Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Deidesheim (Kreis Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagogen

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Deidesheim (seit 1395 Stadt) bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Um 1309 zahlte die örtliche Judenschaft 9 Pfund Reichssteuer, ein relativ hoher Betrag. 1315 wurden die Juden der Stadt dem Bischof von Speyer verpfändet. Der Bischof war um 1340 bei einem Isaak von Deidesheim verschuldet und beglich diese Schulden 1341 und 1344 durch Anweisungen auf ihm zustehende Einkünfte. Bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1349 wurden auch die Deidesheimer Juden ermordet.
  
Im 16. Jahrhundert bestand wiederum eine jüdische Gemeinde in der Stadt. 1532 wird eine "Judenschule" erwähnt. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts werden sieben jüdische Haushaltungen aufgezählt (1686). 
  
Im 18. Jahrhundert waren nur wenige Familien in der Stadt (1787 vier Familien, zusammen 21 Personen). 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 30 jüdische Einwohner (2,3 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 32 (2,2 %), 1817 48, 1825 53 (2,3 %), 1848 95 jüdische Einwohner in 17 Familien, 1875 47, 1900 40.  
 
1809/10 werden an jüdischen Haushaltsvorstehern genannt: Bella Feist Witwe (Mehlhändlerin), Benjamin Hirsch (Tuchhändler), Joseph Löb (Gebrauchtwarenhändler), Jacob Reinach (auch Reinhard, Kolonialwarenhändler). 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Zahl der Gemeindeglieder wie auch die Zahl der zu unterrichtenden Kinder stark zurückgegangen war, bemühte sich die Gemeinde noch um Anstellung eines pensionierten Lehrers mit bescheidenen Gehaltsansprüchen (s.u. Ausschreibungen von 1893 und 1904).  Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal
 
Um 1925
, als nur noch 12 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (0,5 % der Einwohnerschaft von ca. 2.300 Personen) waren die Gemeindevorsteher die Herren M. Morgenthau, A. Reinach und Winter. Um 1932 war erster Vorsitzender weiterhin M. Morgenthau, als Schriftführer zeichnete W. Reinach. Jüdischen Religionsunterricht erhielt damals noch ein Kind.
   
Nach Beginn der NS-Zeit nahm die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder weiter ab. 1934 wurden 13, 1937/38 nur noch fünf jüdische Einwohner gezählt. Die letzten drei wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Eine Frau konnte nach dem Krieg wieder zurückkehren. 
    
Von den in Deidesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945": Oswald Hugo Feis (1872), Hannchen Friedheim geb. Kiefe (1872), Maximilian Hirsch (1871), Sofie Kopilowitz geb. Fritz (1884), Helene Karolina Krämer geb. Reinach (1901), Frieda Morgenthau geb. Marum (1873), Adolf Reinach (1865), Max Reinach (1897).
       
     
      

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1893 / 1904

DeidesheimIsraelit 11051893.jpg (35001 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1893: "Ein lediger oder pensionierter Lehrer wird für den Religionsunterricht, Vorbeter- und Schächterdienst gesucht. - Nebst freier Wohnung beträgt der fixe Gehalt Mark 700 - wahrscheinlich auch Mark 1.000 - ohne Nebenverdienste. Offerten mit Zeugnis-Kopien sind zu richten an den Vorstand der israelitischen Gemeinde in Deidesheim (Pfalz)."
   
Deidesheim Israelit 23121897.jpg (46352 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1897: "Die in hiesiger Gemeinde frei gewordene Stelle als Religionslehrer, Vorbeter und Schächter ist sofort, eventuell bald neu zu besetzen. Gehalt 500 Mark, Nebenverdienst 300 Mark, sowie freie Wohnung. Geeignete Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnisabschriften an den Vorstand gelangen lassen.  Leopold Reinach, Deidesheim (Pfalz)."   
   
Deidesheim Israelit 10101904.jpg (42077 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1904: "Die israelitische Kultusgemeinde Deidesheim sucht einen Herrn als Vorbeter mit Berechtigung zum Unterricht, am liebsten pensionierten Lehrer unter bescheidenen Ansprüchen. Offerten mit Angabe des Gehalts unter 5949 an die Geschäftsstelle dieses Blattes."

   
   
   

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge

Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden. Zu ihr gehörten ein Hof, ein Garten und dazugehörige Einrichtungen. Sie lag neben dem bischöflichen Schloss auf dem Dorfplatz. Nach der Ermordung der Juden während der Pestzeit schenkte Bischof Gerhard am 26. August 1349 die "ehemalige" Synagoge nebst Zubehör dem St. Guidostift. 
 
Als im 16. Jahrhundert wiederum eine Gemeinde entstand, hat auch diese eine Synagoge ("Judenschule", 1532 genannt) einrichten können. Diese stand in der Judengasse, der heutigen nördlichen Weinstraße. Im 17. Jahrhundert war die Synagoge im Zentrum der Stadt. Damals hatten die jüdischen Familien einige der besseren Häuser in der Nähe des Kirche gemietet. Die Synagoge lag im Hof beziehungsweise in einem Hintergebäude zum Haus Marktplatz 4. Sie wurde bis 1852 genutzt und befand sich damals in höchst baufälligem Zustand und musste baupolizeilich geschlossen werden. Der im oberen Stockwerk befindliche Betsaal hatte eine Größe von 63 qm. 
 
