Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Büttelborn (Kreis Groß-Gerau)
Jüdische Geschichte / Synagoge

   
Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Erinnerungen an die Familie Leopold und Johanna Hirsch  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe (vor 1933)      
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Büttelborn bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis 1937/38. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück, als erstmals 1725 drei jüdische Einwohner genannt werden. Aus dem Jahr 1748 ist ein Grabstein einer Büttelborner Frau (Breile, Frau des Leiser Büttelborn), bekannt, die auf dem jüdischen Friedhof in Dieburg beigesetzt wurde. 1770 waren zwei jüdische Familien am Ort, 1815 vier. 
   
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 14 jüdische Einwohner, 1861 42 (3,5 % der Gesamteinwohnerschaft von 1.195 Personen, in acht  Familien), 1875 39, 1880 35 (3.3 % von 1.060), 1893 sieben jüdische Familien, 1900 19 jüdische Einwohner (1,3 % von 1.492), 1905 27 (1,7 % von 1.592). Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, doch gab es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch jüdische Handwerker (Schneider, Sattler) und einige Kaufläden im Besitz jüdischer Familien am Ort. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (siehe unten) und eine Religionsschule (Raum für den Unterricht). Zur Besorgung religiöser Aufgaben in der Gemeinde war wohl zu keiner Zeit ein eigener Lehrer am Ort, die jüdischen Kinder wurden durch auswärtige Lehrer unterrichtet. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Groß-Gerau beigesetzt.   
 
Die Zahl der jüdischen Einwohner nahm seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Aus- und Abwanderung nicht mehr wesentlich zu. Unter den Auswanderern waren insbesondere Angehörige der Familien Seelig und Sonn (Auswanderungen von zusammen 16 Personen in den Jahren 1882 und 1887). 
   
1924 lebten 27 jüdische Einwohner am Ort. Vorsteher der jüdischen Gemeinde war damals Ferdinand Seelig. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II. 1925 und 1933 wurden jeweils 23 Personen gezählt. Der letzte jüdische Gemeindevorsteher war Sigmund Selig.
     
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (Familie Leopold und Johanna Hirsch nach Crumstadt) beziehungsweise ausgewandert. Anfang 1938 lebten noch zehn meist ältere jüdische Personen in Büttelborn. Beim Novemberpogrom 1938 stürmten SA-Leute die Wohnung und das Textil- und Kurzwarengeschäft von Betty Seelig (Schulstraße 34), verbrannten die Geschäftsbücher, zerstörten das Inventar und misshandelten die fast 70-jährige, gehbehinderte Frau. 
  
