Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wallhalben und Oberhausen (Gemeinde Wallhalben, 
VG Thaleischweiler-Wallhalben, Kreis Südwestpfalz) 
mit Saalstadt (VG Thaleischweiler-Wallhalben) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde(n)  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde(n)   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Sonstiges     
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde(n) (english version)  
   
In Wallhalben und Oberhausen bestanden ursprünglich getrennte jüdische Gemeinden, die seit Ende des 19. Jahrhunderts eine gemeinsame Gemeinde bildeten ("Israelitische Kultusgemeinde Oberhausen-Wallhalben"). 
   
Die ältere Gemeinde bestand in Wallhalben. Hier lebten seit dem 18. Jahrhundert jüdische Familien, zwischen 1775 und 1789 waren es neun unter dem Schutz der Ortsherrschaft lebende Familien. 1809/10 werden folgende jüdische Familien genannt: Jacob Benedict, Moses Benedict, Leopold Frank, Abraham May, Jonathan May (Landwirt/Händler), Simon Juda May, Emanuel Rheinheimer, Marx Rheinheimer, Sender Rheinheimer, Wolfgang Rheinheimer, Simon Stiefel. 
  
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner in Wallhalben wie folgt: 1801 65 (25,8 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 45, 1825 43 (12,3 % der Gesamteinwohnerschaft), 1848 42 (acht Familien), 1875 59, 1900 27 jüdische Einwohner. Die Gemeinde Wallhalben war noch in den 1870er-Jahren selbständig und hatte damals einen eigenen Religionslehrer, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte (vgl. Ausschreibung der Stelle unten von 1876). Zuletzt wird für Wallhalben ein Lehrer Leopold Bornstein genannt (1897, siehe Meldung unten).
  
In Oberhausen zog die erste jüdische Familie erst nach 1800 zu. 1808 lebten hier fünf jüdische Personen; 1809/10 werden die beiden Familien des Jean Katz und des Simon Stiefel genannt; 1825 waren es 44 jüdische Einwohner (17,7 % der Gesamteinwohnerschaft). 1848 lebten hier zwei jüdische Familien mit insgesamt elf Angehörigen. Die Höchstzahl wurde 1875 mit 42 Personen erreicht. Danach ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung zurück. Nur vorübergehend hatte die jüdische Gemeinde Oberhausen einen eigenen Lehrer: aus dem Jahr 1869 liegt die Ausschreibung einer Stelle allein für Oberhausen vor (siehe unten). 1877 wird Lehrer Herrmann, 1879 ein Lehrer Wolff genannt (siehe Anzeigen unten). 
  
Bereits Mitte des 1880er-Jahre war die Gemeinde in Oberhausen eine enge Beziehung mit der benachbarten, zunächst wesentlich größeren jüdischen Gemeinde in Herschberg eingegangen. 1885 und 1891 suchten die beiden Gemeinden gemeinsam einen Religionslehrer, der auch das Amt des Vorbeters und Schächters übernehmen konnte (siehe Anzeigen unten).  Die Gemeinden teilten sich die Bezahlung des nach einer Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1885 (siehe unten), der Lehrer wohnte in Oberhausen. 
  
In den 1890er-Jahren - möglicherweise nach Einweihung der neuen Synagoge in Herschberg 1892 - gingen die Gemeinden in Oberhausen und Wallhalben - unabhängig von Herschberg - eine gemeinsame Beziehung ein und bildeten von nun an die "Israelitische Kultusgemeinde Oberhausen-Wallhalben". Ein gemeinsamer Religionslehrer, Vorbeter und Schochet für die beiden Orte wurde 1899 gesucht (siehe Anzeige unten).
   
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde Herschberg wurden die hier noch lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Oberhausen-Wallhalben zugeteilt (1924 3 Personen, 1932 3). Auch die in Saalstadt lebenden jüdischen Personen gehörten zur Gemeinde in Oberhausen-Wallhausen (1924 4, 1932 3).  
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Isaak Reinheimer (geb. 21.10.1880 in Wallhalben, vor 1914 in St. Wendel wohnhaft, gef. 28.9.1915).    
   
