Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Colmberg (Kreis Ansbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge  
  
 

Neuerscheinung im Herbst 2011:   
Reese Lit 020.jpg (145046 Byte) Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg. Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg Band 6. 
Hrsg. von Gunther Reese, Unterschwaningen 2011. ISBN 978-3-9808482-2-0  
Zur Spurensuche nach dem ehemaligen jüdischen Leben in der Region Hesselberg lädt der neue Band 6 der 'Kleinen Schriftenreihe Region Hesselberg' ein. In einer Gemeinschaftsarbeit von 14 Autoren aus der Region, die sich seit 4 Jahren zum 'Arbeitskreis Jüdisches Leben in der Region Hesselberg' zusammengefunden haben, informieren Ortsartikel über Bechhofen, Colmberg, Dennenlohe, Dinkelsbühl, Dürrwangen, Feuchtwangen, Hainsfarth, Heidenheim am Hahnenkamm, Jochsberg, Leutershausen, Mönchsroth, Muhr am See (Ortsteil Altenmuhr), Oettingen, Schopfloch, Steinhart, Wallerstein, Wassertrüdingen und Wittelshofen über die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden. Am Ende der Beiträge finden sich Hinweise auf sichtbare Spuren in Form von Friedhöfen, Gebäuden und religiösen Gebrauchsgegenständen mit Adressangaben und Ansprechpartnern vor Ort. Ein einleitender Beitrag von Barbara Eberhardt bietet eine Einführung in die Grundlagen des jüdischen Glaubens. Eine Erklärung von Fachbegriffen, ein Literaturverzeichnis und Hinweise auf Museen in der Region runden den Band mit seinen zahlreichen Bildern ab. Das Buch ist zweisprachig erschienen, sodass damit auch das zunehmende Interesse an dem Thema aus dem englischsprachigen Bereich abgedeckt werden kann, wie Gunther Reese als Herausgeber und Sprecher des Arbeitskreises betont. Der Band mit einem Umfang von 120 Seiten ist zum Preis von 12,80 €- im Buchhandel oder im Evangelisch-Lutherischen Pfarramt Mönchsroth, Limesstraße 4, 91614 Mönchsroth, Tel.: 09853/1688 erhältlich E-Mail: pfarramt.moenchsroth[et]elkb.de. 

 
Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Weitere Berichte  
Links und Literatur   

    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

Anmerkung: Die Ergebnisse der Publikation von Karl-Ernst Stimpfig s.Lit. konnten noch nicht eingearbeitet werden.

In Colmberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1931. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1691 werden drei jüdische Familien genannt: Jacob, Lazarus und Moyses; letzterer stammte aus Obernzenn.     
     
1714
waren vier jüdische Familien am Ort, 1803 wurden 66 jüdische Personen in 18 Familien gezählt. 
  
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Bechhofen beigesetzt (vgl. unten Bericht zur Beisetzung des Lehrers Hirsch Weil). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Ansbach. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet (Schächter) fungierte. Im 19. Jahrhundert war 52 Jahre lang Lehrer in Colmberg und Jochsberg Hirsch Weil. Er starb 1891 (siehe Bericht unten), wird aber nicht so lange Lehrer am Ort gewesen sein, da 1875 die Stelle neu ausgeschrieben wurde. Demnach wird Hirsch Weil von 1823 bis 1875 Lehrer am Ort gewesen sein. Nach 1875 wird ein Lehrer Herz genannt (unten Anzeige von 1877) sowie bis zu seinem Weggang 1890 ein Lehrer N. Heimann (1890 wurde die Stelle erneut ausgeschrieben s.u.; 1892 - siehe Anzeige unten - wird als Religionslehrer gleichfalls ein Lehrer Heimann genannt, eventuell dieselbe Person; der Vertrag mit Lehrer Heimann endete am 31. August 1894, siehe Bericht unten von 1895).  
  
Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder gegen Ende des 19. Jahrhunderts bereits stark zurückgegangen war, konnte die Gemeinde - nach Ende der Zeit von Lehrer Heimann am 31. August 1894 - keinen eigenen Lehrer mehr anstellen. Bereits 1895 wurde der Religionsunterricht in Colmberg durch den Lehrer Simon Dingfelder aus Ansbach erteilt. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Ignaz Selling (geb. 10.6.1885 in Colmberg, vor 1914 in Ansbach wohnhaft, gef. 3.12.1916).  
  