Von den in Büttelbronn geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Angaben bei A. Schleindl s. Lit. S. 86):  Johanna Hirsch geb. Bruchfeld (1890), Leopold Hirsch (1886), Erna Schnapper geb. Grünewald (1912), Betty Seelig (1865), Frieda Seelig (1904), Flora Seelig (1876), Margaretha Seelig geb. Hirsch (1879), Siegmund Seelig (1872), Hermann Stein (1883), Lina Stein geb. David (1892), Selma Stein geb. Stein (1894).  
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Erinnerungen an die Familie Leopold und Johanna Hirsch      
Erhalten blieben Fotos aus der Familie von Leopold und Johanna Hirsch 
(nachstehende Informationen von A. Schleindl s. Lit. S. 78-87.224-225; ergänzt durch neue Informationen von Elsie Levy geb. Hirsch): 
Informationen zur Familie: Leopold Hirsch ist am 13. April 1886 geboren; er war verheiratet mit Johanna geb. Bruchfeld, die am 6. Januar 1890 in Crumstadt geboren ist.
Das Ehepaar hatte drei Kinder: 
- Ferdinand Hirsch (Ferdy, geb. 24. Juni 1913), emigrierte 1935 in die USA.
- Ludwig Hirsch (geb. 16. September 1914), emigrierte 1936 in die USA, ist im Oktober 1983 in Englewood, Bergen, NJ gestorben.  
- Elsie Hirsch (geb. 2.7.1917 in Büttelborn), emigrierte 1938 in die USA, dort verheiratet mit Carl Levy, war 1988 zu Besuch in Groß-Gerau; Brief von ihr bei A. Schleindl s.Lit. S. 84-85; lebt in den USA, konnte 2020 ihren 103. Geburtstag feiern.  
Familie Hirsch lebte in Büttelborn in der Weiterstädter Straße 12, wo Leopold Hirsch einen Eisenwarenhandel betrieb. 1937 verkauften die Eltern das Haus in Büttelborn und zogen mit der Tochter Elsie (die Brüder waren schon in den USA) in ihr (= Johannas) Elternhaus (Abraham Bruchfeld III) nach Crumstadt, wo sie bis zur Pogromnacht im November 1938 blieben und in dieser Nacht auf Grund der Ausschreitungen fliehen mussten. Sie lebten danach in Darmstadt, Wilhelmstraße 10. Die erhaltenen Fotos und Gebetbücher der Familie wurden in Darmstadt einer im selben Hause wohnenden, nichtjüdischen Familie offenbar unmittelbar vor der drohenden Deportation übergeben. Die Nachbarfamilie solle es bis zur Rückkehr aufbewahren.
1942 wurden Leopold und Johanna Hirsch von Darmstadt nach Theresienstadt deportiert und später nach Auschwitz, wo sie ermordet wurden. 
Im Mai 2011 wurden die Fotos und Gebetbücher an Frau Elsie Levy geb. Hirsch zurückgeschickt (siehe Bericht unten).   
Einige Fotos und Karten aus dem Familienalbum der Familie Hirsch:  
  Bruchfeld Album 024.jpg (41961 Byte) Bruchfeld Album 025.jpg (31746 Byte) Bruchfeld Album 023.jpg (39869 Byte) Bruchfeld Album 036.jpg (34002 Byte) Buettelborn Hirsch 1925 010.jpg (82620 Byte)
Leopold Hirsch als Soldat
im Ersten Weltkrieg
Die Söhne Ferdinand
 und Ludwig Hirsch 1915
Familie Hirsch 
1919
Ferdinand, Ludwig und 
Elsie Hirsch 1921
Elsie, Ludwig und 
Ferdinand Hirsch 1925

  

