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Odenwaldkreis"
Beerfelden
(Stadt Oberzent, Odenwaldkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Beerfelden bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1940/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17.
Jahrhunderts zurück. 1691 lebten zwei jüdische Familien in der
Stadt (David und Elias). Im Laufe des 18. Jahrhunderts stieg ihre Zahl
auf acht Familien an (1797 werden folgende acht Schutzjuden genannt: Jonas,
Elias, Salomon Feist, Hirz Salomon, Hirz Löb, Feist Moses, Hillel Salomon,
Salomon Schlomo).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1817 17 jüdische Familien, 1820 111 jüdische Einwohner, 1837 133, 1861
187 (6,7 % von insgesamt 2.787), 1880 157 (4,9 % von 3.187), 1894 157, 1895 162 (6,8 %
von 2.381), 1910 120 (5,7 % von 2.113).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule,
ein rituelles Bad und (allerdings erst seit 1931) ein
Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe
Ausschreibungen der Stelle unten). Von den Lehrern werden genannt: 1859 bis
1863 Simon Buttenwieser (zuvor in
Reichenberg, danach in Fechenbach; in:
"Der Israelit" vom 17.6.1861 S. 349, weitere Informationen unten); 1865 bis
nach 1887 Marx Hauser; danach bis nach 1900 Elias Hauser, um 1921
Isidor (?) Heilmann (s.u. Spendensammlung 1921), um
1924/1926 S. Frank, 1931 bis nach 1935 Leopold Schapiro.
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1863 Seligmann Salomon,
1864 Jonas May, Salomon Rosenthal, M.K. Sondheimer, 1869 Salomon Rosenthal, um
1872/75 Lazarus H. Herrmann, um 1881 M. Rosenthal, um 1889/94 Herz Salomon, um
1921 Jakob Salomon.
An jüdischen Vereinen gab es schon spätestens seit den 1860er-Jahren
(vgl. unten Spendensammlung von 1865): einen Wohltätigkeits- und
Bestattungsverein Chewrah Kadischa; einen Israelitischen Frauenverein
Chewrat Naschim, einen Israelitischen Jugendverein Chewrat haneurim,
einen Israelitischen Wohltätigkeitsverein Chewrat Gemilut Chasodim.
Die jüdische Gemeinde gehörte seit 1899 zum
orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II, 1931 trat sie zum liberalen Rabbinat
Darmstadt I über (siehe die Hintergründe dieser Entscheidung im Artikel
unten).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Salomon Rosenthal
(geb. 16.5.1885 in Beerfelden, gef. 31.8.1914).
Um 1925 - als die Gemeinde noch aus 33 Familien bestand (106 Personen,
4,9 % von insgesamt 2.142 Einwohnern) - waren die Vorsteher der Gemeinde:
Josef Salomon II, Abraham Marx, Israel Salomon, um 1929 Herz Salomon und David
May II. Als Religionslehrer, Schochet
und Kantor war S. Frank tätig. Er erteilte damals noch fünf schulpflichtigen jüdischen
Kindern Religionsunterricht (1932 9 Kinder). An jüdischen Vereinen gab
es (weiterhin) die Wohltätigkeitsvereine Chewrat Kadischa (1924 12 Mitglieder) und Gemilus
Chessodim (= Gemilut Chasodim s.o.) 1924 14 Mitglieder) sowie den Israelitischen Frauenverein (1924
20 Mitglieder). 1922 war eine Ortsgruppe des "Central-Vereins deutscher
Staatsbürger jüdischen Glaubens" gegründet worden, 1932 eine Ortsgruppe
des "Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten". Bis 1932 war die Zahl der Gemeindeglieder auf 91 zurückgegangen.
Inzwischen waren die Vorsteher der Gemeinde: Jonas Sondheimer (1. Vors.), Ernst
May (2. Vors.) und Leopold Reinheimer (3. Vorst.). Als Schatzmeister war Samuel
Reinheimer eingetragen. 1934 wurde Benjamin Reinheimer erster Vorsitzender der
Gemeinde.
Sehr früh machte sich eine starke antijüdische Stimmung in Beerfelden spürbar,
die u.a. bereits 1924 zu einem "judenfreien" Pferde- und Viehmarkt in Beerfelden
führte.
Nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder (1933: 105 Personen, 4.5 % von insgesamt 2.137) auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Letzter jüdischer Lehrer,
Vorbeter und Schochet war von 1931 bis mindestens 1935 Leopold Schapiro. 1936 wurden noch 68, Ende 1938 nur noch
23 jüdische Einwohner gezählt. Mehrere der jüdischen Familien konnten mit
finanzieller Unterstützung eines schon länger in den USA lebenden Beerfelder
Juden ("Mr. Sondheimer", siehe Bericht unten von 1935) in die USA emigrieren. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge zwar nicht zerstört, aber wenig später abgebaut (s.u.). Ende August
mussten die noch in Beerfelden lebenden Juden ihre eigenen Wohnungen verlassen
und zwangsweise in das Haus der Jonas Marx in der Wernerstraße 12 (heute
Gammelsbacher Straße, Haus besteht nicht mehr) einziehen (https://lagis.hessen.de/resolve/de/nstopo/3313).
Am 24. März und am 27. September 1942 wurden die letzten 12 jüdischen Einwohner
(überwiegend ältere Menschen, aber auch zwei Kinder) über die Sammelstelle in
Darmstadt in Vernichtungslager deportiert.
Von den in Beerfelden geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ida Forsch geb.
Reinheimer (1880), Mina Haas geb. Sondheimer (1883), Moritz Haas
(1878), Johanna Harburger geb. Rosenthal (1887, "Stolperstein" in
Stuttgart), Flora Lehmann geb. Salomon (1894),
Martha Löwenberg geb. Salomon (1899), Emilie Löwenstein geb. Rosenthal (1883,
"Stolperstein" in Laufenburg),
Abraham Marx (1873), Hannchen (Johanna) Marx geb. Würzburger (1862), Johanna Marx
geb. Lorch (1877), Jonas Marx (1882), Selma Marx geb. Wallerstein (1884), Helene
Marxsohn geb. Hauser (1900), Rabbiner Samson May (1868), Benjamin Reinheimer (1886), Hilde Reinheimer
(1930),
Irene Reinheimer (1921), Julius Reinheimer (1928), Karl Reinheimer (1876),
Moritz Reinheimer (1888), Rosa Reinheimer geb.
Blumenthal (1893), Salomon Reinheimer (1925), Sofie Reinheimer (1879), Zerline
Rosenthal geb. Marx (1863), Aron Salomon (1861), Eduard Salomon (1884), Ellen
Salomon (1920, "Stolperstein" in
Seligenstadt), Else Salomon geb. Leopold (1900), Erwin Salomon
(1925), Inge Salomon (1928), Joseph Salomon (1880), Karl Salomon (1877), Klara
Salomon (1890), Kurt Salomon (1898), Regina Salomon (1894), Sally
Salomon (1868), Siegfried Salomon (1892), Amalie Martha Strauss geb. Meyer (1887),
Thekla Wartensleben geb. Sondheimer (1876), Hannchen Wolf geb. Rosenthal (1860).
Zur Erinnerung an das Schicksal ermordeten jüdischer Personen aus Beerfelden
wurden im April 2012 in einer ersten Verlege-Aktion in Beerfelden 18
"Stolpersteine" vor sieben Häusern in der Stadt verlegt. Im
Juni 2016 kam ein weiterer "Stolperstein" für den (nichtjüdischen)
Herbert Creutzburg hinzu.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1863 /
1864 / 1902 / 1926
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1863: "Für
die hiesige israelitische Gemeinde ist die Lehrerstelle vakant geworden.
Bewerber wollen sich alsbald melden. Es wird bemerkt, dass zugleich der
betreffende Lehrer die Schächter- und Vorsängerstelle zu versehen hat.
Der Gehalt beträgt bei freier Wohnung 400 bis 450 Gulden. Baldige
Meldungen unter Beifügung der Zeugnisse werden an den unterzeichneten
Vorstand franko erbeten. Der Eintritt kann sogleich geschehen.
Beerfelden, 3. Mai 1863. Seligmann Salomon, Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1864: "Die
israelitische Gemeinde dahier sucht einen Religionslehrer, der zugleich
den Posten des Schochet und Vorsängers mit zu versehen hat. Nebst freier
Wohnung beträgt das jährliche Einkommen 450 bis 500 Gulden.
Reflektierende wollen baldigst ihre betreffenden Zeugnisse dem Vorstande
einsenden.
Beerfelden, Ende März 1864: Jonas May. Salomon Rosenthal. M.K. Sondheimer". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1902: "In hiesiger
Gemeinde ist die Stelle eines Vorbeters, Religionslehrers und Schächters
alsbald zu besetzen. Festes Gehalt beträgt Mark 800, Nebeneinkommen ca. M. 4
- 500 und schöner, geräumiger Dienstwohnung. Bewerber wollen sofort ihre
Zeugnisse nebst Lebenslauf dem Unterzeichneten Vorstande einreichen.
Beerfelden i. O., 3. Juni.
Vorsteheramt: Jonas Sondheimer." |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 5. August 1926: "Wir
suchen per 1. Oktober 1926 einen seminaristisch gebildeten, reichsdeutschen
Religionslehrer, Kantor und Schochet.
Gehalt nach Gruppe VII der Reichsbesoldungsverordnung. Bewerber wollen sich
melden an den Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Beerfelden
(Hessen). |
Über Lehrer Simon Buttenwieser
(1826-1909, Lehrer in Beerfelden von 1859 bis 1863)
Simon Buttenwieser war der jüngste Sohn von Rabbiner Joseph Löw Samuel
Buttenwieser (geb. 1780 in
Wassertrüdingen, gest. 1852 ebd.) und damit ein Enkel des Rabbiners
Samuel Buttenwieser (geb. 1738 vermutlich in Buttenwiesen, gest. 1807 in
Wassertrüdingen). Letzterer war seit ca. 1773 "Bezirksdajan" im Fürstentum
Ansbach und Ortsrabbiner für Wassertrüdingen. Sein Sohn folgte ihm 1814 im Amt
nach und verblieb bis zu seinem Tod in Wassertrüdingen.
Kinder von Rabbiner Joseph Buttenwieser waren neben Simon (alle in
Wassertrüdingen geboren): aus 1. Ehe mit Kehla (Kehle) geb. Steppacher: David
Joseph Löw B. (geb. 1804, gest. 1883 in Augsburg), Jette Rivka (geb.
1806, verheiratet mit Rabbiner Abraham David Josef Wechsler, gest. 1855 in
Schwabach), Schiffele (geb. 1806,
verheiratet mit Gerson Löb Monheimer, gest. 1841), aus 2. Ehe mit ?: Lazarus
B. (Lazare Buttenwieser (geb. 1823, gest. 1880 in Straßburg), Lämmlein B.
(geb. 1825, später in die USA ausgewandert und dort als Hebraist tätig, gest.
1901 Manhattan N.Y.).
Genealogie: Joseph Buttenwieser
https://www.geni.com/people/Joseph-Buttenwieser/6000000015976500481
Simon Buttenwieser ist am 20. September 1826 in
Wassertrüdingen geboren; nach seiner
Ausbildung zum Lehrer (wo?) war er - spätestens ab 1856/57 - Lehrer, Vorbeter
und Schochet in Reichenberg, wo sein Sohn
Joseph 1857 geboren ist, ab 1859 bis 1863 Lehrer, Vorbeter und Schochet in
Beerfelden (u.a. in "Der Israelit" vom 21. Mai 1862 S. 168), von 1863
bis 1868 in Fechenbach, von 1868 bis um
1900 in Rimpar. Simon Buttenwieser war
verheiratet mit Bella Pauline geb. Saalheim (geb. 1831
Kleinsteinach, gest. 1880 in Rimpar).
Die Kinder der beiden waren Joseph Arie B. (1857 in
Reichenberg, Berichte zu ihm auf einer
Textseite zu Mannheim), Recha (geb. 1858 in Beerfelden, später
verh. Lissauer), Moses (geb. 1862 in Beerfelden, gest. 1939 Palo Alto,
Ca/USA), Karolina (geb. 1863, verh. Levy, gest. 1923), Sophie
(geb. 1865, verh. Blumenthal, gest. 1918 Amsterdam), Salomon (geb. 1867
in Rimpar, gest. 1941 in Brüssel). Nachdem er in den Ruhestand getreten war,
verzog Simon Buttenwieser nach Straßburg, wo sein Sohn Joseph als Rabbiner tätig
war, er starb am 11. April 1909 in Straßburg/Strasbourg.
Zum Tod von Lehrer Simon
Buttenwieser (1909 in Straßburg/Strasbourg)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1909: "Straßburg, 14.
