Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wachenheim im Zellertal (= Wachenheim an der Pfrimm, Kreis Alzey-Worms) 
mit Mölsheim (VG Monsheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Kennkarte aus der NS-Zeit   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Wachenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. 1505 wird Menel von Wachenheim im Wormser Judenrat genannt, doch könnte seine Herkunft auch Wachenheim an der Weinstraße gewesen sein. 1534 ist erstmals sicher ein Jude aus Wachenheim an der Pfrimm genannt, der eine Klage vor dem kaiserlichen Hofgericht in Rottweil einreichen musste, nachdem er von einem Schuldner adliger Herkunft sein Geld nicht zurück bekam. Der älteste - von den Grafen von Leiningen - ausgestellte und erhaltene Schutzbrief ist von 1537. 1538 wird ein Jud Samuel aufgenommen. Im Dreißigjährigen Krieg wird der jüdische Handelsmann Hartmann Ulmann genannt. Nachkommen von ihm lebten noch im 19. Jahrhundert in Wachenheim. 
   
1732 wurden aufgenommen: Suskind und Elias Feitel, 1740 Moses Joseph, 1748 Samuel von Bockenheim, 1750 Feitel Süskind und Löb Seligmann von Eich. 1770 lebten zehn jüdische Familien am Ort. 1808 werden folgende Familien genannt: Löb, Hausmann, Joseph Kehr, Stern, Krautkopf, Ulmann, Fitler, Goldschmitt, Scheuer und Mayer*. Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein überwiegend vom Handel mit Vieh und Waren (Hauswarenhandel mit Ellen- und Kurzwaren), auch Spezerei- und Altwarenhandel. Später gab es mehrere für das wirtschaftliche Leben des Ortes wichtige Handlungen (Fruchthandlung, Kohlen- und Holzhandlung, Weinhandlung). 
  
* Aufstellung zu den 1808 genannten Personen (xls-Datei) nach dem "Registre des actes de l'etat civil, arrondissement de Spire, Mairie de Wachenheim an 1808", erstellt von Wolf Dieter Egli (Originalregister im Stadtarchiv Worms). Zu den neuen Familiennamen siehe den Beitrag von Bernhard Kukatzki (pdf-Datei).  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner/Haushaltungen wie folgt: 1800 47 jüdische Einwohner, 1806 14 jüdische Haushaltungen,  1824 60 jüdische Einwohner, 1830 63, 1838 81, 1855 62, 1861 58, 1885 41, 1900 49 (9,5 % der Gesamteinwohnerschaft), 1905 42. Auch die in Mölsheim lebenden Juden gehörten zur Wachenheimer Gemeinde. Dabei handelte es sich 1824 um 24 Personen, 1830 18, 1855 8, 1905 8, 1925 10 Personen. 
  
Um 1873 gab es zeitweise eine enge Verbindung zwischen den Gemeinden Monsheim und Wachenheim ("vereinigte Gemeinden Wachenheim und Monsheim", siehe Ausschreibung der Lehrerstelle 1873 unten.      
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (s.u. im Bericht von 1892 die Nennung des israelitischen Schullokales) und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. An Lehrern werden genannt: um 1827 David Nisan, um 1870 Samuel Müller aus Böhmen, um 1874 der Lehrer und Sofer (Torarollenschreiber) Simon Silberstein aus Iwanoez (bei Temesvar; eventuell auf Grund der Ausschreibung von 1873 gemeinsamer Lehrer für Wachenheim und Monsheim), um 1882 Lehrer Finkelgrün und Salomon Lewenstein. 1903 war die Stelle neu zu besetzen (siehe Anzeige unten). Um 1910 wird Lehrer Zucker genannt. Vermutlich hatte er sich auf die 1903 ausgeschriebene Stelle beworben.  
1843
wurde von der jüdischen Gemeinde in einem Haus des Ortes eine Schule mit Lehrerwohnung eingerichtet. Dazu zahlte auch die bürgerliche Gemeinde einen Beitrag. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Dalsheim beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Worms.   
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der Gemeinde Gefreiter David Herzberger (geb. 31.8.1893 in Wachenheim, gef. 2.8.1917), Unteroffizier Julius Herzberger (geb. 21.2.1895 in Wachenheim, gef. 27.7.1918) und Heinrich Kehr (geb. 12.9.1894 in Wachenheim, gef. 28.10.1915). 
  