Um 1924
, als noch etwa 14 jüdische Personen in drei Familien am Ort lebten, wurde die Gemeinde weiterhin durch den Lehrer/Kantor aus Ansbach mitbetreut, der den nur noch wenigen Kindern den Religionsunterricht erteilt. 1931 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst und der Gemeinde in Feuchtwangen angeschlossen.  
     
Von den in Colmberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Pauline (Paula) Aal geb. Hamburger (1872), Jette Braun geb. Selling (1874), Toni Frankfurt (1879), Frieda Haas geb. Steinberger (1893), Fritz Hamburger (1867), Samuel Hamburger (1869), Hugo Hausmann (1885), Siegbert Hausmann (1886), Willi Otto Hausmann (1891), Therese Martin geb. Selling (1883), Elise Rosenbaum geb. Eckmann (1859), Babette Rosenstein geb. Selling (1874), Siegfried Selling (1880), Jakob Steinberger (1884), Siegfried Steinberger (1889), Peppi Steinhardt geb. Hamburger (1871), Lina Weinstein geb. Steinberger (1892), Ida Wittelshöfer geb. Steinberger (1882).       
       
     
     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1875 und 1890

Colmberg Israelit 15121875.jpg (28959 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember 1875: "Gesucht. Von der unterzeichneten Gemeinde wird sofort ein Religionslehrer, Vorsänger und Schächter gesucht. Es wird demselben ein Fixum von 500 Gulden nebst freier Wohnung, sowie anständige Nebenverdienste zugesichert. Meldungen nimmt entgegen 
Leopold Selling,
Kultusvorstand in Colmberg bei Ansbach, Mittelfranken (Bayern). 
   
Colmberg Israelit 18081890.jpg (41141 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1890: "Wir suchen bis zum ersten September einen ledigen Religionslehrer, Schächter und Vorbeter, Gehalt 400 Mark. Schächten und Nebenverdienste 450 Mark. Holz und Wohnung frei. Ausländer verbeten. Bewerber wollen sofort ihre Zeugnisse an mich einsehen. Ich suche zugleich einen Vorbeter für Rosch-Haschono und Jom-Kippur. Bewerber wollen mir sofort ihre Ansprüche mitteilen. 
Salomon Hausmann
, Kultusvorsteher, Colmberg."

       
Zum Tod des Lehrers Hirsch Weil ( 1891)    

Colmberg Israelit 26031891.jpg (63767 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1891: "Aus Mittelfranken. Vergangenen Erew Schabbat Schekalim (Freitag vor Schabbat Schekalim = Freitag, 6. Februar 1891) wurde der 95-jährige Lehrer Hirsch Weil - er ruhe in Frieden - zu Grabe getragen. Derselbe wirkte 52 Jahre lang ununterbrochen in den Gemeinden Jochsberg - Colmberg. Sämtliche Männer der Gemeinden Leutershausen, Jochsberg und Colmberg, die siebenzigjährigen nicht ausgeschlossen, sind mit Ausnahmen von zweien dessen Schüler. An der Trauerfeier beteiligten sich die zahlreichen Anverwandten und viele Schüler des Dahingeschiedenen. Der Verblichene war ein Zadik Ben Zadik (Frommer eines Frommen), was auch Herr Lehrer Rosenstein bei der Beerdigung in Bechhofen unter Zugrundelegung sinnreicher Midraschim hervorhob. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

   
Zwei Familienväter weigern sich, ihre Kinder in den israelitischen Religionsunterricht zu schicken (1895)   

Kolmberg AZJ 16081895.jpg (116928 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. August 1895: "München, 11. August (1895). Gegen die israelitischen Handelsleute Alexander Steinberger und Julius Joel in Colmberg war Strafbefehl erlassen worden, weil sie während des ganzen Monats November 1894 es unterlassen hatten, ihre schulpflichtigen Kinder in den israelitischen Religionsunterricht zu schicken, worin eine Übertretung des § 58 des P.-St.-G. zu erblicken sei. Gegen den Strafbefehl wurde von beiden Einspruch erhoben, weil sie nicht verpflichtet gewesen seien, nachdem der Dienstvertrag mit Lehrer Haymann am 31. August 1894 abgelaufen war, ihre Kinder weiter noch in die Schule zu schicken. Der Einspruch wurde vom Schöffengericht am Amtsgericht Ansbach verworfen, weil die Entlassung des vormaligen Lehrers nur in der Weise regierungsseits genehmigt wurde, dass dieselbe erst an dem Tage in Wirksamkeit trete, an welchem ein vorschriftsmäßig bestätigter Nachfolger desselben an dessen Stelle tritt, und bis dahin der frühere Lehrer immer noch als der ordnungsgemäße Lehrer zu betrachten sei. Die Berufung der Angeklagten wurde vom Amtsgericht Ansbach mit der Modifikation bestätigt, dass er erstinstanzielle Strafantrag von drei Tagen Haft in fünf Mark eventuell in einen Tag Haft umgewandelt wurde. Hiergegen wurde von den Angeklagten Revision eingelegt, weil es sich nicht um den Besuch einer Volksschule, sondern um einen privaten Religionsunterricht handle. Staatsanwalt Büttner begutachtete die kostenfällige Verwerfung der Revision, da auch der israelitische Religionsunterricht einen Zweig des Volksschulunterrichts für israelitische Schulkinder bilde. Die Revision wurde verworfen."    