April. Die Freudenstimmung der letzten Festtage innerhalb unserer Religionsgesellschaft
wurde beeinträchtigt durch die Trauer um den plötzlich erfolgten Tod des
Herrn Buttenwieser, des Vaters unseres verehrten Rabbiners - sein
Licht leuchte -. Erst vor wenigen Jahren ist der Verstorbene hierher
gezogen, wo ihm sein Lebensabend durch die liebevollste Pflege von Seiten
seiner Kinder verschönert wurde. Da der Heimgegangene, welcher das hohe
Alter von 83 Jahren erreicht hatte, jeden Nachruf in öffentlicher Form sich
verbeten hatte, ist es uns leider versagt, über das Wirken und Schaffen des
Herrn Buttenwieser - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - zu
berichten. Die Beerdigung fand am Nachmittage des letzten Pessachtages
unter sehr reger
Beteiligung statt. '" |
Über Lehrer Marx Hauser (Lehrer in
Beerfelden von 1865 bis nach 1887)
| Lehrer Marx Hauser wird in den Berichten über
die jüdische Gemeinde von 1870 in der orthodox-konservativ-jüdischen
Zeitschrift "Der Israelit" rundum gelobt (siehe unten). Seine
Lebensdaten konnten noch nicht in Erfahrung gebracht werden. Er war
verheiratet mit Mina geb. Bacharach (nach Sterbeurkunde für den
Sohn Elias Hauser in den Arolsen Archives). |
Über Lehrer Elias Hauser (Lehrer in
Beerfelden bis 1902)
Lehrer Elias Hauser ist am 21.
September 1867 in Beerfelden geboren. Er war - vermutlich als direkter
Nachfolger seines Vaters - bis nach 1900 Lehrer, Kantor und Schochet in
Beerfelden, danach bis zu seinem Tod am 15. April 1940 Lehrer, Kantor und
Schochet bei der Synagogengemeinde in Darmstadt (vgl. Dokumente im Arolsen
Archives).
Elias Hauser war verheiratet mit Frieda geb. Würzburger. Die beiden
hatten mindestens eine Tochter: Helene, geb. 2. Dezember 1900 in
Beerfelden, lebte zuletzt in Darmstadt (Weyprechtstraße 16, dann
Heinrichstraße 3); war verheiratet mit dem Brauereidirektor Ferdinand
Marxsohn (geb. 24. Mai 1899 [nach Todesanzeige Theresienstadt 1869] in
Groß-Gerau). Ferdinand und Helene Marxsohn wurden im September 1942 von
Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 17. Januar 1943
umgekommen ist; sie wurde nach Auschwitz weiterdeportiert, wo sie ermordet
wurde.
Elias Hauser wurde nach seinem Tod am 15. April 1940 (gestorben in
Frankfurt) im jüdischen Friedhof in Darmstadt beigesetzt (Grab 115). Seine
Frau ist bereits vor ihm in Darmstadt gestorben und wurde im selben
Friedhofes beigesetzt. |
Über Lehrer Isidor Heilmann
Anmerkung: in der Spendensammlung 1921 (siehe unten) wird
Lehrer Heilmann genannt. Vermutlich
handelt es sich um Isidor Heilmann, der am Chanukka-Fest 1921 Bertel Rosenthal
heiratete. Weitere Informationen liegen zu ihm nicht vor.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1921: "Statt Karten!
Bertel Rosenthal - Isidor Heilmann
Verlobte
Beerfelden/Odenwald - Beerfelden -
Frankfurt am Main Weberstraße 50
Chanukah 5682." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1922:
"Statt besonderer Anzeige!
Isidor Heilmann - Bertha Heilmann geb. Rosenthal.
Vermählte.
Beerfelden / Frankfurt am Main. 30. November 1922 / 10. Kislew
5683. |
Anzeigen von Lehrer Frank (1924 /
1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1924: "Gut erhaltenes
Schächtmesser
Größe der Schneide 46-50 cm, womöglich Fabrikat 'Grunewald' oder 'Held &
Wien' zu kaufen gesucht.
Angebote mit Preisangebot an Lehrer Frank, Beerfelden im Odenwald". |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 5. November 1925:
"Aufzeichnungen in jüdischen Druckschriften wie Grabschrift, Wimpeln usw.
liefert prompt und billig
Lehrer Frank, Beerfelden, (Hessen)." |
Lehrer Leopold Schapiro wird Lehrer in Beerfelden (1931)
Anmerkung: Leopold Schapiro blieb bis mindestens 1935 in Beerfelden;
er wird genannt im "Israelitischen Familienblatt" vom 5. Juli 1934 S. 14 und in
"Jüdische Rundschau" vom 1. März 1935 S. 14 (Schachaufgabe). Schapiro ist am 7.
Juli 1890 in Burghaslach als Sohn des
Kaufmanns Samuel Schapiro und seiner Frau Caroline geb.
Fuchtler geboren (vgl.
Hohenems-Genealogie), hat auf der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in
Würzburg studiert (Studienabschluss 1909, konnte 1934 sein 25-jähriges
Berufsjubiläum feiern, so "Israelitisches Familienblatt" vom 5. Juli 1934 S. 14)
und war vor Beerfelden jüdischer Lehrer in
Gailingen (um 1920/25)und Halberstadt. Leopold Schapiro war seit 25. August
1919 (in Würzburg) verheiratet mit Estella geb. Nussbaum (geb. 18. August
1889 in Bad Hersfeld als Sohn des
dortigen Lehrers Moses Nußbaum). Nach einem Hinweis bei myheritage konnten
Leopold und Estella Schapiro noch nach Palästina/Israel) emigrieren.
Schapiros jüngerer Bruder Julius Schapiro (1895 bis ermordet 1945 KZ
Buchenwald) war u.a. 1922 bis 1924 Lehrer in
Bechhofen, danach in Leipzig, 1927/28 in
Künzelsau, dann in Bamberg, zu ihm ausführlich in der
Seite zu Künzelsau bzw. vgl.
https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/datenbank-jued-lehrer/datenbank.
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. Dezember 1931: "Beerfelden
(Odenwald) (Amerikanischer Wohltäter stiftet Lehrerstelle.) Seit vier Jahren
war unsere Gemeinde nicht mehr in der Lage, einen eigenen Lehrer zu
besolden. Durch die hochherzige Stiftung eines Sohnes unserer Gemeinde, des
rühmlichst bekannten Wohltäters Herrn A.S. Rosenthal aus New York, wurde es
ermöglicht, auf zwei Generationen hinaus einen Lehrer halten zu können. Am
Sonntag, dem 22. November, wurde als neuer Lehrer Herr Leopold Schapiro
aus Halberstadt in der festlich erleuchteten Synagoge in sein Amt
eingeführt. Nach dem Minchah-Gebet eröffnete Herr Schapiro mit einem
Japhetschen Schir hamalaus die Feier. Der 1. Vorstand, Herr Jonas
Sondheimer, begrüßte den zur Freude der ganzen Gemeinde anwesenden Herrn
A. S. Rosenthal - New York, Rabbiner Dr. Bienheim aus Darmstadt
und Lehrer Schapiro. Rabb. Dr. Bienheim fand treffliche und
warme Worte über die Bedeutung und Wichtigkeit des Lehreramtes, wie auch
über die einer Gemeinde obliegenden Pflichten und führte Herrn Schapiro
in sein Amt ein. Sichtlich ergriffen nahm dann Herr A. S. Rosenthal das
Wort, dankte für die ihm erwiesenen Ehren und betonte noch einmal seine
Verbundenheit mit der Gemeinde. Tief bewegt sprach zum Schlüsse Lehrer
Schapiro, entwarf in kurzen Zügen die Zielsetzungen seines Amtes und wies
besonders auf die in heutiger Zeit dringend notwendige Harmonie und innere
Geschlossenheit einer Kehilloh hin. Die Feier machte auf die
Gemeindemitglieder tiefen Eindruck." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ergebnisse von Spendensammlungen in
der Gemeinde (1865 / 1866 / 1869 / 1872 / 1893 /
1921)
Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurde regelmäßig für besondere Zwecke
gesammelt; die Ergebnisse der Sammlungen wurden immer wieder in jüdischen
Periodika bekanntgegeben, einige beispielhafte Mitteilungen aus den Jahren
zwischen 1865 und 1872 seien hier wiedergegeben:
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1865 -
Spendensammlung "für die Armen des Heiligen Landes": "von Beerfelden:
Babette Marx 30 kr.; Löb Marx 30 kr.; Jonas May 1 fl. 42 kr.; Rosa May 30 kr.;
Zerle Rosenthal 1 fl. 12 kr.; Mündel Moses 35 kr.; Ester Dornberg 24 kr.;
Adelheid Rosenthal 1 fl.; Emma May 26 kr.; Lene Herrmann 24 kr.; Jachet
Salomon 30 kr.; Hendle Marx 24 kr.; Lenchen Marx 30 kr.; Jette Moses 18 kr.;
Ester Salomon 1 fl. 12 kr.; Bella Suggenheimer 48 kr.; Jittle Joseph 35 kr.;
Treinle Sondheimer 30 kr.; Frummet Salomon 24 kr.; Zerle Salomon 24 kr.;
Rösele Rosenthal 1 fl.; zusammen 13 fl. 48 kr." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1865: "Durch M.
Hauser, Lehrer in Beerfelden: Salomon Joseph 1 fl 12 kr., Simon Dornberg
1 fl. 30 kr., Jonas May 2 fl. 42 kr., Koppel Marx 1 fl., Simon Sondheim 36
kr., Simon Salomon 24 kr. Gerson May und Sohn 1 fl., Lazarus Herrmann 24 kr.,
Ephraim Salomon 1 fl., Seligmann Salomon 1 fl. Sugenheimer Witwe 30 kr.,
Baruch Moses 30 kr., Salomon Salomon I. 24 kr.. Hirsch Salomon 59 kr., Moses
Marx I. 42 kr. Mordche Marx und Sohn 1 fl. Feist Salomon u. Sohn 1 fl. 10 kr.
Lehrer Hauser 30 kr., von einer Ungenannten 18 kr., Moses Löb Sondheim 1 fl
. Benjamin Reinheimer 24 kr. Gerson May II. 30 kr., David May 48 kr. Feist
Sondheim 30 kr. Löb Marx 1 fl. Moses Salomon 30 kr., David May 1 fl. Sal.
Salomon II. 1 fl., Gebrüder Rosenthal 6 fl., von der Chewrah Kadischa
11 fl., Chewrat Naschim 5 fl. 24 kr.. Chewrat haneurim 8 fl. 6
kr., Chewrat Gemilut Chasodim 15 fl., zusammen 69 fl. 3 kr.,
abzüglich Porto 68 fl 45 kr." |
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| Ähnlich umfangreiche Spendenergebnisse
unter anderem in "Der Israelit" vom 22. August 1866 S. 554, in "Der
Israelit" vom 10. April 1867 S. 256; in "Der Israelit" vom 14. April 1869 S.
3; in "Der Israelit" vom 6. April 1870 S. 264; in "Der Israelit" vom 5.
April 1871 S. 298. |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1869 - Sammlung
zugunsten der notleidenden Glaubensgenossen in West-Russland - Sammlung nur
von den Frauen der Gemeinde: "Durch Salomon Rosenthal, Vorsteher in
Beerfelden, Machaz. Haschekel und Challahgelder: Rösle Rosenthal 1 fl.,
Adelheid Rosenthal 1 fl., Esther Dornberg 24 kr., Sebilla Sondheim 15 kr.,
Zerline Rosenthal 1 fl., Jette Joseph Witt 12 kr., Blümchen Salomon 24 kr.,
Frau Hauser 24 kr., Zille Salomon 24 kr., Hanchen Marx 48 kr., Jachet
Salomon 30 kr., Lene Herrmann 24 kr., Hanchen Rosenthal 30 kr., Emma May 18
kr., Karoline May 18 kr., Babette Marx 30 kr., Fanny Marx 48 kr., Zerle
Sondheimer 36 kr., Jette Salomon 12 kr., Lenche Marx 30 kr., Jitle Salomon
15 kr., Salomon Salomon I. 18 kr., Treinlik Sondheimer 30 kr., Frummet
Salomon 24 fr., für Machazit Haschekel 2 fl. 6 kr., zusammen 14 fl."
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Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1872 -
Spenden "für die Armen des heiligen Landes": "Durch M. Hauser, Lehrer und L.
H. Herrmann, Vorsteher in Beerfelden (Odenwald): Challagelder: Frau Hauser
30 kr., Frau Blümchen Salomon 30 kr., Frau Jette Salomon 35 kr., Frau
Hannchen Marx 36 kr., Frau Adelheid Rosenthal 1 fl., Rösle Rosenthal 1 fl.,
Frau Eva Löb 30 kr., Frau Esther Dornberg 30 kr., Frau Hannchen Rosenthal 1
fl., Frau Zerline Rosenthal 48 kr., Frau Jette Joseph 18 kr., Frau Lea Marx
30 kr., Frau Karline May 24 kr., Frau Jette Salomon 24 kr., Frau Fanny
Salomon 24 kr., Frau Babette Marx 36 kr., Frau Zerle Sondheimer 36 kr, M.