Bue ELevy PA 2011 85a.jpg (203121 Byte)In einem Presseartikel von Elaine Alexander in "St. Louis Jewish Light" vom 25. Mai 2011 wird über die Geschichte der Rückgabe der Dokumente berichtet (Link zum Bericht): "Survivor reunited with long-lost family artifacts. 
Earlier this month, 94-year-old Elsie Hirsch Levy received an astonishing phone call from Buettelborn, Germany, the town her family had fled during the Nazi era. The excited caller was Levy's grade school classmate, Marie Beisswenger, with whom Levy has been in frequent contact. Apparently, for seven decades, Levy has had a date with destiny. And the singular moment had just arrived.
In 1941, before Levy's parents were deported by the Nazis to Theresienstadt, a concentration camp in Czechoslovakia, a fellow neighbor named Marie Specht had received a box from them for safekeeping.
Specht passed away in 1987, leaving "The Box" in the hands of her daughter, Irma Bund, and her family. In it, the Bunds found some two-dozen photographs and a set of Hebrew-German makhzorim (prayer books) printed in 1907 and dedicated to different holidays of the Jewish calendar. Interested in seeing these artifacts returned to their owner, Irma's son, Axel, went about trying to fulfill this mission.
Addresses and persons named on the back of the photos, including Elsie Levy's grandfather, Abraham Bruchfeld III, led Axel to Joachim Hahn. Hahn is the author of numerous books on the Jews of southern Germany, a leader in Christian-Jewish relations and webmaster of a Jewish-German history website.
Elsie Levy, herself, planted the trail from Joachim Hahn. In 1988, after much soul-searching, Levy was convinced by her late husband, Carl, who "always had Germany in his head" to attend a Buettelborn commemoration for victims on the 50-year anniversary of the Kristallnacht Pogrom (when synagogues, Jewish homes and businesses and Jews themselves were assaulted throughout Germany and Austria). Hahn had acquired the memorial book from the event, which included an interview with Levy about her Bruchfeld-Hirsch family history. Hahn's website subsequently included some of that information.
After Axel Bund contacted Hahn, he in turn reached out to the mayor of Buettelborn to see if he could help find someone who could identify the people in the picture. The mayor visited the elderly Beisswenger, Elsie Levy's good childhood friend, and showed her the black-and-white, family portrait photographed in 1919. Beisswenger immediately recognized the adults in the photo as Levy's parents, Leopold and Johanna Bruchfeld Hirsch.
Bue ELevy PA 2011 85b.jpg (285977 Byte)On May 17, Levy, a resident of Olivette, and a 2010 Unsung Hero of the Jewish Light, was at her door, shaking with emotion as she signed for The Box. It seemed to have finally reached her through the magic of the Internet and the compassion of strangers.
When the 21-year-old Levy and her two brothers had said good-bye to their parents to come to America in 1938, Levy was confident her entire family would soon be reunited here. But then in 1941, she and her brothers received crushing news: their mother had been granted a visa, but on account of ill health, their father's had been denied.
Levy received one letter from Theresienstadt, and then "we never heard from them again." Inquiries by the Red Cross on Levy's behalf proved that her parents were later murdered at Auschwitz. Hahn said the Bunds almost couldn't believe that a daughter of the Hirschs still lives in the States. "They always hoped that somebody of the family [would some day] get The Box," Hahn said. Hahn commenting about the Bunds' reaction to their successful investigation, said they were very happy. "They almost couldn't believe it, that a daughter of the Hirschs still lives in the States."
Axel Bund, who said he is a customs officer at the Frankfurt Airport, said he is disturbed when during his interactions with strangers from "from all over the world," the word Nazi rises easily to their lips. For Bund and his parents, it is a matter of conscience to honor the German-Jewish past. "The Jews were Germans [fundamentally equal in every way to non-Jews]" he said.
The Box has stirred gratitude for "good German people," which Levy has expressed by phone to Irma Bund. By the same token, the family artifacts have also revived bitter memories of Germany and sparked tears over her parents' execution for the "crime of being Jewish."
The nine prayer books are slightly more than pocket sized, with lavish, gilt artwork on the spines and covers. Dr. Ethan Schuman, local dentist and chazzan (cantor) at Nusach Hari B'nai Zion Congregation, from a digital image, recognized the "beautiful makhzorim" as a publication of "the famous house of Roedelheim near Frankfurt." Schuman, who grew up in a shul that used Roedelheim siddurim," said their style and quality is unmistakable.
Elsie Levy believes that including the prayer books in a box of treasures was her parents', eleventh-hour act of reverence-to keep holy texts from being desecrated. She considers the books and family photos a legacy of the two things her parents held most precious and irreplaceable."    
 
Rechts Fotos von Kristi Forster: Holocaust survivor Elsie Levy née Hirsch, of Olivette, holds some of the family artifacts sent to her from Germany. During the Nazi era, Levy’s parents left a box of family artifacts with a neighbor for safe-keeping. The family only recently discovered the rightful owner of the contents of the box. Jewish Light PA 052011 011.jpg (73702 Byte) Jewish Light PA 052011 012.jpg (50458 Byte) Jewish Light PA 052011 010.jpg (54109 Byte)
       

Ein weiterer Presseartikel erschien am 23. Juli 2011 in "Echo-Online.de" (Link zum Artikel; eingestellt als pdf-Datei) unter der Überschrift: 
"Gebetbuch kehrt zurück".       

