Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


Zurück zur Seite über die Jüdische Geschichte/Synagoge in Pirmasens    
  

Pirmasens (Kreisstadt, Rheinland-Pfalz)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Pirmasens wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Berichte ergänzt. Neueste Ergänzung vom 23.1.2016.  
    
    
Übersicht: 

Berichte zu den Beamten und Angestellten der Gemeinde  
Anzeige von Lehrer und I. Kantor Abraham Michel (1898)    
Erhöhung des Gehaltes des Kantors Markus Slodki (1901)  
Anzeige von Kantor Markus Slodki (1901)  
Auch in Pirmasens wird die Schächtung hängend vorgenommen (Mitteilung von Kantor Slodki 1901)     
Ausschreibung der Stelle(n) des Lehrers / Kantors und Schochet (1929)   
Hauptlehrer Julius Lamm wechselt von Rockenhausen nach Pirmasens (1930) 
7
0. Geburtstag von Oberlehrer Abraham Michel (1934, von 1891 bis 1930 Lehrer in Pirmasens)     
Ausschreibung der Synagogendiener-(Schamasch-)Stelle 1901   
Berichte aus dem Bezirksrabbinat  
Über die Entstehung des Rabbinates in Pirmasens und den ersten Rabbiner Jakob Israel Beiersdorf (Beitrag von Gerhard Heinrich Klesmann, 2009) 
Die Gemeinde ist mit Rabbiner Dr. Meyer zufrieden (1904)   
Verlegung des Sitzes des Bezirksrabbinats Zweibrücken nach Pirmasens (1911)   
Zum Tod von Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer (1930)    
Einzelne Meldungen aus der Gemeinde    
Nichtberücksichtigung jüdischer Einwohner für bürgerliche Ehrenämter (1879)  
Kinderfest des israelitischen Kasinos an Purim 1887   
D
er Unterstützungsverein der jüdischen Gemeinde spendet zu Kriegsbeginn (1914)  
In Pirmasens besteht noch einer der letzten jüdischen Schulen der Pfalz (1936)  
Auch die jüdischen Kinder aus Rodalben besuchen die jüdische Schule in Pirmasens (1938) 
Berichte zu einzelnen Gemeindegliedern  
Zum Tod von Julius Schohl II (1896)   
Zum Tod von Abraham Cahn (1897)  
Bitte um Spenden für eine arme Braut (1900)  
Zum Tod von Samuel Kahn I (1901)    
Zum Tod von Caroline Drechsler, Frau des Vorstehers von Jakob Drechsler (1902)   
Zum Tod von Julius Schohl I aus Pirmasens (gest. in Badenweiler 1902)  
Max Dreyfus: deutscher Meister, Europameister und Weltmeister im Boxen (Mittelgewicht) - Artikel von 1913 
Kriegsauszeichnung für den jüdischen Leutnant Ludwig Levy (1918)   
Zum Tod von Fabrikant Moritz Neu, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde (1927)   
Zum Tod von Kaufmann Hans Kuhn, Offizier des Ersten Weltkrieges (1935) 
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabstein für Emil Scheuer in Gurs  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Köchin von Kantor Markus Slodki gesucht (1900)  
Anzeige der Schuhbesatzfabrik J. Wolfsheimer (1903)   
Haushaltshilfe und Kinderbetreuerin gesucht (1904)  
A
nzeige von Adolf Roos (1905)  
H
ochzeitsanzeige von Siegfried Maier und Siddy geb. Baer (1924)   
Anzeigen von Fischel Markdorf (1925 / 1926)  
Verlobungsanzeige von Steffy Baer und Walter Schestowitz (1928)  
Nach der Emigration: Hochzeitsanzeige von Bella Strauss und John H. Lamm (1944)  

   
   
Berichte zu den Beamten und Angestellten der Gemeinde   
Anzeige von Lehrer und I. Kantor Abraham Michel (1898) 
Anmerkung: Abraham Michel war von 1891 (als Nachfolger von Lehrer Nathan) bis 1930 - fast 40 Jahre lang - Leiter der Israelitischen Volksschule, zugleich Erster Lehrer (Oberlehrer) der Gemeinde.      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Knaben, welche höhere Lehranstalten, Progymnasium oder Realschule mit Einjährigen-Berechtigung zu Pirmasens besuchen wollen, finden liebevolle Verpflegung, Beaufsichtigung und Nachhilfe bei 
A. Michel,
Lehrer und I. Kantor, Pirmasens (Pfalz)."     

  
Erhöhung des Gehaltes des Kantors Markus Slodki (1901)  
Anmerkung: Markus Slodki war seit 1896 Kantor der jüdischen Gemeinde Pirmasens. Seit 1914 wohnte er mit seiner Frau Berta geb. Levi (aus Walldorf) im Haus Zweibrücker Straße 40. Die beiden hatten zwei Kinder Else und Walter. Markus Slodki starb 1939 in Pirmasens an einer Krebserkrankung und wurde im jüdischen Friedhof (Waldfriedhof) beigesetzt. Seine Frau wurde am 29. November 1941 in das Ghetto Riga (Lager Jungfernhof) deportiert und ist umgekommen. Die Kinder Else und Walter konnten 1939 in die USA emigrieren..  
Ergänzend zu Walter Slodki: Walter Josef Slodki besuchte das jetzige Leibniz-Gymnasium in Pirmasens (Abitur 1930). Er war Mitglied im Sportverein TUS Pirmasens (um zur ITUS). Außerdem war er unter anderem im Gabelsberger Stenographenverein aktiv. Nach dem Schulabschluss arbeitete er bei der Schön- und Die-Gmbh, einer Schuhfabrik; 1937 leitete er noch eine Berliner Werkzeugmaschinenfabrik. 1939 emigrierte er über England nach New York. Während des Krieges wurde Slodki als amerikanischer Soldat eingesetzt. Um die große Not der unmittelbaren Nachkriegszeit lindern zu helfen, schickte er viele Carepakete nach Pirmasens. Er war in den USA in einer Schuhmaschinenfirma tätig. Bei der 2. Pirmasener Maschinenmesse 1953 besuchte er nach 14 Jahre wieder Pirmasens. 1967 war er Referent im Rahmen der Schuhledermesse. Seit 1966 gibt es am Leibniz-Gymnasium in Pirmasens den Slodkipreis für das beste Abitur. Walter Slodkis letzte große Tat war die Übergabe einer Spende von 2.000 DM für die Begrünung von Pirmasens; er wurde in Pirmasens mehrfach geehrt und ausgezeichnet. Walter - der 2012 noch seinen 98. Geburtstag feiern konnte und im Januar 2013 starb - war verheiratet mit seiner aus Wien stammenden Frau Charlotte (lebt 2016 noch in den USA).     