Um 1924, als noch 37 in Oberhausen und Wallhausen lebende jüdische Personen der gemeinsamen Kultusgemeinde angehörten (4,9 % von insgesamt etwa 750 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Myrtill Mann (Oberhausen, siehe Bericht zu seiner Auswanderung in die USA 1938 unten)), M. Baer (Wallhalben) und B. Moses (Saalstadt). Als Lehrer der insgesamt 12 schulpflichtigen jüdischen Kinder kam Lehrer Max Bachenheimer aus Zweibrücken regelmäßigen nach Oberhausen und Wallhalben. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Zweibrücken. 1932 (33 jüdische Gemeindeglieder) waren die Vorsteher der Gemeinde Myrtill Mann (Wallhalben) und Emanuel Katz (Oberhausen). Als Lehrer kam nun Lazarus Bernstein aus Zweibrücken in die Gemeinde. Damals waren noch drei jüdische Kinder zu unterrichten.   
   
Im Juni 1933 lebten in Oberhausen und Wallhalben zusammen noch 21 jüdische Personen. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung, der Repressalien und des wirtschaftlichen Boykotts verließen in den folgenden Jahren 16 die beiden Orte beziehungsweise wanderten aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch einen SA-Trupp geschändet und verwüstet (s.u.); auch die Wohnung der Familie Katz wurde verwüstet.  12 Personen wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert
    
Von den in Wallhalben geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Helene Ackermann geb. May (1855), Mathilde Fass geb. Reinheimer (1899), Lena Herz geb. Michels (1904), Simon Herz (1900), Berta Isaak geb. Katz (1870), Rosalie Koch geb. Reinheimer (1897), Emilie Levy geb. Reinheimer (1888),  Ida Mai geb. Breitmann (1884), Ilse Herrit Mai geb. Katz (1913), Blanka Beyer geb. Baer (1914), Auguste Reinheimer (1896), Babetta Reinheimer (1882), Eduard Reinheimer (1892), Emanuel Reinheimer (1852), Frieda Reinheimer (1884), Markus Reinheimer (1890), Moritz Schwarz (1869), Frieda Stern geb. Katz (1873). 
   
Aus Oberhausen sind umgekommen (Angaben nach Mitteilung von Peter Lohr, Mitherausgeber der Ortschronik Oberhausen-Wallhalben 1988; Quelle: Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und Saarland von 1800 bis 1945. Koblenz 1975 Bd. 7 bearbeitet von Editha Bucher; ergänzt durch Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lina Herz geb. Michels (1904), Emanuel Katz (1875), Berta Katz (1881), Rosa Katz (1905), Ludwig Katz (1880), Herbert Katz (1909), Else (Elsa) Katz geb. Dellheim (1887), Siegmund Katz (1884), Emma Katz (1881), Johanna Katz (1889), Emilie Kahn geb. Katz (1886). 
    
Aus Saalstadt sind umgekommen: Eugen Moses (1883), Hedwig Moses (geb. 1906 in Saalstadt), Johanna Moses geb. Behr (geb. 1877 in Leimersheim als Tochter von Georg Behr und Regina geb. Mayer). 
Anmerkung: ein Sohn von Johanna Moses und ihrem 1924 verstorbenen Mann Bernhard Moses war Earl Keith Monroe (Moses); dieser ist 1909 in Saalstadt geboren und starb 1987 in Contra Costa County, CA/USA.  

    
Hinweis: Das restaurierte und für Zwecke der bürgerlichen Gemeinde genutzte Anwesen der jüdischen Familie Katz in Oberhausen ("Ludwig-Katz-Haus", Zweibrücker Straße  2a-4) steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude war nach Abschluss der Restaurierung am 7. September 1987 eingeweiht worden. Eine Hinweistafel ist angebracht. Zur Familie Katz siehe Leserbrief von Peter Lohr unten.  
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde(n)  
 
Zur Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1869 / 1876 / 1885 / 1891 / 1899 

Oberhausen Israelit 16061869.jpg (40426 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1869: "Die israelitische Gemeinde Oberhausen bei Zweibrücken sucht einen Religionslehrer, der zugleich den Vorbeter und Schächterdienst versehen kann. Derselbe hat zu beziehen: 
a) einen jährlichen fixen Gehalt mit 250 Gulden  
b) die Kasualien veranschlagt zu 150 Gulden, 
zusammen (wofür garantiert) 400 Gulden. 
Außerdem hat der Lehrer freie Wohnung nebst Garten. Lusttragende wollen sich persönlich bald vorstellen."
 