Löb Sondheimer 30 kr., Frau Lena Herrmann 30 kr., Frau Jacobine Salomon 30
kr., Frau Feist Moses Wwe. 24 kr., Frau Sugenheimer Witwe 24 kr., Ungenannt
18 kr., Frau Fanny Marx 36 kr., Frau Jette Reinheimer 1 fl., Frau Jette
Hirsch Salomon 20 kr., Simche Sondheimer 24 kr., Machazis-Haschekel 2 fl. 48
kr., zus. 17 fl. 55 kr., abzüglich Porto 17 fl. 43 kr."
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| Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 13. April 1893 (Link)
- Spenden "für die Armen des Heiligen Landes: "Durch S. Meyer in Beerfelden:
Frumet Moses 0,50, Rosa Meyer 0,50, Hannchen Sondheimer 1, Jettchen
Sondheimer 0,50, Fanny Marx 0,50, Babette Marx 1, Regina Sondheimer 1,
Hannchen Marx II. 1, Henriette Salomon 1,50, Hannchen Marx 1, Amalie
Dörnberg 0,50, Resle Rosenthal 1, Bertha Rosenthal I, Sophie Rosenthal 1,
Zerline Rosenthal 1, Amalie May I. 1, Hannchen Rosenthal 1,50, Lehnche
Herrmann 0,50, J.H. Rosenthal Witwe 2, Emma May 0,8ß , Frieda Hauser 1, Sara
Oppenheimer 0,50, Eva Löw 0,50, H. S. W. 0,50, Lehnche Marx 0,50, Karoline
Salomon 0,50, Hannchen Salomon 0,50, Simche Sondheimer 0,50, Frummet Salomon
0,30, Jeanette Salomon 0,40, Gustin Salomon 0,50, Matchen May 1, Fanny
Sondheimer 0,50, Rosalie Sondheimer 1, Mina Salomon 0,50, Machazis Haschekel
4,60, zus. abz. 2 M. für Kolektieren, 29,90 M."
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| Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 22. September 1921 (Link)
- Spenden "Ukraine-Hilfe": "Beerfelden: Ungenannt 20, Büro
Oppenheimer 60, Ungenannt 50, Chewra Bachurim 20, Leopold May 5, Ferdinand
Rosenthal-Frankfurt a. M. 20, Isaak Rosenthal 20, Moritz Haas 10, Moses
Rosenthal 20, Abraham Marx 15, Jonas Marx 10, Hermann May 20, Lehrer
Heilmann 10, Karl Reinheimer 10, Ungenannt 10, N.N. Hermann Salomon 10,
Israel Salomon 10, N.N. 5, Vorst. Jacob Salomon 30, Mayer Marx 10, Joseph
Marx 10, Joseph Rosenthal 25. Isak Sondheimer I 10, Sally Salomon 100,
Benjamin Reinheimer 10, Joseph Salomon I 5, Samuel Salomon 20, Joseph
Salomon 10, Wwe. Salomon Jonas Sondheimer 20, Zusammen 600 Mk., Sammlung
durch Lehrer Heilmann." |
Berichte über die jüdische Gemeinde aus den Jahren 1870 / 1871
Aus
einem längeren - aus orthodox-jüdischer Sicht geschriebenen, sehr
kritischen - Bericht über die Situation der jüdischen Gemeinden im
Odenwald - die Gedanken schließen an Ausführungen über einen inzwischen
in Großzimmern tätigen Lehrer an (Artikel in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 14. September 1870: "....ein solcher Mann ist in
einer Gegend, wo das Judentum so verkommen ist wie im Odenwalde, eine
besonders herrliche Erscheinung. Er wirkt, von seinem Unterrichte ganz
abgesehen, durch das bloße Beispiel, als welches sein anspruchsloses,
wahrhaft jüdisches Familienleben der ganzen Gemeinde dasteht,
unvergleichlich mehr als alle seine modernen Herren Kollegen zusammen mit
ihren kalten geist- und herzlosen Predigten. Nur noch einen Lehrer haben
wir im Odenwalde diesem an die Seite zu stellen, den der jüdischen Gemeinde
Beerfelden. Es ist rührend zu sehen, wie dieser Mann von morgens
bis abends jede freie Zeit dem Unterricht der ihm anvertrauten Kinder
widmet; die erlangten Resultate sind aber in der Tat auch nennenswert. Die
erste Knabenabteilung lernt unter anderem Mischnajot Berachot Chomesch
im Raschi hebräische Grammatik und trägt gelegentlich in einer
Klasse vor; die folgenden Klassen übersetzen die Tora mit Raschi,
die Gebete etc. und die Mädchen übersetzen außer den Gebeten noch recht
geläufig Psalmen und anderes mehr. In den Schulen der genannten
Biedermänner stößt man nicht auf jene in dem unschuldigen Kindermunde
so widerwärtig klingenden Phrasen über Gott, Religion und sonst
metaphysische Begriffe, mit deren Definierung unsere modernen Pfäfflein
die teure Zeit in der Schule totzuschlagen lieben; hier ist die Schule
noch das, was sie sein soll: ein Institut, in welchem das Kind Tora
und Mizwot (Gebote) für das Leben lernt. Während diesen
phrasenreichen Religionskünstler das Wort gilt (vgl. Jeremia 16,11): 'haben
sie nicht mich verlassen und meine Tora nicht beobachtet?' Möchten
sie doch, spricht Gott, die Erklärung meiner Eigenschaften, und
dergleichen mehr auf sich beruhen lassen, dafür aber meine Tora halten
und halten lernen; - so möge jenen unverdrossenen Arbeitern im Weinberge
Gottes, das ermutigende Prophetenwort 'Aber die Verständigen werden
glänzen wie der Glanz des Himmels, und die, welche viele zur
Gerechtigkeit führten, wie die Sterne, immer und ewig' (Daniel 12,3)
ein neuer Sporn sein für ihren (Daniel 12) heiligen, schwierigen
Lehrerberuf. Sie haben ja Niemanden, der ihnen Mut und Trost zuspräche
bei ihrer gottbewussten Lebenstätigkeit. Die Gemeindemitglieder können
fast durchgehends solche Leistungen ihres Lehrers nicht beurteilen, weil
ihnen das Verständnis der einzelnen Lehrfächer abgeht, und unser
Rabbiner zu Darmstadt, der ignoriert solche Bestrebungen gänzlich. Warum
sollte er auch nicht, sie machen die Pfründe nicht fetter. - Wir werden
übrigens noch auf diesen Punkt zurückkommen." |
| |
Aus
einem längeren Bericht über die religiösen Verhältnisse der jüdischen
Gemeinden im Odenwald aus kritischer, orthodox-jüdischer Sicht in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1870 - Abschrift
des Artikels beginnt in der rechten Spalte oben: "... Dieses
unerschütterliche Bewusstsein gibt mir den Mut, die begonnene Dornenlese
fortzusetzen, und so mögen denn für heute die Verhältnisse der
jüdischen Gemeinde Beerfelden ihre Besprechung finden. - Ille
terrarum mihi praeter omnes angulus ridet (= Zitat aus Horaz: 'Dieser
Winkel der Erde lacht mich mehr als alle anderen an'). Dieser Ort macht,
wie schon erwähnt, eine rühmliche Ausnahme von den Gemeinden der ganzen
Gegend. Hier ist noch Sinn und Anhänglichkeit für Tora vorhanden; die
Leute sind mit einem Worte so fromm als es überhaupt bei den leidigen,
jüdischen Verhältnissen, die hier herrschen, möglich ist. Wenn sie auch
keine Toralerner sind, so sind sie doch Toraliebhaber; und
das will in einem Orte, der nur 3 Stunden von Michelstadt entfernt ist,
viel heißen. Umso empfindlicher muss es aber berühren, gerade hier nicht
das Prädikat zu finden, welches der königliche Sänger den 'Freunden'
der Tora vindiziert, den Schalom Raw. Schon seit Jahren herrscht hier
wegen ursprünglich ganz geringfügiger Veranlassungen eine arge Spaltung
in der Gemeinde, die schon sehr viel öffentlichen Ärger bereitet hat.
Eine kleine aus etwa 5 Familien bestehende Partei, hat sich von der etwa
30 Familien zählende Gemeinde losgelöst; weil sich letztere nicht
kleinlichen Sonderinteressen fügen will. Viele angesehene Männer
außerhalb der Gemeinde waren bemüht, hier den Frieden herzustellen und
haben die friedliebende Gemeinde zu allen überhaupt mögliche
Konzessionen veranlasst, aber alles Bemühen ist an der Zähigkeit der
Minorität gescheitert; und so nistet sich dieser Streit trotz aller von
den obrigkeitlichen Behörden angestellten Vermittlungsversuchen täglich
mehr und mehr ein. Welch ein schmerzlicher Anblick! Wenn es schon höchst
traurig ist, dass religiöse Motive jüdische Gemeinden zersplittern und
schwächen, was soll man erst dann sagen, wenn unnötiger Hass
gleichgesinnte, für unsere Wahrheit warm fühlende Herzen trennt,
und täglich mehr und mehr den Bruder vom Bruder entfremdet? Freunde,
Brüder! Das muss anders, muss besser werden. Ihr solltet, ihr könntet
eine Mustergemeinde sein, für alle Glaubensgenossen im Odenwalde; wollt
ihr diesen hohen, heiligen Beruf dadurch einbüßen, dass ihr zäh und
unerbittlich einander feindlich gegenüber steht? Reißt ihn heraus den
alten Groll aus euren jüdischen Herzen; nehmt Euch ein Beispiel an der
herzerhebenden Katastrophe, die sich augenblicklich in unserem deutschen
Vaterlange vollzieht, das durch seine Einheit groß und mächtig den
Friedenstörer hoffentlich für alle Zeiten unschädlich gemacht hat.
Vergesst und verzeiht Euch gegenseitig alles Geschehene, so wir Ihr
wünscht, dass der Vater im Himmel verfahren möge, wenn er
zum |
neuen
Jahre Euer und Eurer Angehörigen Zukunft bestimmt. Wir bauen fest auf
Euch, wenn es sich um eine Änderung unserer jüdischen Angelegenheiten in
der Zukunft handelt; zeigt Euch dieser hohen Aufgabe würdig, seid einig,
einig! Zukunft?! Diese bessere Zukunft wird noch geraume Zeit auf sich
warten lassen, aber sie wird kommen, so gewiss kommen, als auf die Nacht
der Morgen, als auf Regen Sonnenschein folgt. Eure lieben Kleinen, das
sind die treuen Bürgen für euere Zukunft; wenn sie nur den Erwartungen
entsprechen werden, die man nach unseren früheren Voraussetzungen an sie
knüpfen darf, so seid überzeugt, es wird anders, es wird besser werden.
Dieser Hoffnung können wir uns leider nicht so unbedingt in die Arme
werfen, wenn wir irgend eine andere Gemeinde des Odenwaldes in's Auge
fassen. Das ist die Gemeinde König...." |
| |
Begeisterung über
den Besuch von Rabbiner Dr. Lehmann Marx (1871)
Anmerkung: 1871 wurde in Darmstadt beschlossen, einen Rabbiner für die
orthodox-jüdischen Gruppen und die Landgemeinden zu berufen. Die orthodoxen
Gruppen hatten Schwierigkeiten mit dem als gemäß liberal geltenden
Rabbiner Dr. Julius Landsberger, der von 1859 bis 1890 in Darmstadt
Rabbiner war. Nach der Gründung des "Vereins der gesetzestreuen Israeliten
der Provinz Starkenburg" wurde als Rabbiner Dr. Lehmann Marx
gewählt, der am 13. September 1871 in Darmstadt eintraf und sofort sein
Amt übernahm. Im nachstehenden Artikel wird über seinen Antrittsbesuch
in Beerfelden berichtet. |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1871: "Beerfelden,
im Odenwald, im November (1871). Gewiss, geehrtester Herr Redakteur, wird
es für Sie und Ihr geschätztes Blatt von Interesse sein, wenn ich Ihnen
berichte, wie nun die Gemeinde in unserer Provinz, die sich dem
hochherzigen Entschlusse angereiht haben, einen Mann zu engagieren, der mit
ganzem Herzen und mit ganzer Seele für das Judentum und für unsere
heilige Religion einzustehen sich bestrebt, durch das Wort und die Tat zu Tora
und Gottesdienst angeeifert werden. Einen freudigen und erhebenden Schabbat
haben wir gehabt (an Schabbat Paraschat Chaje Sara - Schabbat mit
der Toralesung Chaje Sara), indem unser geliebter Rabbiner Dr. Marx in
unserer Mitte verweilte. Kein Auge blieb tränenleer bei seinem Vortrage,
ja, sein beredter Mund einigte die schon längst erkalteten Herzen unserer
Gemeinde, die sich seit einer Reihe von Jahren kalt und schroff einander
gegenüber standen. Mit einer Begeisterung, die aus der Tiefe seines
Herzens emporstieg, wusste er die harte Rinde, die sich um die Herzen
lagerte, zu lösen. Wahrlich, unsere Provinz, und namentlich die Männer,
die dieses Vorhaben zur Reife brachten, haben eine glänzende Akquisition
gemacht. Gewiss werden alle Gemeinden, die unser geliebter Rabbiner
besuchen wird, dasselbe Urteil fällen, wenn sie erst in nähere
Bekanntschaft mit ihm getreten sind. Sonntags nahm er die Schulprüfung v
or, eiferte Lehrer und Kinder an durch sein begeisterndes Wort. Es ist
erfreulich für eine jede Gemeinde, wenn sie tatsächlich überzeugt wird,
dass ihre Kinder in keiner Beziehung vernachlässigt werden, aneifernd
für den Lehrer, wenn sein mühevolles Streben Anerkennung findet. So voll
Liebe und Anerkennung er sich auch hier gezeigt hat, so wird er aber auch
andererseits, dessen sind wir fest überzeugt, mahnend und tadelnd gegen
Gemeinde und Lehrer auftreten, wenn sie ihren heiligen und hohen Beruf
vernachlässigen. Auch von der guten und gewissenhaften Ausführung der Schechita
hat er sich überzeugt. So gerne wir ihm eine Vergütung für seine
gehabte Mühe hätten zuteil werden lassen, wies er doch dieselbe
entschieden zurück; er hat alles nur um des Gebotes willen getan
und war froh, den religiösen Standpunkt hier so zu finden, wie er es
gewünscht. Hoffen wir zu Gott, dass Herr Dr. Marx bald wieder zu uns
komme, und dass auch andere Gemeinden Veranlassung finden, ihn recht bald
in ihre Mitte zu berufen. Wahrlich, wir können mit frohem Herzen
ausrufen: 'nicht verwitwet ist Israel' (Jeremia 51,5). M.H.L." |
Werbung für den Luftkurort Beerfelden (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900:
"Koscher - Koscher.