Pirmasens Israelit 18021901.jpg (36024 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1901: "Pirmasens, 15. Februar (1901). Eine tolerante Gemeinde ist die hiesige jüdische Kultusgemeinde, die ihrem Synagogen-Kantor, Herrn Slodki, während seiner fünfjährigen hiesigen Amtstätigkeit nicht weniger als bereits zum dritten Male seinen Gehalt bedeutend erhöht hat. Ein Zeichen, welcher Beliebtheit sich Herr Slodki in hiesiger Gemeinde erfreut. Mögen auch andere Gemeinden diesem Beispiel folgen."

    
Anzeige von Kantor Markus Slodki (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1901: "Heirat
Für ein junges, hübsches Mädchen, aus achtbarer Familie aus dem Rheinland, 26 Jahre alt, Mitgift 5.000 Mark und Aussteuer, suche passende Partie. Junge Leute, Metzger oder Viehhändler, die sich selbständig machen wollen, bietet sich gute Gelegenheit. Junger Witwer ohne Kind nicht ausgeschlossen. Diskretion Ehrensache. Offerten sind zu richten an 
Kantor M. Slodky, Pirmasens, Rheinpfalz."   

   
Auch in Pirmasens wird die Schächtung hängend vorgenommen (Mitteilung von Kantor Slodki 1901)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901: "Pirmasens, 2. August (1901). Geehrter Herr Redakteur! Auf die Anfrage des Herrn A. Rosenblatt, Memmingen im Israelit vom 1. dieses Monats (Juli) wollen sie bitte berichten, dass das Schächten der Kälber auch im hiesigen öffentlichen Schlachthause hängend vorgenommen wird. 
Kantor M. Slodki."    

   
Ausschreibung der Stelle(n) des Lehrers / Kantors und Schochet (1929)  

Pirmasens BayrGZ 15081929.jpg (43798 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1929: "Bekanntmachung
Die israelitische Volksschullehrerstelle in Pirmasens ist durch die Inruhestandsetzung des bisherigen Stelleninhabers erledigt und soll mit einem den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden Bewerber wieder besetzt werden. Ich lade hiermit zur Bewerbung um die Stelle ein. Mit der Stelle soll neben den gesetzlichen Bezügen als Volksschullehrer das Hilfskantorat verbunden werden, außerdem kann der Religionsunterricht an den Mittelschulen in Aussicht gestellt werden. Bewerbungen um die Lehrerstelle sind an die Regierung der Pfalz, Kammer des Innern, in Speyer  zu richten. 
Pirmasens, den 31. Juli 1929. 
Der 1. Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde: gez. Karl Dreifuß
".

 
Hauptlehrer Julius Lamm wechselt von Rockenhausen nach Pirmasens (1930)   

Rockenhausen BayrGZ 01051930.jpg (53972 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1930: "Rockenhausen (Rheinpfalz). Nach nahezu sechsjähriger Tätigkeit verlässt in den nächsten Tagen der Lehrer und Kantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Hauptlehrer Lamm, Rockenhausen, um seiner von der Regierung der Pfalz ergangenen Berufung als Lehrer der israelitischen Volksschule Pirmasens, zu folgen. Herr Hauptlehrer Lamm hat es verstanden, sich während seiner hiesigen Tätigkeit die Achtung und Anerkennung der Gemeinde, sowohl als Lehrer der hiesigen Volksschule wie auch als Kantor zu erwerben. Wir bedauern seinen Wegzug und wünschen ihm und den Seinen für sein künftiges Wirken Glück und Segen."
   
Rockenhausen BayrGZ 15031930.jpg (17574 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1930: "Kollege Berlinger (München) wurde am 1. Februar zum Hauptlehrer befördert. Die Volksschullehrerstelle Pirmasens wurde dem Hauptlehrer Lamm (Rockenhausen) übertragen."

   
70. Geburtstag von Oberlehrer Abraham Michel (1934, von 1891 bis 1930 Lehrer in Pirmasens)    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1934: "Pirmasens. Am Sonntag, den 3. Juni (1934), vollendet Herr Oberlehrer A. Michel in geistiger und körperlicher Frische sein 70. Lebensjahr. Fast fünf Jahrzehnte hat der Jubilar als Volksschullehrer in Diensten des bayerischen Staates und der pfälzischen Judenheit gestanden. Vierzig Jahre hindurch bis zu seiner vor vier Jahren erfolgten Pensionierung hat Herr Oberlehrer Michel die hiesige israelitische Volksschule geleitet und zugleich den Dienst des Kantors in der israelitischen Kultusgemeinde versehen. Durch seine gewissenhafte Amtsführung und treueste Pflichterfüllung sowie durch sein würdevolles Auftreten hat es sich die Anerkennung der vorgesetzten Behörden und die höchste Wertschätzung in allen Kreisen der Gemeinde und der Bürgerschaft erworben. Wir wünschen dem verehrten Jubilar noch einen recht langen gesegneten Lebensabend."        

  
Ausschreibung der Synagogendiener-(Schamasch-)Stelle 1901
  

Pirmasens Israelit 17011901.jpg (78210 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1901: "Schamasch-Stelle. In hiesiger Kultusgemeinde ist per sofort die Stelle eines Synagogendieners bei einem festen Gehalt von 500 Mark nebst 4-500 Mark Vergütung als Vereinsdiener und sonstigen Nebeneinkünfte zu besetzen. Reflektiert wird auf einen Privatmanne, der energisch und tüchtig ist, der auch hauptsächlich für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Synagoge zu sorgen hat, im Alter von 30-35 Jahren. Reflektierende, im Besitze der deutschen Staatsangehörigkeit, wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse alsbald bei dem unterfertigten Vorstande melden. Reisevergütung erhält derjenige, dem die Stelle übertragen wird. Pirmasens (Pfalz), 14. Januar. 
Jakob Drechsler,
  Synagogen-Vorstand."