Wallhalben Israelit 30081876.jpg (52082 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1876: "Lehrer-Gesuch. Die hiesige Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist vakant und möglichst sofort zu besetzen. Außer einem Fixum-Gehalte von 450 Mark sowie einem Nebeneinkommen von 260 Mark, bei freier Wohnung mit Garten, kann der Angestellt, dem sehr viel Zeit zur Verfügung steht, durch Privatstunden sein Einkommen bedeutend erhöhen. Anmeldungen nebst Zeugnissen sind an den Vorstand zu richten. Wallhalben, bei Zweibrücken. W. Levy."
 
Oberhausen Israelit 12031885.jpg (42228 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1885:  "Religionslehrer, Kantor- und Schächterstelle ist sofort zu besetzen in der Gemeinde Oberhausen bei Zweibrücken (Pfalz). Gehalt (mit der Gemeinde Herschberg) 500 Mark, Nebenverdienste 200 Mark. Heizung des Lehrlokals mit 30 Zentnern Kohle nebst freier schöner Wohnung und Garten. Reichsangehörige bevorzugt. Zeugnisse gefälligst einsenden. Der Vorstand W. Levy."
 
Oberhausen Israelit 19021891.jpg (55543 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1891: "Die Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle in der Gemeinde Oberhausen bei Zweibrücken ist zu besetzen. Der Gehalt (einschließlich mit der Gemeinde Herschberg) beträgt 500 Mark, Nebenverdienst 200 Mark, 25 Zentner Steinkohlen für Heizung des Schullokals, sowie eine schöne, freie Wohnung mit Garten. Bewerber müssen Reichsangehörige sein. Zeugnisse sind einzusehenden an den Vorstand: W. Levy."
 
Oberhausen Israelit 20071891.jpg (50609 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1891: "Die Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist zu besetzen in der Gemeinde Oberhausen bei Zweibrücken, Pfalz. Gehalt mit der Gemeinde Herschberg 500 Mark. Nebenverdienst 200 Mark, gering gerechnet. 25 Zentner Steinkohlen für die Heizung des Schullokals, nebst schöner Wohnung und Garten. Zeugnisse sind einzusenden an den Vorstand  W. Levy". 
 
Oberhausen Israelit 09101899.jpg (64102 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1899
"Die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in Oberhausen-Wallhalben (Pfalz) ist zu besetzen. Fixum 600 Mark, Nebeneinkommen ca. 150 Mark, Vergütung für Beheizung des Schulsaals 25 Mark, freie Wohnung nebst Garten. 
Meldungen mit Zeugnisabschriften sind bis 1. November dieses Jahres hieramts einzureichen. 
Das Bezirksrabbinat Zweibrücken: 
Dr. Meyer
". 

    
Mitteilung über den jüdischen Lehrer Leopold Bornstein in Wallhalben 1897 
Letzter Lehrer der selbständigen jüdischen Gemeinde Wallhausen war der Kantor und Schächter Leopold Bornstein, der aus Zirke (Sieraków, Posen) stammte; 1899 wurde nach Vereinigung mit Oberhausen ein für beide Ort gemeinsamer Lehrer gesucht (siehe Anzeige oben).  

Wallhalben Israelit 25111897.jpg (21039 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1897: "Wallhalben (bayrische Pfalz). Der in Nr. 89 erwähnte Kantor und Schächter Leopold Bornstein in Zirke (Posen), zur Zeit hier amtierend, hat am 3. März die Naturalisation erlangt und somit die deutsche Reichsangehörigkeit erworben." 

   
Lehrer Herrmann in Oberhausen verkauft zwei Torarollen (1877)
Anmerkung: es ist nicht bekannt, um welche Gemeinde es sich damals handelt. Es kann sich nicht um die Gemeinde Wallhalben gehandelt haben, das diese sich erst in den 1890er-Jahren mit Oberhausen verbunden hat.