Luftkurort.
Beerfelden im Odenwald.
Für Leute, die einen angenehmen Landaufenthalt während der Sommermonate
suchen, hält sich der Unterzeichnete bei streng koscherer Küche und
reeller Bedienung bestens empfohlen.
E. Hauser, Lehrer.
Referenz: Seiner Ehrwürden Herr Landrabbiner
Dr. Marx, Darmstadt." |
Über das Lehrgut "Hirschhof" bei Falken-Gesäß (1926)
Anmerkung: im "Israelitischen Familienblatt" vom 10. September 1925 S. 4 sowie
in anderen jüdischen Periodika wurde berichtet: "Frankfurt am Main. Die
deutsche Palästina-Zentrale der Aguda kaufte in Beerfelden im Odenwald
100 Morgen Land, um dort ein Lehrgut für agudistische Chaluzim einzurichten".
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1926:
"Das Lehrgut 'Hirschhof'.
Inmitten einer herrlichen Odenwald-Landschaft liegt, dem Auge des von der
Ferne kommenden Wanderers einen selten schönen Anblick bietend, auf einer
von dem Orte Falken-Gesäß sanft ansteigenden Anhöhe, ein mächtiger Gutshof,
welcher der gesamten Umgebung ihr Gepräge gibt.
Dieses Besitztum, welches einen Komplex von etwa 200 Morgen — teils
Ackerland — teils Waldgebiet — umfasst; wurde im vergangenen Jahre von der
Palästinazentrale durch die hochherzige Stiftung eines ihrer prominentesten
Mitglieder erworben mit der Zweckbestimmung, junge gesetzestreue Aulim (=
Olim, das sind jüdische Personen. die nach Palästina/Israel einwandern
möchten) im landwirtschaftlichen Beruf für ihre spätere Übersiedlung
nach Erez Jisroel auszubilden. Das Gut mit seinen fast neuen Gebäuden war
für die Errichtung eines Lehrbetriebes geradezu prädestiniert.
Im Frühjahr wurde der Betrieb mit elf Eleven eröffnet unter der Leitung
eines erstklassigen Fachmannes. Die jungen Leute kommen fast ausschließlich
aus städtischen Berufen, und es ist eine Freude, zu sehen, mit welchem Eifer
sie vom frühen Morgen bis zum Abend ihre Arbeit verrichten. So schwer auch
manchem von ihnen die berufliche Umstellung fallen mag, sie alle sind von
dem einhelligen Willen durchdrungen, ihr Ziel zu erreichen in dem
Bewusstsein, das in den letzten Jahren immer brennender gewordene Problem
der Berufsumschichtung der jüdischen Großstadtjugend für ihre Person gelöst
und den mit dem Aufbau von Erez Jisroel untrennbar verbundenen Beruf des
bodenständigen Bauers erwählt zu haben. Ferner trägt der unter den Eleven
herrschende kameradschaftliche Geist nicht wenig dazu bei, daß sie sich in
ihrem neuen Milieu wohl und glücklich fühlen.
Vom vornherein hat die Palästinazentrale ihr Augenmerk darauf gerichtet, den
jungen Leuten nicht nur Fachkenntnisse Zu vermitteln, sondern auch auf ihre
religiöse und geistige Weiterbildung bedacht zu sein. Einer der Eleven,
welcher über gründliche jüdische Kenntnisse verfügt, lernt mit seinen
Kollegen nach getaner Arbeit in verschiedenen nach Vorbildung und Wissen
eingeteilten Gruppen und zwar Dinim, Mischnajoth, Gemoroh und T'nach). Dank
dem Entgegenkommen der in der Nachbarschaft gelegenen Gemeinde Beerfelden,
die dem Gute freundlicherweise eine Sefer Thora (= Torarolle) zur
Verfügung stellte, konnte auch ein ordnungsmäßiges Minjan eingerichtet
werden.
Die Lehrzeit der Eleven dauert zwei Jahre. Während dieser Zeit werden sie in
allen Zweigen der Landwirtschaft, Milchwirtschaft und des Gartenbaues
ausgebildet. Als Entgelt für Kost und Logis zahlen die Eleven einen mäßigen
Beitrag pro Monat.
Obwohl, wie bereits gesagt, die Anlage des Gutshofes für einen
landwirtschaftlichen Lehrbetrieb außerordentlich geeignet ist, so fehlt doch
noch manches bis zur völligen Installierung und Ausstattung desselben, zumal
ein Lehrgut auf viel komplizierterer Basis geführt werden muss als ein
gewöhnlicher Gutshof. Freunde und Gönner unserer Arbeit haben uns bisher
geholfen, um das jetzt Bestehende zu schaffen. Mögen sich ihrem Beispiel
weitere Kreise anschließen, in der Erkenntnis, dass hier ein junges, für die
Zukunft der toratreuen Jugend und Erez Jisroels bedeutsames Werk entsteht." |
Der Antisemitismus macht sich in
massiver Weise bemerkbar - der Pferde- und Viehmarkt wird "judenfrei" (1925)
Anmerkung: die Thematik wurde auch in anderen Periodika aufgenommen, u.a. in
"Israelitisches Familienblatt" vom 5. März 1925 S. 3.
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 1925: "Zwei
völkische 'verantwortliche Redakteure'.
In einer im Sommer vorigen Jahres in Hanau herausgegebenen und vor allem in
Frankfurt und dem Odenwald verbreiteten deutsch-völkischen Zeitung
'Deutschvolk' fand sich u. a. folgende Notiz:
'Judenreiner Pferde- und Viehmarkt. Die Bevölkerung Beerfeldens, die
seit langen Jahren unter der Judenseuche zu leiden hat, bekannte sich bei
der Reichstagswahl in großer Zahl zum völkischen. d. h. nationalistischen
Gedanken. Die Judenschaft Beerfeldens sann daher auf Rache. Kurz nach der
Wahl erschienen in den im Odenwald meist gelesenen Zeitungen Ankündigungen,
dass die vereinigten Viehhändler Beerfeldens (nur Juden) den alljährlich im
Juli stattfindenden Pferde- und Viehmarkt nicht beschicken würden. Der Jude
Oppenheimer soll erklärt haben, dass vierzehn Tage vor Abhaltung des
Viehmarktes in Beerfelden die Maul- und Klauenseuche ausbrechen würde. Die
Staatsanwaltschaft hat inzwischen ein Verfahren gegen ihn eingeleitet.'
Der Kaufmann Siegmund Oppenheimer, der in Beerfelden geboren ist und seit
Jahrzehnten dort ein Zigarrengeschäft betreibt, also mit dem Viehhandel in
keiner Verbindung steht, strengte wegen der ihn berührenden unwahren
Behauptungen Privatklage gegen den verantwortlichen Redakteur des inzwischen
eingegangenen Blättchens, einen Major a.D. Külp aus Hanau an, die vor
dem Amtsgericht Hanau am 23. Januar dieses Jahres zur Verhandlung kam. Der
Major, gegen den nach eigener Angabe seines Verteidigers eine Unmenge
Privatklagen noch laufen und der erst vor einigen Tagen wegen Verleumdung
des sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Erich Kuttner in Berlin
zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt wurde, hatte es vorgezogen.
nicht zu erscheinen und sein Fernbleiben damit zu begründen, dass er sich
nur vorübergehend in Hanau aufgehalten, aber in Gerau seinen ständigen
Wohnsitz habe. Sein Verteidiger gab unumwunden zu, dass der Major nicht
die geringsten Anhaltspunkte für die Richtigkeit der beleidigenden Notiz
besitze. Er sei als verantwortlicher Redakteur des 'Deutschvolk',
das im ganzen 222 Abonnenten gehabt habe, von seinen Gewährsmännern,
deren Mitteilungen er im Glauben an ihre Richtigkeit stets veröffentlicht
habe, so hintergangen worden, dass er keine Veranlassung habe, das
Redaktionsgeheimnis zu wahren, und daher auch den Namen des Mannes
preisgebe, der die fragliche Notiz gegen Herrn Oppenheimer eingebracht habe.
Selbstverständlich versuchte der Verteidiger den Abschluss eines Vergleichs.
Der Vertreter des Herrn Oppenheimer, Rechtsanwalt Dr. Marx (Frankfurt am
Main), lehnte diesen aber ab. da ein Vergleich immer in dem Gegner, und vor
allein in der Öffentlichkeit, den Anschein erwecke, als ob 'die Sache
nicht ganz sauber sei'. Nachdem der Verteidiger besonders darauf hingewiesen
hatte, dass Külp mittellos sei und bereits den Offenbarungseid geleistet
habe, erkannte das Gericht auf eine Geldstrafe in Höhe von 50 Mark lediglich
mit Rücksicht auf die schlechten Vermögensverhältnisse des Beklagten, und
sprach dem Privatkläger die Befugnis zur Veröffentlichung des Urteils im
'Erbacher Kreisblatt' zu. In der Begründung wies das Gericht ausdrücklich
darauf hin, dass von Wahrung berechtigter Interessen, die der Verteidiger
für seinen Angeklagten geltend gemacht habe, keine Rede sein könne,
zumal auch aus der Form der Veröffentlichung 'Judenseuche' usw. die
Absicht der Beleidigung hervorgehe und gerade der Redakteur eines
deutschvölkischen Blattes doppelt vorsichtig sein müsse bei Veröffentlichung
von Notizen, die sich mit dem Privatleben einzelner Personen befassten.
Selbstverständlich hat Herr Oppenheimer gegen den eigentlichen Urheber der
beleidigenden Behauptungen, den Postinspektor Jakob Sprenger in
Frankfurt am Main, Klage erheben lassen." |
Über die Gründe des Wechsels vom orthodoxen zum
liberalen Bezirksrabbinat (1930)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1930:
"Eine jüdische Gemeinde zu verkaufen!... Wer bietet mehr?
Im hinteren hessischen Odenwald liegt in idyllischer Gegend die jüdische
Gemeinde B. (gemeint Beerfelden), die eine alte Geschichte aufweisen kann.
