Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Grünstadt (Kreis Bad Dürkheim) 
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Siehe Seite zur Synagoge in Grünstadt  (interner Link)    
      

Zur Geschichte des Friedhofes

Der jüdische Friedhof in Grünstadt wurde um 1700 angelegt (auf den Flurstücken Nr. 2522 und 2521). Die Flächen der beiden Grundstücke (vor der Erweiterung) umfassen 51,50 ar + 26,80 ar. 1881 ist der Friedhof erweitert worden (Grundstück Nr. 2522/2 mit einer Fläche von 3,50 ar. Die zusammenhängenden Friedhofsflächen werden in Publikationen teilweise als zwei Friedhöfe (alter und neuer Friedhof) gezählt. 
 
Der Friedhof wurde auch von den jüdischen Gemeinden (beziehungsweise jüdischen Familien) in folgenden Orten genutzt: Asselheim, Altleiningen, Bissersheim, Kirchheim, Lautersheim, Neuleiningen, Obersülzen, Obrigheim, Sausenheim und Wattenheim. 
 
Der Friedhof steht seit 1989 unter Denkmalschutz. Der älteste erhaltene Grabstein ist von 1743.   
  

Aus der Geschichte des Friedhofes   
Die erste Schändung des Friedhofes in der aufkommenden NS-Zeit (Ende August 1930)

Gruenstadt Israelit 11091930fn.jpg (97417 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1930 : "Grünstadt, 8. September (1930). Herr Lehrer H. Lion aus Grünstadt schreibt uns: Auf unserem jüdischen Friedhofes haben vor etwa 8 Tagen bübische Hände ihr grauses, frevelhaftes Spiel getrieben. Das Haupttor wurde gewaltsam erbrochen, die am Eingange befindliche Vorhalle, worin den Trauernden aus priesterlichem Munde Trost gespendet wird und die Einsegnung der Toten stattfindet, in kaum wiederzugebender Weise besudelt, die Wandung teilweise hinausgestoßen und die Dachung durch Steinwürfe beschädigt. Ferner wurden ca. 5-6 Grabsteine umgeworfen und zum Teil beschädigt, u.a. ist auch die dem Andenken des für sein Vaterland gefallenen Krieges Schmidt geweihte Tafel mutwillig entfernt worden. - Die Vorstandschaft hat gemeinsam mit dem Schreiber dieses bereits von dieser Schandtat das hiesige Bürgermeister- und Polizeiamt verständigt; außerdem hat auch der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, Herr Berthold Jacobi, dem Bezirksamt und der Staatsanwaltschaft in Frankenthal persönliche Anzeige erstattet, die selbstverständlich ihrer Entrüstung über diese feige hyänenhafte Tat Ausdruck gaben und sich bereit erklärten, alle Schritte zur Aufdeckung derselben zu tun. Wir haben uns inzwischen selbst augenscheinlich von dem vandalischen Zerstörungswerk überzeugt und mit brennendem Weg empfunden, dass gewissen dunklen Elementen selbst die Heiligkeit und die geweihte Stätte eines Friedhofes, die Ehrfurcht vor dem Tode und die Ruhe und der Friede der stillen Schläfer nicht Halt gebieten können vor solchem verbrecherischem Heldentum."   
    
Gruenstadt Israelit 19091930.jpg (42963 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1930: "Grünstadt, 5. September 1930. Zu der bereits gemeldeten Schandtat auf dem hiesigen jüdischen Friedhof ist noch zu berichten, dass es der hiesigen Ortspolizei glücklicherweise gelungen ist, die beiden 17jährigen Burschen Adam Strack und Jakob Kraft von hier der Gräberschändung alsbald zu überführen. Beide legten ein volles Geständnis ab und erklärten, die Tat aus reinem Mutwillen verübt zu haben. Das gerichtliche Nachspiel wird wohl noch näheren Aufschluss darüber bringen, ob diese ruchlose Handlung nicht etwa doch, wie wir anfangs wähnten, auf die Verhetzung seitens einer gewissen judenfeindlichen Partei zurückzuführen ist. Die beschädigte Einsegnungshalle ist übrigens bereits wieder auf Veranlassung des hiesigen Bürgermeisters instand gesetzt worden." 

       

Lage: Der Friedhof liegt westlich des Ortes im Industriegebiet bei der Max-Planck-Straße - Flur "Sandtkaut" nördlich der Obersülzer Straße.

Fotos: 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.11.2004) 

Gruenstadt Friedhof 055.jpg (65082 Byte) Gruenstadt Friedhof 051.jpg (61302 Byte) Gruenstadt Friedhof 054.jpg (56371 Byte)
Eingangstor Im älteren Teil des Friedhofes Grabstein mit großer Levitenkanne
     
Gruenstadt Friedhof 052.jpg (70162 Byte) Gruenstadt Friedhof 053.jpg (67537 Byte) Gruenstadt Friedhof 050.jpg (74032 Byte)
Teilansichten des Friedhofes Neuere Grabsteine (1930er-Jahre)

      
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Grünstadt 

Literatur:  

Bernhard Kukatzki: Der jüdische Friedhof in Grünstadt. Schifferstadt [u.a.]: 1994. - 24 Seiten.
Maria Schwarze-Kaufmann: Spurensuche - Jüdisches Leben im Leiningerland: Ausstellung eines Kurses für Bildende Kunst der 13. Jahrgangsstufe des Leininger-Gymnasiums in Grünstadt. In: Sachor 6 1996,2 = H. 12, S. 55-58.
Jüdischer Friedhof Grünstadt : eine Foto-Dokumentation von Bernhard Kukatzki, Mario Jacoby, Erika Sulzer-Kleinemeier. Hrsg. von der Stadt Grünstadt. - Grünstadt Stadtverwaltung, 2004. - 96 S.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 133-135 (mit weiteren Literaturangaben).

  

                   
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Stand: 04. November 2009