 

Flyer zur Verlegung von "Stolpersteinen" am 24. Oktober 2011 in Büttelborn (in etwas reduzierter Qualität) 
Link zum Flyer in höherer Auflösung (4 MB)   

 
Vorbericht zu Verlegung der "Stolpersteine" in "Echo-online.de" vom 22. Oktober 2011: "Gedenken an die Familie Hirsch. Gedenken: Künstler Gunter Demnig verlegt am Montag in Büttelborn fünf Stolpersteine..."   
Link zum Artikel.    
         
"Stolpersteine"-Verlegung in Büttelborn am 24. Oktober 2011 
(Fotos: Hahn) 
Pressebericht von Marvi Mensch in "Echo-online.de" vom 25. Oktober 2011: "Büttelborn - Wo Schicksale sichtbar werden
Gedenken: Gunter Demnig verlegt in Büttelborn für die Familie Hirsch fünf weitere Stolpersteine gegen das Vergessen..." 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei      
Buettelborn Sto 10010.jpg (102521 Byte) Buettelborn Sto 10015.jpg (89164 Byte) Buettelborn Sto 10013.jpg (115023 Byte) Buettelborn Sto 10012.jpg (135952 Byte)  
Die "Stolpersteine" wurden vor dem ehemaligen Haus der 
Familie Leopold Hirsch und Johanna geb. Bruchfeld verlegt 
Zahlreiche Interessierte waren zur Verlegung
 der "Stolpersteine" erschienen
 
         
Buettelborn Sto 10014.jpg (107842 Byte) Buettelborn Sto 10016.jpg (132273 Byte) Buettelborn Sto 10011.jpg (117336 Byte)      
Gunter Demnig bei der Verlegung der "Stolpersteine" Nach der Verlegung    
          

        
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe (vor 1933)  
(Kopien erhalten von Elsie Levy geb. Hirsch, St. Louis/USA)  

Buettelborn Anzeige 010.jpg (90719 Byte) Buettelborn Anzeige 011.jpg (62585 Byte) Buettelborn Anzeige 012.jpg (144631 Byte)
Anzeige der Eisenhandlung Leopold Hirsch,
 Weiterstädter Straße  
Anzeige der Rindsmetzgerei 
Ferdinand Seelig, Schulstraße  
Anzeige der Manufaktur-, Weiß- und 
Wollwarenhandlung Hermann Stein 

        
        
     
   
Zur Geschichte der Synagoge         
   
Die Synagoge wurde 1873 erbaut und eingeweiht. Die jüdische Gemeinde hatte die Schmiedewerkstätte des Adam Friedmann erworben und das Gebäude zu einer Synagoge umgebaut. In diesem Gebäude befand sich auch ein Schulzimmer für den Religionsunterricht der Kinder. Die jüdische Gemeinde hatte zwei Torarollen.  
   
In der NS-Zeit war die Synagoge alsbald Ziel von nationalsozialistischen Anschlägen. 1936 war nach Angaben des letzten Vorstehers der jüdischen Gemeinde Sigmund Selig "vollkommen demoliert"; aus diesem Grund bat er beim Rabbinat Darmstadt um eine Genehmigung zum Verkauf der Synagoge: 'Durch vollkommene Demolierung unserer Synagoge sehen wir uns leider gezwungen, unsere Synagoge zu verkaufen, Da diese heilige Stätte nun nicht mehr der Abhaltung eines Gottesdienstes durch vollkommen unwürdiges Aussehen unseren Religionsgesetzen ... entspricht, bitten wir höflichst um Genehmigung des Verkaufs". Die Genehmigung wurde erteilt, der Verkauf des Gebäudes fand am 2. Juli 1936 statt. Der neue Besitzer ließ die Synagoge abbrechen, um sein Geschäftshaus zu erweitern. 
   
