Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Obrigheim (VG Grünstadt-Land, Kreis Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde               
    
In Obrigheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1904. Ihre Entstehung geht in die Zeit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Namen und genaue Zahlen der jüdischen Bevölkerung liegen aus dem 19. Jahrhundert vor: 1801 lebten 59 jüdische Personen am Ort (12,7 % der Gesamtbevölkerung), 1808 65 (12,6 %) und 1825 83 (14,9 %). 1809/10 werden 12 jüdische Familien/Haushaltungen genannt: Daniel Baruch, Jacob Bauer, Abraham Cahn, Abraham Emanuel, Lazarus Emanuel, Moses Emanuel, Abraham Klein, Daniel Löwenstein, Jacob Löwenstein, Mannes Löwenstein, Daniel Schweinstein, Jacob Vogel. 1848 wurden 19 jüdische Familien mit zusammen 97 Angehörigen gezählt. 
 
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung zurück. 1875 waren es noch 53, 1900 nur noch 12 jüdische Einwohner. 
  
Auch die im benachbarten Albsheim lebenden wenigen jüdischen Personen gehörten zur jüdischen Gemeinde in Obrigheim (1903 zwei). 
 
1903
beantragten die in Obrigheim noch lebenden 16 jüdischen Personen bei den zuständigen Behörden, die Gemeinde aufzulösen und ab dem 1. Januar 1904 der Gemeinde in Grünstadt anzugehören. Die Synagoge wurde verkauft (siehe Bericht unten). 
 
Von den in Obrigheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Dreifuß geb. Berg (geb. 1888 in Obrigheim, umgekommen 1944 in Auschwitz), Elisa Koppel geb. Emanuel (1877, umgekommen 1942 nach Deportation nach Izbica), Rosalie Scheuer (1859, umgekommen im September 1942 im Ghetto Theresienstadt), Sara Schmal geb. Emanuel (1882, umgekommen 1944 in Auschwitz, s.u.) .  
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Über Moses Alexander, erster jüdischer Governor in den USA (1853 - 1932)    

Obrigheim Moses Alexander.jpg (10518 Byte)Moses Alexander (geb. 1853 in Obrigheim als das jüngste von acht Kindern einer jüdischen Familie; gest. 1932) ist im Alter von 14 Jahren nach New York ausgewandert.  
Über seine weitere Geschichte siehe eine Seite in der Website des Jewish Museum of the American West:   http://www.jmaw.org/alexander-jewish-idaho/   
Wikipedia-Artikel  https://en.wikipedia.org/wiki/Moses_Alexander    Weitere Artikel: https://thebluereview.org/moses-alexander-idaho-jewish-governor/   

  
Goldene Hochzeit von David Löwenstein und Johanette geb. Levy (1899)  

Obrigheim Israelit 08021900.jpg (47839 Byte)Aus der Zeitschrift: "Der Israelit" vom 8. Februar 1900": "Aus der bayrischen Pfalz. Am 25. Dezember (1899) feierten Herr David Löwenstein und Frau Johanette, geb. Levy, in Obrigheim ihre goldene Hochzeiten. Das Jubelpaar sah bei dieser Gelegenheit alle seine Kinder und seine 23 Enkel um sich versammelt. Der ganze Ort nahm den lebhaftesten Anteil an dieser Feier. Der israelitische Vorstand, der Bürgermeister, sämtliche Gemeinderäte wohnten dem Festessen bei. Der Bürgermeister feierte das Jubelpaar in einer schwungvollen Rede. Herr Bezirksrabbiner Dr. Salvendi und seine Frau Gemahlin beehrten das Fest durch ihre Anwesenheit. Lieder des Gesangvereins beendeten die Feier. Möge dem gottlob noch sehr rüstigen Paares noch eine lange Reihe ungetrübter Jahre beschieden sein." 

  
Goldene Hochzeit von Joseph Scheuer und Helene geb. Dannheiser (1908)  

Obrigheim Israelit 09071908.jpg (26303 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1908: "Obrigheim (Pfalz), 1. Juli (1908). In seltener Rüstigkeit und Geistesfrische feierten hier am Schabbat Schelach lecha Herr Joseph Scheuer und Frau Helene geb. Dannheiser, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Herr Scheuer erfreut sich sowohl als Bürger wie als guter gesetzestreuer Jehudi überall höchster Achtung. Er fungiert auch seit vielen Jahren hier als Baal Tefila (Vorbeter). Das Fest nahm im engsten Familienkreise einen sehr animierten Verlauf."   
  
Obrigheim FrfIsrFambl 07081908.jpg (24800 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. August 1908: "Obrigheim (Pfalz). Die Feier der goldenen Hochzeit beging in seltener Frische und unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung das Ehepaar Josef Scheuer und Frau geb. Dannheiser."   

   
90. Geburtstag der Witwe Scheuer (1912) 
  

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Dezember 1912: "Obrigheim (Pfalz). Dieser Tage feierte Frau Josef Scheuer Witwe, als älteste Einwohnerin der Ortes, ihren 90. Geburtstag in ziemlicher Frische."    