   
   
Berichte aus dem Bezirksrabbinat  
Über die Entstehung des Rabbinates in Pirmasens und den ersten Rabbiner Jakob Israel Beiersdorf (1759-1831, Rabbiner in Pirmasens von 1785-1826)   

Hierzu einige Angaben von Gerhard Heinrich Klesmann, Pirmasens (mitgeteilt am 16.12.2009): Die Beiersdorfs (auch in den Schreibweisen Beyersdorf, Baiersdorf) waren eine alteingesessene jüdische Pirmasenser Familie. Jakob Israel Beiersdorf, der erste Rabbiner in Pirmasens, wurde am 22. Dezember 1759 in Baiersdorf bei Nürnberg geboren und war seit August 1785 in Pirmasens ansässig. Der Familienüberlieferung nach verdankte er seine Rabbinerposition der Fürsprache einflussreicher Verwandtschaft, wie ein Tagebuch des Enkels von Rabbiner Beiersdorf festhielt: 'Euer Urgroßvater Rabbiner Israel Beiersdorf studierte so wie Amschel Rothschild von Frankfurt Theologie in Fürth. Durch diesen wurde er bekannt mit Rosette Alexander (ebenfalls von Frankfurt, siehe Anmerkung 2 unten), der Cousine von Amschel Rothschild, und heiratete sie. Durch den Einfluss Rothschilds bekam er die Rabbinerstelle in Pirmasens, wo ihm zu Ehren Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt das Haus erbauen ließ, das wir früher bewohnten (Anmerkung 1 unten). Wie bekannt, waren mein Großvater und die Großmutter hoffähig, denn wenn immer die Fürstin, die in Buchsweiler vorzog zu wohnen, hierher nach der Residenz kam, wurden sie zum Besuch ins Schloss eingeladen. Wie mir die Großmutter erzählte, hegte der Landgraf eines Tages den Wunsch, in deren Sukka (Laubhütte) zu speisen, was auch geschah.'
Rabbiner Jakob Beiersdorf blieb bis Ende des Jahres 1826 im Amt, im Januar 1827 wird Aaron Kohn Merz neuer Rabbiner in Pirmasens und verpflichtet sich, an seinen Vorgänger Beiersdorf bis zu dessen Ableben einen jährlichen 'Sustentations - Beitrag von fünfzig Gulden abzugeben'. 
Jakob Beiersdorf scheint ein recht wohlhabender Mann gewesen zu sein, auch wenn im Juli 1830 sein ganzes Vermögen mit nur 100 Gulden angegeben und er als 'unzahlfähig' bezeichnet wird. Wahrscheinlich hat er sein Vermögen schon Jahre zuvor seinem 1795 geborenen Sohn Judas Beiersdorf, einem Tuchhändler und Spezereikrämer übertragen, der 1830 mit 4800 Gulden zu den drei vermögensten Mitgliedern der Kultusgemeinde zählt. Bezirksrabbiner Jakob Beiersdorf ist am 27. Juni 1831 im Alter von 90 Jahren und 11 Monaten gestorben. 
Um seine Nachlassenschaft kümmerte sich der Ackersmann Heinrich Baer als 'Curator' und versteigerte den Nachlass am 14. Mai 1832 öffentlich. Neben dem normalen Hausrat kommen auch Objekte unter den Hammer, die an die frühere Tätigkeit als Rabbiner erinnern: ' 1 kleiner Schreibpult, (...), eine messingne Oellampe samt der Hohle, eine silberne Sackuhr (...), 1 Kiste mit 135 Stück hebräische Bücher, (...) in der dahiesigen Synagoge eine Thora auf Pergament-Rollen und ein eigener Platz sammt dem dazu gehörigen Frauenplatz'. 
Jakob Israel Beiersdorf war mit Rosetta geb. Alexander (geb. 1763, Anmerkung 2 unten) verheiratet. Sie starb 15 Jahre nach ihrem Mann, am 24. März 1846 und ist auf dem alten jüdischen Friedhof in der Dankelsbach in Pirmasens beerdigt. Die Inschrift auf ihrem Grabstein lautet: ' Rosette Alexander, Witfrau von Jacob Bayersdorf, Rabbiner in Pirmasens, gestorben im 83. Lebensjahre, den 24. März 1846. F.S.I.A.'  Das Grabmal ist heute noch erhalten.
Sohn Judas Beiersdorf (geb. 1793, gest. 4.2.1865), von Beruf Tuchhändler und Spezereikrämer, heiratete Johanna Keim (geb. 1801, gest.13.3.1843). 
  
Anmerkung 1:  Das Rabbinatshaus Alleestrasse 4 soll zusammen mit dem Schloss und der Exerzierhalle von den Franzosen zerstört worden sein. Später wurde an dieser Stelle das Gasthaus "Zur Burg" errichtet.
Anmerkung 2: Ihr Vater war Salomon Alexander, der nach dem Steuerregister von 1788 zu den vermögensten Juden in Pirmasens zählte. Nach dem Tod des Landgrafen 1790 und dem durch Verlegung der Residenz nach Darmstadt und den kriegerischen Ereignissen im Gefolge der Französischen Revolution einhergehenden ökonomischen Niedergang von Pirmasens, verarmte auch Salomon Alexander zusehends. Als sich das 'Tribunal Correctionel' Saarbrücken im Jahre 1800 in Pirmasens nach dem Aufenthaltsort und den Vermögensumständen Salomon Alexanders erkundigt, erfährt man dort, 'dass vor dem Krieg ein HandelsJud Nahmens Salomon Alexander hier in Pirmasens gewohnt, damals aber schon durch misslungene Händel in Rückstand gekommen, sich im 1793 Jahr von hier nach Franckfurth geflüchtet und daselbst gestorben ist, er hat drey Töchter hinterlassen, wovon eine in F’furth verheurathet und in gute VermögensUmstände seyn soll, die andere in Edesheim, die aber so wie die dritte, welche an den hiesigen Rabbiner verheurathet ist, in dürftigen Umständen ist. Hier haben die Erben noch ein ziemlich großes Hauß stehn, welches aber durch den Krieg sehr ruinirt worden und dermahlen unbewohnbar ist' . In diesem Alexander’schen Anwesen befand sich 1770 die Synagoge