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben      
      
Die orthodox-jüdische Zeitung "Der Israelit" kritisiert einige Zustände in der Gemeinde Colmberg nach dem Weggang des Lehrers Heimann (1891)

Colmberg Israelit 09071891.jpg (93952 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1891: "Aus Mittelfranken, 1. Juli (1891). Einige Kolmberger Zustände dürften auch die Leser außerhalb unseres Kreises interessieren. Nachdem Herr Lehrer Heimann daselbst seines Amtes nicht mehr obliegt, ist ein Gemeindemitglied Toravorleser. Man nimmt nämlich die heilige Rolle aus der Lade und leient (liest) alsdann aus dem Chumesch (gemeint: aus einer Bibelausgabe in Buchform). Das Rabbinat hat zwar den Vorsteher aus das Unerlaubte dieser Handlungsweise aufmerksam gemacht, allein, das kümmert große Geister nicht. Am vergangenen Schabbat hat man in Kolmberg statt Behaalotecha (sc. das wäre der richtige Toraabschnitt für Schabbat, 21. Siwan = 27. Juni 1891 gewesen) die Sidra Schelach Lecha (das ist erst der Toraabschnitt für den folgenden Schabbat, 4. Juli 1891) geleient, weil der Baal Kore (Vorbeter) als Rosch HaKahal (Gemeindevorsteher) solches anordnete. 
In demselben Kolmberg schächtet auch ein Herr Joel sein Geflügel, ohne dazu rabbinatlich autorisiert zu sein. Um aber späterem Irrtum vorzubeugen, sei jetzt schon darauf aufmerksam gemacht, dass das von Kolmberg nach auswärts verschickte Geflügel nur dann richtig geschätet ist, wenn die richtige Schechita durch Herrn Heimann bezeugt werden kann. Der Zweck dieser Zeilen ist lediglich nur der, die Gemeinde Kolmberg zu veranlassen, die aufgedeckten Mängel abzustellen, nachdem solches durch die örtlichen Verhälntisse äußerst einfach gemacht werden kann: man braucht nur Friede untereinander herzustellen."

 

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Jetta Hamburger geb. Weil (1877)

Colmberg Israelit 11041877.jpg (95740 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1877: "Colmberg. Am 22. März verschied in hiesiger Gemeinde Frau Jetta Hamburger geb. Weil im blühendsten Alter von kaum 39 Jahren. Außer ihrem Mann und 8 unmündigen Kindern, welche die Dahingeschiedene hinterlassen hat, wird diese, im wahren Sinne des Wortes gewesene Eschet Chajal (tüchtige Frau) von Allen, die sie bekannt, tief betrauert. In ihrer Mildtätigkeit, die sie gegen jeden Menschen ohne Unterschied der Religion übte, war sie sehr bescheiden. Keinen Taanit Zibbur (öffentlicher Fasttag) verfehlte sie zu fasten, wozu sie auch ihre Kinder anhielt. Am verflossenen Taanit Ester fastete diese Ischa Chaschuwa (bedeutende Frau) bis nach dem Aufruf der Megilla. Gewiss eine Seltenheit bei jetziger Zeit. 
Mit Recht können an der Verblichenen die Worte "Ein kluges Weib baut ihr Haus" (Sprüche 14,1) angewendet werden, denn abgesehen davon, was eine Mutter bei einer so zahlreichen Familie zu leisten hat, stand sie ihrem Manne in seinen Geschäften mit Rat und Tat bei, sie stand auf, wenn es noch Nacht war und gab Speise ihrem Haus (Sprüche 31,15). Um 2 oder 3 Uhr Nachts stand sie auf und besorgte die nötigen Arbeiten, die zu ihres Mannes Geschäften erforderlich waren.
Zwölf Kinder gebar sie zur Welt und bei der dreizehnten Entbindung musste sie zugleich mit ihrem Sprössling den Geist aufgeben. Nur der einzige Trost, welcher den Hohepriester Aron in seiner harten Prüfung zum Schweigen brachte, ist der, der die Hinterbliebenen beruhigen kann. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Goldene Hochzeit von Alexander Steinberger und Regina geb. Liebenstein (1926)  