Berühmt ist sie dadurch, dass sie es war, die dem Baal Schem von Michelstadt
treueste Gefolgschaft leistete und zu seinen unbedingten Anhängern und Stützen
gehörte. Eine schöne alte Synagoge, eine mustergültige neue
Mikwo-Anlage, ein neuer großer Friedhof zeichnen sie aus, und was noch
mehr ist, es wohnen auch einige treue, feste Männer vom alten Schlag
darin. Eng verwachsen ist ein jeder mit seiner Gemeinde, und so nimmt's
nicht wunder, dass auch einer ihrer Bürger, der seit langem seinen
Wohnsitz jenseits des Ozeans hat, aufs anhänglichste immer wieder seiner
Heimat gedenkt. Stiftete Herr R., der mit reichen Gütern gesegnet ist,
doch seiner Stadt eine neue Kirche, spendete er ihr doch in einer
Riesenstiftung, die ursprünglich dem Bau eines Kindergartens und einer
Badeanstalt dienen sollte, dann aber allgemeinen Wohlfahrtszwecken
bestimmt wurde, den ansehnlichen Betrag von Mark 200.000. Ohne Unterschied
der Konfession und Partei sollen diese Gelder stets Verwendung finden, und
dies ist gewiss ein Zeichen der allumfassenden Liebe zu den Bürgern
seiner Heimat, wenn man weiß, dass Beerfelden die Hochburg des
Nationalsozialismus im Odenwald ist. Die jüdische Gemeinde seines Ortes
wartet auch seit einiger Zeit auf eine Stiftung. Es wurde ihr Friedhof
vollkommen von Herrn R. übernommen und ausgebaut, aber damit war nur den
Toten geholfen. Jetzt aber kommt, so scheint es, auf einmal eine solche
Stiftung zustande. von 5.000 Mark zur Renovierung des Gemeindehauses
spricht man und von Hinterlegung eines Fonds, von dessen Zinsen nicht
weniger als zwei Drittel eines Lehrers dauernd erhalten werden können.
Für die Zukunft der Gemeinde ist gesorgt, und Beerfelden wird mit Gottes
Hilfe dauernd eine schöne Gemeinde bleiben. Bis sich Herr R.
unglücklicherweise seiner Vergangenheit erinnert. Gab's da doch vor einem
Jahrzehnt in Darmstadt, zu dessen orthodoxem Rabbinat die Gemeinde
gehört, einen bösen Rabbiner, der - wie unverständlich und töricht -
den elementarsten Grundsätzen der jüdischen Religion zuwiderlaufend! -
wohl aus purem Stattsinn -. verweigerte, bei einer Feuerbestattung
Amtshandlungen vorzunehmen. Dem sollte vorgebaut werden, und Herr R.
knüpft die Bedingung an die Stiftung, es solle die Gemeinde von
orthodoxen zum liberalen Rabbinat übergehen. (Wie hieß es oben so
schön? 'Ohne Unterschied der Konfession und Partei!'). Freudestrahlend
winkt der Liberalismus den Übertretenden zu, stolz auf seine
'Leistungen', dank denen eine Gemeinde sich neu als sein Schäflein
bekennen will! Denn flugs beschließt man dort, einige wenige treue
Charakterfeste übergehend, den gewünschten Übertritt. Die Gemeinde hat
ja zwar ihre Zukunft verkauft, denn was wird nun aus Schechita, Mikwo,
Gutort (Friedhof) und so vielem andern? Aber das schadet ja nichts, sie
fühlt sich gerettet! Und das genügt! Nur die Regierung bleibt noch zur
Prüfung und zur Genehmigung übrig. (Wir bedürfen ja bei allen
öffentlichen meistbietenden Versteigerungen der Behördenzustimmung!) Was
man sich wohl im Kreisamt und Ministerium nun für Gedanken über
jüdische Glaubenstreue und Charakterfestigkeit machen mag? Vielleicht
erfährt man dies noch einmal!" |
Allgemeiner Bericht über die jüdische
Gemeinde von 1931
Anmerkung: Aus einem Beitrag "Mit jüdischen Augen durch deutsche
Lande. Heidelberg - Bergstraße - Darmstadt". Der
Artikel wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen
Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in
Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere
Informationen:
https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. Juni 1931: "Von
Hirschhorn führt eine nicht ganz
mühelose Wanderung nordwärts (blaues Kreuz) in 2 1/4 Stunden nach
Rothenberg, von dort, nordnordöstlich, erreicht man nach im ganzen fünf
Stunden
Beerfelden: 2.200 Einwohner, 85 jüdische Seelen. Die stattliche
Gemeinde besitzt eine 80 Jahre alte Synagoge. — Die Gemeinde ist wohl bald
nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden. Sie ist dann zu ziemlicher
Bedeutung herangewachsen und gehörte 200 Jahre später zu denjenigen
Odenwaldgemeinden, die den 'Baalschem von Michelstadt', von dem unten die
Rede sein wird, unbedingt verehrten. Der 70. Geburtstag des Helden der
ganzen Gegend wurde hier, nicht in Michelstadt, begangen, und der
Festgottesdienst unter Teilnahme ungezählter Freunde und Verehrer des Meisters ist der Glanzpunkt in der
Geschichte der Synagoge wie ihrer Gemeinde geblieben. Sie hatte um die
letzte Jahrhundertwende mindestens 150 Seelen, vor dem Krieg nur noch 120,
also bis heute starke Abnahme. — Von der Bedeutung der Gemeinde zeugen aber
auch noch mehrere Vereine: Chewra, Frauenverein, Jugendbund. Über rituelle
Verpflegung wird man sich am besten an Kantor und Religionslehrer S.
Frank wenden. Beerfelden ist wegen seiner kräftigen Luft im Sommer,
wegen seines günstigen Skigeländes auch im Winter von Fremden gut besucht.
Von Beerfelden nordwärts durch das schöne Mömlingtal in drei Stunden nach Erbach, einem überaus schön gelegenen alten Städtchen, dem Geburtsort
der deutschen Elfenbeinindustrie und berühmter im Schloss Erbach. Juden
scheinen hier nie gewohnt zu haben..." |
Eine Ortsgruppe des "Reichsbundes
jüdischer Frontsoldaten" wird gegründet (1932)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. Dezember 1932: "Zwecks Gründung
einer Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten besuchten die
Herren Dr. Reis, Wartensleben, und Blum aus Darmstadt die Gemeinde
Beerfelden. Im Mittelpunkte der Versammlung stand ein Referat des Herrn
Dr. Reis über 'Aufgaben und Ziele des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten'.
Ferner sprachen Gemeindevorstand Sondheimer, Wartensleben, Blum und Lehrer
Schapiro. Zum Vorsitzenden der neu gegründeten Ortsgruppe wurde Herr Lehrer
Schapiro gewählt." |
"Judenfreier Pferdemarkt" in
Beerfelden (1933 / 1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Die Stimme" vom 10. August 1933: "Judenfreier Markt
in Beerfelden.
In der 'Starkenburger Presse' finden wir unter der Überschrift 'Der erste
Beerfelder Pferde-, Fohlen-, Zuchtvieh-, Ziegen- und Schweinemarkt im
Dritten Reiche' einen Bericht über den Hauptmarkt in Beerfelden, bei dem der
hessische Ministerpräsident Prof. Dr. Werner eine Ansprache hielt, in deren
Verlauf er nach dem Bericht des genannten Blattes sagte:
'Angesichts des heutigen judenfreien Marktes ist die Tatsache
hervorzuheben, dass, wenn jeder im Deutschen Reiche so gehandelt hätte, bzw.
den Juden in geschäftlicher Hinsicht gemieden hätte, dann könnten wir sicher
sein, dass dieselben schon vor Jahrzehnten den lästigen Staub des Odenwaldes
von ihren Füßen geschüttelt haben würden und auch jetzt kein Jude mehr in
Beerfelden wäre... Es kommt nicht zu sehr darauf an, den Juden zu
beschimpfen, Zettel diesbezüglichen Inhalts an das Haus zu kleben, sondern
man muss ihn wirtschaftlich treffen, alsdann wird er sich schon von selbst
bei seinen Vätern versammeln. Die besten Wünsche begleiten das Judentum in
seine neue Heimat.'
Hierzu schreibt ein Leser aus Beerfelden der 'Jüdischen Rundschau', dass
dort seit uralten Zeiten Juden wohnen. Der aus Beerfelden gebürtige
Deutsch-Amerikaner A.S. Rosenthal habe, so wird uns weiter berichtet,
vor etwa vier Jahren der Gemeinde eine Stiftung von etwa 190.000 RM.
überantwortet, deren Zinsen an Ortsarme ohne Unterschied der Konfession
verteilt werden. Rosenthal hat ferner einen Beitrag, für die Erbauung einer
katholischen Kirche und 5.000 RM. zur Renovierung der protestantischen
Schule gestiftet.
Wir wollen dazu sagen, dass die Rosenthals und Rosenwalds, und wie sie alle
heißen, sich heute im Grabe umdrehen müssen, dass sie ihr Geld nicht für
Palästina verwendet haben." |
| Anmerkung: derselbe Artikel erschien auch in
der "Jüdischen Rundschau" vom 4. August 1933, hier mit der Schlussbemerkung
nach "zur Renovierung der protestantischen Schule gestiftet": "Die
Bewohner von Beerfelden werden daraus zumindest schließen können, dass
Juden, auch wenn sie den Heimatort verlassen haben, ein Gefühl des
Zusammenhangs und der Dankbarkeit behalten und auch betätigen. Jenen Juden
aber, die auf solche Stiftungen pochen, ist zu sagen, dass es eine
Illusion wäre, zu meinen, dass derartige jüdische Zuwendungen auch zur
Lösung der Judenfrage beitragen." |
| |
Artikel in "Die jüdische Rundschau" vom 12. Juni 1935: "Ein 'judenfreier
Viehmarkt'
In einer Ansprache auf dem 'judenfreien Viehmarkt' in Beerfelden (Odenwald)
erinnerte, wie der 'Landespressedienst des Deutschen Nachrichtenbüros'
berichtet, Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger an die Tradition des
judenfreien Beerfelder Viehmarktes. Im Jahre 1924 habe das Judentum des
Odenwaldes sich eine der größten Frechheiten erlaubt, die das
Rhein-Main-Gebiet überhaupt von Juden erfahren habe. Weil damals bei den
Wahlen bereits das Ergebnis für die NSDAP in Beerfelden besonders günstig
ausgefallen war, hatten die Juden des Kreises Erbach und auch der Provinz
Starkenburg sich dazu hinreißen lassen, den Beerfelder Viehmarkt zu
boykottieren, ja sogar die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche
anzudrohen. Damals habe die Beerfelder Bevölkerung unter Führung des
Gauleiters den Beerfelder Viehmarkt ein für allemal von Juden gesäubert. In
Erinnerung an diesen Vorgang machte der Gauleiter die Feststellung, dass
hier und dort diese klare Haltung in Vergessenheit zu geraten drohe, weshalb
die Forderung gestellt werden müsste, dass Beerfeldens Viehmarkt seine
Tradition einzuhalten habe. Dieses sei die Voraussetzung für die
Unterstützung des Marktes durch die Regierung. Es müsse aber betont werden,
dass nicht nur der Viehmarkt und der Handel, sondern auch jedes einzelne
deutsche Haus frei bleiben müsse vom Juden. Auch in den Dingen des
täglichen Lebens könne nur die unbedingte Treue zum Führer den erfolgreich
begonnenen neuen Weg nach oben enthalten lassen und so den Weiteraufstieg
sichern." |
Gemeindevortrag der Agudas Jisroel
(1934)
Anmerkung: der Bericht wurde auch veröffentlicht im "Israelitischen
Familienblatt" vom 24. Mai 1934 S. 12.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1934: "Beerfelden i. O.,
15. Mai. Auf Veranlassung unseres Lehrers, Herrn L. Schapiro, hielt
am 13. Mai Herr Rothenberg von der Palästina-Zentrale der Agudas
Jisroel, Frankfurt a. M., in der Synagoge einen Vortrag über 'Orthodoxie und
Erez Jisroel', Redner schilderte die Aufgaben und Leistungen der P.Z.A.J. in
Golah und Erez Jisroel und verstand es trefflich, die Wichtigkeit und
dringende Notwendigkeit eines toratreuen Lebens in Golah und Erez den Hörern
nahe zu bringen. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloss
sich eine längere Aussprache an. Für unsere Gemeinde im tiefen
Odenwald, die so wenig Gelegenheit hat, auswärtige Redner zu hören, war der
Vortrag ein Ereignis, das dankbar begrüßt wurde." |
Kleine Mitteilungen aus dem jüdischen
Gemeindeleben
| - 1922: Gemeindevortrag am 16. April 1922
von Referendar Freund (Darmstadt) zum Thema "Kampf oder Untergehen".
Verbunden mit Gründung einer Ortsgruppe Beerfelden des "Centralvereins
deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben" unter dem Vorsitz von J.
Salomon; Schriftführer und Kassierer: S. Oppenheimer; Beisitzer: A. Marx und
J. Salomon II. (in: "CV-Zeitung" - Zeitschrift des "Central-Vereins" vom
30. Juni 1922 S. 117). |
| - 1923: Gemeindevortrag in der
jüdischen Gemeinde Beerfelden am 15. April 1923 durch Referendar D. Freund
(Darmstadt) zum Thema: "Die nationalsozialistische Bewegung" (in: "Central-Verein-Zeitung"
vom 19. Juli 1923 S. 238). |
| - 1931: Unter der Rubrik "Wo Juden
unerwünscht sind", wird in Beerfelden genannt: das "Gasthaus zum Schwanen"
(in: Israelitisches Familienblatt" vom 3. Dezember 1931)
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Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Amalie Levi geb. Rosenthal (aus Beerfelden, gest. 1881 in
Gernsheim)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1881: "Nachruf!
