Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wachenheim an der Weinstraße (Landkreis Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In Wachenheim (1341 zur Stadt erhoben) lebten Juden bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Eine Ritualmordbeschuldigung in der Umgebung war die Ursache, dass die Juden der Stadt am 19. April 1343 verbrannt wurden. Wenige Jahre später wurden im Zusammenhang mit der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 erneut Juden in Wachenheim ermordet. 1511 wurden gegen Bezahlung hoher Steuern zwei Juden in der Stadt aufgenommen: der Arzt Samson Vivls Sohn aus Speyer für 10 Jahre und der Jude Manes mit Familie. 1500/1510 werden zwei nach Wachenheim benannte Juden in Worms genannt. Mit "Wachenheim" war damals sicher nicht Wachenheim an der Pfrimm gemeint. Seit dem 16. Jahrhundert bestand der jüdische Friedhof am Ort. 

Im 18. Jahrhundert werden 1722 acht, 1743 sieben Schutzjuden in der Stadt genannt.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die jüdische Gemeinde ihre Blütezeit, als die Zahl der Gemeindeglieder von 41 (1804), 60 (1808), 90 (1823) auf 124 im Jahr 1830 zunahm. Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung wieder zurück (1849 121, 1875 51 Personen). 1900 wurden noch 24 jüdische Einwohner gezählt. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal/eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, eine Mikwe und den bereits genannten Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Die Stelle war bei anstehenden Neubesetzungen immer wieder neu auszuschreiben (siehe Anzeigen unten). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.   
       
Um 1925 gehörten noch 14 Personen zu der klein gewordenen Gemeinde (0,6 % von insgesamt ca. 2.300 Einwohnern). Gemeindevorsteher waren damals Markus Herzberger und Emil Scheuer. Friedrich José war Schriftführer und Rechner. 1932 waren Gemeindevorsteher: W. L. Herzberger, Emil Scheuer und Julius Blum.
  
1933 wurden noch 16 jüdische Einwohner gezählt. Ihre Zahl ging bis 1938 auf neun Personen zurück. Die 1940 hier noch lebenden sieben jüdischen Personen wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Die Namen dieser sieben Personen sind: Ludwig Falkenberg, Helene Mané geb. Herzberger (1903), Simon Mané (1894), Flora Mehlinger (1873), Isabella Reichardt, Emil Scheuer (1873), Leonie Scheuer. Die kursiv markierten Personen haben die Deportation nach Gurs überlebt. 
   
An einer Mauer am Dr. Wagner-Platz befindet sich eine Gedenktafel zur Erinnerung an die früheren jüdischen Mitbürger von Wachenheim.
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1879 / 1893

Wachenheim Israelit 29101879.jpg (56649 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1879: "Besetzung einer israelitischen Lehrerstelle. Die israelitische Lehrerstelle zu Wachenheim soll alsbald mit einem geprüften Lehrer besetzt werden und bestehen die damit verbundenen Bezüge wie folgt:
a) bar aus der Kultuskasse  250 Mark.  b) bar aus der Friedhofskasse  200 Mark.  
c) Anschlag der Wohnung   50 Mark.   d) Kasualien für Schächter ca. 150 Mark.
e) Kasualien beim Friedhof ca. 150 Mark.    Summe 800 Mark.
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen bis längstens 20. November laufenden Jahres einschicken und wird noch bemerkt, dass sich die Kasualien bedeutend höher stellen werden, als oben angegeben. Wachenheim (bayerische Pfalz), 23. Oktober 1879. Der Synagogen-Vorstand Jacob Mehlinger."
 
Wachenheim Israelit 26011891.jpg (73583 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1891: "Die erledigte Stelle eines Vorbeters, Schächters und Friedhofaufsehers wird hiermit zur Bewerbung ausgeschrieben. Mit dieser Stelle sind folgende Bezüge verbunden: 
a) Gehalt als Vorbeter   300 Mark.  b) Gehalt als Friedhofaufseher  200 Mark.
c) Gebühren für das Schächten ca. 200 Mark.  d) Die Kasualien werden sich belaufen auf ca. 100 Mark.
Summe 800 Mark.   Ferner freie Wohnung im Synagogengebäude.
Bewerber wollen ihre mit Zeugnissen belegten Gesuche bis längstens 1. März dieses Jahres bei dem unterfertigten Vorstande des Synagogenausschusses einreichen. 
Wachenheim, 15. Januar 1891. Der Vorstand des Synagogen-Ausschusses: Carl Mehlinger.
Dürkheim, 15. Januar 1891: Der Vorstand des israelitischen Friedhofvereins: Jacob Tillmann."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen der Gemeinde    
Zum Tod von Samuel Schloß (1931)   