   
Adresse/Standort der SynagogeSchulstraße 11   
   
   
Fotos       
(Fotos: Historisches Fotos des Hauses der Familie Stein - Repro Alexander Heimann, aus der Website des "Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V., Seite zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Büttelborn; neueres Foto des Synagogengrundstückes: Hahn, Aufnahmedatum 6.7.2007; neuere Fotos vom ehemaligen Haus der Familie Stein und des Alten Rathauses mit der Gedenktafel: Hahn, Aufnahmedatum 24.10.2011)   

Das ehemalige Haus der Familie Stein (Mainzer Straße 10)  
Buettelborn Ort 015.jpg (25693 Byte)   Buettelborn Sto 10017.jpg (116627 Byte)  Buettelborn Sto 10018.jpg (170119 Byte)
Das Haus in den
 1930er-Jahren
Das Haus nach Umbau 
zum "Gasthof zum Löwen"
Die "Stolpersteine" für
 die Familie Stein 
     
Blick auf das Grundstück der 
ehemaligen Synagoge Schulstraße 11
Buettelborn Synagoge 120.jpg (62990 Byte)  
     
 Gedenken am alten Rathaus     
Buettelborn Sto 100121.jpg (122518 Byte) Buettelborn Sto 100120.jpg (146118 Byte) Buettelborn Sto 10019.jpg (172520 Byte)
Das alte Rathaus in Büttelborn mit der Gedenktafel und der Inschrift: 
"Am 9. November 1938 begann mit der Reichspogromnacht die systematische Verfolgung und Vernichtung der Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Abstammung. Bis 1945 fielen der staatlich organisierten Verfolgung über sechs Millionen Menschen zum Opfer. 
1933 lebten in Büttelborn 6 jüdische Familien: Familie Sigmund Grünewald, Familie Leopold Hirsch, Familie Sigmund Hirsch, Familie Ferdinand Seelig, Familie Sigmund Seelig, Familie Hermann Stein. 
Wir gedenken aller Opfer aus unserer Gemeinde: 
Leopold Hirsch, verschollen, Auschwitz - Erna Schnapper geb. Grünewald, verschollen, unbekannt - Bettchen Seelig, gest. 12.2.1943, Theresienstadt - Frieda Seelig, verschollen, Osten - Sigmund Seelig + 7.1.1943, Theresienstadt - Margarethe Seelig geb. Hirsch, für tot erklärt, Polen - Hermann Stein, für tot erklärt, unbekannt - Selma Stein geb. Stein, verschollen, Polen.  9. November 1933".  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
  

Hinweis: Chronologie zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Büttelborn und Ortsteilen Klein-Gerau und Worfelden:
1. Verlegung, 30. März 2011: Büttelborn, Mainzer Str. 10, Familie Stein
2. Verlegung, 24. Oktober 2011: Büttelborn, Weiterstädter Str. 12, Familie Leopold Hirsch
3. Verlegung, 22. Februar 2012:  Klein-Gerau, Hauptstr. 14, Familie Gottschall
4. Verlegung, 3. Juli 2012:  Büttelborn, Schulstr. 34, Betty Seelig; Büttelborn, Darmstädter Str. 19, Familie Sigmund Seelig
5. Verlegung, 24. Juni 2013:  Büttelborn, Mainzer Str. 1, Familie Sigmund Hirsch
6. Verlegung, 19. Februar 2014:  Klein-Gerau, Hauptstr. 32, Familie Kugelmann/Hirsch
7. Verlegung, 4. Februar 2015:  Worfelden, Unterdorf 33 und 34, Familien Kahn/Mann
8. Verlegung, 25. Oktober 2018:  Büttelborn, Ludwigstr. 14, Familie Grünewald
9. Verlegung 26. Oktober 2019:  Worfelden, Borngasse 13 und Neustr. 30, Familien Kahn.   
 