Leider haben wir den schmerzlichen Verlust einer wackeren Frau zu
beklagen, die es verdient, dass ihr in diesen Blättern ein Nachruf gewidmet
wird. Am 3. Ijar verschied hier Amalie Levi geb. Rosenthal aus
Beerfelden, Ehefrau des Joseph Levi, im 35. Lebensjahre. Mit
ihr verliert der Gatte die treue, sorgsame Gattin, mit welcher er 12 Jahre
in glücklicher Ehe verlebte, 5 unmündige Kinder die liebevolle Mutter, deren
Erziehung sie mit allen mütterlichen Pflichten oblag, unsre Gemeinde eine
brave, fromme und tugendhafte Frau und die Armen eine edle Wohltäterin. Die
zahlreiche Leichenbegleitung, bei welcher sich alle Konfessionen
beteiligten, war ein beredtes Zeugnis der Liebe und Achtung, welche sich die
Verblichene durch ihr biederes und menschenfreundliches Wirken erworben
hatte. Möge der Allmächtige die tiefbetrübten Eltern und den schwergebeugten
Gatten trösten und der Dahingeschiedenen in reichem Maße vergelten das Gute,
das sie getan. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
Gernsheim a. Rh. W." |
Zum Tod von Moses Marx (1916)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1916: "Beerfelden,
10. Juni (1916). Am 9. Juni haben wir unter großer Beteiligung von nah
und fern, das älteste und beliebteste Mitglied unserer altehrwürdigen
Gemeinde, den in weiten Kreisen bekannten Moses Marx, der am 7. Juni im
Alter von 81 Jahren von uns schied, zur letzten Ruhe begleitet. Eine
unausfüllbare Lücke hinterlässt er in unserer Gemeinde. Mit Wehmut
sehen wir die Stelle leer, an der er so segensvoll wirkte. Wie er das
jüdische Pflichtenleben in allen Teilen sorgfältigst hütete, wusste
Jeder. Durch seine Schlichtheit, Liebenswürdigkeit und Redlichkeit erwarb
er sich Achtung, Ansehen und Einfluss in allen Kreisen. Mit Aufgebot
seines Einflusses trat er dem Zug der Zeit entgegen und ging anregend und
aneifernd der Gemeinde voran. Ein eifriger Teilnehmer des Gottesdienstes
und aller Schiurim (Lernstunden), war er auch bei der Übung von Wohltätigkeit
stets der erste am Platze. Sein Andenken wird uns zum Segen gereichen. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Über Abraham Salomon Rosenthal und seine Stiftung
Abraham Salomon Rosenthal (geb. 1854
in Beerfelden, nach Nordamerika ausgewandert) gilt als großer Wohltäter
der Stadt Beerfelden. 1929 vermachte er der Stadt "zum Zeichen der Liebe für diese
Heimat" 200.000 Reichsmark. Das ursprünglich für ein Volksbad und einen Kindergarten gestiftete Geld wurde von den Stadtoberen
zur Armenstiftung umgewidmet. Noch bis zur Gegenwart wird das
Stiftungsgeld verwaltet, das derzeit einen Wert von noch etwa 25.000 Euro
hat. Während der NS-Zeit wurde von der Stadtverwaltung verfügt, dass das von Rosenthal gespendete Geld nur noch
"Ariern" zugute kommen sollte. Nach 1945 setzte sich diese Praxis auch ohne Erlass fort,
da in Beerfelden keine jüdischen Personen mehr lebten.
Im Juni 2006 wurde für Abraham Salomon Rosenthal an der
Professor-Braun-Straße ein Gedenkstein gesetzt und ein Platz der Stadt
nach ihm benannt.
Das Foto oben aus der Website des Fritz Bauer-Institutes Frankfurt http://www.before-the-holocaust.net/,
auf der sich zur jüdischen Geschichte / Familiengeschichte in Beerfelden
noch weitere Fotos finden. |
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Artikel vom 16. Dezember 2008 aus der
Zeitschrift "Echo-Online"/Odenwälder Echo (Artikel)
200.000 Reichsmark, die bis heute wohltun. Rosenthal'sche Stiftung: Idee eines jüdischen Mitbürgers ermöglicht, dass in Beerfelden 17 Menschen zusätzliches Weihnachtsgeld beziehen.
BEERFELDEN. Rund 77 Jahre ist es her, dass ein ehemaliger jüdischer Mitbürger Beerfeldens seiner Heimatstadt mit einer großzügigen Spende Gutes tun wollte. Und noch heute kommt Abraham Salomon Rosenthals Idee bedürftigen Bürgern der Stadt am Berge und ihrer Stadtteile zu Gute. Auch 2008 werden Frauen, Männer und Kinder, die unverschuldet in Not geraten sind, mit einem Betrag aus dem Zinsertrag des Stiftungskapitals beschenkt.
Wie Diana Weil vom Verwaltungsrat der Rosenthal'schen Stiftung dazu mitteilte, sollen 17 Frauen und Männer jeweils 50 Euro ausgezahlt bekommen. Hinzu kommen jeweils 20 Euro Spende aus dem Restvermögen des vor mehreren Jahren aufgelösten Heimatkundlichen Arbeitskreises Beerfelden.
Bei den 17 bedachten Bürgern handelt es sich nach Auskunft von Weil hauptsächlich um Alleinerziehende und Rentner mit ganz geringem Einkommen sowie um Eltern mit schwerbehinderten Kindern. Einige von ihnen waren schon im vergangenen Jahr auf diese Weise unterstützt worden.
Die Geschichte von Spender und Stiftung spiegelt ein Stück Heimat- und deutscher Geschichte wider: Abraham Salomon Rosenthal wurde am 22. März 1854 als siebtes Kind von Salomon und Rosa Rosenthal in Beerfelden geboren. Wie viele Menschen damals wanderte er nach Nordamerika aus.
Mit 300 Gulden Startkapital gründete der Sechzehnjährige in New York einen Importhandel für japanische Seidenwaren – und kam damit zu Reichtum. Dies erlaubte ihm ab 1903, für längere Zeit in seine alte Odenwälder Heimat zurückzukehren. Beerfelden muss Rosenthal viel bedeutet haben, wie sich spätestens 1929 zeigte, als er
"zum Zeichen der Liebe für diese Heimat" 200.000 Reichsmark spendete. Sollte das Geld zunächst den Bau eines Volksbades mit Kindergarten sowie die Betreuung dort ermöglichen, so wurde es angesichts der blanken Not vieler Beerfelder bald zur Armenstiftung umgewidmet.
Im Hinblick auf die Enteignung und Zerstörung jüdischen Besitztums unter den Nationalsozialisten gehört es zu den Wunderlichkeiten dieser Geschichte, dass die Rosenthal'schen Stiftungsmittel Drittes Reich und Zweiten Weltkrieg überlebten. Ab 1945 wurden diese Mittel wieder von der Stadt Beerfelden übernommen; für die Weiterführung der Stiftung gründete man eine ehrenamtliche Geschäftsführung.
Zu den Besonderheiten der Stiftungs-Geschichte gehört ebenso, dass der Spender sich mildtätig zeigte, obwohl er 1906 mit seinem Antrag auf Wiedererlangung der hessischen Staatsangehörigkeit gescheitert war. Hatte sich die Stadt Beerfelden in diesem Verfahren noch für ihn eingesetzt, sprach sie dem Stiftungsursprung während der NS-Zeit mit einem Erlass Hohn, wonach Zahlungen aus dem Fonds nur noch an Arier geleistet werden durften.
Als ein Stück Wiedergutmachung gegenüber Abraham Salomon Rosenthal wurden im November 2006 ein Platz und ein Gedenkstein an der Professor-Braun-Straße von Beerfelden diesem Menschen- und Heimatfreund gewidmet.
Die einst 200.000 Reichsmark blieben übrigens vollständig erhalten: Nach der Währungsreform in Folge des Zweiten Weltkriegs und der Umstellung auf Euro 2002 beträgt das Stiftungskapital rund 25.000 Euro. |
Über "Mister Sondheimer" - ein
weiterer jüdischer Wohltäter der Gemeinde Beerfelden - unterstützt die in die
USA emigrierenden jüdischen Familien (Artikel von 1936)
Anmerkung: Die Zeitschrift "Die neue Welt" erschien in Wien / Österreich
- 1936 noch vor dem erzwungenen "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich.
Artikel
in "Die neue Welt" vom 18. Februar 1936: "'Märchen der Wirklichkeit'.
Von H. W. Katz (Straßburg)
Die uns allen bekannte Kampfmethode des Antisemitismus ist: Immer wieder von
wirklichen oder erfundenen 'Untaten' zu sprechen, die angeblich von Juden
begangen worden seien. Diese antisemitische Methode findet sonderbarerweise
eine Parallele auf der jüdischen Seite: in der berühmten jüdischen
'Objektivität'. In Wirklichkeit ist es nur die Kehrseite von Objektivität,
die da im törichten Glauben lebt, man könne dpe antisemitischen Massen von
ihren Wahnideen abbringen, wenn diese sehen, dass die Juden selbst von
jüdischen Missetätern abrücken. Man verstehe mich richtig: Es soll kein
Gauner, der es wirklich ist, geschont werden. Weder ein jüdischer, noch ein
nichtjüdischer. Ich wende mich nur dagegen, dass der jüdische Selbsthass,
dieses Produkt der steten Verfolgung, mit einer oft krankhaften Gier nach
allem Schlechten im jüdischen Volke sucht, es öffentlich anprangert — und
dies vor allem in dem Glauben, nun müsse die Welt doch sehen, wie anständig
doch die Mehrzahl der Juden ist.
Wozu diese 'objektive' Anstrengung? Die Welt, die sehen will, sieht von
allein. Und die, die blind sein will, will nicht sehen. Es gibt keine
menschliche Gruppe, die nicht auch Außenseiter aufzuweisen hätte. Und warum
sollten ausgerechnet die Juden der menschlichen Gesellschaft nur
Nobelpreisträger, Ärzte, Techniker, Industrielle und Kaufleute geschenkt
haben? Es wäre Zeit, dass sich die Objektivität etwas mehr mit den jüdischen
Wohltätern befasst.
Und zu den Großen und Guten unter den Juden gehört der Amerikaner Mister
Sondheimer, der vor vielen, sehr vielen Jahren aus Beerfelden im Odenwald
die Reise übers Meer antrat und jetzt dem Dritten Reich ein schönes
Schnippchen schlug.
Hören wir diese wahre Geschichte: Es war einmal ein deutscher Jude namens
Sondheimer, der zog aus, um in der Fremde das Glück zu suchen, fern von
seiner Heimat, fern von seinen Freunden.Und es kam, wie es sonst nur in
Büchern zu kommen pflegt: Der Glücksucher fand wirklich, was er suchte, fand
sogar sehr viel, für ihn begann nun das Leben eines sehr reichen Amerikaners
...
Trotzdem vergaß er nicht das kleine Dorf im Odenwald, den winzigen Schulhof
und die Kirchturmspitze, die 'Nachbarsbuebe' und die Blechmusik vom Sonntag.
Und auf einmal erhielt der Bürgermeister dieses Fleckchens Beerfelden
regelmäßig Schecks auf Tausende von Dollars geschickt, ganz unerwartet
wie vom heiteren Himmel flogen die Geldanweisungen auf den Tisch, um den der
Gemeinderat sprachlos versammelt saß. Und wer war der Spender? Niemand
anders als der 'kleine Sondheimer', der inzwischen ein 'großer Sondheimer'
geworden war, und nun also aus lauter Liebe zur deutschen Heimat es seiner
armen Dorfgemeinde ermöglichte, ihre Kranken und Alten 'ohne Unterschied der
Konfession' (wie es in der Schenkungsurkunde hieß) zu pflegen und zu hegen,
den Kindern 'ohne Unterschied der Konfession' schöne Schulklassen zu
bauen...
Da brach das Dritte Reich aus. Und Mister Sondheimer las eines Morgens
erstaunt und etwas ungläubig in seiner Wohnung in U.S.A., dass die
städtischen Krankenhäuser in seiner alten Heimat keine kranken Juden mehr
aufnehmen, dass die jüdischen Kinder aus den Schulklassen verwiesen werden.
Er las von den 'jüdischen Ausbeutern und Blutsaugern, die Deutschland arm
und wehrlos gemacht haben. Dies alles las Mister Sondheimer nicht etwa nur
im amerikanischen Zeitungen, sondern er las es mit tiefem Erschrecken in der
'Frankfurter Zeitung' und im 'Heidelberger Tageblatt', beides
Zeitungen, die er jeden Tag zu lesen pflegte, seitdem er in Amerika 'das
Glück gefunden hatte.. '
Mister Sondheimer ist von Natur ein Skeptiker. Er wollte also das, was er da
las, nicht glauben, Was also tat er? Er telegraphiert nach 'Germany,
Beerfelden im Odenwald, an den Bürgermeister'. Es war ein langes Telegramm.