Oberhausen Israelit 18041877.jpg (31034 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1877: "Eine aufgelöste Gemeinde lässt zwei noch gute Torarollen durch den Unterzeichneten verkaufen. Lehrer Herrmann in Oberhausen bei Zweibrücken". 

   
Lehrer Wolff in Oberhausen bietet Chanukkalichter an (1879)  

Oberhausen Israelit 04121872.jpg (73493 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1879: 
"Chanukkalicht
Als eine Zierde für jedes Zimmer und jeden Salon offeriere ich eine Nouveauté von Chanukka-Leuchter, eine Papparbeit mit prachtvollem Hintergrund von Spiegel und Sammetverzierungen mit acht oder 17 Leuchtern (für zwei Personen) von Messing. 
Preis mit Segenswunsch in Goldbuchstaben 
auf schwarzem oder Blumengrunde ... 5 Gulden 15 Kreuzer = 3 Taler. 
Ohne dieselbe .... 3 Gulden 30 Kreuzer = 2 Taler. 
Einfachere .... von 2 bis 3 Gulden. 
Rechtzeitige Bestellungen erbittet L. Wolff, Lehrer, Oberhausen bei Zweibrücken (Pfalz). Da infolge der vorigen Ankündigung in Nr. 48 vielfache Bestellungen eingelaufen sind, so kann ich Bestellungen nur effektuieren, wenn sie bis zum 20. Dezember hier eingelaufen. Spätere Aufträge kann ich nicht mehr ausführen."

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde       
Salomon May aus Cincinatti errichtet zum ehrenden Andenken an seinen verstorbenen Onkel Nathan May eine Stiftung (1891)   
Anmerkung: in welcher (verwandtschaftlichen?) Beziehung Salomon May zu Wallhausen bzw. Oberhausen stand, ist nicht bekannt.     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juli 1891: "Herr Salomon May, Privatmann in Cincinnati, ein Neffe des verstorbenen Herrn Nathan May in Kaiserslautern, hat zum ehrenden Andenken an seinen verstorbenen Onkel der israelitischen Kultusgemeinde Kaiserslautern, Herschberg und Wallhalben-Oberhausen unter dem Namen 'Nathan-May-Stiftung' ein Kapital von 10.000 Mark geschenkt. Hierbei ist die Bestimmung getroffen, dass die Zinsen dieser Summe alljährlich unter bedürftige Israeliten der drei genannten Gemeinden am Neujahrstag verteilt werden sollen."              

 
Zum 83. Geburtstag des aus Wallhalben stammenden Kriegsveterans Isidor Levy (1930)      

Thaleischweiler CV-Zeitung 03101930.jpg (89115 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" vom 3. Oktober 1930: "Die 'Pirmasenser Zeitung' vom 25. September bringt zum 83. Geburtstag unseres Mitgliedes Isidor Levy in Thaleischweiler einen Artikel, in dem es heißt: Der letzte Veteran 1870/71 von Thaleischweiler, Isidor Levy, begeht morgen in geistiger Frische und verhältnismäßiger körperlicher Rüstigkeit seinen 83. Geburtstag. Levy ist am 26. September 1847 in Wallhalben geboren. Er erlernte bei seinem Vater das Bleichschmiedehandwerk, das in dieser Familie traditionell ist, denn vier Generationen waren Blechschmiede. Vor dem 70er Kriege war Levy einige Jahre in Amerika zur handwerklichen Weiterausbildung, ebenso aus gleichem Grunde längere Zeit in Frankreich. Den Feldzug 1870/71 machte er beim, 5. Bayerischen Jägerbataillon mit. Von seiner Teilnehme der Schlacht bei Sedan, dem Gefecht bei Bagneux (13. Oktober 1870) und dem Ausfallgefechte von Paris erzählt er heute noch Einzelheiten. Im Jahre 1874 machte er sich in Thaleischweiler selbständig und betrieb sein Handwerk noch bis vor wenigen Jahren."

    
Der langjährige Gemeindevorsteher Myrtill Mann und Frau wandern in die USA aus (1938)        

Wallhalben  JG Rheinpfalz 01091938.jpg (25988 Byte)Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. September 1938: "Wallhalben. Vor kurzem haben Herr Myrtill Mann und Frau unsere Gemeinde verlassen, um nach USA, wo bereits ihre beiden Söhne leben, auszuwandern. Dadurch hat die Gemeinde, in welcher die Familien Wallhalben und Oberhausen zusammengeschlossen sind, ihren langjährigen Parnes verloren, der sich der Erledigung der Kultusangelegenheiten und der Erfüllung aller Obliegenheiten auf dem Gebiete des Gottesdienstes und der Wohlfahrtspflege stets mit Eifer gewidmet hat."         