November 2009: Initiative für die Verlegung von "Stolpersteinen" in Büttelborn  
Artikel in "Echo-Online.de" vom 1. Dezember 2009 (Artikel, dirk):
"Erinnerung an die Opfer - Stolpersteine: Büttelborn will im kommenden Frühjahr mit der Arbeit beginnen - Grundsatzentscheidung steht. 
BÜTTELBORN. 
Sechs Millionen. So viele Menschen jüdischen Glaubens hat das Hitler-Regime in seinem Rassenwahn ermorden lassen. Es ist eine riesige, unvorstellbare Zahl. Doch sechs Millionen Opfer bedeuten ebenso viele Einzelschicksale. Beschäftigt man sich mit diesen Lebensgeschichten, bekommt der Holocaust ein Gesicht. 'Gerade für junge Leute ist das unheimlich spannend', sagte Hans-Jürgen Vorndran im Büttelborner Kulturausschuss..."  
  
März 2011: Erste "Stolpersteine" wurden in Büttelborn verlegt 
Artikel - unter Übernahme eines Artikels aus dem "Groß-Gerauer Echo" vom 1. April 2011 aus der Website der Gemeinde Büttelborn (Seite zur Verlegung): "Erste Stolpersteine gegen das Vergessen verlegt. 800 Jahre Gemeinde Büttelborn. 
Das Gross-Gerauer Echo schreibt (Artikel von Marvi Mensch, Link zum Artikel): 
'Ich wohne in einem Judenhaus', erklärte Ulrich Trumpold am Mittwoch als Eigentümer des Anwesens Mainzer Straße 10. Beim Hauskauf vor mehr als drei Jahrzehnten erfuhr er vom Schicksal der früheren Bewohner...".    
    
Eingestellt: Rede von Dr. Ulrich Trumpold zur Verlegung der "Stolpersteine" in Büttelborn als pdf-Datei      

   

Juli 2012: Weitere "Stolpersteine"-Verlegung  
Am 3. Juli 2012 wurden "Stolpersteine" verlegt vor den Häusern Betty Seelig (Schulstraße 34) und Sigmund Seelig (Darmstädter Straße 19).  
  
Juni 2013: Weitere "Stolpersteine"-Verlegung   
Am 24. Juni 2013 gab es eine weitere Verlegung von "Stolpersteinen" in der Mainzer Straße 1 für die dort früher lebende Familie Hirsch.    
Links zu Presseartikeln:  
http://www.echo-online.de/region/gross-gerau/buettelborn/Die-Spur-verliert-sich-in-Amerika;art1235,4058174  
http://buettelborn.de/magazin/artikel.php?artikel=3607&type=&menuid=194&topmenu=194 (auch eingestellt als pdf-Datei)       
 