Auf Grund der erfolgten Schließung des bisherigen Betsaales tauschte die jüdische Gemeinde die Synagoge samt dem Grundstück gegen einen Garten im Burggraben, kaufte ein daneben befindliches Grundstück und errichtete hier 1853/54 eine neue Synagoge. Mehrfach waren Renovierungen erforderlich, insbesondere 1905 und 1926. Auf Grund der nach 1933 nur noch wenigen jüdischen Einwohner wurde die Synagoge verkauft. Ein Fuhrunternehmer kaufte das Gebäude für 4.500 RM, um sie als Garage und Lagerhalle zu nutzen. Im Eingangsbereich wurde ein großes Tor herausgebrochen, die Fenster verkürzt, die Toranische vermauert. 
 
1987 wurde die ehemalige Synagoge unter Denkmalschutz gestellt. 1992 erwarb die Stadt das Gebäude. Der 1994 gegründete "Freundeskreis ehemalige Deidesheimer Synagoge e.V." hatte das Ziel der Wiederherstellung und würdevollen Nutzung des Gebäudes. Die Renovierung und Neugestaltung des Vorplatzes wurde 2004 angeschlossen. Am 2. Mai 2004 erfolgt die Einweihung als "Kulturhaus am Schlosspark". 

Adressen/Standorte der Synagogen

Die mittelalterliche Synagoge stand neben dem bischöflichen Schloss 
die "Judenschule" des 16. Jahrhunderts war in der ehemaligen "Judengasse" (heute nördliche Weinstraße) 
Im Hinterhof zum Marktplatz 4 war bis 1852 die alte Synagoge
In der Bahnhofstraße 19 steht die heute wieder restaurierte Synagoge von 1953/54.

    
Fotos / Darstellungen

Jüdische Geschichte im 16./17. Jahrhundert Deidesheim Stadt 100.jpg (62294 Byte) Deidesheim Synagoge 200.jpg (56800 Byte)
   Die heutige nördliche Weinstraße, frühere "Judengasse" Das Gebäude Marktplatz 4: im Hinterhof stand die Synagoge bis 1852
     
Einzige historische Aufnahme der Synagoge Deidesheim Synagoge 001.jpg (42629 Byte)
   Blick in den Innenraum der Synagoge um 1900; das Foto zeigt zwei Bankreihen zu Seiten des Mittelgangs.
   
Die ehemalige Synagoge als Garage und Lager bis 1992. Deidesheim Synagoge 021.jpg (59162 Byte) Deidesheim Synagoge 020.jpg (69939 Byte)
Im Eingangsbereich befand sich ein Garagentor Die ehemalige Synagoge vor der Restaurierung
          
Die Synagoge nach abgeschlossener Renovierung  
Deidesheim Synagoge 102.jpg (75170 Byte) Deidesheim Synagoge 103.jpg (73285 Byte) Deidesheim Synagoge 100.jpg (72309 Byte)
Blick auf die restaurierte ehemalige Synagoge  
   
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Hinweistafel Das Eingangstor Kleine Nische, möglicherweise Platz der Zedaka-Büchse (Spendenbüchse)
     
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Blick in den ehemaligen Betsaal; links Blick nach Osten. In der ersten Farbfassung (1853/54) waren die Wandflächen mit blaugrünem Abschlussband hellgrün gestrichen
   
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Der Sandsteinfußboden wurde unter Verwendung der wenigen noch brauchbaren alten Platten restauriert. Veranstaltung am 6. November 2005: Eröffnung der Ausstellung "Juden in der Nordpfalz" durch Herbert H.W. Metzger (Hg. von www.judeninmutterstadt.org)  

    

Zielsetzung des Freundeskreises ehemalige Deidesheimer Synagoge: Der Freundeskreis ehemalige Deidesheimer Synagoge e.V. ist ein Zusammenschluss von Personen, die die Erhaltung, Sanierung und kulturelle Nutzung des Gebäudes der ehemaligen Synagoge zum Ziel haben. In einer Zeit, in der Rechtsradikalismus, Gewalt und Hass gegen Menschen anderer Hautfarbe, Rasse, Herkunft und Religion nicht nur im Verborgenen um sich greifen, sondern offen zutage treten, sehen es die Mitglieder des Vereins als mitbürgerliche Aufgabe und demokratische Pflicht an, ein Zeichen für Toleranz, Versöhnung und Offenheit zu setzen. Zu den Aufgaben des Vereins gehört es, die Stadt Deidesheim als Eigentümerin des Gebäudes in ihren Bemühungen zu unterstützen, das Gebäude der ehemaligen Synagoge zu erhalten, zu sanieren und es für kulturelle Veranstaltungen, die dem Geist des Gebäudes nicht widersprechen, den Bürgern zur Verfügung zu stellen.

      
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Deidesheim mit Seite zur jüdischen Geschichte der Gemeinde   
Seite zum jüdischen Friedhof in Deidesheim (interner Link)  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 158. 
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 60.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 133-135 (mit weiteren Literaturangaben).  

  n.e.

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. November 2009