Pirmasens Tuerinschrift 010.jpg (72886 Byte)Hinweis (nach Angaben von Gerhard Heinrich Klesmann): die Nachkommen von Rabbiner Jakob Beiersdorf und von seinem Sohn Judas Beiersdorf lebten noch mehrere Generationen in Pirmasens:
Die Abbildung links zeigt: "1838 - In der Allee: Türinschrift am Wohnhaus des Handelsmannes Judas Beiersdorf";  aus dem Buch von Oskar Schäfer: Pirmasenser Chronik - Gassennamen und Hausinschriften. Pirmasens 1927 S. 69.    
Der Enkel des Rabbiners: August Isaak Beiersdorf wird 1899 (Adressbuch der Stadt Pirmasens) als Essighändler in der Alleestraße 16 genannt; seine Söhne Albert, Arthur, Gustav, Jakob und Ludwig werden im selben Adressbuch alle als Buchhalter genannt.  
Die Urenkeln des Rabbiners: Albert Beiersdorf starb natürlichen Todes am 20.10.1936 in Pirmasens; Gustav und Arthur Beiersdorf kamen nach 1939 in Konzentrationslagern ums Leben; Ludwig Beiersdorf wurde zusammen mit Ehefrau Berth geb. Schneider - aus Straßburg stammend - am 12.3.1943 von der Gestapo in Berlin verhaftet, zum Bahnhof Putlitzerstraße gebracht und anschließend mit dem 36. Deportationszug (insgesamt 941 Insassen) in das LZ Auschwitz transportiert, wo beide auf Grund ihres Alters und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeit kurz nach der Ankunft ermordet wurden. 

           
Die Gemeinde ist mit Rabbiner Dr. Meyer zufrieden (1904)   

Pirmasens Israelit 28071904.jpg (88391 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1904: "Pirmasens, 26. Juli. Dieser Tage fand im Rathaussaale die von der königlichen Regierung einberufene Versammlung der Mitglieder der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde statt, welche zu dem von Zweibrücken ausgehenden Antrag auf Amtsenthebung des Bezirksrabbiners Dr. Meyer Stellung nehmen sollte. Dieselbe war gut besucht. Die Versammlung gab, wie die ‚Pirmasenser Zeitung’ berichtet, ihre Zufriedenheit mit der Amtsführung des Herrn Dr. Meyer warmen Ausdruck und beauftragte ihren Vertrauensmann, Herrn Schuhfabrikaten Karl Wolff, in diesem Sinne zu wirken."

  
Verlegung des Sitzes des Bezirksrabbinats Zweibrücken nach Pirmasens (1911)  

Pirmasens AZJ 20101911.jpg (54381 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1911: "Durch Entschließung der Königlichen Regierung der Pfalz vom 14. September Nr. 29 750 T ist der Sitz des Rabbinatsbezirks Zweibrücken nach Pirmasens verlegt worden. Die Zuständigkeit des Rabbiners sowie die Zugehörigkeit der israelitischen Kultusgemeinde Zweibrücken zum Rabbinat und die Aufsicht über die dortigen Kultusinstitutionen und Kultusdiener bleiben ausdrücklich aufrechterhalten. Hiermit sind die zehnjährigen Differenzen in befriedigender Weise erledigt."
    
Pirmasens Israelit 05101911.jpg (22701 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1911. "Pirmasens, 13. September (1911). Die Verlegung des Bezirksrabbinatssitzes von Zweibrücken nach Pirmasens ist jetzt durch die Regierung verfügt worden. Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer wird jetzt seinen Wohnsitz in Pirmasens nehmen."

    
Zum Tod von Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer (1930)   

Pirmasens BayrGZ 15051930.jpg (301268 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1930: "Zum Heimgang des Bezirksrabbiners Dr. Eugen Meyer in Pirmasens. Von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, Bad Dürkheim.  
Der Rabbinatsbezirk Pirmasens und darüber hinaus das pfälzische Judentum hat soeben einen sehr schmerzlichen Verlust erlitten. Am Isru chag Pessach ist Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer (Pirmasens), geboren in Ingenheim bei Landau im Jahre 1867, seit 1899 im Rabbinatsbezirk Zweibrücken - Pirmasens tätig (Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer war auch zu Beginn seiner Amtierungszeit Verweser des Münchener Rabbinats), auf der Reihe nach Bad Nauheim, wo er Erholung suchte, einem Herzschlag erlegen. Kaum vierundzwanzig Stunden zuvor hatte er noch beim Festgottesdienst des letzten Pessachtages zur Gemeinde seines Sitzes Pirmasens gesprochen und, wie er es so oft tat, durch eine Predigt zur Erhöhung der Festandacht beigetragen. Aufs ergreifendste hat sich also hier das Wort des Patriarchen Jakob bestätigt, das er jenem göttlichen Wesen zugerufen, mit dem er die Nacht hindurch gerungen. Lo aschallechacho ki im berachtoni 'Ich lasse Dich nicht, Du habest mich denn gesegnet'. Ja, seine Gemeinde nahm nicht von ihm Abschied, bevor sie nicht noch einmal von ihm gesegnet worden war, bevor ihr nicht noch einmal jene religiöse Belehrung zuteil geworden, die er Jahrzehnte hindurch dank seiner glänzenden Beredsamkeit, die ihren Eindruck nie verfehlte und alle Zuhörer begeisterte und mit fortriss, in ganz hervorragendem Maße zu übermitteln vermochte. Wajehi jodow emunoh ad bo haschomesch 'Seine Hände hielten in Treue aus bis Sonnenuntergang'.     
Ein sehr treffendes und anschauliches Bild von ihm und seinem Wirken hat an seiner Bahre vor einer überaus großen Trauergemeinde Bezirksrabbiner Dr. Einstein (Landau) entworfen und die Individualität des heimgegangenen Freundes recht plastisch vor unser Auge treten lassen. Auch widmete er ihm im Auftrage der Bayerischen Rabbinerkonferenz herzliche Abschiedsworte.   
Sein Leben und Schaffen brachten uns auch die anderen Nachrufe nahe, die Worte treuen Gedenkens, die ihm vom Rabbinatsbezirk Pirmasens durch das Mitglied des Synagogenrats der israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens, Moritz Mayer, vom Verbande der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz durch Kommerzienrat Albert Joseph, vom jüdischen Jugendbund in Pirmasens durch dessen Vorstand, von einem Vertreter der ostjüdischen Gemeindemitglieder und einem Mitglied der sozialdemokratischen Partei gewidmet wurden. die vielen Worte der Anerkennung und Würdigung priesen insbesondere die Güte seines Herzens, seine nie versagende Hilfsbereitschaft, sein mutvolles und tapferes Eintreten für das, was er als wahr und recht erkannt hatte.   
Tief bewegt waren alle, die Dr. Eugen Meyer die letzte Ehre erwiesen, als einer seiner Söhne vor dem offenen Grabe von seinem Vater Abschied nahm,, ihm wundervolle Worte kindlicher Pietät nachrief, dem Schmerze darüber Ausdruck verlieh, dass die Hände des geliebten Vaters sich nun nicht mehr segnend auf die Häupter seiner Kinder breiten können.  
Kindliche Pietät hatte der Verblichene seinen Kindern schon vorgelebt. Um auch in irdischem Sinne mit seinen Eltern, an denen er immer mit herzlicher Liebe gehangen, wieder vereint zu sein, hatte er angeordnet, dass er auch dem Friedhof seines Geburtsortes Ingenheim bei Landau an der Seite seiner Eltern bestattet werde, wo er nun ausruht von seinem kampfreichen Leben - - -
Ja, er hat nun ausgekämpft - der Friede des jom schekullo schabbat, des ewigen Sabbattages, ist nun eingekehrt auch in seine Seele, die oft so ruhelos war, so lange sie noch mit ihrem Körper verbunden war - ein wahrhaft versöhnender und aufrichtender Gedanke für seinen Familienkreis, für seine schmerzgebeugte Gattin, seine wehmuterfüllten Kinder, für alle, die ihm nahe gestanden, die tief bestürzt waren, als sie von seinem so jäh erfolgten Heimgang hörten. 
Das, was an ihm irdisch ist, ist nun unserem leiblichen Auge für immer entrückt. Aber sein liebes Bild lebt fort in unseren Herzen übers Grab hinaus nach der Verheißung aus dem Danielbuche: Wehamaschkilim jashiro hksohar horokia umazidke horrabim kakochowim heolom woed - 'Die Verständigen werden glänzen wie der Ganz der Himmels und die, welche viele zum Heile geführt, wie die Sterne auf immer und ewig.' - - -    
Am 4. Mai fand in der Synagoge zu Pirmasens eine Trauerfeier für den Heimgegangenen statt, bei der Bezirksrabbiner Dr. Baron (Kaiserslautern) die Gedächtnisrede hielt und Kultusvorstand Dreyfuß (Pirmasens) dem Verewigten einen Nachruf widmete."   
      