Oktober 2018: Weitere "Stolpersteine"-Verlegung 
Artikel in "echo-online.de" vom Oktober 2018: "Stolpersteine in der Büttelborner Ludwigstraße verlegt
In der Ludwigstraße 14 erinnern acht Quader nun an die von den Nazis gedemütigten, zur Flucht gezwungenen sowie deportierten Mitglieder der jüdischen Familie Grünewald aus Büttelborn.
BÜTTELBORN
- Weithin waren die Hammerschläge zu hören, mit denen der Kölner Künstler Gunter Demnig am Donnerstag acht Stolpersteine wider das Vergessen festklopfte: Vor dem Haus an der Ludwigstraße 14 erinnern die Quader nun an die von den Nazis gedemütigten, zur Flucht gezwungenen sowie deportierten Mitglieder der jüdischen Familie Grünewald aus Büttelborn. Zur Familie gehörten Sigmund Grünewald und seine Frau Amalie ('Malchen') sowie an deren Kinder Lina, Henni, Jakob, Erna und Betty und die 1937 erst zweijährige Ruth Grünewald. Das Gedenken an die Büttelborner ist nun am Ort, von dem sie 1938 unter grauenhaften Umständen fast ohne Hab und Gut flüchten mussten, manifestiert.
'Vergangenheit vergeht niemals'. Es war die letzte Stolpersteinverlegung in der Kommune, mit der hier seit 2011 gemeinsam mit dem Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis sowie dem Dekanat zwölf Familien der Kerngemeinde, Klein-Geraus und Worfeldens gedacht wurde. 'Am Rande der Gesellschaft gibt es heute Bewegungen, die die Stolpersteinverlegung umso wesentlicher machen', sagte Bürgermeister Andreas Rotzinger (CDU) zu den versammelten Bürgern sowie Paten der Stolpersteine. 'Wir verlegen hier Steine für die Opfer der Nazis – doch zu den Opfern gehörten auch Täter. Es gab keine Stunde Null, die Tätergeschichte geht weiter. Die zwölf Jahre des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 wirken nach. Denn Vergangenheit vergeht niemals – nachwachsende Generationen, die Ausreden nicht mehr akzeptieren, stellen neue Fragen. Was hier geschah war das ganz normale Pogrom – auf lokaler Ebene', ergänzte Walter Ullrich, Vorsitzender des Fördervereins Jüdische Geschichte. Landrat Thomas Will (SPD) schlug ebenfalls deutlich den Bogen in die Gegenwart: 'Dass wir gedanklich stolpern, das sollen die Stolpersteine bewirken. Menschen wurden wegen ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihrer Denkweise verfolgt, gefoltert, ermordet. Heute müssen wir feststellen, dass die Sprache, die damals benutzt wurde, wieder gesellschaftsfähig wird.' Dagegen müsse jeder Demokrat aufstehen, müsse stolpern über das, was damals geschah und was heute geschieht, betonte Will. 'Nie wieder darf es zu dem kommen, was Millionen Menschen, auch der Familie Grünewald, geschah', so Will. Ulrich Trumpold vom Förderverein Jüdische Geschichte berichtete vom Leid und Vertreibung der Familie Grünewald – teils konnte die Familie emigrieren, teils hielt sie sich versteckt. Tochter Erna, wiewohl mit einem Nichtjuden verheiratet, wurde 1942 deportiert, ihr Schicksal blieb unbekannt. Petra Kunik von der jüdischen Gemeinde Frankfurt zitierte eindrückliche Verse aus dem Gedicht 'Steh auf, Abel' von Hilde Domin: 'Wenn du nicht aufstehst, Abel, wie soll die Antwort, diese einzig wichtige Antwort sich je verändern? Steh auf, Abel, damit wir es täglich vor uns haben, dieses Ja, ich bin hier.' Zum Abschluss sprach sie das jüdische Totengebet und bat um Schutz für die Seelen der Verstorbenen. Stolpersteinpaten und Gäste legten weiße Rosen auf die golden schimmernden Steine vorm Haus Nummer 14."   
Link zum Artikel   
 
