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"Synagogen im Kreis Bad Dürkheim"
Deidesheim (Kreis
Bad
Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagogen
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Deidesheim (seit 1395 Stadt) bestand eine jüdische
Gemeinde bereits im Mittelalter seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Um
1309 zahlte die
örtliche Judenschaft 9 Pfund Reichssteuer, ein relativ hoher Betrag. 1315
wurden die Juden der Stadt dem Bischof von Speyer verpfändet. Der Bischof war
um 1340 bei einem Isaak von Deidesheim verschuldet und beglich diese Schulden
1341 und 1344 durch Anweisungen auf ihm zustehende Einkünfte. Bei der
Judenverfolgung in der Pestzeit 1349 wurden auch die Deidesheimer Juden ermordet.
Im 16. Jahrhundert bestand wiederum eine jüdische Gemeinde in der Stadt. 1532
wird eine "Judenschule" erwähnt. In der 2. Hälfte des 17.
Jahrhunderts werden sieben jüdische Haushaltungen aufgezählt (1686).
Im 18.
Jahrhundert waren nur wenige Familien in der Stadt (1787 vier Familien,
zusammen 21 Personen).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1801 30 jüdische Einwohner (2,3 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808
32 (2,2 %), 1817 48, 1825 53 (2,3 %), 1848 95 jüdische Einwohner in 17 Familien, 1875 47, 1900
40.
1809/10 werden an jüdischen Haushaltsvorstehern genannt: Bella Feist
Witwe (Mehlhändlerin), Benjamin Hirsch (Tuchhändler), Joseph Löb
(Gebrauchtwarenhändler), Jacob Reinach (auch Reinhard,
Kolonialwarenhändler).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Ende des 19. und
Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Zahl der Gemeindeglieder wie auch die Zahl
der zu unterrichtenden Kinder stark zurückgegangen war, bemühte sich die
Gemeinde noch um Anstellung eines pensionierten Lehrers mit bescheidenen
Gehaltsansprüchen (s.u. Ausschreibungen von 1893 und 1904). Die
Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.
Um 1925, als nur noch 12
jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (0,5 % der Einwohnerschaft von ca.
2.300 Personen) waren die Gemeindevorsteher die Herren M. Morgenthau, A. Reinach
und Winter. Um 1932 war erster Vorsitzender weiterhin M. Morgenthau, als
Schriftführer zeichnete W. Reinach. Jüdischen Religionsunterricht erhielt
damals noch ein Kind.
Nach Beginn der NS-Zeit nahm die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder weiter
ab. 1934 wurden 13, 1937/38 nur noch fünf jüdische Einwohner gezählt. Die
letzten drei wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Eine Frau konnte nach dem Krieg
wieder zurückkehren.
Von den in Deidesheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945": Oswald Hugo Feis (1872), Hannchen Friedheim geb. Kiefe (1872), Maximilian Hirsch
(1871), Sofie Kopilowitz geb. Fritz (1884), Helene Karolina Krämer geb. Reinach
(1901), Frieda Morgenthau geb. Marum (1873),
Adolf Reinach (1865), Max Reinach (1897).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1893 /
1904
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1893: "Ein
lediger oder pensionierter Lehrer wird für den Religionsunterricht,
Vorbeter- und Schächterdienst gesucht. - Nebst freier Wohnung beträgt
der fixe Gehalt Mark 700 - wahrscheinlich auch Mark 1.000 - ohne
Nebenverdienste. Offerten mit Zeugnis-Kopien sind zu richten an den
Vorstand der israelitischen Gemeinde in Deidesheim (Pfalz)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1897:
"Die in hiesiger Gemeinde frei gewordene Stelle als Religionslehrer,
Vorbeter und Schächter ist sofort, eventuell bald neu zu besetzen.
Gehalt 500 Mark, Nebenverdienst 300 Mark, sowie freie Wohnung. Geeignete
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnisabschriften an den Vorstand
gelangen lassen. Leopold Reinach, Deidesheim
(Pfalz)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1904:
"Die israelitische Kultusgemeinde Deidesheim sucht einen Herrn als
Vorbeter mit Berechtigung zum Unterricht, am liebsten pensionierten Lehrer
unter bescheidenen Ansprüchen. Offerten mit Angabe des Gehalts unter 5949
an die Geschäftsstelle dieses Blattes." |
Zur Geschichte des
Betsaals / der Synagoge
Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden. Zu ihr gehörten ein Hof,
ein Garten und dazugehörige Einrichtungen. Sie lag neben dem bischöflichen
Schloss auf dem Dorfplatz. Nach der Ermordung der Juden während der Pestzeit
schenkte Bischof Gerhard am 26. August 1349 die "ehemalige" Synagoge
nebst Zubehör dem St. Guidostift.
Als im 16. Jahrhundert wiederum eine Gemeinde entstand, hat auch diese
eine Synagoge ("Judenschule", 1532 genannt) einrichten können. Diese
stand in der Judengasse, der heutigen nördlichen Weinstraße. Im 17.