Das Telegramm enthielt nur Fragen. Und die Rückantwort war in Amerika vom
Absender bezahlt worden.
Die Rückantwort war bezahlt — aber sie blieb aus. Das Rücktelegramm ist bis
heute noch nicht in Amerika eingetroffen. Aber Mister Sondheimer sagte sich:
'Keine Antwort ist auch eine Antwort.' Außerdem hatte er sich inzwischen
sehr genaue Informationen über Deutschland und die deutschen Juden, und
besonders über Beerfelden und die in Beerfelden lebenden Juden eingeholt.
Und daraufhin beschloss er zwei Dinge: 1. Verklagte er das Dorf Beerfelden
im Odenwald, weil es seit 1933 seine Schenkung nicht mehr - nach dem
Wortlaut - 'ohne Unterschied der Konfession' verwendet. Der Prozess ist
angestrengt.
2. Stellte er bei der amerikanischen Einwanderungsbehörde eine Kaution von 1
Million Dollar, um die Einwanderungsgenehmigung für alle in Beerfelden noch
ansässigen jüdischen Familien zu erhalten! Diese Genehmigung ist nun erteilt
worden, da sich Mister Sondheimer auch verpflichtete, für den
Lebensunterhalt der neuen Immigranten zu sorgen!
Und so endet dieses 'Märchen der Wirklichkeit'.
15 jüdische Familien, das ist die ganze jüdische Gemeinde des Dorfes
Beerfelden, wandern jetzt geschlossen mit Kind und Kegel und sogar mit ihrem
jüdischen Lehrer nach Amerika aus.
In einigen Tagen schon werden sie ihrem alten Freund Sondheimer, diesem
großen und guten Juden, drüben auf dem Landungssteg in New York dankbar die
Hand drücken. Mögen sie es auch recht herzlich in unserem Namen tun!" |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen
| - 1921: Tod von Henriette Salomon
geb. Eisemann in Beerfelden (in: "Neue jüdische Presse" -
"Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 18. August 1921 S. 5).
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- 1924: Verlobung von Else Leopold (Bleichenbach)
mit Siegfried Salomon in Beerfelden (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 8. Mai 1924 S. 5).
Anmerkung: Else Salomon geb. Leopold (geb. 17. Oktober 1903 in
Bleichenbach) wohnte später mit
ihrem Mann Siegfried in Frankfurt am Main, von wo sie am 12. November 1941
ins Ghetto Minsk deportiert wurden. Sie wurde dort ermordet. Ihr Mann
Siegfried Salomon (geb. 8. November 1892 in Beerfelden), der mit ihr
deportiert worden war, überlebte das Ghetto Minsk, kam am 4. August 1944 in
das KZ Plaszow, von dort in das KZ Flossenbürg, dann in das KZ Natzweiler,
wo er umgekommen ist. |
| - 1931: Hochzeit von Siegfried Salomon
II in Beerfelden mit Hella Salomon geb. Reinheimer in
Eberstadt (in:
"Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessens" vom Juli 1931 S. 11). |
| - 1931: 82. Geburtstag der Witwe
von Abraham May am 28. November 1931 (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 26. November 1931 S. 6). |
| - 1932: 75. Geburtstag von Berta
Guttmann geb. May in Beerfelden am 20. Juli 1932 (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 21. Juli 1932 S. 6). |
| - 1933: Verlobung in New York - Bronx
2418 University: Bella Freudenthal aus
Theilheim (Unterfranken) mit Salo Reinheimer aus Beerfelden
(in: "Israelitisches Familienblatt" vom 19. Januar 1933 S. 6).
|
- 1933: Hochzeit von Jakob
Lichtenstein in Lorsch/Hessen mit Meli
Rosenthal in Beerfelden im Odenwald (in: Gemeindeblatt der
Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main Heft 2 1933 S. 149). Trauung:
Sonntag, 18. Dezember 1932 - 19. Kislew 1 Uhr Hotel Ulmann in Frankfurt am
Main. Siehe auch Anzeige in "Der Israelit" vom 15. Dezember
1932:
Link.
Die Anzeige zur Verlobung des Paares findet sich in "Der Israelit" vom 8.
September 1932 S. 8:
Link.
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| - 1934: Verlobung (in Frankfurt am
Main, Sandweg 9) von Jenny Salomon aus Beerfelden mit Siegmund
Lichtenstein aus Marköbel - Ostheim
(in: "Israelitisches Familienblatt" vom 30. August 1934 S. 15).
|
| - 1935: Geburtstag vom 3. April 1935
von Witwe Sophie Rosenthal geb. Würzburger in Beerfelden
(in: "Israelitisches Familienblatt" vom 4. April 1935 S. 26)
|
| - 1935: Goldene Hochzeit am 12. August
1935 in Wittlich von Josef Rosenthal
und Babette geb. Marx aus Beerfelden (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 8. August 1935 S. 20) |
| - 1935: Tod von Johanna Reinheimer
geb. Löbmann in Beerfelden im Alter von 45 Jahren (in: "Gemeindeblatt
der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" von Februar 1935 S. 239).
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| - 1937: 88. Geburtstag von Frau
Hendle Sondheimer geb. Rosenthal in Beerfelden am 19. November 1937
(in "Israelitisches Familienblatt" vom 18. November 1937 S. 16).
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Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe (bzw. über sie) und Privatpersonen
Dank an Dr. Martin in Neustadt von Gerson May in
Beerfelden (1849)
(Anzeige erhalten von Hans Peter
Trautmann)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Odenwälder" vom 16. Juni 1848: "Danksagung.
Den Kenntnissen, dem Eifer und rastlosen Fleiße des Herrn Doctor Martin zu
Neustadt verdanke ich nächst Gott das Leben meiner mit Marx Rothschild zu
Neustadt verheirateten Tochter. - Achtung diesem Ehrenmanne!
Beerfelden, den 14. Juni 1848. Gerson May I., Kaufmann." |
Salomon Joseph wehrt sich gegen eine Verleumdung (1849)
(Anzeige erhalten von Hans Peter Trautmann)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Odenwälder" vom 15. August 1849: "Erklärung.
Es ist das Gerücht verbreitet worden, dass ich schwere Denunziationen gegen
hiesige Bürger gemacht und eidlich bekräftigt hätte.
Ich erkläre Dies für eine Lüge, und den Verbreiter derselben für einen
ehrlosen Verleumder.
Beerfelden, den 11. August 1848. Salomon Joseph." |
Fa. S. und M. Rosenthal ist erloschen (1879)
(zugesandt von Hans-Peter Trautmann, Reichelsheim)
Anzeige
im "Erbacher Kreisblatt" vom 3. Januar 1880: "Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, dass die zu
Beerfelden bestehende Firma 'S. und M. Rosenthal' in Folge der Auflösung
der Gemeinschaft durch die Teilhaber der Firma, der Salomon Rosenthal
Witwe und des Marx Rosenthal zu Beerfelden, erloschen ist.
Beerfelden, 27. Dezember 1879.
Großherzogliches Amtsgericht Beerfelden. Bauer, Oberamtsrichter.
Diehm, Gerichtsschreiber." |
| Anmerkung: Salomon Rosenthal war der
Vater des Wohltäters der Stadt Abraham Salomon Rosenthal (siehe
oben). |
Verlobungsanzeige von Erna Heilmann und Ch. Liverhant
(1913)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15.
Oktober 1913: "Statt Karten!
Erna Heilmann. Ch. Liverhant.
Verlobte.
Beerfelden, Frankfurt am Main, Luisenstrasse 66." |
Anzeige von Moritz Haas (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1925:
"Suche
Lehrstelle
für meinen 16-jährigen Sohn in Mehl- und
Futterartikel-Geschäft. Schabbat und Feiertage geschlossen.
Gefällige Offerten an
Moritz Haas, Beerfelden im
Odenwald." |
Verlobungsanzeige von Fanny Rosner und Ernest
Oppenheimer (1934)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 9. August 1934: "Statt Karten
Fanny Rosner Ernest Oppenheimer
grüßen als Verlobte
Aschaffenburg am Main
Beerfelden im Odenwald
New York, den 31. Juli 1934." |
Hochzeitsanzeige von Siegmund Herz
und Irma Herz geb. May (1937)
Vgl. Anzeige unten für Leopold May, Vater von Irma Herz geb. May
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 20. Mai 1937:
"SIEGMUND HERZ - IRMA HERZ geb. May
Vermählte
Groß-Steinheim b. Hanau -
Beerfelden Hessen
Trauung: Dienstag, den 25. Mai 1937, 1 Uhr, Darmstadt, Hotel Stadt
Frankfurt, Bleichstr. 22" |
Todesanzeige für Leopold May (1937)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. November 1937: "Nach langem,
schwerem Leiden verschied am 1. November mein lieber Mann, unser lieber,
treusorgender Vater und Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, Herr
Leopold May
im 77. Lebensjahre.
Bertha May geb. Bamberger Gustav May Edwin May
Sigmund Herz und Frau Irma geb. May
Cläre May
Beerfelden, Nürnberg, New York,
Groß-Steinheim" |
Todesanzeige für Abraham S. Rosenthal (1938 in New York)
Anmerkung: Anzeige erschien auch im "Israelitischen Familienblatt" vom 26. Mai
1938 S. 5.
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 26. Mai 1938:
"Allen Verwandten und Bekannten gebe ich hiermit schmerzerfüllt die traurige
Nachricht, dass unser geliebter und treusorgender Vater, Großvater, Bruder,
Onkel und Schwager, Herr
Abraham S. Rosenthal
aus New York
nach kurzer Krankheit in seinem 84. Lebensjahre am 7. Mai verstorben ist.
Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen
Löb Rosenthal.
Beerfelden i. Odenwald, 17. Mai 1938." |
Zur Geschichte der Synagoge
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert wurde der Gottesdienst in
einem Betraum im Hause des Juden Moses gehalten. Als die Zahl der jüdischen
Familien zunahm, war der Raum zu klein. Im Oktober 1797 suchten die
damaligen acht Schutzjuden um die Erlaubnis zum Bau einer Synagoge nach.
"Nicht aus Frevel und Übermut, sondern aus Notwendigkeit" heraus war
nach ihrer Ansicht der Raum nötig. Ein geeignetes Grundstück konnte gekauft
werden. Durch Spenden und Gebühren aus besonderen Anlässen sollte das Geld zum
Bau zusammenkommen. Dennoch wurde das Baugesuch abgelehnt. Zehn Jahre später (1808/09)
stellte die Judenschaft einen erneuten Bauantrag. Auch jetzt wurde noch keine
Genehmigung erteilt, angeblich würde der Synagogengottesdienst möglicherweise die
christliche Andacht stören. 1835 wurde erneut der Bau einer neuen Synagoge
geplant. Erst 1850 konnte der Neubau verwirklicht werden. Bei der Synagoge
handelte es sich um ein zweistöckiges Fachwerkhaus.
1936 plante die Gemeinde die Renovierung der Synagoge.
Die Bauarbeiten begannen, konnten jedoch nicht abgeschlossen werden. In der
Zeitschrift "Die neue Welt" vom 23. November 1937 S. 2 ist der Grund hierfür zu
lesen: "Reparaturarbeiten an der Synagoge in Beerfelden (Hessen) wurden von
der SA verhindert, sodass das Dach und die Seitenwände seit Monaten offenstehen".
Beim Novemberpogrom 1938 soll die Synagoge von
SA-Leuten nach einer allerdings falschen "Erfolgsmeldung" der SA-Standarte 186 durch eine Sprengung des Gebäudes zerstört
worden sein. Tatsächlich wurde sie nicht durch die SA-Standarte 186 zerstört,
sondern wenig später fachgerecht abgebaut (Fachwerkbau). Die gewonnenen
Baumaterialien eignete sich ein örtlicher Bauunternehmer an.
An der evangelischen Kirche von Beerfelden
befindet sich eine Gedenktafel mit der Inschrift: "Die Bürgerinnen
und Bürger der Stadt Beerfelden erinnern an alle ehemaligen jüdischen
Mitbürger. Sie lebten durch lange Zeit mit uns in Frieden. Durch die tragischen
Ereignisse der nationalsozialistischen Verfolgung, die viele Opfer forderten,
mussten sie dieses Miteinander aufgeben. Heilig ist uns die Erinnerung an die
Opfer ohne Zahl". Im Juni 2009 wurde am Gebäude
Odenwaldstraße 2 (Grundstück der ehemaligen Synagoge) eine Gedenktafel
angebracht (siehe Foto und Presseartikel unten).
Adresse/Standort der Synagoge: Odenwaldstraße 2.