April 2019: Die "Stolpersteine" werden gereinigt 
Artikel von Marc Schüler in "echo-online.de" vom 11. April 2019: "Erinnerung an ehemalige jüdische Bürger wach halten
In Büttelborn wurden die Stolpersteine für die Familie Hirsch in der Weiterstädter Straße von Konfirmanden und vom Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur gereinigt.
BÜTTELBORN -
Ein Zeichen gegen das Vergessen setzten der Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau und die Konfirmanden der evangelischen Gemeinde Büttelborn am Dienstagnachmittag. Sie reinigten die Stolpersteine vor dem ehemaligen Haus der Familie Hirsch in der Weiterstädter Straße 12 und gedachten der vertriebenen Mitbürger. 'In Büttelborn und Klein-Gerau haben wir im vergangenen Oktober die letzten Stolpersteine verlegt, in Worfelden werden wir voraussichtlich im kommenden Oktober vor den letzten beiden Häusern die noch fehlenden Stolpersteine verlegen', erklärte Ulrich Trumpold vom Förderverein. 29 Stolpersteine wurden seit 2009 in der Gemeinde verlegt, so auch vor dem ehemaligen Haus der Familie Leopold und Johanna Hirsch. Während ihren Kindern Ferdinand, Ludwig und Elsie die Flucht in die USA gelang, wurden die Eltern nach Theresienstadt deportiert und in Auschwitz ermordet. 'Wir haben uns bewusst dieses Haus als erstes für die Stolpersteinverlegung und -reinigung ausgesucht, da wir über diese Familie gut informiert sind', erklärte Trumpold. In einem Brief an ihre Freundin Erika Bopp hatte Elsie Levy (geborene Hirsch) von ihrer Jugend in Büttelborn und der Flucht in die USA berichtet. Diesen Brief verlasen die Konfirmanden bei der Stolpersteinreinigung und erinnerten so an die damaligen Ereignisse. Sie befassten sich mit Pfarrer Burkhard Lusky mit der Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bürger und erkannten dabei, dass Ereignisse wie diese damals auch vor ihrem heutigen Lebensmittelpunkt nicht Halt machten.
'Elsie Levy lebt in St. Louis und ist 102 Jahre alt', berichtete Ulrich Trumpold. Zur Stolpersteinverlegung 2011 sei ihr Enkel Mike mit seiner Familie gekommen. Am wichtigsten sei ihnen damals gewesen, dass sich mit dem damaligen Bürgermeister Horst Gölzenleuchter ein Repräsentant der Gemeinde offiziell entschuldigt hat. Trumpold: 'Wichtig ist es, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken, denn Gedenken hält die Erinnerungen wach.' Dank der Unterstützung von Paten wurden seit 2009 für 29 ehemalige jüdische Mitbürger Stolpersteine verlegt. 'Damit ist das Gedenken aber sicher nicht beendet, vielmehr geht es auch darum uns zu erinnern, damit so etwas nie wieder passieren kann', sagte Bürgermeister Andreas Rotzinger in seiner Ansprache. Anschließend machte sich Ulrich Trumpold mit den Stolperstein-Paten und Konfirmanden an die Reinigung der Gedenksteine. Danach wurden die Steine noch mit weißen Rosen geschmückt."  
Link zum Artikel 
 

     
    
Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Büttelborn  mit Seite zu den "Stolpersteinen" https://www.buettelborn.de/freizeit/kultur/stolpersteine/     
bulletWebsite des Heimat- und Geschichtsvereines Büttelborn 
bulletWebsite des "Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau"   
bulletWebportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen 
mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Büttelborn    

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 102. 
bulletGrossGerau BuSchl 01.jpg (24114 Byte)Angelika Schleindl: Verschwundene Nachbarn. Jüdische Gemeinden und Synagogen im Kreis Groß-Gerau. Hg. vom Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau Kreisvolkshochschule Groß-Gerau 1990 S. 78-87.329. 
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 155-156. 
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 101.
bulletBuettelborn Lit 074.jpg (55185 Byte)Friedensgruppe Büttelborn (Hg.): "Juden sind keine mehr vorhanden". Fünfzig Jahre nach der Reichspogromnacht. Eine Dokumentation 1990. 
bulletBuettelborn Lit 075.jpg (131287 Byte)Heimat- und Geschichtsverein Büttelborn, Heimatpflege Klein-Gerau, Heimat- und Geschichtsverein Worfelden, Gemeinde Büttelborn (Hrsg.): Jubiläumsschrift - 800 Jahre Büttelborn - Klein-Gerau - Worfelden. 1211 - 2011.
Darin u.a. für die jüdische Geschichte von Interesse:  
S. 46-57: Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert. 
S. 56-58: Büttelborner Emigranten in der Zeit des Nationalsozialismus (von Ulrich Trumpold).

        
         


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  
    
Buettelborn  Hesse. The community, numbering 42 (3.5 % of the total) in 1861, had practically disappeared by Kristallnacht, when the synagogue was vandalized.
    
    

                   
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Stand: 30. Juni 2020