    
    
Sonstiges       
Grabstein in Gurs für Emanuel Reinheimer            
(Fotos: Ruth Miller, Oktober 2016; Emanuel Reinheimer ist am 14. Januar 1852 in Wallhalben geboren. Er wohnte in Höheinöd. Am 22. Oktober 1940 wurde er in das Internierungslager Gurs deportiert, wo er am 30. Januar 1941 umgekommen ist.)       

Hoeheinoed Gurs Emanuel Reinheimer.jpg (218146 Byte) Grabstein im Friedhof des südfranzösischen Internierungslagers Gurs für 
"Hier ruht  
Emanuel Reinheimer  
1852-1940"
.       

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaal/der Synagoge       
    
In Wallhalben dürfte bereits seit dem 18. Jahrhundert ein Betsaal vorhanden gewesen sein. Wie lange der (vermutlich vorhandene) Betsaal in Wallhalben genutzt wurde, ist nicht bekannt. 
    
Spätestens in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Oberhausen für die beiden Gemeinden in Oberhausen und Wallhalben eine Synagoge erbaut beziehungsweise eingerichtet. Ältester Nachweis ist ein Plan des Bezirksgerichtes Zweibrücken vom September 1859. Das stattliche Gebäude stammt aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts und wurde vermutlich im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts von der jüdischen Gemeinde erworben.  Ein unmittelbar neben dem Haus befindlicher Brunnen wurde für die Versorgung der Mikwe mit fließendem Wasser genutzt. In dem "am Felseneck" gelegenen Gebäude wurde von der jüdischen Gemeinde im Erdgeschoss ein Schulsaal, im Obergeschoss eine Lehrerwohnung und der Betsaal eingerichtet. 1882 wurde der Brunnen hinter dem Synagogengebäude als offizieller Gemeindebrunnen ausgebaut; die jüdische Gemeinde behielt jedoch das Recht, Wasser für die Mikwe abzuleiten.
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude von SA-Leuten geschändet und die Inneneinrichtung völlig zerstört. Das Gebäude selbst blieb bestehen, wurde aber 1941 zum vorgesehenen Ausbau des Landstuhler Weges zur breiten Talstraße abgebrochen. Nach dem Abtransport der letzten jüdischen Einwohner hatte der Oberfinanzpräsident Westmark in Saarbrücken die Genehmigung zum Abriss des Gebäudes gegeben.   
   
   
Adresse/Standort der SynagogeAm Felseneck, im Winkel Zweibrücker/Landstuhler Straße  
   
   
Fotos / Darstellungen
(Quelle: Fotos aus der Chronik Wallhalben S. 131, auch in: O. Weber s. Lit. S. 251; Skizzen aus der Ortschronik Wallhalben s.Lit. )  

Historische Aufnahmen  Oberhausen Synagoge 202.jpg (81512 Byte) Oberhausen Synagoge 203.jpg (73370 Byte)
     Blick von Südosten auf das 
ehemalige Synagogengebäude 
vor dem Abbruch 1941
Blick von Nordosten, gleichfalls vor 
dem Abbruch 1941; vor dem Gebäude 
das ausgeschlachtete Auto des im 
Oktober 1940 deportierten Ludwig Katz 
  
     
Skizzen     
Oberhausen Synagoge 271.jpg (53105 Byte) Oberhausen Synagoge 270.jpg (86450 Byte) Oberhausen Synagoge 201.jpg (45689 Byte)
Skizzen des Synagogengebäudes (Skizzen angefertigt von Dr. Karlwerner Kaiser für die Chronik Wallhalben:) die Skizze links zeigt den Kellerbereich mit der Mikwe; die Skizze in der Mitte zeigt das Erdgeschoss mit dem Zugang zur Mikwe, links davon ein Gastraum der jüdischen Gemeinde sowie den Schulraum (seit dem Ersten Weltkrieg war hier eine Schumacherwerkstatt); die vorgebaute Brunnenstube ("Waschbrunnen") ist bis heute erhalten; die Skizze rechts zeigt das Obergeschoss mit der Synagoge (getrennt in Männer- und Frauenschule) und der Lehrerwohnung (mit Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche).
     
