Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Teschenmoschel mit Dörrmoschel und Bisterschied (VG Rockenhausen, Donnersbergkreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
- Kennkarte aus der NS-Zeit   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
    
In Teschenmoschel bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück (der Friedhof soll angeblich seit 1665 bestehen). 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 22 (14,1 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 27, 1825 30 (13,5 %), 1848 Höchstzahl von 56 in elf Familien, 1871 45, 1875 32, 1900 25.  
  
Zur jüdischen Gemeinde Teschenmoschel gehörten auch die in Dörrmoschel und Bisterschied lebenden jüdischen Personen: in Dörrmoschel wurden gezählt: 1801 14 jüdische Einwohner (7,7 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 8, 1825 31 (9,7 %), 1848 Höchstzahl von 58 jüdischen Einwohnern. In Biesterschied lebten 1848 10 jüdische Personen.   
   
1809/10 werden als jüdische Haushaltsvorsteher genannt: in Teschenmoschel Abraham Berg, Joseph Berg (Kurzwarenhändler), Abraham Forsch, Witwe von Jacob Stern; in Dörrmoschel Salomon Frank (Franck).  
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war.    
 
Seit 1893 gehörten auch die in Waldgrehweiler lebenden jüdischen Familien zur Gemeinde in Teschenmoschel, nachdem die dortige jüdische Gemeinde aufgelöst worden war. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Richard Forsch (geb. 24.11.1897 in Teschenmoschel, gef. 21.3.1918). Außerdem ist gefallen: Adolf Forsch (geb. 15.5.1872 in Teschenmoschel, vor 1914 in Ettenheim wohnhaft, gef. 22.11.1918).    
 
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde insgesamt (mit Dörrmoschel) noch neun Familien gehörten, war Gemeindevorsteher Ferdinand Neumann in Dörrmoschell.    
  
1933 lebten noch etwa 25 jüdische Personen in Teschenmoschel. In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 21, 1937 14, 1938 12 jüdische Einwohner gezählt. Weitere sechs verließen bis 1940 den Ort; die letzten sechs jüdischen Einwohner wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert.  
  
Von den in Teschenmoschel geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sigfried Berg (1892), Aurelia Forsch (1880), Oskar Forsch (1882), Susanne Kahn geb. Neumann (1865), Abraham Mendel (1857), Eleonore Michel geb. Berg (1896), Max Michel (1896), Karoline Neumann geb. Berg (1861), Klara Strauß geb. Neumann (1856). 
  
Aus Dörrmoschel sind umgekommen: Albert Frank (1881), Sally Heinz Frank (1920), Rosa Heilbronn geb. Frank (1873), Berta Mayer geb. Honig (1882), Johanna Weil geb. Frank (1875), Irma Wertheimer geb. Frank (1911), Jakob Wolf (1889).       
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Teschenmoschel gefunden.  

    

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für den in Teschenmoschel 
geborenen Arthur Forsch
 
Teschenmoschel KK MZ Forsch Arthur.jpg (98375 Byte)  
  Kennkarte (ausgestellt Main 1939) für Arthur Forsch (geb. 1. März 1885 in Teschenmoschel), Kaufmann.      

   
    
    
Zur Geschichte der Synagoge   
     
   
1844 befand sich nach dem Grundsteuerkataster auf dem Grundstück im Oberdorf (Gebäude Nr. 16 / Grundstück Im Oberdorf 1) ein "Wohnhaus mit Synagoge und Hofraum", das nach Angaben des damaligen jüdischen Gemeindevorsteher seit "unfürdenklichen Zeiten" im Besitz der jüdischen Gemeinde stand. Drei Jahre später wird als Erbauungsjahr der Synagoge 1756 angegeben. 
  