Ingenheim Friedhof 115.jpg (67057 Byte)  
Grabstein für Dr. Eugen Meyer, Bezirksrabbiner in Pirmasens (1867-1930)
 auf dem jüdischen Friedhof in Ingenheim
 

     
     
Einzelne Meldungen aus der Gemeinde 
Nichtberücksichtigung jüdischer Einwohner für bürgerliche Ehrenämter 1879   

Pirmasens AZJ 28101879.jpg (147937 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1879: "Pirmasens (Pfalz), im Oktober. Die ‚Frankfurter Zeitung’ erhält folgende Zuschrift: 
Wie schwer es selbst gebildeten Personen, die einen Zweifel an ihrer toleranten Gesinnung entrüstet zurückweisen würden, ankommt, Toleranz zu üben, das zeigt in auffallender Weise die Jahresliste der Geschworenen, Schöffen und Hilfsschöffen für unseren Amtsgerichtsbezirk. Dieser Bezirk und insbesondere die Stadt selbst, der Sitz des künftigen Amtsgerichts, zählt eine große Zahl Bürger israelitischen Glaubens, die geachtete bürgerliche Stellung, Bildung und strenge Rechtlichkeit zur Bekleidung eines jeden gemeindlichen Ehrenamtes fähig und würdig erscheinen lassen. Erfreulich ist denn auch das im Allgemeinen bestehende Verhältnis bürgerlicher Eintracht zwischen der christlichen und israelitischen Bevölkerung. Umso mehr musste aber bei der letzteren das Gefühl intoleranter Zurücksetzung wach werden, als der Ausschuss, dem die Auswahl der Geschworenen, Schöffen, und Hilfsschöffen für den hiesigen Amtsgerichtsbezirk oblag, unter die große Zahl der ausgewählten Personen keinen einzigen Israeliten aufnahm. Unter den Gewählten befinden sich Leute von geringer Schulbildung und von wenig unabhängiger äußerer Stellung; es lässt sich also die unbegreifliche Tatsache des Ausschlusses der Israeliten auch nicht durch die Annahme einer übergroßen Zahl für fragliche Ehrenämter besser befähigter christlicher Mitbürger erklären. Da ferner der Ausschuss wohl selbst nicht wird behaupten wollen, dass es dem Zufall oder absichtslosem Übersehen zuzuschreiben sei, dass kein Israelite auf die Jahresliste gesetzt ward, so wird er den Vorwurf intoleranten Verfahrens wohl hinnehmen und sich sagen müssen, dass er bei Ausübung einer ihm obliegenden gesetzlichen Befugnis den Intentionen des Gesetzgebers nicht gerecht worden ist, der jeden Deutschen ohne Rücksicht auf Glaubensbekenntnis zu den fraglichen Ehrenämtern beigezogen wissen will."