Jahrhundert war die Synagoge im Zentrum der Stadt. Damals hatten die
jüdischen Familien einige der besseren Häuser in der Nähe des Kirche
gemietet. Die Synagoge lag im Hof beziehungsweise in einem Hintergebäude zum
Haus Marktplatz 4. Sie wurde bis 1852 genutzt und befand sich damals in höchst
baufälligem Zustand und musste baupolizeilich geschlossen werden. Der im oberen
Stockwerk befindliche Betsaal hatte eine Größe von 63 qm.
Auf Grund der erfolgten Schließung des bisherigen Betsaales tauschte die
jüdische Gemeinde die Synagoge samt dem Grundstück gegen einen Garten im
Burggraben, kaufte ein daneben befindliches Grundstück und errichtete hier 1853/54
eine neue Synagoge. Mehrfach waren Renovierungen erforderlich,
insbesondere 1905 und 1926. Auf Grund der nach 1933 nur noch wenigen jüdischen
Einwohner wurde die Synagoge verkauft. Ein Fuhrunternehmer kaufte das Gebäude
für 4.500 RM, um sie als Garage und Lagerhalle zu nutzen. Im Eingangsbereich
wurde ein großes Tor herausgebrochen, die Fenster verkürzt, die Toranische
vermauert.
1987 wurde die ehemalige Synagoge unter Denkmalschutz gestellt. 1992 erwarb die
Stadt das Gebäude. Der 1994 gegründete "Freundeskreis ehemalige
Deidesheimer Synagoge e.V." hatte das Ziel der Wiederherstellung und
würdevollen Nutzung des Gebäudes. Die Renovierung und Neugestaltung des
Vorplatzes wurde 2004 angeschlossen. Am 2. Mai 2004 erfolgt die
Einweihung als "Kulturhaus am Schlosspark".
Adressen/Standorte der Synagogen:
 | Die mittelalterliche Synagoge stand neben dem
bischöflichen Schloss |
 | die "Judenschule" des 16. Jahrhunderts war in der
ehemaligen "Judengasse" (heute nördliche Weinstraße) |
 | Im Hinterhof zum Marktplatz 4 war bis 1852 die alte
Synagoge |
 | In der Bahnhofstraße 19 steht die heute wieder
restaurierte Synagoge von 1953/54. |
Fotos / Darstellungen:
| Jüdische Geschichte im 16./17. Jahrhundert |
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Die heutige nördliche
Weinstraße, frühere "Judengasse" |
Das Gebäude Marktplatz 4: im
Hinterhof stand die Synagoge bis 1852 |
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| Einzige historische Aufnahme der Synagoge |
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Blick in den Innenraum der
Synagoge um 1900; das Foto zeigt zwei Bankreihen zu Seiten des
Mittelgangs. |
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| Die ehemalige Synagoge als Garage und
Lager bis 1992. |
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Im Eingangsbereich befand sich
ein Garagentor |
Die ehemalige Synagoge vor der
Restaurierung |
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| Die Synagoge nach
abgeschlossener Renovierung |
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| Blick auf die
restaurierte ehemalige Synagoge |
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| Hinweistafel |
Das Eingangstor |
Kleine Nische, möglicherweise
Platz der Zedaka-Büchse (Spendenbüchse) |
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| Blick in den ehemaligen
Betsaal; links Blick nach Osten. |
In der ersten Farbfassung
(1853/54) waren die Wandflächen mit blaugrünem Abschlussband hellgrün
gestrichen |
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| Der Sandsteinfußboden wurde
unter Verwendung der wenigen noch brauchbaren alten Platten restauriert. |
Veranstaltung am
6. November 2005: Eröffnung der Ausstellung "Juden in der
Nordpfalz" durch Herbert H.W. Metzger (Hg. von www.judeninmutterstadt.org) |
Zielsetzung des Freundeskreises ehemalige Deidesheimer
Synagoge: Der Freundeskreis ehemalige Deidesheimer Synagoge e.V. ist ein Zusammenschluss
von Personen, die die Erhaltung, Sanierung und kulturelle Nutzung des Gebäudes
der ehemaligen Synagoge zum Ziel haben. In einer Zeit, in der
Rechtsradikalismus, Gewalt und Hass gegen Menschen anderer Hautfarbe, Rasse,
Herkunft und Religion nicht nur im Verborgenen um sich greifen, sondern offen
zutage treten, sehen es die Mitglieder des Vereins als mitbürgerliche Aufgabe
und demokratische Pflicht an, ein Zeichen für Toleranz, Versöhnung und
Offenheit zu setzen. Zu den Aufgaben des Vereins gehört es, die Stadt
Deidesheim als Eigentümerin des Gebäudes in ihren Bemühungen zu unterstützen,
das Gebäude der ehemaligen Synagoge zu erhalten, zu sanieren und es für
kulturelle Veranstaltungen, die dem Geist des Gebäudes nicht widersprechen, den
Bürgern zur Verfügung zu stellen.
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 158. |
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 60. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 133-135 (mit weiteren Literaturangaben). |
n.e.

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