Colmberg Bayr GZ 07081926.jpg (94857 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. August 1926: "Colmberg bei Rothenburg ob der Tauber. Zu einer überaus ehrenden Feier gestaltete sich das goldene Hochzeitsjubiläum des Herrn Alexander Steinberger und dessen Gattin Regina geb. Liebenstein. Am Vorabend des Tages hatte es sich die erwachsene Jugend der Marktgemeinde nicht nehmen lassen, das Haus des Jubelpaares mit Bäumen und Girlanden aufs prächtigste zu schmücken. Am Jubeltage selbst brachte die Jugend der befreundeten Nachbarschaft den Jubilaren ein musikalisches Ständchen dar. Überreich waren die Blumenspenden und Geschenke sowie die Glückwünsche der Bürgerschaft und Beamten. Unter den zahlreichen Gratulanten befanden sich, was in unserer politisch bewegten Zeit besonders hervorzuheben ist, allein fünf Geistliche christlicher Konfession des Ortes und der Umgebung, die ihre Wünsche teils persönlich, teils durch Übersendung von herzlich gehaltenen Glückwünschen und Geschenken überbrachten. Am Abend bereitete der Gesangverein dem Jubelpaare durch Gesangvorträge und eine Ansprache eine besondere Ehrung, während gleichzeitig die Jugend der Gemeinde durch Abbrennen eines kleinen Feuerwerks den Gefühlen der Wertschätzung besonderen Ausdruck verlieh. Es war alles in allem ein Ehrentag für das Jubelpaar, wie er in unserer Gemeinde noch nicht erlebt worden ist."   

    
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Lehrer Herz sucht eine Haushälterin (1877)

Colmberg Israelit 23051877.jpg (21140 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1877: "Eine erfahrene Person gesetzten Alters, wird bei gutem Lohn und guter Behandlung zur Führung einer Haushaltung auf dem Lande gesucht. Näheres zu erfahren bei Lehrer Herz in Colmberg bei Ansbach (Mittelfranken)."  

       
Lehrer N. Heimann bietet "junge, fette Gänse" an (1890 / 1892) 

Kolmberg Israelit 27101890.jpg (21512 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1890: "Junge, fette Gänse liefert zu billigen Preisen  N. Heimann, Religionslehrer, Kolmberg (Mittelfranken)."  
    
Oettingen Israelit 14111892.jpg (26426 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1892: "Junge, fette Gänse à Pfund 60 Pfg. ab hier liefert N. Heimann, Religionslehrer in Colmberg, Bayern."

  
    
   

Zur Geschichte der Synagoge

Ein Betsaal beziehungsweise eine Synagoge wird spätestens Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgt sein. Um 1730 erfolgte die Ausmalung. Der Betsaal befand sich im Obergeschoss des Synagogengebäudes. Die Ausmalung des Betsaales wurde erst 1928 (?) unter dreifachem Anstrich wiederentdeckt, von Theodor Harburger fotografiert und auf seine Initiative hin ausgebaut und nach München in die Obhut des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden gegeben. Nach dem nachstehenden Presseartikel erfolgt vor dem Transport eine Konservierung durch das Landesamt für Denkmalpflege.

Colmberg GBldIsrGemFfm 091929.jpg (23999 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinden in Frankfurt" vom September 1929: "Colmberg. Bei Herrichtung der Synagoge wurde unter dreifachem Anstrich eine mittelalterliche Bemalung entdeckt. Die wertvolle Decke wird nach der nötigen Konservierung durch das Landesamt für Denkmalpflege nach München gebracht werden".