  
Kinderfest des israelitischen Kasinos an Purim 1887  

Pirmasens Israelit 28031887.JPG (224710 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1887: "Pirmasens, 14. März (1887). Letzten Donnerstag den 10. März (Purim) gab das israelitische Kasino zu Pirmasens seinen Mitgliedern in seinen Lokalitäten (Hartmut’sche Säle) ein Kinderfest mit nachfolgendem Konzert. Es war eine wahre Freude, die Kinder in ihren sehr hübschen und wohl gelungenen Maskenanzügen sich tummeln zu sehen, welche Freude man auch dem Gesichte einer jeden einzelnen Mutter ablesen konnte. Nach einigen Spielen der Kleinen ließ sich Jung und Alt den Kaffee mit Purimkuchen vortreffliche schmecken. Vorträge der Kinder wechselten ab mit Spielen derselben und mit sehr gut ausgeführten Leistungen auf dem Klavier. – Erst gegen 7 Uhr verließen die Kleinen die Lokalitäten mit dem Bewusstsein, einen schönen Tag verbracht zu haben, der ihnen noch lange Zeit in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Abends 8 Uhr trafen wir schon eine stattliche Anzahl von Mitgliedern und eingeführten auswärtigen Gästen und erfreute uns die Kapelle Hoch mit ihren schönen Leistungen. Einige Mitglieder der Gesellschaft unterhielten uns in der Pause mit Vorträgen auf Klavier und Violine, denen der wohl verdiente Beifall in reichem Maße zuteil wurde. -
Im Laufe des Abends wurde auf fast allseitiges Verlangen einstimmig beschlossen, Samstagabend den hohen Geburtstag unseres erlauchtenköniglichen Prinzregenten durch eine Versammlung mit verherrlichen zu helfen. Bei dieser Feier wurden mehrere Toaste ausgebracht besonders auf Seine königliche Hoheit Prinz Luitpold und außerdem beschlossen, nachstehendes Telegramm abzusenden: ‚Seiner königlichen Hoheit dem Prinzen Luitpold, Bayerns weisem Reichsverweser, München, erlaubt sich das israelitische Kasino zu Pirmasens bei der aus Anlass allerhöchstdessen Geburtsfestes abgehaltenen Versammlung untertänigste Glückwünsche und Zeichen der Ergebenheit zu senden.’ Pirmasens, 12. März 1887. Der Vorstand Carl Frank.
Nach Absingung verschiedener patriotischer Lieder trennte sich die Versammlung in später Stunde. Sonntagabend 7 Ur traf folgendes Telegramm ein: München P. 13.3.1887. 6 Uhr 20 Nachmittag. Herrn Carl Frank, Vorstand des israelitischen Kasinos Pirmasens. Seine königliche Hoheit der Prinzregent senden den Teilnehmern an der gestrigen Versammlung Allerhöchst ihren huldvollsten Dank für die dargebrachten Glückwünsche. Im Allerhöchsten Auftrage. Freiherr Freyschlag von Freyenstein. Generalmajor, Generaladjutant."

     
Der Unterstützungsverein der jüdischen Gemeinde spendet zu Kriegsbeginn (1914)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September 1914: "Der Unterstützungsverein der jüdischen Gemeinde in Pirmasens hat dem Bürgermeisteramt 800 Mark zur freien Verfügung für diejenigen Armen der Stadt überlassen, deren Ernährer in den Krieg gezogen sind."           

    
In Pirmasens besteht noch eine der letzten jüdischen Schulen der Pfalz (1936)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Oktober 1936: "Speyer am Rhein. Am 1. September wurden im Bereich des Regierungsbezirkes Pfalz in vier Städten jüdische Sonderklassen der allgemeinen Volksschulen errichtet, in Ludwigshafen zwei Klassen (vorläufig nur mit einem Lehrer besetzt), in Kaiserslautern, Landau und Neustadt an der Weinstraße je eine Klasse. Nach Ludwigshafen wurde Lehrer und Kantor Schottland (Frankenthal) angewiesen, nach Kaiserslautern Lehrer i.R. Langstädter, nach Landau Lehrer und Kantor Zeilberger (Landau) und nach Neustadt Schulamtsbewerber Samson aus Landau. Sämtliche Lehrkräfte sind auf Dienstvertrag mit monatlicher Kündigung angestellt. Jüdische Schulen entsprechend dem bayerischen Schulbedarfsgesetz, deren Lehrer Beamte sind, bestehen noch in Speyer, Pirmasens und Rodalben."   
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1936: "Jüdische Schulen und Schulklassen. 
Frankfurt am Main,
6. Oktober (1936). Im bayerischen Regierungsbezirk Pfalz wurde zum 1. September in vier Städten jüdische Sonderklassen an allgemeinen Volksschulen errichtet, und zwar zwei Klassen in Ludwigshafen und je eine in Kaiserslautern, in Landau und Neustadt. Außerdem bestehen noch seit früher jüdische Schulen in Speyer, Pirmasens und Rodalben..."  

     
 Auch die jüdischen Kinder aus Rodalben besuchen die Schulen in Pirmasens (1938)    

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Mai 1938:  "Rodalben. Sämtliche Knaben und Mädchen unserer Kultusgemeinde gehen in Pirmasens zur Schule, und zwar besuchten bis Ostern 6 Knaben und 4 Mädchen die israelitische Volksschule, 2 Knaben die Oberrealschule daselbst. Ein Mädchen hat jetzt ihre Schulzeit beendet, ein anderes Mädchen wurde in das städtische Mädchenlyzeum zu Pirmasens aufgenommen. Auch unsere Gemeindekinder nahmen an den Religionsprüfungen und an der Schulschlussfeier in der israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens teil."      

   
    
Berichte zu einzelnen Gemeindegliedern  
Zum Tod von Julius Schohl II (1896)  

Pirmasens Israelit 12111896.jpg (41820 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1896: "Pirmasens, 27. Cheschwan. Vor wenigen Tagen ist hier Herr Julius Schohl II. in der schönsten Blüte seines Lebens nach langem, schweren Leiden gestorben. Sein Leichenbegängnis, an dem sich auch der Veteranen- und Kriegerverein beteiligte, zeigte recht deutlich, welch’ hohen Ansehens sich der Verstorbene erfreute. Besonders ist ihm seine große Wohltätigkeit nachzurufen, was auch Herr Bezirksrabbiner Dr. Meyer – Zweibrücken in seiner Leichenrede besonders hervorgehoben hat."

 
Zum Tod von Abraham Cahn (1897)  

Pirmasens Israelit 16081897.jpg (78636 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1897: "Pirmasens, 13. Ab. Kaum sind die Trauerwochen vorüber, so beklagt unsere Gemeinde wieder den Tod eines unserer frömmsten und würdigten Männer. Herr Abraham Cahn ist im 76. Lebensjahr von seinem kurzen, aber schweren Krankenlager zu einem besseren Dasein von Gott abberufen worden. Wer nur den Dahingeschiedenen kannte, weiß, was er während seines Lebens geleistet hat. Herr Abraham Cahn war ein braver und gelehrter Jehudi in wahrem Sinne des Wortes. Ganz besonders ist sein Wohltätigkeitssinn und seine Gerechtigkeitssinn zu erwähnen; trotz seines hohen Alters war er stets der erste in der Synagoge. An der großen Teilnahme bei der Beerdigung konnte man auch recht deutlich sehen, welcher Beliebtheit sich der Verstorbene in der Stadt und Umgegend erfreut hat. Am Grabe sprach in Abwesenheit unseres Bezirksrabbiners, Herr Bezirksrabbiner Dr. Einstein – Landau  und hob die Tugenden des Entschlafenen hervor. Der Dahingegangene ruhe in Frieden, die Hinterbliebenen aber möge Gott trösten mit dem Trauenden um Zion und Jerusalem."