  
 Zur Geschichte von Selma (Sara) Schmal geb. Emanuel (geb. 1882 in Obrigheim, ermordet 1944 in Auschwitz) 

Obrigheim Sara Schmal 01.jpg (61784 Byte)Biographische Angaben auf Grund des Buches von J. Hahn s. Lit. S. 516-517: Selma geb. Emanuel ist in Obrigheim am 21. Juli 1882 als Tochter des Herrn Emanuel (Vorname unbekannt) und der Jeanette geb. Löb geboren. Sie heiratete am 3. Oktober 1904 in Obrigheim den Arzt Dr. David Schmal aus Ludwigsburg (geboren als Lehrersohn  am 14. Oktober 1870 in Nordstetten; Vater seit 1878 Lehrer in Ludwigsburg). Das Ehepaar zog in den Heimatort von Dr. Schmal nach Ludwigsburg, wo dieser über 30 Jahre lang bis 1938 eine hoch angesehene Arztpraxis betrieb. Das Ehepaar hatte einen Sohn Heinrich (geb. 1907; der andere Sohn Kurt ist gleich nach der Geburt gestorben). Dr. David Schmal und seine Frau blieben auch nach 1938 in Ludwigsburg; sie wurden Dezember 1941 nach Baisingen zwangseingewiesen und von hier am 22. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, von dort am 16. Mai 1944 mit dem Todestransport Ea (Transportnummern 566-567) nach Auschwitz, wo beide ermordet wurden."

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge              
      
Vermutlich uf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts geht die Betstube im Haus des Lazarus Emanuel zurück, die 1826 genannt wird im Zusammenhang mit dem Antrag der jüdischen Familien an die Regierung des Rheinkreises, eine Synagoge erbauen zu dürfen. "Seit langer Zeit" habe das Zimmer bei Lazarus Emanuel als Betstube der Familien gedient, nun sei die Zahl der im Ort lebenden jüdischen Personen zu groß geworden. Zudem meldete Lazarus Emanuel Eigenbedarf an. Bei der Antragstellung konnte man bereits auf ein Haus in der Kellergasse hinweisen, das die jüdische Gemeinde erworben hatte. An seiner Stelle wollte man die Synagoge bauen. Die Behörden lehnten mehrere Jahre lang (noch bis 1833) den Antrag der Gemeinde ab, da keine ausreichenden Eigenmittel der Gemeinde zur Finanzierung des Baus vorhanden waren.
Erst 1836 änderte sich die Situation. Zwei wohlhabendere Gemeindemitglieder (Lazarus Emanuel und Jakob Löwenstein) hatten für 1.500 Gulden Scheune und Stall eines Grundstückes in der Hauptstraße erworben, etwa 200 m von der evangelischen Kirche entfernt. Auf diesem Grundstück konnte 1837 eine Synagoge erbaut werden. Die jüdische Gemeinde hatte für die Finanzierung 600 Gulden aufnehmen müssen. Über sechs Jahrzehnte war die Obrigheimer Synagoge Zentrum des dortigen jüdischen Gemeindelebens. Das Gebäude hatte einfache Rundbogenfenster. Es handelte sich um einen einfachen Putzbau mit einem Satteldach.
Bei der Auflösung der jüdischen Gemeinde kam die Synagoge mit den Nebengebäuden zunächst in den Besitz der jüdischen Gemeinde in Grünstadt, die das Gebäude jedoch 1903 für 3.500 Mark an einen Herrn Seelinger verkaufte. Dieser war zweiter Vorsitzender des Obrigheimer Turn- und Sportvereines und verkaufte das Gebäude seinerseits dem Turnverein. Von diesem wurde das Gebäude zunächst als Turnhalle verwendet, was jedoch in der jüdischen Presse auf Befremden stieß
:  

Obrigheim FrfIsrFambl 04031904.JPG (34539 Byte)Im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" war am 4. März 1904 zu lesen: "Obrigheim (Pfalz). Da die hiesige israelitische Kultusgemeinde sich auflöste und in die israelitische Kultusgemeinde Grünstadt einverleibt wurde, hat der hiesige Turnverein durch seinen 2. Vorstand, Herrn Seelinger, die Synagoge mit Nebengebäuden um den Preis von 3.500 Mark erwerben lassen. Der Turnverein benützt den Bau als Turnhalle. - Diese Nachricht hört sich wie ein Purimscherz an, ist jedoch leider keiner. 

Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg wurde die ehemalige Synagoge jeweils als Lager für Kriegsgefangene zweckentfremdet. Ab 1948 zog für einige Jahre die katholische Kirchengemeinde in das Gebäude ein ("Notkirche St. Ägidius"). Das Gebäude war weiter im Besitz des Turn- und Sportvereins, bis dieser es 1971 an eine Privatperson verkaufte, von der es im folgenden Jahr abgebrochen wurde. An Stelle der ehemaligen Synagoge steht heute ein Wohnhaus.   
    
    
Adresse/Standort der SynagogeHauptstraße 44 (frühere Gebäudenummer 20)       
    

    
Fotos  
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 298)   

Obrigheim Synagoge 100.jpg (74087 Byte) Obrigheim Synagoge 101.jpg (104346 Byte) Obrigheim Synagoge 102.jpg (24651 Byte)
Die ehemalige Synagoge - genutzt 
als katholische Kirche (1950er-Jahre) 
  
Luftaufnahme von Obrigheim (Aufnahme der Royal Air Force von 1954) mit 
dem Synagogengebäude (rechts Ausschnitt aus der Aufnahme); die Nähe 
der ehemaligen Synagoge zur evangelischen Kirche wird deutlich.

   
     

Links und Literatur 

Links:

Website der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land   
Seite zum jüdischen Friedhof in Obrigheim (interner Link)  

Literatur:  

Wolfgang Heiss: Obrigheim. Grafschaft Leiningen. Ein Heimatbuch. Obrigheim 1991 (S. 585-610: Die einstige Judengemeinde). 
Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Ludwigsburg. Geschichte - Quellen - Dokumentation. Karlsruhe 1998 S. 516-517. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 131. 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 298-299 (mit weiteren Literaturangaben).  

   
    

                   
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Stand: 07. Mai 2016