Die Bemalung des Betsaales stammte von dem bekannten Maler Elieser Sussmann, Sohn des Kantors Schlomoh Katz aus Brod, der u.a. die Synagogen in Bechhofen, Horb am Main, Unterlimpurg bei Schwäbisch Hall  und Kirchheim bei Würzburg ausgeschmückt hat. Von diesen Synagoge ist die Colmberger die am wenigsten bekannte. David Davidovicz (s. Lit.) schreibt: "Die Synagoge von Colmberg wird aus irgendeinem Grunde in dem künstlerischen Werk Elieser Sussmanns wenig erwähnt. Die Tatsache, dass auch das Interieur des kleinen Bethauses der Gemeinde Colmberg von Elieser Sussmann gemalt worden sei, wurde von dem jüdischen Maler Max Untermayer-Raymer in seinem Artikel 'German Synagogues' bestätigt, der im 'The Menorah Journal', New York, Heft 1, Bd. 25, 1937, veröffentlicht wurde."

Der Verbleib der Vertäfelung und Synagogeneinrichtung nach 1929 ist unbekannt. Das Synagogengebäude in Colmberg wurde noch 1929 abgebrochen. 
   

Artikel von Theodor Harburger: Werke jüdischer Volkskunst in Bayern.
In: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 vom 1. Juli 1931 S. 195-199. 
(bitte beim Anklicken längere Ladezeit der Seiten beachten) 

Bechhofen BayrGZ 01071932a.jpg (320144 Byte) Bechhofen BayrGZ 01071932b.jpg (306210 Byte) Bechhofen BayrGZ 01071932c.jpg (305635 Byte) Bechhofen BayrGZ 01071932d.jpg (298254 Byte) Bechhofen BayrGZ 01071932e.jpg (218208 Byte) 
 
 
         
Weiterer Artikel von Theodor Harburger zu einer "Ausstellung jüdischer Kultgeräte und -einrichtungen für Synagoge und Haus (Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1930)
Colmberg BayrGZ 01071930.jpg (199602 Byte) Colmberg BayrGZ 01071930a.jpg (204840 Byte)      

  

Adresse/Standort der SynagogeRothenburger Straße 6.  

Fotos
(Fotos von Theodor Harburger, aufgenommen am 1. August 1929; veröffentlich in Th. Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken - Fürth und Schnaittach 1998 Bd. 2 S. 147-155).

   Colmberg Synagoge 108.jpg (79361 Byte)   
   Jüdisches Gemeindehaus mit der Synagoge im Obergeschoss, Ansicht von Südosten.   
     
Colmberg Synagoge 107.jpg (95174 Byte) Colmberg Synagoge 106.jpg (124203 Byte) Colmberg Synagoge 104.jpg (112092 Byte)
Der Tora-Schrein (Aron HaKodesch) Innenseite der Türflügel des Aron-ha-Kodesch Deckenmalerei der Synagoge
     
Colmberg Synagoge 102.jpg (103052 Byte) Colmberg Synagoge 103.jpg (93521 Byte) Colmberg Synagoge 105.jpg (118529 Byte)
Detail der Deckenmalerei Detail der Deckenmalerei Deckenmalerei der Synagoge
     
Colmberg Synagoge 100.jpg (45241 Byte) Colmberg Synagoge 101.jpg (110071 Byte)  
Tür zum Frauenbereich Trennwand zwischen Männer- und Frauenbereich   

    