 
Bitte um Spenden für eine arme Braut (1900)  

Pirmasens Israelit 15031900.jpg (56428 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1900: "Brautausstattung. Einem armen fleißigen und braven Mädchen, Braut (Tochter eines armen, braven Kultusbeamten), die sich gut versorgen kann, fehlen noch einige hundert Mark zur Aussteuer und Ergänzung der Mitgift, damit die Hochzeit sein kann. Darum Ihr edelmütigen Schwester und Brüder in Israel, helfet, denn groß ist der Lohn derer, die arme Bräute unterstützen. Der Unterzeichnete, der milde Graben zur weiteren Beförderung mit Dank entgegennimmt, der auch später in diesem Blatt quittieren wird, ist auch bereit diskret den Namen der bedürftigen Braut zu nennen. Kantor Markus Slodki, Pirmasens (Rheinpfalz)."

    
Zum Tod von Samuel Kahn I (1901)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Februar 1901: "Pirmasens, 14. Januar (1901). Nach kaum dreitägigem schweren Krankenlager verschied im 77. Lebensjahre am letzten Montag Abend Herr Samuel Kahn I. Der Verstorbene, der in hiesiger Stadt geboren und erzogen war und weit in der Umgegend der Stadt eine gut bekannte Persönlichkeit war, war auch ca. 37 Jahre hiesiger Synagogendiener, welches Amt er treu und gewissenhaft bis an seinen Sterbetag versah. An der großen Beteiligung des Leichenzuges konnte man wahrnehmen, welche Liebe und Achtung sich der Verstorbene weit und breit erworben hatte, was auch Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer - Zweibrücken in seiner Leichenrede hervorhob. Sein Andenken wird in unserer Gemeinde ein dauerndes sein."        

  
Zum Tod von Caroline Drechsler, Frau des Vorstehers von Jakob Drechsler (1902)   

Pirmasens Israelit 17031902.jpg (34048 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1902: "Pirmasens, 12 März (1902). Nach kurzem Krankenlager starb in Alter von 66 Jahren Frau Caroline Drechsler, die Frau unseres Vorstehers Jakob Drechsler. Dieselbe war 20 Jahre Vorsteherin unseres Frauenvereins, streng religiös und in allen Kreisen hoch angesehen."   

    
Zum Tod von Julius Schohl I aus Pirmasens (gest. in Badenweiler (1902)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1902:  "Pirmasens, 10. Elul. Herr Julius Schohl I. hier ist im 48. Lebensjahre von seinem schweren und langen Leiden, in Badenweiler, wo er Heilung seines Leidens suchte, zum besseren Jenseits von Gott abgerufen worden. Das heutige große Leichenbegängnis unter Voranschreiten eines Musikkorps- und Kriegervereins (der Verstorbene war Reserveleutnant), konnte einem Juden sagen, wer der Verblichene war und was er während seines Lebens geleistet hat. Gemilus Chesed (Wohltätigkeit) übte er stets im Geheimen aus, sodass kein Zweiter davon wusste. In Stadt und Umgegend sehr beliebt, war er auch hauptsächlich ein treuer Gatte und Vater seiner Familie, was Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer - Zweibrücken am Grabe hervorhob. Kantor Slodki."    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1902: "In Badenweiler ist Herr Julius Schohl I. aus Pirmasens im 48. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene war Reserveleutnant, und an dem Begräbnis beteiligten sich das Offizierskorps, der Veteranen- und Kriegerverein. Bezirksrabbiner Dr. Mayer - Zweibrücken hielt die Grabrede."        


Max Dreyfus: deutscher Meister, Europameister und Weltmeister im Boxen (Mittelgewicht) - Artikel von 1913

Pirmasens AZJ 15081913.jpg (54729 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. August 1913: "Pirmasens, 8. August. Der bekannte deutsche Sportsmann Herr Max Dreyfus, angehörend dem I. Athletenklub Pirmasens, wurde dieses Jahr von oben genanntem Verein zur Hundertjahrfeier zu den Weltmeisterschaftskämpfen nach Breslau entstand und erhielt bei diesen Austragungen die siebente Weltmeisterschaft im Mittelgewicht; so auch erhielt derselbe im Jahre 1912 die fünfte Europameisterschaft und im Jahre 1911 die vierte deutsche Meisterschaft von Deutschland. Dreyfus wurde auch bei diesen Erfolgen mit dem Pirmasenser Stadtorchester sowie unter Beteiligung mehrere Vereine vom Bahnhof abgeholt. Zu bemerken sei noch, dass Dreyfus dieses Jahr erst zum Militär gezogen und mithin kaum 20 Jahre alt ist."  

  
Kriegsauszeichnung für den jüdischen Leutnant Ludwig Levy (1918)  

Pirmasens FrfIsrFambl 13091918.jpg (9229 Byte) Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. September 1918: "Pirmasens. Rechtspraktikant Leutnant Ludwig Levy erhielt nunmehr auch das Eiserne Kreuz I. Klasse."

     
Zum Tod von Fabrikant Moritz Neu, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde (1927)    

Pirmasens BayrGZ 19091927.jpg (79421 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19. September 1927: "Pirmasens. Am 31. Juli 1927 starb zu Heidelberg, wo er von schwerem Leiden Genesung suchte, Herr Fabrikant Moritz Neu, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens, im 62. Lebensjahr. Der leider allzu früh Dahingegangene, der schon seit Jahren als Mitglied der Gemeindeverwaltung Pirmasens den Verbandsarbeiten seine Aufmerksamkeit schenkte, gehörte seit 1923 dem Vorstand des Verbandes der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz und seit 1926 der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden als Mitglied an. Von warmer Liebe zum Judentum erfüllt, brachte er der Verbandsarbeit das regeste Interesse entgegen. Trotz seiner leidenden Zustandes versäumte er keine Verbandssitzung und seine von tiefer Sachkunde getragenen Ausführungen fanden stets ein williges Ohr. Umso schmerzlicher wird die Lücke empfunden, die sein Tod in unsere Reihen gerissen hat. Herr Ludwig Strauß aus Bad Dürkheim, der beide Verbände bei der Beerdigung vertrat, brachte in seiner Rede zum ergreifenden Ausdruck, was wir alle empfinden: Dass wir an dem Verstorbenen einen aufrechten Menschen und einen lieben Freund verloren haben, den wir nicht vergessen werden."   