In unmittelbarer Nachbarschaft der Synagoge befanden sich die Anwesen von jüdischen Familien: des Schneiders Michael Forsch und des Krämers Jakob Forsch (um 1900?). Nur wenig ist aus der Synagogengeschichte bekannt. Im Juli 1845 wird berichtet, dass der in Dörrmoschel lebende Rattenfänger Salomon Wolff drei ihm gehörige Betplätze in der Synagoge für 18 Gulden an den Krämer Salomon Wolff in Teschenmoschel verkauft hat.     
  
Als sich 1893 die jüdische Gemeinde Waldgrehweiler auflöste, kamen von dort zwei Torarollen in die Synagoge in Teschenmoschel. Immer wieder wurde die Synagoge renoviert, zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts. Mindestens bis 1911 wurde sie für Gottesdienste genutzt, danach waren auf Grund des kaum mehr zustande kommenden Minjans (10 religionsmündige Männer) keine regelmäßigen Gottesdienste mehr möglich. 
  
Zur Synagoge in Teschenmoschel liegen keine Fotos oder Abbildungen vor. Der Gebetsraum war 6 mal 8 m groß und 5 m hoch. Es gab 35 Plätze für Männer, 20 für Frauen. An Einrichtungsgegenständen waren u.a. drei Torarollen, zehn Toramäntel, ein Pult und ein Kronleuchter vorhanden. 
       
Obwohl die Synagoge vermutlich schon Jahre nicht mehr für Gottesdienste genutzt wurde, ist sie beim Novemberpogrom 1938 durch SA-Leute aus der Umgebung "unter Anführung des einheimischen Zellenleiters" erstürmt und geplündert wurden. Die Ritualien und Einrichtungsgegenstände wurden auf die Straße geworfen, auf Fuhrwerke geladen und auf ein freies Feld am Ortsrrand gefahren, wo alles verbrannt wurde.  
  
Das Synagogengebäude kam in den Besitz der politischen Gemeinde (es liegen verschiedene Angaben vor: 1939, 1940 oder 1942) und wurde in der Folgezeit abgebrochen (entweder schon 1940 oder 1946 oder erst nach der Rückübertragung 1952). Das Grundstück der Synagoge, das durch die Rückübertragung an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz gekommen war, wurde von dieser 1973 verkauft. Es wurde nicht mehr bebaut; auf dem Grundstück ist heute ein Garten
.   
    
    
Adresse/Standort der Synagoge      Im Oberdorf 1   
    
   
Fotos  

Standort der Synagoge   Teschenmoschel Synagoge 190.jpg (70933 Byte)
  Die Synagoge in Teschenmoschel stand im Oberdorf hinter der Scheune links (Standort im Fotos oben durch Pfeil gekennzeichnet; 
Foto von O. Weber s. Lit. S. 164)

   
   
Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Teschenmoschel   
Website der Verbandsgemeinde Rockenhausen mit Seite zu Teschenmoschel    
Teschenmoschel Edith 010.jpg (12351 Byte) Website Holocaust-Learning mit Texten und Filmen zu der in Teschenmoschel aufgewachsenen Edith Goldberg (1928-2010): http://holocaustlearning.org/survivors/Edith-Goldberg  
Foto links: Edith Goldberg als Kind in Teschenmoschel     

Literatur:  

Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Karl Fücks / Michael Jäger: Synagogen der Pfälzer Juden - Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden. Edesheim 1988. S. 214-215.
Bernhard Kukatzki: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in der Verbandsgemeinde Rockenhausen: Synagoge, Schulen, Friedhöfe und Ritualbäder in Dielkirchen, Marienthal, Rathskirchen, Rockenhausen, Teschenmoschel und Würzweiler. Landau 2000. S. 49-55.
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 154.   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 361-362 (mit weiteren Literaturangaben).

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Teschenmoschel  Palatinate. The Jewish population was 22 in the early 19th century and 56 (11 merchant families) at mid-century. In 1932, the Jewish population was 21 (total population 200). The last six Jews were deported to the Gurs concentration camp in October 1940. Five perished there. The synagogue was damaged on Kristallnacht (9-10 November 1938).   
        
         

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 09. Mai 2015