  Oberhausen Synagoge 200.jpg (67398 Byte) neuere Fotos vom Brunnen und 
dem ehemaligen Synagogengrundstück
 werden bei Gelegenheit ergänzt
   Das Brunnenhaus, das dem Synagogengebäude angebaut war   

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Juli 2011: Erinnerungen an Familie Katz - ein Leserbrief in der "Rhein-Pfalz" vom 12. Juli 2011 von Peter Lohr, Zweibrücken  
Oberhausen LB 020.jpg (176897 Byte) "'Halb- und Unwahrheiten!' Zu 'Menschen, Mühlen und Machores' vom 6. Juli mit der Unterzeile 'Warum Familie Katz einen Chauffeur brauchte': Ja, hört es denn nie auf? Wird der schwarze Fleck in der Wallhalber Geschichte schon wieder übertüncht? Weglassen, Halbwahrheiten, Unwahrheiten! Dabei steht mitten im Ort mit dem Ludwig-Katz-Haus die steinerne Erinnerung an die jüdische Gemeinde in den ehemaligen Gemeinden Oberhausen und Wallhalben. Ludwig Katz hatte das Haus 1904 erworben, bis es 1940 von den Nazis enteignet wurde. Der überlebenden Tochter Margot Katz bezahlte die Ortsgemeinde 1954 18.000 Mark. Es wurde dann 30 Jahre als Wohnhaus genutzt, bis es von einem neuen Gemeinderat 1988/89 vor dem Zerfall und Abriss gerettet wurde, grundlegend umgebaut, Gegenstück zur evangelischen Kirche auf der anderen Seite der Wallhalb. das mit dem Wappen der Familie Wild und der Namensgebung Ludwig-Katz-Haus in seiner Bedeutung gekennzeichnete Baudenkmal steht unter diesen Zeichen als der 300 Jahre umfassende wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt der Gemeinde. 
Die Familie Katz war schon seit Generationen als Viehhändler tätig. Ludwig Katz war ein besonders tüchtiger Geschäftsmann, der manchmal bis zu 100 Milchkühe und mehr in Norddeutschland kaufte, sie mit Lastwagen nach Wallhalben bringen ließ, und dann auf der ganzen Sickingerhöhe verkaufte. Seine Tochter Margot erzählte 1989: 'Zuerst war er gelaufen, dann besaß er das erste Motorrad, dann das erste Auto, einen Daimler, und er hat ihn gebraucht, es war kein Luxus, weil er ja älter wurde.' Dann kamen die Nazis an die Macht, das Auto wurde konfisziert. Jahre später ohne Motor vor die zerstörte Synagoge gestellt. Im Ersten Weltkrieg wurde Katz mit dem Eisernen Kreis auszeichnet, bekam steife Finger in russischer Gefangenschaft, weshalb ihm 1938 die Einreise nach Amerika verweigert wurde. 'Hätte er nicht für Deutschland gekämpft, hätte er wie mein Mann und ich nach Amerika kommen können.' (Margot Katz). 
Da Wallhalben-Oberhausen keine Bank hatte, liehen sich die Menschen rundum von Ludwig Katz kleinere und größere Beträge zu einem Zinssatz von vier Prozent, zahlbar an Martini. Am 30. Januar 1933 waren es wieder 13.500 Mark. Keiner seiner christlichen Mitbürger zahlte nach der Machtübernahme durch die NSDAP seine Schulen zurück. 1935 erhielt Katz endgültig Berufsverbot. In der Reichspogromnacht 1938 wurde die Wohnung Katz verwüstet. Er kam für mehrere Wochen nach Dachau, von wo er als schweigender, gebrochener Mann zurückkehrte. Am 22. Oktober 1940 folgte der Abtransport der letzten 14 jüdischen Wallhalber in das Champs de Gurs in Südfrankreich. Dann: verschollen in Auschwitz. Wir wissen, was sich hinter diesem amtlichen Kürzel verbirgt. 
Und dann: Die Synagoge sei im Krieg völlig abgebrannt. Nein, nach der Verwüstung durch die SA in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 blieb die ehemalige Synagoge leer stehen und wurde langsam zur Ruine. Nach dem Abtransport der letzten Juden hatte der Oberfinanzpräsident Westmark in Saarbrücken die Genehmigung zum Abritt des Gebäudes gegeben. Er erfolgte 1941. Wir verdanken Altbürgermeister Ludwig Saalfrank Fotos vom Niedergang des Gebäudes: davor der ausgeschlachtete Wagen von Ludwig Katz. Die meisten Wallhalber taten den Juden nichts, also auch nichts Gutes. 1945 richtete für wenige Tage ein SS-Sturmbannführer die Schreibstube seiner Einheit im Haus des Bürgermeisters Ludwig Saalfrank ein, neben dem Raum, in dem dieser eine jüdische Familie unter Lebensgefahr versteckte. Ein Wunder behütete das Haus und seine mutigen Bewohner.  
Wäre dies nicht alles erzählenswerter gewesen als die Story vom Autobesitzer ohne Führerschein? Karlwerner Kaiser, Wolfgang Saalfrank und ich haben 1989 in einer 500 mal verkauften Ortschronik fast alle diese Fakten recherchiert und aufgeschrieben, auf dass es in Erinnerung bleibe. Das war wohl ein frommer Traum. Peter Lohr, Zweibrücken." 
 