     
Zum Tod von Kaufmann Hans Kuhn, Offizier des Ersten Weltkrieges (1935)   

Pirmasens BayrGZ 15011935.jpg (87245 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1935: "Pirmasens. Im Alter von 42 Jahren verschied hierselbst plötzlich an den Folgen einer Blutvergiftung das allgemein geschätzte Gemeindemitglied Herr Kaufmann Hans Kuhn. Im Weltkriege zum Offizier befördert, hatte er von den ersten Mobilmachungstagen an bis zu seiner im Jahre 1917 erfolgten schweren Verwundung in der vorderste Front gestanden und sich durch sein tapferes Verhalten die höchsten Auszeichnungen erworben. Bis 1919 befand er sich in englischer Gefangenschaft. In unserer Gemeinde hat Herr Kuhn sich dank seiner Fähigkeiten und Neigungen sowohl in der Jugendbewegung als auch im kulturellen Leben hervorragend bewährt. Er gehörte dem Bildungsausschuss der Gemeinde an und hatte die geistige Führung im Allgemeinen Jüdischen Jugend- und Sportverein Pirmasens inne. Seit Oktober 1934 stand er auch als Leiter der Geschäftsstelle in Diensten der Gemeinde. An seiner Bahre sprach Bezirksrabbiner Dr. Nellhaus dem letzten Willen des Verstorbenen gemäß ein Gebet, in welchem er die Empfindungen des Schmerzes und der Dankbarkeit gebührend ausdrückte."

        
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabstein für Emil Scheuer in Gurs         

Kreuznach Gurs BK 020.jpg (215870 Byte)Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für  
Emil Scheuer
geb. am 22. Juni 1881 in Bad Kreuznach, später wohnhaft in Pirmasens und Mannheim
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo er am 10. Februar 1942 umgekommen ist.     

 
       
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Köchin von Kantor Markus Slodki gesucht (1900)   

Pirmasens Israelit 07051900.jpg (54453 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1900: "Köchin
Für ein kleineres Restaurant am größeren Platze wird ein braves und durchaus tüchtiges Mädchen als perfekte Köchin, die auch ein wenig im Haushalt mithilft, alsbald gesucht. (Dienstmädchen vorhanden). Bewerberinnen mit nur Ia Zeugnissen wollen Offerten nebst Gehaltsansprüchen gelangen lassen an Kantor Slodki, Pirmasens."    

   
Anzeige der Schuhbesatzfabrik J. Wolfsheimer (1903)  

Pirmasens Israelit 22011903.jpg (83490 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1903: "Branchekenntnis nicht erforderlich
Suche sofort bei freier Station für meine Schuhbesatzfabrik ein Fräulein als Aufseherin. Dieselbe muss die Arbeiten in Empfang nehmen. Nur Damen, welche die Buchführung verstehen, wollen Offerten nebst Photographie einreichen. 
J. Wolfsheimer, Pirmasens."    

   
Haushaltshilfe und Kinderbetreuerin gesucht (1904)  

Pirmasens Israelit 11021904.jpg (38964 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1904: 
"Gesucht zum 15. April ein besseres, älteres 
Mädchen
 
zu zwei Kindern, im Alter von 2 und 4 Jahren. Dasselbe muss waschen, bügeln und nähen können. Gute Behandlung und hoher Lohn zugesichert. 
Frau David Weill, Pirmasens (Pfalz)."    

   
Anzeige von Adolf Roos (1905)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  11. Mai 1905: "Mädchen, gesetzten Alters, sofort als 
Pflegerin
 
zu einer alleinstehenden, älteren Dame gesucht. Offerten an 
Adolf Roos
, Pirmasens".  

   
Hochzeitsanzeige von Siegfried Maier und Siddy geb. Baer (1924)       

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 10. April 1924: 
"Siegfried Maier - Siddy Maier geb. Baer. 
Vermählte. Heilbronn - Pirmasens. 
Trauung: Sonntag, 13. April, Baden-Baden, Hotel Central'."    

  
Anzeigen von Fischel Markdorf (1925 / 1926)   

Pirmasens Israelit 18061925.jpg (61911 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1925: 
"Lehrstelle
Suche für meinen Sohn, 16-jährig, welcher die 6. Klasse der Realschule besucht, angenehme Lehrstelle als Uhrmacher oder Goldarbeiter. Selbiger ist sehr geweckt und intelligent und stammt aus gutem Hause. Bedingung ist freie Station mit Familien-Anschluss und Schabbat und Feiertage frei. Gefällige Anfragen wolle man richten an 
Fischel Markdorf,  
Uhrmacher, Pirmasens, Pfalz, Pfarrgasse 2."  
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1926: 
"Suche für meinen Sohn, der 6 Klassen der Realschule besucht hat, eine 
Lehrstelle als Bäcker und Konditor, eventuell Polsterer und Tapezier

Mein Sohn ist 16 Jahre alt, von kräftiger Statur und von guter Erziehung. Erwartet ist Schabbat und Jomtof (Feiertag) frei, ebenso Verpflegung und Familienanschluss. Geneigte Zuschriften erbeten an Fischel Markdorf, Uhrmacher in Pirmasens, Pfarrgasse 2."         

      
Verlobungsanzeige von Steffy Baer und Walter Schestowitz (1928)      

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" vom 27. Januar 1928: 
"Statt Karten   
Steffy Baer - Walter Schestowitz
. Verlobte.  
Pirmasens  -  Wiesbaden  
Zur Zeit Wiesbaden, Weinbergstraße 21. 
Zuhause: Samstag, den 11. und Sonntag, 12. Februar, Bertramstraße 10."     

         
 Nach der Emigration: Hochzeitsanzeige von Bella Strauss und John H. Lamm (1944)    

Anzeige in der Zeitschrift "Aufbau" vom 10. März 1944: 
"Bella Strauss - John H. Lamm
Engaged. March 11,1944. 
(formerly Bad Mergentheim) - (formerly Pirmasens)  
870 West 180th Str., Apt. 3-B".   

 
   

   

   

    

    

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. Januar 2016