Wachenheim BayrGZ 15011931.jpg (48933 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Januar 1931: "Bad Dürkheim - Wachenheim. Die hiesige Kultusgemeinde hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Ein Herzschlag hat am 1. Dezember (11. Kislev) ihrem treuen und beliebten Kultusbeamten, Herrn Samuel Schloß, im erst 56. Lebensjahre ein rasches Ende bereitet. Über 22 Jahre hat der Verstorbene rastlos und unermüdlich seinen Obliegenheiten in der Gemeinde seine ganze Kraft gewidmet. Herr Distriktsrabbiner Dr. Steckelmacher schilderte am Grabe die Verdienste dieses frommen Beamten. Sodann rief der Kultusvorstand der Israelitischen Gemeinden Dürkheim-Wachenheim, sowie im Auftrage des Verbandes Israelitischer Kultusgemeinden der Pfalz, Herr Stadtrat Strauß, Bad Dürkheim, dem Verblichenen ehrende Worte des Dankes nach."

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge                   
     
Bis 1812 war ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus eingerichtet. Danach wurde in dem Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts erbauten Gebäudes auf dem Grundstück Bleichstraße 5 im Obergeschoss eine Synagoge eingerichtet. Im Erdgeschoss war die Wohnung des Lehrers/Vorbeters (vgl. oben Anzeige von 1891), im Keller die Mikwe.  
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge nicht zerstört, vermutlich war sie damals schon nicht mehr als Synagoge benutzt. Die politische Gemeinde war wegen des schlechten Zustandes des Gebäudes an einem Erwerb (1939) nicht interessiert. Ein Nachbar erwarb das Anwesen. Die aufgefundenen Torarollen, weitere Kultgegenstände u.a.m. wurde von diesem aufbewahrt und nach 1945 der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz übergeben. Das ehemalige Synagogengebäude wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Dabei wurde die Mikwe zugeschüttet, die hebräische Inschrift über der Eingangstür "Glanz wohne in diesem Hause" abgeschlagen. Eine Hinweis- oder Gedenktafel ist nicht vorhanden.   
    
    
Adresse/Standort der Synagoge: Bleichstraße 5 (früher Langgasse)   
   
   
Fotos / Darstellungen
(Fotos: obere Reihe: Hahn, Aufnahmedatum 6.11.2005; Foto der Gedenktafel: Bernhard Kukatzki)   

Das Gebäude der 
ehemaligen Synagoge
Wachenheim Synagoge 101.jpg (54067 Byte) Wachenheim Synagoge 100.jpg (63102 Byte)
  Das ehemalige Synagogengebäude - heute Wohnhaus 
   
Gedenktafel am 
Dr. Wagner-Platz 
Wachenheim Gedenken BeKu 010.jpg (57777 Byte)
  Text der Tafel: "In Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus 1933-1945 - insbesondere an unsere jüdischen Mitbürger, 
die am 22.10.1940 verschleppt wurden: Ludwig Falkenberg, Simon und Helene Mane, Flora Mehlinger, Isabella Reichardt, Emil und Leonie Scheuer."   
   

      
      

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Wachenheim an der Weinstraße
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Wachenheim

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 858-859, III,2 S. 1548-1549.
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 156.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 376 (mit weiteren Literaturangaben).
    

Hinweis: Wachenheim an der Weinstraße (in der Pfalz) sollte nicht verwechselt werden mit Wachenheim im Zellertal (= Wachenheim an der Pfrimm), wo es auch eine jüdische Gemeinde gab. Zur Seite über die jüdische Geschichte / Synagoge in Wachenheim im Zellertal.  
   

  

 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wachenheim. Numbering 58 (about 12 % of the total) in 1861, the Jewish community declined to 27 in 1933. Only four Jews remained in 1939.
    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 03. Juni 2015