begeisterung über den Besuch von Rabbiner Dr. Lehmann Marx (1871) 
Anmerkung: 1871 wurde in Darmstadt beschlossen, einen Rabbiner für die orthodox-jüdischen Gruppen und die Landgemeinden zu berufen. Die orthodoxen Gruppen hatten Schwierigkeiten mit dem als gemäß liberal geltenden Rabbiner Dr. Julius Landsberger, der von 1859 bis 1890 in Darmstadt Rabbiner war. Nach der Gründung des "Vereins der gesetzestreuen Israeliten der Provinz Starkenburg" wurde als Rabbiner Dr. Lehmann Marx gewählt, der am 13. September 1871 in Darmstadt eintraf und sofort sein Amt übernahm. Im nachstehenden Artikel wird über seinen Antrittsbesuch in Beerfelden berichtet. 
Beerfelden Israelit 22111871.JPG (176682 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1871: "Beerfelden, im Odenwald, im November (1871). Gewiss, geehrtester Herr Redakteur, wird es für Sie und Ihr geschätztes Blatt von Interesse sein, wenn ich Ihnen berichte, wie nun die Gemeinde in unserer Provinz, die sich dem hochherzigen Entschlusse angereiht haben, einen Mann zu engagieren, der mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele für das Judentum und für unsere heilige Religion einzustehen sich bestrebt, durch das Wort und die Tat zu Tora und Gottesdienst angeeifert werden. Einen freudigen und erhebenden Schabbat haben wir gehabt (an Schabbat Paraschat Chaje Sara - Schabbat mit der Toralesung Chaje Sara), indem unser geliebter Rabbiner Dr. Marx in unserer Mitte verweilte. Kein Auge blieb tränenleer bei seinem Vortrage, ja, sein beredter Mund einigte die schon längst erkalteten Herzen unserer Gemeinde, die sich seit einer Reihe von Jahren kalt und schroff einander gegenüber standen. Mit einer Begeisterung, die aus der Tiefe seines Herzens emporstieg, wusste er die harte Rinde, die sich um die Herzen lagerte, zu lösen. Wahrlich, unsere Provinz, und namentlich die Männer, die dieses Vorhaben zur Reife brachten, haben eine glänzende Akquisition gemacht. Gewiss werden alle Gemeinden, die unser geliebter Rabbiner besuchen wird, dasselbe Urteil fällen, wenn sie erst in nähere Bekanntschaft mit ihm getreten sind. Sonntags nahm er die Schulprüfung v or, eiferte Lehrer und Kinder an durch sein begeisterndes Wort. Es ist erfreulich für eine jede Gemeinde, wenn sie tatsächlich überzeugt wird, dass ihre Kinder in keiner Beziehung vernachlässigt werden, aneifernd für den Lehrer, wenn sein mühevolles Streben Anerkennung findet. So voll Liebe und Anerkennung er sich auch hier gezeigt hat, so wird er aber auch andererseits, dessen sind wir fest überzeugt, mahnend und tadelnd gegen Gemeinde und Lehrer auftreten, wenn sie ihren heiligen und hohen Beruf vernachlässigen. Auch von der guten und gewissenhaften Ausführung der Schechita hat er sich überzeugt. So gerne wir ihm eine Vergütung für seine gehabte Mühe hätten zuteil werden lassen, wies er doch dieselbe entschieden zurück; er hat alles nur um des Gebotes willen getan und war froh, den religiösen Standpunkt hier so zu finden, wie er es gewünscht. Hoffen wir zu Gott, dass Herr Dr. Marx bald wieder zu uns komme, und dass auch andere Gemeinden Veranlassung finden, ihn recht bald in ihre Mitte zu berufen. Wahrlich, wir können mit frohem Herzen ausrufen: 'nicht verwitwet ist Israel' (Jeremia 51,5). M.H.L." 

  
Werbung für den Luftkurort Beerfelden (1900)  

Beerfelden Israelit 09081900.jpg (53728 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900: 
"Koscher -  Koscher.  
Luftkurort

Beerfelden im Odenwald. 
Für Leute, die einen angenehmen Landaufenthalt während der Sommermonate suchen, hält sich der Unterzeichnete bei streng koscherer Küche und reeller Bedienung bestens empfohlen.   
E. Hauser, Lehrer. 
Referenz: Seiner Ehrwürden Herr Landrabbiner Dr. Marx, Darmstadt."