Fotos
(Fotos: links oben: Michael Ohmsen, Aufnahme vom Mai 2011; Mitte
und rechts oben: Hahn; Aufnahmedatum 17.8.2008)
| Die "Judengasse" |
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| Blick in die
"Judengasse" - nach unten |
Straßenschild |
Blick in die "Judengasse
- nach oben |
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Die zerstörte
Synagoge
im November 1938
(Quelle: www.before-the-holocaust.net
bzw. Stadtarchiv Beerfelden sowie
Yad Vashem Jerusalem, Photo Archive) |
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Für den Abbau des
Synagogengebäudes
interessieren sich Schulkinder |
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Grundstück der ehemaligen
Synagoge Odenwaldstraße 2
(Fotos: Michael Ohmsen, Mai 2011;
vgl. Fotoseite von M. Ohmsen
mit Fotos zu
Beerfelden) |
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Das auf dem
Synagogengrundstück stehende Wohn- und Geschäftshaus |
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Die am Gebäude
Odenwaldstraße 2 im Jahr 2009 angebrachte Gedenktafel.
Es handelt sich um eine wenig auffallende kleine Tafel (vgl. Fotos oben) |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
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Mai 2002:
Kontakte gesucht mit Nachkommen
ehemaliger jüdischer Familien aus Beerfelden - eine Publikation soll
entstehen |
Anzeige im "Mitteilungsblatt des Irgun Olej Merkas Europa" vom Mai 2002 S.
13: "SUCHANZEIGEN
* Ehemalige Mitglieder der jüdischen Gemeinde Beerfelden (Odenwald)
oder deren Nachkommen, die Informationen und Photos über das Gemeindeleben
bis zu ihrem Untergang besitzen, werden gebeten, sich im Zusammenhang mit
einem geplanten Buch über die Geschichte der dortigen Juden an Dr. Uri
Kaufmann. Magistrat der Stadt Beerfelden. Ortsarchiv: Herr Helmut Ulrich.
Metzkeil 1. D-64643 Beerfelden/Odenwald, Fax 00-49-60683529 zu wenden."
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| September 2003:
Vorstellung des Buches von Uri Kaufmann zur Geschichte der Beerfelder
Juden |
Artikel zur Buchvorstellung aus
www.eberbach-channel.de (Artikel):
"Buchvorstellung - Die Beerfeldener Juden - und Vortrag über jüdisches Brauchtum
(tw) (hu) Nach dem Antrag der Fraktion der Bündnis 90 / Die Grünen hatten die Beerfeldener Stadtverordneten vor zwei Jahren beschlossen, die Geschichte der Juden in Beerfelden in einem Buch darzustellen. Der Auftrag hierzu ging an den Historiker Dr. Uri Kaufmann, der hierfür Nachforschungen in Archiven im In- und Ausland betrieb. So ist es ihm gelungen, Kontakt zu Nachkommen von Emigranten in den USA herzustellen, die Erinnerungen an ihre Eltern und viele Fotos beisteuerten. Auch durch Gespräche mit Beerfeldener Zeitzeugen erhielt er viele Informationen, die in seine Arbeit mit einflossen. Diese Ausarbeitung wurde nun mit dem Hetzbacher Druckberater Walter Müller und der Druckerei Krauth, Eberbach, als Buch aufgelegt...."
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| Juli 2009:
Anbringung einer Gedenktafel
für die frühere Synagoge |
Foto
links: Schülerinnen der Oberzent-Schule während der Gedenkstunde vor dem
Gebäude Odenwaldstraße 2
Artikel zur Anbringung der Gedenktafel aus der Website schulserver.hessen.de
(Artikel
mit Video):
"Gedenktafel zur Erinnerung an die Zerstörung der Beerfeldener Synagoge angebracht.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Beerfeldener Synagoge von Nationalsozialisten ausgeplündert und durch Abbruch zerstört. Diese Aktion war Teil eines im ganzen Deutschen Reich groß angelegten Pogroms der Nazis gegen die Juden. In dieser Nacht wurden die Mehrzahl der Synagogen in Deutschland angezündet oder zerstört, Juden ermordet, jüdische Friedhöfe geschändet und Geschäfte, die Juden gehörten geplündert.
Zur Erinnerung an die Zerstörung der Beerfeldener Synagoge wurde am Mittwoch, dem 01. Juli 2009 am ehemaligen Standort in der Odenwaldstraße (heute Odenwaldstraße 2) eine Gedenktafel enthüllt und ihrer Bestimmung übergeben.
Bürgermeister Gottfried Görig dankte in seiner Ansprache Familie Rexroth, die ihr Einverständnis zur Anbringung der Gedenktafel an ihrem Gebäude gegeben hatte. Die neuerliche Anregung zur Anbringung einer Gedenktafel gaben Schülerinnen und Schüler der Oberzent-Schule Beerfelden, die sich im Rahmen einer Projektwoche unter Leitung ihres Lehrers Bernd Siefert dem Thema
'Die Beerfeldener Juden' angenommen hatten und zur Enthüllung der Gedenktafel auch zahlreich erschienen waren.
Wann genau die Beerfeldener Synagoge errichtet wurde lässt sich heute leider nicht mehr genau ermitteln, vermutlich aber zwischen 1810 und 1817, da das Beerfeldener Flurbuch aus dem Jahr 1817 an dieser Stelle bereits die Gemarkungsbezeichnung
'An der Judenschule' führt.
Von der Synagoge in Beerfelden ist leider kein Bild von vor ihrer Zerstörung bekannt. Dr. Uri Kaufmann schreibt in seinem Buch über die Beerfeldener Juden, dass es sich laut Zeitzeugen um ein einfaches Gebäude gehandelt haben soll, das mit einer großen mittigen Türe versehen war.
Weiterhin schreibt er laut Zeitzeugen: 'Oberhalb der Tür war ein rotfarbenes Feld zu sehen und eine Art Hausschild hing in die Gasse, eventuell sei ein Davidstern daran befestigt gewesen. Zur Gasse hin hätte es keine obere Fensterreihe gegeben, im Gebäude muss es deshalb recht dunkel gewesen sei. Das Innere war bemalt, eventuell nach Art der zeitgenössischen Schablonenmalerei. Bemalte Holzbalken sollen sich nach 1945 ebenfalls erhalten haben.
Nach dem 10. November 1938 konnten alle Stadteinwohner einen in einen Terrazzo-Boden eingelassenen Stern erkennen. Kinder spielten auf ihm während des Krieges. Die Fassadenlänge betrug dreizehn Meter (Anmerkung: richtig 10,28 m) zur Gasse hin und das Grundstück umfasste 174 Quadratmeter. Es war umgeben von Scheunen, in denen teilweise Vieh gehalten
wurde.'
Die in unmittelbarer Nähe stehenden Scheunen waren offenbar auch der Grund weshalb die Synagoge damals nicht in Brand gesetzt sondern abgerissen wurde. Nach nunmehr 71 Jahren sind selbst die Grundmauern der ehemaligen Synagoge nicht mehr zu erkennen. Entgegen mancher Aussage, bei der Sandsteinmauer am Fußweg vom Parkplatz Odenwaldstraße zum Sparkassengebäude handele es sich um eine Grundmauer der Synagoge, trifft dies nicht zu, da die Synagoge im rückwärtigen Bereich nicht bis an die Grundstücksgrenze heranreichte.
Gerade weil von der Synagoge heute nichts mehr zu erkennen ist, soll mit der Anbringung der Gedenktafel an diese sowie an die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnert werden. Die Gedenktafel soll aber auch an die Schrecken des Nationalsozialismus erinnern, damit sich solche Ereignisse nicht
wiederholen." |
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| April 2012:
Verlegung von "Stolpersteinen" in
Beerfelden |
Artikel in Echo-online vom 4. Januar 2012:
"Schicksale lassen bald auch Beerfelder stolpern. NS-Zeit. -
Die Initiatoren der Aktion um Lehrer Bernd Siefert suchen nach weiteren
Unterstützern..."
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zur Verlegung der "Stolpersteine" in wittich.de: In einer
Initiative, die von Lehrer Bernd Siefert von der Oberzentschule ausging,
sind 18 Stolpersteine für Beerfelden entstanden, die am 10. April 2012
verlegt wurden. |
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| Februar 2018:
Die "Stolpersteine" werden durch
Schüler der Oberzentschule geputzt |
Artikel von Thomas Wilken in Echo-online.de
vom 8. Februar 2018: "Oberzent. Schrubben gegen das Vergessen.
OBERZENT-SCHULE Sechstklässer reinigen Stolpersteine zur Erinnerung an verschleppte und ermordete Juden
BEERFELDEN - 'Stolpersteine reinigen – wider das Vergessen' hatte die Oberzent-Schule ihre Aktion genannt, mit der der jüdischen Bevölkerung der Stadt am Berge gedacht werden sollte. Gleichzeitig ging es um die Erinnerung an die Verlegung der Stolpersteine im Jahr 2012 durch Gunter Demnig – 70 Jahre nach der Deportation der letzten Beerfelder Juden im Jahr 1942. Die Botschaft dahinter:
'Das darf nie wieder passieren und auch nicht in Vergessenheit geraten.'
In den ersten beiden Schulstunden bereiteten sich die Sechstklässler mit verschiedenen Informationen auf das Thema vor. Da ging es um einen persönlichen Bezug durch Erinnerungen, das Interesse an der Thematik oder auch die heutige
Ausgrenzung von bestimmten Menschengruppen. Anhand von Bildern bekamen die Schüler einen Eindruck von dem, was in den vergangenen Jahren unternommen wurde.
Mit einem Stadtplan aus dem Jahr 1905 ließ sich nachvollziehen, in welchen Häusern damals Juden wohnten. Auch wurde ein Bild der zerstörten Synagoge gezeigt, wo 2008 eine Gedenktafel angebracht worden war. Erwähnt wurde außerdem die Stolpersteinverlegung für Herbert Creutzburg im Juni 2016. Der war in den letzten Kriegstagen als
'Fahnenflüchtiger' von Nazi-Schergen auf dem Marktplatz gehängt worden.
Thematisiert wurde in den beiden Schulstunden daneben das Buch von Dirk
Strohmenger, 'Nationalsozialismus im Erbacher Landkreis'. ...
Beim Gedenkgang der Klasse 6 c hatten die 21 Schüler rote Rosen dabei. Diese wurden nach dem Sauberwischen der 19 im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine an diesen abgelegt. Außerdem zündeten die Jugendlichen an der ehemaligen Synagoge ein ewiges Licht an und stellten es auf –
'wider das Vergessen'. Für viele Betroffene ist Holocaust noch präsent, Ellen
Ihrig, die elf Jahre in Israel lebte, informierte die Schüler über den Umgang der Juden mit dem Gedenken an den
Holocaust..."
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Juni 2024:
Besuch von Nachkommen der Familie Rosenthal in
Beerfelden
Anmerkung: die
Familie Rosenthal war früher an der Ecke von Roll- und Brunnengasse zuhause
(heute Haus Optik Gross, Brunnengasse 14). |
| Dazu Bericht von Thomas Wilken, erschienen
im "Odenwälder Echo" am 5. Juni 2024: "Rosenthals
zu Besuch in Beerfelden" (eingestellt als pdf-Datei) bzw. in der Website
des Heimat- und Geschichtsvereins Oberzent e.V.
https://geschichte-oberzent.de/blogs/aktuelles/rosenthals-zu-besuch-in-beerfelden
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 58-59. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 243-244. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 113-115. |
 | Uri Kaufmann: Die Beerfeldener Juden 1691-1942.
Hrsg. von der Stadt Beerfelden. 2003. 134 S. ISBN 3-00-011532-3. |
 | Brigitte Diersch: In Erbach wohnt kein
Viehhändler, ein Viehmarkt findet nicht statt. Aus dem Leben des Beerfelders
Sally Salomon. In: "gelurt". Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte
2023. Hg. vom Kreisarchiv des Odenwaldkreises. Erbach 2022. S.126-141.
Eingestellt als pdf-Datei. |
 | dies.: Judenaktion vom 10.11.38 im
Odenwald - Aus dem Kreis Erbach ins KZ Buchenwald und zurück. In: "gelurt".
Beiträge zur Odenwälder Kultur und Geschichte. Band 2. Erbach 2024.
S.170-191.
Eingestellt als pdf-Datei. |
 | dies.: Lehrer Hermann Kahn, Schulrat Wilhelm Gerbig und
die Jüdische Bezirksschule in Höchst im Odenwald (1935-1938).- In: "gelurt"
Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte 2026. Hrsg. Kreisarchiv des
Odenwaldkreises. Erbach 2025. S. 365-390.
Eingestellt als pdf-Datei. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Beerfelden
Hesse. Numbering 187 (6,7 % of the total) in 1861, this Orthodox community
acknowledged R. Seckel Wormser, the "Ba'al Shem of Michelstadt" (d.
1847), as its forst religious authority. The synagogue's completion took many
years (1797-1850) owing to local Protestant hostility. From 1924 Nazism gained
support and Jews received scant justice from the courts. On Kristallnacht
(9-10 November 1938) the synagogue was burned down and Jews were sent to the
Dachau concentration camp. Of the 105 living there in 1933, only 23 remained at
the end of 1938. Most were deported in 1942.

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