Um 1925
gehörten noch 30 Personen zur jüdischen Gemeinde (5 % von etwa 600 Einwohnern), dazu die schon oben genannten zehn Personen aus Mölsheim. Um 1925 waren Vorsteher der jüdischen Gemeinde die Herren Theodor Loeb, Samuel Monat, Adolf Mayer und David Hausmann. Um 1932 waren die Gemeindevorsteher: Heinrich Kehr, David Hausmann (Mölsheim). Als Lehrer war inzwischen ein Herr Salomon tätig, als Friedhofsaufseher David Gebauer (Mölsheim). 
          
1933 lebten noch 27 jüdische Personen am Ort. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts sind in den folgenden Jahren die meisten emigriert oder in andere Orte verzogen. Die letzten jüdischen Einwohner wurden 1942 aus Wachenheim deportiert.  
    
Von den in Wachenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Decker (1895), Antonie Eckhaus (1914), Arthur Eckhaus (1905), Kurt Eckhaus (1908), Lothar Eckhaus (1938), Mirjam Eckhaus (1939), Ludwig Falkenberg (1875), Bella Grombacher geb. Hausmann (1894), Josephine Kehr (?), Paula Kehr geb. Kohlmann (1892), Emmy Koßmann geb. Hausmann (1895), Hertha Loeb (1918), Max Loeb (1909), Theodor Loeb (1877), Helene Mané geb. Herzberger (1903), Simon Mané (1894), Flora Mehlinger 1873), Babette Weiß (1854).  

Wachenheim Dok1941.jpg (26866 Byte)Eines der letzten Zeugnisse der jüdischen Einwohner Wachenheims: Theodor Löb und Antonie (Toni) Eckhaus nehmen im Oktober 1941 von der Verfügung Kenntnis, ab sofort einen gelben Stern tragen zu müssen. Möglicherweise waren Theodor Löb und Antonie Eckhaus damals die einzigen noch am Ort lebenden jüdischen Personen. 
Quelle: Kopie dankenswerterweise erhalten von Wolf-Dieter Egli, Wachenheim. 

Aus Mölsheim sind umgekommen: Daniel Hausmann (1872), Ernst Hausmann (1899), Frieda Hausmann geb. Mann (1864) und Martha Hausmann (1901).     
     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet 1873 und 1903      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. März 1873: "In den vereinigten Gemeinden Wachenheim und Monsheim ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters sofort zu besetzen. Gehalt 300 Gulden, Nebeneinkünfte ungefähr 75 Gulden. Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei dem Unterzeichneten melden. 
Worms am Rhein, im Februar 1873. Dr. Alex. Stein, Rabbiner." 
   
Wachenheim Israelit 12031903.jpg (53128 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1903: "Die israelitische Gemeinde Wachenheim (Rheinhessen) sucht zum 1. April 1903 einen seminaristisch gebildeten Lehrer, zugleich Vorbeter und Schochet, Gehalt an Fixum Mark 700, nebst Nebeneinkommen bei freier Wohnung und Heizung. Das Nebeneinkommen würde sich eventuell um ca. Mark 300 erhöhen zur Erteilung des Religionsunterrichtes einer Nachbargemeinde. Ledige Bewerber wollen sich melden bei dem 
Vorstand
."  

 

       

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für die in Wachenheim
 geborene Hertha Loeb
 
 Wachenheim KK MZ Loeb Hertha.jpg (84018 Byte)    
   Kennkarte (ausgestellt in Worms 1939) für Hertha Löb (geb. 6. April 1918 in Wachenheim). wohnhaft in
 Wiesbaden, am 25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen   
 

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaal/der Synagoge               
     
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1830 wurde eine Synagoge erstellt.  
     
1892
wurde die Synagoge umfassend renoviert. Die Planungen hierzu fanden 1891 statt. Erhalten ist (nach Hinweis von Wolf-Dieter Egli, Wachenheim) ein Plan vom Oktober 1891, in dem die Lage der kleinen Synagoge eingetragen ist. Damals wurde eine neue Einfriedung an der Synagoge erstellt. Nach Ausweis der Parzellenkarte gehörte ein freier Raum vor der Synagoge (etwa 10 qm) zur Straße. Von diesem Bereich aus ging eine damals beseitigte Stiege (Treppe) zur Galerie (Frauenempore) der Synagoge. Der Entwurf des Planes wurde durch den damaligen Synagogenvorsteher S. Monat und dem Geometer Wallmannach aus Pfeddersheim unterzeichnet. Die Genehmigung der neuen Einfriedung wurde von der zuständigen Behörde (Kreisamt Worms) am 11. November 1891 unter der Bedingung erteilt, dass die äußere Tür des neuen Holzzaunes entlang der Straße nicht nach außen (zur Straßen) aufgehen darf. 
     