   
Über das Lehrgut "Hirschhof" bei Falken-Gesäß (1924) 
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1926: "Das Lehrgut 'Hirschhof'. 
Der Abschnitt ist noch nicht ausgeschrieben; zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. 

   
Über die Gründe des Wechsels vom orthodoxen zum liberalen Bezirksrabbinat (1930) 

Beerfelden oder Israelit 13111930.jpg (204401 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1930: "Eine jüdische Gemeinde zu verkaufen!... Wer bietet mehr?  Im hinteren hessischen Odenwald liegt in idyllischer Gegend die jüdische Gemeinde B. (gemeint Beerfelden), die eine alte Geschichte aufweisen kann. Berühmt ist sie dadurch, dass sie es war, die dem Baal Schem von Michelstadt treueste Gefolgschaft leistete und zu seinen unbedingten Anhängern und Stützen gehörte. Eine schöne alte Synagoge, eine mustergültige neue Mikwo-Anlage, ein neuer großer Friedhof zeichnen sie aus, und was noch mehr ist, es wohnen auch einige treue, feste Männer vom alten Schlag darin. Eng verwachsen ist ein jeder mit seiner Gemeinde, und so nimmt's nicht wunder, dass auch einer ihrer Bürger, der seit langem seinen Wohnsitz jenseits des Ozeans hat, aufs anhänglichste immer wieder seiner Heimat gedenkt. Stiftete Herr R., der mit reichen Gütern gesegnet ist, doch seiner Stadt eine neue Kirche, spendete er ihr doch in einer Riesenstiftung, die ursprünglich dem Bau eines Kindergartens und einer Badeanstalt dienen sollte, dann aber allgemeinen Wohlfahrtszwecken bestimmt wurde, den ansehnlichen Betrag von Mark 200.000. Ohne Unterschied der Konfession und Partei sollen diese Gelder stets Verwendung finden, und dies ist gewiss ein Zeichen der allumfassenden Liebe zu den Bürgern seiner Heimat, wenn man weiß, dass Beerfelden die Hochburg des Nationalsozialismus im Odenwald ist. Die jüdische Gemeinde seines Ortes wartet auch seit einiger Zeit auf eine Stiftung. Es wurde ihr Friedhof vollkommen von Herrn R. übernommen und ausgebaut, aber damit war nur den Toten geholfen. Jetzt aber kommt, so scheint es, auf einmal eine solche Stiftung zustande. von 5.000 Mark zur Renovierung des Gemeindehauses spricht man und von Hinterlegung eines Fonds, von dessen Zinsen nicht weniger als zwei Drittel eines Lehrers dauernd erhalten werden können. Für die Zukunft der Gemeinde ist gesorgt, und Beerfelden wird mit Gottes Hilfe dauernd eine schöne Gemeinde bleiben. Bis sich Herr R. unglücklicherweise seiner Vergangenheit erinnert. Gab's da doch vor einem jahrzehnt in Darmstadt, zu dessen orthodoxem Rabbinat die Gemeinde gehört, einen bösen Rabbiner, der - wie unverständlich und töricht - den elementarsten Grundsätzen der jüdischen Religion zuwiderlaufend! - wohl aus purem Stattsinn -. verweigerte, bei einer Feuerbestattung Amtshandlungen vorzunehmen. Dem sollte vorgebaut werden, und Herr R. knüpft die Bedingung an die Stiftung, es solle die Gemeinde von orthodoxen zum liberalen Rabbinat übergehen. (Wie hieß es oben so schön? 'Ohne Unterschied der Konfession und Partei!'). Freudestrahlend winkt der Liberalismus den Übertretenden zu, stolz auf seine 'Leistungen', dank denen eine Gemeinde sich neu als sein Schäflein bekennen will! Denn flugs beschließt man dort, einige wenige treue Charakterfeste übergehend, den gewünschten Übertritt. Die Gemeinde hat ja zwar ihre Zukunft verkauft, denn was wird nun aus Schechita, Mikwo, Gutort (Friedhof) und so vielem andern? Aber das schadet ja nichts, sie fühlt sich gerettet! Und das genügt! Nur die Regierung bleibt noch zur Prüfung und zur Genehmigung übrig. (Wir bedürfen ja bei allen öffentlichen meistbietenden Versteigerungen der Behördenzustimmung!) Was man sich wohl im Kreisamt und Ministerium nun für Gedanken über jüdische Glaubenstreue und Charakterfestigkeit machen mag? Vielleicht erfährt man dies noch einmal!"