Oktober 2011Aus Anlass des Gedenktages der Deportation nach Gurs: neuer Beitrag zur Geschichte der Wallhalber jüdischen Familien 
Wallhalben PA PR 22102011.jpg (496925 Byte)Artikel von Peter Lohr in der "Rheinpfalz" vom 22. Oktober 2011: "'Nichts hat geholfen'. 
Am 22. Oktober, heute vor 71 Jahren, wurden hunderte Juden aus der Pfalz in das französische Internierungslager Gurs verschleppt. Für viele war es ein Zwischenstopp auf dem Weg in die Vernichtungslager im Post. Auch Wallhalber Familien waren unter den Deportierten..." 
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.     
   
Februar 2016: Ein Gedenkstein in Saalstadt wird aufgestellt  
Anmerkung: Der Gedenkstein in Saalstadt erinnert an Johanna Moses und ihre Tochter Hedwig, die nach der Deportation in Auschwitz ermordet wurden. Die beiden betrieben in Saalstadt einen Kolonialwarenladen.  
Saalstadt PA 03022016.jpg (190147 Byte) Artikel in der "Rheinpfalz" (Pirmasens) vom 3. Februar 2016: "Gedenkstein als Mahnmal mit aktuellem Bezug gesetzt. 
Saalstadt
: Gemeinde erinnert an zwei im Konzentrationslager ermordete jüdische Mitbürger - Es beginnt scheinbar harmlos mit Parolen..."    
 

   
    

Links und Literatur  

Links: 

Website der Verbandsgemeinde Wallhalben  
Website der Gemeinde Saalstadt    
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Oberhausen (interner Link)  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Wallhalben (interner Link)    

Literatur:  

Oberhausen Lit 060.jpg (57608 Byte)Ortschronik: Wallhalben, ein Marktflecken, umschlossen von der Westricher Hochfläche. Band 1. Im Auftrag der Gemeinde Wallhalben hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte Wallhalben. Zweibrücken 1989.  
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 249-250.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 379-380 (mit weiteren Literaturangaben). 
Roland Paul: Die Saalstadter Juden, das Schicksal der jüdischen Familie Moses. In: Saalstadt: 600 Jahre Gemeinde Saalstadt. Saalstadt 2011. S. 44-46.  

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Oberhausen-Wallhalben Palatinate. In 1804 a few Jews lived in Oberhausen and 65 in Wallhalben; in 1875, there were 42 in Oberhausen and 59 in Wallhalben. The congregation was united but each village maintained its own Jewish cemetery. In 1900, the combined Jewish population was 43 and in June 1933 it was 31. Sixteen Jews emigrated in the Nazi era and 12 were deported to the Gurs concentration camp in 1940.  
      
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Dezember 2016