Während der Restaurierung fanden die Gottesdienstes im jüdischen Schulsaal statt. Über die feierliche Wiedereinweihung am Freitag, 11. März 1892 berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" am 21. März 1892: 

Wachenheim Israelit 21031892.jpg (67754 Byte)"Wachenheim (Kreis Worms). Heute Erew Schabbat Paraschat Sachor (Freitag vor dem Schabbat mit der Toralesung Sachor) fand dahier die feierliche Einweihung der restaurierten Synagoge statt. Nachdem um 4 1/2 Uhr im israelitischen Schulsaale der Mincha-Gottesdienst stattgefunden, begaben sich die Festteilnehmer an die Wohnung des Vorstandsmitgliedes, Herrn Fittler, woselbst sich ein stattlicher Festzug ordnete. Unter den Klängen der Musik bewegte sich derselbe durch die mit Fahnen geschmückten Ortsstraßen zur Synagoge. Daselbst angekommen, übergab ein 9jähriges Mädchen Herrn Rabbiner Dr. Stein aus Worms mit passender Ansprache den Schlüssel. Sofort füllte sich das Gotteshaus bis zum letzten Platz. Nachdem die vorgeschriebenen sehr präzis und hübsch vorgetragenen Gesänge unter Leitung des Herrn Lehrers Levy aus Göllheim verklungen waren, hielt Herr Dr. Stein in bekannter Meisterschaft die Predigt über Tora, Awoda und Gemilut Chasodim (die Tora, den Gottesdienst und die Wohltätigkeit)." 

Die genannte Renovierung der Synagoge 1891/92 wurde vor allem von Tünchermeister Zeller aus Harxheim ausgeführt. Die Kosten beliefen sich auf mehr als 3.000 Mark, die die klein gewordene jüdische Gemeinde selbst aufgebracht hatte. Zur Einweihung waren drei Torarollen im Festzug durch den Ort getragen. Auch der evangelische Pfarrer war unter den Gästen. Damaliger erster Vorsteher war Salomon Monat. Das im Bericht aus der Zeitschrift "Der Israelit" genannte Mädchen war die Enkelin des Vorstehers Monat. 
    
Über die weitere Geschichte der Synagoge, vor allem auch, wie lange in ihr Gottesdienste abgehalten wurden, ist bislang nur wenig bekannt. Nach Angaben von Wolf-Dieter Egli (Wachenheim) wurde das Gebäude nach dem 2. Weltkrieg abgetragen. Das Grundstück wurde danach neu bebaut.
    
    
Adresse/Standort der Synagogedie Synagoge stand in der "Sackgasse" (heute "Schmiedgasse"), eine kleine Seitenstraße ca. 30 Meter von der Kirche entfernt. Das Grundstück der ehemaligen Synagoge ist heute dem Grundstück Hauptstraße 25 zugeordnet. Anfang der 1950er-Jahre erfolgte der Übergang. Es ist größtenteils Hoffläche.   
     
     
Fotos / Darstellungen: 
Anmerkung: Ein historisches Foto oder Zeichnungen des Grundrisses konnten bisher nicht gefunden werden. 

     
Gedenktafel am Gebäude der 
ehemaligen jüdischen Schule (?) 
(Fotos: Bernhard Kukatzki) 
Wachenheim Pfrimm Synagoge BeKu 120.jpg (69648 Byte) Wachenheim Pfrimm Synagoge BeKu 121.jpg (110694 Byte)
    Gedenktafel mit Inschrift: "Synagoge & Judenschule - in Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger. In diesem Bereich der Schmiedgasse stand eine 1830 erbaute und 1892 erneuerte Synagoge sowie eine Religionsschule. In Wachenheim wohnten seit Ende des 16. Jahrhunderts zeitweise über zehn Prozent jüdische Bürger. Die jüdische Gemeinde bestand bis zu(r) Reichspogromnacht 1938."

        
         

Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Wachenheim   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Band 2 S. 333-334. 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S.  (mit weiteren Literaturangaben).
Bernhard Kukatzki: Krautkopf und Kehr, Hausmann und Fittler. Neue Namen für die Juden von Wachenheim an der Pfrimm im Jahr 1808:   online zugänglich (pdf-Datei, interner Link)    
   

Hinweis: Wachenheim im Zellertal (= Wachenheim an der Pfrimm) sollte nicht verwechselt werden mit Wachenheim an der Weinstraße, wo es auch eine jüdische Gemeinde gab. Zur Seite über die jüdische Geschichte / Synagoge in Wachenheim an der Weinstraße
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wachenheim. Numbering 58 (about 12 % of the total) in 1861, the Jewish community declined to 27 in 1933. Only four Jews remained in 1939.  
       
       

                   
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Stand: 03. Juni 2015