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Moses Marx (1916)  

Beerfelden Israelit 17061916.jpg (95707 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1916: "Beerfelden, 10. Juni (1916). Am 9. Juni haben wir unter großer Beteiligung von nah und fern, das älteste und beliebteste Mitglied unserer altehrwürdigen Gemeinde, den in weiten Kreisen bekannten Moses Marx, der am 7. Juni im Alter von 81 Jahren von uns schied, zur letzten Ruhe begleitet. Eine unausfüllbare Lücke hinterlässt er in unserer Gemeinde. Mit Wehmut sehen wir die Stelle leer, an der er so segensvoll wirkte. Wie er das jüdische Pflichtenleben in allen Teilen sorgfältigst hütete, wusste Jeder. Durch seine Schlichtheit, Liebenswürdigkeit und Redlichkeit erwarb er sich Achtung, Ansehen und Einfluss in allen Kreisen. Mit Aufgebot seines Einflusses trat er dem Zug der Zeit entgegen und ging anregend und aneifernd der Gemeinde voran. Ein eifriger Teilnehmer des Gottesdienstes und aller Schiurim (Lernstunden), war er auch bei der Übung von Wohltätigkeit stets der erste am Platze. Sein Andenken wird uns zum Segen gereichen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
Über Abraham Salomon Rosenthal und seine Stiftung  

Beerfelden ASRosenthal 110.jpg (268079 Byte)Abraham Salomon Rosenthal (geb. 1854 in Beerfelden, nach Nordamerika ausgewandert) gilt als großer Wohltäter der Stadt Beerfelden. 1929 vermachte er der Stadt "zum Zeichen der Liebe für diese Heimat" 200.000 Reichsmark. Das ursprünglich für ein Volksbad und einen Kindergarten gestiftete Geld wurde von den Stadtoberen zur Armenstiftung umgewidmet. Noch bis zur Gegenwart wird das Stiftungsgeld verwaltet, das derzeit einen Wert von noch etwa 25.000 Euro hat. Während der NS-Zeit wurde von der Stadtverwaltung verfügt, dass das von Rosenthal gespendete Geld nur noch "Ariern" zugute kommen sollte. Nach 1945 setzte sich diese Praxis auch ohne Erlass fort, da in Beerfelden keine jüdischen Personen mehr lebten. 
Im Juni 2006 wurde für Abraham Salomon Rosenthal an der Professor-Braun-Straße ein Gedenkstein gesetzt und ein Platz der Stadt nach ihm benannt. 
Das Foto oben aus der Website des Fritz Bauer-Institutes Frankfurt http://www.before-the-holocaust.net/, auf der sich zur jüdischen Geschichte / Familiengeschichte in Beerfelden noch weitere Fotos finden.    
     