Weitere Berichte  

Familiäre Wurzeln von Billy Joel gehen nach Colmberg zurück  
Bericht am 29. April 2009 in  "Die Welt - online" (direkt zum Artikel
Billy Joel: Popstar mit fränkischen Wurzeln
Nürnberg (dpa) - «Ein kleiner bärtiger Mann mit traurigen Augen steht im Nieselregen auf dem Jüdischen Friedhof in Nürnberg. Er trägt eine Kippa auf dem Kopf und legt einen kleinen Stein auf ein schwarzes Marmorgrab, so wie es alter Sitte entspricht.» So beginnt der Nürnberger Journalist Steffen Radlmaier sein neu erschienenes Buch. Es heißt «Die Joel-Story», und der kleine bärtige Mann ist kein anderer als Popstar Billy Joel, der am 9. Mai seinen 60. Geburtstag feiert. Die fränkischen Wurzeln des Musikers aus New York, der mit Alben wie «Piano Man», «The Stranger» oder «River of Dreams» die Pop-Welt eroberte, waren lange Zeit nicht bekannt. Billy Joel selbst schreibt in einem Vorwort zu dem Buch: «Ich habe lange Zeit kaum etwas von meiner Familiengeschichte gewusst, sie steckt für mich voller Geheimnisse.» Denn Joels jüdische Familie hatte vor den Nazis aus Deutschland fliehen müssen. Ihre Wurzeln hatte die Familie, wie Radlmaier berichtet, in dem fränkischen Dorf Colmberg bei Ansbach. Karl Amson Joel baute dann in Nürnberg ein Wäscheversand-Unternehmen auf, ging später nach Berlin, ehe er 1938 mit seiner Frau und Sohn Helmut - Billys Vater - in die USA floh. Die drei überlebten. «Viele Verwandte dagegen fanden in Konzentrationslagern den Tod», heißt es in dem Buch. Das Familiengrab der Joels befindet sich bis heute auf dem Jüdischen Friedhof Nürnberg. Den Wäscheversand übernahm übrigens Josef Neckermann, der damit den Neckermann-Versand begründete. 1995 war Billy Joel zu einem aufsehenerregenden Konzert nach Nürnberg gekommen. Seinen Auftritt verstand der 1949 geborene Musiker damals als Geste der Versöhnung. Um diese Zeit begann sich Radlmaier, Feuilletonchef bei den «Nürnberger Nachrichten», näher für das Thema zu interessieren. Er lernte die Joels kennen, führte Interviews mit Billy Joel, Vater Helmut und Halbbruder Alexander, einem heute international gefeierten Dirigenten. Ausführlich zeichnet Radlmaier die Familiengeschichte nach: Flucht und Exil in Kuba, Neubeginn in New York, Billy Joels Kinderjahre, die auch geprägt waren vom Scheitern der Ehe seiner Eltern. 1957 verließ der Vater die Familie. Trotz aller Geldsorgen machte es Mutter Rosalind jedoch möglich, dass Billy weiterhin seine Klavierstunden erhielt: Bach, Beethoven, Brahms. Bis heute sind seine Lieblingskomponisten Deutsche, auch Wagner und Schumann zählt er dazu. «Alles Deutsche fasziniert mich», schreibt er im Vorwort. Die Schilderung von Joels Musiker-Karriere verknüpft der Autor in seinem Buch immer wieder mit der Familiengeschichte. So führt er die Leser ins Jahr 1972, als Billy auf einer Europatournee erstmals wieder Kontakt zu seinem Vater suchte - und ihn tatsächlich ausfindig machte. «Seitdem ist es gut zwischen uns gelaufen», sagt Billy Joel in dem Buch. Erst damals erfuhr der Rockstar auch von seinem Halbbruder Alexander. «Im Schicksal der jüdischen Familie Joel spiegelt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf ganz besondere Weise», bilanziert Radlmaier. Und Billy Joel selbst sagt: «In gewisser Weise verdanke ich meine Existenz den großen Katastrophen im Europa des 20. Jahrhunderts. (...) Während ein großer Teil meiner Familie vernichtet wurde, überlebten meine Eltern - und ich wurde geboren. Das ist für mich bis heute ein unbegreiflicher Widerspruch.»
Offizielle Website von Billy Joel:  http://www.billyjoel.com/  (von hier auch das Foto oben)
Billy Joel 152.jpg (13834 Byte)Buchtitel des im Artikel oben angezeigten Buches: 
Steffen Radlmaier:  Die Joel-Story: Billy Joel und seine deutsch-jüdische Familiengeschichte. 
256 Seiten. Heyne-Verlag 2009. ISBN 103453158741. € 19.95.    
   

      

   

Links und Literatur 

Links:

Website der Marktgemeinde Colmberg 

Literatur:  

David Davidovicz: Wandmalereien in alten Synagogen. Das Wirken des Malers Elieser Sussmann in Deutschland. Hameln-Hannover 1969.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 176 (Notiz im Artikel zu "Feuchtwangen")
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 31-32.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) hat keinen Artikel zu Colmberg.
Karl-Ernst Stimpfig: Die Juden von Leutershausen, Jochsberg, Colmberg und Wiedersbach. Eine Dokumentation. Leutershausen 2000. 
Anmerkung: Das nur in kleiner Auflage im Verlag Fritz Majer & Sohn KG 91578 Leutershausen erschienene Buch (ISBN 3-922 175-42-2) ist bereits längere Zeit vergriffen und nicht mehr lieferbar. 
Einen privaten und unverkäuflichen Nachdruck gab es zu Ehren des Autors zum 80. Geburtstag am 16. Juni 2005 (Burg-Verlag, Braunsbach-Döttingen).   
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Colmberg S.146-163. 

            
 n.e.        

               

                   
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Stand: 13. Dezember 2011