Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Fürstenforst (Gemeinde Burghaslach, Kreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim)
Jüdische Geschichte / Betsaal

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Abbildungen    
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
   
In Fürstenforst bestand im 18./19. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, über die bislang nur wenig Informationen vorliegen. Im Fürstlich Castell'schen Archiv finden sich Urkunden von ca. 1786, ein "Zettel mit Liste der Fürstenforster Juden im Judenhaus", Akten von 1799 bis 1803 über "Die Aufnahme der Schutzjuden zu Fürstenforst" und von 1802 zu einem "Darlehen für Moses Löw zur Fürstenforst".  
   
1813 wurde die Zahl der in Fürstenforst zugelassenen jüdischen Familien auf acht festgesetzt (Matrikelstellen). In der in diesem Jahr angelegten und bei Sterbefällen der Matrikelinhabern fortgeführten Liste werden folgende jüdische Familien genannt (in Klammer der Familienname). 

  1. Moises Veist Berggraber, geb. 1758, Schmuser; nach seinem Tod Moses Samson Rosenblatt, geb. 1777 in Fürstenforst, Handel mit optischen Waren.  
  2. Isaac Simon Fruchtler, geb. 1775, Schmuser; nach seinem Tod Jesaias Markstein, geb. 1805 in Fürstenforst, Seifenbacher, gest. vor 1813, den Matrikelplatz hatte noch seine Frau Fanny Markstein inne. 
  3. Bär Hirsch Gotthelf, geb. 1765, Handel mit optischen Gläsern; nach seinem Tod Isaac Uhlmann, geb. 1817 in Fürstenforst, Inh. einer Ökonomie.  
  4. Moises Löw Himbeer geb. 1747, Handel mit rohem Leder; nach seinem Tod Seligmann Massenbacher, geb. 1818, Buchbindermeister.  
  5. Joseph Abraham Löffler, geb. 1763, Handel mit Kleidern und optischen Gläsern; nach seinem Tod Salomon Sturm, geb. 1804, Inhaber einer Ökonomie.  
  6. Salomon Jesajas Markstein geb. 1772,  Handel mit alten Kleidern und Schmusen; nach seinem Tod und der Auswanderung der Witwe nach Amerika wurde die Stelle nicht neu besetzt.  
  7. Joel Simon Schiksal, geb. 1760, Handel mit optischen Geräten; nach seinem Tod Mattaeus Simon Schiksal, geb. 1797, Taglöhner.  
  8. Salomon Moisis Schlumper geb. 1770, dann Witwe Margern, weibliche Handarbeiter, Handel mit Bändern, Lumpen; sie tritt die Matrikel an ihren Sohn ab: Jacob Salomon Schlumper, geb. 1804, Taglöhner; nach seinem Tod wird die Stelle von seiner Witwe Caroline Schlumper eingenommen.  

Bereits früh begann die Abwanderung der jüdischen Familien. 1785 wird in Burghaslach Josua Jud genannt, der angibt, 1774 als ein ehemaliger Hochfürstlich Anspachischem Schuz auf dem Fürstenforst den herrschaftlichen Schutz gehabt zu haben. In der Mitte des 19. Jahrhunderts sind mehrere der Familien offenbar nach Amerika ausgewandert oder in andere Orte verzogen. Vermutlich gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts keine jüdischen Einwohner mehr am Ort.
   
An Einrichtungen bestanden nach Angaben von Schwierz "mit Sicherheit ein Betsaal, eine Schule und eine Mikwe". Doch wurden auf Grund der Nähe zu Burghaslach zumindest zeitweise auch die dortigen jüdischen Einrichtungen mitbenutzt. Aus den Jahren 1780-81 gibt des im Fürstlich Castell'schen Archiv Dokumente zu den "zwischen der Burghaslacher und Fürstenforster Judenschaft obwaltenden Streitigkeiten wegen des Schulengehens (= Synagogenbesuch) in Burghaslach". Die Toten der Gemeinde wurden seit der Zeit um 1700 auf dem jüdischen Friedhof in Aschbach beigesetzt, seit der Anlage des Friedhofes in Burghaslach 1775 auf diesem Friedhof. Die jüdische Gemeinde wurde dem Bezirksrabbinat Uehlfeld zugeteilt. 
   
Das Gebäude einer früheren "Judenschule" ist mit dem Gebäude Fürstenforst Nr. 19 bis heute erhalten. Eine hebräische Inschrift auf dem Dachboden weist darauf hin, dass sich hier früher ein Betraum befand. Möglicherweise war die "Judenschule" das frühere jüdische Gemeindezentrum mit Betsaal (Synagoge), Schule und Wohnung eines Lehrers/Vorbeters. Es dürfte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts benützt worden sein. Nach Auflösung der Gemeinde wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut und als solches verwendet.   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Fürstenforst gefunden.

    
    
    

Abbildungen    

Matrikelliste, angelegt 1813, 
fortgeführt bei Tod oder 
Wegzug des Matrikelinhabers
(Aus: Fleischmann, Mesusa 5 s. Lit. S. 76)
Fuerstenforst Gemeinde 01.jpg (57024 Byte)  
     
     
Die "Judenschule" 
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach) 
Fuerstenforst Schule 110.jpg (162919 Byte) Fuerstenforst Schule 111.jpg (179321 Byte)
  Das Gebäude der "Judenschule" zeigt als Besonderheit zwei 
nebeneinanderliegende Eingangstüren 
     
 Hinweis auf früheren Betsaal 
in der "Judenschule" 
(Foto: Schwierz, s.Lit. S. 168)
Fuerstenforst Schule 120.jpg (153628 Byte)  
  Hebräische Inschrift auf dem 
Dachboden der "Judenschule"  
 
     

     
      

Links und Literatur

Links:

Website der Marktgemeinde Burghaslach  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Burghaslach (interner Link)
Übersicht über die Akten und Urkunden zur Geschichte der Juden in der Grafschaft Castell im Fürstlich Castell'schen Archiv (zusammengestellt von Jesko Graf zu Dohna)

Literatur:  

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1992² S. 168.
Johann Fleischmann: Mesusa 2. Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Mühlhausen 2000. passim. 
ders.: Mesusa 3. Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Die jüdischen Friedhöfe von Zeckern usw. Mühlhausen 2002. passim. (insbesondere innerhalb der Abschnitte zu den jüdischen Friedhof in Aschbach und Burghaslach).
ders.: Mesusa 4. Lebensbeschreibungen und Schicksale. Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Mühlhausen 2004 passim.
ders.: Mesusa 5. Geschichtssplitter und Chronik der Familie Steinacher. Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. 2006. (insbesondere: Die Judenmatrikel von Fürstenforst. S. 75-77). 

     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 29. Juli 2016