Artikel vom 16. Dezember 2008 aus der Zeitschrift "Echo-Online"/Odenwälder Echo (Artikel)   
200.000 Reichsmark, die bis heute wohltun. Rosenthal'sche Stiftung: Idee eines jüdischen Mitbürgers ermöglicht, dass in Beerfelden 17 Menschen zusätzliches Weihnachtsgeld beziehen. 
BEERFELDEN.
Rund 77 Jahre ist es her, dass ein ehemaliger jüdischer Mitbürger Beerfeldens seiner Heimatstadt mit einer großzügigen Spende Gutes tun wollte. Und noch heute kommt Abraham Salomon Rosenthals Idee bedürftigen Bürgern der Stadt am Berge und ihrer Stadtteile zu Gute. Auch 2008 werden Frauen, Männer und Kinder, die unverschuldet in Not geraten sind, mit einem Betrag aus dem Zinsertrag des Stiftungskapitals beschenkt. Wie Diana Weil vom Verwaltungsrat der Rosenthal'schen Stiftung dazu mitteilte, sollen 17 Frauen und Männer jeweils 50 Euro ausgezahlt bekommen. Hinzu kommen jeweils 20 Euro Spende aus dem Restvermögen des vor mehreren Jahren aufgelösten Heimatkundlichen Arbeitskreises Beerfelden. Bei den 17 bedachten Bürgern handelt es sich nach Auskunft von Weil hauptsächlich um Alleinerziehende und Rentner mit ganz geringem Einkommen sowie um Eltern mit schwerbehinderten Kindern. Einige von ihnen waren schon im vergangenen Jahr auf diese Weise unterstützt worden. Die Geschichte von Spender und Stiftung spiegelt ein Stück Heimat- und deutscher Geschichte wider: Abraham Salomon Rosenthal wurde am 22. März 1854 als siebtes Kind von Salomon und Rosa Rosenthal in Beerfelden geboren. Wie viele Menschen damals wanderte er nach Nordamerika aus. Mit 300 Gulden Startkapital gründete der Sechzehnjährige in New York einen Importhandel für japanische Seidenwaren – und kam damit zu Reichtum. Dies erlaubte ihm ab 1903, für längere Zeit in seine alte Odenwälder Heimat zurückzukehren. Beerfelden muss Rosenthal viel bedeutet haben, wie sich spätestens 1929 zeigte, als er "zum Zeichen der Liebe für diese Heimat" 200.000 Reichsmark spendete. Sollte das Geld zunächst den Bau eines Volksbades mit Kindergarten sowie die Betreuung dort ermöglichen, so wurde es angesichts der blanken Not vieler Beerfelder bald zur Armenstiftung umgewidmet. Im Hinblick auf die Enteignung und Zerstörung jüdischen Besitztums unter den Nationalsozialisten gehört es zu den Wunderlichkeiten dieser Geschichte, dass die Rosenthal'schen Stiftungsmittel Drittes Reich und Zweiten Weltkrieg überlebten. Ab 1945 wurden diese Mittel wieder von der Stadt Beerfelden übernommen; für die Weiterführung der Stiftung gründete man eine ehrenamtliche Geschäftsführung. Zu den Besonderheiten der Stiftungs-Geschichte gehört ebenso, dass der Spender sich mildtätig zeigte, obwohl er 1906 mit seinem Antrag auf Wiedererlangung der hessischen Staatsangehörigkeit gescheitert war. Hatte sich die Stadt Beerfelden in diesem Verfahren noch für ihn eingesetzt, sprach sie dem Stiftungsursprung während der NS-Zeit mit einem Erlass Hohn, wonach Zahlungen aus dem Fonds nur noch an Arier geleistet werden durften. Als ein Stück Wiedergutmachung gegenüber Abraham Salomon Rosenthal wurden im November 2006 ein Platz und ein Gedenkstein an der Professor-Braun-Straße von Beerfelden diesem Menschen- und Heimatfreund gewidmet. Die einst 200.000 Reichsmark blieben übrigens vollständig erhalten: Nach der Währungsreform in Folge des Zweiten Weltkriegs und der Umstellung auf Euro 2002 beträgt das Stiftungskapital rund 25.000 Euro. 

         
         
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe (bzw. über sie) und Privatpersonen  
Fa. S. und M. Rosenthal ist erloschen (1879) 
(zugesandt von Hans-Peter Trautmann, Reichelsheim)  

Reichelsheim 1879a.jpg (83237 Byte)Anzeige im "Erbacher Kreisblatt" vom 3. Januar 1880: "Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, dass die zu Beerfelden bestehende Firma 'S. und M. Rosenthal' in Folge der Auflösung der Gemeinschaft durch die Teilhaber der Firma, der Salomon Rosenthal Witwe und des Marx Rosenthal zu Beerfelden, erloschen ist. 
Beerfelden, 27. Dezember 1879. 
Großherzogliches Amtsgericht Beerfelden. Bauer, Oberamtsrichter. 
Diehm, Gerichtsschreiber."  
Anmerkung: Salomon Rosenthal war der Vater des Wohltäters der Stadt Abraham Salomon Rosenthal (siehe oben). 

    
Verlobungsanzeige von Erna Heilmann und Ch. Liverhant (1913)  

Beerfelden FrfIsrFambl 15101913.jpg (35606 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Oktober 1913: "Statt Karten!  
Erne Heilmann. Ch. Liverhant. Verlobte.  
Beerfelden, Frankfurt am Main, Luisenstrasse 66."  

  
Hochzeitsanzeige von Isidor Heilmann und Bertha geb. Rosenthal (1922)

Beerfelden Israelit 30111922.jpg (36542 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1922: "Statt besonderer Anzeige!  
Isidor Heilmann - Bertha Heilmann geb. Rosenthal. Vermählte.   
Beerfelden / Frankfurt am Main.  30. November 1922 / 10. Kislew 5683."   

    
Anzeige von Moritz Haas (1925)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1925: "Suche Lehrstelle für meinen 16-jährigen Sohn in Mehl- und Futterartikel-Geschäft. Schabbat und Feiertage geschlossen. Gefällige Offerten an Moritz Haas, Beerfelden im Odenwald."   

     
     
 
   
Zur Geschichte der Synagoge       
     
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert wurde der Gottesdienst in einem Betraum im Hause des Juden Moses gehalten. Als die Zahl der jüdischen Familien zunahm, war der Raum zu klein. Im Oktober 1797 suchten die damaligen acht Schutzjuden um die Erlaubnis zum Bau einer Synagoge nach. "Nicht aus Frevel und Übermut, sondern aus Notwendigkeit" heraus war nach ihrer Ansicht der Raum nötig. Ein geeignetes Grundstück konnte gekauft werden. Durch Spenden und Gebühren aus besonderen Anlässen sollte das Geld zum Bau zusammenkommen. Dennoch wurde das Baugesuch abgelehnt. Zehn Jahre später (1808/09) stellte die Judenschaft einen erneuten Bauantrag. Auch jetzt wurde noch keine Genehmigung erteilt, angeblich würde der Synagogengottesdienst möglicherweise die christliche Andacht stören. 1835 wurde erneut der Bau einer neuen Synagoge geplant. Erst 1850 konnte der Neubau verwirklicht werden. Bei der Synagoge handelte es sich um ein zweistöckiges Fachwerkhaus. 
        
1936 plante die Gemeinde die Renovierung der Synagoge. Die Bauarbeiten begannen, konnten jedoch auf Grund der Zeitumstände nicht mehr abgeschlossen werden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA-Leuten der SA-Standarte 186 durch eine Sprengung des Gebäudes zerstört.  
         
An der evangelischen Kirche von Beerfelden befindet sich eine Gedenktafel mit der Inschrift: "Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Beerfelden erinnern an alle ehemaligen jüdischen Mitbürger. Sie lebten durch lange Zeit mit uns in Frieden. Durch die tragischen Ereignisse der nationalsozialistischen Verfolgung, die viele Opfer forderten, mussten sie dieses Miteinander aufgeben. Heilig ist uns die Erinnerung an die Opfer ohne Zahl".   
      
      
Adresse/Standort der SynagogeOdenwaldstraße 2.  
      
      
Fotos 
(Fotos: links oben: Michael Ohmsen, Aufnahme vom Mai 2011; Mitte und rechts oben: Hahn; Aufnahmedatum 17.8.2008)  

Die "Judengasse"     
  Beerfelden Judengasse 190.jpg (105816 Byte)   Beerfelden Ort 101.jpg (67359 Byte)   Beerfelden Judengasse 171.jpg (73051 Byte)
Blick in die "Judengasse" - nach unten Straßenschild Blick in die "Judengasse - nach oben
      
      
   Die zerstörte Synagoge 
im November 1938 
(Quelle: www.before-the-holocaust.net 
bzw. Stadtarchiv Beerfelden sowie
Yad Vashem Jerusalem, Photo Archive) 
  Beerfelden Synagoge 490.jpg (258526 Byte)    
   Für die durch eine Sprengung zerstörte
 Synagoge interessieren sich Schulkinder
 
     
Grundstück der ehemaligen Synagoge Odenwaldstraße 2
(Fotos: Michael Ohmsen, Mai 2011; 
vgl. Fotoseite von M. Ohmsen 
mit Fotos zu Beerfelden
Beerfelden Synagoge 191.jpg (90310 Byte) Beerfelden Synagoge 192.jpg (74237 Byte)
   Das auf dem Synagogengrundstück stehende Wohn- und Geschäftshaus
      
  Beerfelden Synagoge 190.jpg (104122 Byte) 
   Die am Gebäude Odenwaldstraße 2 angebrachte Gedenktafel. 
Es handelt sich um eine wenig auffallende kleine Tafel (vgl. Fotos oben)
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
  

September 2003:  Vorstellung des Buches von Uri Kaufmann zur Geschichte der Beerfelder Juden  
Artikel zur Buchvorstellung aus www.eberbach-channel.de  (Artikel): "Buchvorstellung - Die Beerfeldener Juden - und Vortrag über jüdisches Brauchtum
(tw) (hu) Nach dem Antrag der Fraktion der Bündnis 90 / Die Grünen hatten die Beerfeldener Stadtverordneten vor zwei Jahren beschlossen, die Geschichte der Juden in Beerfelden in einem Buch darzustellen. Der Auftrag hierzu ging an den Historiker Dr. Uri Kaufmann, der hierfür Nachforschungen in Archiven im In- und Ausland betrieb. So ist es ihm gelungen, Kontakt zu Nachkommen von Emigranten in den USA herzustellen, die Erinnerungen an ihre Eltern und viele Fotos beisteuerten. Auch durch Gespräche mit Beerfeldener Zeitzeugen erhielt er viele Informationen, die in seine Arbeit mit einflossen. Diese Ausarbeitung wurde nun mit dem Hetzbacher Druckberater Walter Müller und der Druckerei Krauth, Eberbach, als Buch aufgelegt...."    
    
Juli 2009: Anbringung einer Gedenktafel für die frühere Synagoge  
Beerfelden Synagoge 690.jpg (55451 Byte)Foto links: Schülerinnen der Oberzent-Schule während der Gedenkstunde vor dem Gebäude Odenwaldstraße 2   
Artikel zur Anbringung der Gedenktafel aus der Website schulserver.hessen.de (Artikel mit Video): 
"Gedenktafel zur Erinnerung an die Zerstörung der Beerfeldener Synagoge angebracht. 
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Beerfeldener Synagoge von Nationalsozialisten ausgeplündert und durch Abbruch zerstört. Diese Aktion war Teil eines im ganzen Deutschen Reich groß angelegten Pogroms der Nazis gegen die Juden. In dieser Nacht wurden die Mehrzahl der Synagogen in Deutschland angezündet oder zerstört, Juden ermordet, jüdische Friedhöfe geschändet und Geschäfte, die Juden gehörten geplündert. 
Zur Erinnerung an die Zerstörung der Beerfeldener Synagoge wurde am Mittwoch, dem 01. Juli 2009 am ehemaligen Standort in der Odenwaldstraße (heute Odenwaldstraße 2) eine Gedenktafel enthüllt und ihrer Bestimmung übergeben.
Bürgermeister Gottfried Görig dankte in seiner Ansprache Familie Rexroth, die ihr Einverständnis zur Anbringung der Gedenktafel an ihrem Gebäude gegeben hatte. Die neuerliche Anregung zur Anbringung einer Gedenktafel gaben Schülerinnen und Schüler der Oberzent-Schule Beerfelden, die sich im Rahmen einer Projektwoche unter Leitung ihres Lehrers Bernd Siefert dem Thema 'Die Beerfeldener Juden' angenommen hatten und zur Enthüllung der Gedenktafel auch zahlreich erschienen waren.
Wann genau die Beerfeldener Synagoge errichtet wurde lässt sich heute leider nicht mehr genau ermitteln, vermutlich aber zwischen 1810 und 1817, da das Beerfeldener Flurbuch aus dem Jahr 1817 an dieser Stelle bereits die Gemarkungsbezeichnung 'An der Judenschule' führt.
Von der Synagoge in Beerfelden ist leider kein Bild von vor ihrer Zerstörung bekannt. Dr. Uri Kaufmann schreibt in seinem Buch über die Beerfeldener Juden, dass es sich laut Zeitzeugen um ein einfaches Gebäude gehandelt haben soll, das mit einer großen mittigen Türe versehen war.
Weiterhin schreibt er laut Zeitzeugen: 'Oberhalb der Tür war ein rotfarbenes Feld zu sehen und eine Art Hausschild hing in die Gasse, eventuell sei ein Davidstern daran befestigt gewesen. Zur Gasse hin hätte es keine obere Fensterreihe gegeben, im Gebäude muss es deshalb recht dunkel gewesen sei. Das Innere war bemalt, eventuell nach Art der zeitgenössischen Schablonenmalerei. Bemalte Holzbalken sollen sich nach 1945 ebenfalls erhalten haben.
Nach dem 10. November 1938 konnten alle Stadteinwohner einen in einen Terrazzo-Boden eingelassenen Stern erkennen. Kinder spielten auf ihm während des Krieges. Die Fassadenlänge betrug dreizehn Meter (Anmerkung: richtig 10,28 m) zur Gasse hin und das Grundstück umfasste 174 Quadratmeter. Es war umgeben von Scheunen, in denen teilweise Vieh gehalten wurde.'
Die in unmittelbarer Nähe stehenden Scheunen waren offenbar auch der Grund weshalb die Synagoge damals nicht in Brand gesetzt sondern abgerissen wurde. Nach nunmehr 71 Jahren sind selbst die Grundmauern der ehemaligen Synagoge nicht mehr zu erkennen. Entgegen mancher Aussage, bei der Sandsteinmauer am Fußweg vom Parkplatz Odenwaldstraße zum Sparkassengebäude handele es sich um eine Grundmauer der Synagoge, trifft dies nicht zu, da die Synagoge im rückwärtigen Bereich nicht bis an die Grundstücksgrenze heranreichte.
Gerade weil von der Synagoge heute nichts mehr zu erkennen ist, soll mit der Anbringung der Gedenktafel an diese sowie an die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnert werden. Die Gedenktafel soll aber auch an die Schrecken des Nationalsozialismus erinnern, damit sich solche Ereignisse nicht wiederholen."     
 
April 2012: Verlegung von "Stolpersteinen" in Beerfelden   
Artikel in Echo-online vom 4. Januar 2012: "Schicksale lassen bald auch Beerfelder stolpern. NS-Zeit. - Die Initiatoren der Aktion um Lehrer Bernd Siefert suchen nach weiteren Unterstützern..." 
Link zum Artikel    
Artikel zur Verlegung der "Stolpersteine" in wittich.de: In einer Initiative, die von Lehrer Bernd Siefert von der Oberzentschule ausging, sind 18 Stolpersteine für Beerfelden entstanden, die am 10. April 2012 verlegt wurden.    
 

    
    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Beerfelden   
Seite zum jüdischen Friedhof Beerfelden (interner Link)  
Stolpersteine in Stuttgart: 
Seite zur Familie von Daniel Rosenthal aus Beerfelden
     
Seite über Johanna Harburger geb. Rosenthal aus Beerfelden und ihre Familie
  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Beerfelden  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 58-59.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 243-244.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 113-115. 
Uri Kaufmann: Die Beerfeldener Juden 1691-1942. Hrsg. von der Stadt Beerfelden. 2003. 134 S. ISBN 3-00-011532-3.  

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Beerfelden Hesse. Numbering 187 (6,7 % of the total) in 1861, this Orthodox community acknowledged R. Seckel Wormser, the "Ba'al Shem of Michelstadt" (d. 1847), as its forst religious authority. The synagogue's completion took many years (1797-1850) owing to local Protestant hostility. From 1924 Nazism gained support and Jews received scant justice from the courts. On Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue was burned down and Jews were sent to the Dachau concentration camp. Of the 105 living there in 1933, only 23 remained at the end of 1938. Most were deported in 1942. 
     
      

                   
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Stand: 23. Oktober 2014